Tagebuch November 2018

1. November 2018

Friedhöfe sind nicht mein Ding. Das Sterben wird aus unserem Bewusstsein ausgeklammert, der Tod ist tabu. Um Gräber und die hinterbliebenen menschlichen Seelen habe ich einen Bogen gemacht. Anders herum, habe ich eine Schwärmerei um berühmte Friedhöfe nie verstanden. Obschon wir mit unserem damaligen VHS-Kurs zweimal in Paris waren, haben wir um Père Lachaise in Paris einen großen Bogen gemacht. Für so manchen Touristen ist dieser prominente Friedhof eine Art von Muss, der bei der Paris-Tour nicht ausgelassen werden darf. Mich würde dies indes nie und nimmer reizen. Ich finde die Musik des bei Drogenexzessen verstorbenen Jim Morrison von den Doors geil, aber sein Grab würde ich ebenso wenig aufsuchen wie diejenigen anderer Größen wie Oscar Wilde, Frédéric Chopin oder Edith Piaf. Ähnlich der Kölner Melatenfriedhof, wo Kölner Originale wie Willi Millowitsch oder Willi Ostermann begraben sind: die Ästhetik von Gräbern, Grabstätten und Bepflanzungen ist teilnahmslos an mir vorbei gegangen. Gräber als Gesamtkunstwerke von Klassizismus über Neorenaissance bis hin zum Neobarock sind mir entgangen. Anders gestalten sich die Verhältnisse an Allerheiligen, nicht nur, weil wir in diesem Jahr durch Sterbefälle persönlich betroffen sind. Beim Gang über den Friedhof in unserem Ort wird man pompöse Grabsteine vermissen, und der Tag des Gedenkens an die Toten birgt eine schweigende und besinnliche Stimmung in sich, zumindest in denjenigen Bundesländern mit einer mehrheitlich katholischen Glaubensrichtung, in denen Allerheiligen ein gesetzlicher Feiertag ist. Ein Tag der Lichter – meine persönlichen Eindrücke lassen sich in all den brennenden Grabkerzen und Öllichtern zusammen fassen. Lichter reihen sich entlang einer Zeitreihe auf, einer Zeitreihe durch die dunkle Jahreszeit, wozu Allerheiligen den Wendepunkt markiert. Nachdem die Uhren zur Winterzeit umgestellt worden sind, ist die dunkle Jahreszeit aus ihren Startlöchern gekrochen. Die Lichter setzen sich fort bei den Martinsumzügen mit den Martinsfeuern. Lichterketten und Weihnachtsbeleuchtungen bestimmen danach die Weihnachtszeit. Sorgsam haben wir unsere sechs weißen Grablichter entlang der Grabumrandung aufgestellt. Bei flauem Wind gelang das Anzünden der Kerzen mühelos. Die Flammen züngelten auf die durchsichtige Plexiglasabdeckung. Die Kränze hatten wir hoch gestellt. Unverwelkt, hatten die Blumenschalen ihr schönes Aussehen bewahrt. Wir hielten inne, nahmen Kontakt mit der Welt der Toten auf. Das Totenreich versammelte sich mit all seinen Lichtern auf dem Friedhof. Auf den Grabsteinen ließ ich all die Geburts- und Sterbedaten Revue passieren. Die Grabsteine, deren scharfkantige Umrisse sich in der Dunkelheit abhoben, waren voller klarer Eleganz. Allerheiligen, ein Tag voller Würde. Vom Grab des Verstorbenen schritten wir weiter. Lebensschicksale hatten Namen auf den Grabsteinen hinterlassen, Namen, von denen mir viele bekannt vorkamen, aber nur ganz wenige bekam ich als Zugezogener mit Name und Person zugeordnet. Auf diese Art und Weise wurde der Friedhof zugleich anonym und persönlich: die Lichter auf den Gräbern verschwammen mit Biografien, die von der Stille und allen anwesenden Angehörigen und Freunden der Toten überdeckt wurde. Wir wandten uns dem Grab unseres früheren Nachbarn zu, der im Winter 1993/1994 in einem Alter von Mitte 70 verstorben war. Bei der Beerdigung hatte Schnee gelegen, und einige Wochen später sollte die Geburt dem Tod folgen: unser Sohn wurde geboren. Carpe diem, das schloss ich aus den stetig vor sich her brennenden Lichtern. Pflücke den Tag. Oder auch: memento mori. Erinnere dich daran, dass das Leben vergänglich ist. Diese Essenzen habe ich von Allerheiligen mitgenommen.

2. November 2018

Einen König haben sich die Duisburger ausgesucht, der zu den quellenärmsten im Mittelalter gehört. Was man von ihm weiß, ist erst in der Zeit seiner Kinder und Enkelkinder überliefert worden. Seine Erfolge als König und Feldherr waren aber wegweisend: Heinrich I. konsolidierte als König des ostfränkischen Reiches von 919 bis 936 das Reichsgebiet der Sachsen und Ostfranken. Als König wurde er nicht von den wichtigen Fürsten und Grafen im Reichsgebiet zum römisch-deutschen Kaiser gewählt, aber seine Kinder und Enkelkinder wuchsen zu einem der bedeutendsten römisch-deutschen Kaiserdynastien heran: den Ottonen. Duisburg war Standort eines fränkischen Königshofes, in der Zeit Heinrichs I. wurde 929 eine Reichssynode abgehalten. 935 besuchte Heinrich I. die mittelalterliche Stadt, um die Jahrtausendwende 1000 wurde der Königshof Duisburg zu einer Königspfalz ausgebaut. Danach, im Verlauf des 11. Jahrhunderts verlagerte der Rhein sein Flußbett westwärts, und Duisburgs Bedeutung als Handelsplatz im Mittelalter nahm rapide ab. Ähnlich wie beim Niedergang der Kohle- und Stahlindustrie, besinnt man sich auf die besseren Zeiten zurück, als König Heinrich I. regierte. Wichtige Stellen in der Stadt sind bis heute nach ihm benannt. So die Königstraße als Einkaufsmeile von Duisburg oder der König-Heinrich-Platz, das vom Stadttheater und der Liebfrauenkirche flankiert wird. Seine Vergangenheit unterstreicht der König selbst beim Getränkekonsum: die Biermarke König-Pilsener hat einen deutschlandweiten Bekanntheitsgrad, und ab und zu habe ich es mir nicht nehmen lassen, meinen Durst mit dieser erfrischenden Biersorte zu löschen.

3. November 2018

Barrikaden auf meinem Laptop. Der Musical Dome, der am 30. November live von RTL2 übertragen wird, treibt die Diskussionen. Beim Musical Dome treten die Lochis auf, und nach unserem Konzertbesuch im Kölner E-Werk am 4. Oktober möchte unsere Tochter ein weiteres Mal die Lochis live erleben. Wir halten dagegen, dass ihre Schulnoten derzeit nicht so sind, wie sie sein sollten. Sie möchte sich bitte anstrengen und die entsprechenden Schulnoten mit nach Hause bringen. Sie sieht einen anderen Weg: auf vielen kleinen viereckigen Haftzetteln hat sie ihre Bitte und Aufforderung notiert, dass ich Karten für den Musical Dome bestellen soll. Die Bitten und Aufforderungen hat sie stets anders formuliert, aber in Summe so viele Zettel auf mein Laptop aufgeklebt, dass ich außer standen bin, ihn zu benutzen. Das ist vielleicht die eindringliche Botschaft: ich kann mit meinem Laptop nichts mehr anfangen, also besser die Karten für den Musical Dome bestellen.

