Tagebuch Mai 2019

1. Mai 2019

Dass es neben der Maikönigin auch eine Gräfin gibt, das war mir neu. Königin und Gräfin – Adelstitel aus längst vergangenen Zeiten leben wieder auf. Ob Königin oder Gräfin, darüber mögen wie in früheren Zeiten Allüren, Geld und Tantiemen entscheiden. Geld, das in Form der Versteigerungserlöse erzielt wird. Dasjenige Mädchen, für die die meisten Maimark geboten werden, wird Maikönigin, und die zweithöchste Ersteigerung gehört der Maigräfin. Das Brauchtum schafft seinen neuen Hofstaat, eine Königin und einen König, dazu eine Gräfin und einen Grafen. Umringt von jede Menge Feiernden, die sich dem feucht-fröhlichen Treiben anschließen.

2. Mai 2019

So beständig, schön, sonnig und warm das Wetter in den letzten Wochen war, um so sehr grassierte eine Angst, dass dieser Sommer ein noch schrecklicherer Dürresommer werden könnte im Vergleich zum letzten Jahr. Heute hat es geregnet und das soll in den nächsten Tagen auch so bleiben. Der Wetterbericht hat Recht gehabt, dass am späten Nachmittag Regen eingesetzt hat. Darüber freut sich die Natur und unser Garten, und die Angst vor einem neuen Dürresommer ist erst einmal weg. Auf dem Fahrrad habe auch ich überreichlich von dem Regen abbekommen. Während es vorher harmlos tröpfelte, begann es auf der Rückfahrt nach Hause ab dem Friedhof so richtig zu schütten. Ich überlegte kurz, mich an einer trockenen Stelle unterzustellen, doch dafür war die Reststrecke nach Hause zu kurz. Also fuhr ich weiter durch den prasselnden Regen. Zu Hause war ich nass bis auf die Knochen.

3. Mai 2019

Wie ein Familienunternehmen in einem Irrgarten von Firmen untergetaucht ist. Ein Konglomerat von 45 Firmen hat die Georgsmarienhütte zusammen gesammelt, die am Markt in den Bereichen Mobilität, Energie und Maschinenbau agieren. Vieles dreht sich dabei um Stahlerzeugung und Stahlverarbeitung. Die Struktur des Firmennetzwerkes ist lose, aufgrund von Liefer- und Leistungsbeziehungen haben die 45 Firmen, die von Deutschland bis in die USA und Brasilien beheimatet sind, wenig miteinander zu tun. Weit reicht der Arm der Zentrale der GMH Gruppe bei Osnabrück ins Rheinland nach Troisdorf. 1911 hatte der Kölner Unternehmer Louis Mannstaedt die bereits bestehenden Werksanlagen erweitert, um Stahl herzustellen, da in Köln-Kalk Flächen zur Erweiterung fehlten. In den Boomzeiten der 1920er und 1930er Jahren arbeiteten in dem Werk 6.000 Menschen, heute sind es noch an die 700. Lange Zeit war in den Nachkriegsjahren der Stahlkonzern Klöckner der Besitzer der Mannstaedt-Werke. Auf die Klöckner-Gruppe folgte der britische Stahlkonzern British Steel, später Corus-Gruppe. 2006 übernahm die GMH-Gruppe das Troisdorfer Werk. Die Geschäftszahlen sehen nicht schlecht aus, so dass der Bestand des Werkes momentan ungefährdet ist. Das ist aber nicht immer so, wenn einstige Familienunternehmen in einem Irrgarten von Firmen verschwunden sind. „Fix it, sell it or close it“, so hatte der einstige CEO des US-Konzerns General Electric, Jack Welsh, formuliert. So manche Konzernlenker gehen so vor, ein Maximum an Profit aus dem Konglomerat von Firmen heraus quetschen zu wollen. Das ist gewollt in unserer Marktwirtschaft, dass Standorte niemals sicher sein werden.

4. Mai 2019

Abgedeckt mit einer Folie, macht sich unser Kopfsalat gut in der regnerischen Witterung. Die Folie haben wir zuletzt gewechselt, da wir den Salat zuvor mit einer Folie ohne Löcherung abgedeckt hatten. Noch ist das Wetter immer noch so kühl, dass wir die Folie über die Nacht überdecken müssen, damit die Tageswärme gehalten wird. Tagsüber kann dann die Sonne auf den Salat scheinen. Die Kombination von Nässe und Sonne ist optimal. So kann unser Kopfsalat prächtig wachsen und gedeihen.

5. Mai 2019

Ein abgesägter Baumstumpf als Tageswerk. Der Tag verlief holprig. Wir wären gerne zum gleichzeitigen Antikmarkt und verkaufsoffenen Sonntag nach Bad Münstereifel gefahren, doch unsere Tochter wollte nicht. Diskussionen loderten auf zu ihren Haaren und ihrer Frisur, dann ging sie in die Badewanne. Sie wollte und wollte doch wieder nicht, als wir im Haus des verstorbenen Schwiegervaters für ein klein wenig Ordnung sorgen wollten. Schließlich starteten wir mit Tochter und Schwager gemeinsam los. Zu ordnen, zu machen und zu erledigen gab es genug. Nachdem wir uns drinnen betätigt hatten, beschlossen wir, einem Lebensbaum im Garten den Garaus zu verpassen. Dazu verrichteten unsere Säge und unsere Astschere ihr Tageswerk. Ast für Ast arbeiteten sie sich vorwärts, große Äste und kleine Äste trennten sich vom Stamm und sammelten sich auf einem Haufen zwischen hohem, wuchernden Gras im Garten.

