Tagebuch August 2018

1. August 2018

Gleich mehrere Rahmenbedingungen lagen bei unserem diesjährigen Legoland-Besuch anders. Nachdem irgend ein fieses Insekt meine Frau gestochen hatte, war ihr Fuss so dick geworden, dass sie kaum noch ihre Schuhe anziehen und laufen konnte. So blieb sie zu Hause. Anstatt dessen fuhr unser Sohn mit, außerdem wollte mein Schwager mitfahren. Mithin waren wir zu viert, die wir uns auf den Freizeitpark mit den Steinen, die die Welt bedeuteten, freuten. Beim Reservieren der Ferienwohnung ereilte uns dann eine weitere Neuerung, die zum spontanen Umdisponieren zwang. Unsere altgediente Ferienwohnung, in der wir mindestens ein Jahrzehnt übernachtet hatten, war belegt. Das war ärgerlich und hätte sich bei einer frühzeitigeren Reservierung vermeiden lassen. Ersatzweise fanden wir eine Ferienwohnung in demselben Stadtteil Leinheim, wo wir sonst untergekommen waren, das zur Stadt Günzburg gehörte. Nachdem wir um 16.15 Uhr in unserer Ferienwohnung ankamen, war es ein Novum all unserer Legoland-Besuche, dass wir es am Anreisetag ins Legoland schafften. Ein Mix durch das übliche Besuchsprogramm. Drachenachterbahn, die große und die kleine, Ninjago, Wildwasserbahn, Land der Paraonen, Techno Schleuder, Bummeln durch das Miniland. Zum Aufwärmen für den nächsten Tag, an dem wir ausgebiebig unsere Lieblings-Attraktionen genießen konnten. Zu Abend aßen wir in der Innenstadt von Günzburg, in unserem „Stammlokal“, wie man es nach Jahrzehnten nennen konnte. Das war der Brauereigasthof zur Münz, welcher bereits im Mittelalter existierte und nahe an einer Münzprägestelle des Habsburgerreiches gelegen hatte. Bayrisches Leckerle, das aß mein Schwager. Sohn und Tochter aßen Geschnetzeltes nach Oberschwäbischer Art – oder so etwas ähnliches. Bei mir waren es diesmal nicht die gewohnten Käsespätzle, sondern geschmelzte Maultaschen mit Kartoffelsalat, was wie immer ausgezeichnet schmeckte.

2. August 2018

Während unser Sohn und unsere Tochter bei unserem diesjährigen Legoland-Besuch mit dem Express-Pass die waghalsigen Fahrgeschäfte – Flying Ninjago, Drachenachterbahn, Lego Racer – nutzten, verbrachten wir dennoch die meiste Zeit zu viert zusammen. Die Fahrt auf der Wildwasserbahn war eine angenehme Erfrischung bei den sommerheißen Temperaturen. Die Safaritour hatte nichts von ihrer Faszination verloren, die Tierwelt Afrikas mit Affen, Löwen, Schlangen, Flamingos, Nashörnern, Elefanten in einer sauberen Kleinarbeit aus Lego-Steinen gebaut zu bestaunen. Als Starwars-Fans bewunderten wir, wie Joda, Darth Vader oder Flotten von Raumschiffen aus Lego-Steinen zusammen gebaut waren. Im Ninjago fand ich nicht den Dreh heraus, wie man mit der Hand der Luftzug auf die zu treffenden Ninjago-Figuren lenken sollte. Einzelne Figuren traft der Luftschwall, andere wiederum nicht, und ich konnte nicht ergründen, warum. Als zu Ende der Fahrt die erzielten Punkte angezeigt wurden, war unser Sohn klarer Sieger. Die digitale Anzeige im Frontbereich des Wagens zeigte 140.000 Punkte an, während meine 8.200 Punkte abgeschlagen hinter ihm lagen. Um den Überblick über die Gesamtheit der Attraktionen nicht zu verlieren, beförderte uns der Aussichtsturm in die Höhe, oder die Lego-Eisenbahn tuckerte mit uns durch den Park. Bevor wir den Park vor der Schließung verließen, aßen wir im Legoland im Schnitzel-Depot.

3. August 2018

Nachdem wir das Legoland am frühen Nachmittag verließen, hatten wir es auf der Rückfahrt selten mit so viel Staus zu tun. Es war Freitagnachmittag, und bereits ab Ulm-West staute es sich vor der Großbaustelle, wo die Autobahn sechsspurig ausgebaut wurde. Schier endlos hingen wir im Stau, bis wir die Autobahn bei Merklingen verlassen konnten, um den Stau über Landstraße umkurven konnten. Die Freitagsnachmittagszeit wirkte sich fatal auf das Nadelöhr Stuttgart aus. Sowohl auf der A8 in Richtung Stuttgart wie auf der A81 in Richtung Heilbronn meldete das Autoradio eine Vielzahl von Staus, so dass wir bei Stuttgart-Zuffenhausen, noch bevor in die Staus auf der A81 gerieten, die Autobahn verließen und über die Bundesstraße nach Bruchsal auf die Autobahn A8 fahren wollten. Doch auch das 60 Kilometer lange Stück über die Bundesstraße über Vaihingen war eine zähe Angelegenheit. Immer wieder Ampeln, Ortsdurchfahrten und Kreuzungen, wo es sich staute. Bei langsamen LKWs bestand kaum eine Möglichkeit zum Überholen und das letzte Stück bis Bruchsal wurde ständig von Ampeln unterbrochen, die sich einer grünen Welle widersetzten. Auf der Autobahn A8 floß zwar der Autoverkehr langsam, aber stetig, doch auf der Autobahn A61 bis Ludwigshafen kündigte das Autoradio neue Staus an. So fuhren wir denn über die Autobahn A6 an Mannheim und über die Autobahn A6 an Ludwigshafen vorbei, doch selbst die Autobahn A6 war ein einziges Nadelöhr. Auf der Rheinbrücke verengten sich die Fahrspuren, bis zum Kreuz Frankenthal wurde gebaut. Erst ab Worms entspannte sich der Autoverkehr auf der Autobahn A61. Der Verkehr floss so normal, dass wir auf 120 oder 130 km/h beschleunigen konnten. Als Schlussakkord gerieten wir bei Kruft nochmals in einen Stau. Abermals wurde gebaut, nur eine Spur war befahrbar, fast eine Stunde hingen wir in diesen Stau. In dieser Gegend des Koblenz-Neuwieder Beckens hatte ich mich nicht getraut, den Stau über Landstraße zu umfahren. Es sollte bis fast gegen 22 Uhr dauern, dass wir zu Hause ankamen.

