Ben Zucker in der Lanxess-Arena in Köln

Dieser Tag war ein Beispiel dafür, dass wir uns von Widrigkeiten nicht abschrecken ließen und unseren Weg so gehen, wie wir es geplant haben. Der Anlass dieses Tages war höchst angenehm, denn ich hatte meinen Schwager zu seinem Geburtstag zum Konzert von Ben Zucker in die Lanxess-Arena nach Köln eingeladen. Die Zeit war gut getaktet, ich war früh genug zu Hause, und im Behindertenwohnheim wartete der Schwager, den ich mit unserem Auto abholen wollte, um mit ihm nach Köln weiterzufahren. Als ich den Motor unseres VW Golf vor unserem Haus startete, hörte ich ein merkwürdiges Geräusch heraus, das sich am Behindertenwohnheim konkretisierte. Nachdem ich den Schwager aus dem Wohnheim in unser Auto eingestiegen war, murkste der Anlasser herum, bis sich gar nichts mehr tat. Die Batterie war leer. Was tun ? In dieser schwierigen Situation hatte meine Frau die entscheidende Idee. Ein Vater wohnte gerade um die Ecke, dessen Tochter gemeinsam mit unserer Tochter in eine Art von Vor-Kindergarten gegangen war. Eine Zeitlang spielten seine und unsere Tochter gemeinsam in derselben Mädchen-Fußballmannschaft. Ich klingelte und er half uns mit dem Fremdstartkabel seines VW-Busses.

Nachdem meine Frau uns zur S-Bahn gefahren hatte, kamen wir ziemlich punktgenau in der Lanxess-Arena an. Das Konzert war mitreißend, und wir hatten wahnsinniges Glück mit den Plätzen. Von den wenigen freien Plätzen hatte wir zwei Karten ergattert, die ganz hoch oben auf den obersten Reihen lagen, so hoch, dass wir die Bühne so ungefähr nur als Punkt erkennen konnten. Aber genau unsere Plätze waren gesperrt. Wir mussten vom Innenbereich der Arena wieder heraus und bekamen Restkarten von anderen Plätzen, die nicht verkauft worden waren. Mit diesen Restkarten mussten wir den hohen Treppenaufgang wieder herunter in den unteren Innenbereich bis dicht an die Bühne. So saßen wir vielleicht in vierzigsten oder fünfzigsten Reihe mit ungehindertem und direkten Blick auf die Bühne. Als wir Platz nahmen, war der Innenbereich bereits eingedunkelt und eine Vorsängerin sang Solo auf ihrer Gitarre ihre Stücke, die sich ein wenig an den Stil von Ami Mc Donald anlehnten.

Ben Zucker noch in die Schlagerecke einsortierend, mutmaßte ich, dass mir die durchweg schönen Stücke dieser Sängerin einiges besser gefallen würden als Ben Zucker selbst. Mit ihrer eloquenten und ausdrucksstarken Stimme spielte sie sechs bis sieben Songs herunter, bis sie voller Vorfreude Ben Zucker ankündigte. Gleich das erste Stück, das Ben Zucker sang, hatte ganz und gar nichts mit deutschen Schlagern zu tun. Das Gitarrenspiel, das zwei Sologitarristen und ein Bassist erzeugte, wogte scharf hin und her. Mit seiner einhämmernden Stimme war dies reine Rockmusik, die bebte.

Eintrittskarten (oben links), Rückfahrt mit dem Bus um Mitternacht (unten rechts), Konzert in der Lanxess-Arena (übrige Fotos)

Überhaupt tummelten sich viele Musiker auf der Bühne, die neben dem Schlagzeuger auch von einer weiteren Sängerin und einem Sänger belebt wurde. Im Verlauf des Konzertes schlug Ben Zucker auch weichere Töne an, die stets von seiner harten und rauchenden Stimme übertönt wurde. Seine Stücke bewegten sich aber niemals in Gesangsrichtungen, die mit Helene Fischer verband. Helene Fischer war es gewesen, womit sich der Name von Ben Zucker verband, als ich diesen zum ersten Mal gehört hatte. Mit Helene Fischer hatte er gemeinsame Konzerte gegeben, was ich mir beim besten Willen nicht vorstellen konnte, dazu war der Stil der beiden viel zu gegensätzlich.

Ben Zucker verwandelte sich vom harten Rock in samtweiche Balladen, wovon das Publikum vieles auswendig kannte und mitsang. Mir gefiel alles, was er sang, wenngleich ich nichts davon kannte, und seinen Gesang prägte diese derbe, rauchige Stimme, die Köln so richtig abrocken ließ und einen geilen Abend bescherte. So hatten es seine Worte jedenfalls nach dem ersten Stück versprochen. In seinen Stücken erinnerte er an seine Mutter, die einiges mit ihm als Kind mitgemacht haben musste. In einem anderen Stück trat seine Schwester gemeinsam mit ihm auf. Wohnsilos in Form von Hochhäusern flackerten auf der Großleinwand auf, als er sein Berlin besang. Das waren Eindrücke von Ost-Berlin, wo er als Kind aufgewachsen war, bevor die Mauer fiel. Schließlich driftete er dann doch in das Medium des deutschen Schlagers an, als er sich mit all seinen Musikern auf ein Podium mitten in das Publikum hinein begab. Er sang die Refrains von Schlagern wie „Marmor Stein und Eisen bricht“ oder „Ein Bett in Kornfeld“, bis er dann doch Helene Fischer in diesen Medley einbaute. Atemlos ging es durch die Nacht, und trotz all meiner Abneigungen gegen deutsche Schlager konnte ich nicht verhehlen, dass die Aneinanderreihung nicht schlecht gemacht war.

Da wir über kein Auto verfügten, gestaltete sich die Rückfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln relativ holprig. Die Fahrt bis zum Behindertenwohnheim, wohin ich den Schwager begleitete, klappte noch wie am Schnürchen, aber auf dem Rückweg vom Wohnheim zu uns nach Hause wirkte sich der ausgedünnte Busfahrplan aus. Gegen Mitternacht fuhren die Busse nur noch alle 30 Minuten, und nachdem uns auf dem Weg zum Wohnheim soeben zwei Busse entgegengekommen waren, verbrachte ich die Zeit des Wartens, indem ich ein Stück zu Fuß lief. Die helle Scheibe des Vollmondes verschwamm, und wenn man von spärlich verkehrenden Autos absah, war die Stille gegen Mitternacht perfekt. Nachdem ich geduldig die Wartezeit totgeschlagen hatte, näherte sich endlich ein Bus. Doch seine Endhaltestelle lag eine Haltestelle vor derjenigen Haltestelle, wo ich gewöhnlich von zu Hause aus ein- und ausstieg. So konnte ich dann nach Mitternacht ein weiteres Stück durch die Dunkelheit spazieren gehen, bevor ich zu Hause zurück kehrte.

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