Spaziergang durch die Zündorfer Groov

Alte Rheinarme, Kleinode des Naturschutzes ? Da nichts los war am Nachmittag des Ersten Weihnachtsfeiertages und wir uns die Beine vertreten wollten, wählten wir die Zündorfer Groov, damit uns reichlich Natur umgab. In unserer Gegend musste am suchen nach aufgegebenen Flussläufen, die keinerlei Funktion mehr besaßen für die Schifffahrt. In unserem Ort gab es einen solchen alten Rheinarm, ebenso im Nachbarort. An der Kölner Peripherie, im Stadtteil Zündorf, gab es einen weiteren alten Rheinarm im Naturschutzgebiet der Zündorfer Groov.

Da die näheren Parkbuchten an der Zündorfer Hauptstraße allesamt belegt waren, mussten wir auf den großen Parkplatz neben dem Hallenbad ausweichen. Dies versprach uns einen etwas längeren Spaziergang zum Rhein, auf der Landzunge zwischen dem alten Rheinarm, zum Ortskern von Zündorf und zum Hallenbad zurück.

Nachdem der Himmel zwischen hoch hängenden Wolkenpaketen aufgerissen war, hangelten wir uns den Spazierweg entlang, der das Hallenbad rechterhand liegen ließ. Die Striche der Weihnachtsbeleuchtung markierten die Umrisse des Hallenbades, während sich linkerhand eine Kleingärtneranlage in die sich öffnenden Felder hinein gestreut hatte. Nach vorne steuerten wir auf ungeordnete Reihen von Pappeln zu, die den Flusslauf des Rheins begleiteten. Nach wenigen Gehminuten spazierten wir an dem alten Rheinarm vorbei, der die Gestalt des Naturschutzgebietes bestimmte, das in dieser Form von 1974 bis 1978 angelegt wurde.

„Groov“ kam ursprünglich aus dem Gallischen und bedeutete einst „Sandbank“ oder „Kies“. Sandbänke und Aufspülungen, Inseln oder Halbinseln hatte der Rhein mit seinen wilden Flussläufen im Laufe von Jahrhunderten geschaffen, bis er Mitte des 19. Jahrhunderts begradigt wurde und für die Binnenschifffahrt nutzbar gemacht wurde. Bis dahin hatte sich der Rhein sein eigenes Bett gesucht, er hatte es verlagert und gestaltet, so dass die Sorge um Hochwasser, Unterspülungen und Abbruch der Ufer das Alltagsleben der Anwohner bestimmte. In der Starre des Winters stand der auslaufende Rheinarm der „Groov“ an dieser Stelle still. Gruppen von Weiden besiedelten mit ihrem kahlen Geäst die Uferböschung. Totholz ragte in das stehende Wasser hinein, braun und abgestorben waren Büschel von Schilf in sich zusammen gesackt und die Natur gab keinen Mucks mehr von sich.

alter Rheinarm der Groov (oben links und unten links), am Rhein (oben rechts und darunter links), Ortskern Zündorf (Mitte),

Fisch-Skulptur am Hallenbad (unten rechts)

Ein kurzes Stück dahinter, warnte ein Schild vor dem steil abfallenden Ufer des Rheins. Wellen umspülten den Sand am Ufer, wir schauten auf das gegenüberliegende Rheinufer mit dem Kölner Stadtteil Weiß, und wir bogen nach rechts ab auf die Landzunge zwischen Rhein und Groov. Pappeln, deren Baumspitzen merkwürdig zurecht gestutzt waren, begleiteten den Fußweg. Bald rückten die Häuserpartien am gegenüberliegenden Ufer der Groov in unser Blickfeld, die zum Ortskern von Zündorf gehörten. Dieser Ortskern, der sich gemütlich an der Groov ausbreitete, wurde wiederum von einem spitzen und einem kleineren Kirchturm überragt. Am Ersten Weihnachtsfeiertag suchten wir nach einer Einkehrmöglichkeit, um uns bei einer Tasse Kaffee aufwärmen zu können. Die meisten Lokale waren feiertagsmäßig geschlossen, nur wenige waren in ihrem Inneren hell erleuchtet. Diese Lokalitäten, ein Steakhaus und einem anderes exklusives Restaurant, deren Hauptgerichte zwanzig Euro und aufwärts kosteten, scheuten wir zu betreten, so dass wir auf die exklusive Tasse Kaffee verzichten mussten.

Ohne den Hafen und den Wehrturm, die Zündorf einst Reichtum gebracht hatten, in unseren Spaziergang einzubeziehen, verließen wir den Ortskern. Zum Herzogtum Berg gehörend, hatten die Zündorfer bis zur Versandung der Groov Mitte des 19. Jahrhunderts ihre Lage im bergisch-kurkölnischen Grenzgebiet genutzt, Zolleinnahmen für den Warentransport auf dem Land an dem Kölner Stapelrecht vorbei für sich zu beanspruchen. Die Waren waren im Hafen umgeladen worden, der Wehrturm hatte die Zahlstelle für die Zölle beherbergt.

Als wir unser Auto erreichten, überschattete die frühe Dunkelheit des Winters den Parkplatz am Hallenbad. Dämmriges Licht hatte den schmalen Fußweg ausgeleuchtet, und die Betonskulptur des Fisches am Hallenbad lastete neben den grellen Lichtkegeln der Straßenlaternen.

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