Tagebuch Mai 2020

1. Mai 2020


Es ist nicht alles schlecht an Corona, es gibt auch Annehmlichkeiten. So dürfte der erste Mai in diesem Jahr für alle Junggesellenvereine der blanke Horror sein. Das festliche Maibaumsetzen fällt Corona zum Opfer, zusätzlich das Maibaumsetzen vor der Haustüre der Angebeteten. In unserer Gegend ist die Diskrepanz enorm, wie gepflegtes rheinisches Brauchtum durch Besoffene und Chaoten aus dem Ruder läuft. Gerade das Maibaumsetzen in unseren Straßen war in den vergangenen Jahren zu einer wahren Orgie ausgeartet. Traktoren mit Anhängern, beladen mit Maibäumen, hatten sich den Weg durch die Straßen in unserer Stadt gebahnt. Musik hatte aus Lautsprechern gedröhnt, so laut, dass sie wie ein Hammer auf die Ohren drauf los schlug. Tiefe Bässe vergewaltigen die Stimmungsmusik, die vom Ballermann hätte stammen können. Jugendliche gröhlten, der Alkoholpegel trieb zum Exzess. Horden trieben sich auf der Ladefläche mit den Maibäumen herum, und in Form eines Herdentriebs wurde die Auserwählte mit ihrem Maibaum beglückt, der am nächsten Tag im Hellen durchaus schön anzuschauen war. Dank Corona genießen wir in diesem Jahr die abendliche Stille.

2. Mai 2020


46 Tage befinden wir uns nun im Corona-Zyklus – wenn man als ersten Tag denjenigen Tag nimmt, seitdem mein Arbeitgeber mich ins Home Office geschickt hat. 46 Tage lang Enthaltsamkeit, Verzicht, Unannehmlichkeiten und nur wenige Wege aus dem Haus heraus, die durch Home Office, das Einkaufen, die Fahrt zum Baumarkt, Gartenarbeit, den sonntagnachmittäglichen Spaziergang und wenig bis gar keine Abwechslung geprägt sind. Nach etwas mehr als 46 Tagen haben wir es heute gewagt, unsere Wocheneinkäufe nicht im Nachbarort, sondern im HUMA-Einkaufszentrum zu erledigen. Mit dem Ergebnis, dass das Einkaufserlebnis von früher verloren gegangen ist. Einkaufen macht keinen Spaß mehr, wegen des Gebots, bei zwei Personen zwei Einkaufswagen mit sich führen zu müssen, wegen der Abstandsregelungen, wegen des Mundschutzes, wegen der Kontrollen all dieser Gebote und vieles mehr. Bei real arbeiteten wir irgendwelche Einkaufszettel ab, schlecht gelaunt hingen wir in der viel zu langen Warteschlange vor der Kasse. Und das bißchen, was wir uns gönnten beim Einkaufen, diejenigen Kleinigkeiten, die das Einkaufserlebnis verschönerten, blieben uns verwehrt. Gerne tranken wir, wenn wir die Wocheneinkäufe bei real erledigt hatten, in dieser Boulangerie & Patisserie einen Kaffee, dabei aßen wir Tarte Flambée oder eine Quiche Lorraine. Es war ein Ort der Kommunikation und der Zweisamkeit, wo die äußeren Eindrücke von Passanten sich lebhaft mit unseren Gesprächen vermischten. Heute hatten wir nichts, gar nichts zu suchen hinter den rot-weißen Absperrbändern. Wie in der restlichen Republik, war alle Gastronomie verriegelt. Die Boulangerie & Patisserie war verschlossen, Gäste waren unerwünscht, Orte der Zweisamkeit mussten wir uns anderweitig suchen. Das wesentliche, was die Seele eines solchen Einkaufszentrums ausmachte, war abhanden gekommen.

3. Mai 2020


In Zeiten von Corona gibt es nicht nur diesen Trend zu ständig gleichen Wegen und zu Monotonie, sondern auch den Trend nach kleinen Abwegen und Umwegen, um dieser Monotonie zu entkommen. Das sind kleine Schritte und der Hang zum Detail, in den kleinen Dingen Großes erkennen zu können. Man beschleunigt nicht mehr, sondern entschleunigt. Massenphänomene entfallen, die Menschenmenge, der man hinter rennt, hat sich aufgelöst. Auf dem Veranstaltungskalender wird keine Unterhaltung mehr geboten, anstatt dessen gilt ein Bündel von Restriktionen, die zu beachten sind, deren Gestaltungsspielräume aber immer noch einigermaßen groß sind. Gerade die Suche nach kleinen Abwegen und Umwegen schärft den Blick für Kleinigkeiten. Wir stellen fest, dass die schönen Dinge direkt vor unserer eigenen Haustüre liegen. So vieles gibt es in der näheren Umgebung zu erkunden, was wir sonst nie gesehen haben, eine Entdeckungsreise in das Innere der Dinge und das Innere von uns selbst. Wie alles andere, ist Corona ambivalent, also weder eindeutig böse, noch eindeutig gut. Mit dem Rennrad bin ich heute Nachmittag eine Mini-Strecke, die gerade zwei bis drei Kilometer lang war, den Rhein entlang geradelt. Von unserem Nachbarort aus ist die Perspektive auf den Rhein komplett anders. Den Blick auf das Siebengebirge hat die petrochemische Industrie am Wesselinger Rheinufer verdrängt. Die Vegetation von Weiden und Pappeln haben Wiesen abgelöst, aus denen Büschel von Raps herausstehen. Der Blick in die Ferne stockt nun vor den unspektakulären Hängen des Kottenforstes. In dieser flachen Ebene erscheint das Flussbett des Rheins besonders träge.

4. Mai 2020


Hätte, könnte, wäre, es hätte um einiges schlimmer kommen können. Was uns hätte bevorstehen können, wenn wir einen positiven Covid19-Fall gehabt hätten, das kann man auf dem Merkblatt für die häusliche Isolierung von Covid19-Fällen nachlesen. Nachdem meine Frau negativ auf Covid19 getestet worden war, hat der Hausarzt ihr dieses Merkblatt mitgegeben. Dank des negativen Befundes hat sich eine solche Quarantäne erübrigt, zum Glück, denn außer der gesundheitlichen Gefährdung hätten wir unseren ganzen Alltag von Kopf bis Fuß umkrempeln müssen, um die Bedingungen für die Quarantäne auf die Reihe zu bekommen. Meine Frau hätte isoliert werden müssen auf ein Einzelzimmer, mit einem gemeinsamen Ehebett wäre dann nix mehr gewesen. Den ganzen Tag in ihrer Einzelzelle, hätte nur eine Person in unserem Haushalt Kontakt mit ihr haben dürfen, so das Merkblatt. Nach jedem Kontakt hätten die Hände desinfiziert werden müssen, die Türklinken sollten mit dem Ellbogen berührt werden und nicht mit den Händen. Wie wild hätte gereinigt und desinfiziert werden müssen, so der Nachttisch, das Bettgestell und Türe samt Türklinke. Das Badezimmer hätte genauso im Brennpunkt der Reinigungsaktionen gestanden. Waschbecken und Toilette hätten wir mindestens einmal täglich putzen müssen. Bei Gebrauchsgegenständen wie einer Zahnbürste hätten wir höllisch aufpassen müssen. Diese hätten wir isolieren müssen und von unseren Zahnbürsten, Rasierutensilien, Deos oder Shampooflaschen fernhalten müssen. Übliche Stoffhandtücher hätten wir besser nicht verwenden sollen, sondern Einmalhandtücher aus Papier, die man anschließend wegwerfen kann. All diese Umständlichkeiten und Unannehmlichkeiten haben wir uns nun erspart. Mit Schrecken denke ich allerdings an all diejenigen Infektionsfälle, die positiv getestet wurden. Abgesehen von der Gefahr für Leib und Leben, muss der Alltag in solch einem klinisch reinen Zustand äußerst schwierig sein. Ich selbst wäre ein solch nervöses Nervenbündel, das bei all solchen Hygienemaßnahmen kopflos und überfordert wäre.

