Tagebuch November 2017

1. November 2017

In der morgendlichen Messe hatte ich noch gelernt, dass das eigentliche Aufsuchen des Friedhofes, um der verstorbenen Angehörigen zu gedenken, nicht der Inhalt von Allerheiligen ist. An Allerheiligen werden die Heiligen verehrt, die der Pastor in einer schier endlosen Aufzählung Revue passieren ließ. Was wir unter Allerheiligen verstehen, beschreibt der Gedenktag von Allerseelen, der einen Tag später am 2. November liegt. Da aber an Allerheiligen Feiertag ist, hat es sich eingebürgert, dass um 14 Uhr eine Messe gehalten wird, in dessen Rahmen auch die Gräber gesegnet werden. Der Gedenktag von Allerseelen wird somit auf den Nachmittag und die Abendstunden des Vortages vorverlegt. Während der Nachmittag mit Hausarbeit und Fernsehen verging, ging mir am späten Nachmittag durch den Kopf, dass wir ein paar Anziehsachen und einen ganzen Karton kleiner Kleiderbügel für Kindersachen bei Freunden vorbei bringen könnten. Dazu passte der Feiertag, weil diese in Bonn-Heiderhof wohnten, einem Stadtteil, der genau am anderen Stadtende von uns entfernt lag. Abseits meiner Rennradrouten gelegen, war ich nur ein einziges Mal in Bonn-Heiderhof gewesen. Die Route wäre grundsätzlich mit dem Rennrad zu schaffen gewesen, mit der lang anhaltenden Steigung wäre sie allerdings sehr anspruchsvoll gewesen. Wenngleich Heiderhof ein reiner Stadtteil aus der Retorte war, konnte man dort schön und ruhig wohnen. Die Verkehrsanbindung nach Godesberg war mit dem Bus prinzipiell auch nicht schlecht, und ein Einkaufszentrum war auch in der Nähe. Das Treffen mit unseren Freunden, die zwei kleine Kinder hatten, kam sehr spontan zu Stande. Es wäre schwierig einzuschätzen gewesen, wann in der nächsten Zeit noch einmal ein solches Zeitfenster zur Verfügung gestanden hätte.

2. November 2017

Unsere beiden Kater (Rambo links und Oskar rechts) in vertrauter Einigkeit … nach einer Woche haben sie sich in unserem Haus gut eingelebt …

3. November 2017

COP23 – in den vierzehn Tagen der Weltklimakonferenz begegnete man an allen Ecken und Enden der Stadt diesen Kürzeln. 23rd Conference of the Parties, mit diesem schlagkräftigen Begriff hatten sich die Klimaschützer zusammen getan, um ausgehend von der ersten Klimakonferenz in Berlin im Jahr 1995 Ziele und Maßnahmen zum Klimaschutz zu formulieren. Zum dreiundzwanzigsten Mal wurde in Bonn eine Konferenz derjenigen Parteien abgehalten, dessen Anliegen völkerrechtlich bindende Vereinbarungen zum Klimaschutz sind. Die Zeltstadt in der „BULA“-Zone auf dem UN-Campus und in der Rheinaue war unübersehbar. Bereits im Sommer war mit den Aufbauarbeiten der Zeltstadt begonnen worden. Ein buntes Gemisch aller Nationen aus der ganzen Welt tummelte sich vom 6. Bis zum 17. November in der Stadt.

4. November 2017

Der Entschluss, in der Stadt einkaufen zu gehen, fiel spontan. Anziehsachen für unser Mädchen, darunter Unterwäsche, Hosen, Oberteile, mussten wir ständig aufschieben. So fuhren wir ziemlich spät, gegen 16 Uhr, in die Stadt. Bei C&A und TKMaxx fanden wir einiges, während ich bei TKMaxx keine passende Jacke fand, weder im Aussehen, noch für den knapp bemessenen Geldbeutel. Als wir unsere Einkäufe erledigt hatten, ging es schon auf acht Uhr zu, und gegen unseren Hunger aßen wir an der belgischen Imbissbude am Kaufhof eine Portion Fritten. Als wir im Stehen unsere Fritten aßen, spürten wir die Aufwertung der Stadt durch die Weltklimakonferenz. Es ging wieder international zu, Erinnerungen an die guten alten Hauptstadtzeiten kamen auf. Wir lauschten ganz vielen englischen Wortbrocken, aber auch schwarze, arabische, chinesische und andere fernöstliche Nationalitäten fielen uns auf. Wach wurden auch die guten alten Hauptstadtzeiten mit ihren Demos: Menschen trugen Plakate „Kernkraft nein danke“, „aus für Kohlekraftwerke“ oder „Trump – nein danke“. Straßenmusiker gaben ihr bestes. Und bevor es acht Uhr wurde, wurde uns bewusst, dass sich ein ganz anderes Zentrum verschoben hatte. Die Modekette „New Yorker“ übte eine ganz neue Magie aus – auf unsere Tochter. Nicht C&A oder TKMaxx, sondern in den „New Yorker“ musste sie unbedingt hinein. Nirgendwo anders war das, womit sie sich gerne anzieht, wohl so schick wie dort.

