Abendstimmung am Beueler Rheinufer

Wenn der Rhein das Stimmungsbild färbt, wenn das Spiel der Wellen die Gedanken lose treiben läßt und wenn sich die Effekte des Lichtes über dem Lauf des Stromes erheben, dann besinne ich mich gerne auf William Turner. In seinen Reisen, die ihn ab 1817 an den Rhein führten, war er ein Meister der Malerei, dessen Lebenswerk sich mit dem Licht befasste. Er schaute mitten hinein, in die Kraftfelder des Lichtes, in all die Wechselspiele und Schattierungen, in Tageszeiten und Jahreszeiten. Er reflektierte das Licht in den vier Elementen Erde, Wasser, Feuer und Luft, so wie Aristoteles sie geformt hatte. Den Landschaften des Rheins aus Burgen, Felsen und Wasser verlieh er eine spannungsgeladene Energie, die in dem Wellenspiel des Wassers einen ausgleichenden Ruhepol fand.

Am ersten Tag im neuen Jahr, an dem ich mit dem Fahrrad den Rhein entlang fuhr, flossen die Farben des Rheins aus den Gemälden des William Turner seicht dahin. Es war das Stückchen Sandstrand am Rheinufer in Beuel, das mich faszinierte. Den wuchtigen Klotz der Kennedybrücke, über den sich der Autoverkehr plagte, hatte ich hinter mich gelassen. Das Stückchen Sandstrand markierte ziemlich genau diejenige Stelle, wo die Fähre der Gierponte bis 1895 im Schatten der Kennedybrücke, bis diese gebaut wurde, über den Rhein verkehrte. Das zarte Geäst einer Weide zerfloss im Abendhimmel, weiße Punkte von Muscheln zerstreuten sich über dem Sand, die Pfoten von Hunden hatten vielerlei Spuren auf den Sand gezeichnet.

Die Jahreszeit war verkehrt. Die Menge an Licht über diesem Stückchen Sandstrand versetzte mich unwillkürlich in den Sommer, in die heiße Jahreszeit oder gar an Strände des Mittelmeers. Doch daran war noch nicht zu denken. William Turner, der die Facetten des Lichtes in unterschiedlichen Jahreszeiten studiert hatte, hätte in dieser Abendstimmung die stille Variante des Lichtes auf der anderen Rheinseite gemalt. Den Gegensatz zwischen den dunklen Häusersilhouetten und dem letzten, aufbegehrenden Schwung des Abendlichtes. Oder den Übergang von einem zarten Gelb des Himmels in ein eisernes Grau aus langgestreckten Ovalen von Wolken.

Mütter mit kleinen Kindern unterbrachen die Stille und das Licht. Laufräder parkten am Geländer, die Formen der Spannung über dem Rhein gingen in Harmonie und in Ruhe über. Vorsichtig, an den Armen der Mütter, spazierten die Beine der Kleinen die Treppenstufen hinab. Alle zusammen mussten aufpassen, denn die Stufen waren uneben bis ausgetreten. Eine kraxelige Aktion für alle, bis das Stückchen Sandstrand erreicht war. Und dann rieselte der Sand zwischen kleinen Händen und zarten Fingern und zauberte ein Lächeln auf die Gesichter der Kinder. Sand, der sich bei einem Hauch von Wind entspannte und am Ufer des Rheins verflüchtigte. Die Abendstimmung mit ausgewogenen Tönen und Schattierungen war perfekt.

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