Kostümsitzung des Garde-Corps Köln in Porz-Zündorf

Nachdem ich mich über Jahre hinweg von dem Karnevalstrubel und all dem Jeckentum sorgsam fern gehalten hatte, habe ich mich nunmehr akklimatisiert. Mein Zögern und meine Skepsis waren groß, dass ich mich zurecht finden würde, als mich vor zwei Jahren meine Frau mitsamt unserer früheren Nachbarin das erste Mal zur Kostümsitzung nach Köln-Porz-Zündorf mitgenommen hatte. Doch meine Befürchtungen, meine vom Denken und Verstand geprägte Persönlichkeit würden in dem Trubel untergehen, bestätigten sich nicht. Im Gegenteil: gerade die Büttenredner brachten so viel Verstand mit, dass es eine Kunst war, das Publikum mit ausgefeilten Pointen zum Lachen zu bringen. Gerade die rheinische Wesensart brachte bereits eine Veranlagung mit sich, die Dinge mit Humor zu nehmen, und ein Bedürfnis, den Humor den Mitmenschen weiter vermitteln zu wollen. Dazu kam eine große Vielfalt von Musikgruppen, die viel Verstand aufwendeten, um ihre Karnevalsstücke zu komponieren. Oder auch Tanzgruppen, die nicht weniger viel Mühe aufwendeten, ihre Tänze einzustudieren und sich mit dem wunderbaren Outfit ihrer Kostüme auf der Bühne zu präsentieren.

Die Kostümsitzung in Zündorf, die ich gestern zum dritten Mal miterlebte, hatte wie in den Vorjahren eine Reihe von Knallern dabei, die mich begeisterten. Der erste dicke Knaller war Guido Cantz, den wir bereits mehrfach Live – mit seinem eigenen Programm – erlebt hatten. Sein Humor war gekonnt, an den Dingen des Alltags Anstoß zu nehmen, die ihm querliefen, und daraus die Zuhörer zum Lachen zu bringen. Dabei ließ er sogar seine Heimatstadt Porz nicht aus. Wofür steht die Abkürzung PORZ ? Postleitzahl ohne richtiges Zentrum. Diese Anspielung bezog sich auf all die Baustellen, worunter die Stadt leiden musste. Ladenlokale standen in Porzity leer, und in der Vergangenheit war es den zahllosen Baustellen nie gelungen, die Innenstadt von Porz wirklich zu verschönern. Bitterböse Witze teilte er an Erdogan aus, dessen Anwesenheit bei der Einweihung der Moschee vom Flughafen bis nach Ehrenfeld ein Verkehrschaos ohnegleichen verursacht hatte. Er amüsierte sich über die Namensschöpfung der neuen CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer, weshalb er mit der Abkürzung AKK viel besser klar kam. Als hätten sich die beiden abgesprochen, griff Bernd Stelter als Redner, mit seinen beiden Händen die Gitarre berührend, die Person der Annegret Kramp-Karrenbauer wieder auf. Wie Guido Cantz, sperrte sich seine Aussprache gegen das umständliche Namenskonstrukt. In seiner Phantasie stellte er sich vor, sie würde in zwei Jahren zur neuen Bundeskanzlerin gewählt und die Nachrichtensender aus aller Welt müssten sich in ihrer Landessprache an der Aussprache abarbeiten. Er simulierte, welche Wortungetüme die Nachrichtensprecher auf Englisch, Französisch, Niederländisch oder Schwedisch zu bewältigen hätten.

Eintrittskarten (oben links), Gardetanz (oben rechts), Guido Cantz (darunter links), Klüngelköpp (darunter rechts),

Bernd Stelter (darunter links), Paveier (darunter rechts), Tanzgruppe (unten links),

Fahne mit dem Reichsadler und dem Kölner Wappen (unten rechts)

Vor der Pause brachten die Klüngelköpp und die Paveier den Saal zum Kochen. Ihre Karnevalsmusik war nicht nur Stimmungsmache, sondern auch musikalische Einlage und Variation. Mittendrin in ihrem Stück „mer sinn us Kölschem holz“ wechselten sie ihre Instrumente auf Trommeln, und ihr gemeinsamer Trommelwirbel heizte ein und peitschte den Rhythmus voran, ein gelungenes Intermezzo. Es war der erste Live-Auftritt der Paveier, den ich erlebte. Ein überzeugender Auftritt, der mich feststellen ließ, dass die Urheber des Stückes „Leev Marie“ nicht Brings sind, sondern die Paveier. Danach sangen die Paveier ein Stück, das mich begeisterte: Nie mehr Alkohol. In einem Rhythmus, der ähnlich wie eine Polka klang und nicht abebbte, besangen sie, wie nach einer durchzechten Nacht bei einer schönen Frau die tragischen Ereignisse ihren Lauf nahmen. Die schöne Frau war weg, die Geldbörse und die Kleidung ebenso, draußen brachte ihn ein freundlicher Polizist zu seiner Wohnung, wo ihm seine Freundin eine Ohrfeige verpasste. Nie mehr Alkohol, das beschloss der Leidende aus diesen Ereignissen, doch gleichzeitig gestand er sich seine Schwächen ein: bis zum nächsten Mal, also doch wieder Alkohol.

Zwei Auftritte verpasste ich nach der Pause, weil ich zwischenzeitlich unsere kranken Katzen versorgen musste. Danach waren ein Sänger mit einem Akkordeon und eine Tanzgruppe auf der Bühne, bei denen sich vieles um Willi Ostermann drehte. Der Sänger, dessen Namen ich mir nicht merken konnte, sang, und die Tanzgruppe tanzte in alt aufgemachten Kostümen zu Karnevalsliedern, von denen viele alt waren und von Willi Ostermann stammten. Stücke wie „am Aschermittwoch ist alles vorbei“, „de mösch in de küch“ oder „wat wor dat früher schön in Colonia“ stammten eindeutig aus der Feder des Willi Ostermann, der 1936 verstarb. Karneval schaut auch nach hinten zurück und bewahrt die Vergangenheit.

Den Schluss der Kostümsitzung endete allerdings im Mittelmaß. Bruce Kapusta war kein Höhepunkt der Veranstaltung, sondern zog das Niveau etwas nach unten. Karnevalslieder und der Klang einer Trompete ? Erstens passte dies nicht ganz zusammen, zweitens sang Bruce Kapusta zeitgenössische Stücke, die aus der Feder von ganz anderen Urhebern stammten, wie zum Beispiel „Leev Marie“ von den Paveiern, und drittens kam der Klang der Trompete nur bei wenigen Soloeinlagen zur Geltung. Das war schade für eine ansonsten gelungene und schöne Kostümsitzung.

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