Tagebuch Juli 2020

1. Juli 2020


Danke für alle lieben Glückwünsche zu meinem Geburtstag. Zuerst kam Corona, und danach hätte ich niemals zu träumen gewagt, welche Rahmenbedingungen den Geburtstag in diesem Jahr bestimmen. Kein Büroalltag tagsüber, keine Glückwünsche von Arbeitskollegen im Großraumbüro, anstatt dessen Gefäßtraining und Stretching, Gymnastik mit dem Ball und medizinisches Aufbautraining, Fahrradtrainer und eine Hydrojet-Massage sowie eine Runde auf dem Laufband. Während ich mich auf meinem Geburtstag hinter den Therapieplänen in der Reha versteckt habe, bin ich per SMS, telefonisch und über Facebook mit Glückwünschen zum Geburtstag überhäuft worden. Ich bin überzeugt davon, dass alles gut wird. Tagsüber haben sich die Therapeuten in der Reha bemüht, meine körperliche Fitness zu verbessern. Abends habe ich von der Reha abgeschaltet und bin in unserem Ort im Restaurant „Zur Alten Post“ essen gegangen. Den Ernährungsexperten in der Reha dürften sich die Haare gesträubt haben, als ich das Hirtensteak, gefüllt mit Schafskäse und mit Fritten als Beilage, genossen habe. Für einen Abend lang habe ich vergessen, dass sich der LPL-Cholesterinwert verschlechtert hat, dass Transfette womöglich zu Ablagerungen in den Blutgefäßen führen und dass ich jede Menge schädliche gesättigte Fettsäuren zu mir genommen habe. Und zu Hause ist mein ungesunder Lebensstil noch steigerungsfähig: ich habe zwei Flaschen Rosé-Wein im Kühlschrank kalt gestellt, die ich mir gemeinsam mit meiner Frau zum Geburtstag genehmigen werde.

2. Juli 2020


Das kurze Verweilen im Bistrot Balance in der Sieg Reha Hennef – Zeit, um den Tagesablauf zu überfliegen. Jeder bekommt Tag für Tag seinen Therapieplan, der mal dicht gedrängelt, mal etwas großzügiger den Tagesplan umreißt. Ab neun Uhr beginnen die Therapieeinheiten, und meistens habe ich eine Viertelstunde Zeit, den Plan zu reflektieren, nachdem der Fahrdienst mich abgesetzt hat und bevor um 9 Uhr die Übungseinheiten schulstundenmäßig beginnen, wobei Pausen unregelmäßig eingebaut sind. Diese Übungseinheiten sind so locker wie der Stil des Bistrots, ungezwungen und ohne strenges Reglement, wann man sich wo zusammenfindet. Irgendwann erscheint an einem festgelegten Ort irgend jemand mit dem blauen T-Shirt mit dem Schriftzug der Sieg Reha, und dann wird begonnen mit dem Theraband, der Kardio Gymnastik, dem Stretching oder was auch immer. Im Bistrot Balance stört niemand, andere schreiten hin und her und kreuz und quer, wenige kennen sich und grüßen. Diejenigen wie ich, die vereinzeln, lassen die morgendliche Ruhe hinein strömen. Ich sammle mich, um den Plan, der auf mich zukommt, abzuarbeiten. Damit ich jeden Tag ein Stück besser die Gesundheit des CEO meines Körpers, des Herzens, zurück gewinne.

3. Juli 2020


Das Training auf dem Fahrradtrainer – eine Indikation dafür, dass mein Körper Kondition abgebaut hat. Mit dem Sporttherapeuten hatte ich meine persönliche Leistungsfähigkeit besprochen, dass beim Fahrradtraining einiges mehr möglich sein sollte, dass Corona und das Homeoffice aber eine ausreichende Übung verhindert hätten. Die Einstellung des Tretwiderstandes geschieht üblicherweise über die Wattzahl. Mit 50 Watt über dreißig Minuten hatte ich angefangen, die sukzessive auf 80 Watt gesteigert worden waren. Die 80 Watt entsprachen noch so ungefähr einer Fahrradfahrt auf flacher Strecke, und nach dem Gespräch hatte der Sporttherapeut die Wattzahl auf ein Intervall eingestellt: eine Minute lang 80 Watt und eine Minute lang 150 Watt. Dieses Intervall simulierte deutlich besser die Anstrengungen einer Rennradtour. Die 150 Watt zehrten mächtig an die Kräfte, bei den 80 Watt konnte sich mein Körper erholen. Über eine Dauer von 30 Minuten funktionierte dies. Nun wurde heute unter Anwesenheit der Kardiologin ein Belastungstest durchgeführt, um die Herzfrequenz bei einer Höchstbelastung zu messen. Anstelle des Intervalls stieg die Wattzahl linear an – auf einen Höchstwert von 175 Watt. Das Erholungsintervall fiel somit weg. Gefühlt entsprach die Anstrengung den stärkeren Anstiegen im Siebengebirge – vielleicht 5% bis 8% Steigung. Rund zwei Minuten hielt ich die 175 Watt durch, dabei wurde das EKG aufgezeichnet. Als mir nach den zwei Minuten die Kraft fehlte, musste ich kapitulieren, und ich trat in einer sehr niedrigen Wattzahl weiter. Für mich war dies ein Indiz, dass Kondition abgebaut war. Muskelmasse fehlte. In Zeiten vor Corona hatte ich so viel Ehrgeiz, so lange durchzuhalten, bis selbst der schwierigste Berg geschafft war. Einen Neuanfang der Anstrengungen – nicht nur Fahrrad – musste ich finden. Dazu sollte dieses Langzeit-EKG helfen.

4. Juli 2020


Traurig und entsetzt war ich, als ich heute die erste Seite der FAZ-Woche aufschlug. Die FAZ-Woche gehörte zum Einkaufsritual bei unseren Wocheneinkäufen, indem ich das Herumblättern in der Wochenzeitung am Mittagstisch genoss, die journalistische Qualität, die Titelstories, die Reportagen, die Fähigkeit, die Fülle an Informationen auf wenige Sätze zu konzentrieren, die Analysen, die scharfsinnigen Kommentare. In der Überfülle unserer Zeitungslandschaft war es genau das Format, mit dem ich zurecht kam. Diese Überfülle, die mich ansonsten zu erschlagen drohte. In unserer hiesigen Informationslandschaft war es sicherlich eine Kunst, Informationen auf das wesentliche zu reduzieren und kurz, prägnant und abwechslungsreich in den vielfältigen Formen des Journalismus darzustellen. Genau diese Spielart beherrschte die FAZ-Woche auf einem Niveau, wie es weder der Spiegel, noch der Focus oder der Stern oder Tageszeitungen wie etwa der General-Anzeiger erreicht hatten. Als ich heute die erste Seite der FAZ-Woche aufschlug, informierte der Chef-Redakteur die Leser darüber, dass dies die letzte Ausgabe war. Die Leserzahl sinkt bei den Printmedien, dabei sind die Wochenzeitungen ein heiß umkämpfter Markt. Werbung und Anzeigen sind nur in dünnem Umfang beigefügt, was mir als Leser die Wochenzeitung handhabbarer macht, dadurch fehlen aber Einnahmen. „Dies ist die 214. Ausgabe der Woche. Leider ist sie auch die letzte. Unser Haus hat sich schweren Herzens entscheiden müssen, einen Titel einzustellen, an dem nicht nur viele Leser hingen …“, mit diesen Worten verabschiedete sich der Chefredakteur mit aufmunternden Worten, dass die Journalisten in ihre Stammressorts des FAZ zurückkehren und dort ihre journalistischen Tätigkeiten fortführen werden. Den Mitarbeitern des FAZ Woche mag dies sicherlich weiterhelfen, aber ich selbst bedauere, mir nun auf schwierigem und umständlichem Wege die Spielarten des Journalismus zu Gemüte zu führen.


5. Juli 2020


Wer diesseits und jenseits der rückseitigen Straße rund um den Köln-Bonner-Flughafen Ausschau hält, der benötigt viel Vorstellungsvermögen. Kurz hinter dem Wanderparkplatz vor der rückwärtigen Einflugschneise schirmt ein Elektrozaun das Gelände des Köln-Bonner-Flughafens ab, und zwischen Zaun und Straße hat ein Relikt aus der Zeit der militärischen Nutzung überlebt. Die Aneinanderreihung von rechteckigen Metallplatten auf Betonsockeln erscheint skurril, so dass man überlegt, welchen Sinn und Zweck sich der Erbauer dabei gedacht hat. Die Abstände sind gleichmäßig, und ich selbst hatte dieses System von Metallplatten mit Eisenbahnschwellen assoziiert. Allerdings gibt es auf der Rückseite des Köln-Bonner-Flughafens nirgendwo eine Eisenbahnlinie, zudem bestehen die Schwellen aus Holz und nicht aus Eisen. Die Lösung des Rätsels erfordert Vorstellungsvermögen. Bis zum Abzug der belgischen Streitkräfte, das war im Jahr 2004, war die Wahner Heide Truppenübungsgelände. Heeresverbände wühlten mit ihren Panzern das sandige Heidegebiet auf. Die Panzer schwärmten aus und kehrten in die belgische Kaserne des Camps Altenrath zurück, welche auf der anderen Straßenseite lag. Bei ihren Querfeldeinfahrten durch die Wahner Heide hatten Panzer in ihren Ketten jede Menge Schlamm und Sand angesammelt, die einer Reinigungsprozedur unterzogen werden mussten. Über eine Rampe befuhren die Panzer das System von Metallquadern, wo sich nach mehrfachem Hin- und Herfahren das Gefüge von Schlamm und Sand löste. Somit handelte es sich um eine Panzerwaschanlage, wo die Waschprozedur aus zwei Waschgängen bestand. Im ersten Waschgang wurde das Erdreich durch Rütteln und Schütteln entfernt, in einem weiteren Waschgang fuhren die Panzer durch ein Wasserbecken. Sauber und wohl nicht ganz blitzeblank aussehend, konnten danach die Panzer die gegenüberliegende Kaserneneinfahrt passieren. Als Erinnerung an die rund 180 Jahre lange Nutzung der Wahner Heide als Truppenübungsgelände hat man die Panzerwaschanlage stehen lassen, die ohne Erklärungstafeln so manche Frage aufwirft.