5. November 2017

Ein Stück Brüssel in unserer Stadt. Wer kennt ihn nicht, diesen pinkelnden Jungen, den im Zentrum von Brüssel tagtäglich Massen von Touristen fotografieren ? In Brüssel ist die Statue des Manneken Pis sehr alt und stammt aus dem Jahr 1619. Eine von vielen Legenden erklärt seine Entstehung in der Zeit, als Brüssel von spanischen Truppen belagert worden war. Ein Junge erlosch die gezündete Lunte an einem Bündel von Sprengstoff, indem er darauf urinierte. Das Manneken Pis, das heute im Zentrum von Brüssel steht, ist allerdings gar nicht einmal so alt. Auf den urinierenden Jungen haben es nämlich Diebe abgesehen, so dass die Statue in seiner Geschichte insgesamt sieben Mal gestohlen worden ist. Die Statue, die jedesmal wieder gefunden werden konnte, befindet sich nun im Brüsseler Stadtmuseum. Insofern ist die Modellierung des Manneken Pis in Brüssel und in unserer Stadt dieselbe, nämlich eine Kopie. Geringfügig dürfte sich das Entstehungsjahr der Kopie unterscheiden: das Manneken Pis in Brüssel ist eine Kopie aus dem Jahr 1965, in unserer Stadt liegt das Entstehungsjahr, das ich nicht kenne, vielleicht etwas später.

6. November 2017

Ich will ihr nicht zu nahe treten und in meinem Inneren bin ich überzeugt davon, dass Claudia Schiffer nicht derjenige Menschentyp ist, den ich in den nächsten Sätzen beschreibe. Doch wenn ich auf ihre Make-up-Werbung schaue, dann läuft es mir eiskalt den Rücken herunter. Claudia Schiffer lässt mich an diejenige Sorte von Menschen denken, die mir sehr unangenehm in Erinnerung verblieben sind. Sie kehren nur ihre vorzeigbare Seite heraus. Man hat das Gefühl, mit einer Maske zu tun zu haben. Aalglatt und herausgeputzt, spult der Mensch, der dahinter steckt, ein ganz anderes Programm ab, als er wirklich ist. Ständig ist er damit beschäftigt, sich zu verstellen und ein Versteckspiel zu treiben, damit der andere nicht merkt, wie er wirklich tickt. Man schafft es auch nicht, in ihn einzudringen, weil er im Inneren nur aus seiner Fassade besteht, die er sich selbst einredet. Gefühle, die er sich eingesteht, dienen alleine seiner Selbstoptimierung, dass er den Rollen, die seine Gefühle vorspielen, in einen Irrgarten hinein rennen läßt. Gespräche frustrieren, sie prallen wirkungslos an der wie geleckten und modellierten Haut ab und kratzen nur an der Oberfläche herum.

7. November 2017

Vor ziemlich genau einem Jahr hatte ich die Verwerfungen in der Stadt angemeckert, dass Gelder in einer nicht unerheblichen Größenordnung für den neuen Bahnhof am UN-Campus verschwendet werden, während an anderer Ecke selbst kleinere Geldbeträge für Vereine, Museen, Bibliotheken, Schwimmbäder usw. fehlen. Im Lichte der Weltklimakonferenz ist nun ein Sinneswandel erfolgt. Die Geschichte des kürzlich neu eröffneten Bahnhofs, der neun Millionen Euro gekostet hat, wird nun anders geschrieben. Dass die 25.000 Teilnehmer der Weltklimakonferenz mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen sollen, ist eine zwingende Notwendigkeit, denn sonst wären sie unglaubwürdig und würden sich zu ihren Zielen selbst widersprechen. Die Anreise mit der Bahn vereinfacht sich: kein Umsteigen mehr am Hauptbahnhof, sondern Durchfahren mit den Regionalzügen. Und wer die letzten Meter nicht zu Fuß erledigen will, für den stehen Fahrräder bereit.