5. Mai 2020


338.000 Kilometer – was für ein Paradoxon, dass diese Entfernung in der relativen Betrachtung klein sein soll. In den unendlichen Weiten des Weltraums, von Planet zu Planet, von Sternbild zu Sternbild, werden die Entfernungen in Lichtjahren gemessen. Bezogen auf das Weltall, mag eine sechsstellige Kilometerentfernung als winzig klein erscheinen. Das gilt auch für den Mond, der im Vergleich zu Galaxien und Sternennebeln quasi vor der Haustüre der Erde liegt. Nicht 338.000 Kilometer, sondern im Mittel sind es 384.000 Kilometer, die der Mond von der Erde entfernt liegt. Diese Entfernung schwankt, weil der Mond keine kreisförmige Umlaufbahn um die Erde zieht, sondern die Form einer Ellipse. Eine Ellipse ist oval, und mithin sind die Entfernungen von der Erde zum Mond nicht immer gleich. Derzeit ist der Mond der Erde mit seinen 338.000 Kilometern Entfernung besonders nahe gerückt. Der Mond erscheint mit dieser kleineren Entfernungszahl größer, und der Vollmond scheint heller. So leuchtet der Mond in der sternenklaren Nacht und hat sich zwischen schummrigen Nachbarhäusern und der überragenden Fichte festgesetzt.

6. Mai 2020


Was auf den ersten Blick kleinlich erscheint, ist auf den zweiten Blick logisch. In Zeiten von Corona fühlt man sich als Bürger gegängelt und bevormundet, was die Verhaltensweisen in der Öffentlichkeit betrifft. Der Staat zwingt einen, in Geschäften und öffentlichen Verkehrsmitteln die Masken zu tragen. Alles zum Wohle des Bürgers, dass er sich nicht infiziert und erkrankt, so die Mindestabstandsregeln und ganz vieles mehr. Diese Bänke auf dem Marktplatz sind nun tabu, wenn man Eis essen möchte. Auf dem Marktplatz liegt wiederum das Eiscafé, wo man „to go“ sein Eis schlecken kann. Knubbeln sich bei schönem und warmem Wetter nun alle Eisesser auf dem Marktplatz, dann ist der Mindestabstand in Gefahr. Um sie auseinanderzutreiben, gibt es ein Verbot, sich auf den Bänken hinzusetzen. Mithin wird der Bürger gegängelt und bevormundet, um seine Gesundheit zu schützen. Anders funktioniert es nicht, denn der Coronavirus ist allgegenwärtig.

7. Mai 2020


Gerne rege ich mich über Baustellen auf. Stets befinden sie sich in unserer Stadt an der falschen Stelle, sie legen viel befahrene Verkehrsadern lahm und man muss einiges an Umwegen und zusätzlicher Zeit einplanen. Besonders ärgerlich sind Baustellen, wenn sie unnötig sind. So ist die Umgehungsstraße unserer Stadt gerade einmal 15 Jahre alt, die Fahrbahn ist wie geleckt, sie sieht ganz und gar nicht sanierungsbedürftig aus und nicht einmal der Ansatz eines Schlagloches ist erkennbar. Dennoch wird sie nun komplett neu saniert. Die Informationskanäle des Internets und der diversen Wochenblätter schweigen sich aus, was denn der Grund für den Sanierungsbedarf ist. Sie informieren mit der platten Aussage, dass saniert wird und nicht wieso. Als Steuerzahler kocht der Unmut hoch. Wir hier Geld zum Fenster heraus geschmissen ? In einer Talk-Sendung hatte zuletzt Sandra Maischberger all die staatlichen Hilfen zusammengezählt, um allen Geschädigten von Corona auf die Beine zu helfen, und sie kam auf mehr als eine Billion Euro. Kurzarbeitergeld, Zuschüsse für Unternehmen, Unterstützungen für Zahnärzte und Physiotherapeuten, finanzielle Ausgleiche für die Deutsche Bahn, Beteiligung an der Lufthansa und was nicht sonst noch. Während Geschäftsinhaber, Restaurantbesitzer oder Reisebüros in ihrer Existenz bedroht sind, hätte der Staat längst die Reißleine ziehen müssen und die Sanierung eines solch unsinnigen Sanierungsvorhabens einer 15 Jahre alten und wie geleckt aussehenden Umgehungsstraße stoppen müssen. Die Gelder hätten an Bedürftigere umgeleitet werden sollen. Ich will nicht wissen, wie viele Euros auf dieser unnötigen Baustelle verbrannt werden.

8. Mai 2020


Im Vorgespräch hatte ich noch die Frage aufgeworfen, was denn sei, wenn der Befund positiv sei. Es würde dafür gesorgt, dass der Befund nicht positiv sei, beruhigte mich der Gastroenterologe. Ich hatte etwas mehr als fünf Jahre, beinahe sechs Jahre lang gewartet bis zur turnusmäßigen Darmspiegelung. Ich war 60+, die gesundheitlichen Gefahren lauerten, und wenige Freunde hatten positive Befunde erwischt, wovor ich dann doch eine erschaudernde Angst hatte. Ich war aus der Narkose erwacht, während des Umziehens stand in dem Patientenraum eine Tasse Kaffee bereit, doch die nachhaltige Wirkung des Abführmittels zwang mich längere Zeit auf die Toilette. Danach ging es überraschend schnell in das Arztzimmer, der mit mir das im Schnelltempo mit viel medizinischem Sachverstand erstellte Ergebnis der Darm- und auch der Magenspiegelung besprach. Es war zwar kein positiver Befund, was einen Tumor oder Krebs betraf, das Ergebnis klang allerdings wenig erfreulich. Nichts war in bester Ordnung. Der Dünndarm sei noch unauffällig gewesen, aber der Dickdarm hätte wie eine Tropfsteinhöhle ausgesehen. Das seien keine bösartigen Wucherungen, das stehe fest, aber er müsse einen Spezialisten aus Bayreuth konsultieren, um den Befund richtig zu interpretieren. Wenig Erfreuliches kam genauso bei der Magenspiegelung zutage. Die Speiseröhre sei entzündet, und dagegen wurde mir ein Medikament verschrieben. Diese Tabletten würden die Magensäure und die Entzündung beseitigen, was vom Prinzip her unkritisch klang. Im Vorgespräch zur Darmspiegelung hatte ich noch etwas stolz die Frage verneint, ob ich irgendwelche Medikamente einnehmen würde. Dies würde sich ab sofort ändern. Die entzündungshemmenden Tabletten würde ich dauerhaft einnehmen müssen.

