Tagebuch Januar 2021

1. Januar 2021 Das neue Jahr hat begonnen, und noch nie habe ich mich so sehr zurückgehalten, anderen ein frohes neues Jahr zu wünschen. All den Einschränkungen durch Corona bin ich dermaßen überdrüssig, dass es nur noch besser werden kann. Der Lockdown im Frühjahr, der Herzinfarkt am 31. Mai, die Lockerungen im Sommer, der erneute Lockdown, den ich bereits ab November als schlimm empfunden habe, weil die Gastronomie dicht gemacht worden ist. Nun haben noch Geschäfte geschlossen und eine Woche Homescooling haben wir über uns ergehen lassen müssen. Schlimm war das Jahr 2018, in dem wir zwei Todesfälle in unserer Familie zu überwinden hatten. Dies ist im letzten Jahr dadurch getoppt worden, dass ich dem eigenen Tod begegnet bin, dank der Medizin und den Ärzten aber entkommen bin. Es kann nur noch besser werden, das habe ich so manchen anderen gesagt, die mir ein frohes neues Jahr gewünscht haben. Die Silvesternacht war kennzeichnend für all die Frustration und Vergeblichkeit. Wir bleiben zu Hause und gehen nur wenige Wege zum Einkaufen, zum Tanken oder ins Dorf. Trotzdem steigen die Infektionszahlen und der Lockdown hat alles im Griff. All die Einschränkungen, die wir erdulden müssen, laufen ins Leere. Es bringt nichts, dass wir uns in unsere eigenen vier Wände verbarrikadieren. Das Silvesterfeuerwerk ist spürbar kleiner ausgefallen. Die Gruppierungen von Menschen auf der Straße sind spürbar weniger. Genau das wollten die Virologen und die Bundesregierung. Es wird aber nichts bringen. Wir können uns noch so sehr einschränken, das Virus wird sich weiter verbreiten. Die Virologen und unsere Bundesregierung reden blanken Unsinn.

2. Januar 2021


Die Ruhe war trügerisch und beklemmend in Lockdown-Zeiten. Vom Parkplatz am Camp Altenrath war ich ein Stück die Hühnerbruch-Tour durch die Wahner Heide spaziert, vorbei an einem großflächigen Gelände von Heidebüschen, deren Zutritt durch einen Elektrozaun abgeschirmt war. Als ich abbog, warnten Schilder vor der Sensibilität der Sand- und Heidevegetation: „Bitte nicht betreten, Ruhezone“. Dies respektierte ich, während ich geradeaus auf den Sicherheitszaun des Köln-Bonner Flughafens zuschritt. An seiner Rückseite war ich dem Flughafen noch nie so nahe gekommen, am Übergang vom Naturschutzgebiet zur Start- und Landebahn. Ein Wald aus Kiefern und Birken umstand die gerade Linie des Zauns. Die Start- und Landebahn in Sichtweite, bot sich ein höchst ungewöhnlicher Anblick. Die Drehscheibe des Luftverkehrs glänzte mit einem Sonnenuntergang in flammenden roten Farbtönen. Bald würde sich die verschwommene Scheibe der Sonne absenken, während die Start- und Landebahn kein einziges Zeichen der Regung aussendete. Die Ruhe und die Auszeit vom Fluglärm tat einerseits dem gestressten Körper gut, andererseits beklemmten die startenden und landenden Flugzeugriesen, die sich in ein Nichts aufgelöst hatten. Deren totale Abwesenheit, dass Flugreisen im Lockdown auf Null heruntergefahren worden waren, ließen blass erahnen, was für ökonomische Schäden hier angerichtet wurden. Am Zaun des Flughafens, bei einem bilderbuchartigen Sonnenuntergang, verwandelte sich die Ruhe in Unruhe, welche verhängnisvollen Wendungen des Lockdowns wir tagtäglich ertragen mussten.

3. Januar 2021


Ein weiterer Tag verging, an dem wir Möbel hin- und hertransportieren. Wieder half ein Freund, da wir alleine den Transport sowie die Ab- und Aufbauerei niemals bewältigt hätten. Ein Esstisch wanderte von unserem Wintergarten in die Küche im Haus des verstorbenen Schwiegervaters. Unser Wohnzimmertisch fand im neuen Zimmer des Schwagers ein neues Zuhause. Dafür wanderte der Wohnzimmertisch, der zuvor im Wohnzimmer beim verstorbenen Schwiegervater gestanden hatte, in unser Wohnzimmer. Ein ziemliches Hin und Her für zwei Tische, die sich in ihrer Form ähnelten. Vor diesen Transporten hatten wir in Troisdorf-Spich einen Spiegelschrank abgeholt. Den Kontakt zu der Verkäuferin hatte meine Frau aufgenommen. Ein Mieter, der im Haus des verstorbenen Schwiegervaters einzog, benötigte einen Kleiderschrank, der ziemlich genau 1,20 Meter sein sollte. Dass ein solcher Schrank angeboten wurde, das konnte meine Frau in Facebook recherchieren. So fuhren wir nach Troisdorf-Spich, um diesen Spiegelschrank abzuholen. Tatkräftig half der Freund beim Abbauen mit, noch wichtiger war seine Mithilfe beim Aufbauen. Ich selbst hätte irgendwann kapituliert oder ich hätte eine Ewigkeit gebraucht. Mit der Wasserwaage wurde der Schrank ausgerichtet, seine rechte Seite wurde mit Hölzern unterlegt. Die Eisenwinkel, um ihn in der Wand zu befestigen, hatten wir nicht im Werkzeugkasten. Dies würde später geschehen. Einstweilen stand der Schrank, und unser Mieter im Erdgeschoss konnte einziehen.

4. Januar 2021


Heute war EBay-Kleinanzeigen-Tag. Das Volumen an Hausrat, den wir über den Dorftrödel und den Garagenflohmarkt verkauft bekommen hatten, ist nicht unerheblich. Dennoch sieht man es kaum, dass die Menge an Hausrat zusammengeschrumpft ist. Im Haus des verstorbenen Schwiegervaters haben wir die Anzahl der Umzugskartons reduzieren können, in denen wir Hausrat verstaut haben. Bei uns zu Hause hingegen haben wir immer noch Dinge heran geschleppt, so dass der verkaufte Hausrat die Zuwächse nur leicht übersteigt. Heute sind wir im Haus des verstorbenen Schwiegervaters tätig geworden. Vor allem Porzellan, Geschirr und Gläser wollten wir sichten. Dieses hatten wir nur einem Teil beim Dorftrödel und beim Garagenflohmarkt anbieten können, weil die Stellfläche begrenzt war und weil die Menge an Hausrat so groß gewesen war. Einen Teil verfrachteten wir in die Küche, weil dort Gläser, Tassen und Teller benötigt wurden. Fünf Weizenbiergläser stellten wir ins Zimmer des Schwagers, weil er leidenschaftlich gerne Weizenbier trank. Ein Bowle-Set fotografierten wir, um dieses in EBay-Kleinanzeigen zu stellen. Unter dem Porzellan waren eine Reihe schöner Teller, Untertassen und Tassen dabei, die zusammengehörten. Auch diese Kollektion fotografierten wir, um das Porzellan in EBay-Kleinanzeigen zu verkaufen.


