Spaziergang durch die Wahner Heide

Dass es nass war, hatte ich nicht einkalkuliert. Pfützen standen auf den Wegen, das Laub hatte sich mit Wasser voll gesogen, das Gras am Wegesrand war patschnass. Nur die Hauptwege waren fest und ermöglichten ein normales Gehen, denn ich hatte meine gewohnten Freizeitschuhe von Nike angezogen. Dessen Sohle schmiegte sich zwar einfühlsam an die Form meiner Füße an, aber Nässe und Matsch widerstrebten ihr. Allerdings hatte ich beschlossen, Nebenwege zu beschreiten. Vom Parkplatz aus immer geradeaus, in das Innere der Wahner Heide hinein, dem in Summe 177 Quadratmeter großen Naturschutzgebiet in der Einflugschneise des Köln-Bonner Flughafens. Stellenweise musste ich mehr oder weniger waghalsig um Pfützen herum kurven, damit keine Nässe in die Schuhe eindrang. Nasses Laub klebte an den Schuhsohlen. Matsch und dreckige Erde zeichneten Spruen auf der Wildlederoberfläche. Das positive war, dass das Wetter hielt. Der Regen hatte in den Nachmittagsstunden aufgehört, und das sollte trotz tief hängender Wolken so bleiben.

Der Spaziergang begann am Parkplatz am Forsthaus Telegraph. Ich hatte mir keinen klaren Plan zurechtgelegt, einfach geradeaus sollte es gehen. Ich hatte eine oberflächliche Vorstellung davon, dass die Geschichte der Wahner Heide auf einen militärischen Kontext verwies. Das war nicht von der Hand zu weisen. Hinweisschilder kennzeichnen das Naturschutzgebiet als militärisches Gebiet, das vollständig von Zäunen umgeben war. Bis 2004 wurde die Wahner Heide militärisch genutzt, als die letzten belgischen Soldaten aus ihren Kasernen abgezogen wurden. In seinen Ursprüngen, das war 1817, nachdem Preußen im Wiener Kongreß das Rheinland zugesprochen wurde, nutzten Heeresverbände die Wahner Heide als Artillerieschießplatz zu Manöver- und Übungszwecken.

Meine Erwartungshaltung, auf geschichtliche Überreste der militärischen Nutzung zu stoßen, wurde beim Studium der Hinweistafel, die archäologische Kriegsrelikte in eine Wanderkarte eingezeichnet hatte, gedämpft. Auf dem Weg stramm geradeaus in das Herz der Wahner Heide lag gerade ein militärischer Beobachtungspunkt, der Rest war Wald, Heide und ganz viel Natur.

Impressionen aus der Wahner Heide, Forsthaus Telegraph (unten rechts)

Der winterlichen Jahreszeit entsprechend, war der Himmel wolkenverhangen, trübsinnig und grau. Obschon das Licht und die Akzente fehlten, um die Natur hervor zu heben, bot das dunkle Farbspektrum der Natur erstaunliche Facetten. Längst verwelkter Farn kräuselte sich am Boden. In die langen, himmelwärts aufstrebenden Baumstämme mischte sich die weiße Baumrinde von Birken, die in Gruppen zusammen standen. Ein verwaschenes Grün scharte sich in den Baumwipfeln von Kiefern zusammen. Totholz von abgebrochenen Ästen klammerte sich auf dem Erdboden fest. Die im Winterschlaf versunkene Natur vermochte durchaus zu begeistern.

Später, lichtete sich etwas überraschend der Wald. Die Baumvegetation ging über in eine Sand- und Heidevegetation. Ab und zu schwebten hinter der Freifläche Flugzeuge, die sich im Landeanflug zum Flughafen befanden oder soeben gestartet waren. Jetzt farblos, blühte die Heide naturgemäß erst im Frühjahr. Nun waren es krautige, in sich zusammen gefallene Büschel und Sträucher, die die Sandböden überwucherten. Ein Fotomotiv hatte es mir besonders angetan, das war eine Steinformation auf einer Anhöhe. Ein breiter Weg voller Sand ebnete den Zugang auf die Anhöhe. Mehrere dicke Findlinge standen zusammen, winterkahle Bäume waren in die Steingruppe hineingewachsen, zwischen den Buckeln von Steinen wuchs Moos. Hier war die Natur besonders reich an Facetten und an Abwechslung.

Beim Verlassen der Anhöhe entdeckte ich Spuren im Sand, Spuren, die als rechteckiges Muster gezeichnet waren. Ich dachte an die militärischen Nutzung der Wahner Heide. Doch zu Panzern konnten die Spuren nicht gehören. Dass die Wahner Heide als Übungsgelände – auch für Panzer – gedient hatte, diese Zeiten waren längst vor dem Abzug belgischer Streitkräfte im Jahr 2004 vorbei. Ja, Panzer waren einst definitiv durch die Wahner Heide gefahren, doch dieses Rechteckmuster musste zu anderen Fahrzeugen gehören.

Von hier aus spazierte ich auf demselben Weg zum Parkplatz zurück, wie ich gekommen war. An Nässe und Matsch auf dem Erdboden mussten sich meine Schuhe vorbei mogeln, und zum Schluss erschien das Forsthaus Telegraph mit dem angrenzenden Fachwerkbau „Heidekönig“ aus einer anderen Perspektive. Abseits des Weges den Zaun entlang schreitend, war der Gang über das Laub weich und nicht patschnass. Das Ensemble der beiden Gebäude sah urig aus. Nur der viereckige Stumpf der einstigen Station des optischen Telegrafen, der Berlin mit Koblenz verband, verbarg sich in hinteren Teil des Forsthauses Telegraph.

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