Tagebuch Juli 2021

1. Juli 2021


Geburtstage sind ja per Definition besondere Tage. Man wird beglückwünscht, die Familie umarmt einen, es gibt das eine oder andere Geschenk, und in den sozialen Netzwerken quillen die Postfächer über. Für mich war es ein normaler Arbeitstag im Büro mit normalen Exceltabellen und normalen Auswertungen aus dem Reportingportal, da ich an diesem Tag einigen Kollegen diese Daten zur Verfügung stellen musste. Genau zwei Kollegen hatten diesen Tag auf ihrem Radar stehen und gratulierten mir persönlich im Büro. Mein Chef erledigte dies per SMS, ein anderer Kollege per Mail. Meine Mutter rief mich im Büro an und teilte mir mit, dass mein Bruder ihr ein Elektromobil besorgt hatte. Er hatte ihr dieses Teil mit seinen Funktionalitäten so gut erklärt, dass sie damit klar kam. Wahnsinnig glücklich war sie, dass sie sich zum Friedhof oder auch zu ihrer Schwester fortbewegen konnte. Für den Rest des Tages spulte ich meine Büroarbeit ab und verließ relativ spät das Großraumbüro. Abends hatte mich meine Frau zum Essen eingeladen. Die Auswahl eines chinesischen Restaurants zwei Orte weiter stellte sich als vorzüglich heraus, wohin wir uns mit Frau und Tochter begaben. Drei Jahre lag der Besuch eines chinesischen Restaurants mittlerweile zurück, und an diesem Tag hatten wir Glück. Wenn genügend vorbestellt wurde, dann bot das Restaurant ein Buffet an, und genau dies war an diesem Tag der Fall. Dementsprechend gut war das Restaurant besucht, und für uns war einer der wenigen Vierertische noch frei. Es waren gleich mehrere Geburtstagsgesellschaften dort, das erzählte uns die Kellnerin, die einen redseligen Eindruck machte und uns später, als wir das Restaurant verließen, eine Packung Leibniz-Kekse mitgab. Wir erzählten uns dies und das. Wir suchten unsere Tochter zu überzeugen, ihre Impfskepsis zu überwinden. Die Delta-Mutante grassierte in England besonders an Schulen, und mit dem Wiederbeginn des Schulunterrichts nach den Sommerferien erwarteten wir schlimme Szenarien. Wir kamen auf Lady Diana, die in diesem Tagen 60 geworden wäre, und erzählten unserer Tochter von den Paparazzi, die sie in Paris verfolgt hatten, und von dem Autounfall in einer Unterführung, wo Lady Di tödlich verletzt wurde. Wir fragten uns, wie alt denn Prince Charles sei und schätzten ein Alter von rund 75 Jahren, weil er rund 15 Jahre älter gewesen sein musste als Diana. Wir redeten über Könige und Königshäuser und darüber, dass sich Tim aus der Behinderten-WG einen Kaiser zurück wünschte. Wir redeten über die WG, insbesondere über einen Bewohner, der genauso alt war wie ich und kaum noch aus seinem Bett heraus kroch. Meine Frau hatte auf ihn eingeredet, dass er sich bewegen solle und viel zu viel im Bett läge. Doch alles Einreden zeigte wenig Wirkung. Nachdem er seine Faust in die Luft gehoben hatte und trotzig gesagt hatte, dass er es so machen würde, wie er es wolle, war meine Frau auf Konfrontationskurs gegangen. Er sei „unten durch“. Wir sprachen sogar über das Szenario, ihm zu kündigen, weil all seine Trägheit und Lethargie sich auf den anderen WG-Bewohner übertrug. Derweil lauschten wir den Gesprächen am Nachbartisch. Es war unüberhörbar, dass das Familienoberhaupt Polizist war. Er redete von Handschellen, von Haftstrafen für Bankräuber oder von schrecklichen Verkehrsunfällen. Zu seiner Entscheidung, Polizist als Beruf zu wählen, stehe er. Empfehlen würde er diesen Beruf aktuell aber nicht mehr, weil der Respekt vor der Polizei stark nachgelassen habe. Die Polizei würde angepöbelt, beschimpft, sogar bedroht. Das Essen schmeckte übrigens bestens. Ich probierte vom Rindfleisch, Hühnerfleisch, Ente und den Nudeln, bei meiner Frau war Rindfleisch und Hühnerfleisch dabei. Unsere Tochter, die ansonsten überschaubare Portionen aß, konnte mit dem Essen nicht aufhören. Der Nachtisch hatte es ihr angetan. Gleich mehrere Teller Pfirsiche nahm sie sich, dazu Krabbenchips, und auf ihre Frage, wieso wir keinen Nachtisch nähmen, antworteten wir, dass wir bereits so viele Hauptgerichte vom Büffet genommen hätten, dass wir komplett satt seien. Als wir zu Hause angekommen waren, wartete mein Schwager auf mich, um mir zu gratulieren. Er war zu Fuß zu uns gelaufen, um sich seine Flaschen Weizenbier zu holen.

2. Juli 2021


Es war eine knappe Angelegenheit, aber immerhin: geschafft. Unterm Strich stand auf dem Zeugnis unserer Tochter die Versetzung, und damit war vor einem halben Jahr überhaupt nicht zu rechnen. Das Gefühl der Erleichterung ist groß, dass sich all der Aufwand und all der Stress im Homescooling gelohnt hat. Die Strapazen waren groß bis sehr groß gewesen, Home Office, Homescooling und dann noch die Dinge, die im Haus des verstorbenen Schwiegervaters zu erledigen waren, gleichzeitig zu leisten. Es belastete enorm, unsere Tochter zu unterstützen und auch zu kontrollieren, dass sie ihre Aufgaben im Distanzlernen abarbeitete. Bisweilen hatte man sogar den Eindruck, dass ihr die eine oder andere Aufgabe Spaß gemacht hatte und dass sie Freude am Lernen hatte. Immerhin: geschafft. Die Anspannung, wie es weitergeht, hat sich nun gelöst. Unsere Tochter geht im nächsten Schuljahr auf dieselbe Schule in dieselbe Klasse. Dort hat sie Kontakte und ist von der Klassengemeinschaft gut aufgenommen worden – wenn man von einem bestimmten Schüler absieht. Und sie hat auch eine gute Freundin, mit der sie sich regelmäßig trifft. Erst einmal habe ich drei Wochen Urlaub. Dann werden wir uns ohne Schule und ohne Büro oder Homeoffice hoffentlich gut erholen.

3. Juli 2021


Geimpft, nicht vollständig geimpft oder Negativtest: mich traf es unerwartet, dass die drei G’s zu meinem Geburtstagessen hoch politische und ideologisch aufgeladene Glaubensdiskussionen entfachen sollten. Zwei Freunde, die ich eingeladen hatte, verweigerten die Impfung und sie weigerten sich ebenso, sich testen zu lassen und einen Negativtest mitzubringen. Die Diskussion mit ihnen war sinnlos: in der Vergangenheit habe es mehr Tote infolge Grippe als infolge Corona gegeben, daher verstünden sie all den Wirbel rund um Corona nicht. Dass die Krankenhäuser, insbesondere die Intensivstationen, mit der Masse von Infizierten vor dem Kollaps gestanden hatten, das negierten die beiden. Die Meinung in den öffentlich-rechtlichen Sendern sei politisch gelenkt, so dass über falsche Fakten und falsche Inhalte berichtet würde. Um die Wahrheit zu erfahren, müsse man andere Informationsmedien heranziehen. Dass Querdenker gegen die Corona-Einschränkungen ohne Abstand und ohne Maske protestieren, das hielten sie für richtig. Es sei ein Unding, dass der Staat in einem solchen Umfang Freiheiten beziehungsweise die Versammlungsfreiheit einschränken könne. Irgendwann brach in das Telefonat ab, weil die Diskussion nichts brachte, und die beiden hatte ich ausgeladen zu meinem Geburtstagsessen, wozu wir uns mit insgesamt 13 Personen im Restaurant Zur Alten Post versammeln wollten. Dort überwogen die vollständig Geimpften, die restlichen fünf Freunden hatten einen Negativtest gemacht. Schließlich fühlte ich mich verantwortlich dafür, dass sich nach dem Essen niemand infiziert haben sollte. Das Wiedersehen dort war schön. Im letzten Jahr hatte ich nach meinem Herzinfarkt nichts gefeiert, der Nachholbedarf nach dem halben Jahr Lockdown mit einer Dauervermeidung von Kontakten war groß. Dementsprechend groß war der Redebedarf mit den Freunden, der so umfangreich war, dass nicht alles ausgesprochen werden konnte. Vieles drehte sich um Corona, dass man noch in einer auslaufenden Schockstarre verharrte, persönliche Kontakte zu vermeiden, was auch die Kontakte zu Freunden betraf. Man sollte die Gunst der Stunde nutzen, dass die Inzidenzzahlen niedrig waren, bevor sie wieder in die Höhe schnellten und für ein halbes Jahr oder länger der nächste Lockdown anstand. Nach dem letzten Jahr ohne Geburtstagsessen gab es einschneidende Ereignisse: ein Freund war verstorben, einer war in den Ruhestand gegangen, ich selbst hatte diesen Herzinfarkt gehabt. In meinen Gesprächen suchte ich weitere Aktivitäten und weitere Unternehmungen, solange die Entwicklung der Infektionszahlen dies zuließ. Wir wollten zu den Karl-May-Festspielen nach Elspe. Die Idee reifte, zu der Schwester des verstorbenen Freundes in Niedersachsen zu fahren. Zwei Freunde schlossen ich unserem Plan an, an die Mosel fahren zu wollen. Die Springmaus fassten wir ins Auge, Ideen vom Wandern kamen auf. Wahrscheinlich waren es so viele Aktivitäten und Unternehmungen, dass nur eine Teilmenge realisierbar war. Wie bei vergangenen Geburtstagsfeiern, geriet der Abend viel zu kurz. Um 18 Uhr hatte ich eingeladen, traten alle Stück für Stück den Nachhauseweg an. Wir waren alle froh, uns noch einmal gesehen zu haben und viel miteinander geredet zu haben.