5. Januar 2021


Seitdem wir einen massiven Dissens über Lasagne hatten, betrachte ich Bofrost und Eismann als eine Art von „rotem Tuch“. Sowohl Bofrost wie Eismann suchen uns einmal monatlich auf und fragen nach unseren Wünschen. Dabei tun wir uns äußerst schwer herauszubekommen, welchen Bedarf an Tiefkühlkost wir haben, so dass sich die Sinnfrage stellt, wieso sie uns überhaupt beliefern, zumal eine große und preisgünstige Auswahl an Tiefkühlware in jedem Supermarkt erhältlich ist. Als uns bei einer Belieferung überhaupt nichts einfiel, fragte ich nach Lasagne nach. Prompt bekamen wir die Auswahl an Lasagne gezeigt, und genauso prompt wählte ich an die fünf Packungen aus, die nach dem Foto auf den Verpackungen sehr lecker schmecken mussten. Doch dem war überhaupt nicht so. Sie schmeckten scheußlich, und danach entbrannte ein heftiger Ehestreit über den Sinn und Unsinn, was wir mit Bofrost und Eismann zu tun haben wollen. Ich selbst bin zum Schweigen verurteilt worden, meinen Mund nicht aufmachen zu dürfen, wenn Bofrost und Eismann vor der Haustüre stehen. Bofrost und Eismann sind Chefsache. Heute war wieder solch ein Tag, dass der Eismann in Form einer Frau klingelte, dass ich die Haustüre öffnete und meine Frau herum rätselte, was wir brauchen könnten, während ich den Mund halten musste. Unser Gefrierschrank war so voll, dass kaum noch etwas hinein passte. Wir hatten üppige Vorräte angelegt. Daher kauften wir nichts. Daraufhin verabschiedete sich die Eismann-Frau bis zum nächsten Mal, und sie gab uns das Prospekt mit, das alsbald in unserer Altpapiertonne verschwand.

6. Januar 2021


Im Würgegriff der Pandemie. Vor dem Jahreswechsel war mein Unmut gestiegen, welche Einschränkungen der Staat seiner Bevölkerung zumutet. Für mich war es ein ständiges Ringen, das Haus nicht nur auf wenigen, definierten Wegen zum Einkaufen, zum Tanken oder ins Dorf zu verlassen. Schlimm waren vor allem die Sonntage, gegen die Trägheit der Familie anzureden. Sieht man von meiner Frau ab, kann sich die Familie sehr gut damit arrangieren, von morgens früh bis abends spät im Haus zu bleiben, auf demselben Fleck zu hocken und sich minimal bis gar nicht zu bewegen. Dem steht mein Drang nach Bewegung entgegen, dass mir die Ärzte viermal pro Woche dreißig Minuten moderaten Ausdauersport angeraten haben. Gelingt dies nicht, dann reagiere ich äußerst gereizt selbst auf kleine Unregelmäßigkeiten. Ich fühle mich festgehalten, eingesperrt, ich habe Kopfschmerzen und kann mich kaum konzentrieren. So bin ich am Samstag wahnsinnig geworden, als meine Frau im Erdgeschoss ausgiebig gestaubsaugt hatte. Vor dem Lärm des Staubsaugers bin ich zusammen gefahren, es entstanden Reibereien, dass ich herum stehende Sachen zum Staubsaugen beiseite stellen sollte. Indes kommen mir all die Corona-Maßnahmen zum Hals heraus, ich kann das Thema nicht mehr hören. Diese sind ein Auswuchs von Sinnlosigkeit, weil wir uns ständig im Haus verbarrikadieren, während die Fallzahlen nicht sinken, sondern steigen. Nun ist es noch schlimmer gekommen. Die Bundesregierung hat die Maßnahmen nochmals verschärft, und meine Wut steigt. Wenn jemand dafür verantwortlich gemacht werden kann, dann sind es all diejenigen, die die Regeln ignorieren, bewußt unterlaufen und fahrlässig die Gesundheit anderer gefährden. Nach meiner These sind die Verschärfungen ein nochmaliges Nullsummenspiel. Die Infektionszahlen steigen weniger, anstatt dessen steigen die Erkrankungen durch Depressionen, Vereinsamungen, Bewegungsmangel – oder wie in meinem Fall durch einen Herzinfarkt. In diesen Tagen glaube ich gerne den Argumenten, die Oppositionspolitiker verlauten lassen, um die Verschärfungen der Corona-Maßnahmen zu kritisieren. Dass die Gastronomie keinen signifikanten Beitrag zum Infektionsgeschehen darstellt, dass keine Langfriststrategie erkennbar ist oder dass es nicht sein kann, dass wir von Lockdown zu Lockdwon herum eiern. Unter diesen Rahmenbedingungen tue ich mich äußerst schwer, eine Perspektive auszumachen. Dem Homescooling ab der nächsten Woche sehe ich mit Schrecken entgegen, wenn die Videokonferenzen nicht funktionieren und die Eltern Lehramtstätigkeiten übernehmen müssen. Als einzige Perspektive kann ich die Bewegung ausmachen. Gebannt verfolge ich Tag für Tag den Wetterbericht, wann es Tage geben könnte, dass ich wieder mit dem Fahrrad ins Büro fahren könnte. Ab Mitte Januar ist es abends wieder länger hell, so bis gegen halb sechs. Die Temperaturen müssen allerdings noch stimmen. Mit um die null Grad ist es momentan noch zu kalt.

7. Januar 2021


Bald wird er abgeschmückt werden, und die Idee finde ich weiterhin genial. Es war das erste Weihnachtsfest, an dem wir keinen Tannenbaum gekauft haben. Das Aussuchen konnten wir uns sparen, ein konfliktträchtiger Vorgang in den Fällen, wenn ich alleine den Weihnachtsbaum ausgesucht hatte. Aber auch beim Aussuchen zu zweit war es ein sensibles Thema, den richtigen Tannenbaum im richtigen Wuchs in der richtigen Form zu finden. In diesem Jahr war es viel einfacher, der Schmuck und die Lichterketten sehen in unserem Garten auch viel schöner aus. Der Tannenbaum wächst in unserem eigenen Garten und hat sich schön in das Blickfeld vor unserem Wintergarten gesetzt. Der Blick befreit, weil wir Platz in unserem Wintergarten haben. Das Leuchten in unserem Garten strahlt in die Weite. Ich gehe davon aus, dass unser Tannenbaum noch einige Tage nach den Heiligen Drei Königen stehen bleiben wird.