4. November 2018

Nachdem wir am Vorabend Thitas Post auf Facebook gelesen hatten, entschieden wir uns spontan, den Street Food-Markt in Bonn zu besuchen. Gleichzeitig war verkaufsoffener Sonntag, außerdem wurden im Rahmen der Aktion „Bonn leuchtet“ öffentliche Gebäude angeleuchtet. Wir waren überrascht, dass Thita, unsere thailändische Freundin, sich einen neuen Street Food-Imbisswagen zugelegt hatte. Obschon er kleiner war mit einem halbrunden Dach, machte er einen geräumigeren Eindruck als der vorherige, eckige Imbisswagen. Auf ihre Speisekarte mit thailändischen Imbissen hatte dies ohnehin keinen Einfluss. Wir waren nicht die einzigen, die Thita mit einer herzlichen Umarmung begrüßte, und wir hatten Gelegenheit, ihr die dramatischen Ereignisse der letzten Wochen zu erzählen. Diesmal aßen wir Giou Tordt, das waren mit Koriander, Austernsoße und Knoblauch gefüllte Teigtaschen. Das war echt lecker, wie der knusprige und zarte Geschmack der Teigtaschen im Gaumen zerrann. Auf dem Marktplatz aß schließlich unsere Tochter Poffertjes, dabei konnten wir das angestrahlte Rathaus bewundern, wo die Farbspektren von violett nach blau, von blau nach rot und von rot nach grün changierten.

5. November 2018

Herbstzeit, Stauzeit. Nachdem ich je nach Witterung, Dunkelheit, Regen, Kälte bei der Anfahrt ins Büro vom Rennrad auf Bus und Bahn umgestiegen bin, haben die Komplikationen begonnen. Letzte Woche war komplett Bus und Bahn angesagt, und bei bestimmten Verkehrslagen können Staus den ganzen Tag durch einander bringen. So letzten Dienstag: im Ort staute sich der Verkehr bereits nach der übernächsten Ampel, und danach stotterte der Bus nur noch im Modus von Stop and Go vorwärts oder er stand vollständig still. Anderthalb Stunden war ich unterwegs gegenüber fünfzig Minuten auf dem Rennrad, wenn mir nicht gerade ein ruppiger Wind ins Gesicht bläst. Nachdem das Radio heute Morgen einen Stau mit fünfzig Minuten Verzögerung auf der Autobahn A59 in Richtung Königswinter gemeldet hatte, schwante mir Böses und ich nahm das Rennrad. Staus sind ja unergründlich. Meine Vorahnungen waren berechtigt, doch mit der A59 und einem Rückstau zum Kreuz Bonn-Nordost hatte dieser Stau nichts zu tun. Parallel begleitete mein Rennrad den Stau, und zwei dicke Nadelöhre konnte ich identifizieren: hinter der großen Kreuzung mit der Ampel im Nachbarort Mondorf war die Landstraße L… ? voll, so dass sich kaum noch Autos einfädeln konnten. Diese stauten sich bis zur nächsten Ampel in Troisdorf-Bergheim. Danach floß der Verkehr merkwürdigerweise, als sei der Knoten geplatzt, auch über die Autobahnauffahrt der A565, wo der Verkehr zäh floss, aber er floss. War es die Ampelschaltung in Troisdorf-Bergheim oder das hohe Verkehrsaufkommen ? Wahrscheinlich beides, wobei die Staubildung unvorhersehbar war. Der eine Tag war freie Fahrt mit ein paar Zwischenstopps an roten Ampeln, am nächsten Tag trat der Autoverkehr nur auf der Stelle, so dass ich mit Bus und Bahn fast doppelt so lange brauchte als mit dem Rennrad.

6. November 2018

Das Westwerk – ein Architekturelement großer romanischer Kirchenbauten. Um die Jahrtausendwende des Jahres 1000 hatte die Kirche in ganz Europa Fuß gefasst. Der heidnische Glaube an eine Vielzahl von Göttern war zurück gedrängt worden. Kaiser, Könige und Herrscher hatten dabei geholfen, so dass sich Macht und Herrschaft in den Kirchenbauten ausdrückten. Einer dieser Ausdrucksformen war das Westwerk: Türme ragten in die Höhe, ein ummauerter Vorbau erinnerte an Festungsmauern, die Kaiser, Könige und Herrscher für ihre Verteidigung ansonsten benötigten. Beispiele großer romanischer Kirchenbauten mit einem Westwerk sind St. Pantaleon in Köln oder St. Servatius in Maastricht. Es geht aber auch ein paar Nummern kleiner. Neu gebaute Kirchen aus der Kaiserzeit kopierten auf eine bemerkenswerte Art und Weise die Kirchenarchitektur des gotischen oder romanischen Baustils. In einigen Kirchenbauten besann man sich auf das Westwerk zurück. Entsprechend seinem Ortsbild als Dorf am Stadtrand von Köln, weist die Kirche in Köln-Porz-Libur – 1911 erbaut – kleine und gemessene Proportionen auf. Der Kirchturm gliedert sich den hohen Mauern an. Eine Fassade, die Festungsmauern ähnelt – mit einer Fensterrosette als gotisches Stilelement über dem Eingangsportal.

7. November 2018

Dass die Stadt Bonn eitel ist und zur heimlichen UN-Hauptstadt avancieren möchte, das belegen die Bauaktivitäten im früheren Regierungsviertel. Nachdem Handlungsbedarf besteht und sich die Aufgaben der Vereinten Nationen in den Bereichen Klimawandel, Landdegradierung, biologische Vielfalt, Ökosystemdienstleistungen, Artenschutz, globale Freiwilligeneinsätze, Gesundheit, menschliche Sicherheit und das Management von Katastrophenrisiken erweitert haben, ist der Büroraum knapp geworden. Die Vereinten Nationen, bei denen am Standort Bonn 1.000 Mitarbeiter tätig sind, platzen aus allen Nähten. Die Gelegenheit, neue Büroflächen schaffen zu müssen, haben die Stadtplaner genutzt, um eine Skyline im Mini-Format am Rhein aneinander zu fädeln. Verglichen mit Frankfurt – von amerikanischen Städten ganz zu schweigen – ist das nichts. Aber man merkt dem in die Höhe wachsenden Bauwerk neben dem Posttower, dem UN-Hochhaus und dem WCCB an, dass die siebzehn Stockwerke, die der Bürobau künftig zählen soll, Größe und Bedeutung verleihen werden. 330 Mitarbeiter der Vereinten Nationen sollen dort ihre Büroarbeitsplätze finden. Die Mathematik ist einfach: die Bedeutung der Stadt verlagert sich von dem Gemengelage aus Geschichte und Einkaufszone in der Innenstadt in das frühere Regierungsviertel, wo die damalige Bedeutung als Bundeshauptstadt weiter lebt. Die neue Zukunftsperspektive unterstreicht die Anzahl der Hochhäuser und die Anzahl deren Geschosse.