4. Juli 2021


Sonntag Nachmittag. Bei der Auswahl, an welchem Ort wir ein Eis essen wollten, orientierte ich mich mit meinem Schwager am Wetter. Eine Regenfront mit etlichen Donnerstößen war über uns hinweggezogen, und schräg über der anderen Rheinseite hellte es auf. An der Autobahnauffahrt bogen wir ein auf die A565, in die Richtung von Koblenz und Meckenheim hörte der Regen auf zu schütten, und das helle Loch am Himmel vergrößerte sich über der Ausfahrt Poppelsdorf und lenkte uns genau in diesen Stadtteil. Das war mir Recht, denn der botanische Garten lag in der Nähe, außerdem sichteten wir auf Anhieb ein Eiscafé, so dass wir das Eis mit der faszinierenden Vegetation des botanischen Garten verbinden konnte. Es kam aber anders. Nach dem Eisessen konnten wir lediglich am Haupteingang des botanischen Gartens Notiz davon nehmen, dass dieser geschlossen war. Warum, wieso, weshalb am Sonntagnachmittag, das blieb ein unerklärliches Geheimnis. Ich musste nicht lange nachdenken, um einen Ersatz für einen interessanten Spaziergang zu finden. Ich lenkte unser Auto stadtauswärts, den Berg hinauf in Richtung Ippendorf. Auf der Höhe bog ich nach rechts ab, kurz nach der Abbiegung parkte ich und wir trotteten zu Fuß zur Kreuzbergkirche. Das letzte Mal hatte ich sie bei einer meiner Rennradtouren zu Gesicht bekommen, das war mittlerweile aber bestimmt fünf oder sechs Jahre her. Der Fußweg war phänomenal, weil die Höhenlage Aussichten auf Bonn bot, die große Teile der Innenstadt einschlossen. Wir schauten auf die Universität, die Kreuzkirche am Kaiserplatz, auf die Münsterkirche und auf ein Häusermeer, welches den Flusslauf des Rheins in seiner Gebäudemasse versteckte. Die Perspektiven wechselten nach den Feldstücken, bis die Kreuzbergkirche die Faszination der Ausblicke in all ihrer barocken Pracht überstrahlte. Mehrere Wege kreuzten sich dort, darunter einer mit Kreuzwegstationen, ein zweiter, der direkt nach Poppelsdorf hinab führte, und ein dritter, der hinten um die Gebäudeanlage herum führte. Wir schauten hinein auf die heilige Stiege, das wir als ein Meisterwerk wahrnahmen, das in der Zeit des Kölner Kurfürsten Clemens August entstanden war. Diese heilige Stiege, das erzählte eine Hinweistafel, knüpfte an den Lateranspalast in Rom an, wo die Treppe wiederum, wenn die Legende stimmt, aus dem Palast von Pontius Pilatus übernommen wurde. Wir bestaunten all die filigranen Deckenmalereien, die zur Bombastik neigenden Verzierungen und all die ganzen Treppenstufen, die in die Höhe des Himmelreiches führten. Rund um die Kirche herum schwenkten wir zurück zur Kapelle im Außenbereich der Kirche und wir überflogen den Blick von der Höhe aus auf die Stadt. Die Wettersituation hatte sich längst beruhigt. Die Wolken hatten sich ausgeregnet, sie hingen tief und schwer, und die Stadtmitte duckte sich vor deren Last. Davon befreit, konnten wir zurück schreiten zu dem Parkplatz, wo wir unser Auto geparkt hatten.

5. Juli 2021


Große Aufräumerei im Haus des verstorbenen Schwiegervaters. In der Garage standen noch die beiden Tapeziertische vom Dorftrödel, der Mitte Mai statt gefunden hatte. Wir hatten all denjenigen Hausrat, den wir nicht verkauft hatten, dort stehen lassen. Einen Teil des Hausrats schafften wir nun in den Keller, wo wir die Dinge noch in Kartons verstauen mussten. Der andere Teil wanderte in den Kofferraum unseres Autos, um diesen nach Hause in unseren Keller zu fahren. Die Garage sollte nun anders genutzt werden, nämlich für unseren WG-Bewohner mit seinen Eisenbahnen. Die Kartons mit den Eisenbahnen sollten nun in der Garage gelagert werden, die Regale wollten wir im Keller stehen lassen. Dieser Keller im Haus des verstorbenen Schwiegervaters sollte fortan für die beiden anderen WG-Bewohner nutzbar sein.

6. Juli 2021


Nächster Teil der Aufräumarbeiten im Haus des verstorbenen Schwiegervaters. Die Eisenbahn-Kartons verstauten wir nun in der Garage, so dass der Keller sichtbar leerer wurde und von den anderen WG-Bewohnern genutzt werden konnte. Wir machten weiter im Vorgarten. Der Erdboden war bedeckt mit Rindenmulch, und wir wollten dort Sträucher pflanzen. Die Aktion stellte sich als aufwändiger heraus als ich mir vorgestellt hatte. In dem Erdboden steckten nämlich jede Menge Steine, die es dem Spaten schwer machten. Und das Loch musste groß sein, in dem großen Radius der Azalee, die in dem Topf aus unserem Garten dorthin gepflanzt werden sollte. Mühsam stapfte sich der Spaten durch die Steine und den Erdboden, was Kraft kostete und die Mühe einiger Bückerei, mit dem Spaten die Erde aus dem Loch heraus zu holen und in die bereit gestellte Speisbütt hinein zu schaufeln. Zum Schluss gelang dies, dass das Loch groß genug war. Wir verfüllten dieses mit der Erde aus der Speisbütt, wir gossen Wasser hinein, so dass die Erde absackte, füllten erneut Erde auf, bis wir die ebene Fläche mit dem beiseite geschaufelten Rindenmulch bedeckten. Die Azalee hatten wir nun in den Vorgarten eingepflanzt. Noch ein Hibiscusstrauch war einzupflanzen. Die größere Herausforderung sollte aber der Flieder vor unserem Haus darstellen, dessen Topf noch größer war als der Topf mit der Azalee. Den Hibiscus schaffte ich noch an demselben Tag, den Flieder nahm ich mir für den nächsten Tag vor.

7. Juli 2021


Beim abendlichen Essen in der Pizzeria im Nachbarort meinte meine Frau, es sei eine göttliche Fügung. Diese göttliche Fügung hatte sich ergeben in Form der Logopädie. Ein Freund hatte meinem Schwager freie Termine verschafft, die er nun wahrnahm, davon hatte einer gestern im Nachbarort stattgefunden. Bei diesem Termin traf meine Frau einen anderen Behinderten mit seiner Mutter, was sie als göttliche Fügung empfand. Sie suchte für ihn einen Platz in einem Wohnheim oder in einer WG und war arg enttäuscht worden. Das Behindertenwohnheim, wo mein Schwager gewohnt hatte, hatte ihn sechs Jahre lang auf einer Warteliste stehen. Regelmäßig war die Mutter mit ihrem Sohn in das Behindertenwohnheim gegangen, hatte Kuchen mitgebracht, ihr Sohn hatte mit anderen Bewohnern Kuchen gegessen, um sich an die künftigen Bewohner zu gewöhnen. Doch plötzlich erhielt sie nach mehr als sechs Jahren Wartezeit eine Absage, es sei kein Wohnheimplatz vorhanden. Alles vergeblich, alles zwecklos, und so fragte sie bei der Lebenshilfe nach, ob es die Möglichkeit einer WG im Rahmen des betreuten Wohnens gäbe. Dies verneinte die Lebenshilfe, aber die Mutter des behinderten Sohnes wusste von der WG im Haus des verstorbenen Schwiegervaters. Selbst wenn ein Platz dort frei wäre, wäre dies keine Option, da wohl auch nachts jemand anwesend sein müsste. Beim abendlichen Essen in der Pizzeria überlegten wir hin und her, wegen des einen WG-Bewohners bei uns, der sich kaum noch aus seinem Zimmer wagte und mittelfristig wahrscheinlich stationär untergebracht werden musste. Wir überlegten auch, wie man im Keller Platz schaffen könnte, damit gegebenenfalls dort jemand schlafen könnte. Und wir aßen Spaghetti Bolognese, eine Pizza mit viel Fisch drauf und eine weitere Pizza mit Thunfisch, wobei wir die Absage des Behindertenwohnheims für fahrlässig hielten. Die Mutter des behinderten Sohnes war gut vernetzt in unserem Ort. Sie war aktiv tätig bei den regelmäßigen Treffen der Behinderten, als sie vor Corona noch statt gefunden hatten, und sie war aktiv tätig im Karnevalsverein, wo ihr Mann vor einigen Jahren Karnevalsprinz gewesen war. Auch wir hatten etliche Negativerfahrungen mit demselben Behindertenwohnheim gemacht. Hinter einer saubergeputzten Fassade hatten wir das repressive Verhalten mit eklatanten Qualitätsmängeln festgestellt. Dies hatten wir im Ort herum erzählt, und die Negativerzählungen würden in diesem neuen Fall in dieselbe Richtung gehen. Beim Roséwein, Mineralwasser und Apfelschorle regten wir uns auf. Und wir arbeiteten an der Alternative, einen willigen, kommunikativen und bemühten dritten WG-Bewohner zu gewinnen.

8. Juli 2021


Im Grunde genommen, war es das richtige Wetter. Es regnete kontinuierlich, und der Erdboden war leicht und locker. Unser Garten war inzwischen an einigen Stellen überwuchert. Abseits der Struktur der Beete, war das Unkraut geschossen und hatte Überhand genommen. Disteln waren in die Höhe geschossen, Efeu bedeckte den Boden, die Ackerwinde hatte sich ausgebreitet, der Giersch war außer Kontrolle geraten. Es hatte an Zeit und auch an Ausdauer gefehlt, um alles Unkraut in den Griff zu bekommen. Im Urlaub, der Regen tropfte unverdrossen, machte ich mich nun über das breit gefächerte Unkraut her. Leicht und locker ließ sich das Unkraut aus der Erde heraus ziehen. Ich befreite die Reihen von Spitzkohl von der Umklammerung durch das Unkraut, ich zog den hoch geschossenen Salat aus dem Boden. Ich machte den Trampelpfad frei zum Zaun, wo unser Nachbarkeit abgeschnittenes Geäst für uns gelegt hatte. Dort schaffte ich so etwas wie Ordnung, so dass die Struktur des Nutzgartens wieder erkennbar war. Am Ende des Tages hatten sich die Mengen von Unkraut in der einen Kompostmiete gesammelt. Speisbütt für Speisbütt hatte sich gefüllt und war in die Kompostmiete gewandert. Was für eine Masse.