8. Januar 2021


Der Umbau im Haus des verstorbenen Schwiegervaters frißt nicht nur Zeit, er kostet nicht nur Mühe, man muss nicht nur den Handwerkern und den Gewerken hinterher laufen. Wir haben auch unsere Erfolgeserlebnisse. Der Ergänzungsbetreuer für den Schwager, ein Rechtsanwalt, hat uns mächtig zu schaffen gemacht. Bei wichtigen Dingen ging ohne ihn gar nichts, zuletzt beim Mietvertrag. Diesen musste er für den Schwager unterschreiben. Wie in anderen Situationen, war der Ergänzungsbetreuer ein harter Brocken. Den Mietvertrag hatte meine Frau ihm zugeschickt mit einer detaillierten Zuschlüsselung der Nebenflächen, wie diese der Wohnfläche zugerechnet werden. Dabei setzte die Wohnfläche auf dem Gutachten der öffentlich bestellten Gutachterin auf, dessen Beauftragung der Ergänzungsbetreuer massiv vorangetrieben hatte. Die Zahlenwelt der öffentlich bestellten Gutachterin verstand der Ergänzungsbetreuer offensichtlich nicht. Er kam auf über 10 Euro Kaltmiete, während meine Frau mit den Zahlen der öffentlich bestellten Gutachterin 8,20 Euro gerechnet hatte. Der Ergänzungsbetreuer hatte die Zeichnungen ignoriert, dass eine Wand heraus gerissen worden war und zwei Räume zu einem Raum zusammen gelegt worden waren. Zudem hatte er Nebenflächen wie den Balkon nicht hinzugezählt, die Terrasse hatte er ebenso in seiner Berechnung heraus gestrichen. Er schlug allerdings eine Kaltmiete von 9 Euro vor, die über demjenigen Preis lag, welchen das Sozialamt anerkannte. Auf diesen Kostensatz ließen wir uns ein, meine Frau änderte die Mietflächenberechnungen von 8,20 Euro auf 9 Euro. Die Rückantwort des Ergänzungsbetreuers ließ nicht lange auf sich warten. Er akzeptierte den geänderten Mietvertrag und unterschrieb. Dies versetzte uns in helle Freude, als wir den unterschriebenen Mietvetrag mit der Post zugesandt bekamen. Zu einem besseren Mietpreis gegenüber den beiden anderen Mietverträgen, die wir mit den Bewohnern abgeschlossen hatten.


9. Januar 2021


Als ich, nachdem ich aufgewacht war, zum Schlafzimmerfenster heraus schaute, dachte ich zunächst, es sei gefroren. Rauhreif hing über den Dächern, unser Garten sei im Frostzustand erstarrt. Ich fütterte die Katzen, wollte zu unserem Auto, um beim Bäcker Brötchen zu holen. Innerlich hatte ich mich damit arrangiert, die Windschutzscheibe frei kratzen zu müssen, um losfahren zu können. Doch nichts davon, als ich nach draußen trat. Unglaubliches hatte sich getan. Der weiß gepuderte Belag auf der Natur war kein Rauhreif, sondern Schnee. Und die Temperatur war ein bißchen über die Null-Grad-Marke geklettert, so dass das Freikratzen der Windschutzscheibe entbehrlich war. Zufrieden, dass ich nicht freikratzen brauchte, ließ ich das Naturschauspiel auf mich einwirken. Das Grau des Straßenpflasters passte zum wolkenverhangenen Himmel, alle Dächer waren schneeweiß, Flecken von Schnee verteilten sich in die Vorgärten. Die Kälte zog die Glieder zusammen, der frühe Morgen fühlte sich nach Winter an. Ich startete unser Auto, und mit einem wohligen Gefühl, dass die Heizung mich bald erwärmen würde, fuhr ich los.

10. Januar 2021


So gut wie nichts war los im HUMA-Einkaufszentrum, wo wir unsere Wocheneinkäufe bei real erledigten. Ein paar Bäckereien waren geöffnet, natürlich der real, dazu der Optiker als systemrelevantes Geschäft – das war’s so ungefähr. Rot-weiße Absperrbänder riegelten die Einkaufspassage zu all den Modeläden ab. Die Atmosphäre war trostlos, nichts konnte einen aufmuntern. Dafür war der Andrang vor den Zugängen zum real sehr lebhaft. Die Warteschlange, um hinein zu gelangen, erforderte Geduld und dehnte sich in die Länge, das beobachteten wir vom Inneren des real aus, als wir an der Supermarktkasse warteten. Angesichts dieser Situation müssen alle Geschäftsinhaber verzweifeln. Auf dem abgesperrten Teil der Ladenzeilen dürfte eine Stille wie auf einem Friedhof herrschen. Schaut man auf die Fallzahlen der Corona-Neuinfektionen, dann ist die Botschaft niederschmetternd. Für so manchen Geschäftsinhaber steht seine Existenz auf dem Spiel, die Fallzahlen stagnieren aber lediglich. Eine Perspektive ist nicht in Sicht, indes gelingt es nur wenigen, Schlupflöcher im Gemengelage von Verboten und Restriktionen auszumachen. So sind die Rolltore beim SATURN geöffnet. Kunden dürfen bestellte Ware abholen. Wenn zu Handy-Verträgen beraten werden soll, holen Mitarbeiter die Kaufinteressenten ab. Das Elektronik-Geschäft verrammelt sich mit Schildern, dass jedermann und jederfrau erkennen soll, dass es sich um keine normale Öffnung handelt. Aber was ist in diesen Zeiten schon normal ? Die Geschäftsinhaber nehmen die Maßnahmen als blinden Aktionismus wahr. Ihr Beitrag zur Senkung der Fallzahlen bewegt sich in einem sehr übersichtlichen Umfang, während der Schaden immens sein wird.

11. Januar 2021


Der Sonntag war abermals vorbehalten, im Haus des verstorbenen Schwiegervaters tätig zu sein. Überall war sauber zu machen, eine Freundin half dabei, und ich selbst beteiligte mich ebenso an dieser Putzaktion. Ich machte mich an das Treppenhaus heran, wo vor allem die Verputzarbeiten deutliche Spuren hinterlassen hatten. Die Putzreste hatten sich in den Fugen zwischen den Treppenfliesen eingenistet, auf den Treppenfliesen waren ebenso Spuren von Putz vorhanden. Mit einer Bürste musste ich mächtig scheuern, und auf den Treppenfliesen kratzte ich mit den Fingernägeln auf den Resten herum. Als die Aktion beendet war, war das Treppenhaus zwar nicht frei von Spuren, es sah aber immerhin deutlich sauberer aus. Mehr als drei Stunden hatte ich mich an der Reinigungsaktion beteiligt, und diesmal fühlte ich mich nicht niedergeschlagen. Im Dezember war dies noch anders gewesen. Drei Sonntage waren für Umräumen, Freiräumen, Wegräumen, Einräumen, Möbel aufbauen und Umzugskartons hin- und herfahren drauf gegangen. Das war an die Substanz gegangen. Ich war platt, nervös, müde, leicht reizbar, ich hatte Kopfschmerzen. Anders als heute, wo ich wieder zur Tagesordnung übergehen konnte.