9. November 2018

Drei Thorarollen auf Pergament, ein Buch Esther, ein Gebetbuch, drei silberne Jad, ein Vorhang von blauem Seidensamt, ein Schulchandeckchen von blauem Thibet, zwei Kronleuchter aus Glas und noch vieles mehr, diese Inneneinrichtung zählte das "Inventar über das Vermögen der Special-Synagogen - Gemeinde Mondorf" von 1864 auf. Schaut man auf unsere Nachbarorte, waren Juden im geschichtlichen Verlauf in das Dorfgeschehen, auf Dorffesten und am Vereinsleben stets integriert. Um ihren Gottesdienst zu feiern, versammelten sich die Juden um 1800 in einem kleinen Holzbau in unserem Nachbarort, der als erste Synagoge diente. Ein Dokument aus dem Jahr 1812 belegt, dass dort 14 männliche Juden ihre Betstühle aufgestellt hatten. Um all die jüdischen Gläubigen fassen zu können, wurde um 1860 auf der Provinzialstraße in unserem Nachbarort die jüdische Synagoge gebaut. Diese teilt das Schicksal, das allen anderen jüdischen Synagogen am 9. November 1938, der Reichskristallnacht, erleiden mussten. Nachdem am 3. November 1938 ein polnischer Jude in Paris einen NSDAP-Sekretär erschossen hatte, ließen die Nationalsozialisten ihrem Judenhass freien Lauf. Am Tag des Hitlerputsches, nach einer Rede von Josef Goebbels, organisierten sie in der Nacht vom 9. auf den 10. November Aktionen des Volkszorns. Bei diesen Aktionen, bei denen die Juden zum Abschuss frei gegeben wurden, gingen im Reichsgebiet alle Synagogen in Flammen auf. In unserem Nachbarort erinnert eine Gedenktafel an den Standort der Synagoge, wovon heute im Hinterhof drei hohe rundbogige Sprossenfenster rekonstruiert sind. Eine Nacht des Erinnerns hat gestern die Geschehnisse vor genau 80 Jahren in unserem Nachbarort aufleben lassen.

10. November 2018

Im Behindertenwohnheim ist es mittlerweile zu einer Art von Gewohnheit geworden, den Geburtstag in der Imbissbude in unserem Ort zu feiern. Dies tun inzwischen so viele aus dem Behindertenkreis, dass es alle paar Wochen dort Geburtstage zu feiern gibt. In dieser Woche war mein Schwager an der Reihe. Mit rund zwanzig Personen war der Gastraum so voll, dass für andere Gäste kaum noch Platz war. Der Entschluss, in der Imbissbude zu freien, kam uns entgegen, da wir uns in der derzeitigen immer noch turbulenten Situation den Zeitaufwand für die Organisation einer Geburtstagsfeier in unserem Hause sparen konnten. Die Atmosphäre in der Imbissbude war so warmherzig, wie sie nur bei Behinderten sein kann, ein Gefühl von Nähe, das von Nicht-Behinderten Menschen nicht erreicht werden kann.

11. November 2018

Im nachhinein war ich empört über das Verhalten meiner Kollegin. Diese Kollegin war nicht unbedingt beliebt, sie war energisch, durchsetzungsfreudig, man konnte sie auch als rechthaberisch bezeichnen. Wenn etwas schief lief, steckte sie einen hohen Aufwand hinein, den Verantwortlichen heraus zu finden und ihn zurecht zu weisen. Nachdem ich mich mit einem Kollegen beraten hatte zu einem sogenannten Hybrid-Anschluss, den ich über den Personalkauf beauftragen wollte, klopfte mir die besagte Kollegin auf die Schulter und wies mich an, ihr lautlos zu folgen. Im Großraumbüro ist die Kommunikation offen und vieles kann mitgehört werden. In einem sogenannten Quiet Room, wo wir uns zu zweit unterhalten konnten, schilderte sie mir ihre eigenen Erfahrungen mit der Hybrid-Technologie, die Festnetz und Mobilfunk vereinigte und in dieser Kombination höhere Bandbreiten ermöglichte. Ich solle die Finger davon lassen, war ihr Resumee. Ein funktionierender Router sei im Endeffekt unbezahlbar. Ihr Router habe nur zeitweise funktioniert, und es habe einen Mordsaufwand gekostet, den Auftrag wieder zu stornieren. Erst bei der Drohung, sich an höchster Stelle zu beschweren, hätten die Kollegen eingelenkt. Ich ließ mich nicht beirren und beauftragte kurz darauf den hybriden Anschluss. Nachdem dieser geschaltet wurde, ist das Internet wieder stabil und wir können nach Lust und Laune surfen, ohne heraus geschmissen zu werden. Ein wenig musste unser Sohn mithelfen. Im Erdgeschoss klappt der Anschluss nicht an unserer TAE-Steckdose, der Router funktioniert aber im ersten Obergeschoss an der TAE-Dose in unserem Schlafzimmer. Beim LTE-Empfang könnten es noch ein paar Balken Empfang mehr sein, doch für meine eigenen Belange, im Internet zu surfen, komme ich gut klar.

12. November 2018

Die Reste einer Stadtmauer in der Attitüde des Herbstes. Nachdem Siegburg 1182 die Stadtrechte verliehen bekam, bauten die Siegburger Bürger im Laufe des 12. Jahrhunderts eine wehrhafte Stadtmauer mit Toren und Türmen aus den Basaltsteinbrüchen bei Wolsdorf, einem heutigen Stadtteil. Die Stadtmauer ersetzte eine ältere Wehranlage aus Holz und Erde. Ab 1864 wurde die Stadtmauer wieder abgerissen, da sie die Stadt einengte und keine Funktionen der Verteidigung mehr erfüllte. An wenigen Stellen – wie am Park am S-Carré – ist die Stadtmauer vom Abriss verschont worden. Wie gemalt, zeigt sich an dieser Stelle der Herbst. Die Blätter schillern in all den goldenen, gelben, braunen und roten Farbtönen. Ein zartes Lüftchen weht sie herab, die Blätter tanzen in der Luft und das welke Laub schart sich auf dem Boden zusammen. Das alte Gemäuer schaut dabei ehrwürdig zu.

