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Tagebuch April 2023

1. April 2023


Meine Frau hatte mich um eine etwas ungewöhnliche Aktion gebeten, nämlich mich ab 9 Uhr vor dem Pfarrheim in unserem Ort an den Anfang einer Warteschlange zu stellen. Sinn der Aktion war, Karten für den sogenannten „bunten Abend“ zu bekommen. Dazu sollte es drei Aufführungen im April geben, wozu Karten ab 11 Uhr in unserem Pfarrheim verkauft wurden. Dieser bunte Abend war ursprünglich als reiner Damenabend konzipiert gewesen, in den letzten Jahren vor Corona waren auch Männer als Zuschauer zugelassen gewesen, während Corona war drei Jahre lang der bunte Abend ausgefallen. Und über all die Jahre, in denen der bunte Abend statt gefunden hatte, war ich noch nie dort gewesen, sondern meine Frau mit befreundeten Frauen. Nun also stand ich an, weil die Nachfrage erfahrungsgemäß groß war, insbesondere, weil es bei uns der Freitagabend war, an dem mir die Ehre gewährt sein sollte, das erste Mal mit dabei sein zu dürfen. In diesem Jahr war der Andrang für die Karten allerdings nicht so riesig. Bis 10 Uhr wartete ich alleine mit zwei anderen Frauen, ab 10 Uhr trödelten die anderen Interessentinnen allmählich ein, so gegen viertel vor elf wartete ein Grüppchen von etwa 15 bis 20 Personen, welches dann in den Saal des Pfarrheims hinein gelassen wurde. Stuhlreihen waren vor den Aufführungsterminen am Mittwoch, Donnerstag und Freitag aufgestellt. Der Reihe nach, wer zuvorderst in der Warteschlange gestanden hatte, konnte man sich vor das Tischende mit den Aufführungstagen setzen, und dort durfte man abermals warten, bis die Ausgabezeit von 11 Uhr erreicht war. Dementsprechend erhielt ich für unsere Gruppe von 6 Personen Karten ganz dicht vor der Bühne, so dass wir beste Sicht haben würden. Den Vormittag hatte ich mit sehr viel Warterei verbracht und hielt die Eintrittskarten in den Händen.

2. April 2023


Auf den Spuren des einstigen Truppenübungsplatzes spazierten wir nicht ganz, aber die Annäherung war geräuschvoll mit den abhebenden Flugzeugen, deren Triebwerke mit einem donnernden Lärm die Luft auseinander schnitten. An der Landstraße hatten wir geparkt, um durch die Wahner Heide einen Spaziergang zu machen. Selbst sonntags waren die Zeitintervalle regelmäßig, dass die Flugzeuge über unsere Köpfe hinweg donnerten. Was nicht verwunderlich war, denn die eine Seite des Parkplatzes grenzte an das Flughafengelände, und genau diese Seite bewahrte in der Wegebezeichnung die Vergangenheit des Truppenübungsplatzes. „Paradeplatz“ lautete diese Wegebezeichnung, und tatsächlich hatte der deutsche Kaiser mehrfach Präsenz gezeigt, als er die Parade von Regimentern und Garnisonen abgenommen hatte. Die Behausungen der Soldaten, die in der Kaiserzeit ein Provisorium waren, verlagerten sich in der Zwischenkriegszeit dorthin, wo man heutzutage im Stadtteil Wahnheide die Kasernen vorfindet. So überließ man etwa einhundert Jahre dieses Gebiet der Natur, und genau durch diese Natur wagten wir den Spaziergang. Dieser war deswegen ein Wagnis, weil meine Frau kein festes Schuhwerk angezogen hatte und auf gut befestigte Waldwege vertraute. Größtenteils klappte dies, wir mussten wenige Pfützen umkurven, und neben Kiefern überwog in dieser Ecke der Wahner Heide der Laubwald. Als uns das Wegesymbol mit dem Eichenblatt den Weg wies, wurde unser Blick für die Vegetation geschärft. Tatsächlich, es war eine ganze Reihe von Eichen auszumachen, doch unser Spaziergang nahm dann – nicht nur aus Zeitgründen – ein jähes Ende. Auf dem Querweg hatte sich so viel Wasser angesammelt, dass wir einen großen Bogen über den Querweg hätten nehmen müssen. Und selbst die Randbereiche waren so matschig, dass wir keinen Schritt in das wabbelige Erdreich hinein wagten. So kehrten wir um, und ich bestaune jedes Mal die Vielseitigkeit der Vegetation, die Nähe zu einem gigantischen Verkehrsdrehkreuz und den Gegensatz zwischen Lärm und Ruhe, die vollkommen perfekt ist, wäre da nicht der Flugverkehr.

3. April 2023


Unsere Planungen, was wir im Frühjahr unternehmen wollen, sind noch sehr zögerlich. In den Kalender hatten wir diejenigen Termine eingetragen, die belegt sind, Dorftrödel, Goldkommunion, Kegeln, Sommerfest im Behindertenwohnheim und so weiter. Dann stand noch meine Operation an, die mich im Juni für etwa 14 Tage lahm legen würde. So wollten wir unseren Terminplan nicht zu dicht belegen. Wir vermieden es, hin und her zu diskutieren, und so legten wir die Priorität der Unternehmungen auf den Besuch der Karl-May-Festspiele. Auch dies hatte sich in die Länge gezogen wegen Rabatten, auf die wir vergeblich gewartet hatten. Ohne Rabatte erhöhte sich nämlich der Eintrittspreis – inklusive Mittagsessen – von 35 Euro auf 48 Euro. Klarheit schuf in dieser Sache ein Anruf bei den Karl-May-Festspielen. Über etwaige Rabattaktionen sei man nur Online informiert worden, wenn man den Newsletter abonniert habe – was wir nicht gemacht hatten. Per Post seien aber Termine mit einem Rabatt von 15% zu uns unterwegs. Leider lagen diese Termine in den Sommerferien durchgängig werktags, nur der Termin am 25. Juni fand sonntags statt. So haben wir uns nun für diesen Termin acht Karten zuschicken lassen, wobei zu den acht Personen wir beide gehören und sechs Behinderte, die sich bereits jetzt riesig auf den Besuch der Karl-May-Festspiele freuen. Das Stück „unter Geiern“ wird in diesem Jahr aufgeführt, und wir freuen uns genauso auf das gemeinschaftliche Erlebnis mit dem mitfahrenden Menschen mit Handicap.


4. April 2023


Mord in unserer Stadt. Vor drei Wochen machte ein jugendlicher Passant mitten in der Nacht eine grausige Entdeckung, die glatt aus irgendwelchen Edgar-Wallace-Verfilmungen oder irgendwelchen Tatorten hätte stammen können. Kurz vor der Stadtgrenze zu Köln ragten zwei Füße aus einem Gullydeckel heraus. Bei näherem Hinsehen bemerkte der Jugendliche, dass diese zu einem Menschen gehörten, und er alarmierte die Polizei. Diese rief die Feuerwehr herbei, die eine menschliche Leiche barg, die kopfüber in den Kanalschacht hinein manövriert worden war und mit Splitt zugeschüttet worden war. Die Spuren der Rechtsmedizin führten in die Wohnung des Opfers sowie zu dem vermeintlichen Täter. Die beiden Männer, 40 und 46 Jahre alt, wohnten im Nachbarort zusammen und hatten sich gestritten. Der Streit sei wohl so heftig geworden, dass der 40-jährige auf den 46-jährigen eingeschlagen habe. Der 40-Jährige konnte zeitnah festgenommen werden und die Staatsanwaltschaft ermittelt nun, ob er der Täter ist.

5. April 2023


Geißblatt, Hahnenfuß, Brennessel, Löwenzahn: da wir den Schwerpunkt in unserem Garten auf den Nutzgarten legen, breiten sich die Unkräuter leider allzu sehr aus. Wir müssen uns genauso mit Schädlingen oder dem Gießen in Trockenperioden herum schlagen, so dass uns die Zeit effektiv fehlt für die Pflege des Ziergartens. Ganz anders sah dies naturgemäß im botanischen Garten aus, wohin ich es heute seit längerer Zeit geschafft hatte. Bei prächtigem Sonnenwetter zog es jede Menge Spaziergänger in die Gartenanlage. Im Schatten war es noch kühl, in den Gehölzen zögerte das Grün auszutreiben, und so einige Bodenpflanzen standen in voller Blüte, so wie etwa diese Alpen-Gänsekresse mit ihren üppigen, weißen Blütenkelchen. Von Geißblatt, Hahnenfuß, Brennesseln oder Löwenzahn war nichts zu sehen, die Gartenanlage war indes makellos gepflegt. So viele Schilder teilten die Pflanzen nach der Klassifizierung von Carl von Linné ein, dass ich mir außer der Alpen-Gänsekresse die übrigen Pflanzenbezeichnungen gar nicht merken konnte. Die Pflege dieser Artenvielfalt ging gegen den Trend. Unsere Ökosysteme waren dahingehend durch einander geraten, dass die Artenvielfalt in einem Wahnsinnstempo schwand. Hier erhielt man hingegen diese Artenvielfalt, die wir quasi nur noch in botanischen Gärten, in Zoos oder in Naturschutzgebieten bewundern konnten. Heimische Gärten könnten ebenso Inseln einer Artenvielfalt sein, wenn dort nicht Geißblatt, Hahnenfuß, Brennessel, Löwenzahn dominierten oder auch monotone Rasenflächen. Einstweilen genoss ich den Frühlingstag im botanischen Garten und erfreute mich an der bunten Blütenpracht des Frühlings.