12. Januar 2021


Die Vision der Bundeskanzlerin, dass der Lockdown bis in den April andauern könnte, erfüllte mich mit Wut. Alle redeten nur von Verschärfungen, Verschärfungen, Verschärfungen. In Bayern FFP2-Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln, bundesweit ab einem Inzidenzwert von 200 nur noch ein Bewegungsradius von 15 Kilometern, nächtliche Ausgangssperren. Wir trafen uns nicht mehr mit Freunden, wir blieben zu Hause, mit wenigen Ausnahmen wie Einkäufen, das Maskentragen und das Abstandhalten kam uns zum Hals heraus. Dann durften wir ab dieser Woche wieder unsere pädagogischen Fähigkeiten beim Homescooling ausprobieren. Bei den Infektionszahlen tat sich indes nichts. Die Maßnahmen wurden verschärft, verschärft, verschärft, ein Großteil davon war reiner Aktionismus und taugte zu nichts. Nicht in die Bilanz wurden Kollateralschäden aufgenommen – wie etwa mein Herzinfarkt – aber auch Isolation, Vereinsamung oder Familiendramen, weil alle auf einem Fleck hocken müssen. Wir hangeln uns von Lockdown zu Lockdown, ohne eine Perspektive erkennen zu können. Eine wie auch geartete Normalität ist in ganz weite Ferne gerückt, und so mancher befasst sich mit ganz düsteren Szenarien.

13. Januar 2021


Die Suche nach winzigen Stückchen von Abwechslung, um der Eintönigkeit in den eigenen vier Wänden zu entkommen. Das Corona-Virus ist nicht greifbar, erst recht nicht im Dunkeln. Es wirkt im Verborgenen, ist unsichtbar. Nur im Hellen kann man erkennen, welche Entwicklungen es beschleunigt, wie die Wirkmechanismen greifen und wo seine Auswirkungen verheerend sind. Wie ambivalent es ist und wie es positive Entwicklungen befördern kann. So fühle ich mich im Dunkeln sicher. Kein Virus kann mir etwas anhaben, seine ungebändigte Kraft zeigt sich nicht im Dunkeln. Kontrastierend dazu, erhellt das Lichterspiel der Evonik-Werke. Gut ausgeleuchtet, endet die Baumallee an der Querstraße. Lichtkegel zerschneiden den Rauch, der aus den Schornsteinen quillt. Das Werksgelände, das die Strukturen der Großindustrie im Griff hat, entäußert sich mit seiner inneren Bestimmung. Die Massenproduktion belagert große Industrieflächen. Im Dunkeln ist Ruhe eingekehrt, nachdem LKWs tagsüber aus- und eingefahren sind. Auf der Stille des Parkplatzes wird sich kein Corona ausbreiten. Ich wähne mich in Sicherheit inmitten der menschenleeren Dunkelheit.

14. Januar 2021


Was sich intern verrechnet, was abgezogen wird von denjenigen Ausgaben, die mir bei Einkäufen entstehen, da hatte ich mir gedacht: es geht auch angenehmer. Dabei ging es um Wein, den mir meine Frau bei der Erstattung der Wocheneinkäufe gegen gerechnet hatte. Wein, den wir im Supermarkt eingekauft hatten und den ich abendlich genossen hatte. Die Qualität und der Geschmack des Weines aus dem Supermarkt waren mal besser, mal schlechter. Es geht besser, das hatte ich festgestellt, als ich eine der letzten Flaschen Müller-Thurgau getrunken hatte, die wir uns von einem Weingut aus der Südlichen Weinstraße in Pfalz hatten liefern lassen. Der Geschmacksunterschied war deutlich. Wein trinkt man besser direkt vom Weingut als aus dem Supermarkt, so beschloss ich vorzugehen. Bis vor einigen Jahren geschah die Belieferung regelmäßig, und daran wollte ich nun anknüpfen. Gerne wäre ich in die Pfalz gefahren, um den Wein direkt beim Weingut zu kaufen, doch wie bei so vielen anderen Dingen machte Corona einen Strich durch die Rechnung. So bestellte ich über das Internet. Heute kamen die beiden Kisten Wein als Paket bei uns an. Ich werde den Wein in all seinen Geschmacksfacetten genießen.


15. Januar 2021


Totaler Frust wegen Homescooling. Im Home Office war ich mit Terminen ausgelastet, und unsere Tochter hatte im Homescooling in insgesamt fünf Fächern ihre Hausaufgaben fertig zu stellen. Es waren einfache und schwierige Fächer dabei, mal hatte sie mehr, mal weniger vorgearbeitet. Kritisch waren Biologie, Erdkunde und Physik, wo noch ziemlich viele Aufgaben unbearbeitet waren. Bis 16 Uhr war ich im Home Office entweder in Terminen oder musste diese vorbereiten, weswegen ich die Fragen unserer Tochter nur knapp und unzureichend beantworten konnte. Ab 16 Uhr machten wir uns daran, dass ich für Fragen zur Verfügung stand und unsere Tochter die fehlenden Hausaufgabenteile bearbeitete. Besonders umfangreich wurde es in Biologie. Arbeitsblätter zu Corona waren zu bearbeiten, Schaubilder bei Virusinfektionen waren abzuzeichnen, es waren Fragen zu Malaria zu beantworten. Auf insgesamt sechs zusammen geschriebene Seiten addierten sich die Hausaufgaben. Physik und Erdkunden waren relativ schnell zu bearbeiten, in Biologie dauerte dies aber bis zum Abend. Als Abgabetermin war aber die Uhrzeit von 16 Uhr vorgegeben. Als wir die Biologie-Hausaufgaben erst nach 21 Uhr per E-Mail ablieferten, erhielten wir den knappen Kommentar der Biologie-Lehrerin „zu spät“. Wir waren wütend. Solche Uhrzeiten waren überhaupt nicht kompatibel zu meine Home Office-Arbeitszeit. Nach 16 Uhr waren unsere Abläufe komplett über den Haufen geworfen worden. Wir hatten alles stehen und liegen lassen, um unserer Tochter unterstützend zur Verfügung zu stehen. Wo sie nicht weiter kam, beackerten wir die Aufgaben zusammen. Wenn alles sowieso zu spät war, hätten wir die Zeit sinnstiftender nutzen können. Home Office und Homescooling passen einfach nicht zusammen und schließen sich gegenseitig aus.

16. Januar 2021


Es sollte die erste Nacht werden, in der mein Schwager im renovierten Haus des verstorbenen Schwiegervaters übernachten sollte. Zuvor war es allerdings notwendig, dass das Kopfende des Bettes so stand, dass man eine bestimmte Schublade aus dem Regal neben dem Bett herausziehen konnte. Dies gelang bislang nicht, weil die Krümmung des Bettes ein Stückchen über der Schublade stand. Also sägten wir kurzer Hand ein Stück der Leiste am Kopfende des Bettes ab, so dass dieses näher an der Wand stand. Unser Freund half uns dabei, mit der Stichsäge dieses Stück abzusägen. Nachdem die Krümmung aufgeschraubt war, war von der abgesägten Stelle, die direkt vor der Wand stand, nichts mehr zu sehen. Das Bett war nun bereit für die erste Nacht im neuen Zuhause. Die Anspannung und die Vorfreude waren groß. Die wichtigen Dinge hatten wir herüber transportiert, Anziehsachen, Tassen, Gläser, Fernseher, die Möbel waren bereits vor Weihnachten aufgebaut worden. Am nächsten Morgen war alles in bester Ordnung. Der Schlaf war geruhsam und tief gewesen. Ein Wohlfühlgefühl im neuen Zuhause begann sich einzustellen.