13. November 2018

Quizshows – eine Quelle, um die Horizonte des eigenen Denkens zu erweitern ? Oftmals höre ich geflissentlich weg, da sich das Faktenwissen nicht immer in die eigenen Denkzusammenhänge eingliedern lässt. Anders war dies zuletzt in der Quizshow „Klein gegen Groß“ mit Kai Pflaume. Der 12-jährige Iftikhor aus Saarbrücken, der eigentlich aus Usbekistan kam, trat gegen Iris Berben an, um Kuppelbauten anhand ihrer Deckenansicht zu erkennen. Dies habe ich zum Anlass genommen, um Kuppelbauten in unserer Stadt zu erkunden. Dabei habe ich einen wirklich schönen und großen Kuppelbau entdeckt. Dieser befindet sich in einem einzigartigen Baudenkmal in unserer Stadt, dem früheren Metropol-Theater, dem jetzigen Standort der Thalia-Buchhandlung. 1928 als einer der ersten Lichtspieltheater erbaut, vermischten sich im Geist der 1920er Jahre die Unterhaltungsfaktoren von Theater, Oper, Konzert und Kino. Noch Ende der 1940er Jahre, nach den Kriegszerstörungen, wurde diese bautypologische und baugenetische Vermischung aufrechterhalten. Eine multifunktionale Nutzung – als Kino oder als Theater – wurde +angestrebt. So wurde der festlich überkuppelten Vorführsaal mit bis an die Bühnenseiten verlaufendem Balkons ausgebaut. Mit dem festlichen Kuppelbau des Metropol-Theaters verbinden wir mit unserer Familie persönliche Erinnerungen: die ersten Kino-Filme mit Harry Potter haben wir uns dort angeschaut, bevor das Kino im Jahr 2006 seinen Kinobetrieb einstellte.

14. November 2018

Die Enttäuschung war riesig, doch es war voraus zu ahnen. Es war ungefähr im Mai, als von einem Tag auf den anderen ein Bauzaun den Zugang zum Kaufhof und zu den Schaufensterflächen versperrte. Von einem Tag auf den anderen war die Frittenbude „Bon‘n Frietjes“ dicht, die linkerhand am Eingang zum Kaufhof Fritten verkaufte. Dem Geschmack der Fritten nach frischen Kartoffeln, wie sie in Belgien und den Niederlanden gemacht werden, kamen die Fritten von „Bon’n Frietjes“ relativ nahe, und die Friterie war stets gut besucht, so dass man oftmals Schlange stehen musste. Haben Baustellen einmal Fuß gefasst, muss man hierzulande Angst haben, dass aus kleinen Baustellen Großbaustellen werden. Dass mit den Baustellen Werte unwiederbringlich verloren gehen, dass Geschätztes entsorgt wird. Dass die schöne, neu gebaute Welt nicht nach den Bedürfnissen der Menschen gestaltet worden ist. So beim Kaufhof in Bonn, wo sich die Bauarbeiten zäh in die Länge zogen. Über den gesamten Sommer hinweg bis in den Herbst hinein verbarrikadierte der Bauzaun den Eingang, und mit zunehmendem Baufortschritt schwand auch die Hoffnung, dass neben dem Eingang eine entsprechende Nische für den Verkauf der Fritten der Imbisskette „Bon’n Frietjes“ vorgesehen sein würde. Als die Neugestaltung des Eingangsbereiches konkrete Formen angenommen hatte, musste ich feststellen, dass anscheinend die Bedürfnisse des Konsumenten höher sind, sich mit den britischen Fashionlabels Topshop und Topman bekleiden zu wollen, als einen Imbiss mit einer bodenständigen Esskultur zu verspeisen. Ich resümierte, dass der Verdrängungswettbewerb des Platzhirsches Topshop und Topmen offensichtlich gnadenlos ist, und wer die stets lecker schmeckenden Fritten von „Bon’n Frietjes“ essen möchte, der muss nach Köln oder Koblenz ausweichen. Die Filialen der Unternehmensgruppe M&M Friejtes haben dort überlebt – noch.

15. November 2018

Drei Tage, von Montag bis Mittwoch, hat uns unsere Tochter besucht, und die Nachwirkungen des Besuchs zeigen noch ihre Spuren: gemeinsam haben wir eingekauft, und Anziehsachen und diverse dm-Einkäufe, die deerzeit in unserem Wohnzimmer lagern, werden wir in einem Paket nach Freiburg schicken. Bei unserem Besuch hatte sich wichtiges mitzuteilen, es war ein Meilenstein ihres Studiums. Im Oktober hatte sie ihr Examen gemacht, wobei sie sich noch nicht getraut hatte, den Umschlag mit dem Ergebnis des Examens zu öffnen. Ein Endergebnis stand in jedem Fall fest: im bundesweiten Ranking steht die medizinische Fakultät der Universität Freiburg ganz oben, so dass von dort die besten Mediziner aus ganz Deutschland kommen. Das Ergebnis ist außergewöhnlich: alle Medizinstudenten aus Freiburg haben das Examen bestanden. Wir können also zum bestandenen Examen gratulieren ! Die Note ist noch ein Geheimnis. Wir sehen dies indes gelassen, da es nach dem bestandenen Examen mit dem einjährigen praktischen Jahr weiter geht.