6. April 2023


Meine Frau meinte, wir hätten eine Brieffreundschaft mit der IKK, so viel Post bekämen wir von der Krankenkasse. Der Schriftverkehr häuft sich in der Tat. Vieles hing zuletzt mit der Begutachtung des Schwagers durch den medizinischen Dienstes zusammen, daraus resultierend ein höherer Pflegegrad. Dann hatten wir Hinweise zur Darmkrebsvorsorge erhalten, aktuell hat der Hausarzt eine Physiotherapie verschrieben. Die Verordnung für die Physiotherapie müssen wir der Krankenkasse vorlegen, sie gilt allerdings nur für einen Zeitraum von einem Monat. Meine Frau hatte Mühe, Termine bei einem Physiotherapeuten zu finden. Im Nachbarort, für den Schwager mit öffentlichen Verkehrsmitteln quasi nicht erreichbar, konnte sie dann doch Termine im Mai und Juni organisieren. Per Post geht die Verordnung an die Krankenkasse, eine weitere Verordnung über den Einmonatszeitraum hinaus muss noch beigebracht werden. So wird die Physiotherapie den Gang der Dinge nehmen. Was die Krankenkasse betrifft, warten wir allerdings noch auf die Stellungnahme zur Psychotherapie. Meine Frau hatte mit dem Schwager Anfang Januar einen Termin bei einer Psychotherapie in Siegburg gehabt, den Antrag auf die Psychotherapie hatte sie in den Tagen danach an die Krankenkasse geschickt. Vorab hatte der Psychotherapeut gemeint, die Krankenkasse würde so etwas normalerweise nicht genehmigen. Dann müsste die Ablehnung an den Landschaftsverband geschickt, der dann aus seinen Geldern die Psychotherapie bezahlen würde. Nun warten wir bereits seit etwa drei Monaten auf die Stellungnahme der Krankenkasse. Zuletzt hatte meine Frau die Krankenkasse nochmals angeschrieben, indem sie diese an den offenen Vorgang erinnert hatte. Mal schauen, wie lange wir uns gedulden müssen.

7. April 2023


Am Telefon entfachten sich heftige Diskussionen um 22 Euro. Es ging um die Grundrente und es ging um die Rolle des Staates, was die Höhe der Grundrente betraf. Wir haben Freunde im Saarland, er arbeitet seit Jahrzehnten als Lagerist im Niedriglohnbereich, sie hat einen 450 Euro (beziehungsweise 520/570 Euro-Job), Kinder haben sie keine. Sie bewohnen eine Eigentumswohnung am Stadtrand von Saarbrücken, die die Eltern/Schwiegereltern finanziert haben. Er geht ab 1. Mai in Rente und hat uns einen Rentenbetrag von 1.412 Euro genannt. Wie sollen die beiden davon überleben ? Die Diskussionen entfachten sich darüber, dass er ein ganzes Leben gearbeitet hat und dass der Staat dies nur mit 22 Euro – der Aufstockung auf die Grundrente – honoriert. Wir diskutierten, dass es Spielregeln des Sozialstaates geben müsse. Sozusagen ist der Sozialstaat eine riesige Umverteilungsmaschine, die Steuern auf der einen Seite einnimmt und Geld auf der anderen Seite an Bedürftige ausschüttet. Was an Sozialhilfe, Wohngeld, Kindergeld, Erziehungsgeld usw. nach welchen Kriterien ausgeschüttet wird, das bestimmt der Staat. Irgendwo muss es Grenzen geben, Festlegungen, die stets gerecht oder ungerecht sein können. Die Diskussion, dass es nur 22 Euro sind und dass andere begünstigte Gruppen vielleicht besser wegkommen, hielten wir für müßig. Mit so wenig Rente klar zu kommen, ist bestimmt nicht schön. Die Diskussion zeigte aber auch eine weit verbreitete Haltung unserer Bürger: der Fingerzeig auf den Staat. Er soll sich um alles kümmern, er soll eine Rund-um-Versorgung seiner Bürger sicher stellen, anstatt dass die Bürger selber anfangen, sich zu kümmern und zu machen. Häufig essen gehen und teure Urlaube würden bei solch einer geringen Rente wohl kaum drin sein, als Auto wäre allenfalls ein sparsamer Kleinwagen finanzierbar. Sei es wandern, sei es 49 Euro-Ticket oder sei es, sich einen Kaffee oder ein Eis zu gönnen: ein bißchen Lebensqualität sollte auch bei solch einer niedrigen Rente möglich sein. Ohne zu schimpfen auf den Staat, dass er sich um die Belange seiner Bürger viel zu wenig kümmert.

8. April 2023


Nach ein paar Anlaufversuchen gelang es meinem Bruder, bei uns zu Hause vorbei zu schauen. Per SMS hatte er angefragt, doch die Termine lagen quer, weil wir anderes, dringenderes zu tun hatten. Diesmal klappte es schließlich, nachdem ich ihm mitgeteilt hatte, dass ich Urlaub hatte und tagsüber ausschließlich im Garten beschäftigt war. Er wollte ein paar Dinge ausspeichern unter der Abwesenheit unserer Mama, die ein großer Teil des Problems war. Sie wohnte mit seiner Familie unter einem Dach, es gab keine abgeschlossene Wohneinheit für die Mama, und so fehlte die Privatsphäre. Sie war ständig mit dabei, mischte sich in alles ein, wollte überall mitreden, rannte in alle Räumlichkeiten hinein, wie es ihr gerade passte, und sie erwartete, dass ständig jemand für sie da war. So war er mit seiner Familie ständig auf der Flucht, sozusagen, weil es sich zu Hause schlecht aushalten ließ. Mit ihren 87 Jahren war die Mama zudem ziemlich betreuungsbedürftig mit einer hohen Anzahl von Arztterminen, er musste für sie einkaufen. Regelmäßig half jemand beim Putzen, bestimmte Räumlichkeiten putzte sie aber selber. Die Bewegung mit dem Rollator klappte immer schlechter, sie war aber mit dem Elektromobil fleißig unterwegs, so zum Friedhof. Wir redeten über das Thema der Erbschaft, das wir sehr weit vor uns herschoben, weil wir den Tod der Mama in eine ganz weite Ferne schoben. Es gab ja dieses handgeschriebene Testament, das als Enterbung zu werten war. Wir diskutierten über die Regelung des Pflichterbteils von 25%, und wir diskutierten genauso, dass die Immobilienpreise in den letzten Jahren stark in die Höhe geschossen waren, so auch in ländlichen Gegenden. Die ländliche Gegend, wo mein Bruder wohnte, war letztlich dem Großraum Düsseldorf zuzuordnen, welcher nicht von der Explosion der Immobilienpreise verschont geblieben war – wenngleich auf einem niedrigeren Niveau als bei uns. Dabei musste mein Bruder ein paar mal schlucken, dass ihm dies so nicht bewusst gewesen war. Unsicher sei aber ohnehin, ob sie dort nach dem Tod der Mama wohnen bleiben würden. So hatten wir uns nach etwa zwei Stunden einiges zu sagen gehabt, und es war ziemlich befreiend, in der Abwesenheit der Mama anders miteinander reden zu können.

9. April 2023


Die Erlebnisse ähnelten sich ein wenig zur Vorwoche. Seit gestern hatten wir unsere große Tochter zu Besuch, nachdem ich sie gestern am Bonner Hauptbahnhof abgeholt hatte. Den heutigen Ostersonntag vertändelten wir so ziemlich, nachdem wir lange geschlafen hatten, unsere große Tochter schlief gar bis mittags gegen 12 Uhr. Etwas später kochten wir Tomatensoße, und danach waren die 16 Uhr bereits überschritten, als wir uns bei einem Spaziergang draußen bewegen wollten. Wir fuhren in den Nachbarort, drehten eine Runde um den Yachthafen wir spazierten den Rheinarm der Diescholl entlang. Als wir diskutierten, näherten wir uns der Holzbrücke über den Rheinarm, und bei der Diskussion erwähnte meine Frau einen Post in Facebook, der rund ein Jahr alt war: der Holzbrücke, die in Sichtweite ziemlich genau vor uns lag, folgte ein Stück weiter hinter Pappelreihen ein zweite Brücke, und über die zweite Holzbrücke hatte sich in Facebook jemand beklagt, dass sie immer noch kaputt sei und wieso die Stadt Troisdorf nicht in der Lage sei, sie zu reparieren. Meine Frau meinte, sie habe gelesen, dass sie inzwischen repariert worden sei, und wir beschlossen, dies zu überprüfen. So schritten wir denn über die erste Brücke, wo wir übrigens kurz nach meinem Herzinfarkt das letzte Mal gewesen waren. Dann wollten wir geradeaus weiter schreiten, doch nun ereilten uns ähnliche Erlebnisse wie in der Vorwoche. Die Regenfälle der letzten Woche hatten Pfützen gebildet, die sich großflächig ausbreiteten. Matsch hinderte uns am Weitergehen, und auch an den Rändern des Pfades war es so morastig, dass wir uns nicht vorbei wagten. So blieb uns die Überprüfung verwehrt, was mit der zweiten Brücke los war. Darüber waren wir nicht enttäuscht, so dass wir ganz einfach über die erste Brücke wieder zurück schritten, anschließend spazierten wir ein längeres Stück zurück bis an die Landspitze zum Hafenbecken des Yachthafens. Ein Schwenk zurück den Yachthafen entlang, und wir waren zu unserem Auto zurück gekehrt.

10. April 2023


All die Pflanzen und Blumen, die wir im Gartencenter Breuer gekauft haben, müssen sich gedulden. Das ist bereits mehr als eine Woche her, dass wir uns mit der Frühjahrsbepflanzung eingedeckt haben. Ein Teil soll das Grab des verstorbenen Schwiegervaters schmücken, ein anderer Teil sind Gemüsepflanzen die auf unsere Hochbeete gepflanzt werden müssen. Wie so oft, bekomme ich die Dinge schlecht sortiert, um diese nacheinander abarbeiten zu können. Zu vieles ist gleichzeitig zu machen, anderes muss vorher erledigt sein, um die nachfolgenden Tätigkeiten bearbeiten zu können. Hochbeet für Hochbeet müssen wir vorbereiten, um dort Gemüse pflanzen zu können. Dort müssen wir die Erde herausnehmen, mit Kleingehäckseltem auffüllen, dann die heraus genommene Erde wieder zurück füllen. Insbesondere das Häckseln von Ästen und Zweigen kostet Zeit, welche einem großen Haufen hinter der Terrasse bei der Dreier-WG entnommen werden. So ist die Anzahl der Tätigkeiten einfach zu vielschichtig, um diese umfassend und vollständig abarbeiten zu können. Wir sehen dies mit Gelassenheit. Dann muss das Grab des verstorbenen Schwiegervaters nun mal warten, bis die Farben in die Frische des Frühlings wechseln.