9. Mai 2020


Es sind nicht nur Gefühle der Solidarität, sondern auch Heimatgefühle, die sich in Zeiten von Corona regen. Heimatgefühle, die von der hiesigen, bodenständigen, Kölschen Musik erzeugt werden. Heimatgefühle von Kölner Musikgruppen, die gerade im Trubel des Karnevals so richtig auf Touren kommen. Klüngelköpp, Kasalla, Brings, die Höhner und viele mehr: seit Jahrzehnten haben sich viele wirklich tolle Bands etabliert. Zum späten Abend, meist zur selben Uhrzeit, regt sich an der zur Hauptdurchgangsstraße liegenden Häuserreihe dieses Heimatgefühl. So gegen 20 Uhr, ertönen weder Brings, noch die Höhner. Ein Musikstück der Kölner Kultband schlechthin, den Bläck Fööss, breitete sich von der Häuserreihe in die ganze Nachbarschaft aus. „En unserem Veedel“ ertönte aus Lautsprechern, jeden Abend, dasselbe Stück, und auch nur dieses eine Stück. Das Lied macht die Runde. Zwei Häuser weiter, läuft nun dasselbe Stück „En unserem Veedel“. Auf Holzscheiten zünden die Nachbarn zwei Häuser weiter ein Feuer an, das sie umstanden. Ein tägliches Ritual, das in Zeiten von Corona neue Formen angenommen hat.

10. Mai 2020


Bevor wir irgendwann ein Mammut-Arbeitsprogramm im Haus des verstorbenen Schwiegervaters zu absolvieren haben, haben wir in kleinen Schritten unseren eigenen Garten gestaltet. Seit zehn Tagen haben wir unser letztes Hochbeet hergerichtet, und all unser Gemüse und unser Salat wächst fleißig heran. Wir haben kaum noch freie Flächen, die nicht bepflanzt sind, und momentan essen wir jeden Tag einen knackigen leckeren Kopfsalat aus unserem Garten. Nun geschieht die Gestaltung der Hochbeete in kleinen Schritten. Mehrere Wege führen an unseren Hochbeeten vorbei, darunter einer, wo Gras und Rasen den Rindenmulch überwuchert hatte. Hier haben wir nun für Ordnung gesorgt. Die oberste Fläche von Gras haben wir ausgerissen, wobei wir die runden Steine zur Seite gelegt haben und auch dort das Wurzelwerk von Gras entfernt haben. Gras und Rasen haben wir auf dem Wegstück komplett ausgerottet. Nachdem wir die Steine wieder zurück verlegt haben, hat die wieder gewonnene Struktur eine durchgängige Optik erhalten. Rundherum wächst alles und sprießt, und die Laufwege lockern das Werden und Vergehen in unserem Garten auf.

11. Mai 2020


In Zeiten von Corona empfanden wir es als eine Notwendigkeit, zum Muttertag einen Blumenstrauß zu verschenken. In den vergangenen Jahren hatten wir den Kommerz des Muttertages an uns mehr oder weniger vorbei gehen lassen, doch in diesem Jahr hatten wir noch schwer damit zu tun, dass über die Osterfeiertage Massen an Blumen vernichtet werden mussten, da es in Zeiten von Corona keine Abnehmer gab. Da zudem die Schule als Ideengeber ausfiel, womit unsere Tochter meine Frau beglücken konnte, begaben wir uns in den Blumenladen in unserem Ort, der uns seit mehreren Jahren an Muttertag nicht mehr gesehen hatte. Der Blumenkauf war passend zu Corona. Nur ein Kunde passte in das Ladenlokal, um den Mindestabstand einzuhalten. Draußen hatte sich eine ziemlich lange Warteschlange formiert, welche die Auslage von gebundenen Blumensträußen begutachtete. Trotz der größeren Auswahl war nichts für unseren Blumengeschmack dabei – zu klein, zu langstielig, zu matte Farbtöne oder was auch immer. Zäh bewegte sich die Warteschlange in das Innere des Blumenladens, bis wir an der Reihe waren. Das Angebot an fertig gebundenen Blumensträußen war dort nicht unbedingt besser, so dass wir überlegen mussten. Dennoch dauerte die Phase des Überlegens nicht allzu lange. Aus einer Vase in der Ecke eines Stehtisches stach der dunkelrote Farbton von Rosen hervor, ein Dunkelrot, das etwas von dem vollmundigen Charakter eines Bordeauxweines hatte. Obschon unsere Tochter noch nicht in dem Alter war, um irgendwelchen Rotweinen zuzusagen, gefielen ihr die Rosen auf Anhieb. Die Floristin fügte noch die weißen Tupfer von Grüppchen kleiner Blüten hinzu – und fertig war Rosenstrauß zum Muttertag. Eine solch eindeutige Entscheidung, im Blumenladen einen Blumenstrauß zum Muttertag zu kaufen, hatten wir in den letzten Jahren nicht getroffen.

12. Mai 2020


Wie gut, dass wir noch eine größere Menge Bodenschutzvlies in Reserve hatten. Unbeachtet, hatte das Vlies über mehrere Jahre in einer Ecke unserer Garage vor sich her geschlummert. In diesen Tagen sollte es eine ungeahnte Bedeutung erhalten. Die Eisheiligen kamen nämlich super-pünktlich, und am heutigen Tag des ersten Eisheiligen Mermatius blies der Nordwind mit einer ungeahnten Heftigkeit. Nachts würde es eiskalt werden, bis an die Null Grad, das hatte der Wetterbericht gemeldet, und die Suchergebnisse in Google sagten uns, dass wir ganz vieles schützen mussten, selbst wenn es ein paar Grade über Null sein würden. Erdbeeren und Kartoffeln, Tomaten, Zucchini und Paprika sowieso, ebenso die zahlreichen Kopfsalate, obschon sie bereits so groß standen, dass wir einige davon ernten konnten. Eingehüllt in ein weißes Gefüge aus Folientunneln, Abdeckfolie und Bodenschutzvlies, haben wir unseren Garten auf den Bodenfrost oder die paar Grade über Null vorbereitet. Damit nicht eine einzige Nacht die Erträge aus all unserer Arbeit vernichtet.

13. Mai 2020


Eine etwas unangenehme Überraschung von der Bausparkasse. Ich musste schlucken, dass wir ab sofort monatlich 896 Euro zu zahlen hatten für ein Hypothekendarlehen. Alles war in der Mache für die Auszahlung des Hypothekendarlehens, doch es hakte und klemmte. Über das Geld konnten wir noch nicht verfügen, weil im Erbauseinandersetzungsvertrag ein Passus über das Honorar des Ergänzungsbetreuers fehlte. Kein Vertrag, zudem fehlte die Zustimmung des Amtsgerichtes, kein Notartermin, kein Geld für Renovierungen, aber wir hatten Zinsen und Tilgung für das noch nicht bereitgestellte Geld zu zahlen. Es blieb uns nichts anderes übrig als abzuwarten. Derzeit hoffen wir noch, dass wir vom Ergänzungsbetreuer und vom Amtsgericht etwas hören, damit die notwendigen Schritte über einen Notartermin in die Wege geleitet werden können und wir über das Geld für die Renovierung verfügen können.

