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ein Portrait und eine Skulptur des Kurfürsten Clemens August

Im Inneren schwach, nach außen Fassade, seine innere Unruhe in großspurigen Bauprojekten umwälzend, so könnte man mit einem Psychogramm den Kölner Kurfürsten Clemens August beschreiben. Aus dem Hochadelsgeschlecht der in Bayern beheimateten Wittelsbacher, das insgesamt fünf Kölner Kurfürsten stellte, dürfte er derjenige Wittelsbacher Kurfürst sein, der sich der Nachwelt mit seinen Schlössern in Brühl und Poppelsdorf am nachdrücklichsten erhalten hat. Geboren 1700, war er von 1723 bis zu seinem Tod 1761 Kölner Kurfürst und gleichzeitig Kölner Erzbischof.

So schmächtig und so zart wie er auf Gemälden gemalt worden ist, dürfte seine Persönlichkeitsstruktur gewesen sein. Widersprüche reißen auf, wenn man etwa sein vom Hofmaler Georges Desmarrées gemaltes Portrait betrachtet, das im Rheinischen Landesmuseum ausgestellt ist. Ein kleiner, schüchterne Junge scheint sich im Antlitz des Kölner Kurfürsten zu verstecken, der gleichzeitig Erzbischof ist. Sein unsteter Blick aus wachen Augen steht ganz im Gegensatz zu seiner Machtfülle. So galt er in seiner Zeit als „Mon­sieur des cinq ég­li­ses“ (Herr der fünf Kir­chen), der Fürstbischof von gleich fünf Bistümern war, nämlich außer Köln von Pa­der­born, Müns­ter, Hil­des­heim und Os­na­brück, dazu eng verbunden mit dem Königreich Bayern mit seinem Wittelsbacher Adelsgeschlecht. Was die Machtverhältnisse im noch nicht existierenden deutschen Staatengebilde betraf, kam man so ungefähr nicht an ihm vorbei. Auf dem Gemälde spannen die Bischofsmütze, sein roter Bischofsmantel und seine Insignien die Wirkungsfelder seiner Macht auf.

Während seine Schlösser und seine anderen Bauwerke vor lauter Pracht und lauter Skulpturen überquillen, gibt er sich selbst mit einer eigenen Skulptur äußerst bescheiden. Genau genommen, hat sich jemals nur ein Künstler an eine Skulptur des Kurfürsten Clemens August heran getraut. Das mag ein Beleg dafür sein, dass der Kurfürst keine narzisstische Persönlichkeit war, die auf das Ich im eigenen Spiegel der Kunst fixiert war.

Portrait von Georges Desmarrées im Rheinischen Landesmuseum (oben),

Kopie der Skulptur in Brühl (unten)

Neben Schlössern, Kirchen, Kapellen gehörten dem Kurfürsten auch zehn Erzbergwerke in den kurkölnischen Fürstentümern, darunter ein Hüttenwerk im Wiedtal, das Kupfererz verarbeitete. Nach seinem Kurfürsten nannte sich das Hüttenwerk „Clemenshütte“. 1763 beauftragte der Fabrikbesitzer einen Bildhauer mit der Fertigung einer Skulptur des Kurfürsten. 1900 wurde das Hüttenwerk abgerissen, eine neue Fabrik mit einem anderen Produktionszweck wurde gebaut, und heute steht die Skulptur noch auf demselben Fabrikgelände in der Gemeinde Waldbreitbach im Wiedtal.

Weil seine Bauwerke so zahlreich sind, aber weil es aber nur die eine Skulptur gibt, wurde diese kopiert. Eine Kopie steht in einem seiner Schlösser im Emsland, eine zweite Kopie wanderte nach Brühl. Zur 700 Jahr-Feier der Stadt Brühl, die sich 1985 jährte, wurde die Kopie ungefähr auf halbem Weg zwischen dem Schloss Augustusburg und dem Markt auf einem Seitenweg aufgestellt. In seinen in Stein gehauenen Formen erscheint der Kurfürst nicht so schüchtern und zerbrechlich wie auf dem Gemälde im Rheinischen Landesmuseum. Die Skulptur vermittelt eine aufrechte Persönlichkeit und Eleganz. Jemand, der das Eine, Wahre und Gute sucht und sich daran erfreut. Ein Herrscher der Schönheit, der in ehrgeizigen Bauprojekten und in allen Kategorien der Kunst sein Selbstverständnis gefunden hat.

Sein Hofstaat und seine Prachtentfaltung waren aufwändig, sehr aufwändig. So wie er in seinem Inneren verstockte und mit Machtkämpfen oder gar Krieg nichts zu tun haben wollte, um so mehr richtete er seine Belange der Kunst nach außen. Er unterhielt einen Stab von Musikern, Schauspieler führten Theaterstücke auf. Man sang und tanzte, der Kurfürst veranstaltete Bälle und Feste. Besonders hatte es ihm die Jagd angetan. Die Jagd und der Prunk eines Schlosses lagen in Brühl ganz dicht beieinander. Zur Jagd konnte direkt am Schloss Falkenlust geblasen werden.

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