8. November 2017

110 € - ein happiger Stundenlohn für eine zwanzigminütige Behandlung. Was tut man nicht alles für seine Vierbeiner ? Wir mussten mit Oskar, unserem Kater aus dem Tierheim Troisdorf, zur Tieraugenarztpraxis nach Bonn-Rüngsdorf. Wer hätte vermutet, dass es spezialisierte Augenärzte für Tiere gibt ? Unsere Tierärztin hatte uns dorthin geschickt, weil sie sich kein Komplettinstrumentarium für alle Krankheitsfälle bei Tieren leisten konnte. Sie hatte einen nicht näher definierbaren Fremdkörper auf der Hornhaut des rechten Auges entdeckt, wodurch sich dieses entzündet hatte. Ihr fehlten die Spezialgeräte, um diesen Fremdkörper genauer bestimmen zu können. In den zwanzig Minuten diagnostizierte die Augentierärztin eine wahrscheinliche Herpes-Infektion, jedenfalls entdeckte sie beim Ausleuchten des rechten Auges lauter Pünktchen auf der Hornhaut. Zehn Tage lang mussten wir nun ein Antibiotikum in Form einer Augensalb geben, zusätzlich Augentropfen, und danach sollte ein Floureszin-Test bei unserer Tierärztin am Ort gemacht werden. Wenn dann das Auge immer noch nicht in Ordnung sei, müssten wir nochmals zum Augentierarzt.

9. November 2017

Licht und Schatten. Ich freue mich über die Sonnenseite der deutschen Geschichte, dem Mauerfall am 9. November 1989, aber die Schattenseite der deutschen Geschichte, die Reichskristallnacht am 9. November 1938, regt sich viel lebendiger, obschon ich sie selbst nicht erlebt habe und allerhöchstens in Youtube Revue passieren lassen kann. Auslöser für die Reichskristallnacht war das Attentat des nach Paris abgeschobenen Juden Herschel Grünspan auf den deutschen Diplomaten Ernst vom Rath. „… die Juden sollen den Zorn des deutschen Volkes zu verspüren bekommen … das Volk wird nun handeln … „, so notierte Joseph Goebbels Zitate aus seiner Rede, die er in München gehalten hatte, in seinem Tagebuch, um das Volk anzustacheln und die Hetzjagd auf die Juden fortzuführen. Über 1.400 Synagogen, Betstuben und sonstige Versammlungsräume sowie tausende Geschäfte, Wohnungen und jüdische Friedhöfe wurden zerstört. Ab dem 10. November wurden ungefähr 30.000 Juden in Konzentrationslagern inhaftiert. An diesem geschichtsträchtigen Datum des 9. November habe ich die Gedenkstätte der zerstörten Synagoge an der Kennedybrücke aufgesucht.

10. November 2017

Im Grunde genommen gibt es viele Helfer und Kümmerer, die mit den Behinderten etwas unternehmen, allen voran die Behindertenkreise, die von der Kirche organisiert werden. Die Behindertenkreise veranstalten Bastelnachmittage, sie gehen Kegeln, organisieren Krippenführungen, sie besuchen Karnevalsveranstaltungen, sie fahren ins Phantasialand und vieles mehr. An diesem Freitag war es soweit, dass im Fischereimuseum in Troisdorf-Bergheim gebastelt wurde. In einem Workshop wurde in dem Museum vieles über Krebse erzählt und erklärt. Dabei wurde auch gebastelt. Eine schöne Idee, einen Krebs aus Papier und Karton zu basteln. Dies ist das Endprodukt mit der Bastelanleitung, wie er aus den einzelnen Papierteilen zusammengefügt und schließlich zusammen getackert wird.

11. November 2017

Diesmal hatte die Aktion nichts mit der Weltklimakonferenz zu tun, sondern die zeitliche Terminierung war Zufall. Alljährlich im November findet die Aktion „Bonn leuchtet“ statt, in der bekannte Bauwerke, Gebäude und Plätze von Leuchtinstallationen angestrahlt werden. So die Münsterkirche, die in rot-blau-gelb gefärbtem Licht erschien.

12. November 2017

Die Alte Post – wenn es in unserem Ort ein Restaurant gibt, welches eine Familientradition hat, dass ist es dieses Restaurant. Auf der Kegelbahn haben wir Kindergeburtstag gefeiert, Kinderkommunion und Firmung haben wir dort gefeiert, immer alles bestens. Nun hatten wir uns spontan entschieden, zum 50. Geburtstag des Schwagers dort essen zu gehen. Die Kellnerin erkannte ihn sofort, weil seine Kegelgruppe regelmäßig dort gekegelt hatte. Sie klärte mich auf, dass der wesentliche Unterschied zwischen Pljeskavica und einem Hirtensteak der Schafskäse ist. Beides war ein Hacksteak, das Pljeskavica ohne, das Hirtensteak mit Schafskäse. Ich entschied mich für das Hirtensteak. Auch an diesem Abend war alles bestens, so wie früher.

