Tagebuch April 2020

1. April 2020

Die Hochbeete, die unsere Tagesabläufe im Garten prägen. Am späten Nachmittag, wenn die Arbeit im Homeoffice erledigt ist, schaffe ich es mit einer gewissen Regelmäßigkeit in den Garten. Meist zieht sich das Homeoffice in die Länge, weil Unterbrechungen unvermeidbar sind und weil ich nicht so konzentriert wie im Büro arbeiten kann. Meiner Frau gelingt es vorzuarbeiten im Garten. Einen Teil der Hochbeete hebt sie aus, und dort kann ich weitermachen, wenn mein Homeoffice mich in die Gartenarbeit entläßt. Genau 24 Hochbeete haben wir im Garten, und heute ist Halbzeit, weil wir genau 12 Hochbeete umgesetzt haben. Die alte Erde ausheben, mit dem Spaten in die Schubkarre, und dann wird der Boden der Hochbeete mit Grünabfällen gefüllt, Gras, Disteln, Unkraut, was oben auf dem Komposthaufen abgelagert worden sind. Die Schicht der Grünabfälle ist dick, und darauf wird dann die herausgenommene Komposterde wieder zurück geschichtet. Ein Hochbeet pro Tag schaffen wir, und acht Hochbeete haben wir bereits mit Kopfsalat und Kohlrabi bepflanzt. Auf den Kopfsalat und das Gemüse freuen wir uns bereits, das wir hoffentlich ab Ende Mai ernten können.

2. April 2020

Wie schön, dass andere Menschen an unsere Katzen denken – namentlich an unseren Kater Oskar. Einiges mehr als ein Jahr ist es nun her, das Oskar entlaufen war. Einer älteren Frau in der Nachbarschaft war er zugelaufen, und seine Hüftverletzungen hatten so ausgesehen, als hätte er von einem Auto angefahren sein können. Wir hatten ihn aufgepäppelt, und mit einiger Geduld war er wieder wohlauf. Die Frau aus der Nachbarschaft erkundigt sich seitdem regelmäßig nach Oskars Wohlbefinden. Da er, als er ihr zugelaufen war, Trockenfutter gefressen hatte (aber sonst kaum etwas), bringt sie uns in einer gewissen Regelmäßigkeit Trockenfutter vorbei. Das ist ein großer Sack, wovon Oskar gerne frißt und der zu der oberen Preiskategorie gehört. Heute bekam sie zufälligerweise Oskar zu Gesicht, als sie vor der offenen Haustüre stand, während Oskar im Flur herum lief. Sie war zufrieden, dass es unseren Katzen gut ging und sie merkte an, dass ihr momentan eine pechschwarze Katze zugelaufen sei, die ganz pechschwarz war ohne ein kleinstes Fleckchen weiß. Es konnte aber nicht unserer eigener pechschwarzer Kater Jumbo sein, der sich nur für kürzere Zeitdauern draußen aufhielt. Als sich die Frau aus der Nachbarschaft verabschiedet hatte und mit ihrem schwarzen BMW wegfuhr, tauchte denn auch unser Kater Jumbo unvermittelt wieder auf. Wie schön, dass sie an unsere Katzen gedacht hatte.

3. April 2020

Eine ungewöhnliche Maßnahme in ungewöhnlichen Zeiten. Als ich einen Abstecher nach LIDL machen wollte, um eine Tafel Schokolade zu kaufen, sprach mich irgendein Sicherheitsmensch im Eingangsbereich an. Zusammengekauert hockte er in seiner schwarzen Uniform, dunkelhäutig und südeuropäisch bis vorderasiatisch aussehend wies er mich ab. Sicherheitsdienste hatte ich in diesen Corona-Zeiten bisweilen vor Supermarkteingängen beiläufig gesichtet, und nun stellte er sich mitten in meinen Laufweg hinein. Wieso ich keinen Einkaufswagen genommen hätte. Es gäbe eine neue Vorschrift, jeder Kunde müssen mit einem Einkaufswagen den Supermarkt betreten. Mir kam das willkürlich vor, so wie der Staat irgendwelche Vorschriften oder Richtlinien erlässt, dessen Sinnstiftungen nur schwer ergründlich sind. Da ich kein Ein-Euro-Stück griffbereit hatte für einen Einkaufswagen, verzichtete ich auf den Einkauf und fuhr weiter. Beim abendlichen Gespräch vor dem Fernseher erschloss sich diese ungewöhnliche Maßnahme. Meine Frau erläuterte mir den tieferen Sinn. Die Mitnahmepflicht hatte mit dem Abstand zu den anderen Kunden zu tun. Wenn man einen Einkaufswagen vor sich her schob, war dies eine natürliche Barriere. Einkaufswagen benötigten Platz, so dass der Mindestabstand von 1,50 Metern einfacher einzuhalten war. So manche Schikane muss man in Zeiten von Corona in Kauf nehmen.

4. April 2020

Am Vorabend hatte ich lässig abgewunken, als meine Frau gegen halb elf Uhr abends auf die Idee kam, ich solle die empfindlichen Pflanzen in unser Haus stellen. Ich wandte ein, dass ich dies am Tag zuvor getan hätte. Der nächste Morgen war dann von Frost ganz weit weg, plus acht Grad. Das war frustrierend, einen gewissen Aufwand für nichts getrieben zu haben. Also wies ich von mir, dass es in der darauf folgenden Nacht frieren würde. Halb elf Uhr abends stellte ich losen, vor den Hochbeeten stehenden Gemüse- und Salatpflanzen in unser Haus, während ich die Pflanzen in den Hochbeeten nicht abdecken konnte, weil es dunkel war. Am nächsten Morgen folgte die Überraschung: es war weiß gefroren. Den Schrecken erahnend, inspizierte ich die Salat- und Kohlrabipflanzen auf unseren Hochbeeten. Das Ergebnis war dann doch nicht so schlimm wie befürchtet. Keine Blätter waren nieder gestreckt, die kleinen Pflänzchen standen aufrecht, ein paar braune Stellen hatten sich am Rand der Kohlrabiblätter ausgebreitet. Man müsse abwarten, meinte meine Frau. Die Ränder der Kohlrabiblätter könnten sich wieder berappeln. Wahrscheinlich hatten wir Glück gehabt, weil die Pflänzchen bereits angewachsen waren und sich nicht mehr in einem winzigen Wachstumsstadium befanden.