6. Mai 2019

St. Remigius, Minoriten, Brüdergasse – mit den Namensgebungen dieser sehr alten Kirche geriet ich durcheinander. Das Gespräch entwickelte sich, als wir, wie der Zufall es wollte, uns auf unseren Fahrrädern an der großen Kreuzung der Autobahnauffahrt gegenüber standen. Die Rotphase der Verkehrsampel hatte gerade begonnen, die an der Ampel gegenüber wartende Fahrradfahrerin winkte und rief meinen Vornamen, ansonsten hätte ich sie in ihrem grauen Fahrradhelm möglicherweise nicht erkannt. Es war eine Freundin, die ich mit den Zeiten des Kennenlernens meiner Frau verband, zuletzt gesehen hatten wir uns in der Messe am Ersten Weihnachtsfeiertag in unserem Ort, davor hatte ich sie eine sehr hohe Anzahl von Jahren nicht gesehen. Nachdem die Ampel auf die Grünphase umgeschaltet hatte, war die Frage schnell beantwortet, wohin ich unterwegs sei, nämlich vom Büro aus nach Hause. Ja, vereinzelt hätte sie, am Stadtrand von Troisdorf wohnend, mich in meinem Fahrradoutfit auf meinem Rennrad gesehen. Dabei kramte sie Radtouren aus längst vergangenen Zeiten hervor und erinnerte sich an Oberstdorf, wohin einst eine vom Jugendherbergswerk geführte Radtour von Kitzingen am Main aus geführt hatte. Wohin sie unterwegs sei, konnte sie mir genauso schnell erklären. Der Montag sei so getaktet, dass sie abends stets in die Messe in St. Remigius ginge. Ihr Leben orientiere sich an Spiritualität, die ihr einmal das Leben gerettet habe. Auf dieses Gemengelage von Spiritualität und Kirche ging ich nicht ein, weil ich, an der großen Verkehrskreuzung stehend, diese Diskussion für unpassend hielt. Ebenso wusste ich aus früheren Zeiten, dass wir mit unseren Sichtweisen zu Spiritualität und Kirche und Glaube nicht überein kommen würden. So stockte ich bei der Standortbestimmung, ob St. Remigius dieselbe Kirche war, die ich meinte. In meinem Wissen zur Stadtgeschichte hatte ich abgespeichert, dass der Kölner Erzbischof um 1300 die Minderbrüder, einen Klosterorden, nach Bonn geholt hatte. Diese Minderbrüder leiteten sich aus dem lateinischen Wort der Minoriten ab. Im Rheinland war der Klosterorden der Minderbrüder im Mittelalter weithin präsent, so zum Beispiel auch mit einer sehr alten und sehr schönen Kirche in Maastricht in den Niederlanden. Aber St. Remigius ? Diesen Heiligen verband ich mit Reims in Frankreich, der meines Wissens den Feldherren Chlodwig dort getauft hatte, und nachfolgend wandte sich das spätrömisch-fränkische Reich in der Spätantike maßgeblich dem christlichen Glauben zu. Etwas irritiert, beschrieb sie mir, wie sie an der Oper vorbei durch die Unterführung, links dahinter liegend, zu der Kirche gelangte. Die Vermischung des Heiligen Remigius mit den Minoriten konnte ich nicht auflösen, die Brüdergasse stimmte aber und ebenso die Lage der Kirche. Und so wussten wir, dass wir genau von derselben Kirche redeten.

7. Mai 2019

Es hieß, Abschied zu nehmen von einem Gebrauchsgut, worin unsere Tochter einen nicht unerheblichen Anteil ihres Kleinkinderdaseins verbracht hatte. Mehr als ein Jahrzehnt ist es her, dass der Kinderwagen ausgedient hatte, als sich unsere Tochter immer besser selbstständig fortbewegen konnte. Seitdem verharrte er im Keller unseres verstorbenen Schwiegervaters, zuletzt stand er in unserer Garage. Untätig war ich, als meine Frau unseren Kinderwagen Flüchtlingen während der Flüchtlingswelle überlassen wollte. Nun habe ich mich doch darauf besonnen, ihn jemand anders zukommen zu lassen. Über Ebay-Kleinanzeigen habe ich ihn zum Verschenken inseriert. Mit einem Kleinwagen hat uns der neue Besitzer mit dem Vornamen Saleh aufgesucht, dessen Frau im siebten Monat schwanger ist. Obschon sein Auto mit einer Wickelauflage ziemlich vollgestopft war, passte der Kinderwagen irgendwie noch hinein. Bevor wir ihn abgegeben haben, hat unser Kater Rambo ihn als Kuschelecke getestet.

8. Mai 2019

Ein Graffiti, das all die Tristesse der Retortenstadt St. Augustin ausdrückte. Bevor ich unsere Tochter abholte, trank ich im Café Extrablatt im HUMA-Einkaufszentrum einen Kaffee. Aus dem Fenster des Cafés hatte ich auf den Platz geschaut, der am Reißbrett wie das Einkaufszentrum entstanden war. Der Regen plätscherte vor sich her, der gepflasterte Platz war grau und trüb wie der Himmel. Häuser und Gebäude waren viereckig gezeichnet wie der Rathausbau, der den Platz wie behördliche Vorschriften in ein Muster zu drängen schien. Unterwegs zu unserer Tochter, schritt ich vorbei an verblassten Stellplätzen für PKWs, dort, wo man einst vor dem Neubau des HUMA-Einkaufszentrums parken konnte. An deren Rückseite bestimmte die derbe und grobe Form des Betons das Erscheinungsbild, eine Trübsinnigkeit, die konturlos in die Dunkelheit der tief hängenden Wolken überging. All die Trübsinnigkeit, die Farblosigkeit und die Tristesse mochte den Urheber veranlasst haben, den Standpunkt dieses ungeselligen Ortes zu dokumentieren. Gerne neigt man dazu, Graffitis als rohe Gewalt oder als Sachbeschädigung zu deklarieren. Im Umfeld der Brutalität des Betons ist dieses Graffiti allerdings anders. Die rudimentäre Postleitzahl 537 und Augustin ohne die Heiligenbezeichnung schreien all ihren Frust aus sich heraus, welche Hässlichkeit im Schatten von heiligen Konsumtempeln ihren Lauf nehmen kann. Das Graffiti „537 Augustin“, ein Sinnbild für die Orientierungslosigkeit inmitten heraus geputzter Konsumwelten ?

