Tagebuch Oktober 2019

1. Oktober 2019

Bedrohliche Kulissen vor unserer Haustüre. Dunkle Wolkenpakete bauschen sich auf, der Himmel tunkt sich hinter der untergegangenen Sonne in ein düsteres Licht. Eine Szenerie, die die dunkle Jahreszeit anzukündigen scheint, die von den hellen Tagesstunden derzeit noch überlagert wird. Nimmt man den ersten Oktober als Herbstbeginn, so passt die Stimmung haargenau. Ein deutlicher Wetterwechsel mit Wind, Regen und Temperaturen steht bevor, die noch die Wärme des Sommers konserviert haben, aber in die launischen Seiten des Herbstes übergehen wird.

2. Oktober 2019

Normalerweise meide ich gewisse Themen in meinem Tagebuch. Das sind Themen, zu denen ich nicht allzu viel zu sagen habe oder mich effektiv nicht auskenne – wie zum Beispiel Politik. Fußball meide ich genauso, obschon das Spielgeschehen, die Ergebnisse und die Tabelle interessiert verfolge. Ich platziere dennoch dieses Thema, weil sich all die Leidensszenarien, die Unruhe hinter den Kulissen und eine Boulevardpresse, die schlagzeilenträchtig drauf los haut, aus den Vorjahren wieder ankündigen. Vor der Saison hätte ich Wetten abschließen können, ab welchem Zeitpunkt die Trainerfrage beim 1. FC Köln hoch kocht. Als Fan kommt man von dem Verein effektiv nicht weg, egal, wie schlecht die Ergebnisse aussehen. Das 0:4 gegen Hertha BSC Berlin ist nun die Initialzündung, dass der Trainer Achim Beierlorzer angezählt wird. Und dabei bestimmt die Boulevardpresse die Trainerfrage. Sie zieht den Trainer und die Mannschaft in einen Teufelskreislauf, in dem nicht mehr das Engagement, der Kampf und die Leidenschaft zählen, die die Mannschaft bislang gezeigt hat, sondern nur noch Ergebnisse.

3. Oktober 2019

Welcher Aufwand betrieben wird, um auf der Autobahn A565 zwei Kilometer Standstreifen als dritte Fahrspur für einen dreispurigen Ausbau zu nutzen, das ist der helle Wahnsinn. Über ein Jahr wird bereits gebaut, nach links wird der Autoverkehr über die Gegenspur umgeleitet, über die Mitte fließt der Verkehr über die bisherige Autobahntrasse, die Abbiegespur nach rechts auf die Autobahnausfahrt ist verlegt worden. Der Dauerstau, der dadurch verursacht wird, bringt die Autofahrer zur Verzweiflung. In den Verkehrsnachrichten wird die Autobahn A565 an dieser Stelle regelmäßig gemeldet. Ein Ende der Baustelle ist noch nicht ganz in Sicht, man redet von Ende November. Zusätzliche Arbeiten wurden notwendig, die irgend etwas mit Entwässerung zu tun haben. Um zwei Kilometer Autobahn auszubauen, geben allerdings die 8,5 Millionen Euro Baukosten zu denken. Was den Straßenbau betrifft, spielen die Kosten anscheinend keine Rolle. Dem Steuerzahler ist es egal, nur die Autofahrer sind ungeduldig. Wenn der Verkehr wieder fließen kann, sehen die Autofahrer über manches hinweg.

4. Oktober 2019

Es war eine der seltenen eBay-Kleinanzeigen, die einschlug wie eine Bombe. Gegen 22 Uhr setzte ich die Einbauküche im Haus des verstorbenen Schwiegervaters zum Verschenken in eBay-Kleinanzeigen, und die Reaktion kam prompt. 3 Anfragen in 13 Minuten, was bewies, dass die Reaktionen unvorhersehbar waren. Einerseits konnte man verschenken, was man wollte, und blieb darauf sitzen. Andererseits riss man sich um den Hausrat, wovon wir viel zu viel anzubieten hatten. Auf den Schlafzimmerschrank aus Vollholz Eiche hatte zum Verschenken niemand Interesse, während Einbauküchen viel dringender benötigt wurden. Zusätzlich zu den 3 Anfragen in 13 Minuten ging ein Anruf auf dem Handy ein, worauf sich ein Interessent aus Bottrop im Ruhrgebiet meldete, der mit seinen 5 Kindern ohne Küche in einer Mietwohnung hauste. Eine Küche wollte er abgeholt haben, doch kurzfristig sei ihm die Küche dann doch wieder abgesagt worden. Wir sagten zu, da er eine Mitnahme bis am nächsten Tag zwischen 10 und 11 Uhr versprach. Ein wenig überschlugen sich die Ereignisse. Gegen 11 Uhr traf der Interessent aus Bottrop ein, der die Küche mitnahm und nach weiteren Gegenständen aus dem Hausrat nachfragte. Eine Nähmaschine, eine alt-eingediente Waschmaschine und Stapeln von alten Handtüchern nahm er mit. Alles kostenlos, und wenn wir irgendwelche Euros für unseren Hausrat verlangten, dann lehnte er strikt ab. Die Begegnung empfand meine Frau insgesamt als unangenehm, weil der Interessent, der vom Spracheinschlag ungefähr aus dem Balkan kam, eine Mentalität verkörperte, dass alles für Null und Nichts zu haben sei. Das passte zu unserem Hausrat, dass vieles schwer weiter zu vermitteln war, doch die Selbstbedienungsmentalität machte zum Beispielen bei den alten Lego-Steinen, womit meine Frau und ihr Bruder gespielt hatten, ihre Grenzen. Die Küche war im Windumdrehen abmontiert, und genauso konnten wir im Windumdrehen die Holzpaneele an der Decke abreißen. Der Küchenraum war nun schlagartig leer, in einem Tempo, wie wir es nicht vorhergesagt hätten. Dafür ärgerten wir uns um all den Hausrat aus der Küche, den wir nirgendwo bei uns zu Hause unterbringen konnten.

5. Oktober 2019

Es sieht so aus, dass sich die Tätigkeit unserer Tochter als Messdienerin ihrem Ende entgegen neigt. Seit Mai diesen Jahres hat sie nicht mehr in der Messe gedient, und die letzten Male, als sie zum Messdienen eingeteilt war, klagte sie entweder über Bauchweh oder sie weigerte sich sonstwie, in der Messe zu dienen. Nun hatten wir sie angehalten, sich offiziell beim Pastor abzumelden. Dies misslang allerdings, weil den Pastor im Pfarrbüro nicht antrafen, da dieses sich im Umbau befand und eine Baustelle war. Relativ kurz vor der Messe in der Sakristei aufzukreuzen und sich in der Anwesenheit der übrigen Messdiener abzumelden, danach war unserer Tochter nicht zumute. Wir werden in den nächsten Woche einen Weg suchen, dass sich unsere Tochter abmeldet – möglichst ohne E-Mail in persönlichem Kontakt.

