Tagebuch Januar 2019

1. Januar 2019

Nass und matschig war es auf den Waldwegen, daran hatte ich nicht gedacht. Bisweilen musste der Fußweg einen Slalom um Pfützen veranstalten. Nasses Laub klebte an den Schuhen, an denen bereits nach wenigen Metern Spuren von dreckiger Erde haften blieben. Aber das Wetter hielt. Der Regen hatte in den Nachmittagsstunden aufgehört, und das sollte trotz tief hängender Wolken so bleiben. Vom Parkplatz am Forsthaus Telegraph startete der Spaziergang durch die Wahner Heide, dessen Vielfalt und Naturschönheiten wir viel zu selten erlebt hatten. Obschon der winterliche Himmel wolkenverhangen, trübsinnig und grau war, begeisterte die im Winterschlaf versunkene Natur. Längst verwelkter Farn kräuselte sich am Boden. In die langen, himmelwärts aufstrebenden Baumstämme mischte sich die weiße Baumrinde von Birken, die in Gruppen zusammen standen. Später, nicht weit von der Einflugschneise des Köln-Bonner Flughafens, lichtete sich der Wald. Sandböden und Heide, im Winter kleinwüchsig und krautig zusammen geschrumpft, lösten die Vegetation ab. Mehrere dicke Steine auf einer Anhöhe am Waldrand, von oben auf Sandböden und Heide herab schauend, dieses Motiv begeisterte besonders.

2. Januar 2019

Diese nieder schmetternden Fotografien von Köln vor 70 Jahren hängen an der Nordseite des Kölner Domes und führen genau an den Laufwegen über die Domplatte vorbei, so dass sie man sie kaum übersehen kann. Köln vor 70 Jahren – das bedeutete ein nie da gewesenes Ausmaß an Zerstörung, ganz viel Leid und viel zu viele Tote, die bei Bombenangriffen oder anderweitigen Kriegshandlungen ums Leben gekommen waren. Nicht zu vergessen sei der Völkermord an das jüdische Volk, das vom Deutzer Bahnhof aus wie Herden von Vieh in Konzentrationslager abtransportiert wurde. Diese nieder schmetternden Fotografien, so schrecklich die Kriegszerstörungen aussehen, bieten allerdings nicht nur Anlass zu Pessimismus, sondern auch zu Optimismus. Kriege haben solche Größenordnungen erreicht, dass sie gleichzeitig abschrecken. Das zerstörte Köln 1945 oder die Schlacht von Verdun 1916 haben solche Materialschlachten in Gang gesetzt, dass Kriege nur ein Verlustgeschäft sein können und keine Aussicht bieten auf Gewinne in gegebenenfalls eroberten Gebieten. Zusätzlich droht der atomare Overkill, der – hoffentlich – etliche Varianten von strategisch-taktischen Kriegsspielereien nicht mehr denkbar erscheinen läßt. Alles in allem haben wir in Europa im Angesicht solcher nieder schmetternder Fotografien des zerstörten Köln 1945 eine Periode des Friedens durch lebt, die nun mehr als 70 Jahre gedauert hat. Darauf kann die Menschheit stolz sein, zumal innerhalb des miteinander vernetzten Gewebes der europäischen Staaten in keinster Weise der Anlass besteht, dass etwa Deutschland und Frankreich oder Deutschland und England einen Krieg gegeneinander führen werden. Selbst dass Russland gegen Staaten der europäischen Gemeinschaft ein einen Krieg eintritt, erscheint angesichts der Konstellationen über die NATO eher unwahrscheinlich. Eine Gefahr besteht allerdings, wenn die europäischen Staaten zurück fallen in das Denken von Nationalstaaten. Das sind die Rufe nach: „Unser Land zuerst !“ Dann könnten sich die europäischen Länder auflösen in ein Gebilde, welches das eigene nationale Denken als Segen für die anderen europäischen Staaten begreift. Dann kann es wieder zu Konstellationen kommen, wie wir sie 1914 hatten.

3. Januar 2019

Das rheinische Grundgesetz: wer kennt sie nicht, die typischen Charaktereigenschaften, die man gemeinhin dem Rheinländer nachsagt ? Wie etwa Fröhlichkeit, Humor, Geselligkeit, Weltoffenheit, Demut oder Gelassenheit. In Linz am Rhein lernt man indes, dass es regionale Unterschiede in den Charaktereigenschaften gibt. Glaubt man einer Legende, so haben die Linzer Bürger im Dreißigjährigen Krieg dadurch, dass sie eine Übermacht in der Stadt vorgetäuscht haben, schwedische Truppen zum Rückzug veranlasst. Soldaten aus Schweden hatten Linz belagert, und nachdem die Linzer Bürger nachts Feuer anzündeten und wie wild mit Löffeln in Kochtöpfe einschlugen, zogen die Soldaten wieder ab. Diese kriegsentscheidende Taktik brachte den Linzer Bürgern die Charaktereigenschaft der Übertreibung. Im rheinischen Dialekt sagt man in Linz „strünzen“ für „übertreiben“ oder auch „angeben“. Die Übertreibung oder das Angebertum, welches anscheinend in Linz besonders ausgeprägt ist, wird man im rheinischen Grundgesetz nicht finden. Die Charaktereigenschaft des „Strünzens“ hat man an verschiedenen Stellen der beschaulichen Stadt Linz aufgegriffen: ein Brauhaus nennt sich „Strünzer-Keller“, eine besonders lange Currywurst wird als „Strrünzer-Wurst“ angeboten, ein deftiger Kräuterschnaps heißt „Strünzer-Geist“. Beim Strünzer-Brunnen auf dem Platz vor der Burg soll die Geste der Brunnenfigur Übertreibung und Angebertum andeuten.

4. Januar 2019

Dass das Bettelwesen hierzulande weit um sich gegriffen hat, daran haben wir uns stillschweigend gewöhnt. Mittlerweile gilt es zum Beispiel als normal, wenn ärmliche Figuren mit einem Pappbecher in der Hand auf Weihnachtsmärkten von Stand zu Stand und von Besucher zu Besucher um eine wohltätige Gabe bitten. Als wir zuletzt bei REWE unsere Wocheneinkäufe erledigten, erschien uns glaubwürdig, als eine klein geduckte Frau auf uns zukam, uns mit Handschlag ein frohes neues Jahr wünschte, uns gleichzeitig mitteilte, dass Ihr Vermieter ihr gekündigt habe, sie nun auf der Straße säße und eine wohl gesinnte Spende gebrauchen könne. Führt man Einzelschicksale und Schicksalsschläge zusammen, so kommt man zu dem Schluss, dass deren Anzahl anonym und groß ist. Es wird diese Schnittmenge von Menschen geben, die Schicksalsschläge hart getroffen hat. Um ihre tägliche Existenz zu sichern, sind sie auf Betteln angewiesen, weil die staatliche Fürsorge nicht greift oder was auch immer. Meine eigene Reaktion ist unterschiedlich: je nach Stimmungslage oder allgemeinem Erscheinungsbild des Bettelnden spende ich einen Euro oder auch nicht. Ebenso glaube ich identifizieren zu können, dass der Anteil der Bettler überproportional hoch ist außerhalb der mitteleuropäischen Bevölkerung aber innerhalb der rein-rassigen deutschen Bevölkerung, wenn man die Altersklasse von Anfang bis Mitte 20 betrachtet. Eine rote Linie zur Belästigung wird bei mir überschritten, wenn das Betteln aufdringlich wird. So zuletzt bei einer Zugfahrt. Ich saß in der Regionalbahn und der Zug fuhr gerade im Bahnhof Königswinter ein. Eine mittelalte Frau Schritt von Sitzplatz zu Sitzplatz, sie schaute jeden Fahrgast an, hielt ihre Hand auf und murmelte ihren Satz herunter, dass sie um eine Spende bitten würde. Das Betteln im Zug ist eine neue Variante, und ich verabscheue diese Variante, weil die Fahrgäste im geschlossenen Abteil sitzen und weil man dem nicht ausweichen kann. Wird zum Beispiel auf einem Weihnachtsmarkt gebettelt, so weiche ich in manchen Fällen aus, wenn der Bettler mir unsympathisch erscheint und ich den Kontakt vermeiden will. Im Zug ist solch ein Ausweichen schwieriger, so dass man dem direkten Kontakt unter Umständen nicht aus dem Weg gehen kann. Egal, wie die Psychologie des Bettelns aussieht: das Kernproblem, gravierende Fälle von Armut aus den Bettlern heraus zu filtern, wird nie lösbar sein.