9. Juli 2021


Es war an einem Tag, an dem die Inzidenzwerte so ungefähr ihr Minimum erreicht hatten. Ein paar Tage vorher hatte der Bundes-Inzidenzwert eine 4 vor dem Komma, und nun war er leicht über 5 angestiegen. Traumwerte, die so bleiben sollten, doch die Angst vor einem Hochschießen so wie in Großbritannien und vor einem neuen Lockdown, der mittelfristig den Alltag erneut lahm legen sollte, herrschte vor. Unter diesen Rahmenbedingungen tätigten wir unsere Wocheneinkäufe im HUMA-Einkaufszentrum. Real und dm waren in Lockdown-Zeiten unkritisch gewesen, nun war unsere Tochter bei uns, die bei SATURN neue Ohrhörer für ihr Smartphone einkaufte. Bei SATURN erkundigten wir uns dann nach einem neuen Smartphone für meinen Schwager, das bezogen auf seine Behinderung genau die richtigen Benutzerfunktionalitäten bieten sollte. Nach intensiver Beratung wurden wir fündig, und als wir alle Hunger verspürten, waren wir erleichtert über die leicht über 5 liegende Inzidenzzahl. Unser Lieblingsimbiss, ein thailändischer Imbiss, hatte nämlich so geöffnet, dass wir Platz nehmen konnten. Bei unseren letzten Einkäufen, das war vor rund 4 Wochen, war die Innengastronomie noch abgesperrt. Der Befreiungsschlag, uns dort hinsetzen zu können, war groß. Zu sehr saß der Frust noch in uns, dass wir in den vergangenen Monaten höchstens Essen mitnehmen konnten, und zu Hause wäre dieses Essen dann zu kalt gewesen. Nun konnten wir unsere Einkäufe gemütlich ausklingen lassen, wir ließen uns Zeit beim Essen, wir quasselten. Es war eine neue Qualität des Einkaufens, die in Zeiten der Delta-Mutante in Großbritannien allerdings höchst fragil war.

10. Juli 2021


Es war ein Tag, an dem das neue Smartphone uns so ziemlich durcheinander bringen sollte. Bei SATURN hatten wir gestern ein neues Smartphone für meinen Schwager gekauft, und gleichzeitig war die SIM-Karte mit der Post gekommen. Nun hieß es, die SIM-Karte einzulegen und das Smartphone startklar zu machen, was uns auf große Herausforderungen stellte. Um diese zu bewältigen, bedienten wir uns eines Youtube-Videos, welches uns die Einrichtung des Xiaomi Redmi Note 8T erklärte. Supereinfach und selbsterklärend hörte sich die Installation an, doch der eine und andere Einrichtungsschritt brachte uns doch zum Verzweifeln. Wir wurden nach dem Google-Konto gefragt, was wir nie für meinen Schwager eingerichtet hatten. Als wir dieses neu einrichten wollten, erhielten wir die Fehlermeldung, dass die angegebene Gmail-Adresse bereits existierte. Wir vermuteten, dass betreuende Haushaltshilfe das Konto im Zusammenhang mit der Nutzung von Alexa bereits eingerichtet hatte. Wir kannten allerdings das Passwort nicht. Wir entschlossen uns, ohne das Google-Konto fortzufahren, weil dieses beim alleinigen Telefonieren nicht benötigt wurde. Der nächste Stolperstein wartete bei der Installation auf uns, als wir uns an einem MI-Konto anmelden sollten. Die Handynummer war die Benutzerkennung, dann mussten wir noch ein Passwort eingeben, wozu uns vollkommen unbekannt war, dass wir jemals für ein MI-Konto ein Passwort eingegeben hatten. Dazu half uns das Hilfevideo weiter, dass es sich um gerätespezifische Einstellungen handelte, auf die man auch verzichten konnte. So übersprangen wir dieses MI-Konto, doch nach Abschluss der Installation gelang es uns nicht, mit dem Handy telefonieren zu können. „Diese Rufnummer ist uns unbekannt, bitte rufen Sie die Auskunft an“, so wurde der Anruf vom Handy meiner Frau abgewiesen. Die Einsicht kam zu Hause, nachdem wir uns mit dem Smartphone nicht mehr weiter befasst hatten. Die SIM-Karte musste noch frei geschaltet werden. Im Kundencenter der Congstar sah dies noch gut aus: eine Bestätigungsmail zur Freischaltung wurde uns zugeschickt. Es könne aber noch 24 Stunden dauern, bis die Freischaltung wirksam würde. Bis zum frühen Nachmittag konnten wir noch nicht mit dem Smartphone telefonieren. Rund sechs Stunden hatte uns inzwischen das Smartphone zerschossen wegen all der Stolpersteine bei der Installation und der Bedienung. Wir geduldeten uns und hofften, bald mit dem neuen Technikwunder telefonieren zu können.

11. Juli 2021


Als Highlight des Tages klappte das Telefonieren mit dem neuen Handy, es war aber nicht der einzige Höhepunkt. Wir hatten nämlich die Nachricht unserer großen Tochter erhalten, dass sie uns mit ihrem Freund besuchen wollte. Einerseits war dies wunderschön, andererseits bescherte uns der Besuch jede Menge Arbeit, weil unser Haus in einem äußerst unaufgeräumten Zustand war. Mit dieser Vision verbrachten wir den Sonntagnachmittag damit, die Küchenanrichte Stück für Stück und Teil für Teil durchzugehen, was nötig und was unnötig war, was seinen Platz hatte und was entsorgt werden musste. Ich wischte den Kühlschrank aus und sortierte dabei einige Lebensmittel aus, deren Haltbarkeitsdatum längst überschritten war. Ich schaffte lediglich einen kleineren Teil der Küche und war am Abend so fertig, dass die Lust zum Kochen fehlte. Anstatt selbst zu kochen, zogen wir es mit unserem Schwager vor, Essen zu gehen. Wir wählten das Restaurant „Zur alten Post“, wo wir bereits zu meinem Geburtstag Freunde eingeladen hatten. Wir ließen uns im Biergarten nieder, wo wir an ein wichtiges Tagesereignis erinnert wurden, das wir sonst glatt vergessen hätten. Das war nämlich das Endspiel der Fußball-Europameisterschaft. Nach 21 Uhr, als wir noch nicht ganz aufgegessen hatten, leerte es sich zusehends. Danach konnten wir zusammenrücken, und meine Frau traf eine frühere Klassenkameradin aus der Grundschule mit ihrem Ehemann. Die drei quasselten fleißig miteinander, währenddessen ich mich in Ruhe auf den Ball und die 22 Spieler konzentrieren konnte, die ihm hinterher rannten. Den vielleicht zwölf bis fünfzehn Zuschauern vor dem Großbildschirm wurde einiges geboten. Die Engländer waren in der ersten Halbzeit die besseren, die Italiener in der zweiten Halbzeit, und folgerichtig stand es nach der regulären Spielzeit 1:1. Als Zugabe gab es noch die Verlängerung obendrauf, und noch mehr Hochspannung bot das Elfmeterschießen. Als der 19-jährige Engländer Saka den letzten Elfmeter verschoss, stand der neue Europameister Italien fest. Wir befanden, dass Italien die Europameisterschaft verdient hatte, und begossen dies mit einigen Gläsern Wein und Bier. Es war bereits weit nach Mitternacht, als meine Frau und ich mit den Rädern nach Hause radeln wollten. Doch dies mißlang bei meiner Frau vollständig. Als sie losfahren wollte, stürzte sie, was die Chefin des Restaurants mitbekam. Wir hatten mit dem Taxi zu fahren, das ordnete sie an. Als ich dennoch mit dem Fahrrad fahren wollte, folgte die nächste Anordnung, ich habe meine Frau im Taxi zu begleiten, die Fahrräder würde sie indes sicher aufbewahren. Ich fügte mich, weil es wohl auch die richtige Vorgehensweise war, uns im Namen der Wortbedeutung aus dem Verkehr zu ziehen. Das war eine Lehre für uns, beim nächsten Restaurantbesuch wohl nicht so tief ins Glas zu schauen.

12. Juli 2021


Es war eine unverhoffte Begegnung, nachdem ich unsere Tochter von der Psychotherapeutin abgeholt hatte. Pünktlich wartete ich vor dem Eingang des Eckhauses zur Hauptdurchgangsstraße, und pünktlich zum verabredeten Zeitpunkt öffnete sich die Türe zu den insgesamt drei psychotherapeutischen Praxen, wovon die eine Psychotherapeutin an diesem Tag das zweite Mal einen Termin mit unserer Tochter hatte. Ich umarmte unsere Tochter auf dem kleinen Platz, wo Tische und Stühle der Bäckerei standen, um dort einen Kaffee trinken zu können. Eine kurze Weile warteten wir, standen zusammen, mein Blick überflog die Hauptdurchgangsstraße. Zwei ältere Damen trotteten den Bürgersteig entlang, davon war die eine klein, zierlich und ein bißchen schmal. Ich schaute in ihre Gesichtszüge, in ihr leicht faltiges Gesicht, das sie jünger aussehen ließ als sie wohl in Wirklichkeit war. Dieses Gesicht kam mir bekannt vor, und auf Anhieb ordnete ich dieses Gesicht dem früheren Französischkurs zu, den ich beinahe zehn Jahre besucht hatte. Viel hatten wir gemeinsam unternommen, die Gemeinschaft in dem Volkshochschulkurs war sehr intensiv gewesen. Nun schaute ich in dieses vertraute Gesicht und zögerte. Das Gesicht schaute zurück, wir gingen aufeinander zu und stellten fest, dass wir uns kannten. Wir beide bekamen den Namen des jeweils anderen, Heidi und Dieter, nicht zusammen. Vor fünf Jahren hatte sich der Kurs aufgelöst, danach waren die Kontakte abgerissen. Sie hatte unserer früheren Kursleiterin regelmäßig zum Geburtstag gratuliert, ich selbst hatte weder zum Telefonhörer gegriffen, noch eine SMS oder eine Facebooknachricht abgeschickt. Heidi war mit ihrer Freundin unterwegs und schritt weiter. Ein Eis wollten sie noch essen, das hörte ich raus. Ich selbst wollte mit unserer Tochter von der Psychotherapeutin nach Hause zurück.