6. Oktober 2019

Nach Tagen des Schaffens im Haus des verstorbenen Schwiegervaters verlief der Sonntag nunmehr anders. Heute ließen wir uns dort nicht blicken. Anstatt dessen besuchten uns Freunde, die wir über unsere große Tochter kennen gelernt hatten. In Bonn wohnend, hatten sie im Westerwald über den Wochenfeiertag ein verlängertes Wochenende verbracht und sie schauten auf ihrem Rückweg bei uns vorbei. Bei Kaffee und Kuchen beschäftigte sich ihr dreijähriger Sohn mit einer Kiste von Spielzeugautos in unserem Wohnzimmer, während ihre sechsjährige Tochter mit unserer Tochter ihren Spaß mit unseren Katzen hatten. Unsere Freunde hatten in ihrer Mietwohnung keine Haustiere, nur ihre Nachbarskatze hatte es gelegentlich in ihre Wohnung geschafft, wenn sie aus der Nachbarswohnung ausgebüxt war und auf dem Flur herumlief. Insbesondere unser Kater Rambo genoss es, verwöhnt und ausgiebig gestreichelt zu werden. Auf dem Schreibtisch im Zimmer unserer Tochter ließ er sich nieder, wo er seine Streicheleinheiten von den beiden Mädchen erhielt. Er lief die Treppen rauf und runter, und die beiden Mädchen folgten ihm. Die beiden klebten so sehr an den Katzen, dass sie den Kuchen vergaßen. Für unsere Tochter hatte ich Pflaumenkuchen besorgt, darüber hinaus gab es Riemchen-Apfelkuchen, Schwarzwälder-Kirschtorte, Himbeer-Cremetorte und gedeckten Apfelkuchen. Angeregt plauderten wir den ganzen Nachmittag, wobei wir unsere lange Geschichte von der Umbauaktion im Haus des verstorbenen Schwiegervaters erzählten, die noch nicht wirklich begonnen hatte, wenn man die Aktivitäten der Handwerksfirmen betrachtete. Unserem Ärger mit dem Landschaftsverband und dem Amtsgericht standen die Sorgen unserer Freundin um ihren Sohn gegenüber, der im Kindergarten verhaltensauffällig war. Spät verließen uns unsere Freunden mit vielen vollgestopften Plastiktüten, die Anziehsachen für ihre Tochter enthielten, die unserer Tochter zu klein waren.

7. Oktober 2019

Das Rheinland, die Chemieregion Europas. So zeigen es jedenfalls die Symbole aneinandergefügter sechseckiger Benzolringe, die die Standorte der Chemie auf der Autobahn A555 vor Wesseling ankündigen. Es ist aber nicht nur Wesseling. Betrachtet man die Umsätze und die Marktkapitalisierung im Aktienindex des DAX, so liegt das Schwergewicht in Leverkusen. Mit seinen deutschen Chemie-Standorten in Leverkusen, Dormagen, Krefeld, Wuppertal ist der Bayer-Konzern ein wahrer Elefant, darüber hinaus produziert der Chemie-Konzern weltweit an Standorten in den USA, in Lateinamerika, in Asien und im Pazifik. Trotz des Skandals um den Pflanzenschutzhersteller Glyphosat, kann der Bayer-Konzern locker mit anderen Dax-Konzernen wie Dow Chemical, Akzo Nobel oder BASF konkurrieren. So steht Leverkusen ganz im Sog des Bayer-Konzerns, was sich durch das Bayer-Kreuz ausdrückt, das aus den rauchenden Säulen der Chemie herausragt. Das Rheinland, die Chemieregion Europas. An Stahlmasten hängend, droht das Bayer-Kreuz im Dunstkreis der verregneten Tages zu verschwinden. Tagsüber, zeigen sich die Buchstaben des Konzerns im runden Kreis vor den Werkstoren nur schüchtern, während diese im Dunkeln ihre volle Leuchtkraft entfalten werden. Das Bayer-Kreuz, das Markenzeichen eines Chemie-Konzerns, der vor mehr als 150 Jahre von dem Farbstoffhändler Friedrich Bayer gegründet worden war. Das Kerngeschäft war in seinem Ursprung die Farbenherstellung, weltweit hat sich das Geschäft längst auf Bereiche wie Pflanzenschutzmittel, Medikamente, Saatgut oder Biotechnologien ausgedehnt. Die Chemie spürt man im Umkreis von Leverkusen allgegenwärtig.

8. Oktober 2019

Cafébesuche gehören ja zu meinen Leidenschaften. Sie führen mitten hinein in das Alltagsleben. Cafés sind ein Zentrum der Kommunikation, menschliche Charaktere aller Facetten gehen ein und aus. Man erzählt, redet miteinander, und mitunter hat sich die Unsitte eingeschlichen, dass man mehr dem Smartphone zuredet als dem menschlichen Antlitz gegenüber. Cafés laden zum Beobachten ein, die Wahrnehmungen schärfen sich. Früher, auf meinen Reisen durch Frankreich, habe ich genau diesen lebhaften Charakter der Cafés noch Erinnerung. Aber die Zeiten haben sich geändert. Während man heutzutage die Nachrichten auf dem Smartphone herauf- und herunterscrolled, so habe ich die Franzosen als ein Zeitung lesendes Volk in Erinnerung. Aufgeblätterte Zeitungen verdeckten die Gesichter, die Texte und Inhalte in sich hinein sogen. Nichts um sie herum störte sie beim Studium der einzelnen Rubriken, die die Spannungsfelder der Gegenwart umrissen. Der Name des Cafés „Extrablatt“ lehnt sich nicht unbedingt an Frankreich an, aber an Zeitungsausschnitte, die sich im Layout und auf Speisekarten wieder finden. Das Café Extrablatt, das ich bereits in Aachen, Köln und Koblenz kennen gelernt hatte, habe ich nun in Leverkusen besucht. Ein anregender Besuch, bei dem ich in Anlehnung an die Welt der Zeitungen so manches interessante beobachten konnte.