6. Juli 2020


Hennef, die Stadt des sechsten Planeten im Sonnensystem sowie der Unterhaltungselektronik. Seitdem die Elektronik-Fachmarktkette 2014 ihre Filiale in Hennef eröffnet hatte, hatten alle gedacht, dass die Anziehungskraft der Stadt an der Sieg zum Selbstläufer geworden war. Am Eröffnungstag hatten die Käufer Schlange gestanden, mit der hohen Kundenfrequenz hatten sich goldene Zeiten für die übrigen Einzelhändler angekündigt. Gelegentlich, etwa fünf Gehminuten vom Reha-Gebäude entfernt, bummele ich zum Hennefer Zentrum. Vor der Fußgängerunterführung unter die Bahn überstrahlt der Schriftzug des sechsten Planeten nicht nur den Bahnhof. Eine goldene Zeit, die man mit Saturn erhofft hatte, ist in der Fußgängerzone nicht eingetreten. Es ist das häufige Problem von Innenstädten, dass moderne Architektur Stil und Atmosphäre nicht herstellen kann. Was sich in Hennef Marktplatz nennt, ist so öde wie die Oberfläche eines Planeten im Sonnensystem. Gemütliche Ecken wird man zwischen HIT, Deichmann und dm vermissen, dort, wo 1985 an der Stelle einer abgerissenen Büromöbelfabrik eine langweilige und uninspirierte Fußgängerzone aus dem Boden gestampft worden ist. Selbst die Eisdiele Maletto, die ansonsten dem Marktplatz etwas Leben eingehaucht hat, hat in Zeiten von Corona aufgegeben. Offensichtlich hat die Eisdiele vor lauter Hygienevorschriften und Abstandsregelungen kapituliert. Die Anziehungskraft des Planeten Saturn, dessen Magnetfeld 580 mal stärker ist als dasjenige der Erde, dringt in Hennef nicht durch. Ein Stück weiter, auf der Frankfurter Straße, sind die Geschäfte eher kleinteilig aufgestellt. Ein Geschäft für Babyausstattung, ein Buchladen, eine Apotheke, ein Modeladen, ein Handyladen und gleich drei Optiker. Dass die Hennefer einen optimalen Durchblick durch ihre Brillen haben, dafür ist mithin bestens gesorgt. Die Abfolge der Geschäfte folgt allerdings dem allgemeinen Planungskonzept im Zentrum von Hennef: uneinheitlich, zerstückelt, fremd und isoliert. In ihrer Länge gibt sich die Hauptdurchgangsstraße der Frankfurter Straße unsortiert und ohne Identität. Die Strahlkraft des Ringes um den sechsten Planeten im Sonnensystem zeigt sich allenfalls sporadisch. Alte Bausubstanz mit Stil und Atmosphäre muss man abseits suchen. Das alte Rathaus, erbaut im Kaiserreich 1912, ist ein solches Gebäude. Der Flickenteppich des historischen Hennef vereinzelt sich an Gleisstücken der Bröltalbahn, alten Fabrikbauten wie der Meys Fabrik oder dem Kloster Geistingen - eine Verbindung zur Strahlkraft des Planeten Saturn sucht man vergeblich. Der negative Impact dieses Planeten mit seiner Unterhaltungselektronik ist nicht von der Hand zu weisen. Es kostet Mühe, diejenigen Stellen in Hennef, die das Gesicht der Stadt gewahrt haben, zu finden.

7. Juli 2020


Unsere drei Samtpfoten haben so ihre Lieblingsplätze, die aber immer mal wieder wechseln. Am Tage sind sie viel draußen. Der Eine mehr, der andere weniger, wie Jumbo unser Jüngster, der schaut auch gerne mal einfach nur nach draußen. Oskar, unser „Kleiner“, befindet sich meistens im „Durchgangsverkehr“, an der Haustüre rein, durchs Haus und hinten wieder raus. Andere Katzen haben „Dosenöffner“, unser Oskar hat „Türöffner“. Rambo ist gemächlicher, er sucht sich draußen ein Plätzchen, kommt zum Fressen rein, liefert einen Mäusebraten ab, bei schlechtem Wetter sucht er sich einen Platz im Haus. Zurzeit bekommt er Medikamente gegen Magenschleimhautentzündung, die Tabletten nimmt er ziemlich anstandslos. Da war wahrscheinlich ein Mäusebraten nicht bekömmlich. Seit ein paar Wochen, seit Pfingsten suchen sich alle Drei ein Plätzchen im Wohnzimmer. Oskar hat sich den Chefsessel gesichert. Rambo und Jumbo teilen sich die Krabbeldecke. Jumbo möchte gerne kuscheln. Rambo ist ziemlich geschafft und träumt wohl vom nächsten Mäusebraten, die Spitzmaus, die ihm heute über den Weg gelaufen ist, hat er laufen lassen. Das lässt auf schlechte Erfahrung vom letzten Mal schließen.

8. Juli 2020


Am letzten Tag meinte man, mir Gutes zu tun, indem man mir jede Menge Papier mitgab. Der Abschlussbericht, den die Kardiologin mir aushändigte, füllte einen dicken Umschlag. Ganz viel Text und ganz viele Messwerte, die sich bei mir zum Positiven entwickelt hatten. Zum Durchlesen gab sie mir die letzte Ausgabe einer Herz-Zeitschrift mit, dreißig Seiten, die nützliche Informationen über Forschungen, Entwicklungen enthielten. Neuigkeiten, die eine durchaus große Leserschaft erreichten, da die Herz- und Kreislauferkrankungen in Deutschland zu den häufigsten Todesursachen gehörten. Im Büroraum der REHA-Aufnahme durfte ich dann einen längeren Fragebogen ausfüllen, worin ich ein Feedback zum Ablauf und zu Details der REHA abgeben konnte. Es stand außer Frage, dass der Nutzen der REHA sehr groß gewesen war. Alles in allem bestand der Nutzen aus einem ganzheitlichen Training des Körpers, das bei mir stets einseitig bestimmte Sportarten – wie das Radfahren – in den Mittelpunkt gestellt hatte. Hier waren nun ganz anders geartete sportliche Betätigungen dazu gekommen, an die ich keinen Gedanken verschwendet hätte. Hier hatten wir uns nun geübt in Gymnastik, in Atemtechniken, wir hatten uns mit den Tera-Band gestreckt, die meditativen Bewegungen des Qi-Gong hatten wir gemacht, in Kleingruppen hatten wir ein paar Spielchen gemacht, all die Walkingrunden durch den Kurpark, der Fahrradtrainer, das Laufband, die Fitnessgeräte. Das Spektrum an Bewegungen war breit, und es hatte dem Körper gut getan. Die Theorie war auch nützlich gewesen, die Vorträge über richtige Ernährung und den Stress, dazu ein allumfassender medizinischer Vortrag über den Herzinfarkt, mit dem Life-Reality-Modell eines Stents. In einem Schutzraum vor Stress hatte ich mich abgeschottet gefühlt vor der anderen Welt, in die ich nun zurück geschmissen würde. Die nächsten Wochen und Monate würden zeigen, wie ich mit den gesundheitlichen Einschränkungen mit der neuen Situation klar kommen würde.