13. Juli 2021


Durch diese drei Tage intensiven Putzens und Aufräumens mussten wir durch, denn unsere Tochter hatte sich mit ihrem Freund angekündigt. Zwei Nächte würden die beiden bei uns übernachten, und die Herausforderung war groß, Ordnung herzustellen. Zu vieles stand im Weg herum, zu viel Kleinkram, um ihn zu sichten und wegzuräumen. Einiger Hausrat stammte noch aus dem Haus des verstorbenen Schwiegervaters, und es war uns nicht gelungen, ihn auf diversen Dorftrödeln anzubieten oder gar zu verkaufen. Nun war der Anlass gekommen, damit wir erst einmal den Überblick erhielten. Außerdem mussten wir putzen. Die Küche war höchst aufwendig. Das Fett musste von den Fliesen mit einem Fettlöser weggerieben werden, die Küchenanrichte musste komplett gesäubert werden, den Kühlschrank hatte ich sauber gewischt. Vieles, was auf der Küchenanrichte herum stand, hatten wir weg-, umgeräumt, zum Teil auch entsorgt. Überall war der Staubsauger im Dauereinsatz. Im Bad war die Putzerei nicht weniger aufwändig. Viele Wochen war nicht mehr sauber gemacht worden, und einzeln wagte ich mich an Badewanne, Wandfliesen, Toilette, Badezimmerschrank und auch Waschbecken heran. Da mussten wir durch. Küche, Badezimmer und Flur waren nun fertig. Den Rest mussten wir noch abarbeiten.

14. Juli 2021


An diesem Tag sollte die Jahrhundert-Katastrophe ihren Lauf nehmen. Wenn man dem Wetterbericht glaubte und wenn man den prasselnden Starkregen am Morgen fortschrieb bis in den späten Abend, dann hätte man die Katastrophe erahnen können. Es hörte nicht auf vom Himmel zu schütten von morgens früh bis abends spät, es war wie bei einem Gewitterschauer, der über den ganzen Tag hinweg andauerte. Man wurde klatschnass, wenn man sich vor die Haustüre traute, und zeitweise stand die Straße unter Wasser. Um halb vier fuhr ich den Schwager zur Logopädie im Nachbarort, um viertel nach vier holte ich ihn dort wieder ab. Die Autofahrt war gräßlich. Die Scheibenwischer hatten Probleme, die Regenmassen zu bewältigen. Das Regenwasser staute sich auf der Fahrbahn. Ich hatte Glück, die Fahrstrecke zurück auf dem normalen Weg durch unseren Ort zur Behinderten-WG fahren zu können. Wäre ich eine halbe Stunde später unterwegs gewesen, wären Teile abgesperrt gewesen, da die Straße überschwemmt war. Unbeschadet setzte ich den Schwager vor dem Haus des verstorbenen Schwiegervaters ab, und unbeschadet kehrte ich nach Hause zurück. Dort empfing mich meine Frau mit einem unerwarteten Ereignis, dass wir bei der Behinderten-WG vorbei schauen müssten. Worum es ginge, verriet mir meine Frau nicht. Es war ein großer Wasserfleck auf der hinteren Wand im Obergeschoss des einen WG-Bewohners. Auf dem Dachboden stellten wir die Ursache fest, dass ein kleines, aber stetiges Rinnsal durch eine Dachpfanne senkrecht hinunter lief. Provisorisch schob ich ein Backblech darunter, um das Wasser aufzufangen, rund eine Stunde sollte uns der telefonisch herbei gerufene Dachdecker aus der mißlichen Situation erlösen. Er tauschte zwei defekte, gerissene Dachziegel gegen neue Dachziegel aus. Dass Wasser in die Wand im Obergeschoss eindrang, hatte er damit gestoppt. Durch diese Rettungsaktion war unser Zeitmanagement, dass der Freund mit unserer Tochter in seinem PKW anreiste, über den Haufen geworfen worden. Nachdem wir nach Hause zurück gekehrt waren, dauerte es keine Viertelstunde, dass wir die beiden umarmen konnten. Sie waren über die Autobahn A3 aus Richtung Frankfurt angereist. Ab dem Dernbacher Dreieck hatte der Starkregen eingesetzt, und von dort ab ging es mit der Aquaplaning-Gefahr langsamer vorwärts, ohne dass die Autobahn in Talsenken überschwemmt gewesen wäre. Wir waren mittendrin unterbrochen worden, sauber zu machen und das Gästezimmer für die beiden herzurichten. Das bekam meine Frau kurzfristig hin. Um das Abendessen und ein gemeinsames Miteinander zu managen, aßen wir in einem Restaurant.

15. Juli 2021


An diesem Tag, als unsere Tochter und ihr Freund uns besuchten, lief der Fernseher im Dauerbetrieb. Zunächst hatte ich einen Zahnarzttermin, gegen zehn Uhr war ich zurück. Um 12 Uhr hatte meine Frau ein Vorstellungsgespräch in St. Augustin, dorthin fuhren sie der Freund und unsere Tochter. Dazwischen ließ mich das Unwetter mit all seinen Schäden und Toten nicht los. Viele Orte kannte ich von meinen Rennradtouren, darunter verlief eine meiner Lieblingsstrecken durch das Ahrtal. Unabhängig von meinem Herzinfarkt, war an eine Tour durch das Ahrtal nach dieser Katastrophe vorläufig nicht mehr zu denken. Bilder aus der Luft von Altenahr zerrissen meine Seele, und weil die Bundesstraße B267 die Hauptverkehrsader durch das Ahrtal war, waren Orte wie Mayschoss oder Rech von der Außenwelt abgeschnitten. Die Innenstadt von Ahrweiler stand komplett unter Wasser, und andere Flüsse wie die Kyll oder die Erft hatten ein ähnliches Ausmaß der Zerstörung angerichtet. Die Verkehrsinfrastruktur war zerstört, und an eine Grundversorgung mit Strom, Trinkwasser oder Telefonnetze war vorläufig nicht zu denken. Zu Hause waren wir alle geschockt, wobei unsere Tochter mit ihrem Freund auch nach Baden-Württemberg schauten, weil sie im Markgräfler Land wohnten. Dort hatten die Unwetter im Landkreis Lörrach gewütet, das lag rund fünfzig Kilometer entfernt in Richtung Schweiz. Weitere Dramen zeichneten sich hierzulande in Erftstadt ab, aber auch in Hagen, Wuppertal und Altena im Sauerland. Fassungslos vor den Zerstörungen, bekochte uns abends der Freund unserer Tochter. Es gab Bologneser-Soße, wobei wir uns um nichts zu kümmern brauchten. Er hatte alle Zutaten organisiert, so dass wir uns anderen Dingen zuwenden konnten.

16. Juli 2021


Zweimal sollten unsere Tochter und ihr Freund bei uns übernachten, und die beiden letzten Tage sollten arm an Unternehmungen sein. Die beiden sollten erst spät am Abend ihre Heimreise antreten, das war nach 22 Uhr. Ich selbst hätte nicht mehr die physische Verfassung zu einer solchen Nachtfahrt, das äußerte ich. Aber der Freund unserer Tochter war einiges jünger, so um die 30, was die Nachtfahrt wiederum relativierte. Zuvor war die Planung des Tages daran gescheitert, dass der Freund bei Primark gerne eingekauft hätte. In Bonn war aber die Stromversorgung des Maximilian-Centers, woran die Verkaufsräume von Primark angeschlossen waren, bei einem anderen Unwetter vor vier Wochen abgesoffen. Aus diesem Grunde war Primark in Bonn geschlossen, und unsere Tochter und ihr Freund waren so ziemlich auf Primark fixiert. Primark in Köln war zu weit, und andere Modeketten hatten nicht den Einkaufsreiz von Primark. Wir sollten uns nicht verbiegen, um genau den Einkaufsgeschmack der beiden zu treffen. So stellten wir gegen 14 Uhr fest, als die Diskussionen geführt worden waren und die beiden zu einem Sparziergang zu unserem Ortsrand unterwegs waren, dass wir nicht wussten, was wir kochen sollten. Uns war bekannt, dass bei dem Geschmack unserer Tochter eine Tomatensoße stets die richtige Wahl war, so dass wir die nötigen Zutaten herbei schafften. Wir machten uns an die Zubereitung des Mittagessen, und während meine Frau die Rezeptur für die Tomatensoße verfeinerte, kehrten die beiden von ihrem Spaziergang zurück. Das Mittagessen zog sich bis gegen 16 Uhr, und danach bemerkte unsere Tochter, dass sie für die Rückfahrt noch nicht rundum versorgt war. So entschlossen sich Frau und Tochter zum gemeinsamen Einkaufen, was auch unsere Wocheneinkäufe einschloss. Jede Menge Fleisch hatte meine Frau eingekauft, wovon ein Großteil eingefroren werden musste, dazu Gemüse wie Porree, ganz viel Katzenfutter, Multivitaminsaft im Angebot oder vieles mit Tomaten: Tomatensaft, passierte Tomate oder Tomatenketchup. Als diese Prozedur vorbei war, ging es schon so ungefähr in Richtung Abendessen. Über den Tag hinweg arbeiteten wir unser Pensum ab, wir redeten viel miteinander, saßen viel zu viel und ich selbst kam kaum vor die Haustüre. Das war relativ unbefriedigend, obschon uns die Anwesenheit unserer Tochter mit ihrem Freund so sehr bereicherte. Kurz nach 22 Uhr verabschiedeten sich die beiden, wobei mein Frau gedacht hatte, sie würde erst am nächsten Tag zurück reisen. Sie verweilte noch im Haus der Behinderten-WG, und ich rief sie zwischendurch an, damit sie den Abschied nicht verpassen würde.


