Bohemian Rhapsody

Die Bettdecke noch übergezogen, hatten Frau und Tochter erste Versuche gewagt, aus dem Bett aufzustehen. Auf unserem Bett war ich derweil mit dem Anziehen deutlich weiter fortgeschritten, da dudelten die 6.30 Uhr-Nachrichten vor sich hin. Bereits hellwach in aller Herrgottsfrühe bei der Sache, vernahm ich die klare und deutliche Nachricht: der Golden Globe für das beste Drama ging in diesem Jahr an den Kinofilm „Bohemian Rhapsody“, das war in der Nacht am Verleihungsort Beverly Hills entschieden worden. Solch ein Zufall, denn noch am Vorabend hatten wir diesen prämierten Film im Kino gesehen. Der Film war im Godesberger Kino unter die Haut gegangen, vollkommen zurecht war der Film mit dieser sehr hohen Auszeichnung ausgezeichnet worden.

Die Konzeption und die Machart des Films überragte so manche andere Kinofilme, die wir mitunter als halbgar oder nicht mit einer echten Story durch dacht empfunden hatten – wie etwa den Kinofilm am Silvesterabend „Phantastische Tierwesen 2“, dem es an Klarheit gefehlt hatte, weil sich zu viele Erzählstränge miteinander verwickelt hatten. Die Story rund um den Queen-Sänger Freddy Mercury war gut gemacht, die Charaktere der Band waren gut gespielt, die Zuspitzung und die Dramatik war genial in Szenen heraus gearbeitet.

Allen voran passte der Hauptdarsteller Rami Malek perfekt zum Protagonisten Freddy Mercury, dem Sänger von Queen. Ausdruck, Bewegungen, Gesten, sein ganzes Auftreten und sein Hang zur theatralischen Darstellung kamen dem wahren Freddy Mercury sehr, sehr nahe. Die Verwandlung in die andere Rolle war perfekt inszeniert, wie er mit dem Mikroständer hantierte, wie er sich aufplusterte, indem er zum Beispiel Frauenkleidung trug, wie er schmollte, seine Zunge rollte oder auf der Bühne seine Faust ballte.

Der Film ging unter die Haut, weil es gelang, den Kontrast zwischen dem extrovertierten und hochbegabten Frontmann einerseits und dem schüchternen und unsicheren Privatmenschen Freddie Mercury andererseits mit erstaunlicher Präzision zu durch leuchten. Obschon der Kinofilm die Entstehungsgeschichte der Rockband Queen darstellte, trat der Leadsänger Freddy Mercury, der auf Sansibar geboren wurde und mit seinen Eltern während der indischen Befreiungskämpfe nach England emigrierte, allzu sehr in den Vordergrund. Mit seiner inneren Zerrissenheit, seinen Launen und seiner Bisexualität war er zweifelsohne die schillerndste Figur in der Rockgruppe Queen.

Filmplakat (oben links), Kinopolis in Bad Godesberg (oben rechts und unten links),

Live Aid vor 100.000 Zuschauern im Wembley-Stadion mit Queen (unten rechts; Quelle Youtube)

Am meisten überzeugten diejenigen Szenen, in denen Musik gemacht wurde. Das waren Queens erste Live-Auftritte Anfang der 70er-Jahre in Clubs und Kneipen, das war der in dieser Phase schon sehr extravagant gekleideten Freddie, das war ihr erster Live-Auftritt in einer BBC-Fernsehsendung, als sie total verärgert darüber waren, dass sie nur Playback spielen durften; das war ihre Hingabe und Detailversessenheit, als sie ihren ersten Nummer-1-Hit Bohemian Rhapsody im Studio aufnahmen; das war, wie sie zu Beginn Discomusik hassten, dann aber das Anfangsriff von „Another One Bites The Dust“ feierten; oder das war, wie sie spontan mit dem Füßen in demselben Rhythmus auf dem Boden stampften und so die Melodie zu „We will rock you“ komponierten.

Dass der Film zurecht einen Golden Globe erhielt, verdankte er unter anderem seinem fulminanten Höhepunkt: dem Live-Aid-Festival im Jahr 1985. Das Festival, das man uneingeschränkt auf Augenhöhe sehen konnte mit dem legendären Woodstock-Festival, galt als das größte Musikspektakel aller Zeiten und war von Bod Geldof organisiert worden. Für die hungernde Bevölkerung in Äthiopien hatten Rockbands und Künstler, wovon die Top-Namen vollständig vertreten waren, Spenden gesammelt. Freddy Mercury hatte zunächst nichts von der Existenz dieses Festivals erfahren, da er – was Teil der Dramatik war – an einem eigenen Soloprojekt arbeitete und die Macher des Soloprojekts in hermetisch abriegelten, um fertige Musikstücke vorzeigen zu können. Das Soloprojekt, das sich als Fehltritt heraus stellen sollte, führte ihn letztlich wieder zu seiner Band „Queen“ zurück, die für ihn die Rolle einer Familie wahrnahm.

Mit diesem fulminanten Finale, dem Betreten der Bühne vor 100.000 Zuschauern im Londoner Wembley-Stadion, schloss sich der Kreis zur Einleitung des Films. Die Einleitung hatte die letzten Schritte vor Betreten der Bühne gezeigt. Ein Zeitfenster von zwanzig Minuten hatte Queen zur Verfügung gestanden, um ihre Stücke zu spielen. Im Auftritt der Musikgruppe Queen, der in der vollen Gänze auf Youtube zu sehen ist, begeisterte Freddy Mercury, er holte wahrhaft alles aus sich heraus und riss gleichermaßen die Zuhörer im Londoner Wembley-Stadion und die Kinobesucher mit.

Der Film war ganz großes Musik-Kino, und nach dem Live Aid-Konzert war die restliche Geschichte Abspann. Freddy Mercury starb 1991 an AIDS. Bisexuell, hatte er bis zu seinem Tod hatte seine Freundschaft mit seinem Friseur gepflegt, außerdem hatte er einen regelmäßigen Kontakt und ein gutes Verhältnis zu seiner ehemaligen Verlobten.

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