16. November 2018

Ganz viel Small Talk mit drei GZSZ-Darstellerinnen, der sich nett anhörte, dem ich gerne auch zuhörte, wenngleich die Unterhaltungen stark an der Oberfläche kratzten. Der männliche Gast, Dennis aus Hürth, der quasi ein Heimspiel hatte in den Fernsehstudios in Hürth-Kalscheuren, brachte Witz und Humor in die Runde von Oliver Geissen hinein, wobei er seine Herkunft aus der Unterschicht nie verleugnete. Zu zweit hatten wir uns in die Fernsehproduktion von Oliver Geissens „ultimative Chart-Show“ getraut, nachdem wir vor einigen Jahren eher enttäuscht waren, auch wegen der hanseatischen Kühle von Oliver Geissen, der seine norddeutsche Distanz und sein unterkühltes Verhältnis zum Publikum mit ins Rheinland genommen hatte. Diese Fernsehproduktion, welche die 25 größten Single- und LP-Hits des Jahres 2018 präsentierte, vermochte hingegen zu überzeugen. Insgesamt sieben Künstler von den fünfunfzwanzig plus fünfundzwanzig traten auf. Längst bin ich nicht mehr upgedated, was die Musikszene betrifft, und vermutlich hatten wir einen repräsentativen Durchschnitt der angesagten Musik im Jahr 2018 erlebt. Namika mit ihrem Ohrwurm „je ne parle pas Francais“ war dabei, die ich mit ihrer Authentizität und ihrer Stimme herausragend finde. Schon alleine deswegen hatte sich das Kommen gelohnt. Dasselbe galt für Rea Garvey, den ich ebenso schätze, weil sein Mainstream-Rock an gute alte Vorbilder anknüpft wie Lynyrd Sykynrd oder Neil Young. Nico Santos und Revolverheld waren nicht schlecht, der ebenso in aller Munde sind. Und dann musste ich lernen, dass sich gewisse Musikstile verschoben haben. In der Reihung der Hitparade war vieles dabei, was ich dort nicht verortet hätte. Bei Viva hatte ich zufälligerweise das Stück „Gods Plan“ gesehen, eine sinnlose Aneinanderreihung des Refrains „Gods Plan“, der von einem undefinierbaren Genuschele, bei dem es schwer fiel, einen Text heraus zu hören, nur gelegentlich unterbrochen wurde. Dieses Stück rangierte um den zehnten Platz. Überraschend war auch der hohe Anteil an Straßen-Rap – wobei der ab den 1980er Jahren aufkommende Rap nie mein Ding gewesen war. Nun hatte sich eine russische Variante des Rap etabliert. Olexesh, der als Kind mit seinen Eltern aus Kiew eingewandert war, sang „Magisch“. Wenn ich solche ein Stück im Radio gehört hätte, hätte ich normalerweise umgeschaltet. Live und auf der Bühne, legte der Rapper all seine russische Stimmkraft in den magischen Refrain hinein, der bisweilen so schwerfällig wie ein Blues war. Sein Live-Auftritt nahm die Monotonie aus den Wiederholungsmustern etwas heraus, und die Live-Auftritte offenbarten weitere Überraschungen. Deutsche Schlager waren wieder gefragt, und nach… den Amiogs ??? auf den vorderen Plätzen, deren Musik nur als Youtube-Ausschnitt zu sehen waren, war nun Ben Zucker zu hören, der gemeinsame Konzerte mit der Schlagerikone Helene Fischer gegeben hatte. Ben Zucker klang allerdings nicht so schlimm wie Helene Fischer, da er rockigere und eingängige Töne anschlug. Ein Live-Stück war noch zu hören, das gleichzeitig überraschend und in seiner Entwicklung in sich schlüssig war, obschon es überhaupt nicht mein Stil war. Das war die im Techno-Stil aufgemachte Vertonung von „Bello Ciao“, das erstmals italienische Partisanen im Ersten Weltkrieg gesungen hatten. Keinerlei Bandmitglieder mit Musikinstrumenten waren auf der Bühne zu sehen, sondern nur ein DJ, der an seinem Mischpult alles managete. Er setzte Hebel in Bewegung, wechselte Rhythmus und Klangwelten, und Schalter und Module schufen ein vollkommenes Klangerlebnis. Er war gefragt, sehr gefragt, äußerte er im Interview mit Oliver Geissen. Anscheinend kam diese künstlich geschaffenen Klangwelten bestens bei den Zuhörern an. Der Mix, den die Fernsehproduktion der ultimativen Chart-Show zu bieten hatte, war nicht einmal uninteressant. Die gesamte Musikbranche steckte voller Innovationen und der Wiederkehr von Stilrichtungen, die man längst vergessen glaubte.

17. November 2018

Wie so manches Mal, hatte ich mit meinem Einkaufsgebaren die Abläufe durcheinander gebracht. Meine Frau war arbeiten, und währenddessen hatte ich diverse Einkäufe bei REWE und LIDL erledigt. Neben Getränken waren es fehlende Dinge wie Ketchup, passierte Tomate, Porree; ich hatte versucht, für entsprechende Mahlzeiten einzukaufen, und hier und da noch ein paar Dinge mehr. Die Frage unserer Tochter, ob ich bei dm einkaufen würde, verneinte ich; ich teilte ihr allerdings den Gedanken meiner Frau mit, nachmittags nach HUMA in St. Augustin fahren zu wollen, weil sie Gutscheine für Weihnachten besorgen wollte. Als ich meine Frau von der Arbeit abholte, musste ich erfahren, dass ich mit meinen Einkäufen alle Planungen über den Haufen geschmissen hatte. Besser hätte es ins Konzept gepasst, bei real einzukaufen und im Einkaufszentrum bei HUMA im Anschluss in den betreffenden Modeläden Gutscheine für Adventskalender zu kaufen. Die gute Laune war zunächst dahin, bis wir uns entschlossen, trotzdem in das Einkaufszentrum zu fahren. Der Einkaufsbummel geriet dennoch zu einem harmonischen Einkaufserlebnis. Unsere Tochter kaufte bei SATURN die Doku-DVD von den Lochis, bei TKMaxx wurden wir fündig für unseren Katzennachwuchs – eine Zweier-Fressschale in einem Holzständer; diverse Gutscheine bei Hunkemöller, Bijou Brigitte und Orsay; und das Kochen zum Abendessen ersparten wir uns, indem wir im Einkaufszentrum beim Thailänder aßen.

18. November 2018

Katze und Kunst, eine ungewöhnliche Kombination. Oder: wie die Katze zum Objekt der historischen Malerei werden kann. Hermann Anschütz, gebürtig aus Koblenz, der an der Kunstakademie in Düsseldorf die Malerei erlernte, malte seine ersten Werke im Stil der damaligen Rheinromantik, so wie sie Mitte des 19. Jahrhunderts einen Bekanntheitsgrad in ganz Europa erlangte. Anschütz, 1802 geboren, führte ab 1826 Auftragsarbeiten für Herzöge und Herrscher aus im Stil der historischen Malerei oder zur Bemalung von Fresken. In Koblenz malte er im Assisensaal das Fresko „das jüngste Gericht“, im München war es das Fresko „das Urteil des Midas“ im Odeon-Saal. Weitere Auftragsarbeiten erhielt er von König Ludwig I. von Bayern für die königliche Residenz in München. Im Umfeld all des historischen, repräsentativen, künstlerischen Schaffens hatte er auch Zeit, sich den banalen Dingen des Alltags zu widmen. Auch eine Katze kann zum Gegenstand der Kunst werden. Gemalt hatte er die Katze, die man im Mittelrhein-Museum bestaunen kann, mit den Türmen der Kirche St. Florin in Koblenz im Hintergrund.

19. November 2018

Bergbau in Bonn am Rhein ? In der hiesigen Umgebung muss man freilich suchen: bei Brühl liegen die Anfänge des Braunkohletagebaus, im Pleisbachtal hinter Siegburg wurde um die 1900er-Jahrhundertwende Ölschiefer abgebaut. Ein Aggregat, das im konventionellen Bergbau unter Tage eingesetzt wurde, hat indes den Weg vom Bergbau-beheimateten Saarland in den Vorgarten einer Villa in der Nähe des Posttowers gefunden. Neunkirchen im Saarland – in der rechteckigen Messingplatte in der Mitte ist die Herkunft aus der Bergbaustadt eingraviert. Das Aggregat – das Rad einer sogenannten Schrämwalze – war an seinen Enden mit lauter Meißeln bespickt, die sich in die Kohleflöze hinein stemmten. Auf einem Walzenschrämlader drehte sich diese Schrämwalze, sie fraß sich in die Kohle hinein und löste die Kohle- und Gesteinsbrocken aus der Kohleschicht heraus. Eine feine Sache, die das Kräfte zehrende und zermürbende menschliche Herausstemmen ersparte. Der Durchmesser einer solchen Schrämwalze konnte bis zu zwei Metern betragen, und in einem Arbeitsgang konnte die Dicke von einem Meter Kohleflöz zu Tage gefördert werden. Im Saarland und nicht in Bonn am Rhein.

