Tagebuch Oktober 2018

1. Oktober 2018

Es waren knisternde Momente, auf dem Weg von Bonn nach Koblenz, als der Regionalexpress auf Abschnitten fuhr, wo die Bahnlinie direkt auf das Rheinpanorama schaute. Bereits am Hauptbahnhof wählte ich den Sitzplatz so, dass ich auf der zum Rhein zugewandten Seite saß, also in der Fahrtrichtung links. Hinter Bonn-Mehlem begannen diese knisternden Momente, dass der breite Strom zu Füßen lag, der so manchen Dichter der Romantik inspiriert hatte. Während diffuse Häuseransammlungen von Bonn-Mehlem den Drachenfels noch verdeckten, über den Lord Byron einst in seinem Standardwerk „Child Harold’s Pilgrimage“ Gedichte verfasste, zog mich die Schleife des Rheins, die sich hinter Oberwinter öffnete und bei Remagen endete, in den Bann. Große Dichter und Denker hatten über den Rhein geschrieben: „Ich freute mich, den herrlichen Rhein wiederzusehen, und ergötzte mich an der Überraschung derer, die dieses Schauspiel noch nicht genossen hatten“, das vermerkte Goethe über seine 1774er Rheinreise im 14. Buch von „Dichtung und Wahrheit“. Und Georg Forster erging sich in seinem 1790er Reisebericht „Ansichten vom Niederrhein“ in geologischen Mutmaßungen über die Entstehung des Mittelrheintals, in Beobachtungen zur Armut der Talbewohner. Er fand vieles imposant und kam zu dem Resümee: „Einige Stellen sind wild genug, um eine finstre Phantasie mit Orkusbildern zu nähren, und selbst die Lage der Städtchen, die eingeengt sind zwischen den senkrechten Wänden des Schiefergebirges und dem Bette des furchtbaren Flusses [...] ist melancholisch und schauderhaft.“ An diesem Tag, der mit reichlich Sonne begonnen hatte, kam die Wendung in der fünf Kilometer langen Schleife auf eine unerwartete Art und Weise. Still, ganz still lief der Rhein wie ein Film vor meinen Augen ab, in der Reichweite der Vergangenheit von Dichtern und Denkern, welche in der Person von Ferdinand Freiligrath ihr Domizil in Unkel auf gegenüberliegenden Rheinseite bewohnt hatten. Bald verwischte sich der freundliche weiße Anstrich des einstigen Wohnhauses, das glatte Wellenspiel auf der Wasseroberfläche verschwamm. Zuerst waren es einzelne Dunstschwaden, die auf dem Rhein hin- und hertanzten. Doch dann verschwand Unkel hinter einer Wand aus Dunst und Wassertröpfchen, Schwaden, die mit einem Mal über das Ufer krochen. Nur die Sonne hielt stand, strahlte in das glitzernde Wellenspiel hinein über den Dunst hinweg. Blass dümpelte der Fluss vor sich her, während die Sonne sich erhob, Lastkähne wurden verschluckt von der wabernden, undurchsichtigen Masse. Pappelreihen vereinzelten sich am Uferrand. Die Nebelstimmung elektrisierte. Die Oberleitung der Bahnlinie spannte ihr hängendes Gestänge hoch hinaus, die Sonne stach hinein in den Oberleitungsmast, und hinter der Bundesstraße kroch der Berghang vorsichtig hinauf. Schienen und Schwellen hatten freie Bahn, der Regionalexpress stocherte in vermeintliche Nebellöcher hinein. In Remagen war das Spektakel dann vorbei. Mit dem Rhein war auch der Nebel entschwunden. Die scharf gezeichnete Eisenkonstruktion überdachte das Bahngleis mit dem dahinter liegenden Bahnhof, wo der Regionalexpress hielt.

2. Oktober 2018

Koblenz in einem Foto zusammen fassen ? Drei Stunden Koblenz hatte ich im Schnelldurchlauf erlebt, und ich staunte nicht schlecht, wie zahlreich die Sehenswürdigkeiten waren und wie viele schöne Ecken es gab. Das historische Koblenz hatte sich auf den Überresten der römischen Stadt „confluentium“ entwickelt, wo die engen Gassen das Gefüge der mittelalterlichen Stadt am Leben gehalten hatten. Hübsch heraus geputzte Erker, stolze Kirchen, ein fränkischer Königshof und gemütliche Plätze, die wie die übrige Altstadt mit einem Wahnsinnsaufwand nach den Kriegszerstörungen des Zweiten Weltkriegs wieder hergestellt worden waren, durfte ich bestaunen. Um Koblenz in einem Foto zusammen zu fassen, wählte ich keines aus der so hübschen Altstadt, sondern ich entschied mich für den touristisch angehauchten Blickwinkel. Die Kombination moderner Seilbahntechnik mit preußischen Festungsanlagen. Im Jahr 2011 hatten wir die Bundesgartenschau auf der Festung Ehrenbreitstein besucht, wohin uns die Seilbahn transportiert hatte. Größe und Umfang der Festung waren ein wahres Bollwerk, angelegt mit Blumen in verspielten und großspurigen Dimensionen. Ein Erlebnis, welches sich in der Seilbahn und der Festung zusammen fassen läßt.

3. Oktober 2018

Dem Dahinscheiden folgt das Auf- und Ausräumen. Vieles Persönliche ist dabei, jede Menge Papiere, darunter wichtiges, sehr wichtiges und unwichtiges. Das Sichten und Sortieren kostet Zeit. Aktenordner haben wir besorgt, um uns einen Überblick über den bürokratischen Teil zu verschaffen. Nun, da die Leere in dem Haus herrscht, verstärken die Stapel von Papiere die Eindrücke einer Kälte, die nach dem Verlust eines geliebten Menschen nicht weichen mag. Eine Kälte, die uns ebenso physisch durch dringt, da wir die Heizung nur mühsam in Gang gesetzt bekommen. Sperrmüll haben wir angemeldet. Einiges muss raus, dass verschlissen ist, kaputt oder unbrauchbar worden. Teile der Eckbank, durch gescheuerte Läufer oder alte Matratzen stapeln sich nun an der Straße.

4. Oktober 2018

Die Lochis live im Kölner E-Werk. Obschon ich nur bruchstückhaft die Lieder der Lochis kannte, vermochte mich das Konzert zu begeistern. Die Stücke boten eine nette Abwechslung zwischen eingängigen Melodien und Texten, bei denen sich die Lochis etwas gedacht hatten. Bei ihrem Stück „Lava“ brodelte es unter der Bühne. Während Flammen und Rauch in die Höhe stießen, bebte der Refrain „dieser Beat ist ein Monster“. In dem Stück „wie ich“ befassten sie sich mit ihren Identitäten in ihrem Zwillings-Dasein. Die Lochis konnten sich auch gehen lassen und waren faul. Ihr Stück „Lazy“ drückte genau meine eigenen Stimmungen aus, wenn ich Lust auf gar nichts hatte und mich dem Nichtstun hingeben wollte. Das Stück „Heimat“ wirkte etwas zu schnulzig, indem sie ihr Heimatgefühl zwischen ihren Wurzeln in Hessen und dem Rest der Welt definierten. Dennoch: mein eigener Musikgeschmack lag vom Prinzip her nicht so weit weg von den Lochis, früher oder später sang ich die Melodien mit, früher oder später klatschte ich mit. Die Lochis, ein schönes gemeinsames Erlebnis mit unserer Tochter im Kölner E-Werk.

