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Tagebuch Februar 2022

1. Februar 2022


Kaiserin Augusta, die Ehefrau des deutschen Kaisers Wilhelm I und Mutter des Kaisers Wilhelm II, hat im Rheinland etliche Spuren hinterlassen. Nachdem sie 1850 in das Koblenzer Schloss einzog, war es ihr Anliegen, dass ihre Kinder im Rheinland aufwachsen sollten. So wurde das Rheinland zu ihrem Lebensmittelpunkt, und es war eines ihrer zentralen Anliegen, dass der Kölner Dom fertig gebaut werden sollte. Die Preußen waren im Rheinland unbeliebt, nachdem 1815 im Wiener Kongress das Rheinland Preußen zugesprochen wurde. Die Fertigstellung des Kölner Doms sollte diese stille Feindschaft zu den Preußen beenden. Der Kölner Kunstsammler Sulpiz Boisseree war die entscheidende Persönlichkeit, die die Fertigstellung des Kölner Doms vorantrieb. An den Gesprächen, den Dom zu vollenden, war Kaiserin Augusta maßgeblich beteiligt. 1842 beschloss das preußische Kabinett, den Dom fertig zu bauen, wozu der preußische Staat 32,5 Prozent der Bausumme bereit stellte. Neben den Inschriften des Königs Friedrich Wilhelm IV, ihrem Vater, und des Kaisers Wilhelm I, ihrem Ehemann, erscheint zum Abschluss der Gedenktafel ihr Name „Augusta“, deutsche Kaiserin und Königin von Preußen 1877-1895. Diese Gedenktafel im Querhaus des Kölner Doms, die von einem profilierten Steinrahmen eingefasst ist, wird auch Augusta-Tafel genannt.



2. Februar 2022


Im Hintergrund tun sich im Haus des verstorbenen Schwiegervaters wichtige Dinge. Der an Depressionen leidende Mieter, der nahezu nicht mehr aus seinem Bett heraus kommt, verweilt in der LVR-Klinik. Da die Unterbringung in der Dreier-WG nicht mehr den Erfordernissen seiner Erkrankung entspricht, soll er in einer Einrichtung untergebracht werden, wo man sich adäquat um ihn kümmern kann. Eine solche Einrichtung – Pflege-, Altenheim oder dergleichen – hat man nun in Rheinland-Pfalz gefunden. Die gesetzliche Betreuerin hat uns nun die Kündigung des Mietvertrages durch ihren Betreuten zugeschickt. Inzwischen hat sich die Lebenshilfe darum gekümmert, Interessenten für einen Nachmieter zu finden. Heute war ein Besichtigungstermin mit einem Interessenten, der in derselben Behindertenwerkstatt wie der Schwager arbeitet. Die beiden kennen sich untereinander, und noch können wir nicht genau beurteilen, inwieweit es Befindlichkeiten zwischen den beiden gibt. Jedenfalls reagierte der Schwager bockig, als meine Frau von dem möglichen Nachmieter erzählte. Während der Schwager arbeiten musste, fand heute der Besichtigungstermin statt. Die Begeisterung des Mietinteressenten, der in einer Zehner-WG in Troisdorf wohnte, war überschwänglich. Dreimal in der Woche wollte er duschen, wobei er eine Dusche ganz für sich hatte. Im Garten hätte er im Sommer gerne ein Schwimmbecken aufgebaut. Von der Küche war er ebenso begeistert, wobei seine Leidenschaft nicht unbedingt das Kochen war. Am liebsten wäre er so schnell wie möglich eingezogen, was wir allerdings dem Schwager noch schmackhaft machen mussten. Wenige Tage Bedenkzeit gewährten wir dem Mietinteressenten, danach würden wir den Mitvertrag abschließen wollen. Da die Bockigkeit des Schwagers inzwischen aufgehört hatte, waren wir optimistisch, dass sich die beiden miteinander arrangieren würden.



 

3. Februar 2022


Schaut man genau hin, so ist der Ständebaum in unserem Nachbarort eine Mogelpackung. In der Höhe sind die Wappen der Zünfte schön anzusehen. Schaut man bei diesem Stelldichein der traditionellen Wappenformen genau hin, so fallen nicht nur die Elektriker auf, die es als Zunft nie gegeben haben kann. Zünfte hatten sich als Handwerkervereinigungen gebildet, die am Aufschwung mittelalterlicher Städte maßgeblich beigetragen hatten. Einfluss und Macht auf das Geschehen in der Stadt waren groß, die Regeln für die Ausübung des Handwerks waren eng. Im Umkehrschluss verband sich das Schicksal der Stadt stark mit den ansässigen Handwerkern. Mit dem Beginn des Industriezeitalters schwand der Einfluss der Zünfte, die schließlich durch die bürgerliche Schicht der Kapitalgeber verdrängt wurde. Den Beruf eines Elektrikers kann es in solchen mittelalterlichen Zeiten noch nicht gegeben haben, genauso stolpere ich über die Kaufleute, die kein Handwerk im engeren Sinne ausüben. Als Kaufmann mit einem abgeschlossenen BWL-Studium trifft dies auf mich persönlich besonders zu, ich benutze keine Werkzeuge im eigentlichen Sinne, Laptop und Schreibtisch sind meine Betätigungsfelder und auch das Arbeitsergebnis ist nicht ähnlich sichtbar wie bei Handwerkern. Ich produziere Zahlenkolonnen, Diagramme oder Empfehlungen für die Geschäftsleitung, aber nichts körperlich anfassbares. Der Ständebaum im Nachbarort wirkt so etwas zurechtgebogen. Das muss nicht negativ sein, wenn man die Arbeit von Elektrikern oder Kaufleuten würdigen will.



4. Februar 2022


Ich stellte fest, dass Mobilität und Reisen die Themen waren, worüber ich gerne Konversationen führte. Bei einer Tasse Kaffee, nachdem ich unsere Tochter in Dortmund abgesetzt hatte, erzählten die Mutter ihres Freundes und sein Stiefvater von der Kreuzfahrt durch das Mittelmeer, die sie in den Weihnachtsferien unternommen hatten. Die Kanarischen Inseln, Cadiz, Malaga, Barcelona und die Balearen waren Ziele der Kreuzfahrt. Dann erzählten sie über den Urlaub in den Sommerferien, den sie zuletzt gebucht hatten. Zu siebt, mit Freunden zusammen, hatten sie ein Ferienhaus in der Bretagne gemietet. In Frankreich hatten sie zusammen noch nie Urlaub gemacht, die Vermieter seien Deutsche, so dass sie sprachlich in den Räumen der Ferienwohnung keine Probleme bekommen dürften. Der Stiefvater des Freundes unserer Tochter besuchte indes einen Französisch-Kurs, um sich einige Grundkenntnisse anzueignen, wovon ein bißchen von seiner Schulzeit hängen geblieben sein dürfte. Als sie den Ort in der Bretagne nannten: Concarneau, wurden meine literarischen Leidenschaften zu neuem Leben erweckt. Ich erinnerte mich an den Roman „Die bösen Schwestern“ von Concarneau von Georges Simenon, den ich bis heute sehr, sehr schätze. Ich spürte in mir, wie sehr ich früher die Non-Maigret-Romane mit großer Leidenschaft verschlungen hatte. Fasziniert hatten mich die Alltags-Beschreibungen, die Psychologie der handelnden Personen, die Kunst, statische Situationen voller Leben auszufüllen. Das Banale wurde bei Simenon zur Monumentalität. Von alledem ahnten die Dortmunder ganz und gar nichts. Dabei spürte ich den Wesensunterschied zwischen mir und den beiden: die Bewältigung des Alltags in der Familie hatten sie geprägt, das Haus und alles drumherum, was alles abzuarbeiten war. Ich war da etwas abgedrehter und verhaftet in literarischen oder anderweitigen Kunstwerken. Mobilität und Reisen wurden so zu einer Gesprächsbasis, aber von den Themen, die sich um Haus und Heim drehten, war ich ein Stück weit entfernt. Solch ein Stück weit entfernt wie die Bahnschranke, die sich in Dortmund geschlossen hatte.  