13. November 2017

Dass die Weltklimakonferenz eine Veranstaltung ist, die große Kreise über die gesamte Stadt zieht, das spürt man nicht nur in den Zeltbauten auf dem UN-Campus und in der Rheinaue. Allerlei Aktionen und Demonstrationen laufen am Rande, darunter sind auch Künstler am Werk. Bunt und vielfältig geht es zu, die Weltklimakonferenz lässt die Ideen sprudeln. Bei der Kunstaktion „Visitors – Ocean is coming“, die die freie Kulturszene initiiert hat, regen sich zauberhafte Meereswesen in der Gestalt eines Hammerhaies, eines Mantarochens sowie eines Wales, die zwischen dem Baumgeäst am Rheinufer festgebunden sind. Die Bürger können ihre Wünsche für das Weltklima auf einem Zettel notieren und in eine Plastikflasche stecken. Aus diesen Flaschen sollte ein Wal auf dem Rhein gebaut werden.

14. November 2017

Natürlich darf auch Greenpeace mit einer Aktion bei der Weltklimakonferenz nicht fehlen. Das Segelschiff „Beluga“ ankerte an der Anlegestelle am Rhein, auf dem Schiff wurden Führungen zum Thema „Klimawandel und Vertreibung“ durchgeführt. Unter der Überschrift „Planet earth first“ wollte Greenpeace für den Klimaschutz und Wetterextreme sensibilisieren: Dürre in Afrika, Überflutungen in Bangla-Desh, Taifune auf den Philippinen, der Untergang von Pazifikinseln bei steigendem Meereswasserspiegel, der Klimawandel als Ursache für Flucht und Vertreibung. Leider fehlte die Zeit, um mir die sicherlich interessante Ausstellung auf dem Schiff anzuschauen.

15. November 2017

Der erste Flug seit neun Jahren kribbelte in den Fingern. Ich war aufgeregt, nervös, hatte auch etwas Angst vor dem Procedere des Eincheckens, das im Endeffekt einfach war, im Beisein von vier Arbeitskollegen. Wir hatten unser Kickoff in Hamburg, und meine Arbeitskollegen waren dem Flugzeug zugeneigter als der Eisenbahn, und die höheren Kosten für einen Flug spielten auch keine Rolle. Als ich mich mit dem Automaten herum schlagen musste, um die Bordkarte auszudrucken, war ich beruhigt, meine Arbeitskollegen um mich herum zu haben. Dies gelang auf Anhieb, ohne dass der Automat irgend welche Fehlermeldungen ausspuckte. Naja, die Sicherheitskontrollen kamen mir etwas abgedreht vor, aber in Zeiten von Terroranschlägen musste das sein. Das Gefühl, abzuheben, über den Wolken zu schweben und wieder zu landen, war nicht schlecht. Die Strecke, die die Eisenbahn in vier Stunden schafft, legte das Flugzeug in fünfzig Minuten zurück. In Hamburg ging es dann weiter zu unserem Tagungsort.

16. November 2017

Hamburg, wir kommen. Gestern Anflug und erster Tag unseres Kickoffs, an dem wir uns im neuen Team kennen gelernt haben. Weil wegen der Weltklimakonferenz keine Hotelzimmer in Bonn zu haben waren und weil zwei neue Kollegen aus Hamburg kommen, haben wir Hamburg als Tagungsort gewählt. Die Atmosphäre war entspannt, wir haben eine junge, dynamische und fantastische neue Teamleiterin, mit der das gemeinsame Arbeiten bereits jetzt Spaß macht. Unbeschadet habe ich somit die Reorganisation überstanden. Neue Tätigkeit, neues Team, neue Leiterin: bei unserem Kickoff haben wir alle nach vorne geschaut, relativ genau wissen wir, was wir künftig machen werden, und die Arbeit verspricht, spannend und hoch interessant zu sein. Hamburg, wir kommen. Und der Blick auf den Fernsehturm bei unserer morgendlichen Abfahrt aus dem Hotel war gleich mit dabei.

17. November 2017

Wieder festen Boden unter den Füßen am Flughafen Köln/Bonn. Nach der Landung kein Vergleich mit dem Einchecken. Ganz geradlinig konnten wir mit unserem Handgepäck durch Gates und Gänge hindurch spazieren, über ziemlich viele Rolltreppen ging es dann zum Bahnhof, der am Flughafen eine ordentliche Größenordnung hat, schließlich halten hier aus ICEs. Weil es mit der Pünktlichkeit bei der Bahn so eine Sache ist, hatte meine S-Bahn prompt zwanzig Minuten Verspätung. Also eine zeitlang warten, schauen, die Größe des Bahnhofs auf mich wirken lassen, die stromlinienartige Form, das glatte und aufpolierte Erscheinungsbild, wozu es sehr abschreckende Gegenbeispiele bei anderen Bahnhöfen gibt. Weil es so viel zu schauen gab, verging die Wartezeit im Handumdrehen.