17. Juli 2021


Das Unwetter hat auch an dem Haus direkt bei uns gegenüber Schäden angerichtet. Das Erdreich unter einem Gullydeckel hat sich abgesenkt und eine Mulde gebildet. Die Fläche dient normalerweise als Parkplätze für die Mieter des Hauses. Noch in der Nacht nach dem Unwetter, als wir von dem griechischen Restaurant zurück kehrten, war die Fläche mit einem rot-weißen Absperrband abgesperrt, und die Mieter dürften wohl ihre Mühe und Not gehabt haben, ihre Autos irgendwo anders zu parken. Nun hat sich eine Tiefbaufirma daran gemacht, den Schaden zu beseitigen. Erdreich ist aufgefüllt worden, der Gullydeckel ist heraus genommen worden. Die Pflastersteine hat die Firma auf einem höheren Niveau verlegt. Nun sieht alles wieder schön eben aus mit einer gleichmäßigen Fläche. Bald können dort bestimmt die Mieter ihre Autos wieder einparken.

18. Juli 2021


Ein paar Tage benötigten wir, um all das, was an der Ahr, an der Erft, an der Urft und sonstwo in Flusstälern und Flüssen geschehen war, wahrzunehmen. Es war eine Jahrhundertkatastrophe, eine Katastrophe nie dagewesenen Ausmaßes, an Orten wie an der Ahr, die uns bestens vertraut waren. Die Bilder aus dem Fernsehen verschlugen uns die Sprache. All das Leid, dass so manche Menschen all ihr Hab und Gut verloren hatten, war unfassbar. Die Wiederaufbau war vergleichbar mit Kriegszerstörungen und würde Jahre oder gar Jahrzehnte dauern. Dazu kamen die Toten, die mit der Jahrhundertflut schlichtweg abgesoffen waren. Und selbst die Dramatik derjenigen, die auf Dächern ausharren mussten, bis sie vor der Flut gerettet wurden, war nicht weniger schlimm. Es war unübersichtlich, chaotisch, berührend und niederstreckend, wie sehr der Mensch den Naturgewalten hilflos ausgeliefert war. Seit heute hat die Flutkatastrophe eine höhere Dimension angenommen: die Katastrophe ist in unserem Freundeskreis angekommen. Der Bruder unseres Freundes, der in Swisttal-Odendorf wohnt, ist von der Flut heimgesucht worden. Die Swist, ein normalerweise friedlich vor sich herplätschernder Bach, hatte riesige Wassermassen mit sich geführt. Das Erdgeschoss der Wohnung – es handelt sich um eine Mietwohnung – war überflutet worden. So ungefähr alles war im Keller und im Erdgeschoss unbrauchbar geworden – Einbauküche, Möbel, Hausrat und so weiter. Im Keller stand das Elektromobil, das uns der Bruder unseres Freundes abgekauft hatte. Das Haus ist zu begutachten, ob es abgerissen werden muss oder weiter bewohnbar ist. Das Erdgeschoss wird komplett zu renovieren sein, alle Bodenbeläge raus, Fliesen raus, Tapete runter, Wände neu verputzen, eine Riesenmasse an Arbeit. Einstweilen sollte der Bruder unseres Freundes bei Freunden in Rheinbach unterkommen. Das zu verdauen, fiel uns unsagbar schwer.

19. Juli 2021


Nach zwei Wochen war heute so ein erster Tag, an dem wir die Erledigungen und To do’s hinter uns lassen sollten und auf einen Urlaubsmodus umschwenken konnten. Ich sollte unsere Tochter zum Freizeitpark Toverland in den Niederlanden fahren, wo sie sich mit zwei Freunden, die sie über das Internet kennen gelernt hatte, und deren Eltern treffen wollte. Ich nahm meinen Schwager mit, wir beiden wollten nicht in den Freizeitpark, sondern die Nähe des Freizeitparks bei Venlo wollten wir für einen Besuch meiner Familie im nördlichen Kreis Heinsberg nutzen. Dabei sollte die Strecke über Roermond führen, wo ich ganze 19 Jahre nicht mehr gewesen war. Ich war gespannt auf die Stadt am Zusammenfluss von Rur und Maas, die ich Anfang der 1980er Jahre regelmäßig und häufig besucht hatte. Die Stadt hate vieles von diesem typisch niederländischen Flair, wofür ich unser Nachbarland so sehr schätzte: große Plätze, viele Cafés, Freiheit, Offenheit, Toleranz, alte Bausubstanz, alte Kirchen und die Verbindung von neuem, offenen Denken mit alter Tradition. Wir parkten in der Voorstad St. Jacob, wo wir die Muschel des Jakobsweges entdeckten und daraus schlussfolgerten, dass Roermond ein Pilgerort auf dem Jakobsweg war. Wir überquerten die steinerne Brücke über die Rur aus dem Jahr 1771, und am Beginn der Fußgängerzone weckte der Käseladen, wo ich früher sehr gerne und sehr oft Käse aus der Region gekauft hatte, Erinnerungen. Wir schlenderten vorbei an einem Kaufmannshaus mit Treppengiebeln aus dem 16. Jahrhundert, und ein kurzes Stück weiter beeindruckte uns der Marktplatz mit dem Rathaus aus dem Jahr 1700. Wir spazierten durch die Fußgängerzone, wo Montags um die Mittagszeit die meisten Geschäfte noch geschlossen waren. Der nächste große Platz war der Münsterplatz mit der Münsterkirche aus dem 13. Jahrhundert. Das Prunkgrab der Stifter Graf Gerhard IV. von Geldern und seiner Gattin Margaretha von Brabant konnten wir im Inneren der Kirche nicht besichtigen, weil das Innere durch ein Eisengitter verschlossen war. Anschließend aßen wir auf dem Münsterplatz auf niederländische Art und Weise, indem wir jeweils zwei Frikandellen mit Fritten und Mayonnaise aßen. Dass die Niederländer von Corona nichts wissen wollten, das merkte ich auf dem Gang zur Toilette, da weder drinnen noch draußen niemand eine Maske trug. Dasselbe Bild sahen wir in den Geschäften auf dem Rückweg zum Marktplatz, wo der bei uns so gebräuchliche Mund- und Nasenschutz vollkommen ausgedient hatte. Spätestens auf dem Marktplatz stellte sich ein Urlaubsgefühl ein, weil die Umgebung so anders geartet war und die deutschen, starren Strukturen so weit weg lagen. Wir nahmen Platz im Außenbereich eines Cafés im Schatten der Kathedrale St. Christophorus aus dem 15. Jahrhunderts. Der belfriedähnliche Turm ragte hoch hinauf, und wir tranken Trappistenbier und ein Mineralwasser. Musik aus den 1970er und 1980er Jahren tönte aus Lautsprechern, die ich früher auf Hilversum 3 rauf und runter gehört hatte. Ich atmete die Weite ein auf diesem großzügigen, ausladenden Platz mitten in der Stadt, den die Gastronomie fest im Griff hatte. Geschäfte suchte man vergeblich, und jedermann und jederfrau traf sich und saß zusammen. Nachdem der Schwager das erste Mal in seinem Leben ein Trappistenbier getrunken hatte, verließen wir die Glückseligkeit dieses Platzes und kehrten zu unserem Auto zurück. Als wir Roermond in Richtung Wassenberg verließen, erkannte ich die Stadt in ihrer östlichen Peripherie nach 19-jähriger Abwesenheit kaum noch wieder, so sehr waren die Industriegebiete ins Uferlose gewachsen. Rund zwei Stunden verbrachten wir mit der Mama und Bruder im Elternhaus, und anschließend wollte ich es mir auf dem Rückweg zum Freizeitpark Toverland nicht nehmen lassen, nach einer ähnlich langen Abwesenheit das Städtchen Brüggen auf deutscher Seite wiederzusehen. Das Städtchen war klein, hübsch, beschaulich, fein herausgeputzt mit seinem Bollwerk von Burg. Es gab einige gemütliche Ecken mit Cafés und Kneipen, und das rostbraune Ziegelmauerwerk verkörperte so etwas wie den Wesenskern einer niederrheinischen Kleinstadt. Aber die Freiheit und Weite, die ich in Roermond geatmet hatte, kam nicht annähernd an die niederländische Stadt heran. Wir tranken Kaffee und aßen Kuchen im Burg-Café, was erneut ein Stückchen Urlaubsgefühle aufkommen ließ. Gegen 17 Uhr verließen wir Brüggen und wir kehrten zurück in die Niederlande, über den früheren Grenzübergang bei Swalmen, rechtzeitig genug, um unsere Tochter am Freizeitpark Toverland wieder einzusammeln.