5. Februar 2022


Der Kampf mit den Tücken der Informationsverarbeitung beim Finanzamt. Bei den jährlichen Steuererklärungen hat die Anwendung ELSTER, worin man sich über das Internet einloggen kann, weitergeholfen. Die Steuererklärung über ELSTER ist einiges praktikabler als in Papierform, so wie die Steuerklärung jahrzehntelang gefertigt werden musste. Nun, nachdem wir unsere Feststellungserklärung für die Erbengemeinschaft abgegeben hatten, wollten wir Belege über ELSTER dem Finanzamt zur Verfügung stellen. Das Finanzamt hatte uns geschrieben, welche Belege sie haben wollten und über welche Menüfunktion wir dies über ELSTER erledigen konnten. In einem Textfeld konnten wir eine Nachricht hinterlegen, daran angehängt konnten wir jede Menge PDF-Dateien beifügen. Dies taten wir dann fleißig und hängten insgesamt 14 PDF-Dateien an. Doch dann kam diese Fehlermeldung: „Fehler innerhalb der Seite … die Bezeichnung eines Anhangs muss innerhalb einer Datenlieferung eindeutig sein … „ Ich variierte, veränderte die Bezeichnungen – vergeblich. Ich reduzierte die Anhänge, doch die Fehlermeldung hielt sich hartnäckig. Als 12 Uhr nachts längst überschritten waren, kapitulierte ich. Ich speicherte ab und schob mein Laptop genervt beiseite. Auf jeden Fall hatte ich keine Lust, all die Belege auszudrucken und den Stapel in Papierform an das Finanzamt zurück zu schicken.



6. Februar 2022


Leichtes Durcheinander am Sonntagnachmittag, nachdem sich eine Freundin unserer großen Tochter mit ihrer Familie angekündigt hatte. Sie kamen aus Bonn, hatten zwei kleinere Kinder, und unsere große Tochter hatte ihnen in Freiburg zwei Corona-Viren als Kuschelexemplare besorgt. Die Idee war schräg: so wie das Corona-Virus unter dem Mikroskop aussah, waren die Viren lebensnah in ein Kuscheltier verwandelt worden. Was gefährlich war und schwere Krankheitsverläufe bis hin zum Tod oder Long-Covid verursachen konnte, das war mit einem Mal zum Kuscheln und Wohlfühlen. Diese Vorstellung mochte schwerfallen, dass das Virus eine Verwandlung durch gemacht hatte und all seine Schrecken abgelegt hatte. Genau um 14.52 Uhr schrieb die Freundin unserer ältesten Tochter eine Whatsapp, dass sie in Bonn losgefahren waren. Als Treffpunkt war diesmal das Haus des verstorbenen Schwiegervaters vereinbart worden. Das leichte Durcheinander entstand, da sich der Schwager am Telefon nicht meldete. Meine Frau versuchte mehrfach, ihn zu erreichen – vergeblich. Das war merkwürdig, weil er das Haus fast nie verließ, so dass er nahezu seine gesamte Zeit im Wohnzimmer oder in der Küche verbrachte, wo das Telefon stets in seiner Nähe war. Als meine Frau ihn im Haus des verstorbenen Schwiegervaters aufgesucht hatte, stellte sie fest, dass sie seinen Launen ausgeliefert war. Das klingelnde Telefon hatte ihn genervt, und er hatte einfach keine Lust gehabt, den Hörer abzuheben. So war es nun, und bald kam die Freundin unserer großen Tochter mit ihrer Familie an. Die Kinder hatten sich sehr über die beiden Corona-Viren als Kuscheltiere gefreut.  



7. Februar 2022


Mondgesicht – genau ein solches hatte sich in meinem eigenen Gesicht gebildet, nachdem ich eine Zeitlang ein Cortison-haltiges Medikament zu mir genommen hatte. Aufgefallen war mir dieses Anfang Dezember letzten Jahres bei einem virtuellen Weihnachtskaffee in unserem Team, wozu wir alle die Videofunktion mit der Kamera aktiviert hatten. Alle unsere Gesichter waren zu sehen, dabei fiel mir auf, wie sehr die Rundungen in meinem Gesicht zugenommen hatten. Insbesondere zwischen Kinn und Kiefer waren die Gesichtspartien richtig fett geworden, was nicht unbedingt hübsch anzusehen war. Die Backen waren aufgedunsen, an Bewegung mangelte es sowieso, doch dies war dann nicht der wahre Grund, wie das Gesicht aussah. Budenofalk hieß das Cortison-haltige Medikament, das ich gegen den Morbus Crohn genommen hatte. Drei Kapseln musste ich morgens schlucken, wodurch sich das tägliche Quantum an Tabletten vorübergehend auf 9-10 Stück erhöht hatte. All die Tabletten hatten wenigstens den Effekt, dass die Verdauungsbeschwerden sich deutlich verbessert hatten, ja, der Verdauung ging es noch viel besser als vor der Morbus-Crohn-Erkrankung. Wie so oft, waren Medikamente höchst ambivalent. Einerseits heilten sie Erkrankungen, andererseits zeigten sie Nebenwirkungen. Seit Mitte Januar habe ich das Cortison-haltige Medikament abgesetzt, und ich glaube im Spiegel zu beobachten, dass das Mondgesicht ein wenig zurück gewichen ist. Mit diesem Aussehen tat oder tue ich mich schwer, mich selbst zu mögen. Bildlich wünsche ich das Mondgesicht auf den Mond, und gerne möchte ich die Zeit zurück drehen auf eine Zeit vor dem Herzinfarkt und vor Morbus Crohn.


8. Februar 2022


Meine Frau meinte, es sei eine Einladung „pro forma“ gewesen. Eine Einladung aus Höflichkeit, weil wir Kunden waren, die man nicht ignorieren könne. Meine Frau hatte eine Phase, dass sie sich verändern wollte und einige Bewerbungen geschrieben hatte. Mitauslöser dafür war auch gewesen, dass sie im Behindertenwohnheim mit einer bestimmten Kollegin nicht klar kam, die in ihrer Arbeitszeit höher gestuft worden war, aber einen sehr chaotischen Arbeitsstil praktizierte. Meine Frau hatte bereits eine Zusage in einem Wäschereibetrieb in St. Augustin, sie hatte ein Bewerbungsgespräch gehabt in einem Lager im Nachbarort, das Sportkleidung vertrieb. Sie hatte sich ebenso beworben bei der Postagentur in unserem Ort, die in einem Gartenmarkt untergebracht war, wo wir regelmäßige Kunden waren. Die Bewerbung meiner Frau zu ignorieren, das hätte vielleicht Auswirkungen haben können auf unsere Kundenbeziehung. So war meine Frau morgens noch zum Friseur, um sich die Haare machen zu lassen. Als sie abends nach Schließung des Gartenmarktes vorsprach, spielte sogleich der Zufall mit: der Inhaber des Gartenmarktes und die Inhaberin des Friseursalons waren in derselben Schulklasse gewesen. Die Gemeinsamkeiten entwickelten sich rasch: meine Frau hatte oft in Facebook unseren Garten gepostet, was wir dort anbauten und wie der Garten aussah. So verlief das Bewerbungsgespräch um die Stelle in der Postagentur extrem locker. Die Frau des Inhabers des Gartenmarktes, die die Postagentur betrieb, wollte in den Ruhestand gehen, eine andere Mitarbeiterin war weggezogen, so dass ihr der Weg zur Arbeitsstelle zu weit geworden war. Gegenseitige Sympathie prägte das Vorstellungsgespräch, und in den nächsten Tag sollte die Zusage kommen, dass meine Frau die neue Arbeitsstelle in der Postagentur haben könne. Die neue Stelle hatte zudem den Charme, dass die Wochenarbeitszeit 20 Stunden betrug, so dass meine Frau für die Rente einzahlte.