9. Oktober 2019

Stadtpatrone, eine Ämterhäufung großer Heiliger ? Heilige versprachen Schutz, sie waren Vorbilde, und für neu erbaute Kirchen wurden gerne Heilige mit einer Schutzfunktion über den Kirchenraum hinaus als Schutzpatrone ausgewählt. Was lag in der mittelalterlichen Größe des Heiligen Kölns näher als die Heiligen Drei Könige ? Die Gebeine der Heiligen Drei Könige, die 1164 nach Köln überführt wurden, begründeten maßgeblich die Bedeutung und die Größe des Heiligen Kölns, wie es der Gelehrte Aegidius Gelenius, Stiftsherr von St. Andreas, 1645 auf Lateinisch formulierte: „De admiranda, sacra, et civili magnitudine Coloniae … „. Auf Deutsch beschrieb er die bewundernswerte Größe Kölns. Noch bevor der Dom begonnen wurde, begründeten Stadtpatrone diese bewundernswerte Größe, die sie aus Legenden bezogen, deren Überlieferung Jahrtausende von Jahren überdauerten. Genau diese Zusammenschau, Heilige plus Stadtpatrone, finden sich in einer der Kölner Meisterwerke der Malerei wieder. Die Technik der Ölmalerei hatte erst im 15. Jahrhundert begonnen, als in Köln Ateliers mit dieser neuen Technik wie Pilze aus dem Boden schossen. Einer dieser Meisterwerkstätten wurde Stefan Lochner zugeschrieben, ein Maler von europäischem Rang, der sich genau mit diesen Stadtpatronen befasste. Gemäß der Bedeutung des Heiligen Köln, waren es die Heiligen Drei Könige, und ihnen folgten zwei weitere Heilige aus der historischen Bedeutung Kölns in den Ursprüngen des Christentums, das waren die Heilige Ursula und der Heilige Gereon. Genau diese Anordnung fasst der Altar der Stadtpatrone zusammen, dessen Gemälde um 1445 in der Werkstatt des Stefan Lochner gemalt wurde. In einem Seitentrakt vor dem Chorraum des Kölner Doms kann jedermann dieses Highlight mittelalterlicher Malerei, aufgesetzt auf einem Altar, bestaunen. Die Mitteltafel zeigt wie selbstverständlich die Anbetung der Heiligen Drei Könige, die der thronenden Muttergottes huldigen. Auf der linke Seite des Altars offenbart die Heilige Ursula einen Teil ihrer mitgereisten elftausend Jungfrauen, den rechten Altarflügel nimmt kämpferisch der Heiilige Gereon ein, der die geharnischte Schar der thebäischen Legion im Schlepptau führt. Alle drei Tafeln verbindet ein Masterplan auf einer Wiese, auf dem lauter Frühlingsblumen sprießen. Dabei halten die Stadtpatrone die Fahne hoch, die Heilige Ursula mit der Fahne ihrer Jungfrauenschar und der Heilige Gereon mit der Mohrenfahne derjenigen Afrikaner, die seiner aus Ägypten stammenden Thebäischen Legion angehörten.

10. Oktober 2019

Was wir in Zeiten des Terrorismus an Scheußlichkeiten so ertragen müssen. Man kann hier kaum erkennen, dass in vier bis fünf Stunden auf dieser Straße unsere Dorfkirmes los sein wird. Und wenn unsere Dorfkirmes beginnt, sind die Kirmesattraktionen, die sich auf dem Marktplatz und dem Parkplatz vor dem Netto knubbeln, Jahr für Jahr weniger geworden. In Stoßzeiten schart sich das Menschengedrängele um die Bierbuden, die zahlreicher vertreten sind als die eigentlichen Fahrgeschäfte für die Kinder, und in Stoßzeiten kommt man auf der Hauptstraße kaum noch durch. Betrachtet man die Leere der Straße vor unserem Marktplatz, wo die Kirmes beginnt, so mutet es absurd an, dass die Verantwortlichen Terroranschläge in ihr Kalkül einbezogen haben. Ringe aus Beton, als Barrieren an der Bushaltestelle aufgestellt, verengen an dieser Stelle die Straße. Ja, es kann sich natürlich irgendein Verrückter in sein Auto setzen und draufhalten in die Menschenmenge. Und er mag in seiner Absicht zu töten von einer Gesinnung getrieben worden sein, eine richtige Entscheidung im Kampf gegen die Ungläubigen getroffen zu haben. Die Betonbarrieren muten wie ein leichtes Hindernis an, welches lediglich große LKWs vor Probleme stellen wird. Die übrig bleibenden Fahrzeugtypen können die Schikanen locker umkurven und einige hundert Meter später auf dem Marktplatz ein Massaker anrichten. Wer denkt an ein solches Szenario ? Diese Handvoll von Islamisten, Terroristen und anderen Geisteskranken wird in unseren Zeiten niemand wegdenken können. Traurig, dass die Wahrscheinlichkeit eines Terroranschlags auf einer Dorfkirmes nicht gleich Null sein kann, und traurig, dass man solche häßlichen Betonklötze benötigt, um einen gewissen Modus der Abschreckung zu erzeugen – selbst wenn dieser im Life-Test nichts taugt.

11. Oktober 2019

Keine Rennradtour an einem Freitag, der nach Tagen des Regens einen zumindest trockenen, wenn nicht sogar sonnigen Tag versprach. Zum einen waren am letzten Tag vor der einen Woche Urlaub in den Herbstferien noch zu viele Dinge am Arbeitsplatz zu erledigen. Zum anderen gab es einen Vorfall im Englischunterricht, bei dem nichts direkt schreckliches passiert war, der mich aber dennoch veranlasste, mich bei der Schulleiterin in der Realschule vorzutasten. So liegt die letzte Rennradtour, bei der das Ziel Bad Münstereifel war, nunmehr am 10. September zurück. Mit dem fortgeschrittenen Oktober erscheint eine weitere oder letzte Rennradtour in diesem Jahr nunmehr fraglich. Bei dem Vorfall in der Realschule ging es um eine Gruppenarbeit. Niemand wollte in der Gruppe mit unserer Tochter zusammen arbeiten. Als sie untätig neben der Gruppe daneben stand, ermahnte sie der Englischlehrer, sie solle sich beteiligen. Solche Vorfälle der Ausgrenzung unserer Tochter erstrecken sich mittlerweile über mehrere Jahre. Der letzte schlimme Vorfall geschah während der Klassenfahrt im Mai diesen Jahres, als unsere Tochter krank war und nicht an der Klassenfahrt teilnehmen konnte. Zu Hause bombardierte sie eine Mitschülerin in einem äußerst pöbelhaften Tonfall mit Sprachnachrichten, sie sei nicht krank und wolle sich vor der Klassenfahrt drücken. eine Mitschülerin sie mehrfach per Sprachnachricht anpöbelte. Damit wir alle darüber reden können, wie wir weiter vorgehen wollen, habe ich mir einen Termin mit der Schulleiterin geben lassen.