4. August 2018

Bei unserem diesjährigen Besuch der Karl-May-Festspiele in Elspe haben wir an einer Bühnenführung teilgenommen. Der Blick hinter die Kulissen führte uns zuerst zur Westernstadt, wo stets Kampfszenen statt fanden. Explosionen zerlegten regelmäßig die Häuser in Einzelteile, die nach Ende der Vorstellung wieder zusammen gesetzt wurden. Wir wanderten auf die Plattform, wo sich regelmäßig die fulminanten Schlussszenen sammelten und alle Explosionen und Feuerausbrüche in sich vereinigten. Bei diesem fulminanten Finale ergoss sich ein Wasserfall in die Tiefe. Hoch oben, konnten wir uns die Ställe mit den einzelnen Pferden anschauen, und in einem Clubhaus waren die meisten Künstler untergebracht. Die Führerin erzählte uns einiges über die Dampflokomotive, die bei den Vorstellungen zum Einsatz kam. Die Lokomotive wurde 1917 in Berlin gebaut, bis 1975 wurde sie als Zillertalbahn in Österreich eingesetzt, danach wurde die Lokomotive hier übernommen. Müssen irgend welche Teile der Lokomotive ersetzt werden, ist der Bastler- und Tüftlergenie der Veranstalter gefragt. Es gibt nämlich keine Ersatzteile mehr, daher müssen vorhandene Teile irgend wie wieder funktionsfähig gemacht werden. Vom Plateau von oben aus hatten wir einen phänomenalen Blick auf die Bühnenkonstruktion.

5. August 2018

Schaut man auf die Handlungsfelder von Städten und Kommunen, so sollten sich die Problemzonen, die den Bürger betreffen, stapeln. Viele Städte ersticken im Autoverkehr, bei so manchen öffentlichen Bauprojekten laufen die Kosten aus dem Ruder, und die Bürgernähe der öffentlichen Verwaltung ist nicht immer zum besten gestellt. Ganz anders hat sich der öffentliche Diskurs in Bonn aufgestellt. Hier geht es weder um Verkehr, Lärm oder Kultur, sondern um das Schwimmen. Es sieht so aus, als hätten sich die Grundbedürfnisse der Bürger darauf reduziert, dass sie schwimmen gehen möchten. Das sollen die Godesberger Bürger auch, welche dieses Handlungsfeld betrifft. Es stellt sich allerdings die Frage, in welches Schwimmbad. Und darüber reden sich die Köpfe heiß. Obschon es stark sanierungsbedürftig ist, soll das Kurfürstenbad in Godesberg bitte erhalten blieben. Das Gefühl des Schwimmens scheint dort einiges entspannter zu sein als im neuen geplanten Zentralbad in Dottendorf. Zu diesem Thema hat es bereits einen Bürgerentscheid gegeben, der zugunsten des neuen Zentralbades ausgefallen ist, und nun soll es einen weiteren Bürgerentscheid geben. Man mag Hochachtung haben vor so viel Demokratie. Glaubt man dem Willen des Volkes, wird man es niemals jedem rechtmachen können.

6. August 2018

Im Umfeld von Hitze, Trockenheit, Dürre und Rekordtemperaturen mutet es so ungefähr wie ein Wunder an, wie unser Garten aussieht. Nichts ist vertrocknet, nur die Tomaten lassen ein wenig die Blätter hängen, alles wächst und gedeiht bestens. Zweimal dreißig Minuten Gießen, einmal morgens und einmal abends, benötigt unser Garten, damit ihm die Hitze nichts anhaben kann. Im Gegensatz zu den Feldern der Landwirtschaft können wir das Begießen gezielt ansetzen: auf die Wurzeln und in den Hochbeeten mit reichlich Wasser auf die Pflanzen. So entsteht der überraschende Effekt, dass Salat und Gemüse so prächtig wie nie zuvor gedeihen. Unsere Ernte ist überreich und so zahlreich, dass wir bei weitem nicht alles aufessen können.

7. August 2018

Gerade die hohen Temperaturen sorgen dafür, dass wir einen Berg von Tomaten ernten können. Wärme und reichlich Sonnenlicht lassen die Tomaten schnell heran reifen, sie werden rot wie nie zuvor, sie wachsen zu dicken Früchten heran, dessen Gewicht so manche Stiele auf den Boden gedrückt hat. Unsere reiche Ausbeute an Tomaten ist gut für eine Tomatensuppe. Kurz aufkochen, dann schälen. In der fertigen Tomatensuppe schmeckt man all den fruchtigen Geschmack heraus, den Tomaten aus dem Supermarkt – geschweige denn, aus Dosen – niemals hergeben können.

8. August 2018

Noch eine Erfolgsgeschichte aus unserem Garten. Bei Toom hatte meine Frau einen kümmerlichen Rest Kartoffeln gekauft, die wir in einem eigenen Beet angepflanzt hatten. Noch nie hatten wir es mit Kartoffeln in unserem Garten versucht, und im Gegensatz zu anderen Gemüsearten konnten wir das Heranreifen nur erahnen, da sich die Kartoffeln im Erdboden verstecken. Als wir gestern die erste Reihe von Kartoffeln geerntet hatten, waren wir verblüfft. Aus dem vertrockneten Erdreich gruben wir wahrhaft große Knollen heraus, die so groß waren, dass wir damit nicht gerechnet hatten. Wir freuen uns darauf, auf die Kartoffeln aus dem Supermarkt, deren Geschmack nichts mit Speisefrühkartoffeln zu tun hat, verzichten zu können und anstatt dessen unsere eigenen Kartoffeln verspeisen zu können.