9. Februar 2022


Wer nach historischen Stellen in unserer heimischen Umgebung sucht, der muss sich von der Umklammerung durch Neubaugebiete und Industriegebiete lösen. Diese sind bisweilen ausgeufert, den Mangel an Wohnraum können sie kaum beheben, und Arbeitsplätze sowie Gewerbesteuereinnahmen sind in den Industriegebieten herzlich willkommen. So braucht man etwas Beharrungsvermögen, um in das Innere dieser historischen Orte vorzudringen. Sieglar und Eschmar sind die ältesten Stadtteile von Troisdorf, die 832 in den Güterverzeichnissen des Bonner Cassius-Stiftes gemeinsam erwähnt werden. Davon ist der Marktplatz im Stadtteil Sieglar sehenswert, der einerseits nicht herausgeputzt und aufgemotzt ist. Andererseits hat der Gestaltungswille sich dort nicht ausgetobt, so dass man ihn in seiner Ursprungsform belassen hat. Der Platz ist großzügig in seiner Rechtecksform, wenngleich ein Teil als Parkplatz genutzt wird. Mehrere schmucke Fachwerkhäuser säumen den Platz, zwei Kneipen an den gegenüberliegenden Ecken des Platzes sehen gemütlich aus. Sieht man vom Siegburger Marktplatz ab, so ist dies der einzige Flecken weit und breit, wo sich das historische Ambiente eines Platzes erhalten hat. Solche Flecken zu finden, fällt schwer inmitten des Wirrwarrs von Verkehr, Hektik, Lärm und Bebauung. 



10. Februar 2022


Im Fernsehen hatte ich zuletzt eine Sendung über nachhaltiges Katzenfutter gesehen. Katzenfutter und Nachhaltigkeit, das waren anscheinend zwei Dinge, die überhaupt nicht zusammen passten. Alleine der ganze Verpackungsmüll ist immens. Wir kaufen Nassfutter von Felix, das einzeln in Plastikbeuteln verpackt ist, welche anschließend in den gelben Sack wandern. Bei drei Katzen und dreimal täglichen Mahlzeiten kommen wir alleine auf neun leere Beutel pro Tag. Mit Nassfutter aus Dosen haben unsere Katzen ihre Probleme, nur unser Kater Oskar frißt bisweilen Nassfutter aus der Dose von Mjam-Mjam. Zuletzt haben wir einen Bericht im Fernsehen gesehen, dass Nassfutter aus Insekten besonders nachhaltig ist. Dabei zeigte der Fernsehbericht Katzen, die das Insektenfutter fleißig vom Fressnapf fraßen, dabei fraßen sie so viel und so zügig, dass sie nicht aufhören wollten. Nicht so bei unseren Katzen. Das Insektenfutter in Dosen von Mjam-Mjam ließ er lieber stehen. Er schnupperte ein wenig an den Insekten, die Brocken von Futter rührte er aber nicht an, er nahm lieber Abstand davon und wartete auf Katzenfutter, das seine Geschmacksrichtung traf. Da war nichts zu machen. Unsere Katzen sind mit all dem Müll, den sie produzieren, und all dem Katzenstreu, das wir in den Restmüll entsorgen müssen, so wenig nachhaltig wie all dieses Mikroplastik, das sich in Flüssen und Meeren wieder findet und das kaum verhinderbar ist, dass es früher oder später in die Nahrungskette gelangt. So schlecht Katzenfutter und Nachhaltigkeit zusammen passen, so wenig möchten wir auf unsere drei Vierbeiner verzichten.



11. Februar 2022


Eine Autobahnsperrung sorgte dafür, dass ich eine Stadtlandschaft abseits der eingefahrenen Strecken zu sehen bekam. Auf der Fahrt nach Dortmund war die Autobahn A1 zwischen Wuppertal-Nord und Gevelsberg wegen eines Unfalls mit mehreren LKWs gesperrt mit zehn Kilometern Rückstau bis Wuppertal-Langerfeld, so dass ich den Stau mit einer Fahrt durch Wuppertal bis Gevelsberg umfahren wollte. Genau diese Fahrt durch Wuppertal war nicht uninteressant. Wuppertal gehört zu denjenigen Flecken auf der Landkarte, wo ich noch nie gewesen war. Die Fahrt durch Wuppertal überraschte mit deutlichen Steigungen und Gefällen, mit groß abgesteckten Fabrikgeländen und mit dieser bergischen Häuserarchitektur mit verschieferten Häuserfassaden, viel Fachwerk grünen Zierelementen. Obschon Wuppertal eine Industriestadt war, gab diese Mischung der Stadt ein angenehmes Aussehen und weckte meine Neugierde. Höchst beschaulich kam mir der Stadtteil Langerfeld vor. Beim Vorbeifahren konnte ich einen großzügigen Kirchplatz beobachten, um den sich lauter Häuser in diesem bergischen Baustil scharten. Etliche Restaurants konnte ich erkennen. Dieser Platz war wie aus einem Guss und ein Ort der Gemütlichkeit, wo man es gut hätte aushalten können. Alsbald verließ ich Wuppertal, ich erreichte Schwelm und musste nach Gevelsberg suchen, wo ich dann wieder eine ganze Zeitlang herum kurvte. Als ich genau am Autobahnkreuz Wuppertal-Nord ausgekommen war, erkannte ich, dass es mir überhaupt nicht gelungen war, den Stau zu umfahren. Anstatt dessen bog ich ab auf die Autobahn A43 in Richtung Bochum, wo ich dann doch über die Autobahnen A44 und A45 den Stau über Bochum und Witten umfuhr.



12. Februar 2022


Irgendwie will in diesem Jahr aus dem Winter nichts werden. Keinen einzigen Tag hat es geschneit, oft ist es trüb, manchmal regnet es, selbst die Tage mit Frost sind höchst selten. Ohne jegliche Akzente, war dieser Winter ereignislos vorbei gegangen, indem er konstant zu mild gewesen war und mit der zähen Wolkendecke wenig Abwechslung geboten hatte. Heute ist eine solche Ausnahme, dass es doch gefroren hat. Gestern war die Wolkendecke aufgerissen, in der Nacht war es aufgeklart und unter der sternenklaren Nacht, hatte sich der Frost und der Rauhreif ausgebreitet. Das Naturschauspiel des Rauhreifs war in diesem Winter höchst selten zu beobachten. Einsam uns verlassen, läßt einen die Szenerie auf dem Rheindamm vor Kälte erstarren. Ein einsamer Jogger spult seine Strecke auf dem Damm ab und ist mit seinem Lauftempo rasch wieder verschwunden. Es regt sich kaum Leben und der Rauhreif hat die Natur im Griff. Die Eiskristalle bedecken das Gras, die Wiesen und den Auenwald hinter dem Rheinarm. Ganz anders als in den vergangenen Wochen, zeigt sich ein blauer Himmel, der sich gegen einen blassen Wolkenschleier behauptet. Die Sonne sickert stetig hindurch und läßt die Eiskristalle glitzern. Der Rauhreif hellt das Gemüt auf und kann den stetigen Kreislauf aus Home Office, Kochen, Essen und Schlafen etwas aufbrechen.