5. April 2020

Ein knapper Hoffnungsschimmer in Zeiten von Corona. Die Spekulationen haben begonnen, wann all die Einschränkungen gelockert werden könnten. Tag für Tag gibt es andere, teilweise sich widersprechende Meinungen. Dabei ließ mich ein Szenario aufhorchen, das die Verdopplungsrate der Infektionen ins Visier nahm. Es fiel die Aussage, dass, wenn die Verdopplungsrate der Infektionsfälle 14 Tage erreicht, dass dann all die Einschränkungen gelockert werden können. Aktuell beträgt diese Verdopplungsrate neun Tage. Nun gilt es, durch das eigene Verhalten dazu beizutragen, dass sich die Verdopplungsrate weiter verbessert. Eine Lockerung all der Corona-Einschränkungen konnten wir bereits am REWE-Supermarkt feststellen: der Blumenladen hat nämlich wieder geöffnet. Die Handhabung von Floristikläden war ohnehin ein Widerspruch. So hat der Gartenmarkt in unserem Ort geöffnet, der zu einem größeren Teil Blumen verkauft. Blumenläden waren hingegen geschlossen. Wir hoffen nun, dass andere Geschäftsarten mit gebotenen Abstandsregeln ebenso wieder öffnen dürfen.

6. April 2020

Ein Sonntagnachmittag mit den Einschränkungen von Corona. Gemeinsam mit Schwager und Ehefrau sind wir zu dritt sind wir zum Rhein spaziert, wobei wir am Ende der Panzerstraße sorgsam den Anderthalb-Meter-Abstand zu den Besitzern von Motorbooten eingehalten haben, die bei herrlichem Sonnenwetter zu einer Spritztour auf den Rhein ausgeführt wurden. Zu Hause zurückgekehrt, machte ich mich alleine auf dem Rennrad auf dem Weg. Eine Minitour an den Rotter See nach Troisdorf, bei der ich weniger Ausdauer und Kondition übte, sondern diesmal das Auge für die Fotografie. Ich war hingerissen davon, wie sich die Sonne in dem See spiegelte, wo bis 1978 Kies ausgebaggert wurde. Nach der Renaturierung wurde rund um das Seeufer so viel gebaut, dass ein eigener Stadtteil entstand. Im Umfeld der großflächigen Bebauung überrascht die Unberührtheit des Sees. Das Ufer trotteten nur wenige Spaziergänger entlang, so dass der Sicherheitsabstand spielerisch einzuhalten war. Ich schärfte meinen Blick für die Fotografie, indem ich die sich spiegelnden Sonnenstrahlen in unterschiedlichen Perspektiven der Uferzone betrachtete. Im Blickwinkel von Schilf, Röhricht, Weiden und Überwasserpflanzen konzentrierten sich die Strahlen des Sonnenlichtes auf das Wesentliche. Ein Bündel voller Energie flutete das Ufer, während ich in der eingekehrten Ruhe lässig das Rennrad vor mir her schob. Zu Hause bestaunte ich die Fotografien, welche Naturschönheiten ein ganz banaler Baggersee zu bieten hat.

7. April 2020

Wie sehr das Chaos die Zeiten überdauert hat. Nachdem wir die Unmassen von Hausrat aus dem Haus des verstorbenen Schwiegervaters irgendwie verstaut hatten, lagern in der Garage ganz viele Umzugskartons und Dinge, die mein Schwager nach dem Umbau in das Haus des verstorbenen Schwiegervaters mitnehmen wird. Mithin war es in der Winterzeit ein Kunststück, all diese Dinge samt Gartenmöbeln, Fahrrädern, Leiter, Gartengeräte und vieles mehr so zu verstauen, dass unser Auto noch in die Garage hinein passte in frostigen Nächten, um das morgendliche Freikratzen zu ersparen. Irgendwie war dieses Kunststück gelungen, Platz für unser Auto freizuhalten, und nun galt es, dieses Chaos aufs Neue zu lichten. Sechs Betonsteine in der Abmessung 40 mal 20 Zentimeter hatte ich im Baumarkt besorgt, die nun in den Garten transportiert werden mussten. Unser Auto hatte ich vor unserem Haus geparkt, und nun galt es, soviel Freiraum in der Garage zu schaffen, dass wir mit der Schubkarre hindurch fahren konnten. Zum Schleppen waren die Betonsteine zu schwer, so dass wir die Schubkarre zur Hilfe nehmen wollten. Es war einiges wegzuräumen. Die Fahrräder standen im Weg, der Gartenschlauch hing über den Fahrrädern, unseren Wohnzimmertisch hatten wir noch nicht mit demjenigen des verstorbenen Schwiegervaters ausgetauscht. Wir rückten hin und her, in den Vorderbereich der Garage, da wir unser Auto bei den mittlerweile sommerlichen Temperaturen draußen stehen ließen. So verteilten wir das Chaos anderweitig, schafften Platz, um die Schubkarre mit den bleischweren Betonsteinen hindurch schieben zu können. Mit diesen Steinen vollendeten wir die kniehohe Mauer zu unserem Nachbargrundstück.

8. April 2020

Wie perfekt sich Supermärkte auf Corona einstellen, das stellte ich bei den Einkäufen bei Netto fest. Am Eingang reinigte ich meine Hände mit einem Desinfektionsmittel aus dem Seifenspender. Erfinderisch und angemessen hielt ich diese Maßnahme, und bei der Händereinigungsprozedur wähnte ich mich, dass ich ganz von innen meine Seele reinigen würde. Ich spürte noch den kühlen, erfrischenden Effekt auf der Handfläche, als eine frühere Nachbarin mit ihrem Einkaufswagen ankam und vor demselben Seifenspender stoppte. Als sie mich erblickte, entwickelte sich sogleich ein Gespräch, zumal wir uns mehr als einen Monat nicht gesehen hatten. So wie in den Nachrichten, überstrahlte ein Thema alles. Wir redeten über nichts anderes als Corona. „Solch ein Zirkus“ eröffnete die frühere Nachbarin das Gespräch. „Bin froh, wenn dieser Zirkus vorbei ist“. Damit sprach sie sicherlich vielen Bundesbürgern aus der Seele. Der gewohnte Alltag war aus den Fugen geraten, und nichts sehnten wir mehr herbei als Normalität. „Aber umgekehrt will niemand Zustände wie in Italien, Spanien oder New York“, entgegnete ich. Sie winkte ab. „Alles nur aufgeblasen, Wichtigtuerei“. Viel zu viel Lärm um nichts, meinte sie. Die Maßnahmen seien überzogen. Das etwas längere Gespräch, in dem es nicht nur um Corona ging, schloss sie mit dem Eingangssatz, dass sie froh sei, wenn der ganze Zirkus vorbei sei. Ich lernte, dass es nicht nur Zustimmung in der Bevölkerung gab für die Corona-Maßnahmen und die Unannehmlichkeiten. Eine nicht definierte Masse opponierte dagegen, und es war nicht auszuschließen, dass die Stimmung kippen konnte.