9. Juli 2020


„Da haben Sie ja wichtigeres mitgemacht“, mit diesen Worten antwortete die Bahn-Mitarbeiterin am Bahnschalter, als meine Frau diskutierte, wie sie nach der verpassten Frist bis zum 30.6. das Geld für ihre Bahnfahrkarte nach Hamburg erstattet bekommen sollte, welche infolge Corona nicht zustande gekommen war. Am Bahnschalter war dies nicht möglich, vielleicht über Internet, meinte die Mitarbeiterin der Bahn. Aber mein überlebter Herzinfarkt, den meine Frau erwähnte, sei schließlich wichtiger. Ich selbst hatte ohnehin nicht erwartet, dass irgendein Ausnahmetatbestand greifen würde, so dass wir in gemeinsamer Eintracht anschließend weiter durch Bonn trotteten. An diesem Nachmittag hatten wir uns die Zeit genommen, mit unserer Tochter in Bonn zu bummeln und einzukaufen. Zuvor waren wir bei der Sparda-Bank, um unsere Zugriffe auf das Online-Banking wiederherzustellen. Bei der Secure-App war uns das Passwort verloren gegangen, und für die Erneuerung des Passworts benötigten wir einen neuen Authentifizierungscode, dessen Zusendung der Mitarbeiter am Bankschalter in die Wege leiten musste. Nach dem Bahnschalter suchten wir Primark auf, wo wir sogleich diskutierten, dass diese Modekette stark in der Kritik stand wegen der konsequenten Preisstrategie von Niedriglohnländern und den dortigen schlechten Arbeitsbedingungen. In Zeiten von Corona sei wichtiger, dass dort überhaupt produziert werden, das meinte meine Frau. Dieser Schaden, wenn die Produktion eingestellt würde, sei viel größer, so dass man kein schlechtes Gewissen beim Einkauf haben müsste. Dort kauften wir in der Tat ordentlich ein, gerade weil die Preise dort dementsprechend niedrig waren. Zwei Polo-Shirts, zwei T-Shirts, eine kurze, eine lange Hose, zehn Taschentücher und ein paar Schuhe waren es für mich, dazu noch ein paar Kleinigkeiten für den Rest unserer Familie, alles für 124 Euro. Wir konnten uns nicht verkneifen, dass wir anderswo das doppelte oder einiges mehr hätten bezahlen müssen. Das einzige Manko waren bei Primark die langen Wartezeiten vor den Umkleidekabinen, weil infolge der Abstandsregelungen von Corona nur die Hälfte der Umkleidekabinen benutzbar waren. Zuerst C&A, danach kauften wir bei Kaufhof weiter ein. Es war nicht die Masse an Einkäufen wie bei Primark, Unterwäsche für unsere Tochter und ein paar Oberteile für meine Frau. Dann zog es unsere Tochter nach Thalia, wo wir längere Zeit bummelten. Sie stöberte im Keller bei den Manga-Comics herum, während meine Frau bei den Mandalas zum Ausmalen fündig wurde, die für meinen Schwager bestimmt waren. Dabei verloren wir unsere Tochter aus den Augen, weil wir in unterschiedlichen Ecken des Kellerbereiches herum schmökerten. Unsere Handys stellten die Kommunikation wieder her, als unsere Tochter die Buchhandlung verlassen hatte, nachdem sie uns nicht mehr finden konnte. Als meine Frau die Mandala-Bücher bezahlte, krallte ich mir aus einem Bücherstapel das letzte Buch von Richard David Precht „Künstliche Intelligenz und der Sinn des Lebens“ und schloss mich meiner Frau an der Kasse an. Darauf war ich mächtig stolz, dieses hoch interessante Buch des Philosophen mit seinen kantigen Meinungen lesen zu dürfen. Im Anschluss zog es unsere Tochter in einen schmalen und engen Laden in Richtung des Friedensplatzes, wo sie vor einigen Wochen eine Tasse mit den Animés „Attack on Titan“ erworben hatte. Ziemlich lange schaute sie hier und da, sie fand aber nichts. Danach wären wir wahrscheinlich nach Hause gegangen, wenn ich nicht eingewendet hatte, dass ich noch an den Banking-Automat der Sparda-Bank wollte, um meiner Frau Geld für Anziehsachen zu überweisen. Mit diesem Fußweg waren wir eine größere Strecke einmal im Kreis bis zur Sparda Bank am Busbahnhof gelaufen, die meine Frau ermüdete. Sie musste sich einhaken, wurde langsamer, schaffte aber gleichmäßig die Strecke. Die Ermüdung wirkte aber positiv, weil sie uns nicht auf direktem Wege nach Hause zurück kehren ließ. Als wir nämlich an der Pizzeria Tuscolo, die im früheren Nachrichtentreff beheimatet war, vorbei schritten, machte sich das Hungergefühl so breit, dass wir uns entschlossen, dort zu essen. Das war ein schöner Abschluss des Stadt- und Einkaufsbummels, bei dem wir jede Menge quasselten. Dabei überwältigte uns die Größe der Pizzen, die wir so nicht in Erinnerung hatten. Die Größe überragte den Tellerrand bei weitem, dafür war der Teig allerdings relativ dünn, so dass ich selbst es schaffte, die gesamte Pizza aufzuessen. Obschon der überbackene Käse nicht im Trend einer fettarmen Ernährung lag, versuchte ich dies, durch den Fisch-Belag in Form von Krabben, Thunfisch, Tintenfisch und Meeresfrüchten auszugleichen. Meine Frau und unsere Tochter ließen Stücke vom Rand ihrer Pizza Funghi und Salami übrig. Es war gegen halb sieben, als wir die Pizzeria verließen. Die Abwechslung war angenehm, das Zeitgefühl auszublenden und nicht notwendigen Erledigungen hinter her zu rennen.

10. Juli 2020


In dem Moment, als Frau und Tochter an der Kasse von C&A standen, irritierte mich die Telefonnummer auf dem gerade klingelnden Handy. Die Vorwahl war die 02234 aus Frechen, und ich rätselte, wen ich aus Frechen kannte und wer mich aus Frechen anrufen könnte. Mir fiel niemand ein, und dennoch rief ich die Frechener Rufnummer zurück, nachdem das Klingeln verstummt war. Es war das Senftöpfchen-Theater in Köln – und nicht in Frechen – und es ging um Karten für Wilfried Schmickler. Die Vorstellung Ende Mai, wofür ich Karten hatte, war naturgemäß Corona zum Opfer gefallen. Eine Dame nannte nun das Datum 27. August 2021 als neuen Termin für die Vorstellung. Da ich überhaupt nicht soweit in der Zukunft plante, bestätigte ich diesen Termin. Wir kamen in die Diskussion, wie schlimm Corona gerade für das Senftöpfchen-Theater war, weil das Theater sehr klein war. Die Abstandsregelung von 1,50 Meter war verheerend, so dass sich das Publikum erheblich verkleinerte. Wir beiden lamentierten und jammerten, wie desaströs die Perspektiven waren. Dem Theater fehlten die Zuschauer, den Künstlern die Gage. Nach Corona war so vieles gelockert, aber das Senftöpfchen-Theater hatte soeben erst die vierte Theater-Vorstellung mit einer deutlich verringerten Zuschauerzahl absolvieren können. Alles war einfach nur traurig.

11. Juli 2020


Der Schwager und ich hatten uns entschlossen, zum Kaffeetrinken nach Brühl zu fahren. Wir parkten in einer Seitenstraße, die zum Schloss führte. Wir drehten eine Runde durch die Stadt, von der einen Seitenstraße in eine andere Seitenstraße, von dort auf die ehemalige Bundesstraße B51, die einmal quer durch Brühl verlief. Wir schritten zum Marktplatz, wo sich auf einem großzügigen Karree Cafés und Kneipen zusammen scharten. Bei bewölktem Himmel waren die meisten Plätze besetzt, und wir wählten das Café Oebel an der Ecke des Marktplatzes, wo die Straße mit dem Bauzaun abknickte. Das Innere des Cafés zeigte großflächige Fotos mit dem Brühler Schloss von der Vor- und der Rückseite mit dem Schlossgarten. Die Fotomontage mit den Backwaren deutete darauf hin, dass das Schloss aus allen Richtungen das zentrale Monument von Brühl war, schließlich war es zum Weltkulturerbe ernannt worden. Der Schwager aß ein Stück Sahne-Nuss-Torte, und nachdem die Tassen Kaffee unsere Lebensgeister auf Vordermann gebracht hatten, wollten wir unseren Spaziergang zum Schlossgarten fortsetzen. Wir spazierten an dem früheren Benediktiner-Kloster vorbei und wählten den Weg seitlich zum Eingang des Schlossparks. Doch die Enttäuschung war groß, als ein Bauzaun uns den Weg versperrte. Wir fanden lediglich ein Schild „Betretungsverbot“, aber keinen Grund und keine Ursache, wieso dem so war. Mit großer Sorgfalt hatte man rund um das Gelände den Schlosspark mit einem Zaun abgesperrt. Da war nichts zu machen, keine Lücke, aber das Betretungsverbot war ausreichend eindeutig, dass wir dort nichts zu suchen hatten. Was dort nun los war, das musste ich bis nach unserem Spaziergang zum Auto zurück und unserer Nachhausefahrt abwarten. Im Internet konnte ich recherchieren, dass die Trockenheit im Endeffekt Schuld war. Äste hatten sich gelockert, und es war zu Astbrüchen gekommen, so dass aus großer Höhe Äste unvermittelt auf den Boden gestürzt waren. Spaziergänger hätten verletzt oder gar erschlagen werden können, was durch eine Absperrung nun ausgeschlossen werden konnte. Verkehrssicherungspflicht, so hieß dies im Jargon der Juristen. Der Klimawandel hatte seinen Tribut gezollt. Nun konnte man nicht einmal mehr ungestört durch den Schlossgarten spazieren.

12. Juli 2020


Eine ungewöhnliche Überraschung in unserem Garten, nachdem meine Frau die Buschbohnen geerntet hatte. Den Stil mit ein paar Blättern hatte sie stehen lassen, damit die Bohnen nachwachsen sollten, und sichtbar wurde überraschende Entdeckung. Pilze sprießen gerne an unterschiedlichsten Stellen in unserem Garten, am häufigsten, wenn es feucht und noch warm ist im Spätsommer oder Herbst. An dieser Stelle, auf dem Hochbeet, und so reichlich, das ist eine neue Variante. Bei all unseren Pilzarten, die von klein bis groß und von hell bis dunkel, ein großes Spektrum aufweisen, geistert zyklisch die Frage in unseren Köpfen herum: kann man die Pilzarten aus unserem Garten essen ? Als absolute Laien, Pilze betreffend, können wir gerade Champignons oder Pfifferlinge identifizieren. Daher verbietet es sich von selbst, irgendwelche Kochrezepte mit Pilzen aus unserem Garten zu recherchieren. Die Pilze auf unserem Bohnenbeet sind schön anzuschauen, und dabei belassen wir es.