17. Januar 2021


In diesen Tagen, als mir die Balance vollkommen abhanden gekommen war, kostete es einige Mühe, ein kleines Zeitfenster für einen Spaziergang zu beanspruchen. Alles war im Wartemodus, um mich am Sonntag Nachmittag mit To do’s zu überhäufen. Sowohl bei uns zu Hause wie im Haus des verstorbenen Schwiegervater stapelten sich die Arbeitsrückstände, und ich hätte nicht gewusst, wo ich hätte anfangen sollen. Anstatt dessen musste ich an die frische Luft. An Bewegung mangelte es, und an moderaten Ausdauersport von vier mal eine halbe Stunde pro Woche, wozu mir meine Ärzte nach meinem Herzinfarkt geraten hatten, war gar nicht zu denken. Folglich schnitt ich mir die Zeit heraus an diesem Sonntag Nachmittag, um überhaupt an die frische Luft zu flüchten. Im Endeffekt wurden es 45 Minuten Spaziergang in der Wahner Heide.45 Minuten mit einem gewissen Schnee-Erlebnis, weil über Nacht einiger Schnee gefallen war und dieser deutlich sichtbar bis zum Nachmittag liegen geblieben wer, obschon es inzwischen taute. Die Natur war in der Tat phantastisch. Die begrenzte Zeit konnte ich abschalten, aber sie reichte nicht aus, um mein Inneres wieder zu regenerieren. Ich fuhr zum früheren Camp Spich, von wo aus der Weg, der nach dem belgischen König Baudouin benannt war, geradewegs in dichte Kiefernwälder führte. Zeitweilig war es eine matschige Angelegenheit, vorbei an Pfützen und ohne festen Untergrund, wo die herab gefallenen Blätter der Herbstes vor sich her moderten. Das Stück Stillstand der Natur kurz nach der Jahreswende war zu kurz, um ausgiebig wahrgenommen zu werden. Wege gabelten sich, die Reste von Schnee hatten sich gut zwischen Farn und Gräsern behauptet. Die Winterlandschaft schmolz dahin, genauso, wie das Zeitfenster allzu schnell verstrich, das sich zeitweilig geöffnet hatte. Widerwillig startete ich unser Auto und fuhr nach Hause. Dort erwartete mich sogleich dieser Berg von To do’s, der kaum zu bewältigen war. Es waren Sachen herüberzufahren zu Haus des verstorbenen Schwiegervaters. Mein Schwager hatte dort den ersten Tag übernachtet. Es fehlte an Ausstattung in der Küche, Tische und Stühle mussten beiseite gerückt werden. Der Boden musste sauber gewischt und gestaubsaugt werden. Die 45 Minuten, die ich mir tagsüber genommen hatte, zogen eine Aktion nach sich, die bis gegen 22 Uhr dauerte.

18. Januar 2021


Was für Hürden und Umständlichkeiten Geschäfte zu bewältigen haben, um Ware zu verkaufen. Die Geschäfte sind zwar faktisch geschlossen, aber in definierten Fällen darf Ware an Kunden verkauft werden. Bestellt der Kunde bestimmte Ware oder kauft diese im Internet, dann darf die Ware an den Kunden ausgehändigt werden. Die Fälle sind also sehr spezifisch und stark eingeschränkt, dass Geschäfte den Lockdown umgehen können. Kennen lernen durften wir diesen Lockdown-Verkauf in einem Elektronikgeschäft im Nachbarort, nachdem meine Frau einen SAT-Receiver gekauft hatte. Das umgebaute Haus des verstorbenen Schwiegervaters hat nunmehr eine Satellitenschüssel, und dafür benötigten wir einen SAT-Receiver. Diesen hatte meine Frau telefonisch bestellt und später abgeholt. Als wir den Receiver anschließen wollten, bemerkten wir, dass ein Antennenkabel fehlte. Heute rief ich an wegen des Antennenkabels. Im Elektronikgeschäft kam ich nicht weit, weil kurz hinter dem Eingang alles abgesperrt war. Die Bedientheke, wo man mein Kundenanliegen entgegennahm, war ein ganzes Stück entfernt. Der eine Herr wies mich auf den Hof, wo ich das Antennenkabel für den SAT-Receiver im Empfang nehmen durfte. Ein Fenster mit einem Tisch davor, unter dem Dach eines Pavillons. Eine geschützte Zone mit Sicherheitsvorkehrungen bei der Übergabe, als hätte man es mit Terroristen zu tun. In diesen Tagen haben Riesenangst vor mutierten Viren. An diesem Ort sah es so aus, als sei das Virus zu einem Terroristen mutiert. Die Übergabe des Antennenkabels geschah so, als seien wir einer ständigen Bedrohung ausgesetzt. Unbehelligt und in einer ganz besonderen Ausnahmesituation nahm ich das Antennenkabel entgegen.

