Katzencafé - im Café Schnurrke in Köln

Die Idee war genial, unsere Tochter hatte sich auf Youtube Videos angeschaut, und ich fragte mich sogar, wieso ein Katzencafé in unseren Städten lediglich eine exotische Randerscheinung war. Ich kannte nirgendwo eines, bis unsere Tochter beim Schauen dieses Youtube-Films nicht mehr aus dem Staunen heraus kam. Eine tolle Idee, einen Kaffee zu trinken, dabei herum laufende Katzen zu beobachten und dies bei einem maximalen Erlebnis, die Katzen sogar in den Arm nehmen und streicheln zu können.

Also machten wir uns auf den Weg nach Köln, wir stiegen in die S-Bahn ein und am Hansaring eine S-Bahn-Station hinter dem Hauptbahnhof wieder aus. Ein einfacher und unkomplizierter Fußweg von fünf Minuten zur Ritterstraße, und schon befanden wir uns vor dem Café Schnurrke, welches am Rande des Eigelsteinviertels in der Kölner Innenstadt lag. Wir betraten das Katzencafé durch die doppelte Eingangstüre, die ein Entlaufen der Katzen nach draußen absichern sollte.

Im Inneren des Cafés fanden wir uns zurecht, doch die Vierbeiner suchten wir noch vergeblich. Zufälligerweise wurden gerade zwei Plätze frei, als ein Pärchen das Café verließ. Auf einem sitzweichen Palettensofa, wo wir uns tief sitzend herum lümmeln konnten, gesellten wir uns zu zwei Studenten dazu, von denen eine junge Frau Kunst studierte und ihr Begleiter Informatik. Ich horchte auf, als er die Fernuniversität Hagen nannte, weil ich als BWLer ebenso an der Fernuni studiert hatte.

Es war eine Atmosphäre wie in Omas Wohnzimmer. Sitzmöbel, Sessel, Tische und Stühle verteilten sich unregelmäßig. Bilder mit Katzen an der Wand stimmten auf das Kuschelgefühl ein, auf unserem Tisch lag das Buch „Schmitz Katze“ von Ralf Schmitz, auf Regalen holzgeschnitzte Katzen. Ungezwungen ging es zu, ein Gefühl von Raum und Zeit war uns abhanden gekommen. Die Gedanken schweiften, wohin sie wollten, und unsere Gedankenketten suchten ihre Verknüpfungen zu den Katzen, die wir sehnsüchtig erwarteten.

Es sollte nicht lange dauern, bis sich uns die Katzen in ihrer vollen Schönheit zeigten. Es waren vier Katzen in der Anzahl, die über die Tierschutzorganisation „Breed Love“ aus Bulgarien nach Deutschland vermittelt worden waren. Freddy und Lora waren vor anderthalb Jahren in der Hauptstadt Sofia in einer Mülltonne gefunden worden. Eine Zeitlang wurden sie in einer Pflegestelle in Köln aufgepäppelt, bis sie vor einem Jahr zu Hauptdarstellern im Katzencafé avancierten. Chéri, elf Jahre alt, wurde mitten im Winter bei bitterer Kälte auf der Straße eingesammelt und gewöhnte sich in der neuen deutschen Heimat schnell an Menschen. Wie brutal geht Bulgarien mit Katzen um ? Cleo lebte lange als Katze in einem Restaurant. Als sie Katzenbabys bekam, wurde dem Restaurantbesitzer der Katzentrubel zu viel, so dass er die Katzenfamilie nach draußen beförderte und die Babys in einer Mülltonne entsorgte.

Café Schnurrke

von außen (oben links), am Tisch (oben rechts), Freddy (zweite Reihe von unten links),

Lora (zweite Reihe von oben links, unten links), Cleo (zweite und dritte Reihe von oben, rechts),

Bilder mit allen 4 Katzen (unten rechts)