9. Mai 2019

Optiker und Immobilienmakler haben die Gemeinsamkeit, dass sie sich wie Sand am Meer verbreitet haben, dass in ihren Ladenlokalen aber gähnende Leere herrscht. So zum Beispiel beim Optiker im HUMA-Einkaufszentrum, wo sich die Verkäuferin die Zeit damit vertreiben muss, die Auslagen zu ordnen und diejenigen Modelle in eine Position zurecht zu rücken, dass sie von den Kunden richtig wahrgenommen werden. Wer auf der Suche nach einer Brille oder einer Immobilie ist, der hat in unserem Umkreis eine große Auswahl, wo er den Kauf tätigen will. Die Läden von Optikern quillen über von Modellen, die jedem individuellen Typ eine auf seine Persönlichkeit zugeschnittene Brille verpassen können. In den Verkaufsräumen von Immobilienmaklern kann der Kunde die Auswahl von Wohn-, Miet- oder Gewerbeimmobilien sichten. Einen Unterschied gibt es allerdings: während Optiker ein Überangebot mit einer ausufernden Modellpalette anbieten, sind die Angebote von Immobilien knapp, zumindest in unserer Region. Das Angebot bereichert sich nur bedingt, wenn der Kunde von einem Immobilienmakler zum nächsten rennt. Ob Überangebot oder Knappheit, eine Gemeinsamkeit sollten die Gewinnspannen sein. Immobilienmakler dürften auf eine Art von „Lucky Punch“ warten. Da hält der Gesetzgeber die Hände drauf, dass er eine satte Verkaufsprovision von 3% festgeschrieben hat. Das macht zum Beispiel eine Provision von 12.000 Euro aus, wenn etwa eine Immobilie mit einem Wert von 400.000 Euro einen neuen Besitzer findet. Davon läßt sich eine ganze Zeit lang leben. Bei Optikern dürften indes die Gewinnspannen ein gut gehütetes Geheimnis sein. Dabei haben wir am eigenen Leib erfahren, dass die Preise von Brillen in den Regionen von Luxusgütern liegen können. 800 Euro für eine Brille – das ist ganz viel Kohle für ein Gebrauchsgut, das für Brillenträger lebensnotwendig ist. Da dürfte doch eine satte Gewinnspanne für den Verkäufer drin sein !?!?!?

10. Mai 2019

Genau zum falschen Zeitpunkt hatte unser Drucker seinen Geist aufgegeben. Für das Referat unserer Tochter über Gutenberg brauchten wir Ausdrucke, dazu Ausdrucke für das kommende Sommerfest im Behindertenwohnheim. Bereits seit geraumer Zeit hatte unser Drucker seine Macken. Er zog Papier ein, das er aber in einem Rutsch wieder ausspuckte, ohne dass er nur einen Buchstaben gedruckt hätte. Vor einem halben Jahr hatte unser Sohn dieses Problem vorübergehend gelöst, indem er den Druckertreiber neu installiert hatte. Nun ließ sich aber mit irgendwelcher Software nichts mehr lösen. Die Macken unseres Druckers ließen sich nicht mehr reparieren. Somit beschlossen wir, einen neuen Drucker zu kaufen. Bei SATURN im HUMA-Einkaufszentrum entschieden wir uns genau für denselben Druckertyp von CANON, nachdem wir festgestellt hatten, dass die Druckerpatronen den entscheidenden Unterschied ausmachen. Das Sonderangebot eines CANON-Druckers hatte uns die Verkäuferin für 59,90 € schmackhaft gemacht. An der Kasse mussten wir aber feststellen, dass wir inklusive der Druckerpatronen allerdings mehr als das Doppelte bezahlen mussten. Daraufhin verzichteten wir auf den Kauf und wählten danach genau denjenigen Drucker aus, den wir bereits besessen hatten. Mit extra Druckerpatronen kostete der Drucker fast denselben Preis von etwas mehr als 120 € als der Drucker im Sonderangebot, weil dieser Drucker nur eine Patrone in Schwarz und ein zweite farbige Patrone benötigte. Zu Hause, beim Auspacken des Druckers, stellten wir fest, dass bereits die richtigen Druckerpatronen in der Verpackung beigefügt waren. Wir hätten also nicht viel mehr als sechzig Euro ausgeben müssen. Dies zeigte uns, wie die Geschäftsmodelle von Druckerherstellern funktionierten. Drucker wurden zu Dumping-Preisen gehandelt, die dann mit den Druckerpatronen ihr Geld verdienten.

11. Mai 2019

Kopernikus All Stars, die Vogelhochzeit von Hoffmann von Fallersleben, noch ein reiner Männerchor, der Seemannslieder sang, ein Maitanz und ein Zwergentanz der Bewohner des Behindertenwohnheims Am Deich, eine Formationstanzgruppe und das Maikönigspaar aus Troisdorf-Müllekoven. Das Rahmenprogramm des Sommerfestes im Behindertenwohnheim Am Deich war auch in diesem Jahr reichhaltig und vielfältig. In besonderer Art und Weise dankten alle dem Wetter, das das Fest in dieser Form ermöglicht hatte. Es ungemütlich und kalt, und es hatte in Strömen geregnet. Aber um 15 Uhr, punktgenau mit Beginn des Sommerfestes, war der Himmel aufgerissen. Blauer Himmel hatte die Regenwolken beiseite geschoben, und in den wärmenden Sonnenstrahlen konnte man es gut aushalten. Allen Gästen und Anwesenden hatte das Sommerfest in diesem Jahr bestens gefallen.