20. Juli 2021


Nachdem ich am Vortag ein Stückchen Urlaub genossen hatte, folgte die heiß ersehnte Tour an die Mosel. In Alken wollte ich mich mit Wein eingedeckt haben, anschließend waren wir um 17 Uhr mit Freunden in Winningen verabredet. Dazu fuhren wir ziemlich spät los, das Mittagessen war längst vorbei, und kamen vor dem Dreieck Bad Neuenahr prompt in einen dicken Stau hinein. Nichtsdestotrotz hielt die Zeitschiene, die wir anvisiert hatten. Kurz vor halb vier kamen wir im Burg-Café in Alken an, um 16 Uhr betraten wir den Innenhof des Weingutes Löhr. Dort kauften wir jeweils einen Sechser-Karton Riesling aus den Schieferterrassen, Pinot Blanc, Chardonnay, Rotling und Weißherbst. Die Mosel entlang, kamen wir um 16.45 Uhr bei unseren Freunden in Winningen an. Genau zwölf Jahre hatten wir uns persönlich nicht mehr gesehen und dazwischen lagen eine pflegebedürftige Mutter und eine zwei Jahre ältere Schwester, die blind war und an Parkinson litt. Im Frühjahr war die weit über 90-jährige Mutter gestorben, was nun etwas Luft verschaffte, uns nach so langer Zeit wiederzusehen. An der Mosel gelegen, ist Winningen ein hübscher Weinort mit Weinstöcken, die sich über die Straßen ranken, mit hübschen Fachwerkhäusern und mit Resten einer mittelalterlichen Stadtbefestigung. Nachdem die Schwester versorgt war, bummelten wir durch den Ort auf der Suche nach einem gemütlichen Lokal, um etwas zu essen. Wir bummelten vorbei an dem Geburtshaus von August Horch, wozu ich eine Gedenktafel in Köln-Ehrenfeld in Erinnerung hatte. Horch, der spätere Gründer der AUDI-Werke, hatte in einem Hinterhof in Köln-Ehrenfeld an Autos herumgeschraubt. Wir bummelten vorbei an dem Fronhof unterhalb des Bahndamms, wo in dem Restaurant kein Platz mehr verfügbar war, weil wir hätten reservieren müssen. Auf dem zentralen Platz, dem Weinhof, lernte ich, das Hexen das Ortsbild maßgeblich gestaltet hatten. Es gab eine Hexenprinzessin, eine Weinhex und einen Hexenbrunnen. Dazu erzählte uns unser Freund, dass erwiesenermaßen in Winningen Hexen verbrannt worden waren. Daran erinnerte in den Weinbergen ein Denkmal. Des weiteren lernten wir, dass Winningen eine evangelische Enklave innerhalb des Erzbistums Trier war. Moselab- und -aufwärts bis nach Koblenz war alles katholisch, und in der Reformationszeit war der Fürst oder Graf von Winningen zum evangelischen Glauben herüber gewechselt, was danach auch so geblieben war. Die Entscheidung, wo wir essen wollten, fiel uns schwer. Ursprünglich hatte ich selbst das Weinhaus Hoffnung vorgeschlagen, wo wir gegessen hatten, als unsere großen Kinder noch klein gewesen waren. Einladender sah allerdings ein Lokal in der Nähe des Weinhofes aus, wo sich jede Menge Fachwerkhäuser zusammenscharten. Bei dem Lokal, wofür ich mich entschied, handelte es sich um einen Schnellimbiss, was sich als eine schlechte Auswahl herausstellen sollte. Schleppend wurden wir bedient, und das Essen schmeckte überhaupt nicht. Meine Currywurst schmeckte nicht nach Currywurst, sondern mehr nach Bratwurst. Meine Frau meinte, es sei das schlechteste Jägerschnitzel, das sie jemals gegessen hatte. Der Redebedarf war nach dem Tod der Mutter hoch, weil die Konstellation der Erbverteilung nach dem Tod der Mutter ein bißchen, aber nur ein kleines bißchen mit derjenigen bei meiner Frau und meinem Schwager vergleichbar war. Dazu hatten wir jede Menge bürokratische Horrorgeschichten zu erzählen über das Amtsgericht, den Ergänzungsbetreuer und den Landschaftsverband. Aktuell stand ein Termin mit einem Rechtsanwalt an zur rechtlichen Bewertung der Erbverteilung. Wie nicht anders zu erwarten war, war die Zeit, miteinander zu reden, viel zu kurz geraten. Als es noch ein wenig hell war, verabschiedeten wir uns am Haus unserer Freunde, das dicht an die Weinberge grenzte. Da die Strecke aus dem Moseltal zur Autobahn kurvenreich und unübersichtlich war, war ich froh, mit dem Auto ein Stück im Hellen fahren zu können.

21. Juli 2021


Morgens frühstücken im Eiscafé, abends Kasalla im Kulturgarten. Dieser Urlaubstag war geprägt von zwei wichtigen Ereignissen, davon geschah das eine morgens und das andere abends. Zum Frühstück waren wir verabredet mit einem Freund, den wir zu meinem Geburtstagsessen nach vier Jahren wieder gesehen hatten. Uns mit ihm ausführlicher zu unterhalten, das wollten wir nun bei einem Frühstück nachholen. Wir redeten über sein Rentnerdasein, über seine Arbeit vor dem Rentnerdasein, über sein Ehrenamt, über unsere frühere beste Freundin und darüber, was er in seiner Freizeit unternahm. In den Ruhestand zu gehen, war in seiner Firma gar nicht so einfach. Mit 63 Jahren war er in den Ruhestand gegangen, und sein Arbeitgeber bot weder Altersteilzeit noch einen engagierten Ruhestand an. Die Arbeitsverdichtung und die Belastung hatten über die Jahre stetig zugenommen. Als Team waren alle aufeinander angewiesen, dabei war es schwierig, den Ausfall nur eines Kollegen aufzufangen. Vor einigen Jahren hatte er einen Gehörsturz erlitten, und zum Schluss war er froh, in den Ruhestand gehen zu können, weil er den Dauerstress nicht mehr aushalten konnte. Wie so viele Rentner, war er dauernd unterwegs. In einem Pflegeheim, wo er stundenweise eine bestimmte Person betreute, war er ehrenamtlich tätig. Daneben war er viel zu Freunden unterwegs, er wanderte aber auch gerne oder fuhr mit dem Fahrrad. Zuletzt hatte er eine Tour die Mosel entlang gemacht. Wir redeten auch über unsere frühere beste Freundin. Ihr war nach dem Tod eines Freundes, mit dem ich in früheren Zeiten gemeinsame Radtouren unternommen hatte, seine Fotosammlung überlassen worden. Aus dieser Fotosammlung hatte sie Filme früherer Radtouren mit Fotoserien hergestellt. Zwischen uns und der Freundin war es zum Zerwürfnis gekommen, nachdem sie die Organisation der Erstkommunion unserer Tochter an sich gerissen hatte. Nun hatte sie die Fotosammlung an sich gerissen, zum Jahrgedächtnis des Freundes war sie auf Tour durch Norddeutschland gegangen und hatte den USB-Stick mit den Filmen unters Volk gebracht. Ein Zerwürfnis hatte es auch mit dem Freund gegeben, mit dem wir heute frühstückten, als dieser sich ihren Wünschen bei der Organisation einer Wanderung nicht fügen wollte. Abends stand das nächste wichtige Ereignis an, das war das Konzert von Kasalla im Kulturgarten neben dem Römerbad. Am meisten überzeugten mich all diejenigen Stücke, die man nicht mit dem Karneval verband. Stück wie „Pirate“, „de Stad met K“ oder „alle Jläser huh“, die zum Mitsingen waren, waren gut, aber die Qualität war noch steigerungsfähig bei unbekannteren Stücken wie „Dausend Lääve“, „Scheißegal“ oder „Pommes und Champagner“. Genauso stimmte das Corona-konforme Konzept eines Open-Air-Konzertes in der Anordnung von Biertischen in ausreichendem Abstand, wo man sich hinsetzen konnte und auch bewirtet wurde. Wir sangen mit, wir klatschten und ließen uns mitreißen von der volksfestähnlichen Atmosphäre. Es war ein schöner Abend mit Kasalla.

22. Juli 2021


Ein ungewöhnlicher Tag zeichnete sich ab, als unsere Tochter ganz früh auf den Beinen war. Im Urlaub wollten wir ausschlafen und blieben bis gegen 9 Uhr im Bett liegen, indes war der Tisch in der Essecke zum Frühstücken bereits gedeckt. Nachdem wir uns aus unseren Betten erhoben hatten und den angebrochenen neuen Tag noch nicht so wirklich wahrgenommen hatten, lenkte unsere Tochter uns auf ihr Hauptanliegen: sie wollte nach Dortmund. Sie wollte den Jungen besuchen, den sie in dem Freizeitpark Toverland in den Niederlanden kennengelernt hatte, und der wohnte in Dortmund. Es folgte eine längere Diskussion, ob es den Eltern Recht sei, wie sie denn nach Dortmund gelangen wollte, wie wir unseren Tag verplant hatten und ob sie das, was sie erledigen sollte, auch erledigt hätte. Unter anderem hatten wir mit unserem Kater Jumbo um 11.30 Uhr einen Termin bei der Tierärztin wegen einer kahlen Stelle neben seinem rechten Ohr. Um die Mittagszeit, nachdem die Tierärztin unseren Kater begutachtet hatte, telefonierte ich mit dem Vater des Jungen. Extra, um mit ihm telefonieren zu können, hatte er seine Motorradtour abgebrochen, was eine Indikation war für die Bedeutung dieses Besuchs. Ja, unsere Tochter könne gerne vorbei schauen, sie könne auch über das Wochenende übernachten und sie sei herzlich willkommen. Wir ließen uns den Weg erklären und vereinbarten, dass wir irgendwann nach dem Mittagessen mit dem Auto losfahren wollten. Eine große Hürde war die verstopfte Autobahn A3 mit 15 Kilometern Stau bis Leverkusen, so dass wir uns durch die Kölner Innenstadt quälten und das Stadtgebiet von Köln über die Autobahnen A57 und A1 Köln wieder verließen. Später lotste uns das Navi auf dem Handy meiner Frau sicher an den Stadtrand von Dortmund, wo der Junge mit seiner Familie wohnte. Auf der Gartenterrasse begrüßte uns seine Familie, das waren sein Vater, mit dem ich telefoniert hatte, seine Stiefmutter und seine Stiefschwester. Wir alle waren überrascht vor dieser Spontanaktion. Der ungewöhnliche Tag hatte genauso seinen Lauf genommen im Haushalt des Jungen am Stadtrand von Dortmund. Zu ungewöhnlich früher Zeit war er aufgestanden, und selbstständig, ohne dass man ihn auffordern musste, hatte er sein Zimmer aufgeräumt. Er hatte sogar staubgewischt, was sonst nie bei ihm vorkam. Der Vater erläuterte uns die geografische Lage, wo sie wohnten. Das war genau am Stadtrand von Dortmund, ein paar Straßen weiter begann der Kreis Unna und dahinter der Stadtkreis Hagen. Die Landschaft war hügelig und schwoll nach Süden hin an zu den Hängen des Sauerlandes. Locker kamen wir ins Gespräch und der Vater erzählte, dass er ursprünglich Dachdecker gelernt hatte und derzeit in einem Bildungszentrum arbeitete, das Fortbildungen für eine Reihe von Berufsgruppen anbot – so handwerkliche Berufe oder Pflegeberufe. Als gelernter Dachdecker hatte er den Dachstuhl erneuert, aber die Renovierung des Schlafzimmers im Dachgeschoss scheiterte momentan daran, dass noch kein Estrich verlegt war. Einige Tassen Kaffee und aufgebackene Zimtschnecken aus dem Gefrierschrank führten die beiden Familien zusammen, dessen Erstaunen vor dieser spontanen Aktion groß war. Während die beiden 16-jährigen Teenager im Zimmer des Jungen verschwanden, erzählte der Vater vom Haken an der Hausfassade. Dies beruhte wiederum auf einer Erzählung seines Vaters, er könne an seinem Sohn einen Haken machen. Damit meinte er bei seinem ältesten Sohn, der drei weitere Geschwister hatte, dass er seine Berufsausbildung abgeschlossen hatte und Geld verdiente. Dieser befand diese Begrifflichkeit für merkwürdig und unpassend und änderte dieses auf seine Denkweise ab. Er verband den Haken nicht mit seiner Berufsausbildung, sondern mit dem Haus, um seiner Familie ein Dach über den Kopf und Platz zum Wohnen bieten zu können. Als dieses Haus fertig war, kennzeichnete er es auf der Hausfassade mit einem Haken. Aus dem ganzen Stadtteil von Dortmund, wo er wohnte, war er auf die Bedeutung des Hakens angesprochen worden. Bevor wir dieses Haus verließen und unsere Tochter mit seinem Sohn zurückließen, machte er ein attraktives Angebot. Anstelle unsere Tochter aus Dortmund abzuholen, schlug er vor, sie am Sonntagnachmittag zu uns nach Hause zurück zu bringen. Gerne stimmten wir dem Vorschlag zu, was uns eine Fahrzeit von rund drei Stunden ersparen würde.