12. Oktober 2019

Bei unseren Wocheneinkäufen packt mich der Schrecken, wie sehr Weihnachten in den Supermärkten in den Startlöchern steckt. So zum Beispiel bei REWE. Niemand denkt in unserer Familie daran, wer wem was zu Weihnachten schenkt. Niemand von uns schert sich um all die Schokoladenweihnachtsmänner in den Regalen, die niemand auf dem Einkaufszettel stehen hat und die doch soweit in der Ferne liegen, als würde das Weihnachtsfest niemals statt finden. Der Oktober ist noch entspannt ohne Allüren an das Weihnachtsfest. T-Shirt-Wetter und Sonnenschein lassen das Weihnachtsfest wirklichkeitsfremd erscheinen, als etwas Ungreifbares, das irgendwo zwischen den Sternen steht. Dennoch ist es eine beklemmende Gewissheit: in rund sechs Wochen werden sich die Zeichen der Zeit drehen, mit den ersten Black Friday-Angeboten und all den Weihnachtsmärkten werden wir alle von dieser Realität eingeholt werden. Mit den Vorlaufzeiten für die Regalbestückung kündigen Supermärkte das an, was uns mittelfristig bevor steht. Schokoladenweihnachtsmänner können bei all diesem Zeitraffer, wie schnell die Wochen- und Monatszyklen vorbei gehen, sehr deutlich werden.

13. Oktober 2019

Zwei nachträgliche Geburtstagsgeschenke, die wir uns gegenseitig bei Kaffee und Kuchen überreichten. Freunde von uns wollten zum Geburtstag gegrillt haben, das Grillen fiel dann aber aus, wir hatten aber bereits ein Geburtstagsgeschenk besorgt. Bei meinem Geburtstag lag der Fall anders. Die Lieferung ihres Geburtstagsgeschenkes an mich hatte sich verzögert, und ich war gespannt, was sie sich ausgefallenes hatten einfallen lassen, wenn es Komplikationen bei der Lieferung gab. Kaffee und Kuchen standen bereit, als wir ankamen. Der Kaffeetisch war fein gedeckt und dekoriert, und unser Freund durfte sich über belgisches Trappistenbier freuen mit den passenden, zu der Marke von LEFFE dazugehörigen Biergläsern, die sich in Belgien je nach Trappistenbiermarke in ihrer kelchförmigen und geschwungenen Gestalt unterscheiden. Über mein nachträgliches Geburtstagsgeschenk freute ich mich sehr. Es waren zwei Kugelschreiber mit meiner persönlichen Namensgravur. Geschwungene Buchstaben in Schreibschrift zierten den Schaft des Kugelschreibers, die Mine glitt mit ihrer Probeschrift geschmeidig über das Papier dahin. Ein schöner Einfall, der abseits von gewohnten Geschenken wie Weinpräsente oder Gutscheinen lag. Als Kuchen aßen wir Donauwellen und Bienenstich zum Kaffee, und unsere Tochter hatte ihren Spaß mit den beiden Hunden, die faul herum lagen und sich quasi beliebig streicheln ließen.

14. Oktober 2019

Der erste Tag, an dem eine Firma sich im Haus so richtig austoben konnte. Und dies gleich als ein Ausbruch einer Kraft eines Herkules, der den Vorschlaghammer schwang und die Zwischenwand zum Einsturz brachte. Stein für Stein fiel, mit der donnernden Wucht hämmerte er drauf los, aber alles geregelt und kontrolliert, dass zwei kleine Einzelräume zu einem großen und hellen Raum für eine Wohnküche vereinigt wurden. Stück für Stück, Brocken für Brocken fiel die Wand. Eine Staubwolke schwoll an, Bauschutt türmte sich, ein anderer Arbeiter schaffte mit einem Baueimer den Schutt auf einen Transporter. Nach ein paar Stunden war das Werk erledigt. Die Wand war raus, aus der einstigen Küche und der Essecke war ein einheitlicher, großer Raum geworden. Die Enden der fehlenden Wand gingen nahtlos in den beiden gegenüberliegenden Seitenwänden ineinander über. Saubere Arbeit, die erste Handwerksfirma für das Gewerk der Rohbau- und Maurerarbeiten hatte ihre Arbeiten begonnen.

15. Oktober 2019

Momente, die uns schwerfielen, sie in einem positiven Licht zu betrachten. Die Immobilienexpertin Stefanie Schäfer sollte uns helfen, als öffentlich bestellte Gutachterin ein Gutachten für das Haus des verstorbenen Schwiegervaters zu erstellen. Prompt erklärte sie sich telefonisch dazu bereit, ihre helle Stimme klang freundlich. Ihr Internet-Auftritt konnte auf eine langjährige Erfahrung im Immobilienbereich verweisen. Wir waren erleichtert, sie dafür zu gewinnen, da die vollkommen neurotische, cholerische und auch aggressive Verhaltensweise des Ergänzungsbetreuers, der gleichzeitig Rechtsanwalt war, den bereits beauftragten Gutachter vor den Kopf stieß. Das Amtsgericht hatte ein Gutachten für die Immobilie eingefordert, das auch vor Gericht vorgelegt werden konnte. In dem dazugehörigen Vermerk des Amtsgerichtes stands nichts von der nötigen öffentlichen Bestellung. Nachdem wir einen Gutachter beauftragt hatten, trudelte das Schreiben eines anderen Gutachters ein, den der Ergänzungsbetreuer = Rechtsanwalt ausfindig gemacht hatte. Daraufhin entfachte eine hitzige und neurotische Diskussion, dass es sich um einen öffentlich bestellten Gutachter handeln müsse. Der von uns beauftragte Gutachter erstellte zwar massenhaft Gutachten für Gerichte, er war aber nicht von der Industrie- und Handelskammer öffentlich bestellt. Im telefonischen Gesprächsverlauf mit dem von uns beauftragten Gutachter schrie der Rechtsanwalt diesen an, weil er ihm nur die Zeit stehlen würde, schließlich beendete der Rechtsanwalt einseitig das Gespräch, indem er den Telefonhörer auflegte. Zum Wochenbeginn lenkten wir ein, indem wir die öffentlich bestellte Gutachterin Stefanie Schäfer mit der Gutachtenerstellung beauftragten.

16. Oktober 2019

Noch mehr Zeugs, Krempel, Hausrat. Gerade der Dachboden bot ein unerschöpfliches Reservoir an immer neuen Gegenständen, Kartons und Überraschungen, die zum Vorschein kamen. Im Kellerraum, wo früher Geburtstage gefeiert wurden, stand relativ wenig – zumindest war er ungefähr bis zur Hälfte leer. Alles lagerte und stapelte sich somit auf dem Dachboden und sammelte Hausrat von mehreren Jahrzehnten an. So langsam rückt das Ende der Fahnenstange in Sicht, dass wir geräumt haben werden auf dem Dachboden. Ein olles Bett, das niemand mehr haben will, ein Spülbecken, ganz wenige Kartons, die nicht mehr die Masse an Überraschungen bereit halten können, was sich darin verbirgt. Dieses ständige Kleinklein, dass wir Stückchen für Stückchen alles sichten müssen, wird bald ein Ende haben. Der Dachboden – alles Angestaubte und Verstaubte wird hier bald verschwunden sein.