12. Mai 2019

Als unsere großen Kinder noch klein waren, haben wir uns stets wenig Stress mit dem Muttertag gemacht. In Kindergarten oder Grundschule haben die Kinder oft selbst Gebasteltes mitgebracht, so dass es Ausnahmesituationen waren, dass wir sonntags im Blumengeschäft in unserem Ort einen Blumenstrauß gekauft hatten. Dennoch stellten wir am heutigen Muttertag fest, als wir frühstückten, dass etwas fehlte. Unsere Tochter dachte an ihre Mama, und an eine Fahrt zu unserem Blumenladen war nicht zu denken, weil er mittlerweile sonntags geschlossen hatte. Die Tradition des Muttertags erzeugte anscheinend eine immer kleinere Nachfrage. Unsere Tochter blieb aber nicht tatenlos und schritt in unseren Garten. Im Frühjahr blühte dort immer etwas, was es zu pflücken gab. Also sammelte und pflückte unsere Tochter, was an Blüten zu haben war. In ein Glas mit Wasser hinein gestellt – und fertig war der kleine Strauß zum Muttertag.

13. Mai 2019

Der Anlass war unangenehm und eine Klatsche gegen die Realschule, die unsere Tochter besuchte. In der letzten Woche war Klassenfahrt, doch unsere Tochter war erkrankt, was sie durch ein Attest belegen konnte. Während der Klassenfahrt war sie mit Sprachnachrichten in Whatsapp überschwemmt worden. An die 6-7 Sprachnachrichten erhielt sie an einem Tag, in denen sie auf das übelste beschimpft wurde. Sie sei nicht krank, sie wolle sich vor der Klassenfahrt drücken. Viele Mitschüler hätten auch keine Lust gehabt mitzufahren, sie wären aber dennoch mitgefahren. Die Sprachnachrichten gipfelten in Pöbeleien, Beschimpfungen und Beleidigungen, unsere Tochter sei eine „Bitch“. Die Mitschülerin wiederholte mehrfach dieses Wort, und dabei hörten wir mehrere Mitschüler im Hintergrund lachen, die es toll fanden, wie die Mitschülerin unsere Tochter fertig machte. Direkt am Montag nach der Klassenfahrt meldeten wir die Vorfälle der Schulleiterin. Wir könnten es nicht verantworten, unsere Tochter einem solchen Mob von Mitschülern auszusetzen. Daraufhin lenkte die Schulleiterin ein. Sie werde in die Klasse gehen und die Vorfälle ansprechen. Ebenso werde sie ein Vier-Augen-Gespräch mit der Mitschülerin führen. Im Verlauf der Woche hat sich dann diese Mitschülerin bei unserer Tochter entschuldigt. Momentan sieht es so aus, als hätten die Anfeindungen und Ausgrenzungen unserer Tochter nachgelassen. Richtigen wirklichen Kontakt zu einer Freundin hat sie aber weiterhin nicht.

14. Mai 2019

Beim Elternsprechtag bei der Geschichtslehrerin haben wir erreicht, dass unsere Tochter dennoch ihr Referat über Gutenberg halten kann, da es bis zum Abgabezeitpunkt an der Kommunikation mit ihrem Mitschüler mangelte. Nun ist meine Frau fleißig damit beschäftigt, Ausdrucke zusammen zu kleben und Buchstaben auszumalen. Das Plakat nimmt Gestalt an, es ist hübsch anzusehen und die Inhalte über Gutenberg und den Buchdruck sind griffig dargestellt. Mit Freude gehen Tochter und meine Frau an die interessanten geschichtlichen Inhalte heran. Dabei hat meine Frau gescherzt. Die Zwei in Geschichte würde sie für ihren Anteil bekommen. Als Co-Produzentin würde sie gerne zum Vortragen mit in die Schule kommen.

15. Mai 2019

Eine inzwischen typische Pose des Ausruhens, wie sich unser Kater Jumbo präsentiert. Er reckt sich und streckt sich in die Länge, was sein langer Katzenkörper hergibt. Bei solchen Dehnungen, wenn er auf dem Rücken liegt, ist uns aufgefallen, dass er – entgegen all unserer anderen Beobachtungen – winzige Stellen weißen Fells hat. Sollten wir ihn irgendwann beschreiben müssen, wären wir nicht in der Lage, Tupfer einer anderen Färbung aus seinem ansonsten mit pechschwarzem Fell zu benennen, Nun haben wir festgestellt, dass er die Unterseiten seiner vorderen Oberschenkel doch ein Stückchen Weiß tragen. Pechschwarz – das muss nichts bedeuten, denn unser Kater Jumbo ist bestimmt ein Glücksbringer.

16. Mai 2019

Die Location war schön, wo wir Michael Mittermeier erleben durften. Dort, wo einst gearbeitet und malocht wurde, hatten die Fabrikgemäuer etwa Stilvolles, Erhabenes, Verspieltes. Turmähnliche Fassaden streckten sich in die Höhe, die zum Elektrokonzern Felten & Guilleaume gehörten, der bis zum Anfang der 2000er Jahre hier noch produzierte. So war die Veranstaltungshalle des E-Werks in Köln-Mülheim etwas ganz besonderes. So wie wir Michael Mittermeier kannten, legte er dann mit seinem Programm „Lucky Punch – die Todes-Wuchtl schlägt zurück“ los. Michael Mittermeiers Humor war brilliant wie sonst, wobei er gerne seine 11-jährige Tochter in seinen Sketchen zitierte, Seitenhiebe gegen das Nachbarland Österreich austeilte, sich über den Kinofilm „Avengers“ ausließ und seine Daseinsberechtigung als Kabarettist darin sah, dass es dem Humor einer künstlichen Intelligenz von Siri bis auf weiteres überlegen sein würde. Der Begriff der Todes-Wuchtl stammte aus Österreich, wo man Schlagfertigkeit und eine griffige Pointe als „Wuchtl“ umschrieb. Dazu schilderte er ein Erlebnis aus Salzburg. Nach einer Vorstellung wollte er im sommerlichen Biergarten gegen 12 Uhr nachts noch essen. Die Küche war zwar noch offen, aber der Kellner sehr unfreundlich. Als er das Essen bekommen hatte und er aß, fiel das Licht aus. Daraufhin signalisierte er dem Kellner eine Glühlampe, dass er für Licht sorgen solle. Wenn ich meine Ausbildung als Elektriker absolviert habe, lautete die Antwort des Kellners. Michael Mittermeier war sprachlos, was das Wesen einer solchen Wuchtl ausmachte. Er lästerte nicht nur gegen Österreicher, sondern auch gegen Engländer. Die Steigerung zur Todes-Wuchtl war entstanden, als er einmal in Südafrika in einer Halle mit einem Tisch voller besoffener Engländer, auftrat. Während sie ihn als Nazi, Bratwurst, Saucige bezeichneten, erntete das Volk der Engländer in seinem Sketch lauter Spott. Emotionen und Aggressionen schwappten hin und her, bis er mit seiner Todes-Wuchtl den verbalen Hieben der Engländer entkam. Es war ein schöner und unterhaltsamer Abend mit Michael Mittermeier, bei dem wir ganz viel gelacht haben.