18. November 2017

Ein umtriebiger Samstag, an dem wir alle viel auf den Beinen waren. Morgens war Tag der offenen Türe in der Realschule, so dass unser Mädchen Schulunterricht hatte. Meine Frau, die bis 14 Uhr arbeiten musste, brachte ich zu ihrer Arbeit, im Anschluss unser Mädchen zur Realschule, dabei brachte ich zwei Kuchen, die meine Frau am Vortag gebacken hatte, an der Kuchentheke in der Realschule vorbei. Nach dem Frühstück hatte ich ein Zeitfenster für mich, das allerdings zusammen schrumpfte, weil ich bei LIDL einkaufen musste – größere Einkäufe hatten wir am Vortag bei REWE erledigt. Und das Zeitfenster schrumpfte weiter zusammen, weil ich Klöße mit Restsoße, Bratwurst und Kopfsalat eingeplant hatte, die mit ihrer Zubereitung eine längere Zeit beanspruchten. Als wir – Schwager, Schwiegervater, Tochter, Sohn – gegen 14.30 Uhr unser Mittagessen beendet hatten, stellte meine Frau fest, dass diejenigen Einkäufe, für die es gestern Abend bei dm zu spät war, sehr dringend waren. Also ging es kurz nach 16 Uhr zum Einkauf nach dm. Katzenfutter, Klopapier, Deo, Shampoo, Einwegrasierer und eine ganze Menge mehr. Gleichzeitig luden wir bei dm eine Beschwerde ab, die uns sehr wichtig war. Unsere Tochter hatte sich nämlich vor vierzehn Tagen in Troisdorf das Haarfärbeprodukt Colorista Spray in Pink gekauft und damit ihre braunen Haare gefärbt. Dabei war das ganze T-Shirt mit eingefärbt worden, und noch schlimmer: die grell-pinke Farbe war hindurch in das Unterhemd eingedrungen. Um die Farbe aus den Haaren wieder heraus zu waschen, erforderte es mehrere Haarwaschvorgänge, wobei die Handinnenseite total rot gefärbt wurde. Es dauerte mehrere Tage, bis die Färbung der Handinnenseite verschwand. Bei unserer Reklamation, solch ein Produkt an unsere 12-jähige, nicht geschäftsfähige Tochter, zu verkaufen, erhielten wir den satten Kaufpreis von 8,95 Euro in der dm-Filiale zurück. Man sagte uns aber auch, dass Alterskontrollen bei solchen Produkten – ähnlich wie bei alkoholischen Getränken – nicht vorgesehen seien. Nur zu einem Teil zufrieden gestellt, fuhren wir nach Hause zurück. Abends belegten wir dann eine Pizza mit Salami, gekochten Schinken, Paprika, Ananas und ließen uns diese herzhaft schmecken.

19. November 2017

Glaubenswoche in unserer Pfarre. Schon im Turmbereich wurde der Besucher in einem orientalischen Teezelt empfangen. Auf der linken Seite des Mittelschiffes standen acht Zelte, die jeweils einem Thema gewidmet waren. So lernte man zunächst im Offenbarungszelt den Gott des alten Bundes kennen. Im Prophetenzelt traten die einzelnen Propheten auf. Das Psalmenzelt stellte das „Gebetbuch“ des alten Testamentes vor, das auch das Gebetbuch Jesu war. Das leuchtend rote Zelt widmete sich dem Hohen Lied der Liebe. Im Schriftzelt erfuhr der Besucher vieles zur Überlieferung der Heiligen Schrift. Die bedeutenden jüdischen Feiertage, die teilweise in den christlichen Festkalender eingegangen waren, erklärte das Festzelt. Schließlich behandelten das Christus- und das Kirchenzelt die Themen des Neuen Testamentes. Manche Themen konnte man berühren und anfassen. So konnte der Besucher etwa hebräische Schriftzeichen mit einer Gänsefeder auf Papyrus anbringen. Eine sehenswerte Ausstellung zur Glaubenswoche, für die man Ruhe und Zeit mitbringen sollte.

20. November 2017

Die Entscheidung, in der Bäckerei neben dem Netto-Discounter einen Kaffee zu trinken, war aus der Not geboren. Auf dem Fußweg zum Zahnarzt hatte ich noch mehr als eine halbe Stunde Zeit, und was konnte mich in der morgendlichen Frühe mehr auf Trab bringen als eine Tasse Kaffee ? Gewöhnlich strahlen solche Cafés in Bäckereien, die Supermärkte oder Discountern angehängt sind, keinerlei Atmosphäre aus, weil sie im Inneren künstlich und normiert aussehen. Noch normierter und gleichgültiger war der Ausblick nach draußen auf den Supermarktparkplatz, auf die ein- und ausfahrenden Autos, auf die große Fläche von Asphalt, auf das platte Verbundpflaster und auf die Unterstellbox für die Einkaufswagen. Die gleichgemachte Parkfläche vermied jeglichen Ansatz von Grün und Natur, die Bewegungen der kleckerweise in den Discounter einströmenden Menschen waren so gleichförmig, als kämen sie aus einem Automaten. Die Cafébesucher schauten gelangweilt in die Tristesse hinein, regungslos, ausdruckslos, so grau wie die undefinierbare Wolkenmasse, die trübe über der abwesenden Durchgangssstraße hing. Ein paar Berechnungen bereitete ich an meinen Laptop auf, Berechnungen in Excel, die ich einigermaßen schnell im Büro benötigen würde. Vielleicht der richtige Zeitvertreib an diesem nicht gerade einladenden Ort.