5. Oktober 2018

Was dies die letzte Tour in diesem Jahr ? Der heutige Tag passte bestens, warmes, sonniges Oktoberwetter. Nächste Woche würde es mit den dienstlichen Terminen nicht passen, darauf die Woche war eine Woche Urlaub eingeplant, und dann darauf die Woche, Ende Oktober, würden Temperaturen und Wetter unsicher sein, ob zu dieser Jahreszeit noch eine Tour drin sein könnte. Ich entschied mich für die Ahrtal-Tour über Bad Neuenahr, Ahrweiler, Dernau über Grafschaft und Meckenheim nach Hause zurück. Die Tour war super, weil das Ahrtal mit seinen steilen und zerklüfteten Weinbergen stets ein phänomenales Erlebnis sind. Es war auch viel los im Ahrtal, so war auf dem Ahrweiler Marktplatz nur mit Mühe ein Platz zu bekommen. Dieses Foto mit dem Rennrad, die Weinberge hinunter auf Dernau in das tief eingeschnittene Ahrtal hinein habe ich in früheren Jahren bereits mehrfach gepostet. Es ist dieser wilde Schlussakkord, welcher den Überblick über die ganzheitliche Tallandschaft der Ahr verschafft. Ein letztes Hinunterschauen, bevor der anstrengende Anstieg aus dem Ahrtal vorbei ist und die Topografie in die seichte Abfahrt durch die Felder der Grafschaft wechselt.

6. Oktober 2018

Unser Kater Oskar macht uns Sorgen. Er frißt nämlich viel zu wenig. Unsere beiden Kater sind da höchst gegensätzlich. Während unser anderer Kater Rambo viel und überreichlich frißt, ist der Appetit bei Oskar weniger ausgeprägt. Noch vor einer Woche war meine Frau mit ihm bei der Tierärztin. Er hatte abgenommen, sein Körper war schmal, und die Stellungnahme der Tierärztin, man müsse sein Essverhalten beobachten, reichte uns nicht. Also sind wir heute nochmals zur Tierärztin gefahren, wir hatten einen Verdacht. Die Tierärztin überraschte uns zunächst mit der Erkenntnis, dass Oskar seit dem letzten Tierarztbesuch vor 14 Tagen ein halbes Kilo zugenommen habe. Auf die Frage, ob Oskar als Freigänger draußen fressen würde, wussten wir keine Antwort. Wir lamentierten, dass Oskar mittlerweile kein Nassfutter mehr fressen würde, egal welche Marke oder Edelmarke. Nur noch Trockenfutter, und selbst dies schien er mehr roh herunter zu schlucken als zu zerkauen. Ein Messfehler, spekulierten wir, denn wir konnten effektiv nicht glauben, dass Oskar solch einen Sprung von 3,6 Kilogramm auf 4,1 Kilogramm seitdem gemacht hatte. Dann der Blick in den Mund: ja, an einem Zahn quoll Blut heraus, außerdem sei er vereitert, das meinte die Tierärztin. Das sei nicht anders als bei Menschen: zum einen verursache dies höllische Zahnschmerzen, zum anderen müsse der Eiter als Krankheitsherd weg. Unser armer Kater Oskar beim ein Schmerzmittel gegen die Zahnschmerzen gespritzt, dasselbe Schmerzmittel gab uns die Tierärztin für zu Hause mit. Abends fraß Oskar zu Hause das Nassfutter von „Wildes Land“ sogleich besser. Am Montag sollten wir wiederkommen, um den Zustand des blutenden und vereiterten Zahns in Augenschein zu nehmen. Notfalls – das sei nicht anders als bei Menschen – müsse der Zahn gezogen werden.

7. Oktober 2018

Die Mittagszeit musste ich zeitlich straff organisieren, da einerseits meine Frau arbeiten war und ich andererseits den Schwager und eine Mitbewohnerin aus dem Behindertenwohnheim nach Bergisch Gladbach fahren musste. Beide nahmen im Kardinal-Schulte-Haus im Stadtteil Bensberg an einem Seminar teil, das speziell für Behinderte konzipiert war. Um zu dem wuchtigen und klotzigen Bau zu gelangen, welcher dem Erzbistum Köln gehörte, war zunächst das Anfahren am Berg notwendig. Einen Parkschein musste ich ziehen und eine Schranke durchfahren, die auf einer steilen Anhöhe lag. Das Gelände des Kardinal-Schulte-Hauses war großzügig angelegt. Einem Park ähnelnd, war der umliegende Baumbestand dicht, während ein Rasen vor der breiten Gebäudefront lag. Zum Parkplatz mussten wir nach rechts abbiegen unter eine Unterführung, und auf einem knappen Fußweg schleppten wir den Trolley, das Gepäck und die Rucksäcke mit. Am Empfang, wo viel Getümmel herrschte, fanden wir auf Anhieb die Empfangsdame, die uns die Zimmerschlüssel aushändigte. Um 15 Uhr würden alle in der Halle neben dem Eingang begrüßt, erklärte sie uns, dann gäbe es auch Kaffee und Kuchen für alle. Indes inspizierten wir die Zimmer, mein Schwager und seine Mitbewohnerin breiteten ihr Gepäck und ihre Sachen in ihren Einzelzimmern aus. Obschon die Zimmer sauber und nett hergerichtet vorkommen, spürte ich eine innere Kälte, die von der Organisation der Kirche ausging, während ich es als eine Hauptangelegenheit betrachtete, dass die beiden sich wohlfühlen sollten. Das Gebetbuch auf dem Nachttisch, suchte ich mich zu erinnern, wer Thomas Morus war. Unten neben dem Empfang hatte ich ein Hinweisschild auf eine Thomas Morus-Akademie gelesen, der meines Wissens ermordet wurde, weil er ketzerische Lehren verbreitet hatte. Hatte sich die Kirche mit seinem Namen mit dem Deckmantel der Aufklärung geziert ? Zum Empfang zurück gekehrt, suchten wir unser Anliegen zu lösen, dass dem Schwager dreimal täglich Augentropfen zu verabreichen waren. Es folgte eine gewisse Diskussion, dass eigentlich keine pflegerischen Leistungen erbracht würden. Dass viele Behinderte mit ihren Betreuern anwesend wären, die sich dann um solche Belange kümmern würden. Mein Schwager war allerdings allein – ohne Betreuer. Schließlich fanden wir dann eine im Kardinal-Schulte-Haus tätige Mitarbeiterin, die Krankenschwester gelernt hatte. Sie erklärte sich zur Verabreichung der Augentropfen bereit. In der Gewißheit, die wichtigen Dinge geklärt zu haben und dass ich die beiden sich selbst mit den anderen Seminarteilnehmern überlassen konnte, trat ich meine Heimfahrt an und begab mich auf der Landstraße zur Autobahnauffahrt Moitzfeld. Bevor ich auf die Landstraße abbog, konnte ich rechterhand einen flüchtigen Blick werfen auf das Prachtschloss der Herzöge von Berg: das im Jahr 1771 als Jagdschloss erbaute Schloss Bensberg.