14. Mai 2020


Ein wenig haben wir versucht, Ordnung in den Vorgarten vor dem Haus des verstorbenen Schwiegervaters zu bringen. Der eigentliche Garten hinter der Terrasse wächst, wuchert ins Uferlose. Ein Dschungel von Unkraut, Brombeeren, Efeu, explodierendem Gestrüpp wuchert alles zu, so dass man Mühe hat, sich einen Weg zu bahnen. Wir bemühen uns, in kleinen Schritten jeden Tag ein Stückchen für Ordnung zu sorgen, so dass das Äußere irgendwann vielleicht wieder ansehnlicher aussieht. Unser Sohn hat mit dem Rasenmäher das Unkraut gestutzt. Einige Mühe hat es gekostet, mit der Gartenhacke den verknöcherten und ausgetrockneten Boden aufzulockern. Mit der Heckenschere über die Hecke und den Rundstrauch, und den in alle Seiten unsystematisch wuchernden Sommerflieder habe ich bis auf den Erdboden abgeschnitten. Sommerflieder halte ich für schreckliche Gewächse, weil sie in einem wahnsinnigen Tempo austreiben, dass man mit dem Zurechtschneiden kaum hinterher kommt. All das ganze Grün habe ich durch unseren Kleinhäcksler gejagt. Zwischen den Gemüsebeeten in unserem Garten hat das grüne Kleingehäckselte inzwischen eine sinnvolle Verwendung gefunden. Nun sieht der Vorgarten nicht mehr allzu schlimm aus. Im eigentlichen Garten ist aber noch jede Masse zu tun.

15. Mai 2020


In unserem Haus werden alle Betten durch getestet. Auch das Bett des Schwagers wird dabei nicht ausgespart. Das kuscheligste Bett ? Viel länger als ursprünglich geplant, verweilt der Schwager bei uns, nachdem er aus dem Behindertenwohnheim ausgezogen ist und auf die Fertigstellung des Umbaus im Haus des verstorbenen Schwiegervaters wartet. Die Monate, die er bei uns wohnt, addieren sich, und Nacht für Nacht schläft er in seinem akkurat gemachten Bett. Wie weich es auf dem Bett ist, das haben nun unsere Kater Jumbo und Rambo für sich entdeckt. Gerne lümmeln sich unsere drei Kater in all unseren Betten herum, sie rollen sich zusammen, sie lecken ihr Fell, sie strecken sich in die Länge, sie schließen ihre Augen und schlafen einen langandauernden Schlaf. Sie erholen sich in unseren Betten von ihren ausgiebigen Streifzügen durch unseren und die angrenzenden Nachbarsgärten. Es gibt so viele Kuschelecken in unserem Haus, dass sich immer neue Varianten ausprobieren lassen.

16. Mai 2020


Wie zwei EURO-Paletten in unserer Garage uns zu neuen Garten-Ideen beflügelt haben. Mich hatten die beiden herum stehenden Paletten längst gestört, wozu meine Frau eine verrückte Idee hatte. Wir hatten nämlich Kartoffeln überzählig, die wir auf einem Beet vor unserem Nachbarszaun gesetzt hatten. Saatkartoffeln, Sorte Cilena festkochend, früh reifend, die nicht gepflanzten Kartoffeln waren in unserem Keller aufgekeimt. Wieso sollten wir nicht in den beiden Paletten Kartoffeln anpflanzen ? Gegenüberliegend, banden wir die Zwischenbretter der Paletten mit Kabelbindern zusammen, und schichtenweise nutzten wir die Hohlräume in den zusammen gebundenen Paletten, um Kartoffeln anzupflanzen. Ein irres Vorhaben. Hochkant stehen die Paletten, das Innere haben wir mit Erde gefüllt, worin meine Frau die sensiblen Triebe der Kartoffeln eingebuddelt hat. In vier Schichten sollen die Saatkartoffeln wachsen, gedeihen, die Blätter der Kartoffeln sollen seitwärts aus den Paletten heraus wachsen und reichen Ertrag bringen. Mal sehen, ob es so funktioniert, wie wir es uns vorstellen. Eines dürfte feststehen: so viel Phantasie, den Kartoffeln ihr Wachstum zu ermöglichen, dürfte Seltenheitscharakter haben.

17. Mai 2020


Zusammen zu zweit ging es heute Nachmittag mit dem Fahrrad in unsere Nachbarstadt – und dabei haben wir die Gelegenheit genutzt, die Lockerungen von Corona in der Gastronomie zu testen. Gerne und regelmäßig habe ich Cafés besucht, wegen der geselligen Atmosphäre, um Menschen zu beobachten, zur Inspiration, um die mit Stil gestalteten Innenräume zu bestaunen, gerne zum gemeinsamen Quatschen, Wiedersehen, Freunde treffen oder auch Kuchen essen. Das Angebot solcher Cafés ist unserer Stadt nicht gerade groß, es gibt aber eine rühmliche Ausnahme: das Café Alexandra auf der Spicher Straße. Mit den Lockerungen von Corona hatte das Café seit gestern wieder geöffnet, und ich war gespannt, wie sehr Corona den nun ermöglichten Cafébesuch verändert hatte. Auf Anhieb war ich entsetzt, als wir das Café betraten, denn außer einem anderen älteren Ehepaar gähnte das Café vor Leere. Die Kuchentheke umfassten rot-weiße Abstandsmarkierungen, die Bedienung trug eine Maske, wegen der Abstandsregelungen standen vielleicht ein oder zwei Tische weniger in dem Café. An unserem Zweiertisch konnten wir hingegen auf unsere Masken verzichten. Klinisch rein und dominiert von Hygienekonzepten, mussten wir auf einem weißen Zettel unsere Namen, Adressen und Telefonnummern hinterlassen. Als wir unsere beiden Kaffee gereicht bekamen, gewann der Cafébesuch an Normalität. Wir quasselten munter drauf los, ab und zu steuerten Kunden mit einer Maske auf die Kuchentheke, und zwischen den beiden anderen Cafégästen und der Kellnerin entwickelte sich ein längeres Gespräch über die angrenzende Baustelle und Immobilienpreise, die in die Höhe geschossen waren. Fast hätte man meinen können, dass der Cafébesuch wie in Vor-Corona-Zeiten gewesen war. Zu wünschen war dem Café Alexandra, dass die Besucher von früher wiederkommen würden.

18. Mai 2020


Die Pfarrkirche in unserem Nachbarort ereilte ein Schicksal, das typisch war für die Kaiserzeit. Ende des 19. Jahrhunderts qualmten die Fabriken überall, in unserer Umgebung in Siegburg, Troisdorf und vor allem in Köln. Die Bevölkerung vermehrte sich, viele Kinder wurden geboren, die Sterblichkeitsrate sank mit dem medizinischen Fortschritt und besserer Hygiene, so dass sich die Bevölkerungszahl in einem Jahrhundert mehr als verdoppelte. Trotz der Dominanz der Naturwissenschaften und trotz der Querelen mit dem Kaiserreich, füllten sich die Kirchen. Die Kirchen zogen die Gläubigen in sich hinein, und die Anziehungskraft der Kirchen sollte erst in der Nachkriegszeit weg bröckeln. Mit diesem explosionsartigen Bevölkerungswachstum waren viele Kirchen dem Ansturm der Gläubigen nicht gewachsen. Die Niederkasseler Kirche St. Matthäus war alt, der noch heute erhaltene Turm stammte aus dem tiefsten Mittelalter, dem 12. Jahrhundert. Der Abriss des viel kleinen Kirchenschiffs im Jahr 1893 muss sehr weh getan haben, um all die Kirchgänger in der Pfarrkirche unterbringen zu können. Jahrtausende alte Bausubstanz ging verloren und wurde durch ein schöneres, neueres und größeres Kirchenschiff ersetzt, das an den nicht abgerissenen Turm angebaut wurde. Im damaligen Baustil des Kaiserreiches, griffen die Architekten die mittelalterlichen Formen romanischer Kirchenbauten auf. Rundbogenfenster mit inneliegenden Säulen bestimmen das Erscheinungsbild der Seitenschiffe, umkränzt von einer großen Fensterrosette. Ein schöne und harmonisch wirkende Kirche, die Baustile aus der Romanik mit denjenigen des Kaiserreiches vereinigt.

