unsere Katzen

Vorletzten Freitag ist ein viel zu kurzes Katzenleben zu Ende gegangen. Gerade einmal sieben Monate und sechs Tage hat unser Katzennesthäkchen Stella unter den Lebenden verbracht, bevor sie in das Reich der Toten aufgenommen worden ist. Wer hätte das gedacht ? Wochenlang hatten alle gerätselt, wieso unsere Katze so schlecht frißt und nur mit größten Kraftanstrengungen Stuhlgang absetzt. Anfangs hatten wir eine Darminvagination – bei der sich Abschnitte des Darms überlagern - vermutet, ein Einlauf hatte nichts gebracht. Als wir sie zur Tierklinik nach Leverkusen gebracht hatten, war sie dehydriert, sie bekam eine Infusion, ein Kontrastmittel wurde durch den Verlauf des Dick- und Dünndarms gespritzt. Röntgenbilder wurden gemacht, die weder eine Darminvagination noch einen Darmverschluss belegten. Und wie durch ein Wunder, war sie in der Tierklinik mit einem Mal wieder fit, sie fraß und hatte auch Stuhlgang. Da sich zu Hause ihr Zustand wieder rasant verschlechterte, entschied unsere Tierärztin, unsere Katze aufzuschneiden, um zu sehen, was mit der kritischen Stelle im Darm los war. Wer hätte das vermutet ? Die Diagnose war schrecklich, es war Darmkrebs, der bereits so gestreut war, dass zwei Lymphknoten befallen waren. Unser Katzennesthäkchen Stella musste in den vergangenen Wochen schrecklich gelitten haben, so dass wir beraten wurden, sie aus der Narkose nicht aufwachen zu lassen. Arme Stella. Mit Krebs hatte niemand gerechnet. Nun ruht unsere kleine Katze Stella in ihrem Grab in unserem Garten und unsere Kater Rambo, Oskar und Jumbo vermissen zu dritt ihre kleine Gefährtin.

In den letzten Wochen und Monaten war ich nicht wirklich dazu gekommen, vollständig zu beschreiben, was sich in unserer Katzenfamilie getan hatte. Wie die Anzahl der Katzen in unserer Familie geschrumpft war, sich vergrößert hatte, sich danach nochmals vergrößert hatte und zuletzt – nach dem tragischen Tod unseres Katzennesthäckchens Stella – sich wieder auf drei Kater verkleinert hatte.

Ein Leben ohne Katzen ist denkbar – aber unmöglich. Dieser Spruch, der an unserer Wohnzimmertüre klebt, beschreibt zutreffend das Katzenleben in unserem Haus. Wenn wir nach Hause zurückkehren, beschwört jedes Umdrehen unseres Haustürschlüssels, bevor wir die Haustüre öffnen, einen unbeschreiblichen Erwartungshorizont des kommenden Geschehens. Auf vier Beinen daher laufende Pfoten erwarten uns. Das kuschelige Fell unserer Katzenfamilie möchte sich einschmeicheln, ein stoßweises Miauen verlangt nach Aufmerksamkeit und geschmeidige Körper mit langen Schwänzen streifen um unsere Beine. Bei einer Anzahl von drei Katzen verdreifacht sich unser Glück.

Katzen gehören mittlerweile seit April 2013 zum festen Bestandteil unseres Zuhauses. Der Kater Joey und die Katze Alia hatten wir damals von einer Freundin erhalten, dessen zukünftiger Ehemann eine Katzenhaarallergie hatte. Im Mai 2016 mussten wir Joey, im Juli 2017 Alia einschläfern lassen. Beide Katzen hatten allerdings ein stolzes Alter von 17 Jahren erreicht.

Im Oktober 2017 hatte uns das Troisdorfer Tierheim die beiden Kater, Rambo 6 Jahre alt, und Oskar 2 Jahre alt, vermittelt. Ziemlich genau ein Jahr später verschwand Oskar spurlos, nachdem wir ihn vormittags in den Garten gelassen hatten und unsere Nachbarn ihn danach auf ihrer Terrasse gesichtet hatten.