8. Oktober 2018

Nichts bleibt wie es ist, kein Stein bleibt auf dem anderen stehen. Manche Branchen und Arbeitsplätze unterliegen einem Zwang, sich verändern zu müssen. So kann es nicht weiter gehen, dass denkt vor allem die Möbelbranche. Der Trend geht zu immer größeren Möbelhäusern, bei denen das Angebot sehr breit gefächert ist und der Möbeleinkauf mit vielfältigen häuslichen Einrichtungsgegenständen kombiniert wird. Diese neuen Dimensionen von Möbelhäusern beanspruchen Fläche, und in diesen neuen Dimensionen stellen sich die Player in der Möbelbranche dementsprechend auf. Was unsere Lieblings-Möbelhäuser betrifft, haben wir unsere Einkaufsvorlieben umstellen müssen. Möbel Hausmann, in unserem Ort, ist vor geraumer Zeit nach Köln-Porz-Gremberghoven umgezogen. Bei Möbel Porta in Köln-Porz-Lind und bei Müllerland in Hennef hatten wir uns zwischenzeitlich umgeschaut. Kleinteile wie einen Bürodrehstuhl hatten wir dort gekauft. Indes ist der Konzentrationsprozess in der Möbelbranche in vollem Gange. Die neuen Möbelgiganten wie Segmüller haben in Pulheim bei Köln ihren ausufernden Komplex auf die grüne Wiese, direkt neben der Bahnlinie von Köln nach Mönchengladbach, gepflanzt. Eine anderer neuer Möbelgigant, XXXL, scheint sich hierzulande vieles zusammen zu kaufen, was zu haben ist. Das Logo „XXXL“ war uns früher in Karlsruhe und in Freiburg entlang der Autobahn A5 auf der Fahrt zu unserer Tochter aufgefallen. Die XXXL-Gruppe, die sich auf ihrer Internetseite selbst als größter Möbelhändler der Welt bezeichnen, haben nun das Möbelhaus Müllerland in Hennef übernommen, das sich ursprünglich vom Westerwald aus ausgedehnt hatte. Eine feindliche Überrnahme ? In einem Bericht des General-Anzeigers beteuern die Firmeninhaber von XXXLutz, dass für die Mitarbeiter alles gut sei. Alle würden übernommen, niemand entlassen, die Bezahlung bleibe gleich, nur die Möbelauswahl und das Angebot würde geringfügig angepasst.

9. Oktober 2018

Weil wir einmal dort zu tun hatten, erledigten wir zwei Dinge gleichzeitig beim Amtsgericht. Noch nie hatte ich irgend etwas Gerichtliches zu tun gehabt, und heute war diese Gelegenheit gekommen. Wir hatten einen Termin wegen einer Betreuungssache beim Amtsgericht, und zufälligerweise hatte es sich ergeben, dass wir ebenso eine Grundbuchangelegenheit zu klären hatten. Die Einlasskontrollen, bevor wir das Gebäude betreten durften, erinnerten an diejenigen in Flughäfen. Der Rucksack wurde durchleuchtet, dabei fiel das Werkzeug auf, das ich stets bei mir führte, um gegebenenfalls auf dem Weg zur Arbeit mit meinem Fahrrad einen Platten zu flicken. Ich musste es abgeben und erhielt es beim Verlassen des Amtsgerichtes zurück, außerdem wurden der Auto- und Haustürschlüssel aus meiner Hosentasche in eine separate Schale gelegt. Ohne Komplikationen, erhielten wir im Grundbuchamt einen Termin im Dezember, die Betreuungssache wurde ebenso so geregelt, wie wir es haben wollten. In den Büros fühlte ich mich um einige Jahrzehnte zurück versetzt, so viel Papier und Akten schlummerten in Mappen. Die Berge von Papier türmten sich auf dem Schreibtisch und füllten die Aktenschränke. Ich verstand allerdings, dass eine elektronische Speicherung nicht unbedingt möglich war, da es sich um Dokumente und Schriftstücke handelte, die juristisch relevant waren. Da wir einiges früher als vermutet das Amtsgericht verließen, nutzten wir die überschüssige Zeit, um im Hotel gegenüber dem Bahnhof einen Kaffee zu trinken. Die Hotelgäste, die zahlreich an den Tischen saßen, hatten sich am Frühstücksbüffet bedient. Wir ließen uns indes bedienen, tranken Kaffee, ich aß dabei ein Croissant, dazu aßen wir zwei belegte Salami-Brötchen, die mit Ei, Tomate und Gurkenscheibe hübsch zubereitet aussahen. Ein nettes Ambiente in dem Café mit dem Ausblick durch das Fenster auf den Europaplatz und dem Bahnhof, den die Züge in reger Taktung aufsuchten und wieder verließen. Ab und an rauschte ein rot-weiß gestreifter ICE wie ein Blitz über den Bahnsteig.

10. Oktober 2018

Es war ein Tag, dessen Verlauf eigentlich stinknormal aussah. Die Sonne schien, mit meinem Rennrad war ich gegen 17.30 Uhr etwas früher als normal zu Hause. Das Rennrad schob ich in die Garage, vor dem Haus rannte mir unser Kater Rambo vor die Füße, und im Haus war alles fertig zubereitet für die Rindfleischsuppe, die alsbald auf unserem Herd im Schnellkochtopf vor sich her brodeln sollte. Ich zog mich in meiner Fahrradbekleidung um, wusch mich oberflächlich und freute mich auf das Essen, um meinem Hunger eine Absage zu erteilen. Doch als ich unserem Wohnzimmer angekommen war, trübte sich meine Vorfreude. Morgens habe unser Kater Oskar unser Haus verlassen, danach sei er nicht mehr zurück gekehrt, informierte mich meine Frau. In der Tat, das war höchst ungewöhnlich, da beide Kater stets zur Mittagszeit einkehrten, da sie fressen wollten. Wir warteten ab, schauten mit zunehmender Uhrzeit und mit einbrechender Dunkelheit immer häufiger in der Garten und vor unser Haus. Selbst als wir uns gegen Mitternacht schlafen legten, war von unserem Kater Oskar weit und breit nichts zu sehen.

11. Oktober 2018

War es ein Fake ? Wegen unseres verschwundenen Katers Oskar hatten wir nicht nur mit der Nachbarschaft gesprochen, mit Freunden und im Dorf. In der Nachbarschaft hatten wir so ungefähr jeden Baum und Strauch durch forstet, ob sich unser Kater Oskar verlaufen und irgendwo versteckt hielt. Und auch auf dem Weg mit dem Fahrrad zur Arbeit suchte ich mit einem mikroskopischen Blick alle Winkel und Ecken zu erspähen, wo sich Oskar eventuell hätte aufhalten können. Katzen können sich ja über sehr weite Strecken, durchaus mehrere Kilometer, fortbewegen, ohne die Orientierung zu verlieren. Am Abend kam dann der Schock, als wir über Facebook unsere Hilferufe abgesetzt hatten. Aus Köln hatte uns jemand geantwortet. Es war ein Foto einer überfahrenen, toten Katze, die in Köln-Ossendorf gefunden worden war. Mit dem kreisförmigen Muster auf dem Seitenfell, das es äußerst selten geben dürfte, sah die Katze unserem Kater Oskar täuschend ähnlich. Wir verglichen die Details des Felles an Kopf, Rücken, Beinen: die Übereinstimmung war verblüffend. Nur in einem Punkt gab es keine Übereinstimmung, das war der kräftige Körperbau, wie er in Facebook beschrieben war, denn unser Kater Oskar war dünn, er war nicht kräftig und wog viel zu wenig. Als wir dann die Nachricht erhielten, dass kein Chip gefunden werden konnte, um ihn zu identifizieren, war dies das nächste Indiz, dass es sich nicht um unseren Kater Oskar handelte, denn er war gechippt. Wir ignorierten also den in Facebook geposteten toten Katzenkadaver und hofften weiter.