21. November 2017

Große Namen und große Plätze. Nach dem ersten Kanzler der Bundesrepublik Deutschland, Konrad Adenauer, werden hierzulande viele Straßen, Plätze und Verkehrsknotenpunkte benannt, so die Autobahnbrücke im Bonner Süden oder der Flughafen. Die Straßen und Plätze, die seinen Namen tragen, sind sehr zahlreich und in allen größeren Städten im Rheinland vertreten. Wenig attraktiv ist allerdings das Aussehen so manchen Platzes, so der Konrad-Adenauer-Platz in Bonn-Beuel. Obschon die freie Fläche des Platzes bis 2015 bebaut worden war und 1,8 Millionen Euro in Straßenbauarbeiten investiert worden waren, änderte sich an dem abweisenden und unfreundlichen Charakter des verkehrsumrauschten Platzes wenig. Lediglich einige Architekten stülpten ihren postmodernen Baustil über einen neuen Supermarkt und ein Ärztezentrum, deren Fassaden mit Mosaiksteinchen bespickt sind, und als Ausdruck architektonischen Wagemutes läuft ein Gebäudeteil spitz zu. Das identitätslose Erscheinungsbild des Platzes änderte sich mit der neuen Bebauung wenig. Dass viel Verkehr über den Platz fließt, wirkte im Dunkeln gar nicht einmal so abweisend. Hell erleuchtet inmitten der Straßenbeleuchtung, verdichteten sich auf der Anzeigetafel Buchstaben und Ziffern zu Straßenbahn- und Buslinien. Der Platz war lebhaft, geschäftig, dynamisch, nicht einmal anonym, wobei der Verkehrsfluss nicht aufhörte. Die Lichter der Großstadt verliehen diesem Platz einen Glanz, der ihm tagsüber, im Hellen, fehlte.

22. November 2017

Noch ein Beispiel, wie unterschiedlich Verkehrsströme Helligkeit und Dunkelheit gestalten können. Was tagsüber in Hektik, Lärm und Stress untergeht, erhält in der Dunkelheit eine ungeahnte Dynamik. Dicht an dicht, reißt die Kette von Fahrzeugen auf der Autobahnbrücke nicht ab. Es staut sich nicht, aber der zähe Verkehrsfluss wälzt sich in seiner Langsamkeit vorwärts. Aus meiner Perspektive auf dem Fahrradweg ist das Ausmaß an Bewegung dennoch enorm. Es herrscht ein Belagerungszustand durch den Autoverkehr, Motoren brummen, die Fahrgeräusche vereinigen sich auf der Fahrbahn zu einem dunklen Unterton. Und die roten Rücklichter markieren die Blechlawine, überragt von der Hängekonstruktion mit den Spannseilen, an denen die Autobahn aufgehängt ist.

23. November 2017

Wenn die Vorweihnachtszeit naht, erlebe ich alljährlich, wie sich ein Kindheitstraum gehalten hat und lebendig geblieben ist. Vor dem Schaufenster bei Puppenkönig regt sich der Spieltrieb. Die Großlandschaft der Spielzeugeisenbahn steckt voller Liebe und Details, die Züge fahren umher. Die Komposition von Spielzeugmenschen in einer Spielzeugstadt inmitten einer Spielzeuglandschaft strahlt eine behagliche Wohnzimmerwärme aus. Erinnerungen an meine eigene Spielzeugeisenbahn kommen hoch, die Dampflok und die Waggons, die Schienen und die Weichen. Langsam und allmählich, Stück für Stück, hatte ich mir dazugekauft und meine Eisenbahn wurde größer. Doch so groß und so schön, wie sie im Schaufenster von Puppenkönig von vielen Passanten bestaunt wird, dazu ist die eigene Spielzeugeisenbahn aus den Kinderschuhen eines Kindheitstraums nicht heraus gekommen.