5. Januar 2019

Dass sich der Gang der Jahreszeiten verändert hat, das kann man an diesem Fachwerkhaus in Linz studieren. Kalte Winter, warme Sommer, die zwingende Notwendigkeit, Erntevorräte anzulegen, um den Winter zu überleben, auf diesen Kreislauf fassen die Sprüche auf dem Fachwerkhaus aus dem Jahr 1647 die Jahreszeiten zusammen. „Wer nicht im Sommer sammelt ein, der wird im Winter dürftig sein“, diese Weisheit beschreibt, wie sehr die Menschheit im Jahr 1647 vom Wetter und einer reichen Ernte abhängig war. Auch der rheinische Frohsinn steht im Mittelpunkt der Redensarten: „Traute Brüder schenket ein ! Stoßet an und trinkt den Wein !“ Über solche eindimensionalen Jahresverläufe schütteln wir heute nur die Köpfe, zumal in einer globalisierten Landwirtschaft in Europa die Nahrungsmittel nicht knapp sind. Unser Gang der Jahreszeiten bewegt sich nunmehr in vielschichtigen Dimensionen, die im wesentlichen von einem Eventcharakter geprägt sind. So hat die Session der Karnevalisten bereits begonnen, die Denkwelt von Fußballinteressierten umreißt der Spielplan der Fußball-Bundesliga. Eine Saison bestimmt die Sport-Events, Verkaufsaktionen wie den Sommer- oder Winterschlussverkauf, das Weihnachtsgeschäft, das Schuljahr und die Ferien, oder auch Konzertveranstaltungen. Diese anders gearteten Jahreszyklen sind so vielfältig, dass die ursprüngliche Festlegung der Jahreszeiten über religiöse Feste wie Ostern, Erntedankfest, Weihnachten oder die Heiligen Drei Könige abhanden gekommen ist. „Stoßet an und trinkt den Wein“, solche Zyklen findet man allenfalls noch lokal, wenn man sich etwa im Spätsommer oder im Herbst auf Weinfeste an die Ahr begeben möchte.

6. Januar 2019

„Da sie (die Heiligen Drei Könige) den Stern sahen, wurden sie hoch erfreut und gingen in das Haus und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe“, so beschreibt der Evangelist Matthäus im zweiten Kapitel, Vers 10 und 11 die Weisen aus dem Morgenland. Schaut man auf die Malerei im Mittelalter und in der Renaissance, so gehören Gemälde mit den Heiligen Drei Königen zu den am häufigsten gemalten Motiven. In Antwerpen, das bereits vor dem Wirken von Peter Paul Rubens ein Zentrum der Malkunst in Europa war, entstanden im Mittelalter besonders viele wunderschöne Gemälde, wovon die Kirche die Hauptauftraggeberin war. Dieses um 1520/1530 aus einem Antwerpener Atelier stammende Gemälde mit den Heiligen Drei Königen, das dem Maler Pieter Coecke van Aelst zugeschrieben wird, diente ursprünglich als Aufsatz für einen Altar und ist im Landesmuseum Rheinland-Pfalz zu sehen.

7. Januar 2019

Die Bettdecke noch übergezogen, hatten Frau und Tochter erste Versuche gewagt, aus dem Bett aufzustehen. Auf unserem Bett war ich derweil mit dem Anziehen deutlich weiter fortgeschritten, da dudelten die 6.30 Uhr-Nachrichten vor sich hin: Der Golden Globe für das beste Drama ging in diesem Jahr an den Film „Bohemian Rhapsody“, das war in der Nacht am Verleihungsort Beverly Hills entschieden worden. Solch ein Zufall, denn noch am Vorabend hatten wir diesen prämierten Film im Kino gesehen. Der Film war im Godesberger Kino unter die Haut gegangen, vollkommen zurecht war der Film mit dieser sehr hohen Auszeichnung ausgezeichnet worden. Die Konzeption und die Machart des Films überragte so manche andere Filme, die wir gesehen hatten – wie etwa den Kinofilm am Silvesterabend „Phantastische Tierwesen 2“. Die Story rund um den Queen-Sänger Freddy Mercury war gut gemacht, die Charaktere der Band waren gut gespielt, die Zuspitzung und die Dramatik war genial in Szenen heraus gearbeitet, die zum Beispiel seine Bisexualität und das Thema Freundschaft betrafen. Dramatisch gestaltete sich ebenso sein Soloprojekt, seine Rückkehr zu seiner Musikgruppe, die wie ein Familienverband zusammen hielt, und der Wiedervereinigung der Band beim Live Aid-Konzert. Und dann war da noch die Musik, die begeisterte: das exzentrische Gehabe, welches genau die Persönlichkeit eines Freddy Mercury ausmachte, seine Show, die er auf der Bühne abzog, und das wahnsinnig breite Spektrum der Musik, die sich nie auf irgendeinen Mainstream einlassen wollte. Die Musik riss mit, die sich so eloquent im Kinofilm präsentierte, als würde man Freddy Mercury wieder ins Diesseits zurück holen, um die Band Queen wieder live erleben zu können.

8. Januar 2019

Am Arbeitsplatz muten Reorganisationen wie eine unendliche Geschichte an. Irgendwie lassen sie sich als Modeerscheinung nicht mehr wegdenken, wie in einer Kreisform kehren sie wieder, und irgendwie muss es einen höheren Zwang geben, der sich in Formulierungen wie Kundenorientierung, Flexibilität oder Reaktionsvermögen ausdrückt. Gestern war wieder ein solcher Tag, als unser Leiter uns informierte. Niemand wusste genau, was auf jeden zukam, und es war diese Wiederholungsform, dass sich die Anordnung von Kästchen in Form der Organisationseinheiten umgestalten wird, während sich die eigentlichen Aufgabeninhalte so gut wie nicht verändern werden. Ein paar Kästchen werden zusammengelegt, ein paar andere kommen neu hinzu. Unterm Strich gibt es keine beunruhigenden Nachrichten, dass Menschen wegfallen oder von ihren Standorten verscheucht werden. Es bleibt nicht ganz alles beim alten, weil unser Team wohl einen neuen Chef erhalten wird. Auf der Ebene der Leiter und der Führungskräfte hat diese Reorganisation vielleicht doch einen negativen Beigeschmack. Die Anzahl der Leiterposten hat sich verringert.