9. April 2020

Erneut verzögert sich unser Umbauvorhaben im Haus des verstorbenen Schwiegervaters. Der Notarvertrag zur Erbauseinandersetzung muss in drei Punkten überarbeitet werden. Juristisch ist zu unterscheiden in eine volle und eine teilweise Erbauseinandersetzung. Da der übrig gebliebene Hausrat wertlos ist, ist die Erbauseinandersetzung nur über das Immobilienvermögen durchzuführen, mithin handelt es sich um eine volle Erbauseinandersetzung. Im Notarvertrag war eine teilweise Erbauseinandersetzung genannt worden, die nun in eine volle Erbauseinandersetzung zu ändern ist. Des weiteren war der Betrag falsch, der zur Übertragung des Erbteils auszuzahlen ist. Der Betrag wurde zwar über die Nachlassaktiva und -passiva korrekt hergeleitet, dieser fand sich aber nicht als auszuzahlender Erbauseinandersetzungsbetrag wieder. Als dritter Punkt fehlte, dass das Honorars an den Ergänzungsbetreuer aus dem Erbauseinandersetzungsbetrag zu zahlen ist. Wie hoch das Honorar ist, dass müssen wir noch beim Amtsgericht hinterfragen. Wenn der notarielle Vertrag überarbeitet ist, dann werden wir den Vertragsentwurf freigeben, damit der Notar diesen an den Ergänzungsbetreuer zusendet.

10. April 2020

Es ist Spielezeit, wenn wir zu Hause bleiben sollen. Zusammen spielen wir Gesellschaftsspiele äußerst selten, meist deswegen, weil mir die Zeit und vor allem die Geduld fehlt. Eigentlich spielt unsere Tochter, und allzu oft haben wir leider ihre Wünsche, mit uns spielen zu wollen, abgewimmelt. In Zeiten von Corona ist dies grundlegend anders. Pausen und Unterbrechungen nutzen wir bisweilen gezielt, um mit unserer Tochter zu spielen. Oft sind es Mensch-Ärgere-Dich-Nicht und Schiffe-Versenken, heute haben wir nach dem Mittagessen das Spiel „Stadt-Land-Fluss“ wiederbelebt. Als Kind habe ich selbst gerne dieses Spiel fürs Kopfdenken gespielt, und nun haben wir uns bei einigen Tassen Kaffee Städte, Länder, Flüsse, Vornamen, Berufe, Tiere, Geschäfte und Pflanzen ausgedacht. Mit all meinem geografischen Wissen hatte ich nie Probleme, schwierigere Denkaufgaben waren demgegenüber die Botanik oder auch Berufe. Umgekehrt was das Wissen bei unserer Tochter verteilt. Sie war nicht so bereist wie wir, dafür waren ihre Tier- und Pflanzenkenntnisse bestens. Beim Spielen war uns das Zeitgefühl vollkommen abhanden gekommen. Rund zweieinhalb Stunden hatten wir uns auf diese Art und Weise die Zeit vertrieben.

11. April 2020

Geduld und Disziplin – mit diesen Worten suchte unser Bundespräsident, sein Volk bei der Stange zu halten. Während der Heute-Nachrichten, als Frank Walter Steinmeier kurz über den Bildschirm flackerte, war noch keine Perspektive in Sicht. Die Antithese zu den Ausgangsbeschränkungen, sie abzulehnen, für überzogen oder hysterisch zu halten, war im Angesicht des Bundespräsidenten nicht denkbar. Wir übten uns im Verzichten, im Einschränken bezogen auf die wenigen Wege zum Einkaufen, zum Baumarkt oder vielleicht ein sonntagnachmittäglicher Familienspaziergang. Ostern die Eltern besuchen war tabu. In der nächsten Woche sah ich einen Lagerkoller beim Homeoffice auf mich zukommen, weil die Arbeitsbedingungen bei der ständigen Sonneneinstrahlung im aufgeheizten Wintergarten wahrhaft nicht optimal waren. Das verlangte in der Tat Geduld und Disziplin ab. Die Perspektive fehlte. Man konnte es aber auch so handhaben wie unsere Nachbarn gegenüber. Das Kontaktverbot einfach ignorieren. Als gäbe es Corona gar nicht, luden sie fleißig Freunde mit ihren Kindern ein. Die Kinder spielten wunderbar miteinander, und im Nachbargarten hörte man alle lebhaft miteinander erzählen. Da konnte der Bundespräsident noch soviel appellieren an das Verantwortungsgefühl für die Schwachen unserer Gesellschaft.

