das Ständehaus und der rheinische Provinziallandtag in Düsseldorf

Es war eine beschwerliche Geschichte, eine Entwicklung voller Holprigkeiten, ein Ringen um Demokratie, dem sich Monarchen und Herrscher lange widersetzen konnten. Fast einhundert Jahre waren nötig, dass sich der Gedanke der Demokratie mit freien Wahlen, vom Volk gewählten Abgeordneten und einem gewählten Staatsoberhaupt sich durchgesetzt hatte. Bis dahin war der Trampelpfad zur Demokratie lang und steinig, den die französische Revolution 1789 angedeutet hatte. Herrscher und Monarchen hielten mit all ihrer Staatsgewalt an ihrer Macht fest. Den Ruf des Volkes nach Meinungsfreiheit knüppelten sie 1848 in den Bewegungen des Vormärz gnadenlos nieder, viele Andersdenkende flüchteten oder wanderten aus. Nach 1871 verabschiedete das Kaiserreich Sozialistengesetze, welche Menschen, die sich in Parteien oder in Arbeitervereinen zusammen schließen wollten, verhaften konnten. Erst 1890 wurden die Sozialistengesetze gelockert, und noch später, 1919 nach Beendigung des Ersten Weltkrieges, wurde das Dreiklassenwahlrecht abgeschafft, so dass jede Stimme jedes Wahlberechtigten gleich viel zählte, und allen Frauen wurde das allgemeine Wahlrecht zugestanden. Wie die Geschichte gelehrt hat, war dieses demokratische Gebilde der Weimarer Republik höchst labil und löste sich mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wieder auf.

Die Entwicklung demokratischer Strukturen liegen in Düsseldorf eindrucksvoll nebeneinander, gerade einmal getrennt durch eine Brückenauffahrt und ein, zwei Seitenstraßen. Diesen Entwicklungspfad der Demokratie beschreibt das sogenannte Ständehaus, das zwischen 1876 und 1880 für den Rheinischen Provinziallandtag gebaut wurde. Dieses Ständehaus im historistischen Stil steht am Kaiserteich, dem Napoleon seine Kaiserbezeichnung verliehen hat. Die Festungen am Kaiserteich, die an der ehemaligen Festungsgrenze von Düsseldorf lagen, mussten nach dem Friedensvertrag von Lunéville von 1801 geschleift werden.

Ständehaus - Gesamtsicht (oben links, unten rechts), Details Fassade (oben rechts, unten links)

1815, nach dem Ende der Ära Napoleons, wurde das Rheinland nach dem Wiener Kongreß Preußen zugeschlagen. Einen Staat Deutschland, wie wir ihn heute kennen, gab es damals noch nicht. Anstatt dessen war der deutsche Bund – ähnlich wie die heutige europäische Gemeinschaft - eine Wirtschafts- und Zollunion, die ein loses Gebilde von Herzogtümern, Grafschaften und Staaten umfasste. Dieser deutsche Bund hatte sich 1815 in der Bundesakte darauf verständigt, eine Verfassung zu entwerfen.