9. Januar 2019

Einige Jahrhunderte vor Christus bevölkerten Menschengruppen Athen, die wie Gammler hätten aussehen können. Vielleicht waren sie in ausgefransten Mänteln, in Schlapphüten, mit schulterlangen Haaren und mit sprießenden Bärten unterwegs. Unter freiem Himmel feilten sie an ihren Gedanken, sie kratzten an denjenigen ihres Nachbarn und pflegten die Diskussion. Auf der Agora, dem Marktplatz von Athen, stellten sie Thesen und Lehrmeinungen auf, sie führten Debatten über die grundlegenden Fragen der Menschheit. Was ist der Mensch ? Wohin will der Mensch ? Was weiß der Mensch ? Welches ist der Ursprung der letzten Dinge ? Obschon selbst nach intensiver Diskussion der Dinge mehr Fragen als Antworten übrig blieben, war dieser Berufsstand der Philosophen im antiken Athen vor rund 2500 Jahren hoch angesehen. Dieser Berufsstand genoss sogar einen besseren Ruf als derjenige von Handwerkern, da alleine das Denken und keine haptischen Fähigkeiten diesen Beruf ermöglichten. In vielerlei Dingen übernahmen die Römer die Traditionen von Athen und aus Griechenland in ihre Kultur, so auch den Berufsstand des Philosophen. Auch die Römer pflegten auf dem Forum Romanum die öffentliche Diskussion, an der vor allem Philosophen beteiligt waren, wenngleich römische Philosophen wie Plutarch oder Seneca nicht die Berühmtheit erlangten wie ihre Vorgänger aus Athen. Wie sich die Berufsbilder verändern können: der Grabstein des Quintus Aelius Egrilis Euaretus, der in Wesseling am Rheinufer steht, verbindet den Namen des um das Jahr 250 nach Christus Verstorbenen mit dem Beruf des Philosophen. „Dieser Grabstein ist dem Philosophen Quintus Aelius Egrilis Euaretus errichtet worden“, dies beschreibt die Grabinschrift. Ordnet man mit dem heutigen Denkgefüge den Grabstein in die Strukturen der Gesellschaft ein, so weiß niemand etwas mit dem Berufsbild eines Philosophen anzufangen. Es wird nur noch winzige Nischen geben, in denen Philosophen tätig sind – wie etwa an Lehrstühlen von Universitäten. Ihre Wissenschaft wird man vielleicht in die Esoterik, in die Psychologie, in die Religion oder die Naturwissenschaften Biologie, Chemie, Physik einordnen. Diese Einordnung passt und passt wiederum nicht. Die Einordnung beweist aber, dass sich das Denken heutzutage viel zu sehr in Spezialdisziplinen bewegt, während ein ganzheitliches Denken verloren gegangen ist.

10. Januar 2019

Unser Katzennesthäkchen Stella ist gerne hautnah bei alledem dabei, was wir tagsüber so tun. So beim Kartoffelschälen. Sie schaut zu und will sich ein Urteil bilden, ob alles mit rechten Dingen zugeht. Sie prüft, begutachtet und kontrolliert. Sie steckt ihren Kopf in den Eimer hinein, ob die Kartoffeln auch richtig geschält sind. Wenn alles in Ordnung ist, dann hebt sie ihren Kopf wieder aus dem Eimer heraus und beobachtet von einem höheren Standpunkt aus, wie es mit dem Kartoffelschälen bestellt ist.

11. Januar 2019

Herz, was willst Du mehr ! Kaffee, Croissant, Laptop und WLAN in der Mayerschen Buchhandlung in den Schadow-Arkaden in Düsseldorf. Muss ich hoffen, dass mein Arbeitgeber dies nicht liest ? Nicht im Büro, sondern mobiles Arbeiten ? WLAN bietet in der Tat große Chancen, da die WLAN-Netze in den Innenstädten mittlerweile gut ausgebaut sind. Von anderen Städten und Standorten hat man so seine Erfahrungen. Einkaufszentren, Hotspots oder auch große Buchhandlungen – die Wahrscheinlichkeit ist hoch, sich dort in ein WLAN-Netz einwählen zu können. Der Arbeitgeber mag mir verzeihen, da zu einen das mobile Arbeiten nach einer Betriebsvereinbarung zulässig ist und ich zum anderen viel konzentrierter bei der Sache bin. Bücher in einer Buchhandlung um sich herum zu haben, das inspiriert. Ein phänomenaler Spiegel im Hintergrund mit einer goldenen Umrahmung, dazu alt aussehende Tische und Stühle in einer dunklen Holzmaserung. Hier bringe ich wesentlich mehr zustande als in den eingesessenen Wänden des Großraumbüros.

12. Januar 2019

Ein Teufelskreis, aus dem man nicht mehr heraus kommt. Eine Überfülle von Daten, Fakten, Informationen, Nachrichten, Meldungen, die sich nicht mehr handhaben läßt. Der Mensch wird in die Irre geführt, weil sich aus dieser Masse nicht heraus filtern läßt, welche Informationen der Mensch wirklich benötigt. Das Werbeplakat offenbart eine Tautologie, das würde die Mathematik aussagen. Ein Zirkelbezug, der nur auf sich selbst verweist, ohne zu einem Ergebnis zu führen. „News ohne Blabla. Das beste Mittel gegen die Nachrichtenflut.“ Ob diese App von Watson wirklich etwas bewirken kann, um die Nachrichten- und Informationsflut in den Griff zu bekommen, mag dahin gestellt sein. Mit der App wird man filtern können und die heraus gefilterte Informationsmenge begrenzen können. Aber welches sind die Filterkriterien ? Wie ist der Gesamtaufbau ? Wer legt die Teilmenge fest ? Das Gesamtkonstrukt wird kein Mensch je überschauen können, und was jeder einzelne davon benötigt, dass muss man selbst entscheiden. Diese Entscheidung kann einem keine App abnehmen. In unserer Welt voller Zahlen, Daten, Fakten, Informationen ist jeder sein eigener Bauherr. Verlässt man sich auf Apps, dann ist man deren Algorithmen ausgeliefert, die niemand durchdringen wird. In Zirkelbezügen wird der Anwender dann kreisen und herumirren um eine Informationsmenge, die nicht wirklich besser handhabbar sein wird.

13. Januar 2019

Manchmal sind die Symbole ungewöhnlich, die eine Stadt begleiten. Radschläger in Düsseldorf ? Ein sportlicher Menschenschlag, könnte man meinen, der sich sportlich übt in der Stadt und anderen seine Kunststücke zeigt. Radschlagen hat in Düsseldorf Tradition, Großereignisse wurden lange Zeit mit Radschlagen eingeführt, bis in die Zwischenkriegszeit der 1930er Jahre wurden Messen mit einer Gruppe von Radschlägern eröffnet, bis in die Gegenwart werden in der Altstadt Turniere des Radschlagens ausgetragen. Wie bei vielen Bräuchen, ist nicht wirklich geklärt, wo diese Tradition herkommt. Man erzählt mehrere Versionen des Ursprungs. Die wohl bekannteste Variante greift auf die Schlacht von Worringen zurück. Graf Adolf hatte in der Schlacht 1288 den Kölner Erzbischof vernichtend geschlagen. Als eine Folge des Sieges erhielt Düsseldorf die Stadtrechte. Die Einwohner und vor allem die Kinder sind vor Freude auf die Straßen gelaufen und haben Räder geschlagen. Eine andere Erzählart handelt von einem Hochzeitszug, bei dem an der Hochzeitskutsche ein Rad gebrochen sei. Um das drohende Unglück abzuwehren, sei ein Junge zur Hochzeitskutsche gesprungen, habe das Rad festgehalten und sei somit zum lebenden Kutschrad geworden. Den Erzählungen zufolge soll es sich dabei um die Hochzeit von Jan Wellem und Anna Maria Luisa de’ Medici gehandelt haben. Eine weitere Abwandlung bezieht sich auf eine andere Hochzeit, nämlich derjenigen der Markgräfin Jacobe von Baden mit Johann Wilhelm im Jahr 1585. Sie soll über ihre Heirat sehr unglücklich gewesen sein, aber die Radschläger, die neben ihrer Hochzeitskutsche ihr Können zeigten, haben sie der Erzählung nach zum Lächeln bringen können. Egal, welche Lesart des Ursprungs man auswählt: Radschlagen hat in Düsseldorf eine sehr lange Tradition, die vielleicht sogar bis ins Jahr 1288 zurück reicht.

