Anka Zink im Senftöpfchen-Theater Köln

Anka Zink, ein nachträgliches Geburtstagsevent mit einer besonderen Note. Sehr lange hatte ich hin- und herüberlegt, wie ich meinen runden Geburtstag gestalten wollte. Die Feier wollte ich nicht ausfallen lassen, aber wie feiern ? Die Idee einer Stadtführung durch Linz hatte meine Frau abgelehnt, aber was alternativ ? Meiner Frau schwebte die Filmdose in Köln vor, was auch meinen Vorstellungen entsprach, doch das Programm der Filmdose endete abrupt am 30. Juni. Wir überlegten die Springmaus, ich studierte das Programm des Kölner Senftöpfchens, wo ich im letzten Jahr Jürgen Becker gesehen hatte. Bei Anka Zink passten die Fakten. In Bonn hatte sie uns in der Springmaus mit einem pointenreichen Programm überzeugt, und ihr Auftritt im Senftöpfchen fiel auf einen Freitagabend, so dass man im Anschluss in der Kölner Altstadt in einem Brauhaus gemeinsam noch einige Gläser Kölsch trinken konnte. 14 Karten hatte ich besorgt, die Straßenbahnlinie 7 beförderte uns in die Kölner Altstadt, und vor dem Eingang der Springmaus erwarteten uns übrigen nachträglichen Gratulanten. Vor lauter Weinflaschen, die ich geschenkt bekam, wurde mein Rucksack entsetzlich schwer. Eine Flasche Whisky war dabei, da zu unseren Freunden aus der Aachener Gegend nicht vorgedrungen war, dass ich Hochprozentiges überhaupt nicht trank und anstatt dessen Bier oder Wein bevorzugte. Bei einer Freundin war es der Deutschen Bahn gelungen, ihr rechtzeitiges Erscheinen zu vermasseln. Von Bonn nach Köln ging nichts mehr – wegen eines Polizeieinsatzes. Wir hinterlegten ihre Eintrittskarte an der Theke, und rund eine Viertelstunde nach Beginn trudelte sie ein und fand irgendwo im unteren Bereich Platz, während wir im oberen Bereich auf dem sogenannten Balkon mit einer direkten Blick über das Geländer zum Bühnenbereich saßen, wo Anka Zink ganz subtil in die Ausprägungen der Bescheidenheit eingetaucht war, denn ihr Programm trug die Überschrift „das Ende der Bescheidenheit“. Bescheidene Züge hatte ihr Programm bereits mit ihrem Auftritt auf die Bühne genommen, da sie bereits jede Menge Applaus erhalten hatte, ohne nur ein Wort zu sagen. Anka Zink leitete die Wortbedeutung von „bescheiden“ aus dem Mittelalter ab. Rechtsinstanzen und Gerichte erteilten einen Bescheid, und das Verb „bescheiden“ reduzierte das Handlungsfeld der Betroffenen, da sie ihr Tun und Unterlassen wenigen Dingen unterordnen mussten. Das Ende der Bescheidenheit hatte hingegen ganz viel mit Bedeutung zu tun, eine Bedeutung, dessen Indikator war, dass manche Personen und Charaktere nie Zeit hatten. Stets kamen sie dringend von irgendwo hin nach irgendwo her, sie waren nie verfügbar und hatten nie Zeit. Sie betraten ein Café, klappten ihren Laptop auf oder kommunizierten mit ihrem Smartphone, sie durften eigentlich gar nicht da sein in dem Café, weil sie irgendwo anders dringender zu tun hätten. Ihr Statussymbol äußerte sich in ihrer Verhinderung. Ging es um Problemstellungen, arbeiteten solche Menschen nicht daran, Probleme zu lösen, sondern diese vergrößern, um sich mit diesem Konglomerat von Problemen befassen zu müssen. In diesem Zusammenhang nannte Anka Zink ihre gealterte Tante Angela, die es liebte, dass sich andere mit ihr als Bestandteil des Problems befassten. Stets stand sie mit ihrem Rollator anderen im Wege herum, was dann ihre Bedeutung steigerte. WhatsApp-Gruppen trugen ebenso ihren Anteil bei, dass Aktivitäten, die in der Welt der analogen Kommunikation einfach und schnell zustande kamen, zu verkomplizieren. Wollte man sich etwa zum Wandern verabreden, konnte in einer WhatsApp-Gruppe jeder mitreden. Jeder konnte seine eigenen Befindlichkeiten einbringen, so dass sich die WhatsApp-Gruppe zunächst aufplusterte auf ganz viele Mitglieder, worunter dann einige beleidigt ausschieden aus der WhatsApp-Gruppe, wenn ihnen irgendwelche Details zur Wanderung nicht gefielen. Da der Pingpong über Posts in WhatsApp bedeutungsschwerer war als der direkte telefonische Draht, waren WhatsApp-Gruppen häufig eine schwierige Herausforderung zwischenmenschlicher Kommunikation. Mit all ihren spitzen Anspielungen und Pointen waren alle Freunde begeistert von Anka Zink.