17. Mai 2019

Wie sich Außenseiter an den Rand der Gesellschaft bewegen. Hardrock ist eine meiner beliebtesten musikalischen Stilrichtungen. Ob Motörhead, AC/DC oder Iron Maiden: je aggressiver und je härter, um so besser. Die röhrende Stimme des verstorbenen Lemmy Kilmister vermag mich zum Beispiel genauso zu begeistern wie die Gitarren-Riffs eines Angus Young. Indes hat sich diese Gruppe am Kaiserplatz zusammen gerottet. Auf zwei Parkbänken gegenüber sitzend, dröhnt und ächzt Musik aus einem Lautsprecher. Das ist noch eine Stufe lauter und aggressiver als der Stil von Hardrock, den ich mag. Das ist einfach nur noch undifferenziertes Gebrüll und Geschrei, eine Daueraggression, die sich fernab von jeglicher Form von Gesellschaft stellt. Die sich zusammen rottende Gruppe will nicht mehr dazu gehören, sie will sich abheben, mit einem Musikstil den niemand haben will. Musik in Form von Gebrüll und Geschrei als akustische Umweltverschmutzung.

18. Mai 2019

Unser Tageswerk bemisst sich in Form dieses Haufens von Kleingehäckseltem. Äste und Zweige hatten wir mit unserem Auto herüber gekarrt vom Haus des verstorbenen Schwiegervaters, wo genug Sträucher wuchern, unsystematisch in die Höhe wachsen und sich aus der Masse von Unkraut hervor heben. Viele Ladungen haben wir in den Kofferraum gepackt, den wir nun dringend sauber machen müssen. Den ganzen Nachmittag war unser Kleinhäcksler in Betrieb. Eine geniale Erfindung, da wir mit dem zerkleinerten Holz und dem Beiwerk in Form von Blättern allerhand anfangen können. So zum Befüllen unserer Kompostmieten, die wir als Hochbeete benutzen. Auf dem Boden dicke Stämme, dann der Haufen von Kleingehäckseltem, schließlich Pflanzerde oben drauf. Was wir darauf pflanzen werden, wird bestimmt ganz lecker schmecken, wenn es denn reif ist.

19. Mai 2019

Um Künstler zu sein, bedarf es anscheinend eines gewissen Maßes an Verrücktheit oder Abgedrehtheit. Dies belegt das derzeitige Spektakel der rund 700 Beethovenfiguren in Grün und Gold. Der Künstler Ottmar Hörn hat sich diese Installation einfallen lassen, ein Jahr vor dem Jubiläums-Beethovenjahr 2020. Beethoven, wie man ihn ansonsten kennt, soll nicht nur grimmig dreinschauen, sondern auch lächelnd und gute Laune verbreiten. Dies ist mit den 700 Figuren bestens gelungen, denn die Öffentlichkeit bevölkerte den Münsterplatz, staunte, spazierte zwischen den Figuren herum, fotografierte und machte jede Menge Selfies. Man konnte all die Statuen von Bonns berühmtesten Bürger auch käuflich erwerben. Für 300 Euro je Beethoven-Statue war die Nachfrage unerwartet groß. Die 700 Figuren auf dem Münsterplatz waren bereits verkauft, und die Herstellung der grün-goldenen Figuren kam der Nachfrage kaum nach. Weitere 500 Figuren waren für Käufer reserviert, und für vierzehn Tage verwandelte sich der Münsterplatz in einen höchst außergewöhnlichen Skulpturenpark.

20. Mai 2019

Unser neuer Abteilungsleiter, der sich heute in unserem Team vorstellte, brachte Einsichten in unseren Alltag mit. Wie wir arbeiteten, beschrieb er als Hamsterrad. Ständig würden wir uns in diesem Rad drehen, vor uns daher arbeiten und dem folgen, was zu tun ist. Dann kommt aber jemand daher und schüttet mehrere Eimer Wasser über das Hamsterrad aus, um das Treten und Strampeln in dem Rad noch beschwerlicher zu machen. Auch dem folgen wir und mühen uns noch mehr ab. Seine Einsicht war, dass wir uns außerhalb des Hamsterrades stellen müssen. Wir dürfen uns nicht nur in dieser Produktionstretmühle sehen, sondern wir müssen uns auch fragen, wieso das Hamsterrad existiert. Welchen Sinn macht das Hamsterrad, wieso ist es notwendig, dass das Hamsterrad sich dreht. Wenn die Sinnfrage gestellt wird, können unproduktive Schritte wegfallen und wir können uns auf das Wesentliche des Hamsterrades beschränken. Diese wegfallende Zeit sollten wir produktiver als Erholungszeit, zum Beispiel mit der Familie, verbringen. Unser Abteilungsleiter brachte eine ganz neue Sicht mit, weg vom Hamsterrad zu mehr Freizeit.

