der Barbarossaleuchter im Aachener Dom

In den Augen Gottes strebte die Menschheit nach Einigkeit. Sie unterschieden sich nach Rasse, Stand, Geschlecht, Herkunft, Aufgaben, das schrieb Erzbischof Agobard von Lyon im 9. Jahrhundert, doch sie verlangten alle nach einem einzigen Königreich. Im Gefolge des Königs, der die kirchlichen und militärischen Funktionen in sich vereinigte, die weltliche Macht in seinen Händen hielt und sein Volk gegen Teufel und Dämonen zu schützen suchte, verfolgte die Menschheit vereint ihre Prozession, dem Lichte entgegen. In dieser homogenen Schar der Menschen hatte alles seine Ordnung: bei der Schöpfung hatte Gott jedem Menschen seinen Platz zugewiesen, ihm eine Stellung gegeben, die ihm gewisse Rechte verlieh und ihm eine bestimmte Aufgabe beim fortschreitenden Aufbau des Reiches Gottes zuwies.

Könige, das Heilige und das Prinzip der Ordnung: im Oktogon schwebt der Barbarossaleuchter, gleich dem himmlischen Jerusalem, vom Himmel - der achteckigen Kuppel des Aachener Doms – herab. Kaiser Friedrich Barbarossa, der 1155 hier zum römisch-deutschen Kaiser gekrönt wurde, und seine Gattin Beatrix stifteten ihn, als Karl der Große am 29. Dezember 1165 heiliggesprochen wurde. Vier Jahre später, 1169, wurde er fertiggestellt, möglicherweise zur Königskrönung von Heinrich VI., das war der erst vierjährige Sohn von Kaiser Barbarossa, der zur strategisch-taktischen Machtabsicherung in einem solchen Kindesalter zum Kaiser gekrönt wurde.

Barbarossaleuchter

Der Barbarossaleuchter ist ein romanischer Radleuchter, dessen Goldschmiedearbeiten dem Stil der maasländischen Kunst zugerechnet werden. In Deutschland gibt es von solchen romanischen Radleuchtern nur drei weitere Exemplare, davon zwei im Hildesheimer Dom und eines in einer Klosterkirche in Schwäbisch Hall.

Der Barbarossaleuchter fügt sich harmonisch in den Raum des Oktogons ein. Er besteht aus dem Material eines doppelten eisernen Reifens, dem die Türme aus feuervergoldetem Kupfer aufgesetzt wurden. Seine Form entspricht einer Stadtmauer mit Toren und Türmen. Die Kupferstreifen an den Basisreifen tragen folgende Inschrift: „Das himmlische Jerusalem wird durch dieses Bild gezeichnet … Johannes, der Herold des Heils, sah die Stadt, strahlend von lauterem Gold und von Edelsteinen gleißend, vom gestirnten Himmel herab schweben … Nimm also, Meeresstern, der du den hellen Sternen voraufleuchtest, den Stifter Friedrich in dein frommes Gebet auf; ihm verbinde seine Mitherrscherin Beatrix !“

Aus Eisen, Kupfer, Gold geschmiedet, hat der Leuchter ein ordentliches Gewicht. 27 Meter mißt die Originalkette aus der Karolingerzeit, womit der Leuchter unter der Kuppel des Oktogons aufgehängt ist. Die einzelnen Kettenglieder werden nach oben hin immer dicker, so dass die 240 Kettenglieder den Leuchter mit einer Spannweite von 4,20 Meter halten. Das Gesamtgewicht lastet mit 330 Kilogramm unter der Decke. In seiner Grundform bildet der Barbarossaleuchter das Achteck der karolingischen Pfalzkapelle nach, dessen Architektur wiederum aus byzantinischen Sakralbauten übernommen wurde. Dabei unterteilen sich die acht Kreissegmente nochmals, so dass sich insgesamt sechzehn Tore und Türme zu der nach gebildeten Stadtmauer von Jerusalem zusammen fügen. Zwischen Toren und Türmen können jeweils drei Kerzen aufgesetzt werden, das ergibt 48 Kerzen, die in Form einer Krone brennen können – und an hohen Festtagen werden diese auch angezündet.

Kuppel des Oktogons

Wie der Barbarossaleuchter in seinem Urzustand aus dem Jahr 1169 jemals ausgesehen hat, wird ein Geheimnis bleiben. Zu vieles musste im Verlauf der Jahrhunderte restauriert und erneuert werden. Das beschreibt unter anderem eine Chronik aus dem Jahr 1632. „All diese Metallteile sind auf den hölzernen Kern einfach aufgenagelt. Dies sind die letzten Spuren und Reste der vielen silbernen Schmuckteile unseres Leuchters, die in traurigen Zeiten abhanden gekommen sind, einesteils wohl wegen ihres Metallwertes, andererseits auch durch den schadhaften Zustand der ganzen Krone und die gelockerte Befestigung der silbernen Teile“. Spätestens zum 19. Juni 1902, als Kaiser Wilhelm II. Aachen besuchte, wurde der Barbarossaleuchter rundum erneuert. Außer dem Leuchter wurden für den hohen Gast die Mosaike, die Marmordekorationen und die Kuppel des Oktogons grundlegend saniert und heraus geputzt. Seinen Urzustand gibt vage ein Kupferstich aus dem Jahr 1620 wieder.

Die acht Tore und acht Türme haben Bodenplatten, deren Thematik Leben, Sterben, Himmelfahrt sowie die acht Seligpreisungen aus der Bergpredigt sind. Es ist viel spekuliert worden über Silberfiguren in Türmen und Toren, die komplett verloren gegangen sind. Das können bis zu 80 Figuren gewesen sein, da jeder Turm jeweils sechs Öffnungen besitzt und jedes Tor vier Öffnungen. Eine zeitgenössische Beschreibung des Aachener Doms aus dem Jahr 1688 nennt diese „Figuren aus Silber und zu einem geringen Teile aus vergoldetem Kupfer“. Die Beschreibung beziffert deren Anzahl mit 48, davon waren 24 einen Fuß hoch und die anderen 24 kleiner. Die Silberfiguren sollen Engel, Heilige und Torwächter dargestellt haben. Weitere Chroniken aus dem 17. Jahrhundert berichten, dass einzelne Figuren gestohlen worden sind.

Barbarossaleuchter (Detail)

Sakrale und weltliche Kunst vereinigen sich in dem Barbarossaleuchter. Das Prinzip, dass in der homogenen Schar der Menschen hatte alles seine Ordnung hat, drückt sich in einer Zahlensymbolik aus. In der Bibel ist es zum Beispiel die Auferstehung am achten Tag, die zehn Gebote, zwölf Apostel, vierzehn Kreuzwegstationen oder vierzig Tage Fastenzeit. In Zyklen von Jahren und Ewigkeit hat jeder Tag seine eigene heilige Zahlensymbolik.

Unter der Kuppel des Oktogons im Aachener Dom ist es die Zahl acht, die sich auf dem Barbarossaleuchter auf die Zahl sechzehn verdoppelt. Das dokumentiert eine weitere lateinische Inschrift auf dem Leuchter in der Übersetzung: „Friedrich, katholischer Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, gelobte, darauf zu achten, dass Zahl und Gestalt mit den Maßen des erhabenen Tempels harmonieren und sich ergänzen: achteckig diese Lichterkrone als fürstliche Gabe.“

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