19. Januar 2021


Es war ein Tag, an dem die Unvereinbarkeit von Home Office, Homescooling und was im Haus des verstorbenen Schwiegervaters zu erledigen war, auf die Spitze getrieben wurde. Die Tagesabläufe blähten sich so sehr auf, dass die Belastung unerträglich wurde. Im Tagesverlauf trieb mich das Homescooling vor mir her und ich wurde zum Sklaven von irgendwelchen Abgabeterminen. Noch vor all den Terminen im Homescooling bekam ich den Vormittag zerschossen. Meine Frau musste nämlich arbeiten, und sie hatte um 9 Uhr einen Termin mit dem Dekorateur, der eine Jalousie in der Küche und eine Gardinenstange im Zimmer des Schwagers anbringen wollte. Derweil musste ich mein dienstliches Pensum im Home Office abarbeiten, dazu war Chemie, Mathematik und Deutsch zu bearbeiten. Wenn man nicht ständig kontrolliert, dann kann es passieren, dass unsere Tochter, obschon sie 15 Jahre alt ist, vor einem leeren Blatt sitzt und nicht weiter arbeitet, weil sie etwas nicht versteht. Man muss also ständig zwei Stockwerke rauf- und runter rennen, um ihr weiterhelfen zu können. Bei den Chemie-Aufgaben darüber, wie eine Kerze brennt, gerieten die Abläufe vollends durcheinander. Als ich gegen 11 Uhr zurückkehrte, saß unsere Tochter vor dem leeren Blatt. Sie musste zwei Zeichnungen, wie eine Kerze brennt, abzeichnen, dazu sechs Sätze in eine richtige Reihenfolge bringen und sechs Fragen über den Brennvorgang bei einer Kerze beantworten. Die Bearbeitung geschah, bröckchenweise, mit großen Verzögerungen. Bei der Reihenfolge der Sätze kam unsere Tochter mittendrin nicht weiter. Drei Fragen beantwortete sie selbstständig, dafür brauchte sie aber sehr lange, bei den letzten drei musste ich weiter helfen. Mit der Mittagspause benötigte sie 4 Stunden von 11 bis 15 Uhr. Mathe und Physik waren anschließend ein Kraftakt, die Aufgaben bis zum frühen Abend zu schaffen. Dazu gezwungen, mich selbst intensiv mit dem Brennen einer Kerze zu befassen, fehlte mir jegliche Konzentration für mein dienstliches Home Office. Den nächsten Querschläger verpasste mir gegen 16 Uhr meine Frau. Am nächsten Tag sollte der zweite Mieter einziehen, dazu war so einiges beiseite zu stellen, wegzuräumen und zu entsorgen. Weil der Hauseingang noch gebaut wurde, war ein Zugang nur über die Terrassentüre oder die Kellertüre möglich. Die Treppe zur Terrasse gestalteten wir neu. Ytong-Steine anders zusammenstapeln, Schaltafeln auf die Ytong-Steine legen, damit die Umzugskartons tragenden Arbeiter unfallfrei auf die Terrasse gelangen konnten. Am Ende des Tages war ich so aufgekratzt, dass mein Kopf brummte. Ich war kaum noch in der Lage, einen klaren Gedanken zu fassen. Gefühlt hatte ich vielfaches an Arbeit wegzuarbeiten, wovon nur ein kleiner Teil zu schaffen war. Und darauf wurde immer neue Arbeit gestapelt, so dass das Missverhältnis immer krasser wurde.

20. Januar 2021


„Schulen und Kitas zu – Familien am Limit“ – diese Sendung im WDR-Fernsehen brachte unsere Situation so ziemlich auf den Punkt. Home Office und gleichzeitig Homescooling, das war lediglich für eine begrenzte Zeit machbar. Der gestrige Tag hatte mir den Rest gegeben, so dass ich mich krank meldete. Meine Fähigkeit, mich zu konzentrieren, ging gegen Null. Dazu kam heute der Einzug des Mitbewohners, so dass die Behinderten-WG im Haus des verstorbenen Schwiegervaters zu einer Zweier-WG anwuchs. Am frühen Morgen wurde noch eine Motorhacke und ein Rasenmäher zur Inspektion abgeholt, dann suchte ich zu Hause im Umfeld der umtriebigen Hektik Ruhe zu finden. Eine Weile brauchte ich für diesen Ansatz von Ruhe, ein Arzttermin war erst am Folgetag frei. Dann schaute ich im Haus des verstorbenen Schwiegervater vorbei, was aus dem Einzug geworden war. Die Umzugshelfer waren bereits verschwunden, als sich eine Runde von Helfern und Betreuern in der Küche versammelt hatte. Viele Umzugskisten stapelten sich im Keller, davon enthielten die meisten Kisten Modelleisenbahnen, was die Leidenschaft des neuen Mitbewohners war. Die Gespräche waren lebhaft bei einer Tasse, und wir erhielten ein dickes Lob, wie standhaft wir gegenüber den Widrigkeiten von Amtsgericht und Ergänzungsbetreuer gewesen waren. Die Einrichtung und Gestaltung der Wohnräume sei uns sehr gut gelungen, was wir wohlwollend zur Kenntnis nahmen, zumal uns das gesamte Renovierungsvorhaben reichlich Nerven gekostet hatte. Im Kreis all derjenigen Damen, die sich um die Zweier-WG, die bald zu einer Dreier-WG werden würde, fühlten wir uns geschmeichelt. Abends genossen die beiden neuen WG-Bewohner den Nudelsalat, den der eine Bewohner, mein Schwager, tags zuvor zubereitet hatte.

21. Januar 2021


Passend zum Einzug des zweiten WG-Bewohners schreiten die Arbeiten voran, um die neue Zuwegung über eine Rampe zu bauen. Diese Rampe, die ich mir vor der Baumaßnahme schwerlich vorstellen konnte, nimmt nun Gestalt an. Dabei bewundere ich die Fähigkeit der Tiefbauer, solche Riesengewichte zu handhaben. L-Steine kenne ich allenfalls aus Baumärkten, aber solche Dinger ? Der Bagger bewegt diese Schwergewichte, er bringt diese in eine exakte Position, damit diese genau bündig, ohne einen Spalt frei zu lassen, aneinander stehen. Die Millimeterarbeit solcher großen und sperrigen Teile fasziniert. Mit Schotter und Erdreich ist die Fläche hinter den L-Steinen verfüllt worden, so dass die Zeit bald ein Ende finden wird, dass wir uns provisorisch behelfen müssen, um in das Haus hinein zu gelangen. Momentan können wir über die Kelleraußentreppe in das Haus gelangen, oder die Bewohner öffnen die Terrassentüre. Diese Umständlichkeiten brauchen wir bald nicht mehr in Kauf zu nehmen.

22. Januar 2021


Die Fahrten zum Wertstoffhof der RSAG sind längst zur Routine geworden. Wenn am Haus gearbeitet wird und wenn die Arbeiten dementsprechend voran schreiten, dann entsteht auch Abfall. Diesmal ist es der Einbau der neuen Fensterbänke, was die Arbeiter bereits Anfang Dezember erledigt hatten. Der Schutt der abgestemmten Fensterbänke war in einer runden Mörtelwanne gesammelt worden. Derweil mussten die Tiefbauer mit dem Bagger hin- und herfahren, um die Rampe zu bauen und Schotter zu verteilen. Dabei stand die Mörtelwanne neben der Hecke so ziemlich im Weg. Das Umladen des Schuttes in eine im Auto stehende Mörtelwanne war ziemlich mühselig, weil ich die Kleinstücke von Schutt alle mit der Hand anpacken musste. So dauerte das Umladen in den Kofferraum unseres Autos eine geraume Zeit. Aus der Garage packte ich Eisenschrott dabei, außerdem die Leiste einer Leuchtstofröhre. Die Fahrt über Eschmar, Sieglar und Friedrich-Wilhelms-Hütte zum Wertstoffhof jenseits der Bahnlinie glitt wie im Schlaf vorüber. An der Sammelstelle, wo der Bauschutt zu entsorgen war, dann das umgekehrte Procedere. Stück für Stück pflückte ich den Schutt mit der Hand aus der Mörtelwanne heraus und schmiss ihn rückwärtig auf den Schutthaufen. Dabei hatte ich hatte ich die Werksgebäude der alten Hüttenwerke, an die das Gelände des Wertstoffhofes angrenzte, im Blick.