12. April 2020

Die Situation war so unwirklich, dass man sich so etwas in der Vergangenheit nie hätte vorstellen können. Selten, aber voller Interesse hatte ich die Osternachtfeier in unserer Kirche besucht. Wenn denn gestern Abend die Osternacht gefeiert wurde, dann ohne Gläubige. So wirkte gestern Abend im Fernsehen die Osternachtfeier im Mainzer Dom ohne Kirchgänger äußerst beklemmend, aber nicht weniger feierlich als wie ich sie selbst in unserer Kirche erlebt hatte. „Lumen Lumine“, so breitete sich das Licht aus, indem die angezündeten Kerzen das Licht in alle Ecken und Winkel des Doms weitergaben. Heute war dann der Geburtstag unserer Tochter genauso unwirklich wie das Osterfest. Eine Geburtstagsfeier erledigte sich von selbst, Shoppen war nicht drin, etwas Schönen unternehmen auch nicht, Essen gehen sowieso nicht. Wir entschieden uns, im griechischen Restaurant Essen zu holen. Auf einem Tisch im Eingang des Restaurants nahm ich die Bestellung entgegen. Aus dem Inneren des Restaurants war ich unmittelbar wieder heraus geschickt worden. Ich bezahlte mit der EC-Karte, transportierte die Menüboxen mit dem Essen in unserem Auto nach Hause. Wir aßen in der Essecke, wo wir unseren Tisch schön ostermäßig geschmückt hatten, aus Freiburg hatte unsere große Tochter einen Blumenstrauß geschickt. Bifteki, Rumpsteak, Hähnchenschnitzel, Gyros ließen wir uns schmecken, und den restlichen Nachmittag verbrachten wir mit einem Stadt-Land-Fluss-Spiel in unserer Essecke. Ein ruhiger Tag, an dem wir das Kontaktverbot achteten. Dabei machte unsere Tochter einen durchaus zufriedenen Eindruck.

13. April 2020

Schwierig, kritisch, uneindeutig. Dieses Foto habe ich nicht einmal an einem sonnigen Ostertag gemacht, sondern am Mittwochnachmittag unter der Woche. Bei diesem super-sonnigen Nachmittag lockt es die Menschen nach draußen. Und nicht alle geben sich mit dem heimischen Garten zufrieden – oder sie besitzen erst gar keinen -, sondern alle wollen an den Rhein, um sich an der Schönheit dieses Flusses zu entspannen. So einige waren dabei, deren Anzahl die von zwei Personen übersteigt. Sofern die Stadt kontrollierte, dürfte sie reichlich zu tun haben. Hielten sich alle an die Vorgaben, wie sie auf dem Schild angeordnet waren ?

14. April 2020

Ein großes Päckchen Hoffnung schwang mit, in dem Regenbogen vor demjenigen Kindergarten, den alle unsere Kinder in unserem Ort besucht hatten. Corona hat den Regenbogen wieder entdeckt, womit sich die Friedensbewegung einst geschmückt hatten. Die Symbolkraft des Regenbogens leuchtet wieder, als Dankeschön für all diejenigen, die helfen in der Coronakrise. Die sich nicht kleinkriegen lassen, die aufrecht dem Virus trotzen, die sich selbstlos der Allgemeinheit verschrieben haben. „Wir vermissen Euch, alles wird gut“, so verkörpert der Regenbogen die Hoffnung des Kindergartens. Mit den Beschlüssen der Bundesregierung ist die Hoffnung heute nun geschwunden. Es ist keine Rückkehr der Kindergärtnerinnen in Sicht. Erst sind die Schulen an der Reihe, und dies erst ab dem 4. Mai, und dies auch nur für bestimmte Schulklassen.

15. April 2020

Ein mentaler Kraftakt sondergleichen, eine Hängepartie wurde dann doch beendet. In der LVR-Landesklinik waren wir angekommen. Vier Stunden zog sich die Entscheidung in die Länge. Nach den vier Stunden haben wir vom Haus 18 das Gelände zum Parkplatz durchschritten. Wir trotteten vorbei an Ziegelbauten aus der Kaiserzeit, denen im Haupteingangsbereich Neubauten aus den 1970er angefügt waren. Von dort aus schauten wir auf einen schräg versetzten Nebenweg mit einem Denkmal an den Nationalsozialismus. Die Nationalsozialisten hatten die Ärzte in der LVR-Klinik veranlasst, Rassenhygiene zu betreiben, indem sie psychisch Kranke ermordeten, und dieses Denkmal erinnerte daran. Den Lageplan, allgemeine Informationen, einen Flyer der Station und eine Visitenkarte legten wir auf dem angrenzenden Parkplatz in unserem Auto ab. Nachdem wir von der Rückbank eine Tasche mit Wäsche entnommen hatten, schritten wir zurück zu Haus 18. Unter den Einschränkungen von Corona öffnete uns ein schlanker Herr mit osteuropäischem Akzent eine Zugangstüre hinter dem Flur und nahm unsere Wäsche entgegen.

16. April 2020

Beim Gespräch über dem Gartenzaun erzählte unser Nachbar, dass es nicht nur Verlierer in der Corona-Krise gab. Er selbst arbeitete in der Auftragsdisposition eines Autohauses, und dort war zur Zeit jede Menge los. Das Autohaus hatte geöffnet, zunächst mit dem Hintergrund, dass Fahrzeuge für die lebensnotwendigen Bereiche wie etwa Krankenwagen repariert werden konnten und dass sichergestellt war, dass Berufsgruppen wie Ärzte, Krankenschwestern, Pfleger mit ihrem PKW zu ihrem Arbeitsplatz gelangen konnten. In die KFZ-Werkstatt kamen aber jede Menge Fälle, die mit den beiden Fallgruppen gar nichts zu tun hatten. Niemand hatte etwas dagegen, auch anderweitige Reparaturen oder Inspektionen durchzuführen. Verboten war allerdings der Verkauf – von Neuwagen und Gebrauchtwagen. In Corona-Zeiten stellte sich heraus, dass so mancher Bundesbürger gezwungenermaßen zu Hause hocken musste. Und auf welche Gedanken kam man in den eigenen vier Wänden ? Die Männer besannen sich auf ihre Statussymbole, und das waren ihre Autos. Sie mussten wieder herausgeputzt werden und voll funktionsfähig sein. Dies erforderte eine Fahrt in die Werkstatt. Das Autohaus, wo unser Nachbar arbeitete, kam mit all den Inspektionen und Reparaturen kaum nach. Eine Ausnahme in Zeiten von Krisen und Depression. Nächsten Montag sollte es sogar noch schöner kommen. Dann durfte wieder verkauft werden.