Stella und Jumbo (oben links und oben Mitte), Jumbo im Tierheim Bonn (oben rechts), Rambo (Mitte links und Mitte rechts), unsere Tochter mit Oskar (Mitte Mitte), Stella (unten links), Oskar (unten Mitte und unten rechts)

Daraufhin beschlossen wir, aus dem Bonner Tierheim zwei kleine Katzen-Babys, Stella drei Monate alt und Jumbo sechs Monate alt, nach Hause zu nehmen. Unsere Katzenfamilie war nun zu dritt, und wie durch ein Wunder kehrte danach Oskar zurück. Wahrscheinlich war er beim Überqueren der viel befahrenen Hauptstraße angefahren worden, und eine ältere Frau, rund zwei hundert Meter von uns entfernt wohnend, hatte Oskar schwer verletzt in ihr Haus aufgenommen. Eines Abends bekamen wir einen Anruf von dieser netten Frau, die das Foto mit dem vermissten Oskar bei unserer Tierärztin gesehen hatte.

Mit vier Katzen und dem zurück gekehrten Oskar, den wir wieder aufpäppelten, waren wir überglücklich. Doch danach fing die Rennerei zu unserer Tierärztin, weil unter vier Katzen mindestens eine krank ist, erst so richtig an.

Oskars Hüfte war gebrochen und nicht ganz verheilt, dazu gab die Tierklinik in Leverkusen Entwarnung. Extrem zog sich in die Länge, bis eine offene Stelle am Schwanz verheilte. Mit Fieber und Erkältung durften wir uns herum schlagen, als Rambo im Januar erkältet war. Es war eine Herausforderung, zweimal täglich 1,5 Kesium-Tabletten in den sechs Kilogramm schweren sich wehrenden und widersetzenden Katzenkörper hinein zu bekommen.

Als Rambo gesund war, schlug Oskar mit seinem Herpes-Virus zu. Bereits als wir Oskar aus dem Tierheim geholt hatten, hatte er einen Herpes-Virus in den Augen, der diese periodisch anschwellen und erröten ließ. Wenn er Augentropfen und Augensalbe erhielt, waren die Symptome in der Regel in wenigen Tagen verschwunden. Nun hatte sein Herpes-Virus alle übrigen Katzen angesteckt. Bei unseren kleinen Katzen Jumbo und Stella war die Ansteckung dramatisch. Die linken Augen waren so sehr befallen, dass sie knallrot angelaufen waren. Fünfmal täglich mussten wir Augensalbe und -tropfen einträufeln. Ganz schön schwierig war dies bei Stella, die sich kaum fangen ließ. Wenn wir sie gefangen hatten, zerkratzte sie uns so lange, bis wir sie wieder laufen ließen. Zu schaffen war die Verabreichung von Salbe und Tropfen nur dann, wenn sie schlief. Auch Rambo war vom Herpes-Virus befallen, doch die Augen in seinem sechs Kilogramm schweren Körper schüttelten den Virus innerhalb weniger Tage ab.

Dass unser Katzennesthäkchen Stella Krebs haben könnte, als sie so wenig fraß, das hatte niemand auf dem Radar stehen. Dass sie schlapp und passiv war, dass sie viel lag und schlief und selten durch unser Haus rannte, das hatten wir auf die Herpes-Virus-Erkrankung zurück geführt. Als sie kaum noch fraß und ihre Augen wieder normal aussahen, sorgten wir uns. Beide kleinen Katzen, Jumbo und Stella, waren ansonsten wie wilde Raubtiere über das Essen herein gefallen, wenn wir ihnen Katzenfutter gaben. Nur stückchenweise fraß sie, und Stuhlgang machte sie nur in kleinen Mengen unter größten Kraftanstrengungen.

Bis uns die Tierärztin in unserem Ort die traurige Gewissheit brachte, dass es Krebs war. Mit Primeln haben wir Stellas Grab geschmückt. Unsere Kater Rambo, Oskar und Jumbo vermissen ihre kleine Gefährtin.

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