11. April 2023


Diesen Geburtstag hatte unsere Tochter verdient, nachdem sie im Jahr vor Corona keinen Geburtstag gefeiert hatte, in zwei Jahren musste die Geburtstagsfeier wegen der Corona-Pandemie ausfallen, im letzten Jahr war unsere Tochter mit ihrem Freund aus Dortmund sowie mit einer Klassenkameradin im Phantasialand in Brühl. In diesem Jahr, zu ihrem 18. Geburtstag, sollte nunmehr richtig gefeiert werden, bei uns zu Hause, mit mehr als drei Personen. Dazu wollte sie mit ihren Geburtstagsgästen in ihren Geburtstag hinein feiern. Es waren Osterferien, am nächsten Tag war kein Schulunterricht, und die Geburtstagsgesellschaft, die neun Personen umfasste, davon drei Mädels und Rest waren Jungen, konnte bis tief in die Nacht hinein feiern. Die Arbeit war nicht unerheblich, den Wintergarten herzurichten und das übrige Haus in einen halbwegs aufgeräumten Zustand zu überführen. Eine Zeitlang dauerte es, bis unserer Tochter klar wurde, dass sie mithelfen musste, und mehrere Tage mussten wir uns mächtig ins Zeug legen. Das Vorhaben, unseren total verstaubten Grill aus der Garage zu holen, verwarfen, und statt dessen brateten wir das gekaufte Fleisch in der Pfanne, Salate hatten wir zubereitet, und natürlich durfte der Alkohol in Form von Mischgetränken mit Bier nicht fehlen, gekauft hatten wir ebenso Biervarianten wie Desperados oder die Biermarke Corona, die schlimme Assoziationen mit der Pandemie weckte. Dann hatte ein Gast eine Flasche Bacardi mitgebracht, dem noch eine besondere Bedeutung zukommen sollte. Im Wintergarten waren alle für sich, wir aßen derweil in der Essecke im Wohnzimmer, es wurde ordentlich gelacht, alle waren bester Laune, der Alkohol floß, und die Feier blieb in ruhigen Bahnen ohne irgend welche Exzesse. Kurz vor Mitternacht suchte die Gruppe das Weite, sie begab sich mit unbekanntem Ziel nach draußen und kehrte etwa eine Stunde später zurück. Danach blieb die Gruppe in Feierlaune, das Lachen nahm kein Ende, abermals wurde gut getrunken, und mein Angebot, als Taxi zu fungieren und die Gäste nach Hause zu kutschieren, wurde konsequent abgelehnt. Nach den konsequenten Ablehnungen, dass die Geburtstagsgesellschaft bleiben wollte, war ich es Leid und legte mich ins Bett. Doch an Schlafen war nicht zu denken, wenn die Nacht durch gefeiert wurde. So verbrachte ich längere Zeit im Bett, ohne einzuschlafen, bis ich mich wieder anzog und nach draußen zur Bushaltestelle ging, um zu schauen, wann der erste Bus die Gäste zurück fahren könnte. Dieser Bus fuhr um 4:41 Uhr, und genau dies war dann auch der Plan der Gäste. Ich selbst hatte mich in den Wintergarten gesetzt, während sich alle im Zimmer unserer Tochter versammelt hatten. Gegen 4:30 Uhr standen mit einem Mal alle parat mit angezogenen Jacken vor der Haustüre. Alle zusammen gingen sie zum Bus, so dass ich auch keine Angst zu haben brauchte, irgend jemand könne womöglich zu Hause nicht ankommen, denn alle wohnten lediglich ein paar Straßen auseinander zwei Orte weiter. Eine harmonische Feier hatte ihr Ende genommen, und ich ging davon aus, dass unsere Tochter diese Feier zu ihrem 18. Geburtstag noch lange in Erinnerung behalten würde.

12. April 2023


Die Gäste waren verschwunden, unsere Tochter war im Bett eingeschlummert, und in mir entstand genau der umgekehrte Effekt. Ich war aufgedreht, die Gedanken kreisten wie wild, und mir war überhaupt nicht danach zumute, ins Bett zu gehen. So trank ich den Rest Rotwein, der noch in der Flasche übrig geblieben war. Als ich diesen ausgetrunken hatte, machte ich mich an den nächsten Rest Weißwein heran. Doch dann waren keine Reste mehr übrig, so dass ich eine neue Flasche hätte öffnen müssen. Ich hätte in den Keller gehen müssen, wozu ich effektiv zu faul war. Was für Optionen hatte ich, einen weiteren leckeren Tropfen zu trinken ? Vor mir stand eine Flasche Bacardi, die noch etwas weniger als halbvoll war. Obschon ich ansonsten härtere Sachen wie Schnaps, Whisky oder Weinbrand ablehnte, goß ich mir diesmal den Rum in mein Weinglas ein. Ich fand durchaus Gefallen an dem beißenden und intensiven Geschmack, dem ich Schluck für Schluck mehr abgewinnen konnte. Die Menge an Rum wurde mehr und mehr, meine Gedanken kreisten weiterhin in angenehmen Bahnen, und ich fand sogar einen Zeitpunkt, um aufzuhören. Ich spürte, wie die Müdigkeit mich übermannte, ich legte mich unten auf die Couch und augenblicklich schlief ich ein. Das böse Aufwachen geschah um die Mittagszeit des Folgetages. Alles drehte sich um mich herum, was selbst der mittägliche Kaffee und das Käsebrötchen nicht stabilisieren konnte. Ich war so müde, dass ich mich kaum wach halten konnte. Den Schlaf konnte ich sogar nachholen, als meine Frau nachmittags mit unserer großen Tochter zum HUMA-Einkaufszentrum fuhr. Doch so richtig kam ich immer noch nicht auf die Beine. Wach geworden, trank ich eine Fassbrause vor dem Fernseher, wo mich mehr herum döste als im Wachzustand verstand, um was für eine Fernsehsendung es genau ging. Der Kollaps kam schließlich abends, als wir im China-Restaurant essen gehen wollten. Bevor wir losfuhren, spürte ich, wie die Übelkeit mich immer mehr ergriff, und ich musste mich auf der Toilette übergeben. Das waren die Nachwirkungen der Flasche Bacardi in der sehr späten Nacht, kurz vor der Morgendämmerung. Es half nichts, und selbst nachdem ich ein paar Schlucke Mineralwasser getrunken hatte, musste ich mich erneut übergeben. In der Nacht schlief ich einen perfekten und ruhigen Schlaf, ohne mich zu übergeben, und am Tag darauf war die Welt wieder in Ordnung.

13. April 2023


Am Tag, als unsere große Tochter abreiste, verbummelten wir den Vormittag. Am Nachmittag fing uns ein unerwartetes Ereignis ein, das Erstaunen erregte vor den Zuständen unseres Rechtsstaates. Der Tag begann damit, dass der Zug, den unsere Tochter nehmen wollte, vierzig Minuten Verspätung hatte. Die Anzeigetafel informierte die Reisenden, dass es einen Lokschaden gegeben hatte, der aber behoben werden konnte. Was tun mit der Wartezeit ? Ich nutzte diese, um mich im nahe liegenden Kundencenter der Stadtwerke um das 49 Euro-Ticket zu kümmern. In der Woche davor war die Warteschlange zu lang, als ich in der Mittagspause vorbei geschaut hatte, nun war es angenehm leer, so dass sich ein Mitarbeiter darum kümmern konnte, das Formular auszufüllen mit den persönlichen Daten und der Bankverbindung. In Kartenform würde mir das 49 Euro-Ticket in den nächsten Tagen per Post zugeschickt werden. Zurück zu Frau und Tochter am Hauptbahnhof, war es bei den vierzig Minuten Verspätung geblieben. Unsere Tochter verschwand im Eurocity in Richtung Freiburg, ihre Gestalt verschwamm schemenhaft hinter den Glasscheiben auf ihrem Sitzplatz, ein kurzes Winken, die Waggons mit der Aufschrift der Schweizer Nationalbahn setzten sich in Bewegung und fuhren ab. Einmal in der Stadt unterwegs, wollten wir diese nicht sogleich wieder verlassen. Wir waren zum Hauptpostamt, dann nach TKMaxx, schließlich landeten wir beim Café Extrablatt, das mehr als gut besucht war. Die meisten Café-Besucher frühstückten, wozu ein üppiges Frühstücksbuffet vor der Theke angerichtet war. Für etwa zwölf Euro konnte man frühstücken, was das Herz begehrte. Doch diese Üppigkeit war uns zuviel, so dass wir zu unserem Kaffee einen kleineren Snack in Form von zwei halben Brötchen mit Salami bzw. Schinken bestellten. Wir quasselten, und an unserem Tisch an der Fensterfront zur Münsterkirche hin war es wahrhaft gemütlich. Zu Hause angekommen, ließen wir die Mittagszeit dahin plätschern, in den frühen Nachmittag hinein, bis der Anruf einer Freundin unseren Aktionspegel ansteigen ließ. Ihr war Geld gepfändet worden, sie hatte Hilfe bei einem Rechtsanwalt gesucht, der ihr geraten hatte, im Internet Strafanzeige zu erstatten. Sie besaß keinen funktionsfähigen Rechner, so dass sie unseren Rat ersuchte, die Strafanzeige von unserem Rechner aus in die Wege zu leiten. Bei uns angekommen, verschlug es uns die Sprache, als sie den Sachverhalt schilderte. Fast 700 Euro waren von ihrem Girokonto eingezogen worden, dazu waren 600 Euro von ihrem nächsten Gehalt gepfändet worden, in Summe waren es genau 1.278 Euro. Sie hatte keinen blassen Schimmer, welcher Gläubiger die Forderungen an sie hatte. Als sie bei der Sparkasse nachfragte, wo sie ihr Girokonto hatte, verweigerte diese die Auskunft über den Grund der Pfändung. Erst die Nachfrage beim Arbeitgeber schuf ein bißchen Klarheit: es gab einen Pfändungs- und Überweisungsbeschluss des Amtsgerichts Köln. Gläubiger war die Telefonica, mit der sie seit sehr vielen Jahren keine Festnetz- oder Mobilfunkverträge mehr hatte, in dem Beschluss war ihre Adresse in Köln-Nippes angegeben, wo sie seit etwa 20 Jahren nicht mehr wohnte, nachdem sie sich von ihrem Ex-Mann getrennt hatte. Die Vermutung lag nahe, dass ihr Ex-Mann Verträge mit der Telefonica in ihrem Namen abgeschlossen hatte, ohne dass sie davon wusste. All die Zahlungserinnerungen, Mahnungen, Mahnbescheide und vieles weitere waren an die Adresse ihres Ex-Mannes zugestellt worden, der eine solche Post ignoriert hatte. Rund drei Stunden benötigten wir, bis wir die persönlichen Daten, die Beschreibung des Sachverhaltes, die Beweisstücke und alles weitere Nötige in den vorgesehenen Eingabefeldern hinterlegt hatten. Dabei erschwerte uns die Eingabe der Daten, dass wir diese vor der Absendung nicht korrigiert bekamen. Dazu doppelten wir die Strafanzeige wegen Betrugs und gaben alle eingegebenen Daten nochmals ein, die zweite Strafanzeige sendeten wir ab und die erste stornierten wir. Nach der Absendung bekamen wir ein Aktenzeichen mitgeteilt, wir hofften alle, dass unsere Freundin baldmöglichst die gepfändeten Geldbeträge baldmöglichst zurück erhalten würde, und dass aufgrund der Vertrags- und Nutzungsdaten ermittelt würde, wer der Vertragspartner war.