13. Juli 2020


Willkommen zurück im Leben. Auf diesen Leitgedanken konnte man den heutigen Tag reduzieren, denjenigen Tag, an dem die Rückkehr in die Arbeitswelt sich ereignete. Dies bedeutete, dass ich den Weg zum Arbeitsplatz ab sofort, wenn es nicht gerade regnete, stürmte, eisig kalt war oder wenn die winterliche Jahreszeit zu dunkel war, mit meinem Rennrad zurück legte. Dies war mir immens wichtig, an die zwei Stunden Bewegung pro Arbeitstag zu haben, um auf diese Art und Weise meinen Körper in einen ganz anders gearteten Aktivierungszustand zu versetzen. Nachdem mein Herz ins Leben zurück gekehrt war, bedeutete dies ebenso hinein zu horchen, wie es sich nach dem lebensbedrohlichen Ereignis verhalten würde. Ob es dasselbe Herz wie vorher war, ob es sich verändert hatte, wie es die Belastung der fast einstündigen Fahrradfahrt aushalten würde. Dass hoffentlich nichts durcheinander geraten würde, weder der Herzschlag, noch seine Regelmäßigkeit, noch die Atmung. So ungefähr bis zur großen Kreuzung im Nachbarort benötigten Herzschlag und Atmung, bis ich mich warm getreten hatte und der Rhythmus sich eingespielt hatte. Dabei war nichts und gar nichts zu spüren von Schmerzen im Brustkorb, Kurzatmigkeit oder einem Herzschlag, der zu Turbulenzen auflief. Tief atmete ich ein und aus, Herzschlag und Atem waren bestens aufeinander abgestimmt, und dies blieb auch so, als ich die wenigen Steigungen den Rheindamm hinauf und über die Kennedybrücke bewältigt hatte. Mein Herz hatte den Live-Test bestanden, der keine Trockenübung auf dem Fahrradtrainer in der Reha war. So wie es immer gewesen war, fühlte ich mich im Büro frisch, entspannt, voller Tatendrang und Energie. Der Blutkreislauf zirkulierte, die Lungen waren aufgepumpt mit Sauerstoff, das Gehirn war hellwach. Der Büroalltag konnte beginnen.

14. Juli 2020


Die Gewissheit beruhigte, dass hier im HUMA-Einkaufszentrum, in den Innenräumen des Cafés Extrablatt, der Überlebenskampf dicke gewonnen war. An meinem zweiten Arbeitstag nach meiner Rückkehr ins Großraumbüro hatte ich einen Ausflug in ein Café gemacht, um konzentrierter und ohne Ablenkungen arbeiten zu können. Irgendwie landete ich im Café Extrablatt, weil die WLAN-Infrastruktur in Bonn einiges kritischer war als in diesem Café, wo man auf diesen etwas aus dem Boden gestampften Platz in St. Augustin schauen konnte. Jede Menge Menschen saßen bei warmer Witterung und bewölktem Himmel an Vierertischen draußen, nichts deutete dort auf Abstandsregelungen und Hygienekonzepte hin. Drinnen war alles wie gewohnt normal, was hätte sich auch an Tischen, Stühlen, Inneneinrichtung und Theke ändern sollen ? Lediglich ein paar Tische, wo die gegenüberstehenden Stühle nicht den Abstandsregelungen entsprachen, waren mit einem Stoppschild markiert, dass man sich dort nicht hinsetzen durfte. Die Kellner bedienten mit Masken, jeder Gast musste seine Adresse hinterlegen, und darüber hinaus herrschte eine lockere Normalität, die durch Corona nicht beeinträchtigt wurde. Der Überlebenskampf des Café Extrablatt dürfte nur kurz gedauert haben. Die Lockerungen dürften rechtzeitig gekommen sein. Ich selbst konnte zu einem Normalbetrieb des Alltags zurückkehren. Und dieser Alltag war – auch – von Cafébesuchen geprägt, welche Corona nur unter gewissen Einschränkungen erlaubte.

15. Juli 2020


Die Verlierer des Existenzkampfes gegen Corona. Sehr vieles ist gelockert worden, so dass vielen Betrieben und Selbstständigen ermöglicht wird, ihre Dienstleistungen am Kunden zu erstellen oder ihre Produkte herzustellen. In der Rangfolge der Lockerungen durften zuletzt Kinos, Theater, Opernhäuser oder Fitnessstudios wieder öffnen – unter den Bedingungen von Abstands- und Hygieneregelungen. Es verbleibt allerdings ein Rest von Gewerbetreibenden, wo nichts gelockert wird. Sie dürften geradeaus in den Ruin getrieben werden. Bund, Länder und die Europäische Union überbieten sich zwar mit Corona-Hilfspaketen, deren Fallarten der finanziellen Unterstützung aber an manchen Gewerbetreibenden vorbei laufen. Neben Künstlern, die vor einem Publikum auftreten, sind dies auch Schausteller auf Schützenfesten, Kirmessen und Jahrmärkten. Solche Groß- und Massenveranstaltungen sind laut Verordnung des Landes NRW zum Schutz vor Neuinfizierungen mit dem Coronavirus bis Ende Oktober diesen Jahres verboten. Das geht an die Existenzgrundlage, wenn nichts an Einnahmen erwirtschaftet werden kann. Die Gewerbetreibenden müssen von finanziellen Reserven leben, die meist nur wenige Monate überbrücken können. Es fehlt jegliche Perspektive. In der Innenstadt hat man sich bemüht, wenigstens einen kleinen Schimmer von Hoffnung entstehen zu lassen. Quer verteilt durch die Fußgängerzone, erzeugen Fahrgeschäfte und Karrussels einen Hauch von Kirmes. Ein leiser Hauch, der die Schausteller aus ihrem Zustand der Depression wohl kaum heraus holen wird.

16. Juli 2020


Besuch der Ausstellung „Wir Kapitalisten – von Anfang bis Turbo“ in der Bundeskunsthalle. Die Ausstellung ist wertfrei und setzt auf der Sichtweise auf, dass Kapitalismus an für sich nicht böse ist. In seinen Anfängen hatte der Kapitalismus ganz viel mit Zählen von verausgabten und vereinnahmten Geldeinheiten zu tun. Ein- und Ausgänge von Rechnungen schrieb man in einem Register auf, das war im Jahr 1340 in der Republik Genua, wo die kaufmännische Buchführung entstand. Ein anderes Exponat, die Porzellanfigur einer Kaufmannsfrau aus dem Jahr 1762, zeigt, wie auf einem Tisch liegende Handelswaren in einem Buch notiert werden. Nichts geht ohne Geld, damit befasst sich die Ausstellung in einer anderen Ecke. Geld als „Schmiermittel“ des Kapitalismus wird benötigt, um Waren zu tauschen und zu erwerben. Die Ausstellung zeigt Kaiser und Fürstinnen auf Geldmünzen aus unterschiedlichen Jahrhunderten. Als Maßeinheit bestimmt das Geld den Marktpreis und ermöglicht dauerhafte Warenflüsse. Die Ausstellung greift Motive aus der Antike auf, die sich mit Geld oder Reichtum befassen, so den lydischen König Krösus, der als sagenhaft reich galt, oder der Verehrung des Mammon, welcher in Form von Geld körperliche Potenz und geistige Fähigkeiten verlieh. Am Übergang vom reinen Bedarfsdeckungsprinzip zum Privateigentum kommen die ethischen Dimensionen von Gut und Böse ins Spiel. Das Bedarfsdeckungsprinzip, belegt durch ein Kiosk im sozialistischen Rumänien, induziert keinerlei Märkte oder Überschüsse an Gütern. Dies war allerdings in Zeiten der industriellen Revolution grundlegend anders. Dort war bereits das Bedarfsdeckungsprinzip durch den privaten Besitz von Produktionsmitteln abgelöst worden. Unternehmer besitzen Maschinen, die Waren und Überschüsse am Markt produzieren. Die Unternehmer werden reich durch Gewinne, die Gewinne häufen sich an, die Akkumulation von Kapital fördert Ungleichheiten zwischen Arm und Reich. Es werden nicht nur Menschen ausgebeutet, sondern auch die Natur wird maßlos geplündert. Passend zur aktuellen Debatte um Schlachthöfe wie Tönnies, zeigt die Ausstellung Zeichnungen aus dem Jahr 1901 der Schlachthöfe von Chicago, welche die irrsinnigen Größenordnungen von Schlachten und Fleischzerlegung dokumentieren. Auf einem Gelände von einer Größe von ganz vielen Fußballfeldern wird Vieh gehalten, das geschlachtet werden soll. Im Rhythmus von Maschinen und Fließbändern, zerlegen sich die Arbeitsprozesse in Einzelschritte der Fleischzerlegung. Höchst ambivalent sind Effizienzen und Produktivitätssteigerungen. Maschinen ersetzen Menschen und steigern die Produktivität. Sofern schädliche oder gesundheitsgefährdende Tätigkeiten durch Maschinen ersetzt werden, kann dies zum Wohl der Arbeiter geschehen. Diese zwiespältige Einstellung kennzeichnet in der Ausstellung der „Maschinenmensch“. Er ist Fritz Langs Film „Metropolis“ aus dem Jahr 1927 entnommen worden. Einerseits erlösen Maschinen Menschen von monotoner, gefährlicher oder körperlich zermürbender Arbeit. Andererseits provozieren Maschinen Ängste, den Menschen zu ersetzen und ihn im Arbeitsprozess entbehrlich zu machen. Eine Problematik, die im Anblick von künstlicher Intelligenz oder Robotern heute aktueller denn je ist.