21. Mai 2019

Spaziergang bei strömendem Regen durch den Kurpark von Bad Neuenahr. Entsprechend des ungemütlichen und nassen Wetters, war kaum eine Menschenseele im Kurpark zu sehen. Aber ich schaute auf, als ich am Konzertsaal vorbei schritt. Dieser war für die Öffentlichkeit geöffnet, genauso wie das benachbarte Kurpark-Gebäude. Obschon überhaupt nichts konzertmäßiges erkennbar war, erspähte ich im Inneren aufrechte Gestalten, die sich in Sesseln nieder ließen. Das war keine Menschengruppe, sondern die Gestalten vereinzelten sich. Meine Neugierde trieb mich in den Konzertsaal hinein. Leere Stuhlreihen standen vor einem Podest, wo keine Musikgruppe oder kein Orchester spielte. Ungestört und ohne dass sich eine Menschenseele blicken ließ, versorgte ich eine Zeitlang mein Laptop an einer Steckdose mit Strom. Ich schaute in den Bereich des Konzertsaals hinein, dessen große Fensterfront zum Kurpark wies. Ganz banal sah ich, wie man Zeitungen las. Seiten breiteten sich aus, sie wurden umgeblättert und verdeckten Gesichter und die Anatomie von deren Körpern. Da meine Zeit zum Zeitunglesen stets viel zu knapp war, folgte ich diesem produktiven Zeitvertreib. Da sehr lange nicht mehr gelesen, nahm ich mir den SPIEGEL, der auf einem Schubladenschrank lag. Ich las die Titel-Story über Angela Merkel, wie sie in dem sich nähernden Ende in ihrer Zeit als Bundeskanzlerin agierte, welche Visionen sie hatte und was vielleicht in der Zeit danach als scheidende Bundeskanzlerin kommen würde. Ein nicht unwichtiges Thema, wozu ich an diesem Ort Zeit und Muße hatte, mich darüber schlau zu machen. Derweil schaute ich nach draußen in den Kurpark, wo der Regen nicht aufhörte zu plätschern. Bei soviel Nass grünte und blühte der Park. Ein Wetter, bei dem die Schönheit des Parks bei soviel Grau nicht zur Geltung kam.

22. Mai 2019

Nein, der Mittfünfziger mit dem schütteren Haar und dem Ansatz von Glatze zeigte kein Interesse. Aus dem Haus des verstorbenen Schwiegervaters hatte ich mir die sechs Bände der gesammelten Werke von E.T.A. Hoffmann geschnappt und suchte in dem Antiquariat auf dem Bonner Talweg einen Abnehmer. Blau waren die Einbände, die Buchrücken waren schön verziert. Und die sechs Bände hatten ein gewisses Alter, da keinerlei ISBN-Nummern auffindbar waren, so dass sie vor 1970 gedruckt sein mussten. Also marschierte ich voller Selbstbewusstsein auf den Buchhändler zu und zeigte ihm meine farbigen Ausdrucke des E.T.A. Hoffmann. Stilvoll war das Antiquariat eingerichtet. Bleistiftzeichnungen mit alten Motiven waren in den Schaufenstern ausgelegt, die Regalreihen mit alten Büchern waren sauber sortiert. Ganz entfernt erinnerte das Antiquariat an die Fernsehserie Wilsberg, wo der Privatdetektiv seine Recherchen als Inhaber eines Antiquariats betrieb, in dem stets eine gemütliche Atmosphäre des Redens über weltbewegende Themen vorherrschte. E.T.A. Hoffmann werfe das Problem auf, dass er in hohen Stückzahlen nachgedruckt worden sei, während er eher selten als Klassiker gelesen werden. E.T.A. Hoffmann habe er fast nicht verkaufen können. So musste ich unerledigter Dinge diesen interessanten Ort verlassen, der große Mengen an Poesie, Wissen und schöngeistiger Literatur beherbergte.

23. Mai 2019

Die Gründe, dass es erst die dritte Rennradtour in diesem Jahr war, wiederholten sich aus den Vorjahren. Zu viel zu tun zu Hause, zu viel zu tun bei Arbeit, zu oft schlechtes Wetter, zu kleine Zeitfenster, manchmal fehlte auch der letzte Antrieb. Heute ging es nun über Bad Neuenahr durch das Ahrtal nach Altenahr. Eine Strecke, die ich durch das Ahrtal in den letzten Jahren selten geschafft hatte, eine Strecke, die entlang der Ahr wunderschön war und gleichzeitig ambitioniert wegen des langen Anstiegs ab Altenahr aus dem Ahrtal heraus. Ab Bad Neuenahr nahm ich zunächst den Ahrtalradweg, ab Walporzheim benutzte ich mit voller Absicht die Bundesstraße B266, da diese genau an den atemberaubenden Felsformationen des Ahrtals vorbei führte, während der Radweg den etwas seichteren Partien der Ahr folgte. In Altenahr, wo ich am Haus Caspari Pause machte, wähnte ich mich mitten in den Niederlanden. Mit einem erträglichen Maß an Erschöpfung entspannte ich mich bei zwei Krügen Bitburger Pils. Das kühlende Nass floss die Kehle herunter, während ich einer Gruppe von Motorradfahrern lauschte, einer Wandergruppe, die sich auf der Wanderkarte zu orientieren sucht, und einem Pärchen, das gerade eine Auswahl von Sehenswürdigkeiten aufzählte. Die Zeit strich dahin, als die Kolonie von Niederländern eine Geselligkeit jenseits aller Zeittaktungen und jenseits allen Produktivitätsdenkens verbreitete. Der Anstieg aus dem Ahrtal auf der schrecklich befahrenen Bundesstraße B257 war locker, die Kondition hielt, und die Strecke nach Hause glitt locker dahin.