12. Oktober 2018

Helloween, ein Fest, das aus dem Nichts entstanden ist und im Nichts wieder verschwindet. So eine Art Pseudo-Brauch, der Religion mit Kommerz vermischt und zumindest auf Plakaten zahlreich vertreten ist. Sie sind ja auch dekorativ, all die Kürbisse, sie repräsentieren mit ihren satten Orange-Tönen die Farben des Herbstes noch intensiver wie etwa das Laub an den Bäumen. Und all die Kürbisse erinnern mit ihren heraus geschnittenen Fratzen, deren angedeutete Gesichter Furcht verbreiten, an Geister und Dämonen. Diese soll wohl auch das Fest an Helloween beschwören. Als heidnisches Totenfest, ist es aus keltischen Bräuchen heraus gekramt worden, und anders als vielleicht in den USA, hat sich hierzulande Helloween nie wirklich durchgestzt, und dennoch ist dieser unwirkliche Brauch in der täglichen Wahrnehmung viel präsenter als etwa Allerheiligen einen Tag später. Dass es dabei um die Toten geht, haben beide Traditionen gemeinsam. Doch während Allerheiligen in der christlichen Tradition verwurzelt ist, zerläuft der Totenkult von Helloween in jede Menge Feierlaune und Feierstimmung. Feste laden an jeder Ecke ein, und der Feierstimmung kann die fehlende Überlieferung des Festes nichts anhaben. Ein paar Kinder werden sich an diesem Tag an den Haustüren verirren und um „Süßes odes Saures“ bitten. Derweil wird auf Helloween-Partys der Bär los sein. Es wird eine Feierlaune und eine Feierstimmung sein, die nach Gelegenheiten zum Feiern sucht, egal, ob sie aus der Luft gegriffen sind oder wirklich Brauch und Inhalt umfassen.

13. Oktober 2018

Es war ein Tag, an dem wir viel auf den Beinen waren. Bereits früh Morgens mussten wir losfahren, um den Schwager von einem Seminar in Bergisch Gladbach-Bensberg abzuholen. Kurz vor halb 10 waren wir am Kardinal-Schulte-Haus am Waldrand von Bensberg, und es klang fantastisch, was alles für geistig Behinderte organisiert wurde. 220 Euro war der Komplettpreis für eine Woche inklusive Seminar, Übernachtung und Verpflegung. Die Behinderten waren in Gruppen eingeteilt worden. Tanzen, Malen, politische Bildung und noch ein paar andere Workshops waren in dem Institut durchgeführt worden, das dem Erzbistum Köln angehörte, und zum Schluss hatten alle Gruppen ihre in den Workshops erarbeiteten Ergebnisse präsentiert. Bevor wir losfuhren und bevor wir das Gepäck eingeladen hatten, genoß ich von der Mauerumfassung vom Berghang aus den bemerkenswerten Ausblick auf Köln. Die Blick ging nicht mitten hinein in die Domstadt, sondern aus der Distanz. Die amorphe Masse des Häusermeers lag majestätisch zu Füßen. Nach dem Dom musste ich suchen, er verschwand regelrecht in einem verschobenen Blickwinkel. Genauso versteckte sich der Fernsehturm, die Kirchtürme der andern Kirchen sowieso, und die markantesten Zeichen setzten die Rauchsäulen der Braunkohlekraftwerke am Horizont.

14. Oktober 2018

Die Diskussion war kurz, als wir über die noch fehlende Bepflanzung von Blumenkübeln redeten, je näher die Beerdigung rückte. Vor unserem Haus sahen die beiden Blumenkübel mit ihren vertrockneten Pflanzen jämmerlich aus, und im Hof waren gleich mehrere Kübel zu bepflanzen. Kurzum: wir mussten handeln – und dies an einem Sonntag, als es Zeit wurde für das Mittagessen. Wir hatten uns nicht einmal um das Wie gekümmert, welche Pflanzen es denn sein sollten. Doch wozu gab es verkaufsoffene Sonntage ? Wo anderenorts engstirnig diskutiert wurde und jeder, der Einfluss auf die Entscheidung hatte, den Einkauf am Sonntag zu verhindern suchte, sahen die Gartencentern dies einiges lockerer. Um elf Uhr hatte das Gartencenter Breuer in St. Augustin bereits aufgemacht, und bis 16 Uhr sollte es die Türen geöffnet halten. Also nichts wie hin. Große Mengen Calluna vulgaris nahmen wir mit, das war die schöne lateinische Umschreibung von Heidekraut, dazu Alpenveilchen, Stacheldraht, Segge und Kegelzypresse, natürlich Blumenerde. Jahreszeitgemäß und einfach zu bepflanzen – daher fiel unsere Wahl auf das mit seiner Farbenpracht geizende Heidekraut. Unser Einkauf war so zahlreich, dass wir all unsere Pflanzen nicht nur im Kofferraum, sondern auf der Rückbank in unserem VW Golf unterbringen mussten. Zu Hause angekommen, holten wir unser Mittagessen nach. Später, am Nachmittag, folgte ein etwas längerer Gang über unsere Kirmes.

15. Oktober 2018

Nach heißen Sommermonaten der Trockenheit, nach Monaten des Gießens, nach Monaten üppiger Ernte und nach Monaten der fortwährenden Trockenheit mischen herbstliche Farben unseren Garten auf. Die sommerliche Wärme hält durch, und die Organisatoren und Schausteller der über dieses Wochenende statt gefundenen Kirmes freuen sich. Noch nie hatten wir solch ein Jahr, dass zu dieser Jahreszeit die Tomaten noch reifen, die Paprika rot werden und die Buschbohnen geerntet werden können. Zu den welken Blättern gesellen sich nun die herbstlichen Farbtöne dazu. Dabei erstaunen einige Gewächse, dass sie, ohne gegossen zu werden, üppig vor sich her wuchern. In dicken Büscheln formiert sich die Kapuzinerkresse, die ein klein wenig an die Mönchskutte der Kapuziner erinnert. Leidenschaftlich sind die Farben der Kapuzinerkresse, wie etwa dieses flammende Rot, das sich vor die gelben Blüten der Ringelblumen und das welke Gelb der Buschbohnen geschoben hat. Gelb, orange oder lila hat sich die Kapuzinerkresse in anderen Ecken unseres Gartens gefärbt. Der Gattungsname „Tropaeolum“ leitet sich übrigens vom griechischen Begriff „Tropaium“ ab, der ein antikes Siegessymbol bezeichnet, ein Gerüst, das mit erbeuteten Waffen behängt war. So lehnt sich das Aussehen der Kapuzinerkresse an die Antike an: die Form der Blätter erinnert an einen Schild und die Blüten an einen Helm.

16. Oktober 2018

Kürbisse, ganz viele Kürbisse. Die Farbtöne des Herbstes prägen insbesondere Kürbisse, die mit ihrer Größe all die Tupfer von herbstlichen Blüten überragen. Kürbisse an Haustüren, Kürbisse als Schaufensterdekoration, Kürbisse in Floristikateliers. Ganz großspurig ist so mancher Bauernhof unterwegs, so im Drachenfelser Ländchen. Originell und ideenreich sieht das Gesamtwerk aus. Ganz viel Arbeit hat man sich gemacht, Kürbisse zu einer Pyramide aufeinander zu stapeln. Die Geometrie stimmt, das Orange der Kürbisse setzt markante Akzente des Herbstes, die Form der Pyramide sieht in der Hügellandschaft hübsch aus, einzelne Kondensstreifen von Flugzeugen verlieren sich in dem blank geputzten blauen Himmel. Eine geniale Herbststimmung, bei der das Rheintal und das Siebengebirge im Dunst des Horizonts verschwinden.