17. April 2020

Im Autoradio hatte ich gehört, dass das historische Museum in Bielefeld aus Corona ein groß angelegtes Projekt in der Zukunft machen möchte. Irgendwann wird die Corona-Krise vorbei sein, und woran werden sich die Bielefelderinnen und Bielefelder künftig erinnern, wenn es um das Coronavirus geht ? Objekte, Fotos, Alltagsgegenstände sollen nicht vergessen oder gelöscht werden, sondern der Nachwelt erhalten bleiben. Wenn ich durch unseren Ort und die Nachbarorte schreite, finden sich gleich reihenweise solche Objekte. Schriftbänder wie „wir bleiben zu Hause“, Regenbogenfarben an Fenstern, die Trostlosigkeit von geschlossenen Geschäften oder – dieser Manneken Pis, der sich effektiver wie so mancher Mitbürger vor Corona geschützt hat. So wie beim Brüsseler Original, verkleidet sich das urinierende Denkmal je nach Anlass und Gelegenheit. In Zeiten von Corona perfektioniert er den Mundschutz. Viel wird über den ungeliebten Mundschutz gestritten, was und wieviel er bewirkt. Ob er überhaupt etwas bringt, das steht für den Manneken Pis mit seiner verschärften Ausführung außerhalb jeglicher Diskussion. Er hat gleich eine Gasmaske mit einem aufgeschraubten Filter aufgesetzt, die der ABC-Maske aus meiner Bundeswehrzeit nicht unähnlich ist. Eine solche robuste Maskenvariante wäre absolut undurchlässig für Corona, so haben sich die Virologen geäußert. Sie ist allerdings unpraktisch zu tragen und die Atmung hält nur einen begrenzten Zeitraum eine solche Maske aus. Nichtsdestotrotz steht dieser Manneken Pis, der nebenher mit ein paar Ostereiern geschmückt ist, wie ein Denkmal; er wäre ein potenzielles Exponat für ein Museum, woran sich die Nachwelt noch lange erinnern würde.

18. April 2020

Es geschah mittendrin im Badezimmer, bevor ich mich mir abends die Haare waschen wollte. Die Zähne hatte ich mir geputzt, das Handtuch zurecht gelegt, das T-Shirt ausgezogen, als das Licht ausging. Ich vermutete eine Absichtlichkeit unserer Tochter, so dass ich aus dem Badezimmer rief, wer denn das Licht ausgeschaltet hätte und dass dieser Unbekannte bitte wieder das Licht einschalten solle. Schließlich schritt ich selbst in den Flur und stellte fest, dass wir überall im Haus keinen Strom hatten. Keine Sicherung war im Sicherungskasten im Keller herausgeflogen, und draußen auf der Straße erfuhren wir, dass wir nicht alleine mit unserem Problem waren. Überall in unserer Nachbarschaft war der Strom ausgefallen. In unserem Haus waren wir unendlich hilflos. Wir ließen Kerzen brennen, damit ein bißchen schummriges Licht vor sich her flackerte. Wir hatten keine Rufnummer parat, um die Störung bei den Stadtwerken zu melden. Wir hatten ebenso keine Möglichkeit, im Internet oder in Facebook nachzuschauen, was mit dem Stromausfall los war. Unser Router hing am Stromnetz und ohne Router kein Internet. In unserm Haus war das Gefühl seltsam, im Halbdunkeln schweigend vor uns her ohne laufenden Fernseher zu sitzen. Wenn wir Strom hatten, waren wir quasi nach Belieben in der Lage, aus der Nacht einen Tag zu machen. Nach Belieben konnten wir Reize erzeugen, die nun bei Stromausfall im Halbdunkeln lahm gelegt waren. Als wir nochmals auf die Straße traten, berichtete uns ein Nachbar den Sachstand, dass unser Ort und unser Nachbarort vom Stromausfall betroffen waren. Eine ganze Reihe von Störungsmeldungen sei bei den Stadtwerken eingegangen, die mit Hochdruck an der Wiederherstellung der Stromversorgung arbeiteten. Es blieb also nichts anderes übrig als abzuwarten. So hockten wir drinnen zusammen, mit dem Licht meines Handys kämpfte ich mich im Keller zum Bierkasten durch und kippte eine Flasche Pilsener Urquell herunter, und meine Frau bediente ich mit einer Flasche Sekt. Das Warten quälte, und wir hatten Angst, dass unser prall gefüllter Gefrierschrank auftauen könnte. Doch nach anderthalb Stunden, gegen 22 Uhr abends, kam die Erlösung, So unmittelbar, wie der Stromausfall unsere Lichter ausgelöscht hatte, schaltete er sie wieder ein. Alles wurde wieder hell, und wenige Sekunden später flackerte der Bildschirm unseres Fernsehers wieder auf. Wir waren erleichtert, dass die Normalität des Sonntagsabends wieder eingekehrt war.

19. April 2020

Corona ist sperrig, am falschen Platz, es behindert. Im Home Office muss ich meine geliebten Rennradtouren andersartig organisieren, so dass ich den Sonntagmorgen genutzt habe, um eine Runde um die Wahner Heide und den Köln-Bonner Flughafen zu drehen. Während der Flughafen mit null Fluglärm und Flugzeugen in Parkstellung all die Tristesse von Corona widerspiegelte, war auf den Wanderparkplätzen jede Menge los. So wie mich, drängte es die Menschen aus den Häusern heraus hinein in die Vielfalt und den Artenreichtum der Natur. Die Tour durch die Wahner Heide beanspruchte die Kondition, weil ich noch keine wirkliche Tour in diesem Jahr gefahren war, so dass ich mit dem Anstieg des Spicher Berges reichlich Mühe hatte. Der Anstieg klappte besser, als mein Rennrad auf der Strecke von Troisdorf nach Altenrath den Fliegenberg hoch kroch, der in das Zeitalter der jüngeren Bronzezeit verortet werden konnte, weil dort Tonscherben aus diesem Zeitalter gefunden worden waren. Auf sandigen Böden öffnete sich auf der Anhöhe vor dem Fliegenberg die Wahner Heide. Sträucher von Heide, die erst im Spätsommer blühen würden, scharten sich über dem Flugsand zusammen. Ein gebogener Weg trennte Gruppen von Kiefern und Mischwald ab. All die gelben Farbtupfer von Ginster verzauberten, die neben dem Besenginster andere in ganz Europa beheimateten Ginsterarten um sich versammelten. Die Tour war beeindruckend, trotz der relativ kurzen Länge. Auf dem letzten Stück ging es im Zickzack durch die Felder. Der farbliche Gegensatz hätte dort kaum größer sein können. Während das kräftige Gelb des Rapses entgegenstrahlte, wühlten Traktoren das Erdreich mit irren Staubwolken auf.