20. November 2018

Was für ein Wunder ! Der Anruf auf dem Handy meiner Frau am Abend, kurz vor 19 Uhr, klang unglaublich. Seit jenem 10. Oktober, als unsere Kater Rambo und Oskar frühmorgendlich unser Haus gemeinsam verlassen hatten, aber nur Rambo ohne Oskar zurück gekehrt war, hatten wir unsere Hoffnung so ungefähr aufgegeben. Oskar war entschwunden und weggelaufen, und keines der zahlreich in unserem Ort aufgehangenen Fotos hatte unseren Oskar zurück bringen können. Zwischendurch hatte uns ein in Facebook gepostetes Foto einen Schreck eingejagt, dass eine unserem Oskar zum Verwechseln ähnlich ausschauende Katze in Köln-Ossendorf überfahren worden war. Aber wie bitte sollte unser Oskar in Köln-Ossendorf, mehr als dreißig Kilometer entfernt, gelandet sein ? Der Frau, die auf dem Handy anrief, war seit drei Wochen eine Katze zugelaufen, die unser Oskar sein musste, denn sie war bei der Tierärztin im Ort gewesen, wo ein Foto unseres vermissten Katers hing. Im Keller der Frau, wohnhaft einhundert Meter Luftlinie von uns entfernt, aber jenseits der viel befahrenen Durchgangsstraße, sei die Katze durch die Katzenklappe aufgetaucht. Vor ihr sei die Katze stets weggelaufen, so dass sie sie nicht habe einfangen können. Sie sei total abgemagert, habe aber gefressen und es sich auf dem Kissen auf dem Stuhl gemütlich gemacht. Im Keller angekommen, verschwand der Kopf unmittelbar hinter der Katzenklappe, doch unser Rufen erkannte die Katze anscheinend wieder, denn ganz zögerlich lugte zunächst der Kopf heraus, und noch viel zögerlicher krabbelte der – tatsächlich stark abgemagerte Körper – auf uns zu. Was für ein Wunder, das wir bis heute kaum glauben können. Es war Oskar !

21. November 2018

In ihrer Suche nach einer Gesamtarchitektur des Denkens suchten die Philosophen unter anderem nach Ansätzen, um die Gegenwart mit der Vergangenheit zu verknüpfen. Dabei widmeten sich die Philosophen der Aufklärung im 18. Jahrhundert, so Georg Friedrich Wilhelm Hegel, dem Ausblick in die Zukunft. Die Philosophen sahen sich in der Rolle, die Gesetzmäßigkeiten der Geschichte zu beleuchten und die Zukunft vorherzusagen. Obschon sie das ökonomische Denken nur wenig verinnerlicht hatten, träumten sie von Modellen einer sicheren Prognose. Sie entwickelten Ideen, die Zukunft berechnen zu können wie der Astronom die Umlaufbahnen der Planeten, die kosmischen Konstellationen oder Kollisionen. In dem Planungsgeschehen in unserem eigenen Hause, wo ich zuletzt an einem Termin teilgenommen hatte, wurden Formulierungen laut, die der philosophischen Gedankenwelt des 18. Jahrhunderts nahe kamen. „Planung mit dem Feldstecher“, wendete ein Kollege ein, dem die Planung des in Minuten umgerechneten Arbeitsvolumens in einem Bereich des technischen Services zu oberflächlich, zu grob und zu ungenau erschien. Es sähe so aus, als hätte man einen Feldstecher genommen und diesen als Planungsinstrument verwendet. Die Umlaufbahnen von Sternen und anderen Himmelskörpern lassen grüßen. Prognosemodelle zu entwickeln, die feingliedriger und somit genauer sind, kosten Zeitaufwand und die Gesamtheit der Beteiligten muss auch mitmachen. Wir glauben, diesen Konsens erreicht zu haben. Hält sich aber niemand an den Konsens, dann fallen wir unter Umständen in die philosophische Zeitrechnung des 18. Jahrhunderts zurück.

22. November 2018

City Skyliner – so nennt sich der höchste mobile Aussichtsturm der Welt. 81 Meter Höhe misst der rekordverdächtige Turm, der in schwindelerregender Höhe einen genialen Überblick über die Stadt bieten wird. Es sieht so aus, dass der Turm auf seinen sechs Auslegern fest und sicher steht. Die Absperrgitter stehen, nur noch ein kleiner Rest von Aufbauarbeiten wird heute zu schaffen sein. Der Weihnachtsmarkt kann kommen, die Gondel wird ihre Besucher in himmelstrebende Höhen befördern. Morgen wird der Weihnachtsmarkt offiziell eröffnet.

23. November 2018

Bei der Fahrt mit der U-Bahn durch Duisburg glaubte ich zu spüren, dass das Menschengemisch anders geartet war als bei uns zu Hause. Wenige Deutsche, aufgrund von Hautfarbe und Aussehen glaubte ich einen hohen Ausländeranteil identifizieren zu können. Vorab möchte ich mich gegen Vorurteile wehren: ich sehe das wertneutral, ob Ausländer oder Deutscher, und Ausländer sind in unserem Land genauso willkommen wie Deutsche. Auf der Rückfahrt vom Landschaftspark Nord war die oberirdisch fahrende Straßenbahn vollgestopft. Das Duisburger Vielvölkergemisch quetschte sich zusammen, und ich spürte, dass die Arbeiterschicht sich gewandelt hatte. Waren es früher noch Gastarbeiter aus Südeuropa, Türken oder Osteuropäer so scharten sich nun in der aus Dinslaken kommenden Bahn unstete Gesichter zusammen, oftmals dunkle Hautfarbe, manchmal pechschwarze Haare, krautige Bärte wucherten in hagere Männergesichter hinein. Wortbrocken wie „Russkij“ trugen eine osteuropäische Handschrift. In den dunklen, in sich zusammen gefallenen Gesichtern mit harten und borstigen Bartstoppeln vermutete ich Afghanen oder Pakistani. Andererseits fielen mir weniger Frauen mit Kopftuch auf, gänzlich vermisste ich vollverschleierte islamische Frauen mit Niqab oder Tschador, bei denen ich die Grenzen der religiösen Tradition als überschritten betrachtete.. Es waren auch ausgeflippte Gesichtstypen dabei, wie etwa ein junger Bursche, Mitte zwanzig. Er trug einen üppigen Vollbart, sein Schädel war kahl rasiert, mit Ausnahme einer wild wuchernden Locke oben auf seinem Kopf, die er zu einem Zopf zusammen gebunden hatte. Unfassbar war an dieser verqueren Frisur, dass sie Frauen anscheinend anzog, denn er war in Begleitung mit seiner Freundin in der Bahn unterwegs. In dem veralteten Straßenbahnwaggon, der in Köln oder Bonn längs aus dem Verkehr gezogen worden wäre, waren die ausdruckslosen Gesichter bedrückend. Ob die Bahn zum Hauptbahnhof führe, erkundigte sich eine zugestiegene Frau, deren Aussehen ich vielleicht nach Thailand eingeordnet hätte. Noch vier Stationen, informierte der Mittfünfziger mit dem kugelrunden Gesicht und dem hellbraunen Vollbart, den ich nicht unter das Ausländergemisch eingeordnet hätte. Dort, wo alle aussteigen, fügte er hinzu. Doch dies stimmte nicht ganz. Ich beabsichtigte, zwei Stationen weiter zu fahren. Zur Großen Gasse.