19. Mai 2020


Zufällige Begegnung auf dem Marktplatz nach einem Zahnarztbesuch. Es war die Mutter einer Tochter, die zusammen mit unserer Tochter im Vorkindergartenalter in den sogenannten „Mäusetreff“ gegangen war. Mit ihrem Mann war ich gelegentlich Rennradtouren gefahren, doch das ist eine Zeit lang her. Wir redeten über die Zeiten von Corona. Für eine Tochter hatte die Schule wieder begonnen, und zwar für drei Tage. Bei der Erteilung des Schulunterrichts klemmte es überall. Wegen der Abstandsregelungen waren die Schüler und Schülerinnen auf zwei Klassenräume aufgeteilt, so dass der Lehrer zwischen den beiden Räumen hin- und herrennen musste und zweimal dasselbe erzählen musste. Als dies zu lästig wurde, fand der Unterricht wieder in ein- und demselben Klassenraum statt, wobei die Abstandsregelungen missachtet wurden. Andere Lehrer hatten ihre Schüler wieder nach Hause ins Home Learning geschickt, um dort ihren Stoff zu lernen. Ein Durcheinander herrschte auch bei den Masken. Offiziell galt die Maskenpflicht, doch einigen Schulklassen war dies zu lästig, so dass der Unterricht ohne die Masken abgehalten wurde. Für die andere Tochter hatte die Schule noch nicht wieder begonnen, und beim Home Learning musste man sie kontrollieren, damit sie ihre per E-Mail gestellten Hausaufgaben bearbeitete. Über Whatsapp tauschten sich die Schüler aus, so dass die pfiffigeren Schüler die Aufgaben für die etwas unkundigeren Schüler lösten. Auf diese Art und Weise übten sich die Schüler in der Solidarität der Klassengemeinschaft. Ähnlich wie ich, hatte der Arbeitgeber ihren Mann, der für eine Aufzugsfirma arbeitete, ins Home Office geschickt. Ganz oben, unter dem Dach, hatte er sich sein Zimmer fürs Home Office eingerichtet, was nach ihrer Meinung einige Vorteile bot. In gewissen Zyklen musste er zu Dienstreisen – vor allem nach Berlin, was nun wegfiel. Anstatt dessen wurden Telefonkonferenzen oder auch Videokonferenzen abgehalten. Sie schätzte ein, dass man sich auch ohne persönlichen Kontakt genauso gut austauschen und miteinander reden konnte – ohne CO2-Ausstoß und ohne Reisezeiten, die im Auto, in der Bahn oder im Flugzeug nun wegfielen. Ja, es ließ sich nicht leugnen, dass Corona die Virtualisierung der Arbeitswelten vorantrieb. In unserer Firma funktionierte es jedenfalls – und wahrscheinlich anderswo genauso. Da die Baumärkte geöffnet waren, hatten sie den Lockdown zum Renovieren genutzt. Die Zimmer waren nun in einem Top-Zustand, so dass zwischenzeitlich Langeweile eingekehrt war, wenn in Zeiten von Corona die ganze Familie zu Hause bleiben sollte. Der eigentliche Anlass, dass wir uns getroffen hatten, war ihr Hund. Er hatte Diabetes, und in der Apotheke hatte sie ein Medikament abgeholt, dass die Tierärztin verschrieben hatte.

20. Mai 2020


Wie wir uns in der Wahner Heide verlaufen hatten. Am Wanderparkplatz unterhalb des Fliegenberges hatten wir unser Auto geparkt, und zunächst spazierten wir entlang der Farbenpracht der Ginsterbüsche, dessen goldgelbes Farbenmeer uns faszinierte. Der Weg war sandig, wir spazierten auf die Anhöhe, dann bogen wir zurück dorthin, wo die Ginsterbüsche besonders üppig standen. Wir kamen aus auf einem breiten und geraden Weg, der als Eisenweg markiert war. Als uns die gerade Richtung langweilte, bogen wir nach links ab auf einen schmaleren Weg, der mitten durch Heidebüsche hindurch führte. Alle Hinweisschilder, die uns in die Quere kamen, wiesen auf den Telegrafenberg, der in der völlig falschen Richtung lag, so dass wir uns in andere Richtungen abwandten. Dabei änderten wir so oft unsere Richtung, so dass uns jegliche Orientierung abhanden gekommen war. Wir wussten nicht mehr, ob wir uns zu unserem Parkplatz hin oder vom Parkplatz weg bewegten. So sprachen wir die erste Gruppe von Spaziergängern, denen wir begegneten, an, um in der richtigen Richtung zum Parkplatz zurück zu finden. Glücklicherweise kannten sich die jungen Männer und Frauen aus. Sie konnten uns die Abbiegung zeigen, wo wir nach links abbiegen mussten, von dort aus gelangten wir immer geradeaus auf die Hauptstraße zum Parkplatz. Unfreiwillig hatten wir verschiedene Ecken der Wahner Heide erkundet, die wir so nicht eingeplant hatten.

21. Mai 2020


Etwas wagen in Zeiten von Corona. Was darf man und was darf man nicht ? Was gebietet die Risikovermeidung von Leib, Leben und Gesundheit ? Mit ihren 84 Jahren gehört die Mama zur Hochrisikogruppe, und bislang habe ich die Ratschläge zur Zurückhaltung befolgt. Als Großeltern haben sich unsere Nachbarn zuletzt von ihren Enkelkindern besuchen lassen, aber die sind in meinem Alter um die sechzig. Unser letzter Besuch war im Januar, zum 84. Geburtstag. Vor und während des Lockdowns hatte ich auf einen Besuch verzichtet, und nun, nach etwas mehr als vier Monaten, das Wiedersehen. Das kam mir dann doch wie eine Art von Trennung vor. Die Umarmung unterblieb beim Wiedersehen, aber allzu viel hatte sich in der Zwischenzeit nicht getan. Dem stolzen und hohen Alter entsprechend, gab es kaum Aufregendes zu berichten. Einmal täglich ging es in der Wohnstraße auf und ab mit dem Rollator, und darüber hinaus beachtete man die Vorsichtsmaßnahme der Isolation. Mein Bruder ging ein und aus mit seiner Familie, zu meiner regelmäßig vorbeischauenden Tante lag der Sicherheitsabstand dazwischen, und an festgelegten Tag wurde Essen auf Rädern vorbei gebracht. Corona hatte die Anwesenheit in den eigenen vier Wänden perfektioniert. Abwechslungen waren kaum vorhanden, zumal zwei diamantene Hochzeiten – jeweils eine Tante und ein Onkel waren 60 Jahre verheiratet - Corona-bedingt verschoben werden mussten. Corona hatte auch einen anderen Onkel ereilt, der zuletzt seinen 88. Geburtstag gefeiert hatte. Eine seiner Töchter wohnt in Luxemburg, und zu diesem Zeitpunkt war die Grenze noch dicht. Sie brauchte eine Ausnahmegenehmigung, um aus Luxemburg ausreisen zu können. Erst mit dieser Genehmigung durfte sie zum Geburtstag ihres Vaters fahren. Das waren Zustände, die an die damalige Grenze zur DDR erinnerten. Durch Corona war so vieles anders geworden, was zuvor undenkbar gewesen wäre.