23. Januar 2021


Herumstöbern zwischen den 2 Euro-Regalen bei real. Bei den Wocheneinkäufen haben wir auch danach geschaut, was unsere beiden WG-Bewohner gebrauchen könnten. Was an Geschirr, Haushaltswaren und vieles mehr benötigt wird, das stellte sich in diesen Tagen heraus, wenn etwa gekocht wurde. Zutaten und Hilfsmittel fehlten, und genau danach schauten wir bei real. Nach und nach waren wir diejenigen Dinge zur Zweier-WG herüber gefahren, die bei uns zu Hause vorhanden waren. In der Haushaltswarenabteilung haben wir eine Haushaltswaage gekauft, Holzlöffel, Mikrofasertücher, eine Fußmatte, eine Pfanne. In der Lebensmittelabteilung sind Miracoli, Reis, eine Salatgurke, Marmelade, Kaffee, Rosinenstuten und Gürkchen im Einkaufswagen gelandet. Allerlei Nützliches und Kleinigkeiten hielten dann die Regalreihen bereit, die reihenweise für ein Euro oder auch zwei Euro zu haben waren. Die Auswahl von Ein- und Zwei-Euro-Produkten war groß. Wir stöberten hier, stöberten dort. Doch was wir wirklich gebrauchen konnten, war wenig bis sehr wenig. Nur ein Haushaltssieb, das bestimmt seine Funktion in der Zweier-WG erfüllen wird.

24. Januar 2021


Wie sich die Zweier-WG verpflegt und bekocht, das muss sich noch einspielen. Unter der Woche ißt der Schwager in der Behindertenwerkstatt, so dass er abends nicht warm essen muss. Unklar ist noch, wie die Mahlzeiten des neuen, zweiten WG-Bewohners zubereitet werden, und der dritte WG-Bewohner wird in zwei Wochen einziehen. Bereits in den ersten Tagen der WG-Zweiergemeinschaft hat sich herausgestellt, dass es Lücken geben wird beim Kochen. Dann unterstützen wir gerne, was künftig an Sonntagen regelmäßig der Fall sein wird. Zweimal dasselbe Mittagessen in zwei getrennten Haushalten, so haben wir uns heute aufgeteilt. Bei uns zu Hause habe ich Rindfleischsuppe gekocht, dasselbe Gericht hat meine Frau in der Zweier-WG im Haus des verstorbenen Schwiegervaters gekocht. Tiefgefroren hat meine Frau das Suppengemüse und die Beinscheibe mitgenommen, während ich selbst Lauch, Möhren und Sellerie klein geschnitten habe. Meine Frau war schneller, so dass der Zeitversatz stimmte. Als die Rindfleischsuppe in der Zweier-WG fertig gekocht war, kam meine Frau herüber. Zwanzig Minuten dauerte es noch, bis unsere Rindfleischsuppe fertig war. Als wir es uns schmecken ließen, stellten wir fest, dass die Beinscheibe noch länger hätte garen können. Zwei Stunden Garzeit waren offensichtlich noch nicht lange genug.

25. Januar 2021


Friseure und Fußpflege haben so einiges gemeinsam. Seit mehr als einem Jahr fahre ich zur Fußpflege nach Bornheim, und sowohl eine neuer Haarschnitt wie gepflegte Füße bewirken etwas für das Wohlbefinden. Man sieht und kann nachverfolgen, wie sich Stückchen für Stückchen die Frisur oder die Füße verändern. Dabei haben der Friseurstuhl und der Stuhl, wohin man sich mit ausgezogenen Socken lang hinlegen muss, gewisse Ähnlichkeiten. Die Haltung entspannt, das Liegegefühl ist angenehm, eine wohltuende Atmosphäre stellt sich ein. Das Gespräch gehört zum Termin mit dazu. Ein lockeres Resumee über Geschehenes und Banales seit dem letzten Besuch. Man hat aber auch Gelegenheit, seinen Unmut über Ausreißer und Unangenehmes zu äußern. Friseure oder Fußpfleger mögen keine Psychologen sein, sie können aber zuhören. Geist und Seele sind nach einem solchen Termin aufgefrischt, und durch gepustet und mit neuen Gedankengängen fahre ich nach Hause.

26. Januar 2021


Die Ausprägungen des Lockdowns. In welchem Umfang lähmt er die Bewegungen ? Erliegt das Leben in der Stadt bis zum Atemstillstand ? Mit öffentlichen Verkehrsmitteln war ich zur Fußpflege auf die andere Rheinseite gefahren, dabei wählte ich auf dem Rückweg einen Umweg über den Friedensplatz, um den Zustand des Heruntersperrens oder Absperrens – so die Wortbedeutung aus dem Englischen – bewusst zu erleben. In der Tat war es deprimierend, wie sich die Stadt diesem Zustand ihrer Selbstisolation verschrieben hatte. Dieser Zustand, einer Totenstille nicht unähnlich, hatte das Herz der Stadt ergriffen, dort, wo ansonsten das Stadtleben pulsiert hatte. Die Gastronomie und Geschäfte waren dicht, so dass viele Passanten sich aus der Fußgängerzone heraus geekelt fühlten. Selbst die Imbisse waren nicht geöffnet, und die wenigen Passanten, die umher irrten, wussten nicht, wohin, und verschwanden alsbald wieder. Auf dem Friedensplatz fügten sich die Menschen dem angeordneten Zustand, die AHA-Regeln zu beachten und sich so weit wie möglich zu vereinzeln. Wenige Menschen warteten am Bussteig und noch weniger Menschen wagten sich in die wenigen geöffnete Geschäfte wie dem dm-Drogeriemarkt hinein. Der Friedensplatz hatte sich in so etwas wie eine Geisterzone verwandelt, wäre da nicht orange gekleidete Fahrer von Lieferando. Diese Fahrradfahrer in oranger Bekleidung waren gegen den Trend präsent in der Innenstadt. Sie profitierten vom Lockdown, vertrieben Essen-to-go von geschlossenen Restaurants zu den hungrigen Kunden. Das Leben war also nicht ganz lahmgelegt bis zum Atemstillstand, aber trostlos, deprimierend und auch ohne Perspektive, weil der Lockdown nunmehr bereits seit November andauerte.

27. Januar 2021


Im Zustand des Lockdowns leuchten einige Lichtquellen heller, als man es sonst wahrnimmt. Der Zustand, dass man nirgendwo hin kann, befremdet zunehmend. Orte und ganze Städte veröden, Plätze isolieren sich, die Straßen vereinsamen. Wir werden es überleben, irgendwie, trotz all der Verzweiflung, die Geschäftsschließungen, Existenzbedrohungen, die psychische Anspannung und die Selbstisolation nach sich ziehen. Es sind aber nicht alle Lichter ausgegangen. Der Bauernladen in unseren Feldern, den ich sonst kaum wahrnehme, leuchtet um so heller. Hier gewinnen die deformierten Strukturen des Lockdowns wieder zu einer Natürlichkeit zurück. Der Hofladen darf verkaufen. In der sich herab senkenden Dunkelheit erstrahlt der Hofladen in die Weite. Er hebt sich von den Feldern ab, eingerahmt von der Lichterkette an der Dachkante. Im Gegensatz zur Depression des Lockdowns verbreitet er Optimismus. In den vor uns liegenden Zeiträumen wird es weitergehen.