Senftöpfchen-Theater (oben), Anka Zink (Mitte; Quelle: www.anka-zink.de), Brauhaus Sion Köln (unten)

Als die Vorstellung vorbei war, gab sich Anka Zink hautnah gegenüber ihren Zuschauern. Im Eingangsbereich konnte man ihr letztes Taschenbuch käuflich erwerben und signieren lassen. Zu meinem runden Geburtstag legte sie eine extra signierte Karte hinein. So wie ich meine nachträglichen Geburtstagsgäste eingeladen hatte, trotteten wir im Anschluss in ein Brauhaus in der Kölner Altstadt. Dabei verabschiedeten sich zwei Pärchen, weil die Uhrzeit zu sehr vorangeschritten war. Bei den Freunden aus der Aachener Gegend musste die Frau bereits um 4 Uhr morgens wieder aufstehen, da sie in der Frühschicht arbeiten musste, zumal bis in die Aachener Gegend noch ein ganzes Stück zu fahren war. Bei Freunden aus St. Augustin musste sie ebenso Samstags früh arbeiten. So blieben wir mit zehn Personen übrig, als wir uns beim Brauhaus Sion in der zweiten Seitenstraße niederließen. Wir mussten allerdings beharrlichen Widerstand überwinden, um bei einer lauen Spätsommernacht draußen sitzen zu können. Das Brauhaus war unglaublich stur, was die Laufwege der Kellner betraf. Draußen standen jeweils Vierertische, und wir hatten bereits begonnen, diese zusammen zu stellen, damit wir mit zehn Personen vereinigt zusammensitzen konnten. Dagegen hatten die Kellner etwas einzuwenden. Am Ende des außengastronomischen Bereichs befand sich ein Holzstand mit Speisekarten, Besteck und Servietten, womit sie ihre Gäste bedienten. Durch den Mittelgang zwischen den Vierertischen gelangten sie zu diesem Stand. Dazwischen stehende Tische versperrten dann diesen Laufweg der Kellner, den sie je nach Uhrzeit dementsprechend häufig zurückzulegen hätten. Wir verständigten uns schließlich, die Vierertische unangetastet stehen zu lassen, während sie unsere Zehn-Personen-Gruppe um die isoliert voneinander stehenden Tische gruppierte. Dem Geschmack des Kölschs und der Gemütlichkeit tat dies keinen Abbruch. Ich trinke fast nie Kölsch, doch die Ausnahme fand genau an diesem Abend statt. Frisch gezapft, war der erfrischende Geschmack in Kölner Brauhäusern nicht zu schlagen. Und dies in dieser lauen Sommernacht Ende August, wo die Hitze des Tages verklungen war. Die Wärme des Abends war in ein erträgliches Niveau übergegangen, so dass es Spaß machte, in dieser Runde draußen zusammen sitzen zu können. Entsprechend der Kölner Brauhaustradition, hatte das Kölsch in den langen Stangen ein Alleinstellungsmerkmal. An Bieren wurde nichts anderes als Kölsch angeboten, so dass der Wunsch in unserer Runde, dass jemand ein Pils trinken wollte, rigoros abgelehnt wurde. Bei erfrischen Gläsern Kölsch quasselten wir über dieses und jenes, und unsere Gesellschaft im Freien war vor dem Brauhaus einfach genial. Unsere frühere Nachbarin, die aus Berlin kam, lernte, dass der Kellner gleichzeitig der Köbes ist. Bis zum Schluss hatte sie Probleme mit der Aussprache. Ständig hörte sie „Kürbis“ heraus, bis wir ihr erklärten, dass die Bezeichnung „Köbes“ ursprünglich mit Pilgerpfaden im Mittelalter zu tun hatte. Brauhäuser, die als Herberge dienten, lagen gerne an den mittelalterlichen Pilgerwegen. Diese führten gerne über den Jakobsweg nach Santiago de Compostella. Aus Jakob wurde „Köbes“ abgeleitet, und viele Kölner Brauhäuser existierten bereits seit dem Mittelalter. Wir lachten ganz viel, wir tranken Kölsch in größeren Mengen, während einzelne Autofahrer sich mit Mineralwasser und Cola begnügen mussten. Gegen zwanzig nach 12 lösten wir die Runde auf, weil wir um 0:25 Uhr die Straßenbahnlinie 7 am Heumarkt nehmen mussten. Ein wunderschöner Abend war zu Ende gegangen, als wir um viertel nach eins zu Hause ankamen.

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