die Kaiser-Friedrich-Halle in Mönchengladbach

Jene Tage von März bis Juni 1888 werden gerne von der deutschen Geschichtsschreibung übersehen. Genau genommen, waren es die 99 Tage vom 9. März bis 15. Juni, nachdem sein Vater Wilhelm I. gestorben war und er als sein Sohn Friedrich Wilhelm die Kaiserherrschaft übernommen hatte. Anknüpfend an die Vornamen Friedrich, welche im Mittelalter als Friedrich I. bis Friedrich III. Kaiser des Heiligen römischen Reiches deutscher Nation gewesen waren, wählte er Friedrich aus seinen beiden Vornamen und wurde zum Kaiser Friedrich.

Kaiser-Wilhelm-Denkmäler, die in ihrer Monumentalität und ihrer Größe die Bedeutung des einstigen deutschen Kaiserreiches unterstreichen, gibt es zuhauf. Man denke etwa an das Deutsche Eck in Koblenz oder an die Hohenzollernbrücke auf der Deutzer Seite in Köln, wo stolze Reiterstandbilder seines Vaters Kaiser Wilhelm I. ein Gefühl von Größe und ungeahnter Macht vermitteln. Und Kaiser Friedrich selbst ? Denkmäler mit seiner Herrscherperson als deutscher Kaiser wird man vielerorts vergeblich suchen, was mit der zeitlich begrenzten Anzahl von 99 Tagen zu tun hat, in denen er Kaiser war. Anders in Mönchengladbach: ihm zu Ehren ist kein Denkmal gebaut worden, sondern gleich eine große Veranstaltungshalle. Sich auf einer Anhöhe am Rand des botanischen Gartens anschmiegend, wirkt die Halle im Gegensatz zu vielen Kaiser-Wilhelm-Denkmälern nicht protzig und überladen, sondern in Proportion und Gestalt angemessen. Harmonisch fügt sich der quadratische Baukörper in die Gestaltung des botanischen Gartens ein.

Wieso erinnert gerade die Stadt Mönchengladbach an den 99 Tage-Kaiser, der das Jahr 1888 zum Dreikaiserjahr machte ? Genau wissen wir es nicht, jedenfalls eröffnete der Preußische Prinz Eitel Friedrich, der Sohn Kaiser Wilhelms II., im Jahr 1903 die Halle im Jugendstil mit ihren geschwungenen, aber nicht überladenen Verzierungen. Blumen- und Rankenmotive schmücken Fensterrahmen und Giebel aus, wo die deutsche Kaiserkrone mit den Initialen „FR“ für „Friedrich“ herausragt.

Kaiser-Friedrich-Halle von vorne (oben links), von der Seite (oben rechts)

Initialen "FR" mit der Kaiserkrone (Mitte links), Ornamente auf der Rückseite (Mitte rechts)

Motive über Rundbogenfenster (unten links), Balkon (unten rechts)

Historiker streiten sich darüber, inwieweit es sinnhaft und zielführend war, Kaiser Friedrich am 9. März als obersten deutschen Herrscher mit der Kaiserkrone zu krönen. Bis zu seinem Tod am 15. Juni 1888 muss Kaiser Friedrich schrecklich gelitten haben. Bereits im Januar 1887 vermuteten die Ärzte bei ihm als starken Raucher Kehlkopfkrebs. Leider war die Medizin Ende des 19. Jahrhunderts noch nicht so weit fortschritten, dass man das Leben durch Operationen und Behandlungsmethoden wie Chemotherapie ein ganzes Stück verlängern konnte. Zunächst entfernten Kehlkopfspezialisten die Knotenbildungen am linken Stimmband, die allerdings in den Folgemonaten von neuen Knoten überwuchert wurden. Danach reiste er nach San Remo, wo er sich von dem milderen Klima und der salzigen Meerluft Besserung erhoffte. Doch die Krankheit entwickelte sich anders. Als Friedrich Anfang 1888 durch Knotenbildungen über der Luftröhre zu ersticken drohte, führten die Ärzte einen Luftröhrenschnitt durch. Danach waren zwar seine Atemwege wieder frei, doch seine Stimmbänder waren so sehr geschädigt, dass er nicht mehr sprechen konnte.

Dies war auch so, als er am 9. März 1888 den Thron des deutschen Kaisers bestieg. „Lerne leiden ohne zu klagen“, diese preußische Kardinaltugend der Selbstdisziplin, die vom Schlachtfeld auf unterschiedlichste Alltagssituationen übertragen wurde, verbreitete Kaiser Friedrich im Angesicht seines ihm alles abverlangenden Krebsleidens. Nach 99 Tagen seiner Kaiserherrschaft starb Kaiser Friedrich am 15. Juni 1888. Als sein Sohn – der auf Denkmälern in der ganzen Republik allgegenwärtige Kaiser Wilhelm II. – kurz darauf zum deutschen Kaiser gekrönt wurde, ging das Jahr 1888 als das Dreikaiserjahr in die Geschichtsbücher ein.

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