20. April 2020

Wie flexibel sich die Werbung anpassen kann. Die Wandlungsfähigkeit ist enorm, das Portfolio der Werbung vor Corona ist ausgemistet worden und ersetzt worden. Bis letzte Woche waren die Einzelhandelsgeschäfte geschlossen, im Stationären Handel konnten nur noch wenige Produkte erworben werden. Ein paar Verkäufe laufen über das Internet, doch offen waren ausschließlich die Vertriebskanäle der Supermärkte und der Apotheken. Und die letzteren, die Apotheken, haben einen großen Draht zur Werbung gefunden. Gerade in der Fernsehwerbung ist aufgefallen, dass zur Hauptsendezeit Arzneien, Tabletten und Medizinprodukte schwerpunktmäßig beworben wurden. Tabletten gegen Kopfschmerzen, Salben gegen Rückenschmerzen oder Tinkturen gegen Vergesslichkeit. Arzneien und Tabletten ergänzen das Warenangebot aus Supermärkten und bisweilen meint man, unsere Gesellschaft sei krank. Die Werbung betreibt ein Fingerpointing auf Krankheitssymptome, dass der menschliche Körper sich vor Schmerzen windet, dass alle Beweglichkeit im Altersverschleiß erlahmt ist oder dass die Psyche durch Antriebslosigkeit gehemmt ist. Um die Krankheitssymptome zu beheben, zeigt die Werbung Wege aus einer kranken Gesellschaft durch Pillen und Tabletten auf. Die Werbung greift auf die Vielzahl von Medien durch. „Händewaschen schützt vor Infektionen“: an einer Bushaltestelle bewegt sich diese Werbung von Körperpflegeprodukten im Mainstream von Corona. Händewaschen und Desinfektion sind nicht unwichtig in Zeiten von Corona, und diese Werbung betreibt ein positives Fingerpointing.

21. April 2020

Ein leises Kratzen im Hals, ein paar Huster, die eher unbeholfen und halbherzig aus dem Hals entwichen. Meine Frau war am Morgen zur Arbeit im Behindertenwohnheim eingeteilt, doch sie hatte Bedenken. Ein Husten, selbst wenn er kurz und unmerklich war, konnte das ganze Behindertenwohnheim in Angst und Panik versetzen. Das Szenario von Corona im Behindertenwohnheim mahnte zur äußersten Vorsicht. Zu einhundert Prozent war sich meine Frau sicher, dass die schüchternen Anflüge von Husten nichts mit Corona zu tun hätten. Aber Husten im Behindertenwohnheim ? Sie wurde zum Arzt geschickt, der sie mit der Isolation eines Corona-Verdachts behandelte. Am Wartezimmer vorbei, direkt ins Behandlungszimmer. Die Hausärztin nahm einen Abstrich durch das Nasenloch und schrieb meine Frau für eine Woche krank, was sie überhaupt nicht beabsichtigt hatte. Bis zum Ergebnis sollte sie sich in eine Art von häuslicher Quarantäne begeben. Alles keimfrei, sie sollte nicht kochen, keine Berührungen mit Familienangehörigen. Zu Hause lief alles normal weiter. Meine Frau kochte. Mit Ausnahme des Einkaufens verließen wir sowieso nicht unser Haus, wobei meine Frau einen nicht unerheblichen Zeitanteil in unserem Garten verbrachte. Heute kam dann die Entwarnung, womit wir ohnehin gerechnet hatten ? Wo hätten wir uns denn außer Einkauf, Garten, eine Rennradtour letzten Samstag, ganz viel Home Office und ein bißchen Arbeiten am Ostermontag Corona einheimsen können ? Der Test war negativ, und so konnte unser Alltag mit einer gesunden Familie den Gang seiner Dinge nehmen.

22. April 2020

Dass Behinderte eine besondere Risikogruppe darstellen, die als Hochrisikogruppe einzustufen ist, ist evident. Um die Gefahr einer Infektion zu minimieren, fällt der Shut-down bei Behinderten besonders drastisch aus. Die Behindertentreffen sind abgesagt, die Behindertenwerkstatt ist geschlossen, und Gänge aus dem Haus wie Einkaufen oder zur Bäckerei entfallen bei Behinderten weitgehend. So wagt sich mein Schwager nahezu nicht aus dem Haus, ausgenommen vielleicht der gemeinsame Spaziergang am Sonntagnachmittag, wenn wir denn einen Spaziergang machen. Unter diesen Hochsicherheitseinschränkungen freuen wir uns über jeden Kontakt des Schwagers mit der Außenwelt. Zweimal hat bislang die Behindertenwerkstatt angerufen, wie es ihm geht und ob alle gesund sind. Und die Organisatoren des Behindertentreffs haben einen Brief geschrieben, dass sie die Behinderten nicht vergessen haben, dass sie an sie denken und viel Gesundheit wünschen. Beigefügt haben sie ein Gebet, das allen in der Pandemie Kraft geben soll. Die Erkrankten sollen geheilt werden, Forschern soll Weisheit und Energie geschenkt werden. Die Politiker sollen besonnen und verantwortungsvoll handeln, das Gebet gilt allen, die großen materiellen Schaden erleiden. Zum Schluß bedankt sich das Gebet bei Gott für Wasser und Seife: eine kleine besinnliche Pause mehrfach am Tag beim Händewaschen.