14. Januar 2019

Armer Oskar. Unser Kater leckt sich ständig an der wunden Stelle seines Schwanzes, seitdem er dort verletzt ist. Unbehaart, umschließt zartes Hautgewebe auf einem etwa ein Zentimeter langen Stück den Knochen. Dort leckt sich Oskar, so sehr, dass die Stelle immer wieder blutig ist. Zunächst haben wir es mit Verbinden versucht, doch die Stelle verheilt nicht, weil keine Luft an die Wunde gelangt, außerdem wird beim Entfernen des Verbandes die Wunde abschnittsweise wieder aufgerissen. So bleibt nichts anderes übrig, als ihm diese Halskrause zu verpassen. Anfangs war er so irritiert, dass ihm die Orientierung abhanden gekommen war, wenn er im Haus umher lief. Nun klappt zwar die Orientierung, aber die trichterförmige Manschette hindert beim Fressen, genauso beim Trinken aus der Schale (die allerdings so groß ist, dass das Trinken bei der richtigen Stellung gelingt). Da müssen wir durch. Morgens, mittags und abends nehmen wir beim Fressen die Halskrause wieder ab. Und beim Beendigen des Fressens müssen wir höllisch aufpassen, dass wir ihm die Halskrause sofort wieder aufsetzen, denn sonst beginnt Oskar genau an dieser prekären Stelle wieder zu lecken. Prompt gab es Situationen, dass wir nicht schnell genug waren. Aber das Stück fängt an zu verheilen. Und langsam, ganz allmählich wächst diese Stelle des Schwanzes mit Haaren wieder zu.

15. Januar 2019

Zwei Autofahrten, die übermäßig anstrengten. Vorgestern waren wir zum 83. Geburtstag meiner Mutter gefahren, der diesmal so verlief, als könnten sich neue Horizonte auftun. Tochter und Sohn hatten im Keller herum gestöbert, der das Interesse geweckt hatte. Im Hobbyraum des verstorbenen Vaters hatten sie Videocassetten von „Herr der Ringe“ entdeckt, einen alten Filmprojektor, eine Schreibmaschine, Vinyl-Schallplatten oder alte Schulbücher von mir. Vielleicht gerade weil unser Sohn mitgefahren war, entwickelten sich Gespräche auf neuen Ebenen, oder auch, weil wir selbst Kuchen mitgebracht hatten, der allen inklusive meiner eigenen Familie schmeckte. Hatte meine Mutter den Kuchen organisiert, war dies stets anders. Die Autofahrt im Dunkeln bei strömendem Regen nach Hause zurück war abscheulich. Zeitweise musste ich die Scheibenwischer auf die höchste Stufe stellen, die Regenpausen waren nur kurz. Dazu kamen Windböen, je weiter wir nach Westen fuhren. Zeitweise sammelte sich das Regenwasser auf der Fahrspur in Spurrillen, so dass ich höllisch aufpassen musste. Scheinwerfer spiegelten sich auf der regennassen Fahrbahn, so dass die Fahrbahnmarkierung nur schwer erkennbar war. Bei der gestrigen Autofahrt zu den Filmstudios in Köln-Ossendorf regnete es nur zeitweise, bei der Hinfahrt war es sogar noch etwas hell, doch diesmal kam das Umfahren eines Staus dazwischen. Zwischen Godorf und dem Autobahnkreuz Köln-Süd meldeten die Verkehrsnachrichten sechs Kilometer Stau mit einer Zeitverzögerung von 30 Minuten, so ich bereits ab Wesseling die Autobahn verließ und auf der Bundesstraße B9 parallel zur Autobahn fuhr, dann fuhr ich über Godorf an IKEA vorbei, von wo ich betrachten konnte, dass die Autos vor dem Kreuz Köln-Süd standen. Über Rondorf fuhr ich dann zum Verteilerkreis, von dort aus floß der Verkehr über die Autobahnen A4 und A3 zäh und langsam an Köln vorbei, aber ohne Stau. Wir schafften es rechtzeitig zu der Fernsehaufzeichnung von „Genial Daneben“, welche mich diesmal nicht so begeisterte, weil es nicht die bekannte Ratesendung war, sondern ein Quiz. Quiz-Shows häufen sich ja mittlerweile im Fernsehen, und dieses Genial Daneben-Quiz gefiel mir einige Kategorien schlechter als zum Beispiel „Wer weiß denn so was“ mit Kai Pflaume, das wir zu Hause gerne schauen. So sehr ich das Rateteam um Hugo Egon Balder, Hella von Sinnen und Wigald Boning schätze, das Konzept an für sich , sechs Zuschauer Fragen stellen zu lassen und diese vom Rateteam – wozu diesmal auch Michael Mittermaier gehörte – beantworten zu lassen, war mir einfach zu flach. Die Gags und der Humor des Rateteams kam viel besser bei der eigentlichen Genial Daneben-Sendung zur Geltung. Gegen 21 Uhr waren wir zu Hause, und trotz Dunkelheit war die Rückfahrt diesmal unspektakulär.

16. Januar 2019

Wem gehört die Macht ? Dem Volk oder den Ratsherren ? Ein Abbild der Demokratie liefert der Ratsherrenbrunnen in Linz am Rhein, der in benachbarter Lage des Rathauses steht. 1993 aufgestellt, lässt sich das Machtgefüge aus der Brunnengestaltung interpretieren: oben steht das Volk, darunter die Ratsherren und der Bürgermeister. Dem Gedanken der Demokratie entsprechend, hat das Bürger das Wahlrecht. Ratsherren und der Bürgermeister können machen, was sie wollen: sie können sich nur dann auf der Plattform des Brunnens niederlassen, wenn das Volk sie gewählt hat. In der Praxis sehen diese Verhältnisse von Über- und Unterordnung allerdings oftmals anders aus. Bisweilen kehren sich diese Machtverhältnisse um, dass die Staatsgewalt nur bedingt vom Volk ausgeht, sondern dass die Exekutive in Form der Ratsherren und des Bürgermeisters ihre eigenen Konzepte entwickeln, die dem Willen des Volkes zuwiderlaufen. Die Exekutive setzt um, setzt durch, gestützt durch Gesetze, Verordnungen und Handlungsanweisungen, abgesegnet durch Abgeordnete, die ihren Wählerauftrag im politischen Tagesgeschehen umsetzen müssen.