9. August 2018

Ein Hauch von Exotik – gerne wünscht man sich in diesen Tagen von Hitze und Trockenheit ein tropische, subtropische oder mediterrane Pflanzenwelt herbei, die verschlungene Gewächse mit einer exotisch anmutenden Blütenpracht verbindet. Etwas überraschend, findet man diesen Import aus Mangrovenwäldern gleich um die Ecke. In der Mittagspause sind es nur ein paar Schritte aus dem Bürogebäude hinaus, nur kurz muss man die Straße auf die gegenüberliegende Seite überschreiten. In der Tat, die Büschel aus orange-roten Blüten, die sich in Form einer Trompete aufblähen, können sich sehen lassen, sie sind ein echter Hingucker. Prompt fühlt man sich in den Urwald oder auch in mediterrane Regionen versetzt, so sehr wuchert der Kletterstrauch um sich. Der Form der Blüte entsprechend, nennt sich dieser Kletterstrauch, der genauso an Hausfassaden hoch ranken kann, „Trompetenblume“. Eingewandert ist diese Kletterpflanze allerdings nicht vom Äquator oder aus dem Mittelmeerraum, sondern aus den Südstaaten in den USA, wo sie sich in den Auenwäldern der großen Flussebenen heimisch fühlt. Gut eingelebt hat sie sich in den gemäßigten Breiten Mitteleuropas, die sich in diesem Sommer aufheizen, begünstigt durch ganz viele Sonnenscheinstunden, die nur durch die Nächte unterbrochen werden. Die Trompetenblume – ihre exotischen Blüten faszinieren mit ihrer Schönheit.

10. August 2018

Wie schön, wenn man sich gut mit seinen Nachbarn versteht. Mit unseren Nachbarn in der anderen Doppelhaushälfte klappt dies bestens, doch nie hat es sich ergeben, dass wir abends einmal zusammen gesessen hatten. Da wir zuletzt anderweitig unterwegs waren, um uns zu unseren Geburtstagen einzuladen, luden uns die Nachbarn spontan auf ihre Terrasse ein. In abendlicher Gemütlichkeit hatten sie den Tisch gedeckt, und ab neun Uhr saßen wir beisammen, weil ich zuvor noch diverse Einkäufe erledigt hatte. Sie hatten aufgetischt mit leckerem, knusprigen Baguette, als weitere Brotsorte hatten sie Wurzelbrot aus der Bäckerei in unserem Ort besorgt. Dazu reichten sie Käse, unter anderem einen Kräuter-Frischkäse, selbst gebackenen Kuchen und Schinken. Ich trank einen süffigen italienischen Rotwein, und unsere Gesprächsthemen kreisten um Freizeitaktivitäten, um Kinder und Familie und um das Rentnerdasein des Nachbarn, bei dem kürzlich die aktive Phase seiner Altersteilzeit begonnen hatte. Er habe damit begonnen, sich mit den einfachen Dingen des Haushalts zu befassen. Nunmehr hängt er die Wäsche auf und wärmt das Essen auf, wenn seine Frau arbeitet. Auch als er noch gearbeitet hatte, war er gerne und viel gereist. Im Frühjahr war er mit seiner Frau in Portugal und Nordspanien gewandert, im Juni war er ohne seine Frau mit einer Gruppe über die Alpen gewandert. In einigen Wochen sollte zusammen im Pinzgau in Österreich gewandert werden. Als auf unsere regelmäßigen Legoland-Besuche zu sprechen kamen, wies er uns darauf hin, dass es in der Modelleisenbahnmesse, die im November in Köln stattfinden würde, regelmäßig eine Lego-Ausstellung gäbe. Als Familienmenschen, sind die beiden mittlerweile zweifache Großeltern. Bis vor kurzem habe es einen festen Tag gegeben, wann ihre Tochter mit ihren beiden Kinder vorbei gekommen sei, doch nunmehr sei die Regelmäßigkeit durcheinander geraten. Bei seiner Frau und auch bei mir würde im nächsten Jahr ein runder Geburtstag fällig. Wie wir allerdings den 60. Geburtstag feiern würden, dazu hatten wir noch keinerlei Idee. Uns war jedenfalls weniger danach zumute, die Feierlichkeit in einem großen bis riesengroßen Kreis zu begehen. In der lauen Sommernacht saßen wir bis gegen Mitternacht zusammen. In diesem Rahmen war dies das erste gemütliche Beisammensein, seitdem wir fast zehn Jahre Haus an Haus zusammen wohnen.

11. August 2018

38,7 Grad sind gestern an der Wetterstation in St. Augustin gemessen worden, das war der heißeste Tag des Jahres. Die Hitze schlug mir ihrem vollen Element entgegen, als ich gegen halb sechs auf dem Fahrrad meinen Büroarbeitsplatz aus der Tiefgarage verließ. Kaum hatte sich die Ausgangsschranke abgesenkt, da knallte die Hitze in mein Gesicht, der glühende Ball der Sonne hing wie ein Damoklesschwert über dem fast wolkenlosen Himmel. Ich fühlte mich wie in einem Kochtopf, der Atem stockte, die Bewegungen verlangsamten sich. Bis zur nächsten größeren Einmündung benötigte mein Körper, um mit diesen Rekordtemperaturen umgehen zu können. Dabei half der Wind, der stramm wehte, zum Glück in die richtige Richtung, nämlich in die Fahrtrichtung als Rückenwind, so dass er die Anstrengung aus dem Treten auf dem Fahrrad heraus nahm. Und es half die gewählte Fahrtstrecke auf der linken Rheinseite, wo die hoch gewachsenen Bäume Schatten spendeten. An der Rheinpromenade war nicht allzu viel los. Man spürte, dass die Menschen den Aufenthalt im Freien mieden, weil es in den Innenräumen von Gebäuden kühler war. Diejenigen Menschen, die ich beobachtete, lagen regungslos im Schatten, legten Pausen bei ihrem Spaziergang ein und führten große Mineralwasserflaschen mit sich. Später, an den ausgetrockneten Ufern des Rheins, wagten sich einzelne Schwimmer in den daher dümpelnden Fluss, in denen bizarre Formationen von Gestein weit hinein reichten. Auf meinem Rennrad der Marke „Scott USA“ war ich ziemlich alleine auf weiter Flur.