13. Februar 2022


Ein Sonntag, der mit einem Knaller enden sollte. Zunächst hatte sich um halb zehn der Bruder des WG-Bewohners im Haus des verstorbenen Schwiegervaters angekündigt, um einen Großteil des Hausrats auszuräumen. Sein Bruder war depressiv, so dass er sich nahezu nicht mehr aus seinem Bett heraus wagte. Mit diesem Krankheitsbild war er in die LVR-Klinik eingewiesen worden. Von dort aus hatte man einen Platz in einer WG in Bad Breisig organisiert, wo eine Rund-um-Betreuung gewährleistet war. In dieser WG wohnten sowohl Menschen mit geistiger Behinderung wie Menschen mit psychosomatischen Erkrankungen, und seit der Einweisung hatte sein Bruder größere Fortschritte gemacht, dass er wieder aktiver wurde und sein eigenes Leben organisierte. Um den Wohnungswechsel hinzubekommen, hatte seine gesetzliche Betreuerin die Wohnung in der Dreier-WG gekündigt. Sein Bruder sortierte an diesem Sonntagmorgen aus, welcher Hausrat bei seinen Geschwistern deponiert werden würde und was entsorgt werden sollte. Um 13 Uhr wollte sein Neffe mit einem Transporter kommen, auf dessen Ladeinnenraum die 33 Kisten mit Zubehör von Modelleisenbahnen und der ganze Rest hinein passen sollten. Im WG-Zimmer blieb das Mobiliar stehen, das uns gehörte, das war das Bett, ein Kleiderschrank und ein Computertisch. Ein Tisch war zu entsorgen, dazu viele Regale und Regalbretter, die im Keller standen. Diese hatten uns im letzten Frühjahr sehr viel Zeit gekostet, weil wir vor einem Jahr noch die Absicht gehabt hatten, die Eisenbahn im Keller der Dreier-WG rekonstruieren zu wollen. Dies wurde zu einem wahnsinnigen Zeitfresser, weil keine brauchbaren Fotos vorhanden waren und der WG-Bewohner kaum Hinweise liefern konnte, wie alles angeordnet und zusammen gebaut war. Als ich nach 13 Uhr vom Mittagessen zurück kehrte, waren die 33 Kartons mit Modelleisenbahnen bereits eingeladen in den abgestellten Transporter, und das Zimmer des WG-Bewohners leerte sich allmählich. Gegen 16 Uhr war alles erledigt und verladen, und in der Garage sammelten sich die Teile, die auf den Sperrmüll gehörten. Etwas später, noch bevor unsere Tochter mit ihrem Freund aus Dortmund zurück gebracht wurde, kam der Knaller: der Freund unserer Tochter war positiv auf Corona getestet worden. Über mehrere Tage hinweg hatte er Erkältungssymptome gehabt, mehrere Selbsttests waren negativ gewesen, der letzte Selbsttest war dann doch positiv. Ein Selbsttest unserer Tochter war negativ gewesen, doch so eng, wie die beiden einander waren, würde sich dies bald ändern. Einstweilen übergaben die Dortmunder unsere Tochter, ohne dass wir Kontakt miteinander hatten, und wir schickten unsere Tochter sobald auf ihr Zimmer. Fortan mussten wir die Kontakte mit unserer Tochter begrenzen, wir mussten FFP2-Masken anziehen, wenn wir ihr begegneten, und meine Frau brachte ihr das Essen auf ihr Zimmer. Selbst unsere Katzen durften nicht auf ihr Zimmer, da auch sie Corona übertragen konnten.



14. Februar 2022


Die Reaktion der Realschule auf die mögliche Infektion unserer Tochter fanden wir höchst merkwürdig. Vorsichtshalber schickten wir sie nicht zum Schulunterricht, doch darauf äußerte sich ihre Klassenlehrerin: entweder müsse sie positiv getestet sein oder sie müsse Erkältungssymptome haben, ansonsten müsse sie am Unterricht teilnehmen. So hoch wie uns die Wahrscheinlichkeit erschien, dass sie an Corona erkranken würde, hielten wir die Einstellung der Realschule für höchst makaber. Anscheinend sollte ein Maximum von Schülern infiziert werden, die Schulen als Virenschleuder ? Auf diese Art und Weise katapultierten sich die Schulen in die Rolle von Ischgl, als Super-Spreader inmitten von Schülern, die sich in die Arme fielen, eng beieinander standen und in Gruppen auf dem Schulhof umhergingen – wie ging es auch anders ? Hinzu kam, dass relativ gesehen wenige Schüler geimpft waren, was eine ideale Grundlage schuf zur Verbreitung des Virus. Wenngleich die Krankheitsverläufe unter Schülern eher milde waren, trugen die Schüler das Virus umgekehrt wieder in ihre Familien zurück. Während wir mit der Vorgehensweise der Realschule haderten, unterzogen wir unsere Tochter einem Schnelltest in unserem Pfarrheim. Es war gewiss, dass der Schnelltest früher oder später positiv ausfallen würde. Derweil hatte der Freund unserer Tochter in Dortmund einen PCR-Test durchführen lassen, wozu das Ergebnis noch nicht vorlag. Diesmal war das Ergebnis bei unserer Tochter noch negativ. Wie lange noch ? Wir warteten darauf, dass Corona bei uns zu Hause gemessen und getestet ankommen würde.


15. Februar 2022


Die Fahrt mit dem Rennrad ins Büro, eine Fahrt zwischen Zerbrechlichkeit und Bewahren. Zwischen der Siegaue und dem Rheinarm ist etliches Gehölz abgeholzt worden, das neben dem Radweg in die Höhe gewachsen ist. Die Reihen von hohen Sträuchern und Bäumen sehen nun ungewohnt licht aus, so dass man geradewegs auf die Felder schauen kann. Das Geländer des Radweges neben der Böschung ist an einzelnen Stellen beschädigt worden bei der Fällung des Gehölzes, daher die Zerbrechlichkeit des Geländers. Bei der ersten Fahrt in diesem Jahr mit dem Rennrad ins Büro klammere ich mich an das Bewahren, weil die Eindrücke während der Fahrradfahrt auf dem Radweg zwischen dem Geländer und der Leitplanke wieder aufleben. Wenn der Tagesgang sich weitestgehend zwischen Home Office, Kochen, Spülen, Schlafen und ein paar Besorgungen im Ort bewegt, bin ich dankbar für jede Abwechslung. Die Strecke von Zuhause ins Büro ist stets reich an Eindrücken gewesen, die auf dem Fahrrad intensiver wirken als mit dem PKW oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Im Vorfeld war die Anspannung groß gewesen, wie die Fahrradfahrt verlaufen würde. Über den Winter hinweg hatte ich mich nahezu nicht bewegt, und bereits im Dezember hatte ich mich bei einer Fahrt ins Büro dermaßen erschöpft gefühlt, als hätte ich einen Kraftakt sondergleichen vollbracht. Daher verlief auch hier die Fahrradfahrt zwischen Zerbrechlichkeit und Bewahren. Die Fahrradfahrt ließ ich langsam angehen in einem mäßigen Tempo, um die Kräfte in der Taktung des Herzschlages zu bewahren. Gegenüber der Münsterkirche machte ich eine Viertelstunde Pause und trank einen Kaffee. Alles gut verlaufen, das stellte ich fest, als ich nach Beendigung des Arbeitstages nach Hause zurück gekehrt war. Ich fühlte mich bestens, weil der Körper in Bewegung gewesen war.