17. Januar 2019

Zwei Fachidioten in der Straßenbahn. Unser Berufsleben fördert Fachidioten, der Puls des Fachwissens schlägt über Generalisten und Spezialisten, wobei sich das Fachwissen der Spezialisten in immer feinere Verästelungen begibt. Sie kennen jeden Typ, jede technische Variante und wissen auf jede Frage eine Antwort. Während Generalisten den Überblick behalten, indem sie querdenken und in Netzwerken denken, verlieren sich die Spezialisten gerne in ihre technische Details. In ihrem eigenen Fachgebiet kennen sie sich bestens aus, oftmals schauen sie nicht über ihren eigenen Bereich hinaus und werden so zu Fachidioten. Diese Spezies von Menschen fühlt sich bisweilen wohl in ihrer Begriffswelt von Abkürzungen und Fachbegriffen, die kein Außenstehender begreift. Die Ausschnitte aus einem solchen Gespräch erlebte ich zuletzt in der Straßenbahn. Die beiden jungen Herren, Ende 20, salopp, lässig, beide mit einer wüsten Frisur, tobten sich in ihren Fachbegriffen aus. Sie diskutierten über eine eigene Cloud, über Passwort-Aktualisierungen, über lokale Server, über eine User-Verwaltung, über ein Change-Passwort-Rest, über eine Management Intervence, über einen User-Export nach LDIV, über eine Anwendung Unicorn PD5, über den Aufbau einer TAS-Verbindung, über einen ELDER Proxi, über das Remapping von Attributen, über Passwörter im Kleintext, über das Herausfinden einer Crypt-Funktion und darüber, wie man Nutzer in eine lokale SOLT-Datenbank als Fallback überführt. Ich hörte aufmerksam zu und versuchte, mir aufgrund meines rudimentären eigenen Verständnisses ein Bild davon zu machen, über welche Tätigkeiten die beiden redeten. Es war aber unstrittig: die beiden waren IT-Spezialisten, und sie redeten darüber, was zu ihren Tagesgeschäft an ihrem Arbeitsplatz gehörte. Hätte ich fiktiv einen Arbeitskollegen an meiner Seite sitzen, so hätten wir ähnliche Abkürzungen und ähnliche Fachbegriffe austauschen können, allerdings in einem anderen, dem kaufmännischen Bereich. In unserer fiktiven Diskussion hätte niemand anders begriffen, worüber wir reden.

18. Januar 2019

Beim Abschied hatte ich ein ziemlich mulmiges Gefühl. Allein klar kommen, kochen für alle, rechtzeitig genug aufstehen, damit unser Mädchen pünktlich in die Schule kommt, dazu die Katzen. Unser Kater Rambo hatte Fieber gehabt, er aß nicht vernünftig; die Kater Jumbo und Oskar hatten die Augen verklebt, so dass sie Augentropfen bekommen mussten; Oskars Verletzung am Schwanz war noch nicht vollständig verheilt, außerdem war eine Stelle an Oskars Ohr von einem Pilz befallen. Regelmäßig waren wir in den letzten Wochen bei der Tierärztin gewesen. Würde ich mit alledem klar kommen ? Derweil hatte meine Frau den bekannten Stress, wenn man insgesamt sechs Tage verreist. Dieser Stress betraf diesmal meinen Schwager, der zu unserer Tochter nach Freiburg mitfuhr. Zu wenige warme Wäsche, zwei Tage vorher kam der über den LIDL-Shop bestellte Koffer, keine warmen Schuhe. Als der Eurocity um 9.14 Uhr mit fünf Minuten Verspätung einfuhr, mussten die beiden ein ganzes Stück nach vorne laufen, um zu den reservierten Plätzen in dem dazugehörigen Waggon zu gelangen.

19. Januar 2019

Eine der ersten Handlungen, nachdem ich nach Hause gekommen war, war ein weiterer Tierarztbesuch. Zwanzig Minuten, bevor die Tierarztpraxis öffnet, hatte ich mich dort mit unserem Kater Rambo eingefunden. In einem Satz war es mir zu Hause gelungen, ihn in die Katzenbox zu befördern. Kein protestierendes Miauen im Auto, im Wartezimmer kraulte ich sein Fell durch das kleine Loch auf der Oberseite der Transportbox. Rambos Gesundheitszustand hatte sich wenig verändert. Wie beim letzten Tierarztbesuch, war das Fieber verschwunden, aber Rambo fraß schlecht. Mittags hatte er gefressen, aber den Tag davor überhaupt nichts. Rambo bekam eine Spritze, am Sonntag muss ich 1,5 Kesium-Tabletten in ihn hinein bekommen – was ich mir schwierig vorstelle. Montag und Dienstag noch zweimal 1,5 Kesium pro Tag, Dienstag Abend wieder zur Tierärztin.

20. Januar 2019

Dass es mich in der Nähe einer Stadt verschlagen würde, in der Demonstrationen als wesentlicher Bestandteil zum Stadtbild gehört haben, hätte ich in der 1980er Jahren niemals zu denken gewagt. Die großen Zeiten der Friedensdemonstrationen hatte ich lediglich in den Fernsehnachrichten verfolgt. Der Bonner Hofgarten schrieb Geschichte, als 1983 kaum für möglich gehaltene Menschenmassen mobilisiert wurden, sich auf der Hofgartenwiese versammelten; Künstler und Intellektuelle vereinigten und gegen eine atomare Aufrüstung und für den Frieden demonstrierten. Das wunderbare an all dem Protest war, dass die Aktionen vollkommen friedlich abliefen. Mit Fug und Recht kann man behaupten, dass sich eine Kultur von Demonstrationen etabliert hatte, welche ein zwingender Bestandteil unserer Demokratie ist. Die Meinungsfreiheit schließt ein Recht auf Demonstrationen ein, wenn der Protest öffentlichkeitswirksam ein höheres Maß an Aufmerksamkeit erzeugen soll. Dabei wurde nicht nur für Frieden und Abrüstung, sondern für ein großes Spektrum von weiteren Themen demonstriert. Obschon die Anzahl der Demonstrationen nachgelassen hat, nachdem die Bundesregierung nach Berlin umgezogen ist, wird weiterhin in Bonn demonstriert. So ist es eine feine Sache, wenn Schulen selbst zum Akteur werden, indem sie eine Demonstration organisieren. Was in Politik und Zeitgeschichte auf dem Lehrplan steht, wird in der Praxis umgesetzt. Die Schüler demonstrieren auf dem Münsterplatz unter dem Motto „Fridays for Future“ für den Umwelt- und Klimaschutz. So mancher Schüler wird allerdings auch froh sein, wenn er nicht am Unterricht teilnehmen muss und anstatt dessen seine Präsenz auf dem Münsterplatz zeigt, um zu demonstrieren.

21. Januar 2019

Es sieht so aus, als habe mit Netflix ein neues Zeitalter begonnen. Für zwei Monate hintereinander hat unser Sohn es organisiert, dass wir ein Probe-Abo erhalten haben, ohne dass wir dafür bezahlen müssen. Was sehenswerte Filme in Netflix sind, ist nicht ganz einfach. Das Angebot ufert aus, häufig wird man auf Animationsfilme gelenkt, von denen wir etliche auf DVD haben, andere Animationsfilme sind nicht unbedingt etwas für unseren Geschmack. Eher auf gute Fernsehkrimis wie Wilsberg, Inspektor Barnaby oder Ein Fall für Zwei ausgerichtet, tue ich mich schwer mit dem Format eines Films. Raus fahren ins Kino und den Film in dem Ambiente eines Kinos sehen, das ist stets etwas besonderes. Aber auf dem heimischen Fernseher mal so eben anklicken und der Abspielbalken des Films legt los ? Erleben per Fernbedienungstaste ? Bücher als Medium für Erzählungen, Geschichten, Tragik, Romantik oder Komik verstehe ich. In Filmen packt man dieses Format als Summe von Erzählungen nun in zwei bis drei Stunden hinein, transportiert über Schauspieler und Hintergründen, die um so schöner sind, je authentischer sie ihre Rolle spielen. In Büchern kann man stets herum blättern, Filme muss man vor- oder zurückspulen. Lesen kostet Aufwand, einen Film kann man nebenbei bei schlechter Konzentration schauen. Netflix kommt mir fast zu einfach vor, wenn man die schwierige Arbeit hinter sich hat, die sehenswerten Filme heraus zu filtern. Gestern haben wir Comedian Harmonists geschaut, wobei ich die Hälfte des Films verpasste, weil ich gegen 12.30 Uhr ins Bett gegangen war. Ein exzellenter Film mit brillianten Schauspielern. Davor haben wir dreimal hintereinander „Vier gegen eine Bank“ mit Jan Josef Liefers, Til Schweiger, Matthias Schweighöfer und Michael Bully Herbig geschaut. Netflix kann einen Mehrwert liefern. Wenn man damit umzugehen weiß.