17. Juli 2020


Fragt man mich nach meinen unbeliebtesten Gehölzen, dann ist der Sommerflieder einer meiner Favoriten. Er wuchert, wächst rasant, breitet sich unsystematisch in alle Richtungen aus, so dass man mit dem Zurechtschneiden nicht mehr nachkommt. Dabei haben wir eine persönliche Betroffenheit in unserem Garten. Nicht auf unserem Grundstück, sondern auf Nachbars Garten, dicht am Zaun, wuchert ein eben solcher Sommerflieder fleißig vor sich her. Unser Nachbar schert sich wenig darum: Äste und Zweige wachsen maßlos zu uns herüber, und entweder müssen wir uns eine gefühlte Ewigkeit gedulden, bis er sich bequemt ihn zu stutzen, oder wir legen selber Hand an. Eng eingezwängt zwischen weiteren Gehölzen, strahlt er trotz seiner violetten Blüten keinerlei Schönheit aus, ja, mit seinem unübersichtlichen Geflecht von Zweigen ist er geradezu häßlich. Allein am Straßenrand stehend, umgeben von Schafgarbe, gibt der Sommerflieder am Rande eines Neubaugebiets ein komplett anderes Bild ab. Die violetten länglichen Blüten fügen sich harmonisch an den Straßenrand ein, genauso harmonisch wie der Übergang in den strahlend blauen Himmel. Das Wachstum hat ein ausgewogenes Maß erreicht, die in die Höhe drängende Form ist stabil, nichts kann den Sommerflieder aus seiner Ruhe bringen. Ein Sommerflieder ganz anders als in Nachbars Garten und wirklich schön.

18. Juli 2020


Feindliche Übernahme in Troisdorf-Sieglar. Seitdem ich meine Frau kennen gelernt hatte, hat die Baumarktkette Knauber unseren gemeinsamen Hausstand aufgebaut und ausgebaut. Wir haben dort Tapeten ausgesucht, für Kindergeburtstage haben wir Bastelsachen zusammengestellt. Lampen, Regale und Werkzeug haben wir gekauft, wir haben Dekoratives und Nützliches für unseren Garten gefunden. Das Warensortiment war bestens sortiert und stets haben wir das Richtige für unseren Bedarf gefunden. Fachkundig haben wir uns beraten lassen und wir haben uns als Kunde dort bestens aufgehoben gefühlt. Nun ist Sense bei Knauber in Troisdorf-Sieglar. Andere haben nun zu sagen, und die Ware wird verscherbelt. Am Standort Troisdorf-Sieglar hat die Existenz von Knauber aufgehört, das stimmt traurig. Ein Preishammer-Depot besiegelt den Untergang. Alles muss raus, und nur noch die Einkaufswagen erinnern mit dem grünen Logo und dem Schriftzug „Knauber“ an die besseren Zeiten der Baumarktkette. Die feindliche Übernahme war wohl nicht abzuwenden, da die Marktmacht einer mittelständischen Baumarktkette wohl zu klein war. Nur hat die Geschäftspolitik von Bauhaus das Sagen. Im Anblick des Preishammer-Depots mag niemand an die Botschaft auf dem Werbeplakat glauben, die vor dem Kreisverkehr zum früheren Knauber zu sehen. Die Botschaft hat ein Niveau von Propaganda, Falschaussage, Unwahrheit, welche die Öffentlichkeit bewusst in die Irre führen soll. „Ganz sicher ist 2020 der Anfang von etwas ganz Großartigem“, welche sich mit einem Strommast als künftige Kernkompetenz von Knauber verbindet. Ganz viel Schein und Lippenbekenntnisse vermutet man hinter dieser Neuausrichtung auf das Energiegeschäft, während Bauhaus den großen Reibach mit der Zerschlagung wittert. Die Jahrzehnte lange Arbeit an zufriedenen Kunden wird auf ein Ramschniveau herab gewürdigt. Aus der Insolvenzmasse bedienen sich die neuen Lenker, die Liquiditätsvorteile daraus schöpfen können. Den einstigen Firmeninhabern von Knauber dürfte bei dieser feindlichen Übernahme kotzübel werden.

19. Juli 2020


Es war einer dieser schlappen Sonntage, an denen wir schwierig in die Gänge kamen. Lange schlafen, spät frühstücken, ausspannen, zudem lagen drei Wochen Urlaub vor uns. Wozu sollten wir uns also beeilen ? Gemäß unserem Motto des Ausspannens zog sich dann das Mittagessen in die Länge, was generell gerne bei uns vorkommt. Bis wir mit allem durch waren, war es locker nach zwei Uhr. Und als wir bei einer Tasse Kaffee festsaßen, bewegte sich genauso kein Mensch von der Stelle. Wir spülten, und danach ging das Aktivitätsniveau ebenso gegen Null. Den einzigen, den ich von der Stelle bewegt bekam, war mein Schwager. Bei seiner allgemeinen Bewegungsarmut fiel mir diesmal kein längeres Stück ein, was ich mit ihm zu Fuß laufen wollte. Ich hatte zwar keine Lust auf ein Bier, mir war aber nach einem Brauhaus zumute. Eine heiße Tasse Kaffee sollte reichen, während mein Schwager gerne seine ein, zwei oder drei Bier trinken sollte. Brauhäuser sind ja stets etwas besonderes, weil sie dem Trend der Massenproduktion widerlaufen. Nur für das eine Brauhaus wird das Bier hergestellt, ein eigenes Rezept, das sich unterscheidet von dem Geschmack der herkömmlichen Biere im Supermarkt oder auch in anderen Kneipen. Wir hatten uns das Siegburger Brauhaus ausgesucht. Gepflegt saßen wir auf den Biertischen draußen in der Fußgängerzone. Den Geschmack meines Schwagers, dass er gerne Weizenbier trank, traf das Brauhaus bestens. Auf der Brauhauskarte stand ein Sommerweizenbier mit einem süffigen und erfrischenden Geschmack, den ich testete, als ich ein paar Schlucke mittrank. Mein Schwager erzählte, dass der verstorbene Schwiegervater bei den gemeinsamen Unternehmungen gerne Brauhäuser aufgesucht hatte, so auch das Siegburger Brauhaus. Lange und lässig lümmelten wir uns an dem Biertisch herum. Dabei genoss ich es, die an uns vorbei spazierenden Menschen in der Siegburger Fußgängerzone zu beobachten.

20. Juli 2020


Wie wenig fotogen ich bin, das hat sich im Laufe der Jahre und Jahrzehnte nicht verändert. Werde ich fotografiert, versuche ich zu lächeln und freundlich drein zu schauen. Doch es gelingt mir einfach nicht. Der freundliche Versuch kehrt sich ins Gegenteil um, grimmig und böse schaue ich drein. Meine Visage zeigt ihre schlimmsten Gesichtszüge, so dass ich mich selber nicht mehr ausstehen kann. Diese ungewollte Prozedur musste ich zuletzt über mich ergehen lassen, als mein Personalausweis abgelaufen war. Für die Verlängerung benötigte die Stadtverwaltung ein Passfoto. Alle Versuche misslangen in dem Fotostudio gründlich, obschon sich die Fotografin reichlich Mühe gegeben hatte, durch die Aussprache von „cheese“ freundliche Gesichtszüge einer Visage zu entlocken. Hauptsache, ich werde nicht als Verbrecher gesucht, das dachte ich mir, als sie auf den Auslöser drückte. Sechsmal versuchte ich mein Gesicht in eine lachende Position zu begeben. Und eines dieser Fotos werde ich auf meinem neuen, künftigen Personalausweis ertragen müssen.

21. Juli 2020


Beim Klingeln an der Haustüre um die Mittagszeit spekulierten wir, wer denn nun gerade etwas unnützes von uns wollte. Bofrost ? Eismann ? Ein Paket für die Nachbarn ? Doch dem war nicht so. Eine mittelalte Frau mit einer klein gedrungenen Gestalt und mit schwarz gelockten Haaren wollte den Schwager sprechen. Das Leid für die Behinderten war groß, dass die regelmäßigen Treffen in Zeiten von Corona ausfallen mussten. Eine dieser Treffen fand im Pfarrheim des Nachbarortes statt, und die Initiatorin dieses Treffs suchte den persönlichen Kontakt, um als Ersatz für all die persönlichen Begegnungen miteinander reden zu können. In einer Papiertüte brachte sie Gegenstände der persönlichen Kontaktaufnahme mit, das waren zwei Schokoriegel, ein Glas Rhabarbermarmelade, Kaffee in zylinderförmigen Papiertüten und ein Milchbrötchen. Nachdem das Milchbrötchen aufgegessen war, las meine Frau ein weiteres Mitbringsel vor. „Im Tütchen ist ein Programm“, das hatte zuvor der Schwager geäußert, und wir hatten gerätselt, was er genau damit gemeint hatte. Das war die Papiertüte, die die Frau mit den schwarz gelockten Haaren mitgebracht hatte, und das war ein Briefbogen mit einer Geschichte – und keinem Programm. Die Geschichte, die meine Frau vorlas, handelte von einem Schmetterling.