16. Februar 2022


Böse Überraschung beim Zahnarzttermin. Alle drei bis vier Monate lasse ich beim Zahnarzt eine professionelle Zahnreinigung durchführen, die an diesem Tag anstand. Zusätzlich sollte ich bei diesem Termin eine Kunststoffschiene für den Unterkiefer erhalten, da sich beim Schlafen erste Schäden an der Prothese am Oberkiefer zeigten. Die kleine, zierliche Zahnarzthelferin, so gegen Ende 20, legte behutsam los mit der Säuberung der Zahnzwischenräume. Sie zirkelte ihre Instrumente, die einem Bohrer ähnelten, genau aus, so dass ich an keiner Stelle bei der Zahnreinigung einen Schmerz verspürte. Am Oberkiefer, nachdem ich die Prothese abgelegt hatte, geschah dann doch das Malheur. Der Oberkiefer stellte ein System dar von Implantaten und Zahnkronen, worauf die Prothese aufsetzte und die Teleskopverbindungen einhakten. Als sie die Verunreinigungen an einem überkronten Zahn entfernte, brach dieser mitsamt der Krone ab, so dass der Stumpf des abgebrochenen Zahns stehen blieb. Ich war entsetzt. Die Zahnarzthelferin beruhigte, ebenso der später herbei geholte Zahnarzt. Die Zahnarzthelferin meinte, man könne die abgebrochenen Zahnreste ganz einfach wieder zusammen kleben. Der Zahnarzt sah dies ähnlich locker. „Wir retten Ihren Zahn“ triumphierte er, noch bevor seine Instrumentarium zum Einsatz gebracht hatte. Nachdem der Zahn mit der Wurzel geröntgt wurde, analysierte er kurz und treffend. Der Zahn sei abgestorben, die Substanz des Zahnes könne weiterhin für eine Überkronung genutzt werden, man müsse aber die Wurzel und den Nerv entfernen. „Wir retten Ihren Zahn“, so resümierte er. Dann setzte er eine dicke Spritze, als ob er den Zahn ziehen wolle. Eine Weile musste ich warten, bis die Spritze in vollem Umfang wirkte, dann stocherte er mit einem spitzen und kurzen Draht in dem Zahn herum. Kurz war auch die Herumstocherei in dem Zahn, wo ich nichts fühlte wegen der Spritze. Das einzige Unangenehme war die steife Lippe wegen der lokalen Betäubung, was mich dann dazu brachte, mich für diesen Tag krank schreiben zu lassen. Der Gesamteindruck war dann doch, dass ich eine böse Überraschung beim Zahnarzt erlebt hatte, weil ich mich bei einer professionellen Zahnreinigung auf ganz andere Dinge eingestellt hatte. Am folgenden Dienstag muss ich wiederkommen. Der Zahnarzt hatte die Wurzel und den Nerv entfernt, das entstandene Loch hatte er mit einer Substanz aufgefüllt. Beim nächsten Termin wird die Zahnkrone mit dem abgebrochenen Zahnstück eingearbeitet werden.



17. Februar 2022


Endlich wieder bei einer Fernsehaufzeichnung dabei sein, eine angenehme Abwechslung. Im Vorfeld gab es allerdings ein paar Dinge zu organisieren, dabei wurde es ziemlich hektisch. Wir hatten über das Internet Karten für die Quizsendung „Quiz für Dich“ mit Jörg Pilawa gebucht. Meine Frau, der Schwager und ich wollten dorthin, und die Bedingung dafür, dabei sein zu können, war ein tagesaktueller Negativtest. So hatten sich meine Frau und ich direkt nach 8 Uhr testen lassen, danach fand ich mich auf meinem Home-Office-Arbeitsplatz ein. Nachdem meiner Frau die neue Arbeitsstelle in der Postagentur in unserem Ort so gut wie sicher war, musste sie dort um 10 Uhr probearbeiten. Danach konnte ich mich zu Hause auf meine Arbeit konzentrieren, um die Mittagszeit kochte ich Reste von Soße mit Reis sowie Reste von Rindfleischsuppe für unsere Kinder, nach 13 Uhr stieß meine Frau zu uns, sie aß, was von der Rindfleischsuppe übrig geblieben war. Sie brachte die positive Nachricht vom Probearbeiten mit, dass sie am 1. März beginnen könne. In der nächsten Woche könne der Arbeitsvertrag unterzeichnet werden, dazu solle sie erneut einen Nachmittag probearbeiten. Je näher der Termin der Fernsehaufzeichnung rückte, um so hektischer wurde es. Meine Frau wollte im Behindertenwohnheim, dem Noch-Arbeitgeber, vorbei schauen und Details der Kündigung klären. Um 15.30 Uhr standen zwei weitere Schnelltest-Termine an, einer für meinen Schwager und einen für unsere Tochter (der dann auch positiv war). Derweil musste ich an einer Telefonkonferenz teilnehmen, die prompt eine Viertelstunde länger dauerte. Damit war es bereits 16.15 Uhr, als meine Frau zeitgleich von den Schnelltests zurück kehrte. Um 17 Uhr mussten wir in den Fernsehstudios in Hürth sein, um unsere Karten für Jörg Pilawa ausgegeben zu bekommen. Bis meine Frau sich frisch gemacht hatte und bis wir den Schwager abgeholt hatten, zog sich die Abfahrt in die Länge. Das war kurz nach halb, so dass uns nur noch 25 Minuten bis Hürth verblieben. Ja nach Berufsverkehr, hatte ich eine Fahrzeit von 45 Minuten bis zu einer Stunde einkalkuliert. Diesmal kamen wir verkehrstechnisch besonders gut durch. Um 17.20 Uhr kamen wir an, wir mussten noch etwas suchen, bis wir das richtige Studio gefunden hatten, aber wir waren bei weitem nicht die letzten Zuschauer. Wir hätten uns sogar noch etwas mehr Zeit lassen können. Die Fernsehsendung war gut gemacht. Prominente mussten Quiz-Aufgaben für einen guten Zweck lösen, dabei war die Art der Quiz-Aufgaben sehr heterogen. Neben den klassischen Quiz-Aufgaben waren Lückentexte zu Musikstücken zu füllen, der Bother konnte betätigt werden, es waren Mathematik-Aufgaben zu lösen oder Bilder eines Memory mussten gemerkt werden. Järg Pilawa gab sich sehr publikumsnah, und im Vorfeld äußerte er sich, dass es wirklich Prominente waren, die man nicht in Google suchen müsse. Diese wirklich Prominenten Uwe Ochsenknecht mit seinem Sohn Norman Gonzalez, Michael Mittermeier, einer der Sänger der Fanastischen Vier, der Sänger Sasha und die Schauspielerin Jasmin Tabatabai, hielten, was sie versprachen. Das Quiz war höchst unterhaltsam, die Eernsehaufzeichnung war an keiner Stelle unterbrochen von Werbeblocks, die Pausen und Stillstand erzeugt hätten. Als wir so ziemlich genau um 22 Uhr nach Hause zurück kehrten, machten wir einen Stopp an der Frittenbude, weil wir Hunger hatten, wir setzten uns hin und aßen dort.