22. Januar 2019

Wie sehr Rentner penetrant sein können und auf Krawall gebürstet sein können. Gemeinhin bilde ich mir ein, wie ich es von vielen Rentnern kenne, dass sie tagaus, tagein beschäftigt sind. Dass sie endlich in ihrem Rentnerleben dazu kommen, sich ihren wirklichen Hobbies zu widmen, wofür sie während ihres Arbeitslebens keine Zeit hatten. Dass sie ständig unterwegs sind, weil ihre Neugierde unersättlich ist und dass ihre Zeit ständig knapp ist, weil sie viel Zeit mit ihren Enkelkindern verbringen wollen. Die beiden Rentnerinnen, die ungefähr auf die 70 zu gingen und an der Bushaltestelle warteten, war hingegen ganz anders motiviert. Sie waren verärgert, sie steigerten sich in ihre Verärgerung hinein, sie stellten ihre Verärgerung über all die anderen schönen Dinge des Rentnerdaseins, so dass ihr einziger Lebensinhalt nach Verärgerung aussah. Den Anstoß lieferte das kalte Winterwetter mit dem kalten Wind, der unangenehm um die Ohren sauste. An der Bushaltestelle parkte der Schnellbus, der verschlossen war, während der kalte Wind die wartenden Fahrgäste gefrieren ließ. Kein Zweifel, festgefroren war die Warterei unangenehm, und irgendwann spazierte der Busfahrer vom Kiosk aus zu seinem Bus zurück. Um die zwei, drei Minuten war mittlerweile die Abfahrtszeit des Busses verstrichen. Kaum in Sichtweite der beiden Rentnerinnen, fauchten diese den Busfahrer an. Wieso er den Bus verschlossen hätte, wieso er sich aus dem Staub gemacht hätte, wieso er die wartenden Fahrgäste währenddessen nicht in seinen Bus hinein gelassen hätte. Als der Busfahrer die Fahrerkabine seines Schnellbusses betreten hatte, lamentierten die Rentnerinnen weiter. Sie regten sich auf über die zwei bis drei Minuten Verspätung. Worauf der Busfahrer entgegnete, dass die Pausenzeiten bei normalen Fahrzeiten viel zu knapp bemessen seien. Die beiden Rentnerinnen schleuderten dem Busfahrer all ihre Verärgerung entgegen, er würde sich patzig verhalten, und so viel Unfreundlichkeit könnte man den Fahrgästen nicht zumuten. Die beiden Rentnerinnen verharrten so sehr in ihrer Schockstarre der Verärgerung, dass sie im Eingang stehen blieben, die unnütze Diskussion mit dem Busfahrer fortführten und den anderen Fahrgästen den Zugang versperrten. So zögerten sie die Abfahrtszeit des Schnellbusses weiter in die Länge, und ich war froh, als die beiden vor Unzufriedenheit grollenden Individuen es endlich in das Innere des Busses geschafft hatten, damit sich die Abfahrt nicht noch weiter verzögerte.

23. Januar 2019

Es sind hoch interessante und spannende Tage dabei, womit sich die Mottotage beschäftigen. Jahraus, jahrein ist jeder Tag einem Motto gewidmet, und der heute war es der „Tag der Handschrift“. Wie sehr mir der Moderator Till Nassif im ARD-Morgenmagazin aus meinem Herzen sprach: wenn man die Dinge mit seiner eigenen Handschrift aufschreibt, dann durchdringt man die Dinge, man lernt sie zu verstehen. Kleinigkeiten werden dokumentiert und der Nachwelt überliefert, die sonst vergessen worden wären. Ausstellungen faszinieren, die Bücher zeigen, die noch vor der Erfindung des Buchdrucks in Skriptorien in Klöstern abgeschrieben worden sind. Abgeschrieben wurden in diesem Buch die Briefe des Hieronymus, der von 340 bis 427 gelebt hatte und als ein Übervater der Kirche in der Antike gegolten hatte. Abgeschrieben wurden die Briefe im Jahr 1147 im Kloster Citeaux in Burgund in Frankreich. Am „Tag der Handschrift“ ist dieses ehrwürdige Buch ein Beispiel dafür, wie sehr Handschriften die Welt bewegen können.

24. Januar 2019

Dicht gedrängelt, war der Tag des Abholens vom Bonner Hauptbahnhof gekommen, dass meine hoch geschätzte Gattin mit ihrem Bruder aus Freiburg zurückkommen würde. Der Tag verlief die übrigen Tage ihrer Abwesenheit: ziemlich genau um 13.30 Uhr kehrte ich aus dem Büro zurück, und an ein Weiterarbeiten zu Hause war kaum zu denken. Ein paar Tage chaotischen Arbeitens würde mein Arbeitgeber verkraften, wobei die weniger wichtigen Dinge liegen blieben. Schließlich war wichtig, dass meine Frau plus Schwager unserer Tochter persönlich in Freiburg zum Geburtstag gratulierten. Als ich das Mittagessen zubereiten wollte, wartete ich vergeblich auf unsere kleine Tochter, dass sie aus der Schule kommen würde. Als sie eine Stunde überfällig war, wurde ich nervös, ich fuhr zur Schule und fragte nach, ob etwas besonderes sei. Der nette Mitarbeiter im Sekretariat bejahte, denn unsere Tochter nahm an der Näh-AG. Als ich meine Frau per SMS kontaktierte, meinte sie, sie hätte mir das späte Nachhausekommen infolge der Näh-AG mitgeteilt, so dass ich meine Büroarbeitszeit hätte verlängern können. So war die Herumkurverei zur Schule nutzlos gewesen, und zu Hause brachte ich ein paar Dinge in Ordnung – so den Geschirrberg wegspülen und die Toiletten und die Waschbecken sauber machen – um das allerschlimmste Chaos zu vermeiden. Bevor ich zum Bonner Hauptbahnhof losfuhr, drängelten sich die Tagesabläufe erneut dicht. Zum Abendessen wollte ich Geschnetzeltes mit Nudeln nach chinesischer Art von Maggi Fix zubereiten, ein Essen, an dessen Zubereitung ich mich noch nicht gewagt hatte. Dazu musste ich noch einkaufen, Geschnetzeltes, eine Stange Porree, eine Tüte Maggi Fix. Das Kochen war vom Prinzip her einfach, benötigte aber etwas mehr als eine halbe Stunde Zubereitungszeit, da die Stange Porree klein geschnitten werden musste. Geschnetzeltes mit Porree und Möhren mussten gar dünsten, Spaghetti mussten abgekocht werden, schließlich musste alles nochmals mit dem Inhalt der Tüten Maggi Fix gar dünsten. Die Daheimgebliebenen aßen, bevor ich zum Bonner Hauptbahnhof los fuhr, Ehefrau und Schwager aßen nach der Rückkehr. Schmeckte in jedem Fall sehr lecker. Ein seltsames Thema dominierte die Gespräche bei der Rückfahrt: Schuhe. Der Schwager hatte keine warmen Schuhe, es war aber in Freiburg eiskalt gewesen. So kauften die beiden bei Deichmann erst einmal schön gefütterte Schuhe. Irgendwie musste die Kommunikation schief gelaufen sein, ob es denn die richtigen Schuhe waren. Am Tag der Abfahrt weigerte sich der Schwager beharrlich, die Schuhe anzuziehen. Darüber hinaus kein Ton, keine Sätze, Wortbrocken blieben in ihren Anfängen stecken. Ebenso kam auf der gemeinsamen Rückfahrt im Auto kein Gespräch auf, Fragen blieben unbeantwortet, nur meine Frau und ich tauschten uns aus. Um so stürmischer begrüßten uns anstatt dessen unsere Katzen, die uns sogleich viele Streicheleinheiten abverlangten.