24. November 2017

Die Suche nach ungewöhnlichen Motiven in einer Phase des Herbstes, in der sich ein Rest von Herbstlaub noch für einen dekorativen Hintergrund eignet. Ich habe eine Litfasssäule ausgewählt, die ich selten übersehe, wenn ich sie passiere, weil sie ein wichtiger Indikator für das kulturelle Leben in der Stadt ist. Bundeskunsthalle, Rheinisches Landesmuseum, Museen in der Region - ihre Bedeutung ist nicht zu unterschätzen, denn die Säule informiert über Ausstellungen, Ereignisse, Termine und einiges mehr. Die umliegenden Baumwipfel sind schon beinahe kahl. Zackiges Blattwerk, so blass wie der Erdboden, kräuselt sich in sich zusammen. In Rheinnähe ist das Laub der Bäume noch so dicht, dass es die Sicht auf das schmale Band des Flusses nur unentschlossen freigibt.

25. November 2017

An dem Tag, an dem der Weihnachtsmarkt in unserem Ort – noch vor dem Ersten Advent – stattfand, krachte es prompt. Unser Mädchen hatte sich mit ihrer besten Freundin auf dem Weihnachtsmarkt verabredet, der übrigens erst im fünften Jahr veranstaltet wird. Übersichtlich angeordnet, zählte er 32 Stände. Mit örtlichen Vereinen, Grundschule, Messdiener, dem Förderverein der Behinderten oder dem Kindergarten, welche mit ihren Basteleien Imbisse und Bierstände dominierten, ragte dieser Weihnachtsmarkt aus der Unmasse anderer identitätsloser und gleich aussehender Weihnachtsmärkte heraus. Den Vormittag hatten wir verbummelt, spät waren wir aufgestanden, bis in die Mittagszeit hatten wir unsere Einkäufe erledigt, dazwischen waren wir bei der Tierärztin und zur Apotheke, um neue Augensalbe für unseren Kater Oskar zu kaufen. Erst nach 13 Uhr begannen wir mit der Zubereitung des Mittagessen, die lange dauerte, weil Kartoffeln zu schälen, Gemüse zu putzen, Gulasch anzubraten und Salat zu lesen waren. Gegen 14 Uhr stieg unser Mädchen aus der Badewanne, gleichzeitig war unser Mittagessen fertig. Davor, vor 14 Uhr, hatte ihre beste Freundin eine Whatsapp geschrieben, wann sie zum Weihnachtsmarkt käme, dass sie am Bus gewartet habe und nun wieder zu Hause sei. Sie war stinksauer, weil sie sich nicht auf unsere Tochter verlassen könne. Sie formulierte Worte, dass sie nicht mehr ihre Freundin sein wollte. Der Versuch, sie auf ihrem Handy anzurufen, scheiterte. Zu Hause war sie nicht erreichbar, weil ihr Vater das Treppenhaus strich und kein Durchgang auf ihr Zimmer möglich war. Bis heute haben sich die Wogen des Unmutes geglättet, glücklicherweise.

26. November 2017

So langsam lebt man sich im neuen Großraumbüro ein und vom Prinzip her ist es dort gar nicht so schlecht. Wir haben keine feste Arbeitsplätze mehr, sondern müssen nach freien Plätzen schauen. Bislang habe ich keine Mühe und Not damit, obschon ich zu denjenigen gehöre, welche gegen halb acht bis neun eher ziemlich spät kommen. Nicht von der Hand zu weisen ist der Vorteil einer besseren Vernetzung untereinander im Großraumbüro. Von Gesprächen und Telefonkonferenzen anderer Bereiche, deren Themen den eigenen Bereich betreffen, bekommt man viel mehr mit. Es sind aber noch keine Situationen eingetreten, bei denen die äußeren Einflussfaktoren eine Rolle spielen. In der dunklen Jahreszeit war die Beleuchtung stets ausreichend, das Sonnenlicht war nicht zu grell und das Großraumbüro war stets gut und nicht zu heiß geheizt. Ich bin gespannt auf die Übergangsjahreszeit und den Sommer. Wenn die eine Kollegenschaft mit geöffnetem Fenster arbeiten will und andere bei geschlossenem Fenster. Und wenn die Hitzewellen des Sommers kommen. Wenn niemand an der Sonnenseite arbeiten will, wenn sich die Hitze trotz Lamellenvorhängen sammelt und wenn alle Flucht vor der Hitze vergeblich ist. In den bisherigen Einzelbüros hatte man noch die Möglichkeit, Belüftung, Sonneneinstrahlung und den Schutz vor Sonne individuell zu regulieren. Mal sehen, was die nächsten Monate bringen.