18. Februar 2022


Leicht und locker und lässig gingen an diesem Tag die Wocheneinkäufe ab. Weil es an diesem Tag eintausend Payback-Extrapunkte ab einem Einkaufswert von einhundert Euro gab, entschieden wir uns für real im HUMA-Einkaufszentrum. Die Einkäufe spulten wir ab, indem meine Frau die Grenze von einhundert Euro genau nachhielt. Weil sie eine zweite Payback-Karte für unsere Tochter dabei hatte, ging ihr Plan genau auf. Die Waren in unserem Einkaufswagen summierten sich auf 209 Euro zusammen, und die ersten einhundert Euro bezahlte sie, indem sie unsere Payback-Karte vorzeigte, und bei den zweiten einhundertneun Euro ließ sie die Payback-Karte unserer Tochter in Freiburg einscannen. Die eintausend Payback-Extrapunkte entsprachen immerhin einem Gegenwert von zehn Euro, so dass wir diese unserer Tochter zugute kommen ließen, die sie bestimmt gut gebrauchen konnte. Inzwischen war es früher Nachmittag, und nach diesem Erfolgserlebnis ließen wir uns bei einer Tasse Kaffee nieder. Im Café Extrablatt waren im Außenbereich vor der Eingangstüre noch Plätze frei, und wir redeten, während wir den Kaffee tranken, über den Geburtstag unseres Sohnes am heutigen Tag, dazu hatten wir es nicht geschafft, uns um ein Geschenk zu kümmern. Natürlich redeten wir über die neue Stelle meiner Frau ab März in der Postagentur in unserem Ort, dass sie einen Monat noch übereinander bekommen musste, im Behindertenwohnheim zu arbeiten, weil man sie dort erst ab April gehen ließ. Wir redeten über die Ungeschicklichkeiten ihrer Kollegin, dass sie über Facebook kommunizierte, dass insgesamt zwei 450 Euro-Jobs im Behindertenwohnheim gesucht würden. Dabei hatte sie die Jobangebote in Facebook so fotografiert, dass man ihre Füße sehen konnte, dabei war das ausgedruckte Papier auf der rechten Seite leicht zerknickt. Anscheinend hatte noch niemand auf die Jobangebote reagiert, was die Arbeitslast der drei dort beschäftigten Mitarbeiterinnen in der Hauswirtschaft erhöhte. Im Anschluss, nachdem wir den Kaffee getrunken hatten und miteinander gequasselt hatten, schlenderten wir nach TKMaxx und stellten nebenher fest, wie erleichternd doch die Lockerungen der Corona-Regeln waren. Wir konnten einfach so hinein- und hinausgehen nach TKMaxx, die Kontrollen der 2G-Regeln waren schlichtweg weggefallen. Einen Impfnachweis brauchten wir dort nicht mehr vorzuzeigen, und die Schar der in der Textilkette bummelnden Kunden kam uns ziemlich groß vor. Wir schauten nach Rucksäcken, nach Geldbörsen und nach T-Shirts, wo wir dann doch fündig wurden inmitten der T-Shirts nach einem Geburtstagsgeschenk für unseren Sohn. Eine ganze Zeitlang bummelten wir in den Ecken des TKmaxx und genossen einen vollkommen entspannten Nachmittag beim Einkaufen. So leicht und locker und lässig traten wir dann die Heimfahrt an.  



19. Februar 2022


Nach dem Sturm ist vor dem Sturm – so brachten die Wetterpropheten die Lage auf den Punkt. Mittwochnacht Sturm, Freitagnacht Sturm, Samstags und Sonntags beruhigte sich die Lage. Großflächig hatten die beiden vergangenen Stürme Ylenia und Zeynep immense Schäden angerichtet, darunter auch in NRW. Die beiden Orkane waren mit Windgeschwindigkeiten bis zu 120 km/h hinweggefegt. Bäume waren entwurzelt worden, LKWs waren auf der Autobahn umgestürzt, eine Rheinbrücke musste bei Emmerich gesperrt werden, der Zugverkehr war eingestellt worden, in Teilen des Rhein-Sieg-Kreises war der Strom ausgefallen. Am Donnerstag war in NRW der Schulunterricht ausgefallen. Als ich vom Bergheimer Sportplatz in Richtung der Siegmündung los spazierte, hatte der Sturm seine Spuren hinterlassen. Ein umgerissener Baum versperrte den Weg. Regen hatte eingesetzt, der den nächsten Sturm ankündigte. Dieses Sturmtief sollte für Unruhe in der nächsten Nacht sorgen. Einstweilen waren die Böden von all dem Regen aufgeweicht, und als ich versuchte, den umgestürzten Baum zu umgehen, hatten meine Schuhe mit all dem Matsch zu kämpfen, dem ich mit großen Schritten zu entkommen suchte. Besser hätte ich mich gebückt unter den Baum, wo der Teerweg einen festen Untergrund geboten hätte. So oder so durchlebten wir unruhige Tage mit kurzen Ruhephasen des Sturms, der in der Nacht pfiff und aufheulte und eine Zeitlang verhinderte, dass wir einschliefen.



20. Februar 2022


Beim Spaziergang vom alten Bergheimer Sportplatz in Richtung der Siegmündung konnte man sich wahrhaftig nicht vorstellen, dass wir von den Großstädten Köln und Bonn umzingelt waren. Der Abschnitt vor der Siegmündung, wo der Rhein und die Sieg parallel zueinander verliefen, war vollkommen naturbelassen. Felder gingen nahtlos über in den Uferstreifen der Sieg, wo Kieselsteine das Ufer säumten sowie Sträucher und Kopfweiden den Uferweg begleiteten. Es war alles so perfekt ruhig, weil die Landzunge der Siegmündung eine Art von Niemandsland war, wohin sich kaum eine Menschenseele verirrte, ganz im Gegensatz zu demjenigen Stück rheinaufwärts, wo am Mondorfer Hafen die Sieg schlussendlich in den Rhein mündete. Dass sich die Sieg an dieser Stelle auf historischem Terrain bewegte, davon war seit mehreren Jahrhunderten nichts mehr zu sehen. Noch im 30-jährigen Krieg hatten die Niederländer auf der Landzunge der Sieg die Festung Pfaffenmütz gebaut, bereits nach zwei Jahren hatten spanische Truppen 1622 die Festung erobert, danach spielte sie im 30-jährigen Krieg keine Rolle mehr, weil die großen Schlachten des 30-jährigen Krieges im Süden, Südwesten und Osten Deutschlands geschlagen wurden. Nicht einmal Ruinen oder Fundamente sind von der einstigen Festung übrig geblieben, selbst die Sieg ist seitdem in ihrem Verlauf begradigt worden, so dass man sich auf der Landzunge eine solche Festung nicht mehr vorstellen kann. In unserem Keller haben wir übrigens einen Kupferstich der einstigen Festung stehen, auf der man ihre Gestalt erkennen kann, die denjenigen von Vauban-Festungen in Frankreich nicht unähnlich sieht. Sowohl in Ebay wie auf Dorftrödeln hatte ich vergeblich versucht, die Kupfergravur auf einem Holzbrett zu verkaufen. Dass es solch eine Festung vor langer, langer Zeit gegeben hatte, das schien wohl an allen potenziellen Kaufinteressenten vorbei gegangen zu sein.



21. Februar 2022


Schwierige Zeiten durchlebt unsere Tochter in der Quarantäne. Wir zählen die Tage durch, bis sie frei getestet werden kann. Der Schnelltest letzten Donnerstag war positiv, ein PCR-Test kann entfallen, weil bei den sehr hohen Infektionszahlen die Kapazitäten fehlen. Das Krankheitsbild ist weiterhin ruhig und entspannt, weil unsere Tochter fast gar keine Krankheitssymptome zeigt. Für eine kurze Zeit war ihre Körpertemperatur leicht erhöht – das war es. Das Gesundheitsamt war so überlastet, dass telefonisch niemand erreichbar war. So haben wir den Corona-Fall offiziell nicht melden können, so dass dieser in den sehr hohen Infektionszahlen nicht einmal auftaucht. Nächsten Donnerstag könnte sie mit einem Negativ-Test frei getestet werden, und so lange muss sie in der Quarantäne auf ihrem Zimmer ausharren. Wir bringen ihr das Essen auf ihr Zimmer und tragen dabei eine FFP2-Maske. Die Nutzung des Badezimmers im ersten Stock ist ihr ausschließlich vorbehalten, wir gehen auf die Toilette im Erdgeschoss. Derweil sieht es so aus, als könnten wir dadurch das Virus eindämmen. Die Schnelltests von meiner Frau und mir sind weiterhin negativ. Wir hoffen, dass ab nächsten Donnerstag der Tagesgang wieder ohne Corona ganz normal seinen Lauf nehmen kann.


