Antikmarkt auf der Kölner Rheinuferpromenade

Der Stand war eine Überraschung, die das Herz unserer Medizin studierenden Tochter höher schlagen ließ. An ungewöhnlichen Dingen, Trödel, Krempel, Krimskrams, Kuriositäten, mangelt es auf Flohmärkten wahrhaft nicht. Aber dieser Stand auf der Kölner Rheinuferpromenade übertraf so manches, was wir an ungewöhnlichen Dingen auf Flohmärkten gesehen hatten. Es war ein Stand mit medizinischem Bedarf und medizinischen Geräten. Das Schild „Dr. med dent“ eines Zahnarztes stand über den Kisten und Schachteln mit den angebotenen medinischen Bedarfen. An der anderen Ecke des Standes klemmte eine Zahnbürste in einem Gebiss. Es waren aber nicht nur Zahnärzte, sondern auch gewöhnliche Ärzte, die dem Stand ihre Prägung verliehen. So waren neben Pinzetten, Scheren und Dentalspiegel Operationsbestecke, Skalpelle oder Universalmesser zu haben. Wir kauften nichts, aber bestaunten lange die höchst ungewöhnliche ärztliche diagnosetaugliche Auswahl.

Am Ostersonntag hatten wir uns entschieden, den Antikmarkt an der Kölner Rheinuferpromenade zu besuchen. Ich hatte den Antikmarkt in der Altstadt verortet, doch ich hätte vorher genauer recherchieren sollen. Da nichts dergleichen zwischen Heumarkt, Altem Markt und Stapelhaus zu sehen war, mussten wir in unserem Smartphone recherchieren – und ein weiteres Stück zu Fuß laufen. Bei herrlichstem Wetter knubbelten sich die Menschen. Zwischen dem Gedrängele am Rhein, welches zusätzlich durch einige Fahrradfahrer aufgemischt wurde, mussten wir uns hindurch wursteln, denn der Antikmarkt begann an der Hohenzollernbrücke und breitete sich bis zur Bastei aus.

Das Umfeld des Antikmarkts war unter der Hohenzollernbrücke malerisch. Die Bögen aus Stahl glänzten hart und in der vollen Wucht in der Sonne, Züge wälzten sich in langsamer Fahrt von der einen auf die andere Rheinseite, und die Stahlkonstruktion spannte sich mit all ihrem Gewicht über dem sanft daher schwimmenden Fluss. Flohmarktromantik kam auf zwischen alten Fotoapparaten, Micky-Maus-Heften, die auf einer Leine aufgespannt waren, gebrauchten Bibi Blocksberg-DVDs, von denen wir einige zu Hause besaßen, oder einer Auswahl von Playmobilfiguren, die zu Häusern, Wohnmobilen oder Freizeitlandschaften gehörten.

Hohenzollernbrücke (oben links), Stand mit Zeltdach (oben rechts),

Mediziner-Stand (unten links), Veggie Food (unten rechts)

Die Sonne steigerte sich in eine österliche Wärme. Dass man es unter der Brücke aushalten könne, diese Ansicht eines Flohmarkthändlers konnte ich nachvollziehen. Ohne jegliche Wolke am Himmel, gab dies Sonne ihr bestes, und in der prallen Nachmittagshitze stehen zu müssen, stellte ich mir nicht ganz so prickelnd vor, während es im Schatten der Brücke angenehm kühl war.

Wir schlenderten vorbei an Silberbesteck und Sektpokalen, an Perlenketten und Armbändern, an Volieren und Tonkrügen, an Puppenstuben und Buffetschränken. Wir schauten hier, schauten dort. Ich blätterte in einem dicken Wälzer über den Rhein, ein Buch in altdeutscher Schrift, das Reiseziele von Basel bis an die Mündung bei Rotterdam beschrieb. Die Auswahl an alten und gebrauchten Büchern war beträchtlich. Von Theodor Fontane über Konsalik, Kochbüchern, Groschenhefte, Günter Grass, Carl J. Burghardt oder Fachbücher über Makroökonomie war alles zu haben. Ich stöberte zwischen alten Vinyl-Platten herum, die alphabetisch sortiert waren. Ich bemerkte kaum, dass unsere kleine Tochter mir gefolgt war, als ich unter dem Buchstaben „L“ die Auswahl der Rockgruppe Led Zeppelin studierte. Nachdem ich von A bis Z die Highlights der Rockgeschichte gesichtet hatte und den Stand verlassen hatte, war unsere Tochter immer noch fleißig am herumstöbern.

An Ständen von Street Food konnte man sich beköstigen. Spanische Weine aus der Rioja breiteten in langstieligen Weinkelchen ihr Aroma aus, bei Asia Food konnte man Reisgerichte verspeisen oder mit Crêpes konnte man den Hunger stillen. An einem Stand, der sich „Veggie Food“ nannte, lief mir das Wasser im Mund zusammen, weil dort Fritten aus frischen Kartoffeln angeboten wurden. Der Rest der Familie folgte meinem Geschmack, so dass wir uns alle große Portionen mit Ketchup, Mayonnaise und allem, was dazu gehörte, genehmigten. Wir aßen, indem wir uns auf die steinernen Umfassung eines Blumenrabattes hockten. Gut gesättigt und so viel Flohmarktromantik eingeatmet, machten wir uns auf den Rückweg zur U-Bahn-Haltestelle des Breslauer Platzes hinter dem Hauptbahnhof.

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