12. August 2018

Antikmarkt in Linz. Reichlich Flohmarktatmosphäre haben wir geschnuppert, und nachdem wir bei einem Plakat mit einem VW-Bus und einem VW Käfer aus den 1950er Jahren, das 15 Euro gekostet hat, nicht verhandeln konnten, haben wir anstatt dessen eine kleinere Karte mit einem BMW-Motorrad gekauft, die nur 1,99 € gekostet hat. Dieses BMW-Motorrad hängt nun über dem Schreibtisch unseres Mädchens.

13. August 2018

Der Regen prasselte wie eine Erlösung. Es schüttete, es goß wie aus Kübeln, so viel Regen auf einem Mal, den wir zuletzt nicht erlebt hatten. Das war das kurze Stück von der einen Bushaltestelle bis zu derjenigen, wo ich aussteigen musste. Nur für kurze Zeit musste ich mich vor diesen Regenmassen an der Bushaltestelle unterstellen, um nicht klatschnass zu werden. Der kurze Regenguss war heftig und tat gut. So schnell wie die Wassermassen gekommen waren, hörten sie wieder auf. Trocken und unbehelligt konnte ich trockenen Fußes nach Hause schreiten.

14. August 2018

Es gibt sie, diese Werbung, die so schräg und affig daher kommt, dass sie niemand haben will. Bisweilen können Werbetafeln die Stadtlandschaft bunt und poppig gestalten, Werbung kann die Blicke auf sich ziehen, sie kann auch Geschichten erzählen, die in den Kauf eines Produktes münden sollen. Genau das Gegenteil ist bei dieser Werbung der Fall, dass der Lieferheld Speisen und Getränke ins Haus liefern soll. Man kennt diesen Effekt von der „Seitenbacher-Müsli“-Radiowerbung, in der der schwäbische Spracheinschlag und die Endlos-Aneinanderreihung, das das beworbene Müsli von Seitenbacher stammt, den Zuhörer zum Weghören zwingt. Die Endlos-Aneinanderreihung des Werbespruchs stößt ab, doch die Werbestrategen haben wohl in die umgekehrte Richtung gedacht. Die Werbung stößt ab, prägt sich aber gleichzeitig ein, schließlich kann der Zuhörer gar nicht so schnell weghören, so dass sie in den Ohren nachklingt. Beim nächsten Gang durch den Supermarkt widmet man dann der Marke Seitenbacher besondere Aufmerksamkeit, und der Müsliesser greift zum Produkt. Die Plakatwerbung für den Lieferhelden, die nicht weniger affig gestaltet ist, stößt genauso ab. Man will nicht hinsehen, der Blick wendet sich ab, wie sich der Supermann in seinem roten Umhang und seinen weißen Handschuhen zum Helden aufspielt. Die Werbung ist nicht nur schlecht gemacht, der Lieferheld betrachtet zudem seinen Werbefeldzug als eine Art von Mission. Heldentum wird damit verbunden, dem Menschen sein Grundbedürfnis nach Essen und Trinken abzunehmen. Mundgerecht wird ihm das Essen serviert, kauen und verdauen muss es allerdings noch der Mensch selber. Sie erzieht den Menschen zu einem passiven, bequemen Automaten, der außer Essen, Trinken und Sex kaum noch eigene Bedürfnisse wahrnimmt.

15. August 2018

Paste-and-copy, so könnte man sagen. Ein Zwischenstopp auf dem Weg zum Glück. Dasselbe Foto im letzten und vorletzten Jahr, die niedrige Mauer mit Blumenkübel und Rennrad, im Hintergrund die Abteikirche von Maria Laach. Sogar das wunderschöne Wetter mit viel Sonne, wenigen Schleierwolken und azurblauem Himmel sieht aus wie eine arrangierte Kopie. Die letzten Jahre, jeweils in den Sommerferien, habe ich die Tour mit meinem CANYON-Rennrad nach Maria Laach geschafft. Die Tour mit dem Rennrad nach Maria Laach hat sich mittlerweile als eine Art von Königsetappe etabliert, die die übrigen Rennradtouren überragt. Schöner, weiter, schwieriger, berauschender, faszinierender. Sechs kollossale Anstiege in der Eifel fordern Herz, Seele und die Kondition heraus. Einhundertzwanzig Kilometer lassen den Körper mächtig schwitzen, verlangen den Muskeln die volle Kraft ab, lassen das Herz auf Hochtouren schlagen und pumpen die Lungen voller Sauerstoff. Die Mittelgebirgshügel der Eifel mit der Königsetappe der Tour de France nach Alpe d’Huez zu vergleichen, wäre vermessen. Doch wenn man die Anstrengungen an meinen ein wenig in die Jahre gekommenen Körper misst, dann geht die Tour bis an die Grenzen, so wie beim Ritt der Radrennprofis über die Alpen. Beim letzten Abschnitt von Remagen nach Hause hatten meine Kräfte gedroht, ihren Geist aufzugeben. Fünf Wochen war ich keine längere Tour mehr gefahren, und so hatte ich schlapp und ausgepumpt über dem Lenkrad gehangen, dass ich das Ziel zu Hause herbeisehnte. Nur noch mechanisch, programmiert wie ein Roboter, hatten die Beine, die schwer wie Blei waren, auf den Pedalen auf dem letzten Stück vorwärts getreten. Im Endeffekt war die Tour – wie in den Vorjahren – wunderschön.