22. Februar 2022


Der Mannheimer Platz in Freiburg – eine Luftnummer. Ich schleppte mich mühsam über diesen Platz. Der Platz war überflutet von Autoverkehr, der Platz war äußerst unpraktisch für Fußgänger, weil der Bürgersteig viel zu klein war und ich nicht wusste, wohin. Neben dem breiten Band, das für die Autofahrer reserviert war, waren die Fußgänger an den Rand gequetscht und es ging massiv den Berg hinauf, um zur Fußgängerampel zu gelangen. Die Grünphasen für die Fußgänger waren kurz, sehr kurz, um mich auf die gegenüberliegende Straßenseite zu manövrieren. Die Angst, überfahren zu werden, war allgegenwärtig. Der Fußweg kam mir vor wie ein Horrortrip in Freiburg, irgendwo am Stadtrand in den auslaufenden Hängen des Schwarzwaldes, wo alsbald massive Anstiege zu bewältigen waren. Hohe Baumreihen verdunkelten das Tageslicht, und es wurde richtig schaurig in unwegsamem Gelände. Ich wanderte fernab von der Straße, wo der Übergang vom dichten Gedrängele des Autoverkehrs zur Abgeschiedenheit im Wald vollkommen unharmonisch war. Es kam mir so vor, als wolle mich das wuchernde Gestrüpp am Wegesrand regelrecht verschlucken. Das Gelände war unwegsam wie ein Urwald. Nicht viel fehlte, als würden irgend welche Dämonen und Geister erscheinen – und mein Schaudern im Schwarzwald intensivierte sich. Ich spürte, dass jemand nach meinem Arm griff, und der Griff wurde fester und schmerzte. Was geschah ? Beinahe hätte ich geschrien – und in diesem Moment wachte ich in unserem Bett auf. Ich hatte einen Alptraum gehabt. Meine Frau hatte an mir gerüttelt und geschüttelt, weil ich geschnarcht hatte. Nun verließ ich den Schwarzwald in Freiburg sowie den Mannheimer Platz und starrte anstatt dessen auf den Wecker. Mitten in der Nacht, es war noch vor fünf Uhr, stierte mir die digitale Uhranzeige des Radioweckers entgegen. Das war mindestens genauso öde wie die mit Verkehrslärm durchsetzte Landschaft des Schwarzwaldes fernab vom Mannheimer Platz in Freiburg. Augenblicklich drehte ich mich im Bett um und versuchte weiter zu schlafen, doch meine Frau hinderte mich konsequent daran. Mit dem Versuch zu schlafen lebte mein Schnarchen wieder auf, so dass meine Frau und ich uns gegenseitig wach hielten. Da ich keine Lust hatte, im Wohnzimmer auf der Couch zu schlafen, blieb ich im Bett liegen – und wir beide hielten uns so lange wach, bis der Radiowecker sich einschaltete, um uns zu wecken. Das war gegen viertel vor sieben. Viel zu wenig Schlaf und ein Albtraum in Freiburg, die Zeichen standen schlecht für den tatkräftigen Beginn eines Arbeitstages. Einer der ersten Tätigkeiten war das Googeln. Ich suchte nach dem Mannheimer Platz in Freiburg, den es gar nicht gab. Ein Phantom, eine Luftnummer, ein Phantasiegebilde, dessen Örtlichkeiten im Schlaf mich stark an Freiburg-Kappel erinnerten. Der Tag sollte noch halbwegs glimpflich verlaufen. Es sollte mir gelingen, die nötige Konzentration aufzubringen, um meine Arbeit im Home Office zu erledigen.


23. Februar 2022


Mit dem Rennrad ins Büro – ein komplett anderer Lebensrhythmus hat sich sogleich eingestellt. Unterwegs auf dem Fahrrad werden die Beobachtungen geschärft, die Horizonte erweitern sich, Gedankenketten kommen in Gang. Das Herz schlägt, die Atmung wird eins mit dem Körper, der mit der Seele wiederum eins wird mit der Umgebung. Dieses Gefühl beflügelt, ich gebe viel darum, mich weg vom Home Office zu begeben hinein ins Büro, wo ich nicht nur den persönlichen Kontakt pflegen kann, sondern auch die Fahrstrecke dazwischen habe, die mich mental wieder aufbaut. So auch heute. Es war das zweite Mal in diesem Jahr auf dem Rennrad ins Büro. Ärgerlich war allerdings, dass die Hinterlegung des Impfnachweises auf der Mitarbeiter-App nicht funktioniert hatte, so dass ich nicht ins Großraumbüro hinein kam. Dazu musste ich eine ganze Zeitlang warten, um mich durch die Glasschranken hindurch zu schmuggeln, als ein unbekannter Kollege sein Großraumbüro über den Flur verließ. Tagsüber lachte die Sonne vom blauen Himmel, und auf dem Rückweg machte es Spaß, den Platz der Vereinten Nationen hinter mir zu lassen, die Rheinpromenade entlang zu radeln, über die Kennedybrücke den Rhein zu queren und über den Rheindamm weiter nach Hause zu radeln.



24. Februar 2022


Wenn Bauarbeiten an Straßen oder öffentlichen Wegen begonnen werden, da kann einem Angst und bange werden. Wenn Baufirmen und Bauarbeiter loslegen, dann vermag sie niemand mehr zu stoppen. Sie bauen und wühlen und machen – und kaum etwas tut sich. So schleppen sich die Arbeiten auf der Hauptstraße in unseren Nachbarort dahin, die Arbeiten kommen nur im Schneckentempo voran – seit August letzten Jahres. Angeblich ist der Kampfmittelräumdienst Schuld an der Misere, denn irgend welche Blindgänger von Bomben könnten sich im Untergrund aus dem letzten Weltkrieg verstecken. Und wer will so etwas, dass ein Blindgänger hoch geht und ein Rudel von Arbeitern in den Tod reisst ? Lieber vorsichtig als vorschnell als dass die Baustelle in einem üblichen Baufortschritt zu Ende geführt wird. Lange Zeit stand der Maschinenpark parat – ohne nennenswerten Baufortschritt. Mehr als ein halbes Jahr wird nun gebaut, und man kann doch so etwas wie Baufortschritt erkennen. Der Straßenbelag ist abgetragen worden, und in der anderen Straßenrichtung stapeln sich die Brocken von Asphalt. Baustellen haben so etwas ominöses, unerklärliches, verkehrtes und absurdes. Nun quält sich der Autoverkehr ein halbes Jahr lang über die Umgehungsstraße um die Baustelle herum, und die trüben Aussichten, dass es viel zu wenig vorwärts geht, vergehen in dem Tageswerk von Fräsmaschinen.



25. Februar 2022


Als ich in unserem Auto saß und unsere Tochter bei den Eltern ihres Freundes in Dortmund abgegeben hatte, hatte ich ein schlechtes Gewissen. Am Rosenmontag hatten sie und ihr Freund schulfrei, und diesmal sollte sie mit dem Zug zu uns nach Hause zurück fahren. Einmal war ich mit ihr zusammen diese Streck gefahren, sie sollte in Schwerte in den Regionalexpress nach Krefeld einsteigen, in Köln-Deutz musste sie umsteigen, in Porz-Wahn aussteigen und die restliche Strecke den Bus nehmen. Sie war auf dem Zimmer ihres Freundes, als ich mit der Stiefmutter ihres Freundes besprach, welchen Zug sie genau am Montag nehmen sollte. Sie würde unsere Tochter zum Bahnhof nach Schwerte bringen, mit ihr eine Fahrkarte lösen, schauen, dass sie in den richtigen Zug einstieg und dann wieder zurück fahren. Ich verabschiedete mich nicht von unserer Tochter, weil ich nicht in das Zimmer ihres Freundes hoch ging. Als ich mich irgendwo auf der Autobahn A1 auf dem Rückweg befand, fiel mir ein, dass ich ihr eigentlich den Rückweg mit der Bahn noch einmal erklärt haben wollte. Dies würden wir nun per SMS erledigen müssen, einen Teil würde auch die Stiefmutter ihres Freundes erklären können, aber nicht die ganze Rückfahrt. Ich hatte ein mulmiges Gefühl, dass sie das falsche Gleis in Köln erwischen könnte, in den falschen Zug einsteigen könnte, in die falsche Richtung fahren könnte, am falschen Bahnhof aussteigen könnte oder den falschen Bus nehmen könnte. Alleine als 16-jährige mit der Deutschen Bahn unterwegs, mussten wir genauso Angst haben, dass sie belästigt würde. Diese Vision lastete das ganze Wochenende auf uns, dass sie heil mit dem Zug am Montag von Dortmund bei uns zu Hause ankommen würde.


