das Grabmal des Erzbischofs Walram von Jülich (gestorben 1349) im Kölner Dom

War es Mord ? Fiel der Kölner Erzbischof in Paris einem Mord zum Opfer ? Das Gerücht verbreitete sich über Staats- und Landesgrenzen hinweg, dass Philipp IV., der König von Frankreich, den Kölner Erzbischof Walram von Jülich am 14. August 1349 angeblich grausam erwürgt hatte. Das kann man aus einer mittelalterlichen Biografie schließen, die vermutet „want er hat it zu den heiligen gesworen, dat he in hangen wolde.“ Andere, so das Kölner Erzbistum, gingen indes davon aus, dass es kein Mord war, sondern dass ihr Erzbischof Walram von Jülich an der Pest gestorben war, die gerade im Jahr 1349 in Paris grassierte.

Walram, 1304 als dritter Sohn des Grafen von Jülich geboren, sah bereits in jungen Jahren seine geistliche Berufung. Er studierte an den Universitäten in Paris und Orléans Kirchenrecht und schloß sein Studium mit dem Doktortitel ab. Nachdem er in Lüttich Dompropst geworden war, ernannte ihn Papst Johann XXII. am 27. Februar 1332 zum Nachfolger des zuvor verstorbenen Kölner Erzbischofs Heinrich II. von Virneburg.

Die Kölner Erzbischöfe und die Grafen von Jülich hatten über Jahrhunderte hinweg gestritten und auch Kriege gegeneinander geführt, und nun war diese andauernde Gegnerschaft beendet, weil diese beiden Machtbereiche in einer Person des Kölner Erzbischofs miteinander verschmolzen wurden. Dies veränderte die Bündniskonstellationen bis auf europäischer Ebene grundlegend. Traditionell standen die Kölner Erzbischöfe dem römisch-deutschen Kaisern nahe, so dass sich deren Bündnisse nach Süden richteten. Dort hatte der römisch-deutsche König Ludwig IV. von Bayern das Zepter inne, der wiederum vom Papst abgesegnet worden war. Die Grafen von Jülich suchten hingegen ihren Machtbereich nach Westen zu erweitern, in das Fürstbistum Lüttich und in die Grafschaft Brabant. Ihre Beziehungen zum König von Frankreich waren freundschaftlich.

Grabstätte des Walram von Jülich im Kölner Dom

Fortan schlugen zwei Herzen in der Brust des Kölner Erzbischofs Walram von Jülich, und diese sollten sich nicht miteinander vereinigen, sondern der Kölner Erzbischof sollte in den gegebenen Machtkonstellationen zerrieben werden. Bald nach seiner Einsetzung auf den Erzbischofsstuhl wurde er in die großen europäischen Auseinandersetzungen hinein gezogen. Er musste Stellung beziehen zwischen dem römisch-deutschen König und dem Papst einerseits und dem englischen und französischen König andererseits. Anfangs bezog er Position für den König von Frankreich, indem er Bündnisverpflichtungen einging. Doch dann lief er während des einhundertjähriges Krieges, der 1337 zwischen Frankreich und England entbrannte, zum englischen König über. Genauso unbeliebt machte er sich gegenüber den Verbündeten des Papstes und des römisch-deutschen Königs. Während die Grundausrichtung des Erzbistums Köln papsttreu blieb, erkannte Walram von Jülich den römisch-deutschen König Ludwig IV. von Bayern nicht an. Er erkannte indes den Gegenkönig Friedrich den Schönen an, der 1313 in der Bonner Münsterkirche gekrönt und gesalbt worden war, weil die Wahl der Kurfürsten in sich gespalten war. In den 1340er Jahren versuchte er, den Machtbereich des Erzbistums Kölns nach Osten zu erweitern. Der Versuch, die Grafschaft Mark zu annektieren, scheiterte aber. Daraufhin folgten mehrere Jahre Krieg mit den Grafen von Mark, was so teuer wurde, dass das Domkapitel ihm die Aufstockung finanzieller Mittel verweigerte.

Grabstätte (Ausschnitt)

So unbeliebt Walram von Jülich war und so wenig er das Taktieren und seine strategische Ausrichtung auf großem Terrain beherrschte, um so sehr wusste ihn die Kölner Bischofschronik zu würdigen. Die Chronik sah ihn mit seinen menschlichen Eigenschaften durchweg positiv: „Er war mittelgroß, sehr großzügig und entgegen kommend, allen gegenüber gab er sich leutselig und bescheiden; ein friedfertiger Mann, der niemals etwas nachtrug; gegen die Armen war er gütig, voller Verständnis gegenüber Kirchen und Klerus; er lechzte nicht nach dem Gelde seiner Untertanen.“

1334 traf er eine Entscheidung, die für die Geschicke der Stadt Köln von weitreichender Bedeutung war. Er holte den Kartäuserorden nach Köln, der im 16. Jahrhundert während der Reformation den katholischen Glauben grundlegend festigen konnte.

1349, während die Pest in Europa zu wüten begann, begab sich Walram von Jülich nach Frankreich – angeblich, um dem hoch verschuldeten Erzbistum die Kosten seiner Hofhaltung zu ersparen. In Paris starb er 1349 – wahrscheinlich an der Pest. Im Kölner Dom fand der auf geheimnisvolle Art und Weise ums Leben gekommene Erzbischof seine letzte Ruhestätte.

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