16. August 2018

Nur noch ein kurzes Stück bergab mit dem Rennrad, das Ziel Maria Laach war bald erreicht, das sich nähernde Waldstück sollte die Abtei verbergen. Davor stoppte ich in der schnellen Abfahrt den Berg hinunter, um den ungewöhnlichen Blickwinkel festzuhalten. Wie oft sind wir über diese Autobahn gefahren ? Die Autobahn A61, durch die Eifel, den Hunsrück, durch Rheinhessen und die Pfalz, ins Legoland, in den Urlaub oder ganz einfach bei Ausflügen. Die Autobahn A61 dürfte wohl diejenige Autobahn sein, auf der wir die meisten Autobahnkilometer zurück gelegt haben. Wie die Rennradtour, so folgt die Autobahntrasse dem wilden Auf und Ab von Bergen und Tälern. Hinter der Autobahnausfahrt Wehr/Nürburgring verändert sich das Höhenprofil der Landschaft markant. Hinter dem Trichterrand des einstigen Vulkankraters von Maria Laach öffnet sich der Talkessel des Koblenz-Neuwieder Beckens. Vor der Autobahnausfahrt Mendig ist der Ausblick in den Talkessel grandios. Eine atemberaubende Landschaft, die vorbei fliegt im Takt der Geschwindigkeit. Fantastisch, aber im Auto bei weitem nicht so hinter füttert mit Eindrücken, wie man sie auf dem Rennrad wahrnimmt.

17. August 2018

Es sieht danach aus, mit meinen Wissenslücken in der Biologie bekomme ich es aber nicht genau zugeordnet, ob es Kornblumen sind. So wie ich die Kornblumen von den Getreidefeldern kenne – die in diesem vertrockneten Sommer kaum zu finden sind – sind die ausgefransten tiefblauen Blüten nicht unähnlich. Die Kornblumen hauchen dem verdorrten Rasen in jedem Fall ordentlich Leben ein. Sie muntern auf, überziehen den Rheindamm mit reichlich Farbtupfern und laden zum Bestaunen ein. Morgens öffnen sich die blauen Blüten zur Sonne hin, um sich in der Hitze des Nachmittags zusammen zu ziehen. Kornblumen – wenn es denn welche sind – eine üppige Schönheit am Wegesrand.

18. August 2018

Es sind die neuen Rituale unserer Zeit, wenn die Lust am Konsum organisiert wird. Dieser Lust wird freien Lauf gelassen, wenn Sonderangebote locken. Die Käuferscharen treten dann so geballt in einer Masse auf, dass man befürchten muss, von ihr verschluckt zu werden. So ungefähr erging es meiner Frau nach der Neueröffnung von dm am 13. August im Industriegebiet, als die Drogeriemarktkette mit einer Rabattaktion von 15% auf das gesamte Sortiment, die eine Woche andauerte, auf sich aufmerksam machen wollte. In solch einem Massenphänomen zog dm die Käuferscharen an, so dass nur mit größter Mühe und Not unter der Woche ein Parkplatz zu haben war, weil die Parkplatzfläche neben ALDI viel zu klein geraten war. Als das Wochenende nahte, fielen unserer Tochter noch diverse Utensilien ein, die nicht auf dem Einkaufszettel meiner Frau gestanden hatten. Samstagsmorgens wollte unsere Tochter mit mir nach dm fahren, um von dem letzten Rabatttag zu profitieren, und ich erschrak angesichts der Parkplatznot, die meine Frau zuvor erlebt hatte. Reichlich spät fuhren wir am Samstagmorgen los, erst gegen 10.30 Uhr, so dass ich das allerschlimmste befürchtete. Ein Verkehrschaos, so dass ich erst gar nicht auf den Parkplatz gelangen würde ? Doch alles kam anders, vollkommen entspannt. Direkt in der Nähe des Eingangs zu dm, waren gleich mehrere Parkplätze frei. Hatten sich die Käufermassen unter der Woche so sehr verausgabt, dass sie kein Geld mehr hatten ?

19. August 2018

Der Besuch des Flohmarktes in der Bonner Innenstadt war ein ähnlich schönen Familienerlebnis wie eine Woche zuvor in Linz, der Besuch war allerdings schwieriger organisierbar. Wie bereits vor einer Woche, war das Zeitfenster sehr eng, da meine Frau bis 14 Uhr arbeiten musste. Zufälligerweise kamen genau um diese Zeit Schwiegervater und Schwager vorbei, und bis wir losfuhren, ging es auf 16 Uhr zu. Dazwischen lag unsere überraschende Feststellung, dass der Flohmarkt einiges größer war, nämlich bis zum Münsterplatz, als er auf dem Flyer angekündigt war, das war der Friedensplatz. Von der Flohmarktatmosphäre ließen wir uns treiben, wir bummelten hier, bummelten da. Unsere Tochter kaufte ein kleine Katze aus Porzellan, die die Händlerin für 32 Euro eingekauft hatte und die nunmehr 10 Euro kostete. So manches interessante gab es zu sehen – Fliesen aus Delfter Kacheln in blau oder Geldscheine aus der DDR – und gegen 18 Uhr verließen wir den Flohmarkt. Viel zu früh begannen die Händler einzupacken, viel zu schnell mussten wir über den Flohmarkt hasten. Zu Hause ging dann die Hektik des Kochens los.

20. August 2018

Es ist eine Geschichte voller Verzweiflung. Zarte Pflänzchen von Mais werden im Frühjahr ausgesät, sie wachsen, reifen heran, stehen mannshoch im Feld, ragen kerzengerade in die Höhe und bilden an den Blättern Maiskolben heraus, die zu dieser Zeit geerntet werden. Doch in diesem Jahr kam die Trockenheit dazwischen. Ab Mitte Juni hier und da ein paar Tropfen Regen, davon aber viel zu wenig und dazu die Hitze, die die Felder austrocknete, nur noch eine fahle, harte Erdkruste ohne jegliche Feuchtigkeit. Die ersten Reihen zu ernten, dürfte ein Verzweiflungsakt der Hoffnungslosigkeit gewesen sein. Den Maispflanzen auf demjenigen Stück, das noch abzuernten ist, sieht man die Ohnmacht an. Wie zu Herbstzeiten, hängt das welke Laub der braun-gelben Blätter herab. Die Ernteerträge werden nur einen Bruchteil davon ausmachen, was man sonst geerntet hat, denn die Maiskolben muss man ungefähr mit der Lupe suchen. Die stehen gebliebenen Stoppeln sind in sich erstarrt. Sie sind das, was Ohnmacht und Hoffnungslosigkeit übrig gelassen haben.