24. November 2018

Die Sofortaktion startete durch, als es kurz nach 18 Uhr war. Ihre letzte Mathe-Arbeit musste unsere Tochter berichtigen, und in unserer Essecke erklärten wir ihr die zu korrigierenden Aufgaben. Es ging um Kommarechnung, wobei die Zahlenkolonnen mit all den Kommastellen lang und länger wurden. Wieso sie die Aufgaben nicht mit dem Füllfederhalter rechnen würde, sondern mit dem kombinierten Schreib-Lösch-Filz-Stift, diese Frage stellten wir ihr nebenbei. Ihre Füllerpatronen seien leer, antwortete sie, und dies sei uns auch bekannt. Ja, in diesem Augenblick dämmerte es in meinem Gehirn. Ich hatte versprochen, neue Patronen bei Kaufhof zu besorgen, denn die Patronen gab es nur bei Kaufhof und nicht im Supermarkt um die Ecke. Noch vor zwei Tagen hatte mich meine Frau daran erinnert, ich solle bei Kaufhof einen Geschenkgutschein besorgen und gleichzeitig an die Füllerpatronen denken. An den Gutschein hatte ich gedacht, aber nicht an die Patronen. Die Situation war prekär, dass unsere Tochter rund einen Monat lang ihren Füllfederhalter nicht benutzen konnte. Die beiden Frauen wurden nachdrücklich, dass wir keinen Druck zur Korrektur der Mathe-Arbeit erzeugen könnten, wenn ich schusselig beim Kauf der Patronen sei. Es gab keinen Ausweg, gegen 18.15 Uhr musste ich los und hoffen, dass der Bonner Kaufhof um diese samstägliche Uhrzeit noch geöffnet hatte und die Spezialmarke der Patronen vorrätig hatte. Der erstere Punkt war unkritisch, beim zweiten stand mir das Glück beiseite: nur noch eine einzige Packung Patronen schlummerte im Drehregal. Die Sofortaktion hakte ich schnell ab, indem ich so schnell aus der Stadt heraus fuhr wie ich hinein geraten war.

25. November 2018

Totensonntag ? In der Sonntagsmesse mussten wir uns eines besseren belehren lassen, als wir die sonntägliche Messe besuchten. Kein Gedenken an die Toten, sondern Königreich und Königsherrschaft, denn der Totensonntag war gleichzeitig das Christkönigsfest. Dies war uns – wie so vielen anderen Kirchgängern – vollkommen unbekannt. In der Predigt klärt uns unser Pastor auf. Das in der Kirchengeschichte noch sehr junge Christkönigsfest hatte eine politische Dimension. 1870, bei der Staatsgründung Italiens, musste Rom und der Kirchenstaat an Italien abgetreten werden, dabei wurde der Papst Pius IX. unter Hausarrest gestellt. Nach Ende des Ersten Weltkrieges, als große Teile Europas zerstört am Boden lagen, sah das Papsttum die Zeiten einer Rehabilitation. Das deutsche Kaisertum hatte abgedankt, die österreichisch-ungarische Doppelmonarchie war zerschlagen worden, der russische Zar war mitsamt seiner Familie ermordet worden. So führte Papst Pius XI. 1925 das Christkönigsfest ein, um die Königswürde des Erlösers Jesus Christus hervor zu heben. Das Christentum als Wegbereiter eines Gottesstaates ? Die Königswürde war in dem Toleranzedikt des römischen Kaisers Konstantin aus dem Jahr 325 festgeschrieben worden. Gleichzeitig wurden die Worte „cuius egni non erit finis“ in das christliche Glaubensbekenntnis aufgenommen. Der Papst hatte die Zeichen der Zeit in den 1920er Jahren erkannt, dass die politische Lage labil war. Faschistische Bewegungen hatten in ganz Europa Fuß gefaßt, Ein Herrscher des Christentums sollte den Gegenpol bilden zu den staatlichen Macht- und Herrschaftsstrukturen. Wie sehr der Papst die Zeiten voraus geahnt hatte. Während des Nationalsozialismus wurde das Christkönigsfest zum Tag des Widerstandes gegen den Führerkult, als christliche Katholiken mit eigenen Fahnen und Uniformen durch die Städte zogen. Ab 1935 schafften die Nationalsozialisten das Christkönigsfest ab und erklärten diesen Tag zum Dreifaltigkeitssonntag.

26. November 2018

Gerhard von Are – eine der bedeutendsten Persönlichkeiten in der Geschichte der Stadt Bonn. Die Säule mit seinem eingravierten Namenszug erinnert an der Begründer des Cassius-Stiftes, der ganz woanders im Rheinland geboren wurde, nämlich im Ahrtal. Dem Grafengeschlecht von Are entstammend, das seit 1100 als „comes de Are“ in Urkunden erwähnt wird, wird Gerhard von Are auf der Burg Altenahr geboren, von der heutzutage nur noch eine Ruine übrig geblieben ist. Seinem Vater Dietrich, der Einflüsse in höchste Kreise zum Kölner Erzbischof hatte, gelang es, ihm im Jahr 1124 das Amt eines Propstes des neu gegründeten Bonner Cassius-Stifts zu verschaffen. Auch er profitierte von den Beziehungen zum Kölner Erzbischof. So gelang ihm der große Wurf, die angeblichen römischen Sarkophage der sogenannten Thebäischen Legion, die als Märtyrergrab galten, Mitte des 12. Jahrhunderts in den Vorgängerbau der heutigen Münsterkirche zu holen. Bei dem bereits ab dem 7. Jahrhundert statt findenden Heiligenkult handelte sich um die von den Römern ermordeten Christen Cassius und Florentius. Dem Heiligenkult folgten rege Bauaktivitäten. Gerhard von Are veranlasste, dass in seiner Zeit von 1124 bis 1169 der Vorgängerbau der heutigen Münsterkirche, eine dreischiffige, flach gedeckte Basilika mit einem Querschiff und einem langgestreckten Chor, erweitert wurde. Der Langchor wurde nach Osten ausgebaut, die beiden, dem Vierungsturm vorgelagerten Türme und die halbrunde Apsis verleihen der Münsterkirche ihre heutige Gestalt.