22. Juli 2020


Durch eine ungünstige Konstellation von Arztterminen bin ich häufiger über die Marktstraße spaziert, als mir lieb war. Ich musste gleichzeitig mit meinem Schwager zur HNO-Ärztin, während meine Frau mit unserer Tochter einen Termin zur Brustuntersuchung hatte. Da meine Frau mit dem Auto unterwegs war, blieb mir nichts anderes übrig als zu Fuß zu gehen. Der Zufall der Gleichzeitigkeit ergab sich an diesem Tag gleich zweifach. Als wir nämlich gegen halb zehn bei der HNO-Ärztin ankamen, eröffnete uns die Sprechstundenhilfe sogleich, dass wir ein Nümmerchen bekämen und drei Stunden warten müssten. Die Wartezeit könnten wir nutzen, wie wir wollten. Wie der Zufall es wollte, hatte meine Frau gegen halb eins, dem Ende der Wartezeit, den nächsten Arzttermin. Gegen frische Luft, zu Fuß gehen und Bewegung habe ich normalerweise überhaupt nichts einzuwenden. Wenn nicht die Marktstraße, worüber wir zur HNO-Ärztin latschen mussten, stinklangweilig wäre. Gerne schaue ich links, schaue ich rechts, suche nach Auffälligkeiten und Besonderheiten, nach Dingen, die erst beim mehrmaligen Hinsehen sichtbar werden. Nichts davon auf unserer Marktstraße. Die Reihenfolge der Geschäfte war abgedroschen, Langeweile stellte sich ein bei den Allerweltsfassaden, die man in abgewandelter Form überall vorfinden konnte. Anonym wie in einer Großstadt wandten sich die Passanten ab, die mit sich selbst beschäftigt waren. Deren Seelen waren abhanden gekommen wie die Gleichförmigkeit der Gebäude. Ein bißchen persönlicher wurde es dann am Ärztehaus mit Spezialisten, die sich als Orthopäden, in der Gynäkologie, in der Augenheilkunde oder in der inneren Medizin auskannten. Im Wartezimmer der HNO-Ärztin erahnten wir ein wenig die Einzelschicksale. Hörgeräte, Störungen der Stimmbänder oder Nasenverengungen: geduldig warteten die Patienten mit ihren Sorgen und Nöten. Es war ein Tag, wovon ein großer Teil Notwendigkeiten in Anspruch nahm und der wenig Aufregendes zu bieten hatte.

23. Juli 2020


Zwei Tage voller Aufregung, Neugierde und Ungewissheit standen vor uns. Es sollte ein Wiedersehen geben – allerdings eines aus einem höchst unangenehmen Anlass. Zu Beginn der 1980er Jahr hatte ich Freunde kennen gelernt, als wir zusammen an einer vom Jugendherbergswerk organisierten Radtour durch Bayern teilgenommen hatten. Zu einigen Teilnehmern an der Radtour, die von Kitzingen in Franken bis nach Oberstdorf gegangen war, hatten sich bis heute Kontakte erhalten. Einer dieser Freunde war am 25. Juni an einer Krebserkrankung verstorben, der gerade einmal 56 Jahre alt geworden war. Er wohnte in Wolfsburg, in der Nähe von Königslutter wurde er im Wald bestattet. Wegen der langen Anreise hatten wir eine Übernachtung in einem Hotel in Königslutter gebucht. Um unsere Sachen zu packen, kamen wir erst spät in die Gänge. Am Anreisetag hatten wir ohnehin geplant, erst nach dem Mittagessen loszufahren. So ließen wir es ziemlich unorganisiert und unstrukturiert angehen, so dass wir mit der Kofferpackerei erst mit einer gewissen Verzögerung nach dem Mittagessen fertig wurden. Das war gegen 15 Uhr, so dass wir auf den Autobahnen zügig und nicht mit allzu vielen Staus durchkommen mussten. Als wir losgefahren waren, kamen prompt die Staumeldungen. Eine halbe Stunde Zeitverzögerung hinter dem Westhofener Kreuz, dann ein Stau auf der A2 bei Hamm-Uentrop und ein weiterer vor dem Kreuz Bad Oeynhausen. Den ersten Stau umfuhren wir über Bochum, Witten und Dortmund, der zweite Stau verzögerte die Fahrt nicht allzu lange, der dritte Stau bei Bad Oeynhausen kostete uns rund dreißig Minuten. Hinter Hannover kam noch ein dicker Stau dazu, der uns bei Braunschweig etwa eine Stunde gekostet hätte. Alternativ kurvten wir auf dem Autobahnring bei Braunschweig herum, so dass wir bald unser Ziel in Königslutter erreichten.

24. Juli 2020


Das Wiedersehen war schön, aber die Begleitumstände waren deprimierend. Man könnte darüber philosophieren, dass das Wissen des Menschen äußerst begrenzt ist, dass aber eine Gewissheit unumstößlich ist: der Tod des Menschen. Auf dem letzten Weg unseres Freundes, der gerade einmal 56 Jahre alt geworden war, schauten wir uns vor der Urnenbeisetzung die Stadt Königslutter an. Ein sehr langes Stück mussten wir laufen bis zum Kaiserdom, der wirklich herausragend war. Als Grabstätte des römisch-deutschen Kaisers Lothar III., hat sich die Architektur des romanischen Kirchenbaus aus dem 12. Jahrhundert bis heute erhalten. Von so viel kirchlicher Anmut und Größe beeindruckt, fuhren wir anschließend weiter zu dem Waldstück weit außerhalb von Königslutter, wo um 12 Uhr die Urnenbeisetzung statt fand. Dort hatte sich die Beerdigungsgesellschaft versammelt und wir begegneten den beiden Schwestern des Verstorbenen, einer Freundin aus Hennef und einem Freund aus Hamburg, dessen Bruder ich von Fahrradtouren kannte. Der Rahmen der Beerdigung passte als Waldbestattung genau zu dem Charakter des verstorbenen Freundes. Er war naturverbunden gewesen. Quer durch Europa war er mit seinem Fahrrad unterwegs gewesen, in Italien, Finnland, Griechenland. Die Kilometer, die er auf dem Buckel hatte, dürften die meinigen um einiges überstiegen haben. Als er um die 50 war, schaffte er locker um die 200 Kilometer am Tag. Danach kam der Knacks. Sein Sehvermögen hatte bereits nachgelassen, seine Hüfte schmerzte, die durch eine künstliche Hüfte ersetzt wurde. Viele Krankenhausaufenthalte reihten sich aneinander, bis ihn im Frühjahr diesen Jahres die Krebsdiagnose ereilte. In der Beerdigungsansprache erwähnte der evangelische Laienprediger eine Tatsache, die wir nicht kannten: unser Freund hatte es bis ins Fernsehen hinein geschafft. In der Sendung „Pleiten, Pech und Pannen“ wurde gezeigt, wie ein Brautpaar in seiner Rikscha zu Fall gekommen war. Rikschas hatte er sich aus aller Welt beschafft und Rikschafahrten als Hobby betrieben. Beim Beerdigungskaffee war ich erschrocken, in welchem Umfang andere in unserem noch etwas jüngeren Alter von Krankheiten heimgesucht wurden. Der Bruder unseres Freundes aus Hamburg, den ich auf der ursprünglichen Radtour kennen gelernt hatte, konnte erst gar nicht anreisen zu der Beerdigung, weil die Schmerzen seiner Arthrose unerträglich waren. Sein Bruder, der anwesend war, war von einer Narbe am Kinn gezeichnet, die von einer Operation am Lymphdrüsenkrebs herrührte. Im Alter von 55 Jahren war er fettleibig, stark übergewichtig und litt wahrscheinlich an Adipositas. Seine Frau war im Alter von 44 Jahren an Brustkrebs gestorben. Er hatte Fotos mitgebracht von seiner Hochzeit, zu der unser Freund das damalige Hochzeitspaar auf seiner Rikscha die Hochzeitsfeier verschönert hatte. In der Runde unserer alten Freunde redeten wir noch ganz viel miteinander, und am späten Nachmittag begaben wir uns über die Autobahn A2 auf den Nachhauseweg.

25. Juli 2020


Es bedurfte der durchschlagenden Beratung der Kellnerin, um uns für eine Essensauswahl im Café Extrablatt zu entscheiden. Vielleicht hatte ich zu viele Emotionen und zu viel Anspannung in diese Momente gelegt, denn für meine Frau gestaltete sich diese Auswahl als großes Problem. Viele Wallungen von Emotionen schwangen bei mir mit, in den Örtlichkeiten des Café Extrablatt, wo ich selbst stets zur Ruhe gekommen war, in Städten von Koblenz bis Aachen. Nun war der Erwartungshorizont hoch gelegt, dass wir nach unseren Einkäufen im HUMA-Einkaufszentrum bei real eine Kleinigkeit beim Café Extrablatt zu Mittag essen wollten. Bei der Boulangerie Epi schritten wir vorbei und ich lehnte ab. Nun, als wir im Café Extrablatt Platz genommen hatten, gestaltete sich das Studium der Speisekarte schwierig. Vieles focussierte sich auf Pizza und Pasta, doch das war zu viel. Des weiteren gab es Bruschetta, Fritten in ein paar Variationen, mehrere Salate oder Gambas oder Tintenfischringe mit Aioli. Ich entschied mich für die Tomatensuppe, während meine Frau unschlüssig war. Daher bereute ich, ins Café Extrablatt eingekehrt zu sein und am liebsten wäre ich wieder gegangen. Bis denn die Kellnerin ihr Problemlösungsvermögen zeigte, wobei die Lösung der Speiseauswahl für meine Frau denkbar einfach war. Es war eine ganz normale Portion Fritten, die nicht zu sättigend war. In einer Tüte in einem Ständer serviert, verspeiste meine Frau sie vor sich hin, während ich die Tomatensuppe, in der grobe Stücke von Tomaten schwammen, in mich hinein löffelte. Unsere gemeinsame Première im Café Extrablatt im HUMA-Einkaufszentrum hätte ich mir romantischer vorgestellt. Zum Schluß vor meine Frau erschroken, wie spät es am Nachmittag bereits war. Es ging auf drei Uhr nachmittags zu, und zu Hause müssten erst einmal unsere Kinder bekocht werden.