17. Oktober 2018

So zerbrechlich, so abgestorben und so wieder aufblühend wie das Blumenkübel mit den zerbrochenen Gänsen war meine Stimmungslage am Tag vor der Beerdigung, die sich wie ein dickes Brett entgegen stellte. Die verspielten und filigranen Formen hatten überdauert, so wie die verblichene Engelsgestalt mit dem Fisch in der Hand, vielleicht eine viel sagende Anspielung auf das Himmelreich, dem wir alle irgend wann sehr nahe sein werden. Ungewiss, ob das dicke Brett am nächsten Tag unsere Gefühlswelten umhauen würde, würde das Leben danach weiter gehen. Auf und Ab, Höhen und Tiefen, Tod und Wiedergeburt. Nachdem ich an dem Blumenkübel mit den zerbrochenen Gänsen vorbei geschritten war, brachte meine Friseuse meine Frisur für das morgige, unangenehme Ereignis auf Vordermann. Mit gefühlsmäßigen Klötzen wie einer Beerdigung wollten wir nichts zu tun haben, so dass wir uns über ganz andere Themen unterhielten. Es ging um Katzen, namentlich um unseren entlaufenen Kater Oskar. Die Friseuse basaß auch drei Katzen, und bei einer Katze waren die Dinge vollkommen anders gelagert. Die Katze hatte keinen Bock mehr und benötigte eine Auszeit. Dann lief sie weg, kehrte nicht zurück und fand sich einen Monat später wieder ein. Nirgendwo wurde sie in der Nachbarschaft gesehen, und ihr Verbleib war vollkommen unbekannt. Daher riet uns die Friseuse zu dem Tipp: ganz einfach abwarten und die Dinge gelassen sehen. Nicht aufgeben. Nicht den zerbrechlichen oder abgestorbenen Blickwinkel sehen, sondern den Neubeginn.

18. Oktober 2018

Der Tag der Beerdigung, ein einschneidendes Ereignis, eine Art von Abschluss und gleichzeitigem Neubeginn. Beim Begräbniskaffee, der mit fünfzig Personen deutlich voller besetzt war als mit den zunächst geplanten dreißig Personen, philosophierten wir darüber, ob die Würdigung des Verstorbenen in der Messe angemessen war. Dem stimmten wir nur bedingt zu. In dem Gespräch in unserem Haus hatte sich der Pastor, der mit seinen 78 Jahren eigentlich längst im Ruhestand war, ausgiebig Zeit genommen, er hatte uns nach Details aus dem Leben des Verstorbenen gefragt und über eine Stunde mit uns geredet. Er glänzte mit Weisheiten: alle Zeiten und Epochen seien unter dem Strich gleich; keine Zeit sei besser oder schlechter als die andere, wenn man von spezifischen Epochen wie dem Zweiten Weltkrieg absähe; die antiken griechischen Philosophie habe den Leib als etwas lästiges und verwerfliches betrachtet, der das Böse nicht durchgängig abwenden können, während die Seele an für sich gut sei; der Tod stelle in der Sichtweise eines Sokrates oder Platon eine Art von Erlösung dar; die Verbindung des Todes mit der Apokalypse hielt er nicht für angemessen; das jüngste Gericht, das Fegefeuer oder das Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen, die in das Himmelreich eintreten wollen; er führte ein Wortspiel mit den Englischvokabeln „sky“ und „heaven“; „heaven“ sei der göttliche Himmelreich, während „sky“ das sei, was der Mensch sehe; er schimpfte darüber, dass die Politik in logisch falschen Schlüssen betrieben werde; man müsse die richtigen Fragen stellen, und darauf müsse die Politik aufsetzen; die Politik gehe aber genau umgekehrt vor, dass sie Antworten liefere auf diejenigen Vorhaben, die sie umsetze; die Beantwortung der wichtigen Fragen bleibe hingegen aus; so manche menschliche Biografien bezeichnete er als „trial and error“. Was wir ihm alles aus dem Leben des Verstorbenen erzählten, vermissten wir schließlich in der Begräbnismesse. Nichts davon. Der liturgische Rahmen der Messe war zwar angemessen in bezug auf den traurigen Anlass. Doch was er predigte, erinnerte mich mehr an die kirchlichen Denker des Mittelalters, dass alle Denkweisen darauf abgestimmt sein mussten, dass Gott der letzte Ursprung war. Es war nicht der Urknall oder das kopernikanische Sonnensystem, woraus die Welt entstanden war, sondern Gott, wohin alle Wege des Lebens zwangsläufig führen mussten. Und genau auf diese Art und Weise beschrieb er die letzte Reise des Verstorbenen: alles in der Welt war Gott, die Schöpfung war Gott, die Natur war Gott, der Mensch war von Gott durchdrungen, das Schicksal war von Gott vorher bestimmt. Gott als das ein, wahre, gute, wie es die Philosophen der griechischen Antike formuliert hätten. In der Urne, die am Grab satt in die Erde zurück gelassen wurde, wanderte der Verstorbene schließlich zu Gott zurück.

19. Oktober 2018

Hinter diesen langen schmucklosen Gängen, die die Atmosphäre von Mief und Bürokratie verinnerlicht haben, habe ich einiges über unser Steuerrecht gelernt. Es ging um unsere Steuererklärung für das letzte Jahr, zu der das Finanzamt Siegburg nachgebohrt hatte und zu den Positionen der Krankheitskosten und der Unterhaltsleistungen Fragen gestellt hatte. Im Zimmer mit der Nummer 210 strich die mittelalte Dame mit dem blonden Kurzhaarschnitt ein paar Illusionen zusammen, was die Höhe der Sonderausgaben betraf. Ich hatte gehofft, sie mit drei Aktenordnern von Belegen erschlagen zu können, doch ihre verbalen Erläuterungen waren in manchen Punkten nicht deckungsgleich mit meinem eigenen Verständnis. Krank sei man dann, wenn ein Arzt dies feststellen würde, und Medikamente würde das Steuerrecht dann anerkennen, wenn ein Arzt Medikamente verordnet, dies erklärte sie mir. Ich hatte der netten Dame vom Finanzamt etliche Belege von Apotheken gezeigt über Kopfschmerztabletten, Hustensaft und gegen Akne, wozu sie den Kopf schüttelte. Alles steuerrechtlich nicht relevant, kommentierte sie. Nur zwei Belege, die sie anerkannte, hielt sie zurück. Das eine war ein Probiotikum, welches ich direkt bei unserem Zahnarzt gekauft hatte. Der andere Beleg betraf – absolut überraschend – Augentropfen für unsere inzwischen verstorbene Katze Alia. Als sie etwas später auf die etwas merkwürdige Logik ansprach, meinte sie, bei dem Beleg über unsere Katze hätte sie beide Augen zugedrückt. Um ein ausgewogenes Gesamtbild zu beschreiben, müsste ich dem hinzufügen, dass die nette Dame vom Finanzamt den größten Brocken der Krankheitskosten – unter anderem die Zuzahlungen bei der Kieferorthopädie – anerkannte. Nochmals unzureichend aufgestellt war ich im beim zweiten Punkt, den Unterhaltsleistungen an unsere in Freiburg studierende Tochter. Es gab regelmäßige monatliche Zahlungen, die unkritisch waren, da es hierzu Überweisungen vom Girokonto gab. Es gab aber auch fallweise Zahlungen an unsere Tochter, wozu die Zahlungswege nachvollziehbar sein müssten. Also: wann ist was mit dem dazugehörigen Beleg gekauft worden und ist es für die Tochter bestimmt gewesen. In unserer Zusammenstellung, die ich von unserer Tochter hatte unterschreiben lassen, gab es zu viele Positionen wie dm-Einkäufe, Anziehsachen, Fachbücher oder Bettwäsche, wozu es entweder keinen eindeutig zuordenbaren Beleg gab oder dass wir unserer Tochter das Geld in Bar zurück gegeben hatten. Dieses Thema mussten wir nacharbeiten und abermals den Berg von Belegen sichten. Es wird also ein Wiedersehen mit dem Finanzamt geben.