28. Januar 2021


Die Klarheit, was mir Kopfschmerzen bereitete, kam mit der Post. Im Gemengelage von Home Office, Homescooling, was im Haus des verstorbenen Schwiegervaters zu tun war, und der fehlenden Bewegung kristallisierte sich unsere Tochter heraus. Ihre schulischen Leistungen waren schlecht, sie passte im Unterricht nicht auf, und der Aufwand im Homesooling, dass sie ihre Wochenpläne abarbeitete, war immens. Dieser Aufwand fraß so viel Zeit, dass ein Nebeneinander mit all den übrigen Alltagstätigkeiten nicht mehr machbar war. Der Kern des Problems war, dass sie zu wenig übte und dass sie zu wenig strukturiert vorging, um den Stoff in den einzelnen Fächern ausreichend zu verstehen. Das Ergebnis zeigte sich bei ihrem Schulzeugnis, das uns mit der Post zugeschickt wurde und das verheerend ausfiel. Auf einiges waren wir beim telefonischen Elternsprechtag mit einzelnen Lehrern vorgewarnt worden, doch die Noten übertrafen dann sogar unsere Befürchtungen. Um das durchzustehen, werde ich mich selbst entkoppeln müssen. Hoffen, dass das Homescooling irgendwann endet. Das wird aber das Grundproblem der fehlenden Übung und der fehlenden Struktur nicht erledigen. Soweit das Wetter es zuläßt, möchte ich, Fahrrad fahrend, wieder an den Büroarbeitsplatz zurück. Außerhalb davon heißt es: üben, üben, üben und Hausaufgaben machen. Und wenn die Versetzung dann nicht klappen sollte, wird es an einer anderen Schule weitergehen.

29. Januar 2021


Die Maske als das Sinnbild allen Übels, wozu die FAZ geschrieben hatte, dass man lediglich zwischen großen und ganz großen Übeln wählen könne. Die ganz großen Übel sind derzeit in Portugal oder London zu sehen, das ist der Zusammenbruch des Gesundheitssystems und der Krankenhäuser. Die Anzahl der Corona-Infizierten übersteigen die Krankenhausbetten in den Intensivstationen, so dass die Ärzte entscheiden müssen, welche Patienten sie an ihren Beatmungsgeräten am Leben erhalten können und welche Patienten sterben müssen. Kühlcontainer müssen vor den Krankenhäusern aufgestellt werden, weil deren Leichenhallen voll sind. In Portugal ist die 7 Tage-Inzidenz auf 850 hoch geschossen, und die Armee ist im Einsatz, um zu helfen. Die Maske, dessen Sinn vielerorts angezweifelt wird, soll die ganz großen Übel abwenden. Hierzulande wird über die Wirksamkeit von FFP2-, OP- oder Stoffmasken diskutiert. Wo es in der Öffentlichkeit nötig ist, kontrollieren auch die Ordnungsämter und die Polizei, so dass Masken gegen den inneren Widerstand getragen werden. Die Zeiten sind hart, dass wir von den ganz großen Übeln verschont werden.

30. Januar 2021


Eine kleine Überraschung erwartete uns, als wir im Kellerraum im Haus des verstorbenen Schwiegervaters Löcher in der Wand ausbessern wollten. Spachtelmasse hatten wir uns besorgt, um Löcher und kleine Einkerbungen zuzuspachteln. Die Tapete war abgerissen, und als wir uns die Kellerwände anschauten, erlebten wir die kleine Überraschung. Auf einer größeren Fläche bröckelte an der Garagenseite der Putz ab, und an dieser Stelle fühlte sich der Putz feucht an. Merkwürdigerweise war die Wand nur im untersten Bereich feucht, und merkwürdigerweise auch nur zur Garagenseite hin. Da meine Frau und ich diskutiert hatten, zum Fußboden hin eine Verkleidung für das offene Kanalrohr zu bauen, unterließen wir es, die abbröckelnden Stellen an der Wand auszubessern, was mehr oder weniger aufwändig gewesen wäre. So verteilten wir an den übrigen Wänden fleißig Spachtelmasse, und da es die einzigen Stellen mit abbröckelndem Putz waren, machten wir uns keine zusätzlichen Gedanken zu unserem ursprünglichen Plan, auf dem vorhandenen Putz die Wände weiß zu streichen.

31. Januar 2021


In diesen Tagen war ich froh, wenn es mir überhaupt gelang, ein paar Schritte vor die Haustüre zu setzen. Allzu oft waren die Sonntage mit irgendwelchen Tätigkeiten verplant, die unter der Woche nicht zu schaffen waren, so dass die Freiräume klein waren, um vor der Haustüre frische Luft zu schnappen. Dies sollte mir heute dann doch gelingen. Eine, wenngleich ziemlich kleine Runde, drehte ich mit dem Rennrad in der Abenddämmerung, bevor es stockfinster wurde. Zuerst bestaunte ich auf dem Damm das ansteigende Hochwasser, das zunehmend die Wiesen vor dem Damm überflutete. Überflutet war auch der Steg über dem alten Rheinarm des Werth. Die Seenlandschaft war dort besonders beeindruckend, die Seenplatte war durchgängig und einheitlich zwischen den Pappelreihen, die winterkahl wie auseinandergezupft wirkten. Der Strom des Rheins stand beinahe still, das Hochwasser drückte, die Fülle an Wasser faszinierte. Indes war der Damm hoch genug, dass er das Wasser nicht an sich heran ließ. Andere Beobachter, die wie ich unterwegs waren, faszinierte das Naturschauspiel genauso. Als ich zum Behindertenwohnheim abdrehen wollte, begegnete ich der Mutter einer früheren Mitschülerin unserer Tochter aus der Realschule. Wir schimpften über das Homescooling, was sie von ihrem Büroarbeitsplatz gar nicht mehr kontrollieren konnte. Demzufolge musste ihre Tochter einiges selbstständiger arbeiten als unsere Tochter. Sie schimpfte auch über die Klassenlehrerin, die sich ignorant gegenüber der zuletzt bei ihrer Tochter festgestellten Lese-Rechtschreibschwäche verhielt. Ignorant war auch die Schulleiterin, die ganz platt auf das allgemein schlechte Niveau der Klasse verwies. Als ich am Friedhof angelangt war, war es bereits fast dunkel. Hell leuchtete der weit nach vorne gerichtete Lichtkegel meiner Fahrradbeleuchtung, der ein gewisses Gefühl von Freiheit ausdrückte inmitten einer Umgebung, die zur Gewohnheit geworden war. Eine Gewohnheit, die allerdings variieren konnte in der lockeren Abfolge der Tritte auf den Pedalen, die die Fahrradfahrt gemächlich vorwärts trieb.


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