27. Juli 2020


Vier Stunden Ausdauersport pro Woche, das hatte die Kardiologin in ihren Abschlussbericht der Reha geschrieben, und einmal den Drachenfels rauf- und runterlaufen, das erschien für dieses Pensum angemessen, wenngleich wir keine vier Stunden für diese Strecke benötigten. Da unsere Tochter eine Burg oder Burgruine auf einem steil abfallenden Felsen kennen lernen wollte, kamen wir auf den Drachenfels, den wir zuletzt vor drei oder vier Jahren erklommen hatten. Trotz des Hauchs von Massentourismus faszinerte er mich jedesmal aufs Neue – dieser phänomenale Ausblick auf den Rhein und in die Weite. Dass der Drachenfels im 18. Jahrhundert mit der Schifffahrt auf dem Rhein imstande war, einen Massentourismus auszulösen, das konnten wir bei diesem wunderbaren Ausblick nachvollziehen. Dichter und Denker hatte der Rhein, darunter als Highlight der Drachenfels, angezogen. Maler hatten die Burgen des Rheins gemalt, Touristen aller Herren Länder tuckerten auf Dampfern auf dem Rhein, noch bevor die Eisenbahn das Rheintal erschlossen hatte. In dem heftigen und steilen Anstieg, der mein Herz sauber durch taktete, fädelten wir uns ein in die Reihe der übrigen Tagestouristen, die der Erklimmung des in Deutschland am häufigsten bestiegenen Berges entgegen sahen. Familien schoben Bollerwagen hinter sich her, Mütter trugen ihre Säuglinge in der Babytrage auf ihrem Rücken. In Rucksäcken war Proviant verstaut. Manchen waren die Strapazen des Anstiegs anzusehen, als sie Mineralwasser in sich hinein schütteten. Zunehmend belohnten wir uns mit den Ausblicken, welche von der Aussichtsplattform vor dem Restaurant so gigantisch waren, wie sie die Romantiker im 18. und 19. Jahrhundert wahrgenommen hatten. Auch wir hielten inne und ließen den Verlauf des breiten Stromes mit der Insel Nonnenwerth und dem weg knickenden Flussverlauf bei Remagen auf uns wirken. Das Sprachengemisch und die Hautfarben der Tagestouristen waren international. Häufig hörte ich osteuropäische Akzente heraus, manche Hautfarben und Gesichtszüge sahen indisch, japanisch oder chinesisch aus. Übrigens: an der Einhaltung der Corona-Abstandsregelungen störte sich kaum jemand. Hin und her, kreuz und quer bewegte sich das Menschengewühl, davon waren viele auf der Suche nach der optimalen Position für ein Foto und kaum welche achteten auf Abstände. Den Aufstieg vollendeten wir auf der Burgruine, dessen Reste die Höhenburg der Kölner Erzbischöfe aus dem 12. Jahrhundert überdauert hatte. Von hier aus war der Ausblick noch perfekter, noch genialer und wie gemalt. Wir waren hingerissen vor so viel Rheinromantik.

27. Juli 2020


In einer gewissen Regelmäßigkeit begeben wir uns derzeit zum Wertstoffhof Troisdorf. Auf der Terrasse des Hauses des verstorbenen Schwiegervaters steht immer noch jede Menge Abfall, wovon unser Sohn gestern das Holz zersägt hatte, so dass dieses in den Kofferraum unseres Autos passte. In den Fahrten davor waren es Bauschutt, Restmüll, Metall und Tapetenreste. Diese Abfälle haben wir mit unserem Auto zum Wertstoffhof der RSAG gefahren. Die beiden letzten Male sind wir kurz vor halb sechs angekommen, dabei drückten die Mitarbeiter bei der einen Ankunft um 17.28 Uhr ihren Unmut über unsere sehr spätes Erscheinen aus. Dennoch wurden wir unseren Abfall die beiden Male unkompliziert los, was sich bei unserer heutigen Entsorgungsaktion anders gestaltete. Mittendrin in den Öffnungszeiten, um die Mittagszeit kamen wir an, und ich musste mich in einen Stau einfädeln, der schlimmer war als im Berufsverkehr vor dem Leverkusener Kreuz. So etwas hatte ich hier noch nie erlebt. Die Autoschlange stand, es bewegte sich nichts, und Stillstand und Starre hielt genauso die Zufahrt zum RSAG-Wertstoffhof fest. Ein Stop-and-go-Rhythmus kam nur mühselig in Gang, die Autos fuhren wenige Meter, dann stand wieder alles. Es dauerte, 15, 20 Minuten, bis wir die Zufahrt passieren konnten. Dort, wo die Zettel mit den Entsorgungsplätzen gesichtet wurden, erkannte ich die Ursache für den Stau: es war nur Platz für ein Auto an einem solchen Entsorgungsplatz, obschon die Einzelplätze doppelt vorhanden waren, so dass man warten musste, bis das entladenden Auto wegfuhr. Wir übten uns in Geduld. Wir standen, hörten Autoradio und schauten in die Gegend des Industriegebietes von Friedrich-Wilhelms-Hütte, aus dem einige alte Fabrikfassaden heraus ragten. Weil wir ausschließlich Holz im Innenbereich und Elektrokleingeräte zu entsorgen hatten, ging es bei uns vergleichsweise schnell. Als wir den RSAG-Wertstoffhof verließen, war die Autoschlange keinen Meter kürzer geworden.

28. Juli 2020


Den Kopf frei kriegen im Phantasialand – sonst hätte ich dies nie für möglich gehalten. Zu gedrängelt und zu voll war es mir stets im Phantasialand gewesen, so dass sich der Spass-Faktor bei den gigantischen Eintrittspreisen in Grenzen hielt. Gewiss, so einige Details waren hübsch gestaltet, so manche Attraktion nahmen einen mit in alle Herren Länder. Aber all die Achterbahnen waren ohnehin – spätestens nach der Herzerkrankung – eine Gefahr für meinen Körper. Unter diesen Voraussetzungen lagen die Vorlieben zwischen unserer Tochter und mir – gemeinsam besuchten wir das Phantasialand – sehr weit auseinander. So weit, dass wir feststellen, dass die Auswahl der für uns beide in Frage kommenden Attraktionen sehr klein war. Die Mäusejagd war eine dieser Attraktionen. Auf dem Weg dorthin wurde mir bewusst, wie lange ich nicht mehr im Phantasialand gewesen war – das waren locker zehn Jahre. Die Silbermine war platt gemacht worden, ebenso der Phantasialand-Jet, an deren Stelle erstreckte sich nunmehr eine silber glänzende, neue Super-Achterbahn. Auf dem Fahrgeschäft „Maus au chocolat“ schossen wir munter drauf los, was das Zeug hielt, und dennoch gelang es uns nur mäßig, die Mäuseplage in der Berliner Konditorei in den Griff zu bekommen. Etwas verlegen begaben wir uns danach auf den … , die meiner Tochter viel zu langsam und zum Einschlafen vorkam. Bei der nächsten Attraktion, der … achterbahn, trennten wir uns. Ich blieb draußen stehen, zumal ein Herzsymbol vor der Achterbahnfahrt mit Herzvorerkrankungen warnte. Dann besuchten wir die Eisshow, dann aßen wir in dem Selbstbedienungsrestaurant vor dem Wintergarten zu Mittag, und so ungefähr ab diesem Zeitpunkt bekam ich den Kopf frei. Vielleicht lag es daran, dass ich meinen Aggressionstrieb an den Wespen abarbeiten konnte, die in größerer Anzahl über meine Spaghetti mit der Bolognesersoße herfallen wollten. Nicht viel anders erging es meiner Tochter mit ihrem Schnitzel mit Fritten. Kurzer Hand benutzte ich meine Gabel als Mordinstrument und stach auf die Wespen ein, was mir in drei, vier Fällen erfolgreich gelang. Den Kopf bekam ich frei, als wir nachmittags die waghalsigen und mir als Foltergerät vorkommenden Achterbahnen, wohin meine Tochter sich alleine wagte, mit den etwas weniger waghalsigen Fahrgeschäften, in die wir gemeinsam hinein stiegen, kombinierten. Die Ankündigung vor dem River Quest „ … „ sollte ihre Berechtigung haben. Das mit acht Mann besetzte Boot torkelte in der wilden Strömung hinab. Mit seinem schweren Gewicht lastete es zwar sicher in den Kurven des wilden Flussverlaufes, aber das Wasser schwappte gewaltig, so sehr, dass sich ein großer Schwall über meinen ganzen Körper ergoss. Obschon ich trotz Herzvorerkrankung gegen Nässe resistent war, waren das klatschnasse T-Shirt und die klatschnasse Jeanshose unangenehm. Anschließend konnte ich die vor Nässe triefenden Kleidungsstücke an meinem Körper trocken, als sich meine Tochter auf die … achterbahn begab, wovon ich Abstand nahm und in der Sonne wartete. Diese Zeit des Wartens dehnte sich in die Länge, weil meine Tochter gleich zweimal mit dieser Attraktion fuhr, weil wir uns nach dem ersten Mal am Ausgang verpasst hatten. Auf die Wildwasserbahn ging es danach wieder gemeinsam, wo ich den Blick frei hatte für diverse Details des mexikanischen Chiappas, dessen Kultur in Nischen und Höhlengängen nachgebildet war. Es war nicht nur Vergnügen, Attraktion und Massengeschäft im Phantasialand. Die Betreiber des Parks ließen an einigen Stellen ihren Gestaltungswillen für Details aufblitzen und gaben sich Mühe, landestypische Einblicke in die Weltkulturen darzustellen. Es war also nicht nur alles vergnügungsmäßig, auf den Geschmack der Massen ausgerichtet und in den Superlativen der Attraktionen gipfelnd. Das Wasser der Wildwasserbahn dämpfte die Geschwindigkeit, in den nachgebauten Baumstämmen ging es mit deutlich weniger Highspeed vorwärts als in den Achterbahnen. Nur das Finale am Schluss raste fast senkrecht in die Tiefe, ein relativ kurzer Moment, als wir deutlich weniger nass wurden als beim „River Quest“. Die Black Mamba war der Schlusspunkt, bevor wir den Freizeitpark verließen. Während meine Tochter sich auf dieses Höllengerät einließ, spannte ich auf einer Bank vor dem Ausgang der Attraktion aus. Als meine Tochter unter dem mit afrikanischen Masken verzierten Ausgang erschien, war die Zeit bereits fortgeschritten. Viel Zeit hatten wir in Warteschlangen verbracht, wo in Zeiten von Corona die Abstandsregelungen wenig beachtet wurden. Eine Weile überlegten wir, im Phantasialand zu Abend zu essen. Es gab aber fast nur Fast Food, und auch das chinesische Restaurant war geschlossen. So bewegten wir uns zum Ausgang. Wir beschlossen, zu Hause etwas zu essen, und hinter uns lag ein erlebnisreicher Tag im Phantasialand.