21. August 2018

„Kommen Sie in einem halben Jahr wieder, dann nehmen wir eine Hautprobe“, meinte die Hauärztin, nachdem es .der Arzthelferin misslungen war, mit dem kugelförmigen Leuchtpunkt des Dermatoskopen die anders aussehende Hautgewebsstelle zu durchleuchten, die ungefähr so groß war wie eine Centmünze. Wegen zwei Stellen, wo sich das Hautgewebe sichtbar verändert hatte, hatte er mich mein Hausarzt zur Hautärztin nach Bonn-Duisdorf geschickt. Grüßen Sie mir die Hautärztin, hatte er mir mitgegeben, was ich auch getan hatte. Bestimmt und freundlich, sollte ich einerseits meinen Hausarzt zurück grüßen und andererseits beruhigte mich die Ärztin mit dem Pferdeschwanz, die in der Mitte ihres Lebens stand, rasch. Nichts Böses, urteilte sie. Es sei nicht unnormal, dass sich das Hautgewebe verändere. Ich war beruhigt, da ärztlichen Diagnosen erspart blieben, die mich ansonsten hätten umhauen können. Lange hatte der Rechner gebraucht, bis er hoch gefahren hatte, und die Zeit, während er gleich mehrere Updates installierte, nahm die Arzthelferin meine Daten auf und wir unterhielten uns im Smalltalk. Da mein Haar ergraut war, musste sie mich nach meiner Haarfarbe befragen. Sie stöhnte noch immer darüber, wie heiß es in den vergangenen Wochen gewesen war und wie schlecht man die Hitze in der Arztpraxis aushalten konnte. Da die beiden Stellen mit den Hautgewebsveränderungen dementsprechend gebräunt waren, sei das Hautgewebe mit weniger Farbpigmenten aussagefähiger. „Kommen Sie in einem halben Jahr wieder, dann nehmen wir eine Hautprobe“ war der abschließende Kommentar der Hautärztin. Dabei schüttelte sie nochmals den Kopf, dass keine bösartigen Veränderungen erkennbar seien, beim Betrachten der Mikrostruktur auf dem Bildschirm.

22. August 2018

Gießen anstelle Black Mamba. Der Rest der Familie nutzte den Tag in der letzten Schulferienwoche zu einem Ausflug in das Phantasialand Brühl. Derweil hatte mich ein stinknormaler Büroarbeitstag ereilt. Zu Hause ging es ans Kochen, Maultaschen musste ich noch einkaufen, es gab Maultaschen mit Resten von Soße. Danach Spülen, Wäsche im Garten von der Wäschespinne abhängen, schließlich den Garten Gießen. Nach den Beschreibungen der Familie werde ich das Phantasialand kaum noch wieder erkennen, zumal mein letzter Besuch bestimmt sechs bis sieben Jahre zurück liegt. Unter anderem ist die Wildwasserbahn neu gebaut worden – und natürlich viel rasanter geworden. Es gibt eine neue Super-Achterbahn, die Silbermine, die ich sehr geschätzt habe, ist abgerissen worden. Per SMS wurde ich bestens über die besuchten Attraktionen informiert, Castle Tower, die neue Super-Achterbahn, Colorado-Bahn, Black Mamba, dieses Höllengefährt, worauf mich keine zehn Pferde kriegen könnten, dieses Gefährt, welches allerdings auch meine Frau gemieden hatte. „Ganz toll“ antwortete die Tochter abends auf meine Frage, ob sie den Höllenritt auf der Black Mamba überstanden habe. Da ziehe ich es vor, den Garten zu gießen und vorher zu kochen, zu spülen und die Wäsche abzuhängen.

23. August 2018

Als ich mit dem Rennrad vom Büro aus durch die Stadt fuhr, war alles vorbei, und das war auch so zu erwarten. Dass Bonn das Etappenziel der Deutschlandtour war, war an für sich bereits ein Top-Sport-Event. Radrennsport in Bonn, das hatte mein Herz bereits im Vorfeld höher schlagen lassen. Zum Rahmenprogramm gehörte, dass im Zielbereich vor dem Koblenzer Tor Fahrradhersteller, Sportartikelvertreiber und Tourismusverbände Shows und Mitmachaktionen rund um das Fahrrad veranstalteten. Als ich mit meinem Rennrad auf der B9 am Hofgarten vorbei fuhr, bekam ich noch gerade so mit, dass die Zuschauertribüne abgebaut wurde. Das Rennen war gelaufen, und der Kolumbianer Alvaro José Hodeg hatte die 157 Kilometer lange Strecke von Koblenz quer durch den Westerwald nach Bonn in einer Zeit von 2 Stunden und 42 Minuten gewonnen. Die Absperrungen zur Bundesstraße B9 standen noch. Radio- und Fernsehreporter hatten die Zuschauertribüne längst verlassen, die Zuschauer sowieso. Ein Top-Ereignis war zu Ende gegangen, und ich konnte nur noch die Überbleibsel bewundern, die eine helle Begeisterung für den Radrennsport ausgelöst hatten.

24. August 2018

Es gibt sie, diese Tage, die keine Feier- oder Brauchtumstage sind wie Ostern, Weihnachten, Neujahr, Karneval, die aber nichtsdestotrotz den Gang der Jahreszeiten bestimmen. Ein Hebel wird umgelegt, das Sommerloch ist beendet, die Fußball-lose Jahreszeit findet ein plötzliches Ende. Der Anpfiff am Freitagabend um 20.30 Uhr, und die provisorisch mit Freundschaftsspielen, Supercup und Zweiter Liga zusammen geflickten Fussballereignisse werden abgelöst durch einen vernünftig durch strukturierten Spielplan. Der FC Bayern München gegen die TSG Hoffenheim, der Ball rollt wieder. Wenn das runde Leder rollt, dann ticken die Uhren sogleich anders mit den Anstoßzeiten. Freitagabend, Samstagnachmittag, Sonntagnachmittag, dazu die Zweite Liga, auf die ich besonders schauen werde, da mein Lieblingsverein dorthin abgestiegen ist, dazu der Pokal und die Spiele auf internationaler Ebene in der Europa- und Champions-League. Es wird gerannt werden, gekämpft werden. Strategie und Taktik werden ausgefeilt wie in den großen Schlachten der Geschichte. Und es werden Tore fallen, die über alles oder nichts entscheiden. Fussball-Herz, was willst Du mehr ? Der Ball rollt wieder.