23. April 2020

Ein Foto, das Katastrophenszenarien herauf beschwört. In Zeiten von Corona melden sich Weltuntergangspropheten schnell zu Wort, denn an Themen , dass es unserem Planeten Erde noch nie so schlecht ergangen ist wie heute, mangelt es wahrhaft nicht. Dabei bietet die Corona-Pandemie zunächst reichlich Stoff für eine Apokalypse. Am Ende einer ganzen Welle von Insolvenzen könnten Banken stehen, die den Kapitalismus ausrotten können, indem Bankensysteme Bankrott gehen und die Geldwirtschaft zum Erliegen bringen. Ein zweiter Strang, den Weltuntergangspropheten aufgreifen können, hat mit Klima und Umwelt zu tun. Die Klimadebatte und das Corona-Virus haben eines gemeinsam: die mathematische Exponentialfunktion müssen wir verhindern, koste es, was es wolle. Beim Corona-Virus wird die Pandemie nicht mehr beherrschbar, weil unser Gesundheitswesen explosionsartige steigende Fallzahlen nicht mehr bewältigen kann. Bei fortschreitender Erderwärmung werden wir irgendwann alle absaufen, wobei beunruhigt, dass die Wachstumsraten im Steigungsbereich der Exponentialkurve immer stärker zunehmen. Das Klima hat sich so sehr verändert, dass die Bedrohungen immer mehr zunehmen. "Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werden die Menschen feststellen, dass man Geld nicht essen kann", dieses Leitmotiv der Grünen aus den 1980er Jahren hat heute eine neue Aktualität. Nachdem der letzte Dürresommer die Bestände von Fichten in unseren Wäldern massiv reduziert hat, drohen nun den Landwirten neue Gefahren. Es macht keinen Sinn auszusäen, das Getreide und die Kartoffeln wachsen nicht. Werden wir am Ende des Sommers genug zu essen haben ? Hält der Klimatrend an, werden Mehl und Kartoffeln Mangelware sein ? Wir haben uns daran gewöhnt, dass diese Zeiten für alle Zeiten vorbei sind. Der Traktor, der diese irre Staubwolke hinter sich zieht ist da anderer Meinung. Sein Kampf gegen die Trockenheit scheint aussichtslos verloren.

24. April 2020

Salat und Gemüse unter dem Folientunnel, ein idealer Liegeplatz. Alles wächst prächtig auf der Viererreihe von Hochbeeten, Paprika, Erdbeeren, Kopfsalat, Buschbohnen, Auberginen und vieles leckere mehr, was wir dort gepflanzt haben. Während des abendlichen Gießens hat sich unter dem Folientunnel unser Kater Rambo breit gemacht, indem seine Körpermasse zwischen Töpfen und Pflanzen ruht. Neugierig beobachtet er, was mich so umtreibt. Die Gießkanne schüttet das Wasser aus, das die Pflanzen zum Wachsen so dringend benötigen, und das Hochbeet mit all dem fleißig vor sich her sprießenden Gemüse und dem Kater Rambo spare ich vorerst aus.

25. April 2020

Maskenpflicht hin, Maskenpflicht her. Heiß ist darüber diskutiert worden, und ab nächsten Montag ist sie hierzulande Pflicht in Supermärkten und in öffentlichen Verkehrsmitteln. Im Raum schwebt die Frage, woher denn diese Unmassen von Masken kommen sollen, die man einmal trägt und dann wegwirft, um im Schlund einer Müllverbrennungsanlage zu landen. Genäht wird auch, aber wir haben uns einer eigenen, besseren Methode bedient, um an Masken heranzukommen. Wir haben das Beziehungsgeflecht unserer Humanmedizinerin aus Freiburg genutzt, die in früheren Semestern Kontakt mit einer Medizinstudentin aus China geknüpft hatte. Die Medizinstudentin ist inzwischen nach China zurück gekehrt, wo Masken nicht so knapp und begehrt sind wie bei uns. Kurzerhand hat die frühere Medizinstudentin aus China ein ganzes Paket mit Masken nach Freiburg geschickt. Unsere Tochter hat nun mit Masken vorerst ausgedient – und uns mit einer Erstausstattung von 20 Masken bedacht, die sie uns in einem Briefumschlag zugeschickt hat. Lange wird dies nicht reichen, wenn die Masken nur zur Einmalverwendung dienen, aber wir werden nach alternativen Beschaffungsquellen forschen.

26. April 2020

Drinnen bleiben, Kontakte beschränken, Homeoffice, sich möglichst wenig nach draußen wagen - die Corona-Maßnahmen schränken uns so sehr ein, dass es an Bewegung mangelt. Wir sitzen drinnen, essen, sitzen im Home Office; ein-, zweimal am Tag fahren wir mit Auto oder Fahrrad zum Bäcker oder zum Supermarkt; bei der Gartenarbeit müssen wir uns zwar bewegen, das Maß an Bewegung entspricht aber keineswegs demjenigen Normalmaß, wie ich mich sonst bewege. Die tägliche Fahrradfahrt ins Büro entfällt, und so liege ich mit dem Mangel an Bewegung im Trend, dass sich in Zeiten von Corona das Gewicht erhöht, während Ausdauer und Kondition abnehmen. Dies habe ich gestern prompt festgestellt, als ich die Runde mit dem Rennrad ausgeweitet habe. Diesmal ging es nach Overath, was vielleicht eine Gesamtstrecke von 60-70 Kilometer ausgemacht hatte. Das landschaftliche Erlebnis war jedenfalls gigantisch, durch die Wahner Heide, an dem kleinen und malerischen Ortskern von Hoffnungsthal vorbei, auf dem Höhenrücken bis Heiligenhaus und durch das Aggertal von Overath nach Lohmar zurück. Mächtig hatte ich allerdings mit dem Aufstieg von Hoffnungsthal nach Durbusch zu kämpfen, was mir zeigte, wie viel ich zu Hause gesessen hatte. Darüber hinaus hatte ich kaum Bewegung, so dass mein Atem schwer war und meine Beine, schwer wie Blei, kaum vorwärts traten. Solche Probleme hatte ich mit diesem sehr hartnäckigen Anstieg, den ich in manchen Jahren spielerisch leicht bewältigt hatte, nie gehabt. Oben auf der Höhe, zwischen Durbusch und Heiligenhaus, kostete ich indes den Weitblick aus, über die gewellte und buckelige Hügellandschaft des Bergischen Landes. Nachdem die Bundesstraße 55 mit einem Gefälle von 7% nach Overath in das Aggertal hinunter raste, legte ich auf einer Bank an der Kirche eine Trinkpause ein. Einige gehörige Schlucke aus der Wasserflasche brauchte ich dann auch, um mich zu erfrischen nach den abgestrampelten Kilometern. Umsäumt von hohen Bäumen, blickte ich auf den vom Prinzip her öden Ort, den der Autoverkehr auf der Hauptdurchgangsstraße ein wenig belebte, während der Blick in sonntäglich geschlossene Ladenzeilen hinter der Verkehrsampel wenig Abwechslung bot. Größere Kraftanstrengungen vermied ich, indem ich den Rückweg nicht über den nächsten Höhenzug wählte, sondern über das Aggertal, eine wunderschöne Strecke durch das Flusstal, die ich seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr gefahren war. Das Landschaftserlebnis auf der separaten Radweg war gigantisch, mal hatte sich die Agger in die Flussebene ganz weit hinaus geschoben, mal plätscherte sie direkt unterhalb des Radwegs, es gab auch Flussabschnitte, wo die Agger, dem natürlichen Flussverlauf folgend, sein Flussbett verändern sollte. Der Ortskern von Wahlscheid, der verkehrsberuhigt war durch eine Umgehungsstraße, war ganz hübsch und beschaulich. Auch hier hatte ich mich eine gefühlte Ewigkeit nicht mehr aufgehalten. Nach mehreren Kilometern erreichte ich Lohmar, das ich wie sonst als viel zu chaotisch, zu modern und viel zu zugebaut empfand. So war der Kontrast groß, dass der Lohmarer Geschichtsverein auf der Fassade einer alten und ausgedienten Halle an das „Luhmer Grietche“ erinnerte. Zwei auf die Wand projizierte alte Fotos erinnerten an die 1930er Jahre, als die Aggertalbahn auf der Eisenbahnstrecke von Siegburg nach Overath führte. Dampfloks hielten am Lohmarer Bahnhof, und das Gedrängele am Bahnsteig muss groß gewesen sein. In den 1960er Jahren fand all diese Geschäftigkeit ein Ende, als die Eisenbahnstrecke still gelegt wurde. Nachdem ich Lohmar verlassen hatte, stellte der letzte Berg durch die Wahner Heide kein Problem für meine mangelhafte dar. Die zu bewältigenden Höhenmeter waren moderat, während sich mein Körper längst im Rhythmus des Tretens eingeschwungen hatte. Die Fahrt durch die Troisdorfer Fußgängerzone war menschenleer, und das letzte Stück der Strecke begleiteten mich die Felder.