14. April 2023


Beim Rasenmähen verfluchte ich unseren Rasenmäher. Hinter dem Haus der Dreier-WG ist die Rasenfläche groß, und bereits am letzten Samstag hatte ich mächtig geflucht. Der Rasen hatte relativ hoch gestanden, und unserem Benzinrasenmäher wurde die Menge an Gras zu viel, so dass der Motor aussprang. Mit dem Seilzug startete ich den Motor neu, ich konnte weiter mähen, bis der Motor einige Zeit später erneut verstummte. Die Zeitabstände des Verstummens wurden kürzer, bis irgendwann das Zugseil blockierte, um den Motor wieder zu starten. Das waren höchst schmerzhafte Momente. Mit voller Wucht packte ich den Griff am Zugseil, einige Zentimeter bewegte sich das Zugseil, dann blockierte es, und das ganz plötzliche Stoppen der Bewegung machte mein Unterarm nicht mehr mit. Jede Bewegung, wenn Speiche und Elle beansprucht wurden, schmerzten wie verrückt. Am letzten Samstag hatte ich irgendwann aufgegeben, heute wollte ich irgendwie mit einem zweiten, kleineren Elektrorasenmäher den Rest bewältigt haben, der mehr als die Hälfte der Rasenfläche umfasste. Das Stück, wo der Rasen nicht allzu hoch stand, schaffte der Benzinrasenmäher ohne Probleme. Beim größeren Stück zeigte er allerdings dieselben Macken wie am letzten Samstag. Irgendwann kehrte der Moment wieder, dass ich mit voller Wucht mit dem Zugseil den Motor starten wollte, das Zugseil blockierte nach einigen Zentimetern und meine Hand konnte dem abrupten Stoppen nicht folgen. Diese Stücke meisterte sehr langsam, Stückchen für Stückchen, der kleine Elektrorasenmäher, der auf solche Rasenflächen gar nicht ausgelegt war. Das war ein Portionieren dieser kleinen Stückchen, welche Menge an Gras noch zu schaffen war und wann der Rasenmäher stocken würde. Ich verfluchte und schimpfte auf den Benzinrasenmäher, der im Winter noch für rund zweihundert Euro gewartet worden war. Ich wusste noch nicht genau, wie ich weiter vorgehen wollte. Womöglich würde ich mit dem Benzinrasenmäher den Rasen dann mähen, wenn er nicht so hoch gewachsen war.

15. April 2023


Meine Frau durfte an diesem Abend an einem etwas größeren Ereignis teilnehmen. Es ging um die Goldkommunion, die in der Abendmesse in unserer Pfarrkirche gefeiert wurde. Dazu war sie vor einigen Wochen von einer Klassenkameradin aus der damaligen Grundschule angerufen worden, die über die Festlichkeit informiert hatte. Treffpunkt war zur Heiligen Messe um 18:30 Uhr, wo sich die Kommunionkinder von vor 50 Jahren eingefunden hatten, von der Anzahl her waren es 20. Naturgemäß war ich bei der ganzen Feier nicht dabei, weil meine eigene Erstkommunion damals vor mehr als 50 Jahren in der Pfarre am Niederrhein gefeiert wurde. Diese 20 Personen gingen nach der Heiligen Messe, in der die Goldkommunion gewürdigt wurde, im Restaurant am Marktplatz essen. Dort plauderte man, man unterhielt sich, man freute sich über das Wiedersehen und erinnerte sich an vergangene Zeiten. Dabei machten die Goldkommunionkinder eine Teilmenge – namentlich eine katholische Teilmenge – derjenigen damaligen Schüler aus, die sich im Abstand von Jahrzehnten zum Klassentreffen gesehen hatten. Welche Ereignisse gab es zu bequatschen ? Naturgemäß machten sich mit zunehmendem Alter Krankheiten bemerkbar. Über einen aus unserer Nachbarschaft wurde erzählt, dass sein Hüftgelenk ihm zu schaffen machte, so dass er eine neue Hüfte brauchte. Er wurde aber für zu jung befunden, so dass man ihm die neue Hüfte verwehrte. So musste er weiterhin mit der schmerzenden Hüfte durch die Gegend laufen. Rufnamen wurden in der Schulzeit gerne über Spitznamen festgelegt. Ein solcher Spitzname war „Wulle“. Jeder wusste, wer „Wulle“ war, aber niemand konnte seinen richtigen Vor- und Nachnamen benennen. Ein Goldkommunionkind war vom Bonn-Berlin-Umzug betroffen. Sie hatte irgend etwas nebenher studiert und beim Finanzministerium gearbeitet. Das Finanzministerium hatte zu denjenigen Ministerien gehört, das anfangs zur Hälfte in Bonn erhalten blieb. Im Laufe der Jahre wurde dann die komplette Verlagerung nach Berlin beschlossen. Sie wollte aber überhaupt nicht nach Berlin umziehen. So ergab es sich, dass sie mit Mitte 50 Rentnerin wurde und nun Rente bezog. Einer mit Vornamen „Adi“ erzählte darüber, dass er den Meister gemacht hatte und in einem relativ späten Lebensalter noch lernen musste, was ihm schwer gefallen sei. In welchem Beruf er den Meister gemacht hatte, das wusste meine Frau nicht. Er hatte KFZ-Mechaniker gelernt, er war danach in einem anderen Beruf tätig und die Meisterbefähigung musste er in einem handwerklichen Beruf erlangt haben. Einer erzählte über eine Thai-Massage, die weitaus intensiver war als eine normale Massage. Durcheinander geriet ich bei den Nachnamen Amrein und Aufderheide. Über die Mutter des einen Goldkommunionkindes hatten wir damals das Haus auf dem Dionysiusweg erworben, wo wir bis 2008 gewohnt hatten. Sie hieß Aufderheide. Manuela Amrein hieß hingegen dasjenige Goldkommunionkind, die Friseuse war und bei demjenigen Friseur arbeitete, wo der Schwager hinging. Bis zu ihrem Hals waren Tattoos zu sehen, was meine Frau abstoßend gefunden hatte. Manche erzählten über Geschäfte, welche Geschäfte in ihrer Kindheit existiert hatten, die es heute nicht mehr gab. So zum Beispiel das Fischgeschäft „Fischmarie“, das irgendwann abgerissen wurde. Heute befindet sich an dessen Stelle der Parkplatz vor dem Netto-Supermarkt. Eine Verbindung ließ sich über eine Katze herstellen. Die Schwester einer Behinderten aus dem Behindertentreff hatte eine Katze erhalten. Diese stammte von einem Goldkommunionkind. Bis so ziemlich mitten in der Nacht ging das Beisammensein der damaligen Goldkommunionkinder. Gegen 2 Uhr nachts bimmelte mein Handy auf dem Wohnzimmertisch. Vor dem Fernseher war ich eingeschlafen, und bald trudelte meine bessere Hälfte ein.

16. April 2023


Zwei Ereignisse bestimmten den heutigen Tag, das war zunächst der erneute Besuch des Burgerrestaurants in Godesberg, wo wir bereits im Januar gewesen waren. Wir nahmen öffentliche Verkehrsmittel, und in dem Burgerrestaurant gab es das besondere Ereignis, dass der eine WG-Bewohner nach einem Aushilfsjob fragte. Es war ein Restaurant mit Inklusion, wo auch Mitarbeiter mit Behinderung beschäftigt waren. Der Inhaber des Restaurants nahm Kontakt mit uns auf, dass unser WG-Bewohner einen Lebenslauf schreiben solle, ebenso ein Bewerbungsschreiben, er solle probearbeiten und mittelfristig bestünde stets Bedarf an Mitarbeitern in der Küche. Das hörte sich sehr viel versprechend an, und nun waren seine Betreuer an der Reihe, mit ihm die Bewerbungsunterlagen zu fertigen. Nachdem wir dort gut gespeist hatten, fuhren wir mit der Straßenbahn bis zur Haltestelle Stadthaus, von wo aus wir zum Street Food Festival gingen. Dort ging es uns weniger um das Essen, sondern darum, unsere Freundin Thita mit ihrem thailändischen Imbiss zu treffen. Auf dem Innenhof der früheren Kurfürsten-Brauerei war jede Menge Volk unterwegs, das Street Food Festival war rege frequentiert. Wir quasselten mit unserer Freundin Thita, die sich allerdings genauso um ihre Kunden kümmern musste. Wir drehten eine Runde über die Stände des Street Food Festivals, davon hatte unser WG-Bewohner Lust auf etwas Süßes. Nachdem er in einer langen Schlange angestanden hatte, erhaschte er eine mit Eis, Himbeere und Schokolade gefüllte Waffel, die ihm nach der langen Zeit des Stehens wahrscheinlich besonders gut geschmeckt hatte. Derweil ergriff meine Frau genauso der Hunger, so dass sie sich bei unserer Freundhin Thita einen thailändischen Imbiss ergatterte. Davon bekam ich auch etwas ab, so dass ich das Gelände des Street Food Festivals nicht ohne zu essen verließ. Nach dem Verlassen bogen wir ab auf die Heerstraße, die mit ihrer Kirschblüte ein Novum für uns war. Von hier aus kursierten Fotos der Kirschblüte um die ganze Welt, insbesondere Japaner wurden angezogen von der Blütenpracht, die uns wahrhaft verzückte. Straßenzüge mit Blüten von Zierkirschen hatte ich einige kennen gelernt, aber mit der Dichte und der Farbenpracht war die Kirschblüte in diesen Straßen einzigartig, und man konnte gut verstehen, dass Touristen aus der ganzen Welt angezogen wurden. In diesem Jahr, als die Corona-Pandemie beinahe verschwunden war, konnten sich die Menschenmengen ungehindert ausbreiten, keinerlei Kontaktbeschränkungen störten das Flanieren unter diesen Blütenträumen. Es war hübsch, idyllisch, einzigartig vor bürgerlichen Hausfassaden mit einem Kneipenleben, das in Kellerräumen gesellige Stunden anzubieten hatte. Allzu lange verharrten wie dennoch nicht, da wir irgend wann unseren Bus nach Hause erreichen wollten. Der Abschied von diesen bunten Straßenzügen war ein wenig schmerzhaft, und später freuten wir uns über diesen schönen Tag.