29. Juli 2020


Die Hinfahrt nach Köln nervte. Wir waren mit dem Bus nach Zündorf, wo wir an der Endhaltestelle der Linie 7 darauf hingewiesen wurden, dass ab Porz-Ensen Busse weiterfuhren. Die Straßenbahn fuhr los, und an der Gilgaustraße in Porz-Ensen, wo die Fahrt endete, erkannten wir den Grund. Bagger waren damit befasst, Straßenbahngleise neu zu verlegen, wobei der Umfang der Bauarbeiten eine Großbaustelle annahm. In Porz-Ensen mussten wir umsteigen in Busse, die die Fahrgäste bis zur Salmstraße in Poll transportierten, wo wir wiederum acht Minuten auf die Linie 7 warten mussten, die uns bis zum Neumarkt fuhr. Eine ganz schön umständliche Fahrt in die Kölner Innenstadt, die mit anderthalb Stunden einiges länger als gewöhnlich dauerte. Dieser höhere Zeitaufwand verkürzte dann unseren Bummel durch die Kölner Innenstadt. Unserer Tochter hatte ich diesen Bummel versprochen, und so bummelten wir ab dem Neumarkt munter drauf los. Zuerst schmökerte unsere Tochter in der Mayerschen Buchhandlung nach Mangas, wo ich nebenher nach einem Buch über Glücksorte an der Mosel suchte, dann schlenderten wir über die Schildergasse. Vorbei an Modeläden, Boutiquen, Bekleidungsgeschäften, ohne dass wir denen einen Besuch gönnten. Im Lego-Shop besorgte ich mir einen neuen Schlüsselanhänger, danach quälte unsere Tochter der Hunger. Diese Gelegenheit des Hungers verfrachtete uns ins Café Extrablatt, wo eine Pizza Margarita den Hunger unserer Tochter stillte. Wir saßen nebeneinander, schauten auf den Alten Markt, über einen Wandbildschirm flimmerten Comics wie der Koyote Karl. Bis die Pizza serviert wurde, schmökerte unsere Tochter in ihren Mangas, während ich den ausliegenden Kölner Stadt-Anzeiger studierte. Nachdem wir das Café Extrablatt verließen, wollte unsere Tochter noch in irgendein Geschäft mit Anziehsachen hinein. Auf der Strecke von der Hohen Straße zum Hauptbahnhof lag allerdings nichts Anzügliches auf dem Fußweg, und so nahmen wir gegen viertel vor fünf die S-Bahn. Es war ein Stadtbummel im Schnelldurchlauf.

30. Juli 2020


Haben wir Termine beim Amtsgericht, dann habe ich es mir längst abgewöhnt, bestimmte Erwartungshaltungen einzunehmen. Es kommt sowieso vollkommen anders, als wir gedacht haben. Das Amtsgericht ist stets gut für Unverhofftes, Überraschungen und Konstellationen, die sämtliche Pläne komplett über den Haufen schmeißen. Ein Haufen von Bürokraten sucht Gleichgesinnte, die als monolithischer Block undurchdringlich sind, sich abschotten und sich gegen uns wenden. Mit unserem Schwager hatten wir heute einen Termin zur Anhörung bezüglich der Erbauseinandersetzung. Unser Wunschdenken wäre gewesen, dass das Amtsgericht mit der Anhörung der Erbauseinandersetzung zugestimmt hätte, so dass der Vertrag zur Erbauseinandersetzung umgesetzt werden könnte. Die heutige Anhörung dauerte nur kurz, weil mein Schwager den Vorgang der Erbauseinandersetzung nicht verstand – was nicht anders zu erwarten war, was aber unter den gegebenen Rahmenbedingungen längst hätte geklärt werden können. Das Amtsgericht musste daher Hilfe in Anspruch nehmen – von einem Verfahrensbetreuer. Dieser Verfahrensbetreuer, der ein Rechtsanwalt ist, hat allgemein die Aufgabe, dass das Amtsgericht ihn in Betreuungsangelegenheiten bei bestimmten Einzelthemen zu Spezialfragen heranziehen kann. Der Mitarbeiter des Amtsgerichtes war so vorgegangen, dass er meinem Schwager eine Reihe von Fragen zur Erbauseinandersetzung stellte, welche er nicht oder nicht eindeutig beantworten konnte. Das war mehr als normal, wozu uns der Mitarbeiter des Amtsgerichtes beruhigte. Das könnte darauf hinauslaufen, dass dieser Verfahrensbetreuer dies dokumentieren würde, was aber der eigentlichen Erbauseinandersetzung nicht entgegen stehen würde. Dies wird aber die Erbauseinandersetzung verzögern und in die Länge ziehen. Und dabei sind wir skeptisch, welche Person des Verfahrensbetreuers dies sein wird. Ein schlimmes Szenario ist denkbar, dass der Verfahrensbetreuer ähnlich sperrig sein wird als unser Ergänzungsbetreuer. Dass der Verfahrensbetreuer mit seinem Honorar daran verdient, wenn er sich dem Vorgang entgegen stellt, wenn er sich mit uns streiten will und wenn er ganz penibel auf die Befolgung gesetzlicher Marschrichtungen beharrt. Wir hoffen nicht, dass er uns vor Aufgaben stellt, die wir mit unverhältnismäßig hohem Aufwand stemmen müssen.

31. Juli 2020


Frühstücken im Eiscafé – ein neu gekanntes Urlaubsgefühl. Den Ort des Frühstückens hatten wir verlagert, von unseren eigenen vier Wänden zum Marktplatz in unserem Ort in die Wände des Eiscafés, wo wir locker beisammen saßen. Ein Stück Urlaubsgefühl, vom Garten hinaus in die hellbraun gemaserten Tische des Eiscafés, wo wir nicht selbst zu Akteuren wurden, um all die Utensilien des Frühstücks aus unserem Kühlschrank zu holen, sondern bedient wurden. Wir mussten nur äußern, wie wir unser Frühstück haben wollten, gegenüber der Kellnerin, die uns alsbald verwöhnte. Unser Zeitgefühl schoben wir beiseite, was alleine ein Stück Urlaub zu Hause ausmachte. An dem Tisch im Eiscafé sortierten wir uns neu, nichts drängte uns, und was zu erledigen war, blendeten wir aus. Alles stressfrei und ohne Hektik. Die Brötchen, das Körnerbrötchen und das Croissant ließen wir uns schmecken, wobei sich irgendwelchen Ernährungsfritzen wohl die Haare gesträubt hätten, als ich Salami, Käse oder den Schinken mit dem Fettrand verspeist hatte. Die Zeit zu verbummeln, tat gut. Als Nachtisch genehmigte sich unsere Tochter noch einen Erdbeerbecher. Und auch der Rest des Tages lief zwei Tage vor unserer Abreise in unsere Ferienwohnung in Staufen bei Freiburg vollkommen stressfrei ab. Nachmittags war ich mit unserem Sohn zur Post, wo er ein Päckchen abschickte. Im Haus des verstorbenen Schwiegervaters schaute ich im Briefkasten nach, dass keine wichtige Post dort gelandet war. Um 16 Uhr fuhren wir mit unserem Kater Rambo zum Tiergesundheitszentrum nach St. Augustin. Zu Abend aßen wir Pellkartoffeln, Schlemmerfilet und Kohlrabi mit Erbsen. Alles in einer solchen Ruhe, die ich ansonsten kaum kannte.


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