22. Mai 2020


An diesem Sonntag fehlte die Struktur und die Planung. Um mit dem Rennrad eine längere Tour zu machen, dazu war ich morgens zu spät aus den Federn gekommen. Wir frühstückten lange, hockten in der Behäbigkeit des Sonntagmorgens am Frühstückstisch, verquasselten uns. Dann packte mich doch der Eifer, mit dem Rennrad eine kleinere Tour machen zu wollen. Ursprünglich hatte ich Porz ins Auge gefasst, doch die Länge der Strecke verkleinerte sich dann wiederum. Ich bummelte bis Lülsdorf vor mir her, stoppte an der einen oder anderen Sehenswürdigkeit und las die Erklärungstafeln. Ich sinnierte vor mir her und suchte in den kleinen Dingen großartiges zu entdecken, was mir aber nicht wirklich gelang. In Lülsdorf bestaunte ich den mittelalterlichen Turm der alten Kirche, am Rhein machte ich eine Viertelstunde lang Pause mit dem Blick auf die mineralölverarbeitende Industrie in Wesseling. Danach suchte ich vergeblich nach den Überresten der Burg von Lülsdorf, die im 12. Oder 13. Jahrhundert erbaut wurde und Sitz der Grafen von Lülsdorf war. Es gab sie, die Überreste, die Burg war daraus wieder aufgebaut worden und bewoht, aber, umstanden von Bäumen, konnte man nichts von dieser Burg einsehen. Um die Mittagszeit kehrte ich zurück, und auch nachmittags hatte sich das Stimmungsbild nicht verändert, dass alle sich scheuten, aus dem Haus zu gehen. Der mentale Aufwand war hoch, dass ich mir irgendwie jemanden packen musste, um dann doch etwas zu unternehmen. Dies gelang dann wenigstens mit meinem Schwager, der sich in Zeiten von Corona kaum vor die Türe traute. Er setzte seinen durchsichtigen Schutzschild auf, wir fuhren zum Rathaus und parkten auf dem angrenzenden Parkplatz unser Auto, von dort aus liefen wir zu Fuß zum Café, das war ein Fußweg von vielleicht einer Viertelstunde. Der Kuchen war so ungefähr aufgegessen, es gab allerdings noch Eissplittertorte. Mit Erdbeeren aß mein Schwager die Torte, und ich begnügte mich mit einer Tasse Kaffee. Mit der Inhaberin Alexandra unterhielt ich mich kurz, dass in Zeiten von Corona die Lage nicht hoffnungslos war. Sie backte selbst alle möglichen Kuchensorten, die ihr Standbein waren, weil sie sehr nachgefragt waren. Die Kunden kamen von überall, aus Porz, Godesberg, Hennef und natürlich auch aus der näheren Umgebung. Während der Schließung war der Kuchenverkauf außer Haus fortgesetzt worden, außerdem zahlte der Staat drei Monate lang die Corona-Zuschüsse. Die Zuschüsse liefen in diesem Monat aus, und danach müsste man schauen. Jedenfalls lockerte das Geschmackserlebnis leckeren Kuchens die Hemmschwelle bei meinem Schwager. An unseren Plätzen konnten wir ohne seinen aufgesetzten Schutzschild sitzen. Es war dann alles doch wieder so normal. Wir hofften, dass er sich künftig wieder öfters vor unser Haus trauen würde.

23. Mai 2020


Nachdem wir uns in den vergangenen Wochen und Monaten um unseren eigenen Garten gekümmert haben, sind wir entsetzt, in welchem Ausmaß der Garten im Haus des verstorbenen Schwiegervaters verwildert ist. Seit dem Sommer letzten Jahres haben wir uns im Haus betätigt, so dass uns die Zeit für den Garten fehlte. Insbesondere, in welchem Umfang die Brombeersträucher wuchern, ist verheerend. Sie haben sich dermaßen ausgebreitet, dass die Höhe bis zum Bauch reicht, und sie nehmen eine Fläche von bestimmt zwanzig Quadratmetern ein. Sie zu beseitigen, frißt jede Menge Zeit. Stachelig ist die Arbeit zudem, so dass die Arbeitshandschuhe dick sein müssen und sich dennoch Stacheln durch die Handschuhe hinein piecksen. Die stacheligen Gewächse Stück für Stück abzuschneiden und kleinzuhäckseln, ist mühselig. Und selbst wenn alles weg sein sollte, ist die Perspektive nicht gerade rosig. Sie wachsen nämlich nach, und um dies zu verhindern, müssen in einem folgenden Arbeitsgang die ganzen Wurzeln aus dem Erdreich entfernt werden. Ich gehe davon aus, dass dies eine Arbeit sein wird, die sich über mehrere Jahre erstrecken wird, bis dieses Stück Garten frei von Brombeeren sein wird.

24. Mai 2020


Wie sehr doch unser Kater Rambo bei allem, was wir so machen, mit der Nase dabei sein möchte. So zum Beispiel bei der Salatzubereitung. Bedächtig und in sich gewandt, schaut er mit der Erhabenheit eines Denkmals zu. Auf dem Tisch in unserer Essecke bewegt er sich keinen Millimeter von der Stelle. Sein massiger Katzenkörper ruht, er leckt sein Fell, er kneift seine Augen zusammen und hat den totalen Überblick über den Fortschritt des Geschehens. Nichts kann ihn von dieser Stelle vertreiben.