17. April 2023


Auf dem Weg zum Burgerrestaurant passierten wir Gedenktafeln in der Godesberger Fußgängerzone, die meine Neugierde erweckten. Insgesamt waren es drei Tafeln, die an die frühere Synagoge erinnerten. Die erste Erinnerungstafel umriss den Standort an dieser Stelle, auf der zweiten Tafel war ein Foto zu sehen, die dritte Tafel beschrieb Zahlen, Daten, Fakten. Die Synagoge war 1850 erbaut worden und als Kirche kaum erkennbar. Die Fläche des Innenraums betrug lediglich 42 Quadratmeter, so dass sie als Kirche mit der umliegenden Wohnbebauung kaum auszumachen war. Am 10. November 1938 erlitt die Synagoge dasselbe Schicksal wie alle anderen Synagogen unter den Nationalsozialisten. Im Mittelalter war es die Zerstörungswut der Bilderstürmer innerhalb der Reformation, die Zerstörungswut der Nationalsozialisten war dem nicht unähnlich. Hannah Arendt stellte dazu die These auf, dass sich totalitäre Bewegungen jeder Weltanschauung und Ideologie bemächtigen und sie durch Terror in eine neue Staatsform überführen können. Den Nationalsozialisten gelang es, die Massen aufzuwiegeln, dass sie mitmachten und in der Zerstörung von Synagogen einen Nutzen für das eigene Volk gesehen hatten. Um so wichtiger waren die Erinnerungspunkte an diese Zeit, die gar nicht so lange zurück lag. Ich selbst reflektierte diese Zeit ein wenig, den unsere Eltern als Kinder erlebt hatten, und wir freuten uns auf das Essen im Burgerrestaurant.

18. April 2023


Eigentlich war es ein Tag im Garten, an dem ich mich nur ärgerte über die Gartenarbeit. Weil es kein Rhythmus zum Arbeiten war. Ich hatte nicht zugehört, es sollte anders gemacht werden, ich hatte völlig falsch verstanden, mein logisches Denken war nicht auf Gartenarbeit gepolt oder was auch immer. Und dann kam mir zum Schluss noch meine Wirbelsäule dazwischen. In einem Hochbeet hatten wir Porree gepflanzt, der umgepflanzt werden musste in ein anderes Beet. Die Porreepflanzen mussten nach Größe sortiert werden und die umzupflanzenden Porreepflanzen mussten gekürzt werden. Drei Reihen sollten es werden: zuerst Porree, dann Spitzkohl und dann wieder Porree. Wie zu pflanzen war, das waberte hin und her: erst etwa zehn Zentimeter Abstand, dann zwanzig Zentimeter, erst alles Porree, dann zwei Reihen und eine Reihe Spitzkohl dazwischen, erst alle verfügbaren Porreepflanzen, dann Begrenzung auf drei Reihen. Irgend wann war ich nur noch am Meckern, dass Tätigkeiten abarbeitete und dann wieder alles rückgängig machen musste. Und dann kam mir zum Schluss noch meine Wirbelsäule dazwischen. Ich hatte bereits zu viele Porreepflanzen in die Erde eingesetzt, da schoss mir beim Bücken ein Schmerz in die Wirbelsäule. Der Schmerz war kurz und heftig, beim Aufrichten ließ der Schmerz wieder nach und bohrte sich beim nächsten Bücken um so eindringlicher in die Wirbelsäule. Das war das vorläufige Ende der Gartenarbeit, ich marschierte nach drinnen, besprach mich mit meiner Frau und harkte anschließend die zu viel gemachten Löcher für den Porree wieder zu. Wir verteilten noch etwas Rasenschnitt, den wir von den Nachbarn erhalten hatten, und abends offenbarte sich der Schmerz im Rücken in seiner vollständigen Ausprägung. Er intensivierte sich so sehr, dass ich aus dem Fernsehsessel nur noch mit Mühe aufstehen konnte, und noch viel schwerer fiel mir das Aufstehen am nächsten Morgen aus dem Bett.


19. April 2023

Es war eine Sendung auf arte, bei der es mir eiskalt den Rücken herunter lief. Es ging um die Edelweißpiraten aus Köln. Gerade die Umgebung des Bahnhofs in Köln-Ehrenfeld war mir bestens bekannt, wo die Nationalsozialisten den Edelweißpiraten Bartholomäus Schink gehängt hatten. Während der Zeit, als ich Köln-Ehrenfeld gewohnt hatte, war seiner Zeit die Hüttenstraße in Bartholomäus-Schink-Straße umbenannt worden. Diese Straßenzüge hatte ich oftmals durch streift, ohne zu wissen, was genau geschehen war und wer genau Bartholomäus Schink gewesen war. Diese Dokumentation auf arte erzählte seine Geschichte und diejenige der Kölner Edelweißpiraten in einer solchen Eindringlichkeit, dass es mir eiskalt den Rücken herunter lief. Bartholomäus Schink war mit vier Geschwistern in der Familie eines Kölner Postbeamten aufgewachsen. Obwohl er der Hitler-Jugend angehörte, traf er sich als Sechzehnjähriger mehrfach mit Kölner Jugendlichen, die den Edelweißpiraten angehörten. Im Spätsommer 1944 stieß Schink mit seinem jüngeren Freund Günter Schwarz zu einer illegalen Gruppe um den geflohenen KZ-Häftling Hans Steinbrink. Die Mitglieder der Gruppe verübten in der zerstörten Stadt zunächst Diebstähle, später horteten sie Waffen und Sprengstoff, um sich, wie sie hofften, als Partisanen in den „Endkampf“ einschalten zu können. Bei Auseinandersetzungen mit der Gestapo schossen sie schließlich auf örtliche NS-Führer und Polizisten, trafen aber auch unbeteiligte Passanten. Schink und Schwarz wurden mit anderen Edelweißpiraten nach ihrer Verhaftung und schweren Misshandlungen ohne Gerichtsverfahren am 10. November 1944 hinter dem Bahndamm in Köln-Ehrenfeld öffentlich gehängt. Hinter dem Ehrenfelder Bahnhof gibt es mittlerweile eine Gedenkstätte an die Hinrichtungen. „Edelweißpiraten haben sie sich genannt, wo diese Blume blühte, da war Widerstand“, mit diesem Ausspruch werden die Edelweißpiraten zitiert, im Zentrum des schwarz-weißen Graffitis auf den Wänden des Bahndamms sieht man zwei aufgehängte Gestalten hinter einer offenen Türe. Die Gedenkstätte bedrückte. Die Sendung auf arte hatte die Geschichte der Edelweißpiraten mit vielen Zeitzeugen haargenau rekonstruiert, sie hatte schonungslos die Verbrechergeschichte Deutschlands beschrieben.

20. April 2023


Als ich mich auf dem Weg zum Gastroenterologen befand, kam ich mir vor, als wäre ich um ganz viele Jahre gealtert. Noch heute Morgen war ich bei der Hausärztin gewesen, nach der Überbeanspruchung meiner Wirbelsäule, so hatte die Hausärztin es ausgedrückt. Beim Pflanzen der Porreepflanzen in die Erde hatte ich mich so häufig gebückt, dass es der Wirbelsäule irgend wann zu viel geworden war. In die gebückte Haltung hatte sich ein stechender Schmerz gemischt, und dieser stechende Schmerz peinigte mich nun bei sehr vielen Bewegungen im Hüftbereich. Zwei Tage war ich krank geschrieben, weil dieser stechende Schmerz plötzlich und unverhofft kam. Und selbst der normale Gang geschah wie auf Eiern, vor allem sehr langsam, weil der Einsetzen des Schmerzes beim Gehen unberechenbar war. Der Termin beim Gastroenterologen fiel rein zufällig zusammen, um die Behandlung des Morbus Crohn mit Medikamenten abzuchecken. So war ich morgens wegen der Wirbelsäule bei der Hausärztin gewesen, nachmittags hatte ich den Bus in die Innenstadt genommen zum Gastroenterologen. Auf dem Weg dorthin machte ich eine kreative Pause, indem ich mich für eine kurze Zeit hinsetzte. Die Passage zwischen Mc Donald’s und Merzenich war wahrlich keine Augenweide, aber um einiges ansehnlicher als das Bonner Loch vor mehr als sechs bis sieben Jahren. Passanten trotteten anonym vorbei, hier hatte die Fußgängerzone ihren eiligen Charakter, dass die Außenwelt niemanden so wirklich interessierte. Das Straßenpflaster war gleichgültig abgestumpft, der Kiosk an der Ecke war so unnahbar wie die Baustellengerüste, wo die LKWs von Baufirmen parkten. Und dann war mittendrin dieses Fahrrad so festgezurrt an der Straßenlaterne, als wolle es nicht von der Stelle weichen. Die aufrechte Haltung dieses Fahrrads wurde unterstrichen durch das Plakat, das dazu einlud, dass der Mai nicht nur ein Wonnemonat war, sondern ebenso ein Monat mit lauter Anlässen zum Feiern. Bald kam der Tanz in den Mai, und unbesehen setzte ich meinen Gang zum Gastroenterologen fort. Das Ergebnis der Arzttermins konnte mich beruhigen. Alles war in Ordnung, die Dosierung war mit 150 Milligramm pro Tag richtig, frühestens nach vier Jahren konnte das Medikament abgesetzt werden. Im Abstand von fünf Jahren sollte ich Darmspiegelungen durchführen lassen, somit war die nächste Darmspiegelung in zweieinhalb Jahren fällig. Mit der Einnahme des Medikamentes hätte ich eine ganz normale Lebenserwartung, ebenso sei das Krebsrisiko, an Darmkrebs zu erkranken, so groß wie bei normal sterblichen Menschen. Also kein Grund zur Beunruhigung, aber der Termin war enorm wichtig gewesen. Nachdem ich den Gastroenterologen verlassen hatte, kaufte ich mir in der Apotheke noch Wärmepflaster gegen den stechenden Schmerz in der Wirbelsäule.