25. August 2018

Der Besuch der Frankfurter Museumsuferfestes hatte sich mehr oder weniger spontan ergeben, weil Frankfurt auf unsere kleine Tochter einerseits einen unergründlichen Reiz ausübte und weil andererseits unsere Freundin dort mit ihrem Thailändischen Imbiss zugegen sein wollte. Den Thailändischen Imbiss sollten wir nicht finden, doch das Museumsuferfest war in der Tat eine Wucht. Das Fest nutzte einige am Mainufer in Sachsenhausen ansässige Museen, um daraus ein Treiben aus Marktständen, gastronomischer Vielfalt, Flohmarktatmosphäre, Bühnen mit Musik unter freiem Himmel oder auch mit einem Drachenbootrennen auf dem Main zu organisieren, das in seinen Größenordnungen wohl kaum übertroffen wird. Die beiden Ufer des Mains standen rappelvoll mit Marktständen, und besonders entlang der Museen und der Imbissstände auf dem Schaumainkai drängelten sich die Besucher. Kurios klingende Museen wie das „Geld-Museum“ oder das „Eintracht Frankfurt-Museum“ hatten ihre Zelte aufgeschlagen, weil ihre Gebäude nicht am Mainufer standen. Besonders fasziniert war ich von der Antiquariatsmeile am Museum Giersch der Goethe-Universität. Alte Bücher, so weit das Auge reichte, wurden unter Zelten zum Kauf angeboten. Nach unserem Abstecher in die Innenstadt begnügten wir uns am Schaumainkai inmitten der Imbissstände mit einer Indischen, Koreanischen, Argentinischen oder Polnischen Küche mit einer vergleichsweise einfachen Speiseauswahl: wir aßen Churros und Pancakes. Die Atmosphäre unter freiem Himmel bei schönem und nicht zu heißen Wetter war super.

26. August 2018

Das Konglomerat der Stadt Frankfurt mit ihrer Skyline von Hochhäusern ging nahtlos über in die mittelalterliche Stadt, wovon die Kriegszerstörungen wenig übrig gelassen hatten. Die Brücke des Eisernen Stegs führte geradewegs zu den Resten der mittelalterlichen Stadt, die die Frankfurter in aller Liebe und Sorgfalt wieder aufgebaut hatten. Der Marktplatz mit dem Römer aus dem 15. Jahrhundert – ein Juwel im Stadtzentrum. Dicht beieinander lagen die Paulskirche, die wir uns von innen anschauten, der Marktplatz und die Königspfalz aus der karolingischen Epoche, dessen Mauerumrisse der Dom überragte. Wie in den rheinischen Großstädten Köln oder Düsseldorf, bestimmten die Touristen die Laufwege, dabei gab der Römer ein beliebtes Motiv für Fotoshootings und Selfies ab. Wie während des Museumsuferfestes zu vermuten war, knubbelte sich die Menschenmenge vor der Schirn Kunsthalle und dem Historischen Museum.

27. August 2018

Frankfurt, eine geschichtsträchtige Stadt. Die Nationalversammlung, die 1848 stattgefunden hatte, kann man als Vorläufer eines demokratisch gewählten Parlamentes bezeichnen, das man mit der heutigen Institution des Bundestages vergleichen kann. 1848 wurden erstmals Volksvertreter in den Herzogtümern, größeren, kleineren und Kleinststaaten gewählt, die sich in der losen Vereinigung des Deutschen Bundes zusammengeschlossen hatten. Es war keine Wahl nach heutigem Verständnis, doch rund 80% der arbeitenden Männer konnten ihre Stimme abgeben. Rund 600 Abgeordnete trafen sich in der Frankfurter Paulskirche, die wir während des Museumsuferfestes besichtigten. Die Entsendung von Abgeordneten vereinigte zudem den Entwurf eines Deutsche Reiches in den Nationalfarben schwarz-rot-gold, welches letztlich erst 1866 auf dem Schlachtfeld geschaffen werden sollte. Die Abgeordneten erarbeiteten eine Verfassung, die aber vom Preußischen König abgelehnt wurde. Danach liefen die demokratischen Bestrebungen ins Leere und repressive Formen der Staatsgewalt gewannen die Oberhand. Wir spazierten durch den saalförmigen Innenraum der Kirche, wo einst die 600 Abgeordneten aus aller Herren Länder getagt hatten.

28. August 2018

Dass der morgige Schulbeginn nach den Sommerferien naht, war deutlich spürbar. Während McPaper mit lauter Angeboten zum Schulbeginn lockte, knubbelte es sich beim gegenüberliegenden Woolworth in der Schreibwarenabteilung. Kaum ein Durchkommen, als ich DIN C5-Versandtaschen benötigte. Ganz chaotisch wurde es an der Kasse. Eine Einschulung ? Musste die muslimische Mutter mit dem streng zurecht gezogenen Kopftuch ihre ganze Verwandtschaft versorgen ? Ein großer Haufen von Heften, Mappen, Stiften, Schreibblöcken, Ringbuchblättern stapelte sich vor der Supermarktkasse. Eine Ordnung war nicht erkennbar. Der Haufen war wild aufeinander geschmissen, und sie verstaute alles in einer großen Einkaufstüte aus Kunststoff mit dem passenden Schriftzug von Woolworth. Stück für Stück wanderten alle Schulsachen hinein, und der Verkäufer an der Supermarktkasse benötigte etwas Geduld, bis er Heft für Heft, Mappe für Mappe, Stift für Stift eingescannt hatte. Und am Schluss wunderte ich mich, wie diese unsortierte und chaotische Ansammlung schlussendlich in die Einkaufstüte hineingepasst hatte.