25. Mai 2020


Im Grunde genommen, war es ein ereignisreicher Tag, der reich an Facetten und neuen Erkenntnissen war. Meine Vorfreude war groß gewesen, denn nach etwas mehr als zwei Monaten durfte ich wieder ins Büro, weil mein Rechner getauscht werden sollte. Ich durfte mich wieder aufs Fahrrad setzen, frische Luft tanken, ins Büro radeln, eine Zwischenpause einlegen im Bonner Zentrum, um in Corona-Zeiten einen Kaffee zu trinken. Genau das war die Frage, ob ich in den hiesigen Cafés und Bäckereien dazu Gelegenheit finden würde. In der Bäckerei Rott am Münsterplatz gelang mir dies schließlich. Unter den Auflagen von Corona musste ich Name und Anschrift hinterlassen, für 1,90 Euro bekam ich einen Riesenpott übergeben, ich durfte mich an einem Tisch auf dem Münsterplatz niederlassen und an der morgendlichen Atmosphäre des begonnenen Tages schnuppern. Die weitere Fahrradstrecke ins Großraumbüro war geprägt von so viel Normalität, die ich in Bonn nach dem Lockdown nur einmal erlebt hatte, das war die Fahrradfahrt zum Vortermin der Darmspiegelung. Der Hofgarten schaute vollkommen unbedenklich aus, und die schmucken Bürgerhäuser sahen in den nachfolgenden Seitenstraßen besonders herausgeputzt aus. Geändert hatte sich indes die Straßenführung der Fahrradstraße, die entlang der Bahnlinie aufgehoben worden war. Auf dem regulären Radweg blieb allerdings noch ausreichend Platz für Fahrradfahrer übrig. In Zeiten von Corona war das Wiedersehen mit den Großraumbüros dann doch befremdend. Die Aufforderungen von Schildern, Abstand zu halten, schworen ein auf Nüchternheit und Kälte. Die Leere in den Großraumbüros war abweisend. Rot-weiße Absperrbänder riegelten diejenigen Arbeitsplätze ab, die wegen des Mindestabstandes nicht besetzt werden durften. Ich zählte gerade einmal fünf Kollegen, die an ihren Arbeitsplätzen anwesend waren, gegenüber vielleicht fünfzig bis sechzig vorhandenen Büroarbeitsplätzen. Ganz schön leer und trostlos in den Großraumbüros, das war mein Eindruck, wo niemand umher schritt und wo eine erdrückende Stille herrschte, weil niemand telefonierte, niemand an Telefonkonferenzen teilnahm und niemand an den Arbeitsplätzen diskutierte. Ungestört, war es aber ein komplett anderes Arbeiten als im Home Office. Zu Hause, wo ich mich in die täglichen Abläufe einfügen musste, saß ich morgens in meinem Home Office-Arbeitsplatz im Wintergarten stets in der prallen Sonne. Insofern fühlte sich meine Vorfreude bestätigt, dass die Rahmenbedingungen für ein konzentriertes Arbeiten im Büroarbeitsplatz besser waren als im Home Office. Meine Notizzettel konnte ich besser ausbreiten und zusammenschreiben als zu Hause. Die Themen wurden klarer, woran ich arbeitete und was wann wie mit wem zu erledigen war. Als ich mitten in Themen und Gedanken versunken war, stand mit einem Mal der IT-Mensch mit meinem neuen Laptop vor mir. Erfahrungsgemäß ist solch ein Rechnertausch ein höchst sensibles Unterfangen. Rechner sind genial, und mit der Bewegung der Tastatur, dem Arbeiten mit Softwareprogrammen und einer Mensch-Maschine-Kombination, die zu Höchstleistungen auflaufen kann, ist solch ein Rechnertausch eine quasi-religiöse Aktion mit sehr viel Einfühlungsvermögen. Diese Aktion, die viel Gefühl und ein großes Spektrum der Spielarten von Technik abverlangte, reduzierte sich bei diesem Rechnertausch auf ein gewisses schmuckloses Minimum. Nachdem das neue Laptop einige Software-Updates eingespielt hatte, verschwand der IT-Mensch unversehens, und zwar so unbehelligt, dass ich keine Chancen hatte, Fragen zu stellen. Der Laptop hatte nämlich nur noch zwei USB-Buchsen, so dass ich mein Headset nicht mehr angeschlossen bekam. Der Akku war nicht mehr herausnehmbar, was bei meinem bisherigen Laptop nötig war, wenn sich sämtliche Anwendungen komplett aufgehängt hatten. Für Antworten auf Rückfragen hatte sich der verantwortliche IT-Mensch aus dem Staub gemacht, und nun war ich einstweilen mit dem neuen Arbeiten mit dem neuen Laptop auf mich selbst gestellt. Den restlichen Arbeitstag genoss ich das neue Arbeiten in alter Gewohnheit mit einem Maß an Konzentration, das zu Hause im Home Office schwierig herzustellen war. Ich hatte mir so manches vorgenommen an diesem Tag mit einem Stückchen gewohnten Büroalltags. Zu diesen Plänen zählte, dass ich meine Kondition auf dem Rennrad wieder auf Vordermann bringen wollte. Nach dem Dienstende ging es über den Oberkasseler Berg. Die nicht allzu lange Tour sollte weiter über Vinxel, Stieldorf, das Pleisbachtal, St. Augustin und die Hangerlarer Heide nach Hause führen. Doch schon zu Beginn, am Oberkasseler Berg, musste ich kapitulieren. Die langen Zeiten des Home Office mit kaum Übung auf dem Rennrad zeigten ihre Wirkung. Solange ich Rennrad fahre, hatte es so etwas noch nie gegeben. Mit 10% Steigung ist der Anstieg von Oberkassel aus dem Rheintal anspruchsvoll und dauert über etwa einen Kilometer an. Die Schlagzahl des Herzens geriet außer Rand und Band, mit dem Ein- und Ausatmen kam ich kaum noch nach. Die Steigung zog sich über zwei Serpentinen und ließ einfach nicht nach. Ich musste absteigen und schob. Nachdem ich den Bergkamm passiert hatte, war die restliche Tour unproblematisch. Bis in das Pleistal hinein ging es lange bergab, ab Niederpleis war das Streckenprofil flach. Ich musste allerdings gegen den einigermaßen starken Gegenwind kämpfen, was meinen Blick auf die Details und die Schönheiten der Strecke beeinträchtigte. So manches Bemerkenswerte fotografierte ich dennoch am Wegesrand, und das letzte Stück radelte ich über die Strecke des Grünen C, vorbei am Zaun des Flugplatzes Hangelar, vorbei an der S-Bahn-Baustelle der Eisenbahnstrecke von Troisdorf nach Bonn, über Geislar und die Landstraße L269 nach Hause zurück.

26. Mai 2020


In diesen Zeiten von Corona redet man ja viel über Brasilien. Nach den USA ist nun Brasilien auf den zweiten Platz der Corona-Hitliste der Fallzahlen geklettert, und die Zustände sind katastrophal, die Gesundheitssysteme kollabieren, und niemand wagt, die Toten zu zählen. Man redet über einen ignoranten Präsidenten, der von Corona nichts wissen will. Und doch: Brasilien kehrt hierzulande eine ganz andere Seite heraus, ohne Corona. Weltweit bekannt, als Zeichen für Brasilien, ist die monumentale Christusstatue in der Hauptstadt Rio de Janeiro. Dessen Errichtung war zunächst zum einhundertsten Jahrestag brasilianischen Unabhängigkeit, 1922, geplant. Fertiggestellt wurde die Statue im Art-deco-Stil schließlich 1931. Die Christusfigur thront auf einem Berg in einem Nationalpark im Südteil der brasilianischen Hauptstadt. Eine Nachbildung dieses Stückes von Brasilien steht ganz in unserer Nähe, in St. Augustin am Rand der Hangelarer Heide. Auch in den hiesigen Gefilden des Rheinlandes schaut einen die Christusfigur genauso erhaben und mächtig an wie das Original in Rio de Janeiro. Ein Bildhauer aus Essen hatte die Nachbildung gefertigt. Eine Stiftung schenkte 2008 die Christusstatue der Steyler Mission, auf dessen Gelände diese seitdem ihre Hände ausbreitet.

27. Mai 2020


Der Kabarettist Florian Schröder hatte sich im Radio geäußert, dass dies keine Option für ihn sei. Das Publikum auf Abstand halten, indem seine Auftritte ins Autokino verlagert werden. Anstelle des persönlichen Kontaktes der Blickkontakt vom Auto aus. Anstatt Beifall Hupkonzerte. Er würde sich regelrecht zum Affen machen, wenn die Essenz seines kabarettistischen Schaffens, das Publikum, in einer Blechlawine untergehen würde. Andere sehen dies anders. In Zeiten von Corona werden Autokinos wieder belebt. Wie so oft, prägen Aufstieg und Niedergang unsere Marktwirtschaft. Für Sänger, Musikgruppen oder Kabarettisten, die vor ihrem Publikum auftreten, ist dies eine der wenigen Optionen, solange Theater, Bühne und Konzertsäle geschlossen sind. Das sind triste Aussichten, zumal wir selbst gerne die Auftritte von Kabarettisten besucht haben, die nun vom Ruin bedroht sind. Autokinos, die boomen, würden wir uns nicht antun wollen. Die Anzahl der Veranstaltungen, die in Autokinos verlagert werden, steigen. Die Plakate auf Brücken und in der Öffentlichkeit, die solche Veranstaltungen ankündigen, werden zahlreicher. Wer den Abstand zu den Künstlern mag, soll gerne dorthin fahren.