25. Januar 2019

Wie die Kälte nicht nur die Menschen durch dringt, die draußen an der frischen Luft verweilen, sondern sich auch auf die Funktionalität und die Zweckmäßigkeit des Busbahnhofs überträgt. Ein wenig Schnee ist in der Nacht gefallen, leicht angezuckert hält sich der Schnee bei leichten Minusgraden. Auf dem Weg vom Parkhaus in Troisdorf am Bahnhof prägen Zweckbauten, Neubauten, Bürogebäude das Stadtbild. Alles muss funktionieren, die Straßenführung läuft auf den rege frequentierten Bahnhof zu. Die Züge sind genau getaktet, und der Fußweg schlängelt sich an der Baustelle des Geschäftshauses vorbei, dessen Bauzaun sich sporadisch für Firmenfahrzeuge öffnet. Vieles unterwirft sich einem höheren Gefüge der Funktion. Zu diesem kalten Erscheinungsbild gesellen sich am Busbahnhof die karge Menge an Schnee und die frostigen Temperaturen. Die Bewegungen erstarren, bis auf den einen Bus, der den Busbahnhof verlassen wird. Die milchige Scheibe der Sonne weicht über der Dachkonstruktion aus, die Wolken zerfließen, das kalte Gestänge des Bussteigs steht in der Senkrechten. Eine ganz gewöhnlicher, normaler Busbetrieb an einem Werktag, an dem das schummrige Licht der Sonne den Tag wenig zu erhellen vermag.

26. Januar 2019

In was für außergewöhnliche Winkel der Karneval vordringen kann. Als Noch-Karnevalsmuffel behaupte ich, dass man kaum irgendwo vor dem Karneval sicher sein kann. Im HUMA-Einkaufszentrum waren gerade im Obergeschoß des Supermarktes real einkaufen, da schallte uns ohrenbetäubende Musik entgegen. Schlagkräftige Akkorde verdichteten sich an der Rolltreppe zum Untergeschoss, die Rhythmen steigerten sich zu einem ohrenbetäubenden Lärm. Ich traute kaum meinen Augen, als ich im Untergeschoß eine Bühne sah, wo stimmungsvolle Karnevalsmusik aus Lautsprechern heraus plärrte und sich in Krach und Lärm verwandelte. Ein Supermarkt, ein ungeeigneter Ort für eine Karnevalsveranstaltung. Je mehr wir uns auf den Karneval zubewegen, desto unvermeidbarer wird es sein, dass in entlegenen Ecken irgend welche Lautsprecher einen mit Karnevalsmusik berieseln. Karnevalsmusik an für sich ist ja auch nichts Böses. Aber diese Umgebung: wir wollten unsere Wocheneinkäufe erledigen, und mit der geruhsamen Einkaufsatmosphäre war es nun vorbei. Die Bühne war aufgebaut, ein etwas staksiger Herr schwang das Mikrofon, die verklingenden Karnevalsrhythmen überließen seinen dynamischen Bewegungen eine ausdrucksstarke Stimme. Diese Stimme, die auf- und abschwoll, begleitete die Karnevals-Moden-Schau auf der Bühne, wo Kinder und Erwachsene – natürlich karnevalistisch verkleidet – ihr bestes gaben. Die Stimme, die sich in Begeisterungsstürme steigerte ,war voller Superlative und pries die besten, schönsten, originellsten, einfallsreichsten und auch preiswertesten Karnevalskostüme an, die selbstverständlich bei real zu kaufen waren. Als der erste Teil der Karnevals-Modenschau verklungen war, setzten wir unsere Einkaufswagenrunde fort. Nachdem wir in der Angebotsecke mit den Karnevalsartikeln zurückgekehrt waren, hämmerte die Karnevalsmusik so richtig los. Der Karnevalsprinz von Hennef betrat die Bühne. Mit Bauer, Jungfrau und seinem Gefolge zeigte er sich dem Publikum, und die Prinzengarde spulte das volle Programm eines Gardetanzes herunter. All die Schönheit und Eleganz des Tanzes kamen in dieser Umgebung des Einkaufes nicht zur Geltung. Im Umfeld von Regalreihen mit Lebensmitteln, Getränken, Wurst, Käse oder Tchibo-Artikeln wie Kaffee wirkte der Karnevalsaufmarsch wie ein Fremdkörper. Der Tanz war bizarr, fehlgeleitet in einer Reizüberflutung. Die hohe Lautstärke, die Vielzahl von Farben, die schnellen Bewegungen passten nicht zu einer Einkaufsatmosphäre, die man zum Abarbeiten der Wocheneinkäufe benötigte. Bald reagierte ich hektisch und nervös. Mein Kopf gab keine Ruhe. Nichts wie raus. Ich war froh, als wir nach dem Bezahlen an der Kasse den real-Markt verlassen hatten.

27. Januar 2019

Es war die Geschichte des Stillstandes, die der Schornsteinfeger meiner Frau erzählte, als dieser seine jährliche Schornsteinfegerreinigung im Haus des verstorbenen Schwiegervater durchführte. Der Stillstand war zwei Orte weiter eingetreten, in einem Haus, das Freunde geerbt hatten. Die Freunde waren drei Geschwister, die das Haus der verstorbenen Eltern zu jeweils einem Drittel geerbt hatten. Jeder von ihnen favorisierte eine jeweils andere Nutzung des Hauses: der eine wollte selber einziehen, der Zweite vermieten, der Dritte verkaufen. Den drei Geschwistern gelang es nicht, sich zu einigen. An diesem Zustand der Uneinigkeit sollte sich nichts ändern. Nichts tat sich, und dieser Zustand der Uneinigkeit dauerte inzwischen zehn Jahre an. Ob den drei Geschwistern bewusst war, dass durch diesen andauernden Leerstand bauliche Substanz vernichtet würde ? Unbewohnt, bröckelten die Innenräume vor sich hin, Maßnahmen zur Instandhaltung unterblieben, der Wohnraum war kalt und unbelebt, im Außenbereich dürfte das Unkraut um sich her wuchern. Die Verkaufschancen verschlechterten sich, die Aufwand stieg, damit man entweder selbst oder dass Mieter einziehen konnten. Die Wertevernichtung und der Zerfall ließen sich nicht aufhalten.