27. April 2020

So manches hat sich gelockert, der Konkurs unserer Gesellschaft soll abgewendet werden, wir sind nicht nur in unseren eigenen vier Wänden eingesperrt. In Trippelschritten ebnen sich allmählich in Zeiten von Corona Horizonte, viele Geschäfte dürfen in den Fußgängerzonen wieder öffnen. Es gibt kleine und große Verlierer. Zu den kleinen Verlierern dürften diejenigen Geschäftsinhaber gehören, die seit letzten Montag wieder öffnen durften. Die sich finanziell so gut stehen, dass sie eine zeitweilige Schließung durchhalten können. Zu den großen Verlierern dürfte die gesamte Gastronomie zählen. Ihre Perspektive geht momentan gegen Null, weil sie in all den „Öffnungsdiskussionsorgien“ sich hinten anstellen müssen. Pure Verzweiflung erhebt sich aus den verschlossenen Türen von Gaststätten und den Kundeninformationen, dass das Coronavirus die Schließung angeordnet hat. Mit Gutscheinen sucht sich das Stadt Bierhaus in Troisdorf irgendwie über Wasser zu halten. „Kaufen Sie Gutscheine“, so versucht das Stadt Bierhaus in Troisdorf seine Kundschaft nicht zu verlieren. „Bleiben sie uns TROI“: mit dieser Wortspielerei, die den Wortstamm der Stadt Troisdorf beinhaltet, rechnet das Bierhaus mit der Treue seiner Gäste, dass diese nach dem Ende der Corona-Krise und der Wiederöffnung des Bierhauses wiederkehren werden. Einstweilen überwiegt aber die Aussichtslosigkeit, dass eine solche Wiederöffnung nicht in Sicht ist.

28. April 2020

Wie Corona ein Gemeinschaftsgefühl erzeugen kann. Corona als äußere Bedrohung: die anonyme Masse der Bevölkerung, die untereinander sehr inhomogen und in sich zerstritten sein kann, wird nun eine gemeinsame Richtung und Sinnstiftung gegeben. Abstand halten, Hygieneregeln beachten, zu Hause bleiben, Infektionen reduzieren, die Ausbreitung des Virus niederdrücken. Die Masse, die diese Ziele im Blickfeld hat, formiert sich als Solidargemeinschaft neu. Nicht nur in Rösrath, wo ich auf meiner Rennradtour diesem Plakat begegnet bin, findet man solche Appelle an die Solidargemeinschaft. Angeordnet durch den Staat, ist diese Solidargemeinschaft quasi auch von oben angeordnet – mit der Vision, dass es ein Leben ohne Einschränkungen nach Corona geben wird. Das schweißt zusammen.

29. April 2020

Was für ein Wunder. Sechs Wochen lang Sonnenschein ohne Ende, ein blankgeputzter Himmel, selbst Wolken waren eine Seltenheit, kein Regen. Da mutete es wie ein Wunder an, dass die Wolken am Himmel etwas zahlreicher wurden, sich verdichteten, dunkler wurden und dass es tatsächlich regnete. Und dass es nicht nur ein paar wenige Tropfen waren, sondern dass eine Zeit lang ordentlich schüttete. Das ließ hoffen für die nächsten Wochen und Monate. Regen hatte der Wetterbericht für die nächsten Tage vorher gesagt, der dann hoffentlich mittelfristig in eine nassere Periode übergehen soll. Einstweilen ballten sich die Wolken zusammen. Eine Jubelstimmung kam auf. Es zog mich hinaus nach draußen, um mich ordentlich nass regnen zu lassen. „I’m singing in the Rain“ summte ich vor mir her.

30. April 2020

Es gibt nur wenige, die nicht leiden müssen, und am schlimmsten dürfte es die Kleinen treffen. Die Kindergärten sind dicht, und das Leitmotiv „wir bleiben zu Hause“ bedeutet, dass alle Kinder für sich alleine zu Hause bleiben sollen. Obschon dies in unserer direkter Nachbarschaft fleißig missachtet wird, sollten Freunde nicht eingeladen werden. Selbstbeschäftigung in den eigenen vier Wänden, spielen mit Lego, wahrscheinlich ganz viel Kinderkanal, Sendung mit der Maus und was das Kinderprogramm so hergibt. Aber auch die Eltern dürfen ganz viel mit ihren Kleinen spielen, oftmals nebenbei zum Home Office. Eine Alternative gibt es nicht: das Spielen auf dem Spielplatz. Doch auch dies soll sich demnächst ändern.

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