24. Mai 2019

Respekt wer’s selber macht – wie sehr dieser Spruch beim TOOM-Baumarkt auf mich zutrifft. Bei den Tätigkeiten in unserem Call-Centern reden wir von einem Skill-Set, das sind die Fähigkeiten und Eignungen unserer Mitarbeiter. Niemand ist ein Multitalent und kann alles, so dass jeder Mitarbeiter immer nur eine bestimmte Auswahl an Vorgängen bearbeiten kann. Viele Mitarbeiter können vieles, aber kein Mitarbeiter kann alles. So kommt bei uns zu Hause die Konstellation zustande, dass ich mit meinen weniger ausgeprägten haptischen Fähigkeiten alles Handwerkliche eher schlecht als gut beherrsche. Es fehlt an den grundlegenden Vorgehensweisen, ich packe die Dinge falsch an, ich arbeite nicht präzise genug, der Fehlerteufel schleicht sich ein, ich bin viel zu langsam. Daher zolle ich all den Heimwerkern Respekt, die ihre Dinge selber machen. Sie sind mir in diesen Dingen überlegen, und ich weiß, dass ich anstatt dessen andere Dinge besser kann.

25. Mai 2019

Wie gut, dass man Freunde hat, die einen etwas anders gearteten Blick auf die Dinge werfen. Im Haus des verstorbenen Schwiegervaters geht es effektiv nicht voran, und dies, obschon wir es uns ständig vornehmen, aber nichts geschieht. Wie ein Brett blockieren die Vorbereitungen für die anstehenden Umbaumaßnahmen unsere Freizeitaktivitäten. Als einziges befassen wir uns mit der wilden Landschaft von wuchernden Sträuchern und Zweigen im Garten, während sich das Unkraut unvermindert ausbreitet und wir es nicht eindämmen können. Eigentlich müsste drinnen geräumt, ausgeräumt, weggeräumt werden. Ein paar Dinge sind in Umzugskartons eingepackt. Zu dritt konnten wir den Widerspruch lösen. Es gibt noch zu viele Unbekannte zum weiteren Vorgehen. Es gibt noch ein Rest-Wahrscheinlichkeit, die gering ist, dass der Landschaftsverband seine Ansprüche geltend machen möchte. Und solange der Landschaftsverband mit seiner Entscheidung auf sich warten lässt, müssen wir beide Varianten des betreuten Wohnens und des Verkaufs in Betracht ziehen. Wir können einiges ausräumen, aber nicht alles. Dann dürfen wegen der Zuschüsse von Krankenkasse und Wohnungsbauförderungsanstalt keinerlei Maßnahmen begonnen sein. Mithin hängen wir am langen Arm von Bürokraten, die sich wahrscheinlich in dem Tempo einer Schlaftablette mit dem Thema befassen.

26. Mai 2019

Das war wieder mal solch ein Tag, an dem unsere Tochter nicht so wollte, wie wir es uns gewünscht hätten. Die Messdiener gestalteten den Pfarrgarten neu, doch sie machte nicht mit. Wir suchten nach alternativen Unternehmungen, da sie auf ihrem Zimmer hockte, und entschlossen uns nach dem Mittagessen für eine ganz einfache Variante. Ich spielte Schiffe-Versenken mit ihr, ein Spiel, bei dem ich normalerweise hoffnungslos unterlegen war. Gegen ihre Schlauheit kam ich effektiv nicht an, und so war es auch heute. Mir gelangen zwar die Abschüsse der 5er-, 4er- und 3er-Schiffe, doch den 2er hatte sie dermaßen gut am oberen Rand versteckt, dass ich ihn nicht entdeckte. Nach rund einer Stunde musste ich mich geschlagen geben, und danach nahm der Tagesverlauf eine unerwartete hektische Wendung. Um 17 Uhr war Kegeln mit den Behinderten, wozu unsere Tochter mitkam. Fotos von letzten Kegeln wollte meine Frau mitbringen, doch die Ausdrucke klappten auf unserem funkelnagelneuen Drucker nicht. Fotos ganzseitig zu drucken, damit war er offensichtlich überfordert. Wir versuchten und versuchten und rannten die drei Stockwerke zum Drucker im Zimmer unserer Tochter mehrfach rauf und runter, doch nichts tat sich am Drucker. Wir verzettelten uns so sehr, dass wir beinahe den Wahltermin der Europawahl vergessen hätten. So gingen wir knapp vor 17 Uhr in unserer Grundschule wählen, so dass Tochter, Schwager und meine Frau etwa eine Viertelstunde zu spät zum Kegeln kamen. Ohne die Fotos, die sie versprochen hatten mitzubringen.

27. Mai 2019

Glaubt man der Legende, so hat das Bäckerhandwerk der Stadtgeschichte von Andernach eine entscheidende Wendung gegeben. Wie so oft im Leben, ging es dabei um das Geld. Dieses floß in Andernach wieder reichlich, nachdem der Kaiser den Rheinzoll im 16. Jahrhundert von Linz nach Andernach zurück verlegt hatte. Linz verarmte, während es den Andernachern wieder besser ging. Die Linzer und Andernacher Bürger kannten sich bestens, und so wussten die Linzer, dass die Andernacher gerne bis in die Nacht einen becherten und morgens lange schliefen. Und um die Andernacher zu ärgern und den Rheinzoll zurück zu erobern, planten die Linzer einen Überfall. Dieser Überfall sollte genau zu den Unzeiten statt finden, wenn die Andernacher ihren nächtlichen Rausch ausschliefen. Sogar der Nachtwächter war eingeschlafen, als die Linzer in aller Herrgottsfrühe, als kaum die Sonne aufgegangen war, mit Waffen, Schilden und Schwertern anrückten. Zu diesen Unzeiten kreuzten sie den Weg von zwei Bäckerjungen, die hellwach waren und auf dem Weg zu ihrer Backstube wussten, was sie zu tun hatten. In die Stadtmauer hatten sich nämlich mehrere Bienenstöcke eingenistet, und so nahmen die Bäckerjungen die Bienenstöcke und schmissen sie ganz einfach den anstürmenden Linzer Soldaten entgegen. Diese ergriffen daraufhin die Flucht. Der Rheinzoll verblieb somit in Andernach. Um die Bäckerjungen für ihren mutigen Einsatz zu danken, backten die Andernacher Bäcker einen Kuchen. Glaubt man der Legende, nannten die Andernacher diesen Kuchen „Bienenstich“. In Erinnerung an diese Heldentat ist das Bäckerhandwerk in Andernach allgegenwärtig, so auf dem Marktplatz. Auf dem Brunnen des Marktplatzes findet man die beiden Bäckerjungen, die die Weite des großzügigen Marktplatzes überblicken.