28. Januar 2019

Zum direkten Auftakt der neuen Arbeitswoche, pünktlich um 9 Uhr, hatte unsere Chefin geladen. In einem Besprechungsraum fand sich unser Team ein, die Kollegen an anderen Standorten hatten sich telefonisch eingewählt. Als sie eröffnete, was sie uns zu sagen hatte, hob sie ihre Worte auf eine freundliche, nette und bestimmte Stimmlage, mit einem leisen Lächeln auf den Lippen. Geistesgegenwärtig schaute sie in die Runde, als wolle sie eine frohe Botschaft verkünden. Doch diese frohe Botschaft stimmte uns nicht wirklich froh, nachdem sie diese verkündet hatte. Sie wollte uns verlassen, einen neuen Job hatte sie in unserer Firma gefunden. Kaum mehr als ein Jahr war sie unsere Chefin gewesen. Eine sehr sympathische Leiterin, die wir alle sehr geschätzt hatten. Ihr Fachwissen war hoch, ihr übergreifendes Denken war ausgeprägt, sie war strategisch ausgerichtet und durchsetzungsfähig, sie konnte etwas bewegen. Ende 30, war sie blond und ausgesprochen hübsch. Im zwischenmenschlichen Bereich brachte sie die richtige Mischung mit, einerseits konnte sie zuhören und war einfühlsam, andererseits konnte sie die Dinge schnell auf den Punkt bringen, wobei ihre Analysefähigkeit immens war, und sie entwarf Richtungen des Denkens und Entscheidens. Ihr Umgang war einfach, locker, unkompliziert, zeitweise war sie allerdings sehr schlecht greifbar und erreichbar. Ein hochintelligenter Überfliegertyp und dazu noch eine Frau. Wir spekulierten, dass ihr möglicherweise eine Karriere bis in höchste Managementpositionen bevorstand, eine höchst seltene Entwicklung für eine Frau. Allgemein stellten wir fest, dass die Zyklen der Veränderung ständig schneller werden. Wir wechseln Tätigkeiten oder werden aufgrund von Reorganisationen gezwungen, uns zu verändern. Die Schnelllebigkeit des Berufslebens hat zunächst Leiter, Vorgesetzte und Chefs erfasst. Dass ich einst acht Jahre lang denselben Chef gehabt hatte, gehört der Vergangenheit an und wäre heute wahrscheinlich undenkbar. So verändern sich die Zeiten.

29. Januar 2019

„Wir sind in Dortmund, neben dessen altersgrauen Mauern sich in eigenthümlich bedeutsamer Weise Vergangenheit und Gegenwart die Hand reichen. Dicht nebeneinander liegen hier der Hügel mit der alten absterbenden Linde, worunter einst des ‚hilgen rykes hemelike kamer‘, der berühmte oberste Freistuhl auf rother Erde stand und die Ferne ihre Freigrafen, Schöffen und Frohnen versammelte, - und der Eisenbahnhof mit seinen unübersehbaren Stationsgebäuden und seinem Menschengewühl … „, so beschrieb der westfälische Dichter und Journalist Levin Schücking 1856 Dortmund auf seiner Fahrt mit der Eisenbahn von Minden nach Köln. Als ich gestern aus dem ICE am Dortmunder Hauptbahnhof ausstieg, um zu einem Vor-Ort-Termin drei U-Bahn-Stationen weiter zu gelangen, war weder von altersgrauen Mauern etwas zu sehen, noch irgend welche historischen Überbleibsel der „hilgen rykes hemelike kamer“. Es gibt sie aber, diese Überbleibsel. Dortmund, dessen erste Besiedlungen um 800 auf einen Königshof der Karolinger zurückreichen, Dortmund, die Hansestadt und einzige Freie Reichsstadt Westfalens, welche es über den Handel auf dem Hellweg zu Reichtum und Blüte im Mittelalter gebracht hatte. Auf dem Dortmunder Stadtgebiet befinden sich heutzutage noch 22 Sakralbauten, so dass im Stadtbild die Glockentürme von St. Reinoldi und St. Petri mit den Hochhausbauten der Gegenwart wetteifern. Dennoch verbindet man gemeinhin nicht das historische Erbe mit der Stadt Dortmund, welches vom Hauptbahnhof aus durch die Hochhaussilhouetten von Banken und Versicherungen überlagert werden. Vom Hauptbahnhof aus formiert sich ein alternatives Portrait der Stadt, das den Bekanntheitsgrad der Stadt prägt. Dortmund, die Stadt des Fußballs, des Bieres und des BVB. Das deutsche Fußballmuseum ist direkt vom Bahnsteig aus zu sehen. Passiert man den Ausgang des Hauptbahnhofs, so schaut man auf den Hochhausturm aus den 1920er-Jahren mit dem „Dortmunder U“, das für die einstige Union-Brauerei steht. Und überall dazwischen, in Kiosken, im Zeitschriftenladen, auf Plakaten, ist das BVB-Logo allgegenwärtig.

30. Januar 2019

An diesem Tag und in diesen Stunden schöne Fotos zu machen, ist denkbar einfach. Man muss sich lediglich die Digitalkamera schnappen, vor die Haustüre nach draußen gehen und die Linse der Kamera in die Natur hinein halten. Es gibt kein Entkommen, Fotomotive mit Schnee erscheinen in einer schieren Unendlichkeit. Allerdings sind solche Tage mit Schnee in unseren Regionen des Rheinlandes eine absolute Ausnahmesituation. Und ein noch größerer Ausnahmezustand tritt ein – wie heute geschehen – dass der Schnee keine kurze Episode ist, dass der Schnee nicht binnen Stunden wieder wegtaut, sondern liegen bleibt. So bin ich wie so mancher andere Hobby-Fotograf durch die verschneite Natur spaziert, ich habe Fotomotive gesucht und gefunden. Viele schöne Fotos hat meine Digitalkamera gemacht, dabei habe ich die Blickwinkel überlegt und geschaut, wie die Schönheit der weißen Pracht in welcher Bildgestaltung am besten zur Geltung kommt. Weil so mancher andere Hobby-Fotograf ebenso in die verschneite Natur ausgeschwärmt ist, bin ich sicher, dass bald viele Bilder mit der in Schnee gehüllten Natur, mit verschneiten Landschaften und mit Stadtlandschaften voller Schnee im Netz kursieren werden. Fotos werden in Facebook gepostet, Instagram füllt sich mit Schneebildern, die Botschaften in Twitter befassen sich mit dem Schnee, in Blogs gibt es nur das eine Thema: Schnee. Nachdem ich zufrieden den Spaziergang beendet habe, betrachte ich die Fotos. Die nicht wiederkehrenden Augenblicke hat meine Digitalkamera schön festgehalten. In mehreren Jahren werde ich mir sicherlich gerne diese Fotos wieder anschauen.

31. Januar 2019

Die Kamera einfach drauf halten, draußen war alles Schnee. Wer hätte gedacht, dass der Schnee nach seiner reichlichen Menge von gestern nochmals eine Schippe drauf legen würde ? Um sieben Uhr morgens fing es erneut an zu schneien, das Schneetreiben verdichtete sich, der Linienbus quälte sich mit viel Stau über die St. Augustiner Straße in die Innenstadt. Sogar die Betonschluchten der Innenstadt waren nicht sicher vor dem Schnee. Eine geschlossene Schneedecke auf dem Bertha von Suttner-Platz, dem am dichtesten befahrenen Verkehrsknotenpunkt der Stadt, ein höchst außergewöhnliches Bild. Die Schneeflocken fielen so zahlreich, dass selbst die Fahrbahn voller Schnee war. Die eingefahrene Fahrspur auf dem Schnee, wo sich der Autoverkehr vorwärts wälzte, war schmal. Nicht ganz vom totalen Verkehrschaos entfernt, musste ich an die 15 Minuten auf die Straßenbahn warten. Doch das war noch nichts im Vergleich zu den Straßenbahnlinien in Richtung Dottendorf. Ein Verkehrsunfall auf der Ritterhausstraße hatte den Straßenbahnverkehr lahm gelegt, einen Busersatzverkehr verhinderte der Schnee. Die Straßenbahnen fuhren nur bis Hauptbahnhof, danach ging nichts mehr. Solch ein Chaos war mir glücklicherweise erspart geblieben.

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