17. Oktober 2019

Currywurst ohne Currysoße ? Meine Mama schien einen außergewöhnlichen Geschmack zu haben. Seit langer Zeit hatte ich es wieder zu ihr geschafft. Den Umständen entsprechend, sahen die Dinge vom Prinzip her nicht schlecht aus. Mit ihrem Rollator bewegte sie sich regelmäßig – mindestens einmal am Tag – die Wohnstraße auf und ab. Obschon der Rollator ebenso ihr täglicher Begleiter im Haus war, war sie mit diesem Gefährt mobil. Wenngleich langsam, schaffte sie sicher die Treppen im Haus rauf und runter. Wesentliches Hilfsmittel war wiederum der Rollator, um in den Garten zu gelangen. Dreimal pro Woche bekam sie ihr Essen über einen Cateringdienst geliefert, die übrigen Tage kochte sie selbst. Mit meinem heutigen Erscheinen hatte ich zwei Stücke Kuchen mitgebracht, wovon sie ihr Stück allerdings unangetastet ließ, weil sie zuvor ein Brot gegessen hatte, was wiederum daran lag, dass ich spät war und rund um den Kölner Autobahnring lange im Stau gestanden hatte. Nachdem sie ihr Stück Kuchen beiseite geschoben hatte und nachdem die Abendzeit voran geschritten war, verspürte sie dennoch Hunger. Ich hatte davon geredet, wenn ich zu Hause angekommen wäre, dass ich dann eine große Portion Fritten mit Currysoße verspeisen würde. „Curry“ war das Stichwort, das den Hunger meiner Mutter aufleben ließ. Im Ort gab es eine Frittenbude, und wenn ich Lust auf Fritten mit Currysoße hätte, dann habe sie Lust auf eine Currywurst. Allerdings nicht auf die Currysoße, was ich befremdet zur Kenntnis nahm. Gerne würde ich in der Frittenbude unser Abendessen besorgen, aber eine Currywurst ohne Currysoße ? In der Frittenbude hakte ich bei der ungewöhnlichen Bestellung nach: eine Currywurst und Currysoße war kein Problem, die Currysoße würde man halt einfach weglassen. Wenn ich dies persönlich nehmen würde, wäre dies eine Beleidigung der Currywurst. Ohne Currysoße wäre die Wurst wie amputiert. Zu Hause mampften wir fleißig drauflos, wobei ich mir anstelle der Fritten mit Currysoße eine Bratrolle spezial – oder in der Machart der niederländischen Küche eine „Frikandel speciaal“ – genehmigte. Der Clou kam, als meine Mama die Currywurst ohne Currysoße nicht vollständig verspeiste. Ob ich den Rest aufessen wollte. Ich tat es widerwillig, da ich der Currywurst die fehlende Currysoße ansah. Das war viel zu trocken und schmeckte überhaupt nicht. Mit großen Mengen Mineralwasser musste ich sie in meine Speiseröhre hinunter spülen, weil sie mir drohte im Hals stecken zu bleiben.

18. Oktober 2019

Einfallsreiche Werbekampagnen sind selten. Allzu oft dröhnt die Werbung einen voll mit Informationen, die kein Mensch braucht, und wir suchen vor der Berieselung durch Werbung zu fliehen, indem wir das Fernsehprogramm wegzappen. Nicht so bei den Müllwagen der RSAG, der Abfallentsorgungsgesellschaft im Rhein-Sieg-Kreis. Deren Werbung ist griffig, hat Inhalt und vermittelt eine Botschaft. Sie appelliert an das Bewusstsein und liegt im Trend all der ganzen Umweltbewegungen, die aufstehen und die Menschen mit all ihren subtilen Ängsten um unseren Planeten Erde auf die Straßen treibt. „Haben sie mal 400 Jahre Zeit ? So lange dauert es, bis eine Plastiktüte kompostiert ist“, diese Botschaft hat sich der Müllwagen der RSAG auf seine Fahnen geschrieben. Daneben unterstreicht das Skelett, dass 400 Jahre Verwesung eines menschlichen Körpers gerade ein paar Knochen mit einem Schädel übrig lassen. Plastik stellt mit seinem Prozess des Zerfalls hingegen ein Bedrohungsszenario und einen Ausdruck unserer Wegwerfgesellschaft dar. Die Werbung sensibilisiert, dass die Rohstoffkreisläufe unterbrochen sind und sich nicht schließen. Da wenig Forschung investiert worden ist, stößt die Herausfilterung und die Wiederverwertung von Plastik an ihre Grenzen. Wir machen uns die Sache ganz einfach, da sich die Entsorgungsunternehmen um Plastik kümmern. Die Müllwagen der RSAG machen darauf aufmerksam, dass die Zeitenrechnung bei Plastik ganz anders aussieht. Plastik ist langlebig, ganz anders als all die Werbekampagnen, die Produkte mit immer kürzeren Produktlebenszyklen bewerben, die dann weggeworfen werden, im Hausmüll landen und mit Verpackungen aufgebläht sind, die dann nochmals unsere Müllberge vergrößern.

19. Oktober 2019

Ein Baustellenchaos, in dem wir unseren eigenen Beitrag geleistet haben, dieses Chaos zu vergrößern. Auf der Terrasse türmt sich der Schuttberg, nachdem die Wand zwischen den beiden Kinderzimmern im Obergeschoss abgerissen worden ist. Daneben Glaswolle, Eisenschrott, Holzreste, Restmüll. Freunde haben uns geholfen, die Glasbausteine abzureißen. Einige waren brüchig, die viereckigen Klötze standen unter Spannung, wenige Glasbausteine waren lose und waren zur Gefahr geworden, weil sie hätten herunter fallen können. Freunde haben uns nun geholfen, die Wand mit Glasbausteinen abzureißen. Die Aktion war nicht so aufwändig und dauerte zwei bis drei Stunden. Nun haben sich zu diesem Baustellenchaos Glasbausteine gesellt, die wir in Fünferreihen bis zur Höhe der Terrassenmauer aufgeschichtet haben.

