auf dem Weihnachtsmarkt

Im Grunde genommen, war das Vorhaben wenig Aufsehen erregend. Am ersten Adventswochenende einmal über den Weihnachtsmarkt in unserem Nachbarort laufen, am Stand des Fördervereins der Behinderten einen Glühwein trinken, bei mir sollte es eine Tasse Kaffee sein. Die Wünsche des Schwagers ließen sich mit Kleinigkeiten zufrieden stellen. Aus den vier Wänden heraus, sich Zeit nehmen, ein Stückchen Abwechslung bieten und am Stand des Fördervereins der Behinderten bekannte Gesichter wiedersehen. So trotteten wir, nachdem wir auf dem Parkplatz am Rhein geparkt hatten, zum Weihnachtsmarkt. Wie die Zeiten sich zur Vorweihnachtszeit verschoben hatten, kam mir so unwirklich vor, und irgendwie sträubte sich mein Inneres gegen all die Begleiterscheinungen von Weihnachtsmännern, Nikoläusen, Tannengrün und Weihnachtsdeko auf Straßen, Plätzen und in den Schaufenstern. Alljährlich tat ich mich schwer, mich auf die Taktung der vier Adventswochenenden einzustellen. Auf die Taktung, dass Lichterketten die Dunkelheit ausschmückten, dass Weihnachtsbäume öffentliche Plätze überragten, dass man Freude am Verschenken verspürte und dass es eine Deadline gab, bis wann die Geschenke unter dem Weihnachtsbaum parat sein mussten. Kurz vor der Ecke des Platzes, wo sich eine übersichtliche Anzahl von Ständen zusammenscharte, freute sich das Dessous-Bekleidungsgeschäft Vollmer über regen Besuch und lockte mit Rabattaktionen. Entsprechend der Größe des Weihnachtsmarktes, war unser Rundgang kurz. Vieles war handgemacht und in abendlichen Aktionen und am Wochenende in handwerklicher Kleinarbeit entstanden: Holzarbeiten, Wollmützen und selbst gestrickte Schals, selbst genähte Einkaufstaschen, Honig und Marmelade, Adventskränze, Kerzen. Wir schritten vorbei an einem Stand mit Likör aus der Eifel, an einem Kinderkarussell für die Kleinen, und an der Bierbude, wo das größte Gewühl von Menschen sich versammelte.

auf dem Weihnachtsmarkt im Nachbarort

Als wir den Stand des Fördervereins der Behinderten erreichten, erblickte ich Gesichter hinter der Bedientheke, die mir nur wenig bekannt vorkamen. Zwei Bewohner des Behindertenwohnheims, davon einer im Rollstuhl, der beim Geburtstag des Schwagers anwesend war, grüßten freundlich, dazu die Schwester der einen Bewohnerin hinter der Bedientheke. Mit Glühwein und Kaffee begaben wir uns an den Stehtisch, wo die Zeiten so ungewöhnlich geworden waren, dass ich nach den Monaten der Trockenheit das Bündel von Regentropfen genoss, die eine erträgliche Nässe von oben brachten. Wir rochen den Duft von frischem Waffelteig, und von den Gesichtern, die vorbei schritten, erkannte ich nur wenige oberflächlich. Teilnahmslos, hätte ich stundenlang diese Gesichter beobachten können, von denen viele den Weihnachtsmarkt als einen Treffpunkt betrachteten, um sich auszutauschen und ein paar Worte zu wechseln. Wir schauten hinüber zum Stand der Messdiener und zum Zelt der Dorfgemeinschaft, das mit all seinem Tannengrün vor dem Zelteingang wie verbarrikadiert aussah. Nachdem wir Glühwein und Kaffee ausgetrunken hatten, schritten wir mit dem Menschenstrom an der Imbissbude vorbei, wo ich dann doch bekannte Gesichter erspähte. Es war eine Klassenkameradin samt Mutter und Vater, die beide gerade eine Stange Kölsch in der Hand hielten. Ich winkte ihnen zu, und unsere Schritte ließen uns treiben über den Weihnachtsmarkt. An manchen Stellen scharten sich Gruppen zusammen, Kinderwagen fuhren im Slalom vorbei, an anderen Stellen floss der Menschenstrom geordnet in Reih und Glied hintereinander. Weil ich keine Lust hatte, den Weihnachtsmarkt so schnell wieder zu verlassen, wie wir gekommen waren, lauschten wir. Eine Musikgruppe von Blasmusikern gab ihre Weihnachtslieder zum besten. Gemeinsam mit anderen Zuhörern, umstanden wir die Gruppe. Wenn es denn meinem Inneren schwer fiel, sich mit der Weihnachtszeit abzufinden, wieso sollte dieser Zugang nicht über Weihnachtslieder gelingen ? Der Stand im Hintergrund verkaufte Brüsseler Waffeln, und als sich die Regentropfen zu Bindfäden verdichteten, flüchteten wir an das Rheinufer in unser Auto.

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