27. November 2017

Unsere alljährliche Weihnachtsfeier im Kollegenkreis, die uns in diesem Jahr auf den Bonner Weihnachtsmarkt geführt hatte, anschließend haben wir im Restaurant „Em Höttche“ neben dem Alten Rathaus gegessen. Es war gemütlich und schön, wie in jedem Jahr, allerdings diesmal mit dem etwas mulmigen Gefühl, dass es in dem vertrauten Kollegenkreis die letzte Weihnachtsfeier sein würde. Reorganisiert und in unterschiedliche Abteilungen verstreut, werden sich die Abteilungen für die Weihnachtsfeier im nächsten Jahr neu aufstellen. Vielleicht war auch deshalb die Feierlaune besonders intensiv, jedenfalls habe ich nach drei Glühweinen auf dem Weihnachtsmarkt und mehreren Gläsern Grauburgunder im Restaurant mächtig tief ins Glas geschaut.

28. November 2017

Was aus heutiger Sicht sinnvoll und vernünftig erscheint, kann in Krisensituationen verhängnisvoll sein. Fallweise, bei Engpässen von unterzubringenden Flüchtlingen, kann das Wohnhaus, das an unserer Ortsgrenze gebaut wird, als Sozialwohnungen oder als Flüchtlingsunterkunft genutzt werden. Obschon die Sinnhaftigkeit nicht von der Hand gewiesen werden kann, schwelt in dieser Kombination bereits ein Konflikt, der eine schicksalhafte Wendung nehmen kann. So nahm vor zwei Jahren die Aufregung und der Zorn in unserer Stadt kein Ende, als einer achtköpfigen Familie ihre Wohnung gekündigt werden musste, weil Flüchtlinge unterzubringen waren. Der Fall schlug solche Wellen, dass bundesweit das Fernsehen darüber berichtete. Die Berichterstattung war nicht objektiv, weil die Ungerechtigkeit angeprangert wurde und der Hass gegen Flüchtlinge geschürt wurde. In Facebook prügelten Shitstorms und Hasskommentare gegen den verantwortlichen Beigeordneten der Stadt gnadenlos drauf los. Dieser setzte sich wiederum dafür ein, eine adäquate Ersatzwohnung für die achtköpfige deutsche Familie zu finden, was ihm schließlich auch gelang. Diesem Wohnhausneubau bleibt zu wünschen, dass sich der Zustrom von Flüchtlingen in einem ruhigeren Fahrwasser bewegen wird, damit es nicht zum Objekt ungehemmten Zornes in der Bevölkerung werden könnte.

29. November 2017

In unserer so sehr islamisierten und von Terroranschlägen verunsicherten Zeit habe ich es gewagt, mich unter die arabisch aussehende Bevölkerungsschicht zu mischen. Den Kaffee in der Mittagszeit habe ich in einem Café in Godesberg getrunken, in dem man kaum Deutschen begegnen wird. Männer mit dunkler, braun gebrannter Haut und schwarzer Haarfarbe, manche mit Vollbart, ließen sich dort Fladenbrot, Blätterteigtaschen oder Falafel schmecken. Das Gefühl, unter diesem anders gearteten Bevölkerungsgemisch zu sitzen, war keineswegs bedrückend. Das Café war einfach und gleichzeitig einfallsreich und verschnörkelt gestaltet. Im Inneren imponierte mich der schwere Kronleuchter unter der Decke, die von einer reich verzierten Bordüre an den Deckenrändern eingefasst wurde.

30. November 2017

Gerade weil ich früher selbst diesem bürokratischen Apparat von Beamten angehört habe, steigt heute meine Verachtung, wenn unsere Stadt ihr bürokratisches Unwesen treibt. Mit einer Zeitverzögerung von zwei Jahren erinnert sich die Stadt Niederkassel nun daran, dass Einkommensnachweise für die Offene Ganztagesschule aus dem Jahr 2015 fehlen. Damals ging es darum, dass die Elternbeiträge sukzessive von 73 Euro auf 163 Euro angehoben worden waren, was wir nicht mehr finanzieren konnten. Zu dieser unverhältnismäßigen Steigerung hatte ich mich damals beim Bürgermeister beschwert und bis heute keine Antwort erhalten. Da unsere Kündigung des Betreuungsvertrages zum 1.8.2015 erst mit einem zeitlichen Versatz von zwei Monaten wirksam wurde, hatte die Stadt Niederkassel für diese zwei Monate Einkommensnachweise angefordert, um nachzuweisen, dass mit dem Einkommen von 2015 keine Einkommensgrenze für einen eventuell höheren Elternbeitrag überschritten würde. Nachdem der Vorgang zwei Jahre in der Versenkung verschwunden ist, scheinen die Mitarbeiter der Stadtverwaltung nun Langeweile zu haben, wenn sie ihre Ablage ausmisten und diese mit dem Mief ihrer Bürokratie durch dringen. Anstelle ihr misstrauisches Menschenbild zu modellieren, der Bürger könnte sie übers Ohr hauen, sollten sie sich produktiveren Tätigkeiten widmen.

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