20. Oktober 2018

Die geschwungene Form des Giebels, der halbrunde Abschluss zur Dachspitze, die dreigeteilten weißen Fenster, Kreise auf der Fassade als Verzierungselemente, waagerechte Mauervorsprünge, das Nebeneinander des homogene Paares der beiden Häuserfassaden: bei diesem Anblick fühle ich mich unwillkürlich nach Norddeutschland versetzt. Norddeutschland kenne ich grundsätzlich schlecht, eher fühlen wir uns in den Südwesten Deutschlands gezogen; meine eigenen Leidenschaften fühlen sich zudem magisch von Benelux und Frankreich angezogen. Und dennoch: wenn ich im Internet recherchiere, entdecke ich ganz ähnliche Giebelformen in Bremen oder auch in Lübeck – wie etwa das Haus der Buddenbrooks. Was hat nun das Rheinland mit Norddeutschland zu tun ? Die beiden Häusergiebel stehen ziemlich zentral – auf dem Weg zum Hauptbahnhof – in der Bonner Fußgängerzone. Offensichtlich vermischen sich Elemente der Verzierung in den Architekturformen in den Regionen. Überschreitet man hingegen die Grenze, so werden etwa die Architekturformen in der Maasregion – Beispiel Lüttich – oder in Lothringen – Beispiel Nancy – deutlich unähnlicher sein.

21. Oktober 2018

Siegburg, die Töpferstadt. Bereits um 1000 sind in der heutigen Kreisstadt des Rhein-Sieg-Kreises Töpfereien nachgewiesen, doch ihre Bedeutung war allenfalls lokal im Schatten der Hansestadt Köln, deren Töpfereiprodukte über den Warenverkehr über den Rhein in ganz anderen, europäischen Dimensionen vermarktet werden konnten. Erst 1542, als der Stadtrat die Steinzeugherstellung im Kölner Stadtgebiet in einem Ratsbeschluss verbot, begann der Aufschwung der Siegburger Töpferwerkstätten. Die Blütezeit der Siegburger Töpferwaren geschah in der Renaissance, als Becher, Kannen, Krüge, Töpfe aus den Tonvorkommen im Waldgebiet bei Lohmar hergestellt wurden und überreich verziert wurden. Im Geist der Renaissance griffen die Töpfer mythologische Szenen aus der Antike auf, sie versinnbildlichten religiöse Motive, sie schufen allegorische Darstellungen. Beliebte Motive waren beispielsweise die Tugenden in der Antike und im Christentum. Siegburger Töpferwaren aus der Renaissance finden sich unter anderem in Museen in den USA, in Großbritannien, Norwegen oder Schweden wieder. In der Neuzeit setzte der Niedergang der Siegburger Töpfereien ein. Die Tradition des Siegburger Töpferhandwerkes hat sich im heutigen Stadtbild erhalten. Unter dem aufragenden Turm der Kirche St. Servatius hat sich die Fassade der Siegburger Töpferei fein heraus geputzt und knüpft an die reiche Geschichte der Töpferei an.

22. Oktober 2018

Fahrt in den Heimatort, die diesmal relativ entspannt verlief, da die Beerdigung nunmehr eine gewisse Zeit zurück lag. Nach dem Tod eines geliebten Menschen hatten sich mehrere Rahmenbedingungen geändert, wobei mit zunehmendem Alter die Krankheiten auch vielfältiger wurden. Wir rechneten zusammen, dass die hinterbliebene Mutter satte 82 Jahre zusammen zählte. Sicherlich ein stolzes Alter, welches man mit Würde Revue passieren lassen konnte. Gemeinsam wurden wir stutzig, als wir die Anzahl der Tabletten auf summierten, die über den Tag verteilt zu nehmen waren. Wir kamen auf fünfzehn Tabletten, die pro Tag in einer viereckigen Dose dem Morgen, dem Mittag, dem Nachmittag und dem Abend zuzuordnen waren. Mir selbst graute bereits jetzt vor dieser Vision, später im hohen Alter solch einer Schlacht von Tabletten hilflos ausgeliefert zu sein. Alleine all diese lateinischen Fachbegriffe der Medikamente erschlugen mich, obschon ich ein großes Latinum hatte. Zu Hause diskutierte ich dieses Thema mit unserer Fachfrau, der Medizinstudentin. Es sei anzunehmen, dass der Hausarzt bei bestimmten Krankheitssymptomen und auch das Krankenhaus fallspezifisch Medikamente verordnet habe. Es mache Sinn, den Tabletten-Mix ganzheitlich zu betrachten, ob gegebenenfalls mehrere Medikamente für ähnliche Symptome verschrieben worden seien. Dies sei der Fall bei Schmerzmitteln und Medikamenten gegen Blutdrucksenkung. Der Hausarzt sollte mit seinem medizinischen Fachwissen in der Lage sein, den Medikamenten-Mix neu zusammen zu stellen. Zu Hause am Heimatort, hatten wir uns den von der hiesigen Bäckerei mitgebrachten Himbeerkuchen mit Vanillecreme schmecken lassen. Über den mitgebrachten Kuchen hatte sich die Mutter sehr gefreut, da die Infrastruktur auf dem Dorf stark ausgedünnt war, was die täglichen Einkäufe betraf. Um Einkäufe in der Bäckerei im Nachbarort zu tätigen, war sie auf fremde Hilfe angewiesen.

23. Oktober 2018

Es gibt solche und solche Gewerbeflächen. Üblicherweise sieht man in Industriegebieten den Betrieben an, welchen Unternehmenszweck sie verfolgen, wie sie ihr Geld verdienen und wie ihre Wertschöpfung aussieht. So manche Betriebe im Industriegebiet im Nachbarort sind Handwerksbetriebe, Heizung und Sanitär, Metallbau, Fliesenarbeiten, Holzbau und Zimmerei, Recycling, auch metallverarbeitendes Gewerbe oder der Bauhof der Stadt unterhält dort seinen Fuhrpark. Diese Gewerbefläche wirft allerdings Rätsel auf. Schon alleine der Bus signalisiert auf der Mitte der Brachfläche, dass die Wertschöpfung des Firmeninhabers aus einer Pause besteht. Alles steht nur in wilder Unordnung herum, der die Struktur abhanden gekommen ist. Wirklich geregelte Abläufe, die einen Unternehmenszweck erkennen lassen, sind in diesem Chaos nicht auszumachen. So wie der vor sich her dämmernde Bus seine Pause verinnerlicht, so verteilen sich auf der Fläche all die Wirtschaftsgüter, die man im buchhalterischen Sinne als Anlagevermögen bezeichnen könnte, wenn sie denn benutzt würden. PKWs ohne Nummernschilder fristen dort ihr Dasein, jede Menge Bierpavillons scharen sich zusammen. Berge von Erdaushub, worüber im Sommer ein Urwald von Brombeergestrüpp hinweg wuchert, türmen sich hinter dem Absperrzaun. Wirtschaften aus Lust und Laune ? Nicht nur der Bus bewegt sich nicht vom Fleck und macht Pause.