28. Mai 2019

Eine-Welt-Läden, Fair Trade Companies oder Fairregio in Andernach – eine Handelsform, die wohl kaum aus ihrer Nischenexistenz heraus kommt. Eine Handelsform des fairen Handels, die sich abseits des Kostendiktates der Marktpreise stellen möchte, die vom Verbraucher aber weniger frequentiert und akzeptiert wird. Der Gedanke des fairen Handels liegt quer zum Konsumverhalten des Verbrauchers, dessen Kaufentscheidungen weniger dadurch geprägt sind, wie nachhaltig und unter welchen Arbeitsbedingungen die Produkte hergestellt werden. Der Verbraucher denkt nicht in einer globalen Wertschöpfungskette, dazu ist diese mit einer transparenten Rückverfolgung der weltweiten Produktions- und der Logistikkette zu kompliziert. Wie kommen die Waren her ? Wie setzt sich das Endprodukt aus welchen Teilen zusammen ? Wo wird was produziert ? Mit welchen Löhnen und unter welchen Arbeitsbedingungen ? Kaufentscheidungen laufen weitgehend routinemäßig ab, das lehren die Theorien zum Konsumentenverhalten. Preis und Produkteigenschaften, das sind die Parameter bei der Kaufentscheidung. Und die Verhaltensebene bei der Kaufentscheidung zu beeinflussen, das ist genauso schwierig als ob man allgemein in die Psychologie des Menschen eingreifen möchte. Wenn Psychologen am Werk sind, können sie das innere psychologische Konstrukt des Menschen nur ganz langsam ändern – wenn überhaupt.

29. Mai 2019

Wie bei einem dienstlichen Umzug die Hinterlassenschaften in den alten Büroräumen präsent bleiben. Was es mit den Prozessen auf sich hat, ist treffend auf der Pinnwand in der Küche dargestellt. In all den Details, hängen Zahlen, Daten, Fakten auf der kleinsten Ebene stets an Prozessen. Doch einen Überblick kann sich niemand verschaffen, weil es so viele Prozesse und so viele Detailebenen gibt, so dass es stets dunkle Flecken gibt, in die niemand eindringt. Prozessdschungel – ein sehr treffendes Stichwort. Im Laufe meines Berufslebens hat es sich allerdings als sehr vorteilhaft heraus gestellt, einen gewissen Teil dieses Dschungels zu verstehen, und innerhalb dieses Konglomerates von Prozessen für Klarheit und Transparenz zu sorgen.

30. Mai 2019

Deutschland und Frankreich – zwei Nachbarstaaten, deren Verhältnis nicht erst seit den beiden Weltkriegen durch Kriege und Feindschaft geprägt war. Bereits mehr als zwei Jahrhunderte vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde das Ahrtal zu einem Brennpunkt von Kriegen und Zerstörungen, als sich deutsche und französische Truppen während des pfälzischen Erbfolgekrieges, des spanischen Erbfolgekrieges und der Raubkriege Ludwigs XIV. gegenüber standen. Als der französische Sonnenkönig Ludwig XIV. in seinen Feldzügen von 1688 bis 1697 über das Ahrtal die Rheingrenze erobern wollte, wehrten sich kurtrierische Truppen standhaft und eroberten 1689 die von Franzosen eingenommene Saffenburg bei Mayschoß zurück. Bis zum Ende des pfälzischen Erbfolgekrieges 1697 wurde die Saffenburg gegen die einmarschierten französischen Truppen gehalten. In dem sich anschließenden spanischen Erbfolgekrieg, der von 1701 bis 1714 dauerte, wurde das Ahrtal abermals zum Brennpunkt kriegerischer Auseinandersetzungen. Diesmal gelang es den Franzosen, die Saffenburg 1702 während der Weinlese zu erobern. Nachdem alliierte Truppen aus Hannover und Braunschweig die Saffenburg mehrfach belagerten, wurde sie 1703 zurück erobert. Die französischen Truppen kapitulierten und marschierten nach Luxemburg ab. Dabei hatte die letzte dreiwöchige Belagerung schwerste Schäden angerichtet, als die Burg mit Kanonen, Mörsern und Feuerkugeln beschossen wurde. 1704 war die Saffenburg so sehr zur Ruine geworden, dass sie geschleift wurde. Von der Bundesstraße B257 aus bezeugen die stehen gebliebenen Grundmauern, wie die Saffenburg deutsch-französische Kriegsgeschichte geschrieben hat.

31. Mai 2019

Steigungen, die nicht aufhören wollen und denen man lange geradeaus voraus schaut, nerven besonders bei einer Rennradtour. Man sehnt das Ende herbei, dass es wieder bergab geht. Doch manche Steigungen können sich in die Länge ziehen, ohne dass der Anstieg nachlässt. Das ist demotivierend, so zum Beispiel bei der Steigung von Bad Neuenahr aus nach Königsfeld. Das gerade Band der Straße steigt unerbittlich an. Die Kraftanstrengung lässt nicht nach. Dass ich die Strecke kenne, hält mich aufrecht. Ich weiß, dass die Steigung langsam endet, wenn sie die Straße nach links zu biegen beginnt. Froher Optimismus herrscht, wenn ein Hinweisschild nach rechts zur Wetterstation Bad Neuenahr verweist. Als bewirtschaftete Wanderhütte muss es dort sehr schön sein. Einige hundert Meter weiter, ist der Bergkamm erreicht. Von dort aus windet sich die Landstraße mächtig bergab. Der Blick in die Ferne, bis zur Vulkaneifel, ist phänomenal und entschädigt für den harten Anstieg.

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