28. Mai 2020


Ungewohnt und in einer gewissen Normalität waren die Abläufe heute Morgen, denn unsere Tochter durfte wieder in die Schule. Es war der erste Schultag nach Corona, unterrichtet wurden jeweils zwei Schulstunden in Mathe und in Deutsch, und um 11.15 Uhr war dann wieder Schluss. Die Klassen wurden aufgeteilt auf zwei Unterrichtsräume, wobei die beiden Lehrerinnen zwischen den beiden Unterrichtsräumen mit den geteilten Schulklassen hin- und herrennen mussten. Das war gewiss kein Optimum des Lernens, nach Monaten des Homescoolings, das uns als Eltern bei unserer nicht allzu selbstständig arbeitenden Tochter einiges abverlangte. Pädagogische Fähigkeiten eines Lehrers hatten wir nur ansatzweise – so fühlte ich mich etwa mit den Rollenbiografien in Deutsch überfordert. In den mehr als zwei Monaten Homescooling hatten sich einige Materialien angesammelt, und wir hatten nicht wirklich kontrolliert, ob unsere Tochter alles vollständig für den Mathe- und Deutschunterricht mitgenommen hatte. Wahrscheinlich fehlte das eine oder andere. Die Abläufe waren jedenfalls komplett anders und erinnerten an Vor-Corona-Zeiten. Das abendliche Packen der Schultasche, das einigermaßen frühe Zubettgehen der Tochter, das Aufstehen gegen viertel vor sieben, das Essen einer Brezel während des ARD-Morgenmagazins, gegen halb acht der Autotransfer zur Realschule. Zweimal in der Woche, Donnerstags und Freitags, hat bis auf weiteres unsere Tochter in der Realschule wieder Schulunterricht.


29. Mai 2020


Ein Indiz, dass in Zeiten von Corona die Logistikprozesse wieder funktionieren, haben wir heute bei ALDI vorgefunden. Leergefegte Regale von Klopapier in Supermärkten hatten vor mehreren Wochen noch Ängste vor einem Versorgungsnotstand erzeugt. Die innereuropäischen Grenzen waren dicht, grenzüberschreitend waren die Warenverkehre zum Erliegen gekommen. Diese Ängste sind nun verflogen: Klopapier ist wieder zu haben, das Sortiment von Nudeln ist vielfältiger geworden, Mehl und Zucker sind nicht ausverkauft, am Reis kann man sich bedienen und so weiter. In Supermärkten ist die Normalität schneller eingekehrt als anderswo. Als sich heute bei ALDI die automatische Schiebetüre öffnete, waren es nur noch die Maskenpflicht und die Abstandsregelungen, die darauf hindeuteten, dass die Dinge noch keinen Normalzustand erreicht hatten. Alles war bei ALDI erhältlich, an Versorgungsnotstand war nicht mehr zu denken. Als wir mit dem gebührenden Sicherheitsabstand vor der Supermarktkasse standen, überflogen wir das Warenangebot auf Tischen und in den Regalen. Und siehe da: bei ALDI waren Gesichtsmasken in einer Zehnerpackung zu haben. Sie kosteten 6,99 Euro, und die Verkaufsauslage war noch gut bestückt. Erstaunt, dass solche Gesichtsmasken nicht nur in Apotheken, sondern im Handel ganz normal in Supermärkten erhältlich waren, nahmen wir zwei Zehnerpackungen. Eine höhere Anzahl wäre auch nicht erlaubt gewesen, darauf wies ein Schild vor der Auslage hin: das Maximum waren zwei Packungen pro Einkauf. Zufrieden stellten wir fest, dass die Dinge dann doch wieder so normal waren.

30. Mai 2020


Es gibt einen Corona-Geschädigten im Behindertenwohnheim. Ein trauriger Fall, wie sehr Behinderte als Hochrisikogruppe isoliert sind. Eingesperrt in den Wänden des Wohnheims, dürfen sie diese nicht verlassen. Die Behindertenwerkstatt ist geschlossen worden. Besuche von Angehörigen sind nur im Hofbereich mit dem gebotenen Sicherheitsabstand möglich. Bei einem Bewohner, der nur einen Bruder in der Eifel hat, hatte sich zuletzt eine tragische Geschichte entwickelt. In diesen Tagen hatte sein Bruder einen gemeinsamen Urlaub auf Mallorca geplant. Wegen Corona musste der Urlaub ausfallen. Dies verstand der Bewohner des Behindertenwohnheims nicht. Er verstand all die Hemmnisse von Corona nicht, das Kontaktverbot mit seinem Bruder, die Werkstattschließung, die Ausgangssperre – und der ausgefallene Urlaub. Das war zu viel, so dass er seine Tasche packte für den Urlaub. Er hörte nicht auf damit, tobte und weinte, als die Betreuer ihn davon abbringen wollten. Schließlich wurden seine Tobsuchtsanfälle so schlimm, dass er in die Bonner Landesklinik eingeliefert werden musste. In die geschlossene Anstalt, wo er noch strenger isoliert sein wird.

31. Mai 2020


Es war gegen 10 Uhr, als die Welt noch in Ordnung war. Am Spicher Berg hatten sich erste undeutliche Anzeichen geregt, als der Brustkorb schmerzte. Nachdem der steile Anstieg abflachte, huschten vollkommen schmerzfrei die Wälder der Wahner Heide an mir vorbei. Auf der Straße von Troisdorf nach Altenrath blühte das Landschaftserlebnis auf, in das die Sonnenstrahlen des angebrochenen Morgens hinein schienen. Am Anstieg vor dem Fliegenberg, wo die Vegetation zwischen Sand und Heide verschwamm, mühte ich mich mit neuen Schmerzen ab, die erneut verschwanden den Berg hinunter zum Kreisverkehr vor Altenrath. Nichts beunruhigte in der Wahner Heide, der Atem glitt gleichmäßig in der Heidelandschaft dahin. Ein kurzer Anstieg, wieder der kurze, schneidende Schmerz in der Brust. Um zu fotografieren, machte ich an einem Wanderparkplatz eine Pause. Das war die Stelle, wo bis 2015 die Kasernengebäude der belgischen Armee abgerissen worden waren. Neugierig schaute ich in die Weite hinein, wo barackenartige Gebäude viele Jahre ungenutzt herum gestanden hatten und der Natur überlassen worden waren. Der Rückbau der Kaserne des Camps Altenrath war nun Teil einer Renaturierungsprojektes, welches den Erholungswert der Wahner Heide weiter aufwerten sollte. Ich zückte meine Digitalkamera, verewigte auf Fotos, was für eine wahnsinnige ökologische Vielfalt die Wahner Heide zu bieten hatte. Ein letztes Mal atmete ich tief durch, bis Herzschlag und Atmung eine dramatische Wendung nehmen sollten, als ich die Tour auf dem Rennrad unter der Einflugschneise des Köln-Bonner-Flughafens fortsetzte.


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