So berief der damalige preußische König Friedrich Wilhelm III. 1823 Provinziallandtage ein. Obschon die Ideen der Aufklärung großspurig waren, eine Gewaltenteilung einzuführen oder auf den allgemeinen Willen des Volkes zu hören und obschon es den Franzosen 1789 gelungen war, die Monarchie des Königs zu stürzen, sollte sich die noch jungen Ideen der Demokratie nicht wiederfinden in dem System von Provinziallandtagen, die sich in Herzogtümern, Grafschaften und Bundesstaaten zerstreuten. Das Volk wurde repräsentiert durch die Stände - das waren der Adel, Gutsbesitzer und die Städte. Vertreter des Volkes wurden dort ferngehalten. Innerhalb des Königreiches Preußen wurde im Rheinland Düsseldorf als Standort des Provinziallandtages ausgewählt. Die Sitzungen des Landtages fanden streng geheim statt, es wurden Gesetzentwürfe und Petitionen beraten, worüber der König Friedrich Wilhelm III. dann alleine entschied. 1875, mit der für das Kaiserreich gültigen Provinzialordnung, erweiterten sich die Kompetenzen der Provinziallandtage im deutschen Reich. Die Ordnung legte einen Zyklus fest, dass die Kreistage in Landkreisen und Städten auf sechs Jahre gewählt werden sollten. Die Sitzungen des Provinziallandtages als Landesparlament für das Rheinland waren nun öffentlich. Und die Provinziallandtage bekamen Geld. Wie die Gelder flossen, ähnelte bereits unserem heutigen föderalistischen Gefüge von Bund und Ländern. Die Aufgaben des Straßenbaus, der Sozialfürsorge, der Wissenschaft und Kunst, dazu Wohnungsbau wurden den Ländern zugewiesen, wozu der Reichstag den Ländern Gelder zur Verfügung stellte.

Der Provinziallandtag in seiner Funktion als Ständeorganisation tagte ab 1823 im Düsseldorfer Stadtschloss. Nachdem dieses von einem verheerenden Brand vernichtet worden war, zog der rheinische Provinziallandtag 1880 in das neu gebaute Ständehaus um. Architektonisch wurde die Vierflügelanlage so gestaltet, dass man Stilelemente der italienischen Renaissance erkennen sollte. Das Mansardendach, das an die französische Architektur des 16. Jahrhunderts erinnern sollte, wurde 1943 zerstört und beim Wiederaufbau durch ein Staffelgeschoss ersetzt.

Landtag Nordrhein-Westfalen am Rhein

Nachdem sich in der Bundesrepublik der Nachkriegszeit die föderalistische Struktur der Bundesländer heraus schälte, besannen sich 1949, nach der Gründung des Landes Nordrhein-Westfalen, die Landespolitiker auf das Ständehaus für den Landtag. Unter dem Besatzungsrecht der Alliierten gab es bereits seit 1946 ein Landesparlament. Da die Stadt Düsseldorf dermaßen im Zweiten Weltkrieg zerstört worden war, tagten die Abgeordneten im Theatersaal der Henkel-Werke, dem einzigen verfügbaren geeigneten Saal im Stadtgebiet. Im März 1949 wurde dann das Ständehaus so weit hergerichtet, dass der Landtag dort einziehen konnte. Die erste Sitzung des Landtages wurde am 15. März 1949 abgehalten. "Der ganze Raum ist mit grauem Stoff ausgeschlagen, nur unterbrochen von heller Holztäfelung, die sich in Säulenform an den Längs- und Seitenwänden emporzieht", so beschrieb die Westfalenpost damals den Plenarsaal. "Der ganze Raum wirkt einfach, aber sehr gediegen." Einziges Schmuckstück des Saales, so die Zeitung, sei ein großer Gobelin, auf dem die Landesfarben eingestickt waren.

Bereits in den ersten Jahren der Nutzung als Landtagsgebäude stellte sich heraus, dass die Bürofläche für die wachsende Anzahl von Aufgaben, Gremien und Ausschüssen viel zu klein geraten war. Doch es sollte bis 1988 dauern, dass ein Neubau des Landtags am Rhein in direkter Nachbarschaft des Fernsehturms realisiert wurde. Den vorherigen Sitz des Landtages im Ständehaus und den neu gebauten Landtag am Rhein trennen nun ein Fußweg von rund zehn Minuten sowie die Rheinkniebrücke, unter der man hindurch schreiten muss. Nach dem Auszug des Landtags ist das Ständehaus für Kunstinteressierte hergerichtet worden. Unter dem Kürzel „K21“ können Liebhaber zeitgenössischer Kunst sich dort Kunst anschauen, die Künstler aus Nordrhein-Westfalen geschaffen haben.

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