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die Überbleibsel von Schlecker

Sechs Jahre sind inzwischen vergangen, und nach der Insolvenz von Schlecker streitet sich in unserem Nachbarort niemand um die Überbleibsel. Zugeklebt mit weißem Papier, interessiert sich niemand für die verlassenen Geschäftsräume. Ein Makler sucht zu vermitteln, offensichtlich genauso erfolglos, wie die Geschäfte von Schleckervor der Insolvenz liefen. Zu teuer ? Eine zu schlechte Lage ? Ein zu trostloser Platz, wo der Hund begraben ist ? Soll die Drogeriekette nach sechs Jahren Tiefschlaf wieder zu neuem Leben erweckt werden ? Reste der Ladeneinrichtung dämmern hinter den zugeklebten Fensterflächen vor sich hin, Rollcontainer, Regalsysteme, die Kasseneinrichtungen sind nicht vollständig abgebaut. Das blaue Banner der Marke „Schlecker“ erstarrt in Leere und Verlassenheit. Ein erstarrtes Lebenszeichen des einstigen Drogerie-Discounters, der längst abgewickelt ist. Das blaue Banner der Marke „Schlecker“ verbirgt, welche Dramen sich abgespielt haben, die nach sechs Jahren längst in Vergessenheit geraten sind, aber nichtsdestotrotz bis in die Gegenwart fortwirken. Es ist eine Geschichte von den Mechanismen des Marktes, von den Fallstricken eines Familienunternehmens und von der Gier der Superreichen nach Geld. Das Unheil nahm seinen Lauf, als die Drogeriekette den Überblick über die Dichte des Filialnetzes verlor, welches sich bis in die letzten Winkel der Republik verteilte. Während die Konkurrenz von dm oder Rossmann ihr Filialen gestrafft und modernisiert hatten, häuften sich die Verluste bei Schlecker.

leerstehende Filiale von Schlecker

Firmenintern erkannte man dieses Missmanagement, doch der Firmenpatriarch Anton Schlecker ignorierte die Zeichen der Zeit und glaubte, die Dinge würden sich von selbst zum besseren wenden. Zuerst flickte er die Löcher mit eigenen Geldreserven, doch bei der Insolvenz kam es knüppeldick für ihn. Gemäß des auf ihn als Alleinherrscher zugeschnittenen Familienunternehmens hatte er die Rechtsform eines Einzelunternehmers gewählt, wodurch er mit seinem Privatvermögen haften musste. Hätte er eine GmbH gewählt, bei der die Gesellschafter dementsprechende Machtbefugnisse gehabt hätten, dann hätte sich die Haftung auf die Gesellschaftereinlagen beschränkt. So folgte das Drama, dass nicht nur 13.000 Mitarbeiter arbeitslos wurden, sondern dass Anton Schlecker ebenso vor Eröffnung der Insolvenz das zu retten versuchte, was zu retten war. Noch besaß er Privatvermögen, welches er mit einem Buchungstrick zu retten versuchte. Er überwies eine Summe von 7 Millionen Euro an die Logistik-Tochter-Firma, deren Inhaber sein Sohn und seine Tochter waren. Diese wiederum transferierten jeweils 2,5 Millionen Euro auf ihre Privatkonten mit einem Vermerk „Vorab-Gewinnausschüttung“, den Rest erhielt das Finanzamt zur Begleichung von Steuern. Dieses Gebaren erfüllte den Tatbestand der Untreue, so dass die Staatsanwaltschaft ein Strafverfahren einleitete. Während Anton Schlecker eine Freiheitsstrafe auf Bewährung erhielt, sitzen seine beiden Kinder nunmehr für zwei Jahre und mehrere Monate im Gefängnis. Dagegen haben sie Berufung vor dem Bundesgerichtshof eingelegt. Eine missliche Lage, was die allerletzten Reste auf dem Dorfplatz im Nachbarort bezeugen.

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