20. Oktober 2019

Ein verregneter Herbsttag, an dem der Gang zum Komposthaufen wenige Momente der Abwechslung bot. Bereits am frühen Morgen hatte es sich eingeregnet, und der Dauerregen hielt uns im Haus, zumal wir in unseren Plänen darauf fixiert waren, dass Freunde uns beim Wegräumen im Kellers des Hauses des verstorbenen Schwiegervaters helfen wollten. Am frühen Nachmittag kam die Absage, und wir verschoben auf Montag. Spülen und der Gang zum Komposthaufen. Unserem Garten sah man es an, dass er infolge unserer Renovierungsaktivitäten vernachlässigt wurde. Seit Wochen und Monaten waren wir nicht mehr dazu gekommen, den Rasen zu mähen. Noch behielten die Tomaten, welke Zucchinis und Bohnen in den Beeten die Oberhand über das Unkraut. Ein paar Tomaten strahlten ihr reifes Rot dem trübsinnigen Himmel entgegen. Beinahe hätte man den herbstlichen Zustand unseres Gartens als normal betrachten können. Ein farbenfroher Kontrast zu Regen und Grau, zu denen der Himmel endlos seine Schleusen öffnete.

21. Oktober 2019

Ein Hahn, eine Henne und ein Käfig – was für ein ausgefallenes Symbol über dem Eingang einer Gaststätte in Troisdorf-Sieglar. Ein Ort der Geselligkeit mit einem Hühnerstall im Hinterhof ? Mitnichten. Wo die Namensgebung „Zur Küz“ herkommt, dazu muss man ein wenig suchen, da die rheinischen Dialekte schnell variieren können – von Ort zu Ort. „Küz“ bedeutet in unserem Landstrich im Dialekt „Kiepe“, und so wie die Kiepenkerle im Münsterland, waren auch hierzulande bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts fliegende Händler mit ihrer Kiepe von Haus zu Haus unterwegs. Diese Händler, die sich nicht alleine auf Westfalen beschränkten, trugen die aus Holz und Korbgeflecht bestehende Rückentrage, die man sehr schön über dem Eingang der Gaststätte „Zur Küz“ erkennen kann. Die Händler verkauften Waren für den täglichen Bedarf, als man an Institutionen wie Supermärkte noch nicht zu denken wagte. Da es noch keine Handelsinstitutionen wie Supermärkte gab, konnte man Gegenstände des täglichen Bedarfs wie zum Beispiel Eier nicht so einfach an der nächsten Straßenecke kaufen. Also mussten Hühner ran, die in einem Hühnerstall gut aufgehoben waren. Für die Gastwirte, die die Gaststätte von 1902 bis 1905 in Troisdorf-Sieglar erbauten, bedeutete die „Küz“ oder die „Kiepe“ in erster Linie Gemütlichkeit. Ihre Gäste sollten sich gut aufgehoben fühlen und Geselligkeit pflegen an diesem Ort des Beisammenseins in der Dorfgemeinschaft.

22. Oktober 2019

Heute Abend haben wir uns eine kleine Auszeit gegönnt. Zum Geburtstag hatte ich einen Essensgutschein geschenkt bekommen, den wir im Restaurant „Zur Alten Post" einlösten. Die Dekoration war passend zu diesem Anlass, das Essen war sehr gut. Ob das Jägerschnitzel, das Hirtensteak oder das Pfeffersteak, auch die Cevapcici, alles hat sehr lecker geschmeckt. Wir unterhielten uns mit der Inhabern, wobei ich die Idee aufgreifen wollte, in meinem Blog etwas über das Restaurant zu schreiben. Die Inhaberin erzählte von einer ehemaligen Poststation, der Pferdeställe angegliedert waren. Sie erzählte aber auch etwas über die Unsitte einzelner Gäste, die glaubten, sie über Google-Bewertungen erpressen zu können. So hatten Gäste am Ende ihres Aufenthaltes eine Rechnung von 210 Euro zu bezahlen. Bereits nach zwei Tagen hatten sie zu meckern begonnen, dass ihr Zimmer nicht in Ordnung sei. Als sie ihre Schlussrechnung bezahlen sollten, wollte sie nur 150 Euro bezahlen mit dem Hinweis, dass sie ansonsten wegen des schlechten Zustandes ihres Zimmers schlechte Bewertungen in Google und in Tripadvisor hinterlegen würden. Die Inhaberin forderte unverändert die 210 Euro, die die Gäste auch bezahlten, wobei sie an die Verhaltensebene der Gäste appellierte. Sollte es ihr Gewissen erleichtern, könnten sie ihren Frust in Google und Tripadvisor herunterschreiben. Erpressbar sei die Inhaberin nicht.

23. Oktober 2019

An diesem Tag trafen die Bauernproteste einen mit voller Wucht. Eine ganze Kolonie von Traktoren bevölkerte die Stadt. Die Traktoren parkten auf den Feldern vor Schwarz-Rheindorf. Erst um die Mittagszeit war ich auf dem Weg ins Büro, und ich konnte mich glücklich schätzen, mit dem Fahrrad unterwegs zu sein. Denn genau um diese Tageszeit setzte sich diese Masse von Traktoren in Bewegung und steuerte in die Innenstadt. Als ich die Kennedybrücke befuhr, konnte ich in Augenschein nehmen, was los war. Traktoren blockierten die Brücke, und zwar in beide Richtungen. Nichts ging mehr, der Verkehr stand still, das totale Chaos war perfekt. Demonstrationen ja, in einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung ist ein solches Grundrecht nicht hoch genug zu schätzen. Aber inhaltlich tue ich mich mit den Beweggründen schwer. Noch im Frühjahr hatte ich ein Foto mit jede Menge Kunstdünger auf dem Wirtschaftsweg gepostet. Gleichzeitig wurden über zu hohe Nitratwerte im Grundwasser quer durch alle Medien berichtet. Verschärfte Bestimmungen hat der Gesetzgeber in dem Agrarpaket nun auf den Weg gebracht, und genau dagegen protestieren nun die Landwirte. Gleiches gilt etwa für Pflanzenschutzmittel oder für Grünstreifen für Insekten und andere Kleintiere. Protest der Landwirte allenthalben, weil die Landwirtschaft grüner werden soll, der Einsatz von Chemie zurück gefahren werden soll. Monotone Agrarsteppen sollen weichen, Massentierhaltungen sollen artengerechter gestaltet werden. Die Bauern stecken in einem Dilemma, der Produktionsfaktor Boden gibt in einer kapitalistischen Marktwirtschaft ein Zerrbild ab. Manche Bauern kämpfen ums Überleben, und Einzelfälle werden nicht wegzudiskutieren sein, dass die grünen Bewegungen Bauern in den Ruin treiben werden. Die Bauern machen ihrem Unmut Luft – und mit dem Prozess der Billigung des Agrarpaketes durch die Bundesregierung werden diese Proteste weitergehen.