23. Juli 2021


Ein Tag zum Luftholen, nachdem sich ein Urlaubsgefühl endlich eingestellt hatte. So einiges hatten wir unternommen, was den Kopf frei geschaufelt hatte und den Alltag beiseite geschoben hatte. Nun mussten wir ein paar Erledigungen und unsere Wocheneinkäufe unterbringen. Lange waren wir im Bett liegen geblieben, beim Frühstück hatten wir uns verquasselt, und aus Sicht von meiner Frau waren wir viel zu spät in die Gänge gekommen. Jetzt losfahren oder nie, diese Alternativen stellte sie mir zur Wahl, und so fuhren wir um die Mittagszeit los zu unseren Wocheneinkäufen bei real im HUMA-Einkaufszentrum. Die Einkaufswerte in unserem Einkaufswagen hatten wir so getrennt, dass zweimal einhundert Euro zusammenkamen, um je Einhundert-Euro-Einkauf einen 10 Euro-Einkaufsgutschein zu erhalten. Das klappte nicht ganz, weil wir das abzuziehende Pfand nicht einkalkuliert hatten. Dies glich sich aber dadurch aus, dass ein T-Shirt von 17 Euro beim Einscannen vergessen worden war. Anschließend stöberten wir bei TKMaxx nach Hausrat für die WG herum und fanden eine Badezimmermatte, eine Kühltasche in der Form eines Trolleys, ein Vierer-Set von Rührschüsseln, dazu ein weiteres T-Shirt. Zu Mittag aßen wir in unserem Lieblings-Imbiss, dem thailändischen Imbiss. Dabei mussten wir allerdings hin- und herlaufen, da es denselben thailändischen Imbiss zweimal gab, das eine Mal in der Nähe von Saturn und das andere Mal in einer gastronomischen Ecke zwischen weiteren Imbissen. Zunächst wanderten wir in die gastronomische Ecke, wo diverse Imbisse – so ein indischer Imbiss – erst gar nicht geöffnet hatten. Wir mutmaßten, dass die Schließung infolge Corona ihnen den Rest bereitet hatte. Wegen des hohen Andrangs marschierten wir zurück zu den anderen thailändischen Imbiss. Dort war aber kein Platz mehr frei, so dass wir dann doch in der gastronomischen Ecke zu Mittag aßen. Da die Portionen mächtig waren, teilte ich mit meiner Frau Hühnerfleisch mit Reis, Gemüse und einer dunklen Soße. Als wir nach Hause fuhren, regnete es kräftig. Wir bangten und hofften, dass diese Regenfälle nicht zu neuen Überschwemmungen in den Hochwassergebieten führen würden.

24. Juli 2021


Im Gasthaus einkehren, solange wir es noch können. Die Angst vor einem neuen Lockdown sitzt tief. Die Inzidenzzahlen werden steil ansteigen in den nächsten Wochen, das ist die Prognose. Die Politiker werden mit Wahlkampf beschäftigt sein, und bei den steigenden Infektionszahlen wird ihnen nichts besseres einfallen als auf Wieler & Co zu hören und die Gastronomie wieder zu schließen. Es könnten also schlimme Zeiten bevorstehen mit einem Lockdown, der ein halbes Jahr oder länger dauern könnte. Solingen war in NRW ein Vorreiter, in welche Richtung es gehen kann. Die Inzidenz lag bei 67, und die Innengastronomie musste wieder schließen. Sollte die Inzidenz dann durch die Decke schießen, wie es im Herbst kommen wird, wird die Schar derjenigen, die den Empfehlungen des RKI folgen, dementsprechend groß sein. Also in die Kneipenvielfalt eintauchen, solange es noch möglich ist. Da wir im Urlaub nicht weggefahren waren, nicht einmal zu unserer Tochter ins Markgräfler Land, erkundeten wir alternativ unsere heimische Gastronomie. Bei den Überlegungen, welches Lokal wir auswählen sollten, stellten wir fest, dass uns einige Restaurants vollkommen unbekannt waren. So hatten wir zwar im Restaurant „Alt Bergheim“ zwei Orte weiter draußen etwas getrunken, wir waren aber noch nicht im Inneren des Restaurants gewesen. Die Speisekarte war ziemlich kurz und knapp geraten, es reichte aber für eine Currywurst und ein Jägerschnitzel. Im Inneren war die komplette Möblierung aus Holz, Tische, Stühle und auch die Theke. Da im Rhein-Sieg-Kreis noch die Inzidenzstufe Null galt, bewegten sich im Inneren alle Gäste und auch die Kellner ohne Maske vorwärts. Die Theke wurde von Gästen frequentiert, und an dem großen Holztisch neben dem Eingang spielte eine größere Gruppe junger Männer ein Kartenspiel, bei dem Jetons angehäuft wurden, das Poker hätte sein können. Im Inneren der Gaststätte herrschte ein Normalzustand jenseits von Corona, den wir uns alle so sehr wünschten. Doch die Inzidenzen von Solingen waren womöglich nur einige Wochen entfernt. Trotz der hohen Impfrate und all der ständigen, nicht nachlassenden und nachhaltigen Appelle, sich impfen zu lassen.

25. Juli 2021


Ein ganz besonderer Besuch aus Dortmund erwartete uns heute. Unsere Tochter würde von dort zurück gebracht werden. Das bedeutete zunächst, dass wir aufräumen mussten und ein paar Bereiche in unserem Haus putzen mussten. Zu zweit beackerten wir mit Staubsauger, Putzeimer und Aufnehmer zwei Badezimmer, Flur, Küche und Wohnzimmer, wobei im Wohnzimmer noch einige Wäschekörbe, etwas Hausrat aus dem Haus des verstorbenen Schwiegervaters, diverse Aktenordner und Schriftstücke stehen blieben. Wir bekamen es aber hin, den Wohnzimmertisch deutlich übersichtlicher zu gestalten. Vieles von dem, was herum lag, verschwand, so dass wir uns mit mehreren Personen dort wieder hinsetzen konnten. Aus unserem Gefrierschrank tauten wir die Kuchenstücke einer bunte Sahne-Platte auf. Die Kaffeemaschine war startklar, als der Besuch aus Dortmund auf der Autobahn noch eine halbe Stunde von uns entfernt war. Es knisterte und die Spannung stieg. Als der Skoda-SUV ankam, sah es so aus, als wären die beiden 16-jährigen Teenager ein Paar. Sofort nahm unsere 16-jährige verliebte Tochter, die ein Anime-T-Shirt ihres Florian trug, ihn auf ihr Zimmer mit. Derweil quasselten wir dies und das mit dem Vater des Jungen, wir überflogen die Themen, die uns bewegten, und aßen Kuchen und tranken Kaffee dabei. Nicht ganz eine Stunde verweilten die Dortmunder bei uns und der Abschied fiel verdammt schwer. Beim Freund unserer Tochter stand in acht Tagen der Motorrad-Führerschein an, wofür noch so einiges zu lernen war. Das sollte seine nächste Aufgabe sein, die er konzentriert angehen sollte.

26. Juli 2021


Die Tage, an denen man aus dem Urlaub zurückkehrt und den ersten Tag im Büro verbringt, sind ganz besondere Tage. Der Wechsel vom Urlaubsmodus, den ich eigentlich erst in der dritten Urlaubswoche gefunden habe, auf den Arbeitsmodus im Büro fällt besonders schwer. Die Erinnerungen sind schwach an all die Themen, die ich vor meinem Urlaub beackert habe. Den Hebel umzulegen, dagegen sperrt sich mein Kopf. Dort schwirrt alles mögliche andere herum als Formeln, Berechnungen, Excel-Tabellen oder Zahlenwerke. Glücklicherweise ist die Arbeitslast an diesem Tag gering, und mein Chef zeigt bei der Rücksprache Verständnis dafür, dass ich mich orientieren muss und in die Zahlenwelten neu hinein denken muss. So lasse ich es langsam angehen. Die Ruhe nutze ich, indem ich das Großraumbüro einigermaßen früh verlasse. Halb dienstlich und halb privat arbeite ich im Café Extrablatt weiter. Das WLAN, worüber das Café Extrablatt verfügt, ist eine feine Sache. Dienstlich bin ich Online, und auch privat kann ich im Internet recherchieren. Das ist produktiv, entspannend und aufmunternd zugleich. Ein idealer Übergang vom Urlaubs- in den Arbeitsmodus.