21. April 2023


Die Schließung traf die Bewohner unseres Ortes vollkommen unerwartet und überraschend. Die einzige Metzgerei in unserem Ort schloss von einem Tag auf den anderen, ohne Ankündigung und ohne dass man dies hätte vermuten können. Die von der Schließung gewusst hatten, namentlich die Inhaber der Metzgerei, hatten dicht gehalten, sie hatte anderen nichts gesagt und eine Mauer um ihr Geheimnis aufgebaut. Von einem Tag auf den anderen wurden die Kunden über einen Zettel an der Eingangstüre informiert, dass die Inhaber sich über die Treue ihrer Kunden bedankten und für immer ihr Geschäft schließen würden. Fortan würde es wohl keinen Metzger mehr ins unserem Ort geben, wenn sich denn nicht doch ein Nachfolger finden sollte. Metzger haben eine Bedeutung für die Grundversorgung in unserem Ort, und ohne Metzger mussten die Kunden auf Supermärkte ausweichen oder auf unseren Nachbarort, wo es noch einen der wenigen Metzger in der näheren Umgebung gab. Das Ehepaar, das irgendwo aus dem Osten vor sechs, sieben Jahren die Metzgerei übernommen hatte, hatte sich indes aus dem Staub gemacht. So wie vielleicht Kapitäne das sinkende Schiff verlassen, arbeiteten sie nun der Stadt in einem Supermarkt in einer Metzgerei. Was war geschehen ? Vermutungen hatten sich verdichtet, die unabhängig voneinander erzählt wurden. Den Blackout hatte wohl die Kühlanlage verpasst, die wohl hätte generalüberholt werden müssen. Das war finanziell nicht mehr drin, zumal die übrigen Faktoren, die allgemein den Einzelhandel betrafen, sich ebenso auswirkten. Die Energiekosten waren in die Höhe geschossen, die Kunden waren allgemein gebeutelt durch die Inflation, sie zogen zunehmend die günstigeren Supermärkte vor, mit der Anzahl von Metzgern und Verkäufern waren die Personalkosten hoch. So zogen die Inhaber von einem Tag auf den anderen die Reißleine und waren weg, aus dem Staub. Sie waren so weg und aus dem Staub, dass sie nicht einmal die Arbeitsverträge mit den Metzgern und Verkäufern gekündigt hatten. Gehalt bekamen diese ohnehin keines mehr. Das erschwerte den Beschäftigten die Arbeitslosenmeldung und die Suche nach einem neuen Arbeitgeber. Das war ein unwürdiger Abgang für die Beschäftigten, ohne jegliche Kommunikation und ohne die Einhaltung eines formellen Rahmens, so traurig und so dramatisch die Geschäftsschließung auch gewesen sein mag. Derzeit kann man mutmaßen, dass taktiert wird und dass die früheren Inhaber sich in Position bringen. Solch eine Insolvenz, wenn sie denn gestellt worden ist, ist ein höchst komplexer Sachverhalt, in den Insolvenzgerichte, Insolvenzverwalter und viele Rechtsexperten involviert sind. Die gesamte Immobilie einschließlich der Ladenausstattung und eines Wohnhauses hatten sie erworben, so dass zu den Gläubigern neben Lieferanten, Finanzamt, Krankenkasse, Energieversorger und den Beschäftigten wohl auch Banken gehören. Alleine dieses auseinander zu dividieren, wer die Gläubiger sind und wer welche Forderungen hat, dürfte eine größere Zeit in Anspruch nehmen. Dieses unwürdige Verhalten, das Weite zu suchen und die Beschäftigten fallen zu lassen, könnte taktisch richtig sein, um den größtmöglichen Schaden abzuwenden. Dieser ganze Komplex der Insolvenzabwicklung dürfte leise und ganz diskret, ohne dass mein Einzelheiten erfährt, über die Bühne gehen. Derweil kann abgewartet werden, ob es irgend wann wohl doch eine Metzgerei in unserem Ort wieder geben wird. Oder ob wir dauerhaft anderswo unsere Wurst und unser Fleisch werden kaufen müssen.

22. April 2023


Was tun, wenn einen die Schmerzen in der Wirbelsäule mehr oder weniger einschränken ? Was tun, wenn Bücken vermieden werden soll ? Was tun, wenn das Heben schwerer Gegenstände möglichst unterbleiben sollte ? Der stechende Schmerz in der Wirbelsäule hat einen Tagesgang heraus gebildet. Morgens beim Aufstehen aus dem Bett kann er heftig ausgeprägt sein, wenn er von hinten und von der Seite in den unteren Teil der Wirbelsäule schießt. Wenn ich gehe und mich bewege, bleibt er aus. So fühlt sich meine Wirbelsäule über größere Teile des Tages halbwegs normal an. Nach längerem Sitzen habe ich aber bisweilen das Gefühl, als befände sich ein Brett im unteren Teil der Wirbelsäule, so dass der Gang höchst unsicher und langsam ist. Folglich muss ich schauen, möglichst viel in Bewegung zu sein. Das zu erledigen, was gemacht werden muss, davon bin ich noch ziemlich weit entfernt. Für den Garten hatte ich mir viel vorgenommen, so dass wir nun schauen mussten, welche Bewegungsabläufe in diese Tätigkeiten hinein passten. Was nicht erledigt wurde, in dieser Zeit des Frühjahrs, wenn die Natur überall in die Höhe spross, häufte sich. Was tun unter diesen Rahmenbedingungen ? Wir beschlossen, die vom Sturm vor dem Haus weggeknickte Trompetenblume abzuschneiden. Dazu brauchten wir eine Säge, weil diejenige, die wir besaßen zu sehr verrostet war. Also fuhren wir zum Baumarkt, wo wir nebenher bei den Dekosachen nach einem Geschenk für unsere Nachbarin suchten, die im Mai Geburtstag haben würde. Wir sichteten Vasen, Kerzen, Aufbewahrungsboxen. Wir entdeckten nichts, was den vermeintlichen Geschmack unserer Nachbarin treffen würde. In der Gartenabteilung diskutierten wir all die Dinge, die liegen geblieben waren und wo ich viel zu langsam gewesen war, selbst vor der Überbeanspruchung der Wirbelsäule. Außer der Säge kauften wir eine Chili-Pflanze, einige Lobelien und drei Säcke Rindenmulch, bei denen meine Frau anpacken musste. Wie die Tagesarbeit organisiert werden kann, das wird sich in den nächsten Tagen zeigen, ebenso, wann ich meinen Dienst wieder aufnehmen werde.

23. April 2023


Der Chef meiner Frau hatte eingeladen, stellvertretend für die Trinkgeldkasse, die sich in der Postagentur gefüllt hatte. Die Trinkgelder, die in einem Zeitraum von etwa drei Jahren zusammen gekommen waren, wurden heute bei einem Brunch drauf gemacht. Noch bevor wir angekommen waren, hatte der Zeitpunkt von 10.30 Uhr, dass wir uns treffen wollten, für Hektik und Eile gesorgt. Ich hatte nämlich eine S-Bahn ab Köln-Porz-Wahn heraus gesucht, bei der wir bei der vereinbarten Uhrzeit leicht zu spät sein würden. Ab dem Bahnhof Köln-Deutz, wo wir ausstiegen, hatten wir nämlich gerade vier Minuten Zeit zu unserem Treffpunkt vor der Lanxess-Arena. Ich wusste, dass alles sehr dicht zusammen lag, mit dem Gefühl, ein Brett in der Wirbelsäule zu haben, war ich aber langsam. Und die Ungewissheit, wo sich das Lokal in der Nähe der Lanxess-Arena genau befinden würde, nervte meine Frau zusätzlich. In Summe waren wir etwa zehn Minuten zu spät, und, in der Warteschlange stehend, hörten wir heraus, dass das Lokal erst genau um 10.30 Uhr die Wartenden herein gelassen hatte. Es war also nicht so schlimm gewesen mit der Unpünktlichkeit. Die Räumlichkeiten des Lokals waren so groß, dass man von einem Mitarbeiter empfangen wurde und von einem anderen Mitarbeiter an seinen Platz gebracht wurde. Das Brunch war groß und üppig, leider war aber die Aufeinanderfolge von Breakfast und Lunch aber nicht mein Ding. Nach ein paar Brötchen mit Wurst und Käse sowie vielleicht einem Croissant war bei früheren Brunches mein Hunger gestillt, so dass ich als Mittagessen wenig bis gar nichts gegessen hatte. Heute bekam ich es allerdings noch hin, eine Gulaschsuppe zu essen. Anregend waren auch die Gespräche mit dem Inhaber des Gartenmarktes, mit dem mich der Fußball und eine Herzerkrankung verband. Er hatte selbst früher Fußball gespielt, er hatte eine Jugendmannschaft betreut und er hatte mich in den 1990er Jahren als Schiedsrichter kennen gelernt. Er litt an einem Vorhofflimmern und nahm ungefähr denselben Medikamenten-Mix, den ich nehmen musste. Vor einigen Monaten hatte er einen Schwächeanfall gehabt, während er das Dreigestirn in seinen Gartenmarkt eingeladen hatte. Dieser Schwächeanfall hatte mit dem Vorhofflimmern zu tun, ein Versuch, einen Reset des Herzens durchzuführen, war aber fehlgeschlagen. Nun war geplant, die betroffenen Herzarterien und -venen zu veröden. Dieser Eingriff sollte im Sommer durchgeführt werden. Im Vorfeld war ich skeptisch gewesen, wie gesellig sich das gemeinsame Brunch entwickeln würde. Das Umfeld des Lokals war durchaus angenehm, und es hatte mir lecker geschmeckt.