26. Februar 2022


Die Suche, das Kriegsgeschehen in der Ukraine zu verarbeiten. Schaut man in die Medien, wird über nichts anderes als über Krieg berichtet. Russische Truppen sind in die Außenbezirke von Kiew eingedrungen, die Schlacht um Kiew hat begonnen. Der ukrainische Präsident Selenski verbreitet zwar über das Netz Durchhalteparolen, früher oder später wird sein Regierungssitz aber von russischen Truppen eingenommen werden und es wird eine pro-russische Regierung eingesetzt werden. Der Überfall Russlands auf die Ukraine ähnelt dem Einmarsch des deutschen Kaiserreichs am 4. August 1914 in Belgien oder dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen am 1. September 1939. Damals hatten die deutschen Soldaten 14 Tage bis 3 Wochen gebraucht, um das einwohnermäßig und truppenmäßig deutlich unterlegene Land zu überrennen. Ähnlich ist die Erwartungshaltung in der Ukraine, dass Russland das viel kleinere Land in einem solchen Zeitraum überrennen wird. Was kommt dann ? Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass gerade bei unserer Tochter die Ängste groß sind, dass der Krieg auch uns in Deutschland erreicht. Die Antworten fallen schwer, wenn es um Atomwaffen geht oder einen potenziellen dritten Weltkrieg. Und die historischen Daten des 4. August 1914 und 1. September 1939 hatten gleich mehrere Jahre Krieg nach sich gezogen und keine paar Wochen. Ich selbst weise es von mir, mich mit solchen Szenarien zu befassen, wären da nicht die Medien, die andauernd über den Kriegsverlauf, über Kämpfe, Zerstörungen, über Tote, über das Leid der Bevölkerung, über Flüchtlinge und über Sanktionen, die kaum greifen werden, berichten. In der Ukraine wird Russland niemand stoppen können. Mental zieht einen dieser Krieg mitten in Europa nach unten. Den Kopf kriege ich nicht gänzlich frei, Panzer und die Einschläge von Granaten wabern im Hintergrund, der Krieg in Europa hat siebenhundert Kilometer entfernt von unserer Grenze eine andere Dimension als derjenige in Syrien, im Jemen oder im Sudan. Was fehlt, ist eine Verarbeitung der allgegenwärtigen Bilder aus den Medien. Ich erinnerte mich an das Album „War“ von U2, das ich als eine der besten Alben aller Zeiten schätze. „Sunday bloody Sunday“ nimmt einen konkreten Bezug auf den Bürgerkrieg in Nordirland. „New Years Day“ thematisiert die Verhängung des Kriegsrechtes in Polen im Dezember 1981. „It takes a second to say goodbye“ spielt an auf die Bedrohung durch Atomwaffen. „Refugee“ verweist auf Flüchtlinge. Gleich mehrfach habe ich mir das Stück „Drowning Man“ angehört, das nichts direkt mit Krieg zu tun hat, sondern auf das verbindende Band der Liebe verweist. „The love will last forever“, zum Schluss des Stückes wiederholt die Irrsinnsstimme von Bono diesen Refrain, der so eindringlich ist, dass er die Ausprägungen des Krieges überstrahlt.



27. Februar 2022


War dies die vorerst letzte Möglichkeit, einen Spaziergang durch die Wahner Heide zu machen ? Die Sonntage sind alles andere als strukturiert. Wir schlafen lange, frühstücken lange. Wir kochen, obschon wir lange gefrühstückt haben, das Mittagessen zieht sich in die Länge, dann spülen, und so mittendrin im Nachmittag wird meist unsere Tochter von Dortmund zurück gebracht. Papierkram ist immer zu erledigen, das Putzen kommt stets zu kurz, so dass die Zeitfenster für Unternehmungen mit meiner Frau stark geschrumpft sind. So habe ich die Gelegenheit heute Morgen für einen Spaziergang durch die Wahner Heide genutzt, weil meine Frau geleichzeitig arbeiten musste. Dies würde das vorläufig letzte Mal so sein, weil sie ab nächsten Monat ihren Arbeitsplatz wechseln wird. Und auf ihrem neuen Arbeitsplatz in der Postagentur in unserem Ort wird sie samstags, aber nicht sonntags arbeiten. Die Wahner Heide war im letzten Winter und im letzten Frühjahr während des Lockdowns so etwas wie ein Zufluchtsort, weil man nichts anderes unternehmen konnte als spazieren zu gehen. So war einer der wenigen positiven Nebeneffekte von Corona, dass ich viele Ecken der Wahner Heide kennen gelernt hatte, die mir bislang unbekannt waren. Regelmäßig hatte es sich sonntags ergeben, dass ich dorthin gefahren war. Da wir Corona in diesem Winter ohne Lockdown überstanden haben und da wir die Rückkehr unserer Tochter aus Dortmund am Sonntag integrieren mussten, sind die Gelegenheiten zur Fahrt in die Wahner Heide seltener geworden. Vom Prinzip her ist das schade, weil ich die Vielfalt der Natur schätzen gelernt habe. Auch im Winter, wenn die Bäume kahl sind, hat die Wahner Heide ihre Reize. Selbst wenn die Heide verblüht ist, ist der Kontrast der dunklen Heidelandschaft gegen den blauen Himmel groß. Der sandige Untergrund bestimmt das Landschaftsbild. Mit ihrem kahlen Geäst ragen allein stehende Bäume aus dem Bewuchs von Gräsern und Heide noch stärker heraus. Zur winterlichen Jahreszeit strahlt diese Landschaft noch mehr Ruhe aus. Ich genieße es, diese Landschaft durch streifen zu können. War dies die vorerst letzte Möglichkeit dazu ?



28. Februar 2022


In den Tagen davor war mir reichlich mulmig zumute, doch die Rückfahrt unserer Tochter von Dortmund sollte sich als harmlos heraus stellen. Sie fuhr diesmal alleine mit der Bahn zurück, vom Bahnhof in Schwerte, sie musste umsteigen in Köln-Deutz, dort in die S-Bahn und in Köln Porz-Wahn aussteigen. Ich hatte dieses mulmige Gefühl auch deshalb, weil ich mich nicht von ihr verabschiedet hatte, als sie auf dem Zimmer ihres Dortmunder Freundes war. Währenddessen hatte ich mich mit dem Vater ihres Freundes und seiner Stiefmutter unterhalten, bevor ich mit unserem Auto die Rückfahrt nach Hause angetreten hatte. Die Rückfahrt unserer Tochter mit der Bahn hatten wir diskutiert. Wir hatten besprochen, dass sie um 14.25 Uhr den RE7 in Richtung Krefeld ab Schwerte nehmen sollte. Bis Solingen musste sie eine Fahrkarte lösen, weil ab dort ihr Schüler-Ticket galt. Geld hatte ich ihr mitgegeben, die Stiefmutter ihres Freundes wollte sie mit dem Auto bis Schwerte fahren. Insofern war für mich alles geregelt, so dass ich gar nicht daran dachte, mich von unserer Tochter zu verabschieden. Als sie in Köln war, schrieben wir uns noch einige SMS, weil sie die S-Bahn in die falsche Richtung genommen hatte, nämlich in Richtung Düren. Daraufhin stieg sie am Hauptbahnhof wieder aus, während am Kölner Rosenmontag die große Friedensdemonstration mit 250.000 Teilnehmern statt fand. Davon dürfte sie am Hauptbahnhof nichts mitbekommen haben, sie stieg ein die S-Bahn S19, diesmal in Richtung Blankenberg. In Köln Porz-Wahn holte meine Frau sie ab, die Rückfahrt mit der Bahn hatte geklappt und wir waren froh, dass unsere Tochter wieder gesund und munter zu Hause war.

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