24. Oktober 2018

Wofür das rheinische Grundgesetz so alles herhalten muss. All die Sprüche und Regeln, mehr als zehn in der Zahl, beschreiben die rheinische Gemütsverfassung und die rheinische Lebensart, dass der Rheinländer vom Prinzip her mit einem Bündel von positiven Grundeigenschaften ausgestattet ist, womit er gut durchs Leben kommen kann. Gelassenheit, Frohsinn, ein positives Denken, Demut vor dem eigenen Leben oder Zweifel an allgemeingültigen Thesen verkörpern seine Haltung in der Gesellschaft. Genau dies haben sich die Macher der Großbaustelle vor dem Bonner Hauptbahnhof zunutze gemacht. „Et bliev nix wie et wor“ untermalt die Entwurfszeichnung, wie das neue Einkaufszentrum, das sogenannte Maximilian-Center, vor dem Bonner Hauptbahnhof aussehen soll. Die Großbaustelle wächst mächtig in die Höhe, und der Baufortschritt soll so rasant sein, dass das neue Einkaufszentrum im Sommer nächsten Jahres seine Pforten öffnen will. Derweil stolziert das rheinische Gemüt und die rheinische Lebensart an den abschirmenden Bauzäunen vorbei, die kaum Einblick in das Innenleben vermitteln, was in der ausufernden Baustelle alles vor sich geht. Die Passanten müssen jede Menge Umwege, Baulärm und einen unbequemen Auf- und Abstieg über eine sehr steile Treppe zum Hauptbahnhof bewältigen, die für Behinderte oder Schwerbehinderte nicht mehr zu schaffen ist. Die Entscheidungsträger hätten auch andere Passagen des rheinischen Grundgesetzes zitierten können: „et kütt wie et kütt“ oder „wat wellste maache ?“. Der Zweifler hätte den Spruch ausgepackt „wat soll dä quatsch ?“, denn über Sinn und Zweck des Großprojektes hätte man sicherlich diskutieren können. Ein Einkaufszentrum anstelle der Ansammlung von Drogenjunkies im Bonner Loch, eine viel versprechende Alternative ? Die Drogenjunkies werden sich verlagern, an andere Stellen, Einkaufsmöglichkeiten gibt es in der Fußgängerzone zuhauf, und ob die glatten und sterilen Fassaden des neuen Maximilian-Centers hübscher aussehen als die Freifläche des Bonner Lochs, wenn man sich die Drogenabhängigen wegdenkt, mag dahin gestellt sein. Die Macher des Projektes haben jedenfalls die Bausünden der 1970er Jahre zu bereinigen, dass man die alte Bebauung aus der 1900er-Jahrhundertwende hätte stehen lassen sollen. Sie arbeiten an suboptimalen Lösungen, über die jeder Zweifel erhaben ist.

25. Oktober 2018

Zwei Wochen ist es nun mehr her, dass wir in unserem Haus Zuwachs bekommen haben. Der Zuwachs kommt auf vier Beinen herbei gelaufen, unsere Katze Stella, drei Monate alt, und unser Kater Jumbo, sechs Monate alt. Prompt wiederholten sich unsere Erfahrungen von vor einem Jahr, dass unsere Tiere nämlich nicht ganz gesund waren, als wir sie aus dem Tierheim nach Hause geholt hatten. Diesmal war es Durchfall, der wohl nur unseren Kater betraf. Das könne hoch ansteckend sein, meinte unsere Tierärztin, er bekommt nun Tabletten und drei Stuhlproben haben wir bei unserer Tierärztin hinterlassen, die noch analysiert werden müssen. Unsere Tierärztin scherzte, dass sie beim nächsten Mal am besten mitkäme und das Tier selbst untersuchen würde. Dennoch machen sich unsere beiden Neulinge prächtig bei uns, sie rennen wild durch unser Haus, sie fallen über ihr Katzenfutter her, als wären sie den ganzen Tag ausgehungert, ihre Kuschelecken haben sie entdeckt und sie reiben ihre Krallen an dem Kratzbaum, als würde er auseinander fallen. Der Durchfall kommt nur noch sporadisch, und bis war all unsere Katzen mitsamt dem Katzenältesten Rambo zusammen tun, sollen wir warten, bis die Durchfallerkrankung vollständig abgeklungen ist.

26. Oktober 2018

Jene Tage von März bis Juni 1888 werden gerne von der deutschen Geschichtsschreibung übersehen. Genau genommen, waren es die 99 Tage vom 9. März bis 15. Juni, nachdem sein Vater Wilhelm I. gestorben war und er als sein Sohn Friedrich Wilhelm die Kaiserherrschaft übernommen hatte. Anknüpfend an die Vornamen Friedrich, welche im Mittelalter als Friedrich I. bis Friedrich III. Kaiser des Heiligen römischen Reiches deutscher Nation gewesen waren, wählte er Friedrich aus seinen beiden Vornamen und wurde zum Kaiser Friedrich. Kaiser-Wilhelm-Denkmäler, die in ihrer Monumentalität und ihrer Größe die Bedeutung des einstigen deutschen Kaiserreiches unterstreichen, gibt es zuhauf. Man denke etwa an das Deutsche Eck in Koblenz oder an die Hohenzollernbrücke auf der Deutzer Seite in Köln, wo stolze Reiterstandbilder seines Vaters Kaiser Wilhelm I. ein Gefühl von Größe und ungeahnter Macht vermitteln. Und Kaiser Friedrich selbst ? Denkmäler mit seiner Herrscherperson als deutscher Kaiser wird man vielerorts vergeblich suchen, was mit der zeitlich begrenzten Anzahl von 99 Tagen zu tun hat, in denen er Kaiser war. Anders in Mönchengladbach: ihm zu Ehren ist kein Denkmal gebaut worden, sondern gleich eine große Veranstaltungshalle. Sich auf einer Anhöhe am Rand des botanischen Gartens anschmiegend, wirkt die Halle im Gegensatz zu vielen Kaiser-Wilhelm-Denkmälern nicht protzig und überladen, sondern in Proportion und Gestalt angemessen. Harmonisch fügt sich der quadratische Baukörper in die Gestaltung des botanischen Gartens ein.

27. Oktober 2018

Der Himmel war aufgerissen, die Wolken waren an den Rand des Horizonts abgedrängt worden, am Vorabend hatte es geregnet, der Morgen war frisch, die Autoscheiben waren beschlagen: die Gefühlslage hatte sich mit einem Mal verändert, und im Herbst war ich angekommen. Der Herbst, wie er sich im kalendarischen Herbst als verlängerter Arm des Super-Sommers dargestellt hatte, war mir so fremd vorgekommen, dass die Jahreszeiten in unseren Zeiten des Klimawandels verrückt spielten. So verrückt, dass nicht mehr zu unterschieden war, ob es Herbst oder Trockenheit war, wenn sich die Natur in all die rot-braunen Farbtönen eingefärbt hatte. Ich hätte es nicht mehr für möglich gehalten, dass es Ende Oktober einen Startschuss geben würde für einen gemäßigten Kälteeinbruch, die in den Mittelgebirgen vielleicht sogar ein paar Schneeflocken hervor zaubern würde. Unter der Baumallee sind meine Gefühlswelten des Herbstes wieder gerade gerückt worden. Die Blätter sind herab gerieselt, am Straßenrand sammelt sich ein Streifen rot-braun-goldenen Herbstlaubes. Das alles überspannende Dach der zusammen geführten Baumkronen hatte sich ausgedünnt und ihr Laub verloren.