24. April 2023


Gottseidank, konnten wir uns die Suchaktion sparen. Einen Text hatte meine Frau bereits formuliert, seit Sonntagabend hatten wir unseren Kater Oskar vermisst. Als wir vom gemeinsamen Brunch mit dem Chef meiner Frau zurück gekehrt waren, hatten sich unsere Katzen im Wohnzimmer und in der Küche versammelt, so dass ich ihnen zu essen gab, darunter fraß auch unser Kater Oskar. Danach fuhr ich meine Frau zum Kegeln, ich selbst verbrachte anderthalb Stunden im Café in Troisdorf-Spich, und als ich zurück kehrte, achtete ich nur wenig auf unsere vier Katzen. Abends gab ich ihnen in der Küche zu essen, davon konnte ich mich konkret erinnern, dass unser Kater Oskar nicht dabei war. Einiges später, als wir abends vor dem Fernseher saßen, zählten wir den Verbleib unserer Katzen auf. Oskar war nicht im Wohnzimmer, ich vermutete ihn im Büro oder im Zimmer unserer Tochter, aber dort war er nicht. Wir gingen nochmals alle Zimmer durch, wir prüften verschlossene Räume wie die Vorratsräume. Doch auch dort war nichts zu sehen von unserem Kater Oskar. Am nächsten Morgen wartete kein Oskar vor der Haustüre, auch tagsüber warteten wir vergeblich, abends war er ohnehin nirgendwo zu sehen, auch in der Nachbarschaft keine Spur von Oskar. Am Tag darauf weitete meine Frau die Suche aus, sie schaute intensiver in Gärten und Vorgärten hinein, sie befragte weitere Nachbarn, sie durch schritt Stichstraßen und Seitenstraßen. Als diese Recherchen ergebnislos waren, verfasste meine Frau diesen Suchtext mit den zwei Bildern unseres Katers. Es war nicht das erste Mal, dass unser Kater Oskar entlaufen war. Im Jahr 2018, als der Schwiegervater verstorben war, war Oskar rund drei Wochen verschwunden. Schließlich fand er sich, verletzt und total abgemagert, bei einer Frau wieder, die relativ weit entfernt von uns über die viel befahrene Hauptstraße zum Nachbarort wohnte. Wir päppelten ihn wieder auf, an seinem Schwanz klaffte eine große Wunde, zusätzlich war sein linkes Bein verletzt. Am übernächsten Morgen fand sich Oskar dann doch, nachdem ich vom Brötchen holen mit dem Auto zurück gekehrt war, vor der Haustüre wieder. Noch vollkommen verängstigt, er hätte endgültig verschwinden können, waren wir alle riesig erleichtert. Womöglich war er in einem Haus, einem Hausflur oder in einer Garage eingesperrt, wo er unbemerkt hinein gelaufen war und wo die Besitzer ihn nicht gesehen hatten. Die Anwesenheit unseres Katers Oskar erfreute uns fortan noch mehr als sonst.

25. April 2023


In diesen Tagen wurden wir uns der Abhängigkeitsverhältnisse bewusst, was Pflegedienste betraf und deren hauswirtschaftliche Leistungen. Meine Frau hatte es ja gewagt, den Mund aufzumachen, als es Mängel bei den Betreuungsleistungen der Lebenshilfe gab. Die Mängelliste wurde immer länger, man diskutierte kontrovers, und den großspurigen Worten, was alles getan werden sollte, standen nur wenige Taten gegenüber. Darauf reagierte die Lebenshilfe bockig, indem sie den Vertrag kündigte. Dabei war die Lebenshilfe sich ihrer besseren Position bewusst, dass es nur wenige Anbieter gab, die untereinander vernetzt waren. Wir dachten, wir nehmen einfach einen anderen Anbieter, um die Betreuung des Schwagers zu gewährleisten. Doch so einfach war dies nicht, da wir in Schleifen der Bürokratie geschickt wurden. Die Betreuungsleistungen, die uns die Lebenshilfe gekündigt hatte, hatte der Landschaftsverband gezahlt, das waren sogenannte Fachleistungsstunden. Nun mussten wir einen Anbieter finden, der ebenso aus Geldern des Landschaftsverbandes finanziert wurde. Um diese Finanzierung sicherzustellen, kam es darauf an, dass der Schwager anzuleiten war. Anzuleiten bedeutete, dass er die Tätigkeiten des Alltags – wie waschen, putzen, kochen, einkaufen – selbst erledigen sollte. Dabei halfen ihm die Betreuer, und erst dann, wenn der Mensch mit Behinderung dies nicht schaffte, konnte der Betreuer dies übernehmen. Als erstes fragten wir beim Roten Kreuz in unserem Ort an. Sie machten uns ein Angebot für Zeiten, in denen der Schwager abwesend war, eine Anleitung des Schwagers boten sie erst gar nicht an. Solche Leistungen wären aus seinem Pflegegeld bezahlt worden und mithin davon abgezogen worden. Um weiter nachfragen zu können, mussten wir uns zuerst eine Liste besorgen, welche Pflegedienste ein solches Anleiten überhaupt anboten. Ganz oben auf der Liste stand der Caritas-Verband mit dem Namen der Leiterin, mit der wir es uns ebenso verscherzt hatten. Als der Schwager in diesem Behindertenwohnheim gewohnt hatte, hatten wir uns massiv beschwert, dass er in einer Situation festgehalten wurde und das Haus nicht verlassen durfte. Sozusagen, hatten wir dort verbrannte Erde hinterlassen. Darüber hinaus, waren die Anbieter nicht besonders zahlreich oder sie lagen weiter entfernt. Von der Arbeiterwohlfahrt erhielten wir eine Absage, von anderen Anbietern fehlten uns mit jetzigem Stand noch die Rückläufe. Mal schauen. Derzeit erledigen wir die Betreuungsleistungen selber, was aber keine Dauerlösung sein kann. Auf jeden Fall hat es die Lebenshilfe durch ihr bockiges Verhalten geschafft, dass wir die Tücken der Bürokratie kennen lernen und uns irgend wie durch wursteln müssen. Sie erledigen ihren Job, mal besser, mal schlechter, und kümmern sich mehr schlecht als Recht um die Belange ihrer Klienten.

26. April 2023


Was den Alltagsstress betraf, so tat Comedy stets gut, die Stresssymptome zu lockern. Lachen entspannte, es lenkte auf ungewohnte Blickwinkel unserer stets viel zu ernsten Welt. Mit Komik und Witz versehen, verloren Problemfelder von ihrer Dramatik, und wir sahen uns selbst auch einiges lockerer. Nach geraumer Zeit begaben wir uns als Zuschauer gestern zur Fernsehaufzeichnung „Comedy rettet die Welt“, welche auf dem Gelände der MMC-Studios in Köln-Ossendorf gedreht wurde. Die Aufzeichnung hatte nicht das Format des ZDF-Comedy-Sommers, woran wir im Juni letzten Jahres teilgenommen hatten. Die Comedians Lisa Feller, Abdelkarim, Tahnee und Atze Schröder gaben sich aber alle Mühe, das Publikum herzlich zum Lachen zu bringen. Das begann bereits bei der Probe der Appläuse, als die Zuschauer – unter Abwesenheit der Comedians – so intensiv lachen sollten, wie sie konnten. Der ganz banale Aufsager, als jeder Comedian die Sendung ankündigte mit dem Hinweis, dass die Sendung in der ARD-Mediathek abrufbar war, avancierte ebenso zur Lachnummer, als diese ihr Lachen beim ansagen nicht verbergen konnten. Zu viert saßen die Comedian auf einer Couch, dabei entwickelten sie aus ihren Gesprächen Sketche, die kurz und prägnant zu einem Oberthema eine wirkungsvolle Pointe beinhalteten. Bei Lisa Feller ging es um Social Media und Bewerbungsgespräche, Abdelkarim schlüpfte in die Rolle des „Auslando“, um in einer ironisierenden Form als Ausländer weiter zu helfen, Atze Schröder befasste sich mit dem englischen Königshaus und Tahnee nahm die Queer- und Regenbogenbewegung aufs Korn. Bei Tahnee waren die Kontexte der Regenbögen ziemlich weit hergeholt, bei den übrigen saßen die Pointen ziemlich scharf. Bisweilen waren mir diese etwas zu kurz geraten, bei all der Intelligenz und bei all dem Potenzial, das die Comedians mitbrachten. Da im Viererkreis miteinander geredet wurde, dachte ich bisweilen an die – mittlerweile – alte RTL-Sendung „7 Tage 7 Köpfe“, die mit all ihren Abschweifungen und Verästelungen viel mehr in die Tiefe gegangen war. Es war aber immer noch herzerfrischend, den vier Comedians zuzuhören und dabei die eigene Stimmung aufzulockern. Die vier Comedians hatten es gelernt, mit ihren Worten zu spielen, auf kleinem Raum mit kurzen Sätzen unerwartete Wendungen zu nehmen und für Überraschungseffekte zu sorgen – wie Atze Schröder mit den bekannten deutschen Persönlichkeiten, an dessen Stelle er die Royal Society des englischen Königshauses ersetzte.