29. August 2018

Dass die Begrifflichkeiten Dom, Kathedrale und Münster, ihrem Wortursprung entsprechend, falsch angewendet werden, beweist so manche prächtige Kirche. Gemäß ihrer Bedeutung aus dem Lateinischen, leitet sich „Münster“ von „monasterium“ ab, was Kloster bedeutet. Demnach ist eine Münsterkirche eine Klosterkirche. „Cathedra“ heißt „Stuhl“, womit der Bischofsstuhl im Sinne des Bischofssitzes gemeint ist. „Domus“ heißt ganz einfach „Haus“, was man so interpretieren kann, dass es die eine, die beste, die schönste Kirche in der Stadt ist, womit man sein Heimatgefühl definiert. Die Begrifflichkeiten geraten allerdings gerne durcheinander. Köln ist eineindeutig Sitz des Erzbischofs, dennoch nennen die Kölner ihr mächtigstes Kirchenbauwerk „Dom“ und nicht „Kathedrale“. In Freiburg wird man an der Münsterkirche vergeblich ein Kloster suchen. Es war der letzte Wille des 1218 verstorbenen Zähringerherzogs Berthold V., in der Vorgängerkirche des Freiburger Münsters bestattet zu werden, gleichzeitig sollte ein Klosterstift gebaut werden. Dieses wurde nie gebaut, dennoch trug die Kirche stets den Namen „Münster“. Bei der Wortbezeichnung des Frankfurter Doms ist alles mit rechten Dingen zugegangen. Der Bischof in Limburg ist weit weg von Frankfurt, von einem Kloster ist weit und breit ebenso nichts zu sehen. Die wortneutrale Bezeichnung „Dom“ passt also. Eine wunderschöne Kirche, die ihr Schicksal mit dem Kölner Dom teilt, was den Zweiten Weltkrieg betrifft, wobei die Grundsteinlegung des gotischen Kirchenbaus in Köln und Frankfurt fast zeitgleich um 1250 erfolgte. Inneren des Doms ist ein Foto zu sehen mit den verheerenden Kriegszerstörungen. Wie sich die Bilder von Köln und Frankfurt gleichen: alles liegt in Schutt und Asche, ungefähr nichts ist mehr von der Stadt übrig geblieben, nur der Dom einen unerklärlichen Schutzengel gehabt. In seiner unangetasteten Schönheit ragt er aus der Trümmermasse heraus. Als wir uns den Dom von innen angeschaut haben, haben wir die Altäre bestaunt, ebenso das um 1635 entstandene Gemälde „Die Grablegung Christi“ des flämischen Malers Anton van Dyck.

30. August 2018

Nicht einmal zehn Jahre dauerte die Herrschaft in Königswinter, und dennoch haben die Herzöge von Berg ihre Spuren hinterlassen. Die Spuren sind bedeutend, denn die rund zehn Jahre Herrschaft während der Ära Napoleons erscheinen auf Augenhöhe mit den rund 800 Jahren, in denen, im Schatten des Drachenfelses, die Kölner Erzbischöfe regierten. Eine höchst seltsame Kombination von Kölnern, im Namen des regierenden Erzbischofs, und den Düsseldorfern, dem Herrschaftssitz der Herzöge von Berg. Das Stadtwappen von Königswinter spricht jedenfalls eine deutliche Sprache, dass die 800 Jahre Herrschaft der Kölner mit den weniger als zehn Jahre Herrschaft der Düsseldorfer eng nebeneinander stehen. Während man im unteren Teil des Königswinter Wappens die Stadtmauern erkennen kann, begegnen sich auf einem Schild im oberen Teil die Herzöge von Berg und der Kölner Erzbischof auf Augenhöhe. Auf der linken Seite symbolisiert ein roter Löwe mit einer blauen Krone die Herzöge von Berg, indes repräsentiert das schwarze Kreuz auf weißem Untergrund den Kölner Erzbischof. Obschon die Symbolik des Wappens aus dem Mittelalter stammt, ist die Geltung des Wappens sehr jung. Erst 1972 erklärte der Kölner Regierungspräsident dieses in seiner heutigen Gestalt zum offiziellen Stadtwappen von Königswinter.

31. August 2018

Die Planungen wogten diesmal um ein paar Ecken hin und her. Ich verwarf den Ursprungsplan, sprang zwischen Varianten hin und her, konnte mich nicht entscheiden. Schwierig oder einfach, kurz oder lang, eine seltene Streckenführung oder Routine, den Wind im Rücken oder im Gesicht, zwischen diesen Polen schwankten die Streckenverläufe, die in meinem Kopf herum schwirrten. Ich tat mich schwer, und im Endeffekt gab an diesem Tag der Freiraum, an meinem Laptop eine Zeit lang arbeiten zu können, den Ausschlag. Die Variante war einfach, aber nichtsdestotrotz anspruchsvoll. In Kurven von Königswinter aus über die Landstraße L332 durch das Siebengebirge, die zwar verkehrsumrauscht war, aber dennoch landschaftlich reizvoll mit einem fulminanten Anstieg von 8% auf die Margarethenhöhe. Die Geduld des Tretens bewältigte den lang anhaltenden Anstieg, eine Linkskurve, der sofort eine entgegen laufende Rechtskurve folge bis zum letzten Stück die Passstraße hinauf. Hinter dem Bergkamm der Martgarethenhöhe kehrte sich das Höhenprofil um, als die 8%ige Steigung in 8% Gefälle wechselte. Nun begann das einfache Stück der Tour, denn ab diesem Punkt ging es nur noch bergab. Ganz ins Pleistal hinunter nach Oberpleis. Ein kurzer, giftiger Höhenanstieg führte nach Pleiserhohn. Es folgte Westerhausen, das bereits zu Hennef gehörte. Im Siegtal in Hennef angekommen, hatte das Hennefer Wirtshaus über die Streckenführung entschieden. Ein wunderschöner Platz zum draußen sitzen. Ich kramte meinen Laptop heraus, trank eine erfrischende Fassbrause und aß, alleine an dem langen Biertisch sitzend, eine Currywurst mit Fritten.

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