28. Oktober 2018

Es waren Berge von Papier, die wir im Haus des Verstorbenen sichten mussten. Berge, wovon nur ein winziger Teil abgeheftet war in Aktenordnern. Manches, was zusammengehörte, lag in gemeinsamen Stapeln zusammen. Aber vieles war einfach nur wild abgelegt in Schränke und Schränkchen oder verstreute sich auf Tische. In regelrechten Schichten arbeiteten wir uns in die Vergangenheit bis in die 1970er-Jahre voran, dabei uferte die Auswahl an Dokumenten und Schriftstücken aus. Verglichen mit den Schriftstücken unserer heutigen Zeit, erinnerten mich viele Schreiben an diejenige Zeit, als ich Anfang der 1980er-Jahre selbst in mein eigenes Berufsleben eingestiegen war. Ich pflegte ein durchaus enges Verhältnis zu dem Haupt-Werkzeug meiner Tätigkeit, der Schreibmaschine. Dabei bedauere ich, dass eine Schreibmaschine, die mir ausgemustert mein Arbeitgeber überlassen hatte, und auf der ich zu Hause gerne meine Texte schrieb, dem Platzmangel zum Opfer wurde. Es stand zu viel Mobiliar herum stand, so dass irgend wann beim Sperrmüll landete. Ich meine, es wäre eine Triumph-Adler-Schreibmaschine gewesen, und das Schriftbild auf so manchen Schreiben, die wir im Haus des Verstorbenen vorfanden, ähnelten den auf dieser Schreibmaschine geschriebenen Texten, die ich nicht entsorgt hatte. Vielleicht habe von diesem alten Modell die Technik nach heute übernommen, dass ich kräftig in die Tasten zu hauen pflege, so kräftig, dass manche meinen, ich würde meinen Büroarbeitsplatz abbrechen wollen. Die Fülle der Schriftstücke aus den 1970er-Jahren im Haus des Verstorbenen konnte man bisweilen als historisch bezeichnen: ein Großteil der Unterlagen machte der Bau des Einfamilienhauses aus, Rechnungen, Kostenberechnungen, Finanzierung, Wohnungsbauförderung, Schreiben von Architekten und Statikern, Bauabnahme, darunter die Abnahme der Heizungsanlage durch das Bauamt, vom Finanzamt zurück gesandte Belege wegen der steuerlichen Berücksichtigung. Ich staunte, wie Kindergeldanträge in den 1970er-Jahren ausgesehen hatten, genauso staunte ich, dass es in den 1970er-Jahren einst Schüler-BaFöG gab. Noch ist Platz in der Papiermülltonne, aber die Stapel von Papier sind im Haus noch nicht abgearbeitet.

29. Oktober 2018

Ich hatte mich zurück gehalten, und das war auch gut so. Als die Kellner in der Pizzeria L’Osteria in Bonn-Oberkassel die übergroßen Pizzen serviert, konnten meine Arbeitskollegen begutachten, was auf sie zukam. Die Pizzen, die sie als „Wagenräder“ beschrieben, ragten weit über den Tellerrand hinaus, und sie konnten ihren Mut sammeln und sich entscheiden, ob solch eine Riesenpizza die richtige Wahl wäre oder ob sie eine anderweitige Auswahl aus den Nudelgerichten treffen sollten. Zum sogenannten Team Day waren die Kollegen aus der ganzen Republik angereist, und abends saßen wir in der Pizzeria in Bonn-Oberkassel zusammen. Ein gemütliches Beisammensein, bei dem ich ein paar Dinge über meine Sitznachbarn erfuhr, die zu einem anderen Team mit unseren gemeinsamen Leiterin gehörten. Bei der letzten Reorganisation sei es an ihre Bezahlung gegangen. Es gäbe zwar eine Gehaltssicherung, aber die Bewertung des Arbeitspostens sei herab gestuft worden. Das war mir neu – zumal die Bewertung und die Bezahlung meines eigenen Arbeitspostens nach der Reorganisation gleich geblieben war. Ich begriff die Vorgehensweise: die Tarifverträge der beiden Service-Bereiche waren unterschiedlich, und nach der Zusammenlegung richtete man sich nach dem schlechteren Tarifvertrag – dem ich angehörte. Im positiven Umkehrschluss bedeutete dies, dass sich bei meiner Person im Endeffekt nichts änderte. Bei der Essensbestellung hatte ich mich zurück gehalten, was die Speiseauswahl betraf. Ich aß eine Auflaufform voller Tortellini mit Schinken und einer Sahnesoße, während fast alle anderen Arbeitskollegen Mut bewiesen. Niemand teilte sich eine dieser Riesenpizzen, sondern man stürzte sich auf die „Wagenräder“ und aß fleißig drauf los. Derweil war ich erleichtert, die leckere und gut sättigende Portion Tortellini zu essen, die in der Menge zu schaffen war. Die meisten schafften ihre Riesenpizza, andere ließen bis zu einem Viertel übrig. Später am Abend gab es einen Aufschrei aus dem Smartphone. Man hatte die Nachrichten überflogen, und eine Top-Nachricht überstrahlte alles. Unsere Kanzlerin wollte – nicht sofort, aber in einigen Jahren – ihre Ämter abgeben. Über Politik diskutierten wir nicht, sondern wir scherzten. Ein Kollege meinte, er habe bewusst nicht zugehört und verdrehte den Sachverhalt. Er wolle alle seine Leistungsscheine abgeben, und wenn niemand widersprechen würde, dann wäre er seine Leistungsscheine los.

31. Oktober 2018

Ein Gespenst im Dunkeln ? Wenn man an den Bürogebäuden im Bonner Bogen vorbei schreitet, so tritt neben all den Beleuchtungen vor den Hauszugängen, in den Fluren oder in erblassten Büroräumen die Kunst am Bau hervor. Eine Kunst am Bau, die sich bisweilen von den glatt gestrichenen Bürofassaden abhebt, die ihre Erscheinung nach außen kehrt und die Gedankenanstöße erwecken will. Die Botschaft der Skulptur ? Eigentlich ist die Botschaft ganz einfach, doch muss genau hinsehen, da die Botschaft verzerrt und in ihre Einzelteile zerlegt ist. Unwillkürlich denke ich an Arbeit, an Roboter, an künstliche Intelligenz, wie all diese Automatisierungsformen in die Arbeitswelten hinein greifen, wie die sich diese Automatisierungsformen zu einer Supply Chain aneinanderreihen und zu einem Mensch-Maschine-Komplex zusammen wachsen. Im Dunkeln wirkt diese Szenerie bedrohlich: denkt man in den Dimensionen von Science Fiction und Fantasy, so greift eine Angst um sich, dass Roboter und künstliche Intelligenz die Herrschaft über das Imperium übernommen haben und die dunkle Seite der Macht das menschliche Denken und den menschlichen Verstand abgelöst hat. Die Botschaft der beiden Künstler ist hingegen komplett anders abgefasst. Ganz einfach: das Bürogebäude des Zentrums für Luft- und Raumfahrt befindet sich auf der Hausnummer 5 der Heinrich-Konen-Straße im Bürokomplex des Bonner Bogens in Oberkassel. Die Skulptur stellt die Zahl 5 in einer etwas geschwungenen Form dar, die sich wiederum in sieben Einzelsegmente zerlegt. Diese Idee ist neu: die rationale Zahlenwelt in einer tiefer liegende Stufe von Bausteinen und Funktionalität zu unterteilen. Der Symbolgehalt einer Zahl – wie etwa in der Bedeutung als sieben Tugenden, die zehn Gebote, zwölf Apostel oder die dreizehn als Pechzahl – geht dabei verloren. Die Zahl 5 reduziert auf ein rationales Weltbild, das nur noch als Bausteine oder Apparat begreifbar ist.

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