27. April 2023


Der bunte Abend der katholischen Frauengemeinschaft – eine Veranstaltung, die mich nicht unbedingt begeisterte. Es war erst das erste Mal, dass ich mit dabei war. In der Vergangenheit spielten die Frauen nur für Frauen, zuletzt durften auch Männer die Veranstaltung besuchen, dann kam Corona und drei Jahre lang fiel der bunte Abend aus. Ich war skeptisch, die Veranstaltung zu besuchen, doch meine Frau überredete mich. Drei Freunde begleiteten uns, der Schwager war ebenso dabei, so dass wir zu sechst waren. Es wurde getanzt, Sketche wurden aufgeführt und es wurde gesungen. Der Abend war so bunt gestaltet, wie es der Name verriet. Die Tänze waren bisweilen nicht schlecht gemacht, auf Staying Alive von den Bee Gees tanzte die ältere Generation auf Gehstöcken, mir gefiel sogar der Tanz zu dem Stück „Regenbogenfarben“ von Helene Fischer. Unter den Gesängen gefiel mir ein Stück von Johannes Oerding, das eine hoch aufgewachsene Frau nachsang, dabei untermalten die Gesänge die Feierstimmung auf der Herbstkirmes in unserem Ort. Die Sketche fanden hingegen nicht meinen Gefallen, zumal ich einen Tag vorher bei der Fernsehaufzeichnung der ARD-Comedy-Sendung ein ganz anderes Niveau gewohnt war. Das waren gespielte Witze mit einer Pointe, die mal besser, mal schlechter saß. All die Komik in Sätzen und Nebensätzen, die so etwas wie Comedy ausmachte, fehlte. Und dann war da noch die Begleitmusik zwischen den Aufführungen, das waren zwei Männer mit einem Akkordeon und einer Heimorgel, die in einem etwas gedämpfteren Ton Stimmungsmusik machten. Zeitweise langweilte ich mich, aber den übrigen Anwesenden schien es gefallen zu haben.

28. April 2023


Je mehr sich das Monatsende näherte, wurde es dann doch spannend. Ich hatte bereits am 14. April, als unsere große Tochter abgereist war, das 49 Euro-Ticket bestellt. Die Zugverspätung hatte ich genutzt, indem ich zum Servicecenter der Stadtwerke nahe des Hauptbahnhofes gegangen war und dort einen Antrag ausgefüllt hatte und ein Lastschriftmandat erteilt hatte. Mein Arbeitgeber hatte das Job-Ticket gekündigt, so dass wir uns selbst darum kümmern sollten, dabei war das 49 Euro-Ticket genau 12 Euro günstiger als das bisherige Job-Ticket. Ich sah die Vorzüge des 49 Euro-Tickets, bundesweit Nahverkehrszüge und Busse benutzen zu können. In der Vergangenheit war ich ab und an nach Aachen, Duisburg, Krefeld, Koblenz oder Mayen gefahren, das Lösen eines Fahrscheins über das VRS-Gebiet hinaus entfiel damit, und wie bereits erwähnt, war es günstiger als das Job-Ticket. Ein Nachteil war, dass die kostenlose Mitnahme meiner Frau abends und am Wochenende entfiel. Nach dem Besuch des Servicecenters der Stadtwerke hörte ich Tage und auch Wochen nichts mehr von dem 49 Euro-Ticket. Je mehr sich das Monatsende näherte, wurde es dann doch spannend. Ab und an nutzte ich öffentliche Verkehrsmittel, und nach dem letzten Apriltag wurde das bisherige Job-Ticket ungültig. Wäre das neue 49 Euro-Ticket rechtzeitig in der Post ? Ja, es war. Heute wurde das 49 Euro-Ticket zugestellt. Die Chipkarte war nicht zu unterscheiden vom alten Job-Ticket, beide waren komplett identisch. Nun, nachdem ich es erhalten hatte, gab das 49 Euro-Ticket ein neues Gefühl von Freiheit, quer durch die Republik reisen zu können, wohin man wollte, wenn es auch nur Regionalzüge waren.


29. April 2023


So chaotisch wie in diesem Jahr ist es selten in unserem Garten zugegangen. Die Ursachen sind vielfältig. Einerseits bin ich zu langsam, dann zweige ich regelmäßig Zeitanteile ab für die Führung des Tagebuchs. Vieles muss ich nacharbeiten, weil ich in den Details nicht richtig arbeite oder falsch zuhöre, was wie gemacht werden soll. Außerdem fehlen Zeitanteile meiner Frau, weil die Betreuung sowie alles rund um das Haus der Dreier-WG zeitaufwändig ist. Schließlich bin ich zuletzt wegen meines Rückens drei bis vier Tage ausgefallen. Wir kommen einfach nicht hinterher, was die Herrichtung der Hochbeete betrifft, wir sind im Rückstand beim Pflanzen und das Unkraut schießt an allen Ecken in die Höhe. So haben wir es heute wenigstens geschafft, die Paprikapflanzen umzutopfen. Bislang waren sie in einem der Hochbeete, die zu den ältesten gehören, gewachsen. Im letzten Jahr hatten wir festgestellt, dass sie in Töpfen, die vor unserem Haus standen, viel größer und viel üppiger gereift waren, es waren schöne große Früchte, wie man sie im Handel kaufen kann. Dies haben wir in diesem Jahr ausgeweitet auf weitere Paprika- und Chili-Pflanzen. Insgesamt neun an der Zahl haben wir in Töpfe gepflanzt und in unseren Hauszugang gestellt. Wir sind gespannt, wie sie sich entwickeln werden, und ob es ähnlich große Früchte werden wie im letzten Jahr.

30. April 2023


Anfangs war es ein relatives Hin und Her, dass wir uns zum Maibaumstellen auf den Marktplatz begaben. Der Schwager meldete sich, dass die Dreier-WG gemeinsam zum Marktplatz gehen wollte. Diese Feierlichkeiten, die neben dem aufgestellten Maibaum durch eine große Bierbude geprägt waren, hatten wir in der Vergangenheit noch nie aufgesucht. Unsere Erwartungshaltung war gering, aber positiv belegt, weil die Dreier-WG zusammen etwas unternehmen wollte, was allzu selten geschah. So fuhren wir mit unseren Fahrrädern in Richtung des Marktplatzes, doch wir mussten unsere Streckenführung ändern, weil die drei noch gar nicht losgegangen waren. Im Haus der Dreier-WG erfuhren wir zunächst, dass der eine Bewohner gar nicht mitkommen wollte, weil ihm vom Mittagessen noch übel war. So marschierten wir dann mit Schwager und Rollator los, der andere WG-Bewohner hatte mit seiner Freundin das Haus bereits verlassen. Auf dem Marktplatz trafen wir uns zu viert wieder. Der Maibaum ragte in die Höhe, zur Straße hin war alles abgesperrt, an der Bierbude herrschte ein fleißiges Getummele, die anderen Stände verschwanden zaghaft in dessen Schatten. Nach mehr als dreißig Jahren mich immer noch als ortsfremd fühlend, suchte ich nach Orientierung. „Ihr habt die Wahl: etwas trinken, eine Wurst essen oder dumm herumstehen“, so kommentierte der WG-Bewohner die Situation, in der wir uns wieder gefunden hatten. Zunächst hatten die beiden im Umkreis der Bierbude direkt neben einem Lautsprecher gestanden, die eine ohrenbetäubende Musik verbreiteten, so dass man sein eigenes Wort nicht verstehen konnte. Daraufhin hatten sie sich weiter weg geflüchtet und waren dabei auf uns gestoßen. Meine Frau hatte indes deutlich geringere Probleme, sich zu orientieren. Sie traf Bekannte und Verwandte. Sie erzählte mit unserer früheren Nachbarin, die später mit dem Kirchenchor einen Auftritt haben würde. Ihr Sohn verbrachte ein halbes Jahr in China, die Kommunikation per Mail oder Skype verlief allerdings äußerst schleppend, so dass Sohn und Mutter kaum voneinander hörten. Ein anderes Gespräch verlief mit der Mutter einer Behinderten, die Vorsitzende eines Fördervereins war, sie gehörte einem anderen Chor an, der ebenso möglichst viele Zuhörer mit seinem Gesang beeindrucken wollte. Im Schatten der Bierbude mogelten wir uns an den herum stehenden Besuchern vorbei, dabei wurden wir am Stand der Cheerleader angesprochen, ob wir Geld spenden wollten. Ziel unseres zickzackförmigen Ganges war die Wurstbude, wo der Schwager eine Bratwurst mit einem Brötchen essen wollte. Solch eine Bratwurst hatte der eine WG-Bewohner bereits gegessen, er hatte dabei seine Jacke allerdings sein Jacke so sehr mit Ketchup bekleckert, dass die Flecken kriminell aussahen. Seine Betreuer würden Mühe haben, die Flecken beim nächsten Waschen mit einem effizienten Waschmittel zu entfernen. Damit der Schwager ungestört seine Wurst essen konnte, begaben wir uns abseits zur Hochwasserschutzmauer, wo weniger Volk herum lief. Dort aß der Schwager Stück für Stück seine Bratwurst, dabei beobachteten wir, dass sich ein ganzes Stück weiter unten, direkt vor der Brücke über dem alten Rheinarm, eine Blaskapelle versammelt hatte. An dieser Stelle, weit weg vom Hauptgeschehen auf dem Marktplatz, wirkte diese etwas deplaziert, so dass an dieser Stelle die Musik nur leise und unterdrückt zu hören war. Es war aber ein Gassenhauer von Karnevalsmusik heraus zu hören, den die dumpfen Töne von mehreren Tubas und von Posaunen dominierten. „Buftata … Buftata … „ kommentierte der eine WG-Bewohner die von diesen Instrumenten überladene Melodie. Später würden an dieser Stelle die Chöre die Blasmusik ersetzen. Um gemeinsam ein Glas Kölsch zu trinken, stachen wir durch das Menschengetummel zur Bierbude. Mit einem Glas Kölsch in der Hand, schauten wir dem Treiben der Menschen zu, die sich feucht-fröhlich zusammen gefunden hatten. Sie standen in Gruppen zusammen, während die Mitglieder des Junggesellenvereins die Kölschgläser in einem Bierglasmeter durch die Gruppen, Grüppchen und Menschentrauben trugen. Ein Glas Kölsch reichte, und danach traten wir den Heimweg an. Kurz bevor wir im Haus der Dreier-WG ankamen, begegnete uns der eine WG-Bewohner, der zunächst mitkommen wollte und dann zu Hause blieb, weil ihm übel war. Anscheinend hatte sich seine Übelkeit deutlich verbessert, so dass er nun alleine loszog. Am nächsten Tag berichtete er uns, dass es ihm ohne uns auf dem Marktplatz stinklangweilig gewesen war. Die Wurst, die er gegessen hatte, hatte ihm überhaupt nicht geschmeckt, aber wenigstens war ihm davon nicht erneut übel geworden.


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