Keinerlei Scheuheit war bei den Vierbeinern zu spüren, ihr schreckliches Schicksal in Bulgarien hatten sie abgestreift, die Katzen waren zutraulich und stolzierten ohne Umschweife zwischen den Café-Besuchern herum. Der weiß-braune Freddy schnupperte auf den Bodenfliesen und ließ sich dann auf der Lehne eines Couchsessels nieder. Lora und Cheri waren etwas vorsichtiger, beobachteten erstmal aus sicherer Entfernung. Doch dann ließ sich die hübsche schwarz-getigerte Lora mit der Mäusestange bespaßen. Wie wild tanzte sie um die Maus herum, packte mit ihren Krallen zu, fing die Stoffmaus, bis sich die Maus an der langen Schnur wieder befreite. Cleo beteiligte sich, von oben in einem Katzenkörbchen alles überblickend, nicht an dem Geschehen. Der Nachmittag verlief äußerst kurzweilig, wie unsere Tochter mit dem Kater Freddy herum spielte, der schneeweiß war mit Ausnahme seines zartroten Schwanzes und seines Schädels. Freddy ließ sich sogar auf die Arme nehmen und streicheln, das war ausdrücklich erlaubt und gehörte zum Innenleben des Katzencafés.

Bei so viel Katzen fielen die Besonderheiten kaum auf. Wenn die Besucher die Toilette aufsuchten, bemerkten sie kaum, dass der Gang dorthin für die Bedürfnisse der Katzen reserviert war. Die Katzentoilette stand in einer Ecke, an dessen Wand sich der Besucher sich mit Prospekten und Flyern über Köln bedienen konnte. Neben einem Läufer im Flur verteilten sich die Fressnäpfe der vier Katzenbewohner. Ein paar Vorschriften mussten die Inhaber des Katzencafés aus Gründen der Hygiene beachten. So musste der Küchenbereich getrennt sein vom Innenraum des Cafés, um ein Eindringen der Katzen zu verhindern. Kaffee und Kuchen waren durch eine hohe Wand aus Sperrholz und Glas strikt getrennt, dabei musste das Bedienpersonal aufpassen beim Öffnen der Türe, damit keine Katze in den Küchenbereich hinein lief.

Lora rekelte sich auf einem Flechtkorb, auf der obersten Stufe des Kratzbaums. Dicht unter der Decke, spazierte Freddy mit der Sicherheit eines Seiltänzers in luftiger Höhe auf einer Querstange. Wie kurzweilig der Nachmittag verlief, sollte auch ich bei meinen Begegnungen mit den Katzen erfahren. Als ich nach draußen trat, um das Katzencafé von außen zu fotografieren, huschte prompt eine Katze in den Eingangsflur hinein, als gäbe es draußen etwas Aufsehen erregendes zu erleben. Doch der Eingangsflur war doppelt abgesichert, um ein Entlaufen zu vermeiden. Zwei Eingangstüren waren zu öffnen, wobei zu beachten war, die zweite Eingangstüre erst dann zu öffnen, wenn die erste Eingangstüre verschlossen war. Kurzerhand schnappte ich mir die entdeckungsfreudige und neugierige schwarz-weiß gefleckte Chéri, ich nahm sie auf dem Arm und begab mich in den Innenraum des Cafés zurück. Die Begegnung mit der nächsten Katze folgte kurz darauf, als ich es mir in dem Palettensofa gemütlich gemacht hatte. Nichtsahnend hatte ich mich soeben mit einem Schluck Kaffee von innen aufgewärmt, da sprang ein wildes Etwas direkt über meinen Kopf hinweg. Ein Sprung von der Regalwand um Haaresbreite über meinem Kopf, ein Satz auf die rechte Hälfte des Doppelsessels, welche gerade frei war, und dann rannten die vier Pfoten durch den Innenraum, als gehe es um deren Leben. Im Handumdrehen war dieser Moment einer artistischen Einlage vorbei, zu welchen Sprungkünsten Katzen fähig sind, wozu wir Menschen nie und nimmer imstande sind.

Als wir nach zwei Stunden das Katzencafé verließen, konnten wir auf einen wunderschönen Nachmittag zurück blicken. Eine schöne Idee, die trotz vieler Katzenbesitzer und trotz vieler Katzenliebhaber erschreckend wenig verbreitet ist. Gelernt hatten wir im Verlauf des Nachmittags, dass es hochgradig Sinn macht, Plätze zu reservieren. Wir hatten reserviert , für einen Zeitraum von einer Stunde, und wir hatten Glück, dass wir den Zeitraum von zwei Stunden in dieser höchst angenehmen Umgebung von kuscheligen Katzen verbringen konnten. Andere Besucher ohne Reservierung suchten verzweifelt nach freien Plätzen. Sie mussten das voll besetzte Lokal wieder verlassen, während uns vier wunderschöne Katzen umschwärmt hatten.

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