24. Oktober 2019

… solch ein Datum mit solch einer Fülle von Terminen verhieß bedeutungsschwere Vorahnungen und hing für mich wie ein dickes Brett im Raum, das es beiseite zu schieben galt. Dieses dicke Brett umfasste für mich eine zahnärztliche Behandlung, bei der die Löcher und die Verschraubungen für zwei Implantate in den Oberkiefer gesetzt wurden. Etwas höchst Unangenehmes also. Und bei diesen Unannehmlichkeiten vertraute ich auf die Erfahrung und das Können meines Zahnarztes, den ich bei anderen Behandlungen schätzen gelernt hatte. Mir blieb nichts anderes übrig, als den Termin auf mich zukommen zu lassen und darauf zu hoffen, dass mit dem Endzustand einer telekospierenden Brücke für meinen Oberkiefer alles besser würde. Genau um 15 Uhr war der bedeutungsschwere Termin, doch an diesem Tag fanden weitere wichtige Termine statt. Während ich die Zahnarztleiden noch vor mir auf der Brust hatte, arbeitete meine Frau gleich drei Termine im Haus des verstorbenen Schwiegervaters nacheinander ab. Morgens um 10 Uhr war sie mit der öffentlich bestellten Gutachterin verabredet. Um 13 Uhr kamen gleichzeitig der Elektriker und der Lüftungsbauer, wobei sie mit dem Elektriker die Feinplanung der elektrotechnischen Versorgung abstimmte. Beide Gewerke sollten in Kürze mit ihren Arbeiten beginnen. Am Ende des Tages war ich mächtig lädiert, was zu erwarten gewesen war. Mit den Vergleichen, was schlimmer war – die Entfernung eines Wurzelrestes mit anschließender Vernähung, einen Zahn ziehen oder das Setzen von zwei Implantaten – tat ich mich schwer. Wegen des schlechten Zustandes meiner Zähne kam ich nicht umhin, einiges über mich ergehen lassen zu müssen.

25. Oktober 2019

Ein Tag, an dem mir der Zahnarzt nach dem gestrigen Eingriff Ruhe verordnet hatte. Wegen der Zähne sollte ich keinen Kaffee trinken und keinen Alkohol. Dreimal täglich sollte ich Schmerzmittel nehmen, Milchprodukte waren verboten, und im Laufe des Tages gewann das Gefühl der Prothese eine gewisse Normalität anzunehmen. Die Prothese saß auf dem Oberkiefer über den vernähten Stellen der beiden gesetzten Bohrungen. Beim Essen musste ich vorsichtig sein, dass nichts drückte auf die Stellen der Implantate, nichts durfte sich entzünden, der Zahnarzt hatte zu Vorsicht angeraten, und am nächsten Donnerstag hatte ich den nächsten Zahnarzttermin zur Nachsicht und zum Fädenziehen. Tagsüber mäßigte ich mich mit meinen Aktivitäten. Ich spülte, hockte vor dem Fernseher, las die Tageszeitung und quasselte jede Menge. Der Schmerz über dem Oberkiefer hatte sich zurückgezogen, das Abendessen, Mettwürstchen mit Porree, Nudeln und Schinkenwürfeln, zerkaute die Prothese über den verloren gegangen Zähnen des Oberkiefers halbwegs unkritisch. Am späten Nachmittag fühlte ich mich bereits so, als sei ein Normalzustand meines gesundheitlichen Wohlbefindens wieder erreicht. Ich brachte meinen Schwager samt Ehefrau zur Behindertengruppenstunde, währenddessen erledigte ich unsere Wocheneinkäufe. Danach, im Haus des verstorbenen Schwiegervaters, ereilte uns ein kollektiver Tatendrang. Meine Frau hatte bereits am frühen Nachmittag Fliesen in der Wohnküche mit Hammer und Meißel abgestemmt. In der früheren Essecke war das Abstemmen leicht von der Hand gegangen, in der früheren Küche hingegen waren die Fliesen hartnäckig. Der Fliesenkleber löste sich gut vom Estrich, die Fliesen hingegen schlecht. Also stemmten wir Kleber mit Fliesen zusammen weg, und damit betätigten wir uns zu Dritt, bis die Dunkelheit uns einholte. Diese brach uns ab in unserem Tatendrang, und danach wendeten wir uns dem Abendessen zu. Betrachtete ich die zahnärztliche Behandlung am Vortag, war der Tagesablauf höchst viel versprechend. Beim Essen musste ich noch aufpassen, aber das Aktivitätsniveau hatte ein Normalmaß wieder erreicht.

26. Oktober 2019

Ein verhängnisvoller Fehlgriff bei all unseren Aufräum- und Entsorgungsaktionen. Bei diesem alten Puppenwagen hatte ich angenommen, dass er ein Erbstück von meiner Oma gewesen sei. Dieses Erbstück war allerdings eine Etagere, die wir längst zum Sperrmüll gestellt hatten. Dieser alte Puppenwagen gehörte meiner Frau, wobei die Decke im Puppenwagen meine verstorbene Schwiegermutter selbst genäht hatte. Als Sperrmüll war, hatte ich den Puppenwagen einem Händler mitgegeben, der bei der Sichtung des Sperrmülls bei mir nachgefragt hatte. Ein paar Euros hatte er mir dafür gegeben. Der Fehlgriff schmerzte, als meine Frau mich über die richtige Zugehörigkeit aufklärte.

27. Oktober 2019

Es geht doch nichts über ein lebendiges Spielzeug. Diese Maus, die zunächst unser Kater Oskar gefangen hatte, ist keine Attrappe. Seine Beute im Mund, war er in unseren Wintergarten spaziert. Seine Nase auf unsere Wohnzimmertüre gedrückt, drängte er mit seiner Beute hinein, doch wir lehnten eine tote Maus in unserem Wohnzimmer dankend ab. Nun stießen unsere beiden anderen Kater Jumbo und Rambo im Wintergarten hinzu, während Oskar das totgebissene Tier aus seinem Mund auf den Boden fallen ließ. Zu dritt umstanden sie die tote Maus, indem sie sich beratschlagten, wie damit umzugehen sei. Zuerst ergriff Rambo die Initiative. Er biß zu, sein Mund mit seinen scharfen Zähnen hoben das Objekt von den Bodenfliesen auf, und Rambo kaute ein paar Male auf dem toten Mausekörper herum. Anscheinend war es nicht seine Geschmacksrichtung, denn lustlos purzelte die Maus aus seinem Mund wieder zurück auf den Boden. Danach zog es Rambo vor, sich aufregenderen Dingen im Garten zuzuwenden und verließ den Wintergarten. Ihm folgte Oskar, der anscheinend auch keine Lust auf den soeben gefangenen Mäusebraten hatte. Alleine und zurückgelassen, gehörte die tote Maus nun einzig und alleine unserem schwarzbehaarten Kater Jumbo. Und der hatte seinen Spaß mit dem leblosen Objekt. Von allen Seiten sprang er auf die Maus zu, wirbelte mit seinen Pfoten um sie herum. Die tote Maus flog von einer Ecke des Wintergartens in die andere, sie flog in die Luft. Danach umkreisten sie Jumbos Pfoten von allen Seiten, seine weit geöffneten Augen begutachteten die Maus aus unterschiedlichen Perspektiven. Sein Spieltrieb tobte sich an der Maus aus, ohne dass er ein einziges Mal in diese Delikatesse für seinen unstillbaren Hunger hinein biss.