27. Juli 2021


Hier und da Geschäftsaufgaben, da und dort Leerstände, hin und wieder Insolvenzen. In der Fußgängerzone ist es unstrittig, dass Corona seine Spuren wirtschaftlichen Ruins hinterlassen hat. Bauzäune umgeben das einstige Karstadt-Warenhaus. Die Insolvenz des Karstadt-Kaufhof-Konzerns konnte zwar abgewendet werden, das Warenhaus von Karstadt musste aber geschlossen werden; dieses wird nun umgebaut. Ähnlich trist sieht das Vollmer-Schmuckgeschäft auf dem Kaiserplatz aus. Man könnte dies auch als Verwahrlosung bezeichnen, da die Schmierereien dem Gebäude übel zugesetzt haben. Die Rolläden sind herunter gelassen, und die 110-Sprayer, die im ganzen Stadtgebiet ihr Unwesen treiben, haben ihren fetten und häßlichen Fußabdruck hinterlassen. Die bummelnden Passanten wenden sich ab von dem häßlichen Fleck. Erleben wir auch hier den wirtschaftlichen Ruin ? Die Antwort ist ein klares Nein, da der Geschäftsinhaber diese Filiale an seinen Sohn übergeben hat. Und der hat eine ungewöhnliche Idee: es soll kein Schmuck mehr verkauft werden, sondern Hochprozentiges. Ein sogenanntes Gin-Lab soll dort einziehen. In einer Destillierie können sich die Kunden ihren Gin nach ihrer persönlichen Rezeptur zusammenstellen, eine innovative und neuartige Idee mit einer eigenen Außengastronomie. Herausgeputzt und herauspoliert, wird diese Immobilie dann nicht mehr wiederzuerkennen sein.

28. Juli 2021


Es ist schon gewaltig, was unser Kater Oskar in diesen Tagen zu durchleiden hat. Oskar leidet an seinen Zähnen, von denen ihm vor rund zwei Jahren einige gezogen worden waren. Nun sind es wieder die Zähne. Sie sind entzündet, und das Zahnfleisch ist angeschwollen, das hat die Tierärztin zuletzt festgestellt. Oskar fraß nur noch wenig, fast nur noch Trockenfutter. Ein wenig fraß er noch von seinem Lieblingsfutter „Wildes Land“, und das in kleineren Portionen. So hatte meine Frau einen Termin mit ihm bei unserer Tierärztin gemacht. Zwei Zähne hatte er noch, und diese wurden ihm nunmehr auch noch gezogen. Als „zahnlosen Tiger“ hatte ihn meine Frau danach bezeichnet. Für mich war der „zahnlose Tiger“ eine Schreckensvision, weil ich mir ein Tier vollkommen ohne Zähne gar nicht vorstellen konnte. Zahnersatz für Katzen, das lag ebenso außerhalb meiner Vorstellungskraft. Er frisst aber jetzt wieder regelmäßig. „Wildes Land“ und „Mjam-Mjam“ in etwas größeren Portionen, zuletzt hat er sogar Trockenfutter ohne Zähne geschafft. Seine Zahnschmerzen dürfte er aber in jedem Fall losgeworden sein, was ihm wiederum mehr Lebensqualität bieten dürfte.

29. Juli 2021


Der Marktplatz ausnahmsweise literarisch. Gewohnt nehme ich ihn wahr als Markt, auf dem Obst und Gemüse angeboten werden, mit der Buchhandlung Thalia, wo ich gerne herum schmökere, oder einfach als optischer Blickfang mit dem barocken Rathaus, wo in Bundeshauptstadtzeiten die Staatsgäste sich repräsentierten. In die Literaturgeschichte ist dieser Marktplatz eingegangen in seiner dreieckigen Form, wobei ich allerdings genau hinschauen muss, wo diese dreieckige Form genau zu finden ist. In einer spitzen Form läuft der Marktplatz sicher auf die Sternengasse zu, aber die beiden anderen Enden der Dreiecke ? Der Schriftsteller Wilhelm Schmidtbonn hat dies sicherlich einiges pragmatischer gesehen. Ein hoher Bekanntheitsgrad oder eine hohe schriftstellerische Bedeutung blieb ihm sicherlich versagt, aber in seinem künstlerischen Schaffen blieb er bodenständig und er hatte auch ein breites Spektrum an Theaterstücken, Romanen, Novellen und Gedichte zu schreiben. Enge Freundschaften pflegte er zu August Macke und Stefan Zweig. Sein Hauptwerk „Der dreieckige Marktplatz“, wofür er bis heute in seiner Heimatstadt bekannt ist, erschien im Jahr 1935. Die Geschichte blickt zurück in die Vergangenheit des deutsch-französischen Krieges 1870/71. Auf dem Marktplatz betrieben zwei unzertrennliche Freunde ein Polstergeschäft. Auf der anderen Seite des Marktplatzes arbeitet ein 20-jähriges Waisenkind in einem anderen Geschäft. Die Zeiten ändern sich, als der eine Freund, kräftig und groß gewachsen, als Husar in den deutsch-französischen Krieg zieht, während der andere Freund, schmächtig und klein gebaut, an der Heimatfront bleibt und sich prompt in das Waisenkind verliebt. Als der Husar verwundet aus dem Krieg zurückkehrt, kommt es zum Zerwürfnis zwischen den beiden Freunden. Aber wie es so oft geschieht, wenn man lange miteinander verbunden ist, arrangieren sich die beiden wieder in ihrem gemeinsamen Geschäft, dass die nach Kriegsende weiter betreiben. Wie Schmidtbonn die Zeiten des Nationalsozialismus hat über sich ergehen lassen, davon ist nichts bis wenig zu lesen. 1952 stirbt er, während seine Frau ihn bis 1967 überlebt. Im Lichtschein des Sonnenlichtes läßt sich das Dreieck auf dem Marktplatz schlecht zusammen bauen. Die Lichtreflexe des Sonnenlichtes am Morgen schieben sich quer über den Platz. Den nicht dreieckigen Platz belagern Schäfchenwolken über einem stahlblauen Himmel, der hellen Optimismus verbreitet.

30. Juli 2021


So wie vielerorts am Wegesrand, grünt und blüht es in einer größeren Intensität als in den vergangenen Jahren. Trockenheit und Dürre sind im Sommer ausgeblieben, und so kann man die Vielfalt von Stauden und Wildpflanzen auf Freiflächen bewundern. Besonders schön macht sich die Schafgarbe, die dem Rand des Industriegebietes einen naturbelassenen und seltenen Charakter verleiht. Eine Wiese und ein Maisfeld erstreckt sich bis zu dem zartgelben Kasten eines Betriebes, der Gartengeräte vertreibt und wartet. Nachdem die Wiese über all die Jahre im Verlauf der Jahreszeiten vor sich hergewachsen ist, hat sich nun in einer üppigen Art und Weise die Schafgarbe ausgebreitet. Die weißen Blüten verdichten sich mit ihrem Netzwerk von weißen Punkten, sie sammeln sich, wogen auf und ab und wechseln sich ab mit den gelben Blüten einer andersartigen Staude. Angeblich war die Schafgarbe in der Antike bereits Achilles bekannt, der damit die Wunden seiner Krieger geheilt haben soll. So zumindest wird häufig der botanische Name der gewöhnlichen Schafgarbe hergeleitet – Achillea millefolium. Der deutsche Name soll daher kommen, dass sie gerne von Schafen gefressen wird. Die heilende Wirkung bezieht sich aber nicht nur auf eine Wundversorgung. Wie andere Kräuter, ist die Schafgarbe reich an Mineralien. Kampfer, Gerb- und Bitterstoffe fördern die Verdauung, regen die Galle an und sollen Leberentzündungen lindern. Die Schafgarbe gibt somit nicht nur optisch etwas her, ihre heilenden Wirkungen sind so ziemlich vielfältig. Während der Sommermonate verschönert sie die Wiese übrigens über eine längere Zeitspanne. Ist die Witterung, wie in diesem Jahr, durchgängig über mehrere Monate feucht, dann kann sie von Mai bis in den August oder September blühen. Ein seltenes und intensives Beisammensein von Industrieflächen und Natur.

31. Juli 2021


In unserem Garten geht es mehr oder weniger drunter und drüber, da meine Frau allzu sehr von der 3er-WG beansprucht wird. Es sind keine Gurken ausgetrieben, weil der Samen in den Setzkästen ausgetrocknet ist. Über den Kohlrabi haben sich die Schnecken hergemacht, die Setzlinge von Erbsen haben die Vögel ausgepickt. Der Kopfsalat ist geschossen, weil wir soviel Salat auf einmal nicht essen konnten. Weitere Tomaten, Porree und Blumenkohl haben wir nicht ausgepflanzt, weil ich mit der Gartenarbeit nicht nachgekommen bin. Die Stangenbohnen konnten wir nicht pflanzen, weil unser Nachbar seine Sträucher auf unserer Gartenseite nicht geschnitten hat. So können wir auf all unseren Beeten und Hochbeeten nicht allzu viel ernten. Dazu kommt, dass Kürbisse wuchern, was das Zeug hält. Anfangs fand ich es schön, dass wir eine größere Anzahl von diesen dicken, runden Früchten ernten würden. Aber dass sie bald große Teile unseres Gartens überwuchern würden, das hatte ich nicht für möglich gehalten. Nun überdecken sie unsere Zucchini, die kaum Früchte bildet, und auch unseren Spitzkohl. Und die sich ausbreitenden Kürbisgewächse versperren den Weg zu den Hochbeeten mit den Zucchinis. Die versperrten Wege freizuschneiden, wird einigen Aufwand kosten. Was alles im Garten zu machen und zu tun ist, wächst über den Kopf. Es ist viel zu viel zu tun als freie Zeit dafür zur Verfügung steht.


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