27. November 2018

Was für eine wahre Redensart. „Science is thinking without barrieres“, so hat es die Universität Bonn mit dem Blick auf den Bauzaun, der die Baustelle zur Tiefgarage umgibt, beschrieben. Eine wahre Redensart zum 200-jährigen Jubiläum der Universität, die sich, wie so manche andere Universität, als unabhängigen Ort des Denkens begriffen hat und begreift. Die Fesseln des Denkens fielen während der Aufklärung, als die Schranken der Religion und dem notwendigen Ursprung aller Dinge in Gott, der in alle Sinnzusammenhänge eingebunden werden musste, sich auflösten. Bestärkt wurde diese Auflösung durch Isaac Newton, dessen Denken sich an den Gesetzmäßigkeiten der Naturwissenschaften ausrichtete. Ein ganzes Bündel von Naturwissenschaften entstand und dieses Bündel wurde an den Universitäten gelehrt. Forschung wurde betrieben, die häufig den Übergang in neue industrielle Produktionsabläufe ermöglichte. Geforscht wurde in allen Disziplinen der Naturwissenschaften, Erfindungen schufen technische Quantensprünge, technische Revolutionen waren nur in einem Denkraum ohne Barrieren realisierbar. „Science is thinking without barrieres“, auch wir müssen uns aus den eingefahrenen Bahnen des Denkens heraus bewegen, die Dinge von einem höheren Standpunkt betrachten. Wir dürfen uns nicht leiten lassen von einem Mainstream von Meinungen, der genauso richtig wie falsch sein kann. Der Kölner Musiker Wolfgang Niedecken hatte es so formuliert, dass er es als schlimm empfunden hätte, wie einfach Menschen manipulierbar sind. „Der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit“, so hatte es der deutsche Aufklärer Immanuel Kant im 18. Jahrhundert auf den Punkt gebracht.

28. November 2018

The German Angst – wenn andere Nationen auf Deutsche blicken, dann sehen sie gerne das Erscheinungsbild, dass der Deutsche vorschnell zurückschreckt und an Angststörungen leidet. Diffus gelangen Ängste in das Unterbewusstsein, wo sie häufig unterdrückt und selten verarbeitet werden. Welche Ängste wie in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gelangen, damit befasst sich die Ausstellung „Angst – eine deutsche Gefühlslage ?“ im Haus der Geschichte. Auf die vier Angst-Themen „Angst vor Zuwanderung“, „Angst vor Atomkrieg“, „Angst vor Umweltzerstörung“ und „Angst vor Überwachung“ focussiert sich die Ausstellung, die diese Kernthemen mit reichlich Exponaten hinterlegt. Welche Emotionen kochen in der Bevölkerung hoch, wie sieht die politische Diskussion aus, wie formieren sich Protest und Widerstand, dies bereitet die Ausstellung auf. Bedrohliche Szenarien, die ihre Berechtigung haben, nehmen Einfluss auf die Gemütslage der Deutschen. Beeindruckend war eine Verbindung der Rheinromantik mit dem Waldsterben. Der Hintergrund auf der Stellwand lichtete das Foto des Katzenkopfs im Schwarzwald ab: kahle Bäume als Symbol für den sterbenden Wald, worüber der Stern 1984 eine Reportage geschrieben hatte. Im Vordergrund das Ölgemälde, das der Bonner Maler Christian Rohe vor rund 150 Jahren gemalt hatte. Wie schön er doch sein kann: der sich windende Flusslauf des Rheins mit dem Siebengebirge auf der linken Rheinseite, eingehüllt in warme, lebensspendende Grüntöne.

29. November 2018

Heute Termin: Tierklinik Fixheide in Leverkusen. Anfahrt im Berufsverkehr, viel Stau, dadurch eine längere Anfahrtszeit. Armer Oskar. Autofahren ist gar nicht sein Ding. Stress. Endlich sind wir da, großes Wartezimmer. Anmeldeformular ausfüllen. Üblicher Papierkrieg. Hund oder Katze auch hier in der Tierklinik, möchten die vierbeinigen Patienten nicht in das Behandlungszimmer. Der Patient „Hund“, ...der vor uns an der Reihe war, strebte die entgegengesetzte Richtung an. Die Dame vom Empfang schickte „Herrchen“ vor, zum Behandlungszimmer. Siehe da: Hund folgt Herrchen brav, in das Behandlungszimmer. Dann sind wir an der Reihe. In Stichpunkten / kurz Oskars Geschichte erzählt. Der Arzt schaut sich Oskars Röntgenbilder an. Da macht man besser nichts, oder: man sollte es so lassen. Man könnte operieren. Ob er dann besser laufen kann? Keine Garantie. Hier zu Hause sieht das Laufen nicht schlimm aus, nur wenn er etwas schneller laufen möchte. Wenn Oskar mit den anderen die Treppe rauf, mithalten möchte, dann versagt das Bein seinen Dienst. Etwas ratlos bin ich/wir schon.

30. November 2018

The Dome, eine Veranstaltung in der König-Pilsener-Arena in Oberhausen, die bereits im Vorfeld hohe Wellen geschlagen hatte. Bei den schulischen Leistungen unserer Tochter gab es Luft nach oben, ihr Zimmer war nicht aufgeräumt. Versprechen, dass es besser laufen würde. Holprig war die verspätete Ankunft in Oberhausen mit jede Menge Stau und Herum-Sucherei in und um Essen herum ohne Navi. Hat sich aber dennoch gelohnt, fand ich. Sechs Jahre lang hatte die Musiksendung pausiert, und von dem Querschnitt an angesagter Musik waren wir insgesamt begeistert. Der Moderator Giovanni Zarella, den die Zwillinge Lisa und Lena begleiteten, präsentierte bei ungefähr jeder Ansage „The Dome“ als eine der größten Musik-Kultsendungen aller Zeiten. Der Mix war nicht schlecht, die schwächeren Nummern waren weit in der Unterzahl, und nachdem ich die ersten Stücke nicht beklatscht und applaudiert hatte, ließ ich mich von den Beifallsstürmen allgemein mitreißen. Namika und Rea Garvey, die ich kannte, gefielen mir ohnehin sehr, dazu lieferte die ESC-Gewinnerin Lena ihr Comeback. Es waren aber auch unbekannte Interpreten dabei, deren Musik mir neu war, und bekannte Interpreten, deren Musik ich nicht auf Namen und Personen zugeordnet bekam. Eine Lina, die als Schauspielerin mal in einem Bibi Blocksberg-Film mitgespielt hatte, sang „Hype“. Spanisch wurde es mit Alvaro Soler, der „la cintura“ sang. Die Mädchen-Gruppe Little Mix gefiel mir mit ihrem Reggae-Song, gegen Schluß verzauberten mich die Elektronik-Klänge von Frank Zimmer, der Stücke wie „you take me higher“ elektronisch zusammen mixte, untermalt mit Gesang und sogar einer Trompete, die die Klänge dann wiederum überaus natürlich erscheinen ließen. Als sich nach Namikas Stück „Lieblingsmensch“ alle Interpreten zum Finale auf der Bühne versammelten, neigte sich die Veranstaltung ihrem Ende entgegen. Bei der Rückfahrt mussten wir abermals Geduld aufbringen, bis sich alle Fahrzeuge eingefädelt hatten und wir das Parkhaus am Einkaufszentrum Centro verlassen konnten. Ein letztes Mal staute es sich auf der Ausfallstraße, die zur Autobahn A42 führte. Mitten in der Nacht, gegen halb 12, machten wir einen Zwischenstopp bei Mc Donalds in Troisdorf-Spich. Wir hatten Hunger bekommen, und der Rest unserer Familie teilte uns per SMS ihre Bestellung mit.

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