28. Oktober 2019

Es waren die Wortspielereien, die mich bei unseren Einkäufen bei Pflanzen Breuer beeindruckten. Die Einkäufe bei Pflanzen Breuer gehören zum Jahresablauf wie Karneval, die Schulferien oder Weihnachten; sie sind Allerheiligen vorgelagert für den Grabschmuck auf dem Friedhof. Meine Augen schauten gleich ein paar Mal hin, als sie die Verbindung einer Pflanzenbezeichnung mit progressiver Rockmusik, wie man den Musikstil Anfang der 1970er Jahre bezeichnete, entdeckten. Deep Purple – so hieß tatsächlich ein Federbusch mit kegelförmigen Blüten in tiefem purpurnem Lila. Das tiefe purpurne Gewächs war unscheinbar und ging in dem übergroßen Angebot von herbstlichen Pflanzen, Blumen, Gewächsen und Gehölzen unter. Was die Farben des Herbstes zu bieten hatten, war nicht schlecht, und weil wir genug Stress um die Ohren hatten, entschieden wir uns in diesem Jahr, die Schalen für das Grab nicht selbst zu bepflanzen. Wir kauften zwei fertige Gestecke, und damit waren unsere Einkäufe ungefähr erledigt. Wir ließen noch auf uns wirken, was man alles schönes im Herbst noch einpflanzen konnte, wenn die eigentliche Vegetationszeit sich im Jahresablauf dem Ende zuneigte. Nachdem wir die beiden Schalen mit ein bißchen Kleinkram an der Kasse bezahlt hatten, ging es wieder ab nach Hause. Dass man Pflanzen auch nach deftiger Rockmusik benennen kann, das hatte ich zu Hause wieder vergessen.

29. Oktober 2019

Die Uhren sind umgestellt, die Zeiten haben sich von der Sommer- in die Winterzeit verschoben. Während öffentlich diskutiert wird, wie man EU-weit jedem Land mit der Abschaffung der Sommerzeit gerecht werden kann, bestimmt die Umstellung die Phasen von Hell und Dunkel. Die eine Stunde Zeitverschiebung vom frühen Abend auf die Morgenstunden bedeutet, dass sich ab dieser Jahreszeit die Schönheit der Sonnenuntergänge über dem Rhein entfaltet. Zumindest, wenn ich mit dem Fahrrad zum Büro unterwegs bin. Vom Büro aus nach Hause radelnd, nehme ich gerne die Strecke über die Konrad-Adenauer-Brücke über die rechte Rheinseite durch die Rheinaue, wo ich all die Facetten der sich über dem Wellenspiel des Rheins absenkenden Sonnenscheibe genießen kann. Vom Prinzip her ist es eine wunderschöne Jahreszeit, begleitet von dem eingefärbten Herbstlaub, das die Blätter in vielerlei Rot-,Gelb- oder Orangetönen herab rieseln läßt. Die viel zu hoch hinaus geschossene Architektur des Posttowers mag ich nicht unbedingt, aber er verleiht der Komposition des Stadtbildes einen festen Ankerpunkt. Die zerlaufende Sonnenscheibe schmiegt sich an die Hänge des Kottenforsts und setzt auf Baumgruppen auf, deren fallendes Laub man aus der Entfernung nur vermuten kann. Die Lastkähne auf dem Rhein vermitteln eine innere Ruhe zwischen zerfaserten und unentschlossenen Streifen von Wolken, die den Sonnenuntergang intensiv aufleuchten lassen. So manche Sonnenuntergänge über dem Rhein werde ich in den nächsten Wochen genießen können.

30. Oktober 2019

Gegenüber von unserer Baustelle findet das Gemeindeleben im katholischen Pfarrheim statt. Vor ein paar Wochen, während der Öffnungszeiten der Bücherei stand dort: KRIMILESUNG. Heute stand das Blaulicht vor dem Eingang des Pfarrheims. Dirk Breitenbach, Polizeihauptkommissar im Ruhestand, hat einem zahlreich interessierten Publikum seine Krimi-Geschichten vorgelesen. Spannend lebhaft und nahe der Realität, seine Erlebnisse haben die Zuhörer gepackt. Wir werden die Bücher „KÖRPER-TEILE“ und „WOLFs-MORD“ mit kriminalistischer Freude lesen.

31. Oktober 2019

Wie sehr die Utopie einer besseren Welt und die Wirklichkeit auseinanderklaffen, das erfahren wir momentan am eigenen Leib. All die Umweltbewegungen, die im Zeitgeist der Klimadebatte mächtig Auftrieb erhalten haben, prangern – zu Recht – einen schonenden Umgang mit den natürlichen Ressourcen an. Schonend kann etwa mit diesen Ressourcen umgangen werden, wenn gegen den Trend unserer Wegwerfgesellschaft Gegenstände wieder verwendet oder wieder verwertet werden. Bei Möbeln müssen wir derzeit feststellen, dass der Verbraucher es vorzieht, dass irgendwo in der Taiga, in den Karpaten oder in Kanada ein Stück Wald abgeholzt wird, um flammneue Möbel direkt aus der Fabrik bei Porta, IKEA & Co zu kaufen anstelle sich mit gebrauchten Möbeln zu begnügen, die – wie bei unserem Kleiderschrank -, nicht viel weniger hübsch und nicht viel weniger flammneu aussehen. Obschon das abgeholzte Stückchen Wald die CO2-Bilanz verschlechtern wird, geht das Interesse an diesem gebrauchten Kleiderschrank gegen Null. Selbst geschenkt will niemand diesen tadellosen Kleiderschrank haben, den wir in eBay-Kleinanzeigen inseriert haben und der fast – aber nicht zu 100% - aus Eichenholz besteht. Damit die Elektriker arbeiten können, müssen wir das Zimmer vollständig räumen, und dann wird uns nichts anderes übrig bleiben, als dieses kostbare Stück zu zerlegen und an den Sperrmüll zu stellen. Das ist jammerschade, denn wir würden uns einen Abnehmer wünschen, der diesen hochwertigen Kleiderschrank gebrauchen kann. In all diesen Friday for Future-Demonstrationen begehren die Menschen auf, dass es keinen Plan B für unseren Planeten Erde gibt. Aber wenn es darum geht zu handeln, dann nimmt so mancher Verbraucher mit seinem Konsumentenverhalten fahrlässig – so würde man es im juristischen Jargon ausdrücken – die Folgen des Klimawandels in Kauf.

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