der heißeste Tag des Jahres

Die Hundstage, das ist vielleicht eine überraschende Erkenntnis, haben ihren begrifflichen Ursprung nicht in Haustieren, speziell Hunden, die den Wallungen von Hitze genauso ohnmächtig ausgeliefert sind wie wir Menschen. Wie Mensch und Tier sich unwohl fühlen bei Hitze: niemand hat Statistiken herausgekramt, in welcher Zeitspanne die heißesten Tage im Jahr liegen und dabei das Leiden von Hunden bei Hitze betrachtet, um diese Tage dann Hundstage zu benennen. Nein, der Sternenhimmel musste als Namensgeber für die heißesten Tage im Jahr herhalten. Das Sternbild „Großer Hund“ zeigt sich einen Monat lang am Sternenhimmel. Am 23. Juli geht die Sternengruppe auf, am 23. August verlässt sie den Sternenhimmel. Das sind zufälligerweise, aber nicht genau deckungsgleich mit den Wetteraufzeichnungen, die heißesten Tage im Jahr.

38,7 Grad sind gestern an der Wetterstation in St. Augustin gemessen worden, die Hundstage laufen in diesem Jahr zu neuen Rekorden auf. Dieser Sommer ist ein Dauergesprächsstoff, seit einer gefühlten Ewigkeit hat es nicht mehr geregnet, die Klimadebatte ist in vollem Gange. In diesen Tagen reden die Klimaexperten von einer neuen „Heißzeit“. Wie läßt es sich aushalten bei solchen Rekordtemperaturen ?

Arbeitsplatz im Großraumbüro

Die Fahrt mit dem Fahrrad ins Büro war noch moderat. In der Nacht hatte es abgekühlt, und in den Morgenstunden gegen 8 Uhr konnte man durchatmen. Während der Fahrradfahrt spendeten Häuserreihen Schatten, den Radweg entlang der Bahnstrecke begleiteten hoch gewachsene Strauchreihen, zwischen denen man es aushalten konnte. Der Fahrtwind kühlte, heran brausende Züge verstärkten die Schübe von Wind. Im Großraumbüro griff die ausgeklügelte Technik der Klimaanlage. Die Fenster waren dicht, und ich hatte das Glück, unter den Büroarbeitsplätzen an einer von der Sonne abgewandten Fensterreihe zu sitzen. Ein Lob an meinen Arbeitgeber, der für erträgliche Arbeitsbedingungen sorgt, indem er die Hitze fernhält. Das Arbeitspensum konnte so auf Normalniveau erledigt werden.

Die Hitzeeinwirkung veränderte sich erst, als ich, umgezogen in Fahrradbekleidung, nach Arbeitsende den Büroarbeitsplatz über die Tiefgarage verließ. Es war gegen halb sechs, als mich nach dem Verlassen der Tiefgarage der Schlag traf. Kaum hatte sich die Ausgangsschranke abgesenkt, da knallte die Hitze in mein Gesicht, der glühende Ball der Sonne hing wie ein Damoklesschwert über dem fast wolkenlosen Himmel. Ich fühlte mich wie in einem Kochtopf, der Atem stockte, die Bewegungen verlangsamten sich. Bis zur nächsten größeren Einmündung benötigte mein Körper, um mit diesen Rekordtemperaturen umgehen zu können.

Dabei half der Wind, der stramm wehte, zum Glück in die richtige Richtung, nämlich in die Fahrtrichtung als Rückenwind, so dass er die Anstrengung aus dem Treten auf dem Fahrrad heraus nahm. Und es half die gewählte Fahrtstrecke auf der linken Rheinseite, wo die hoch gewachsenen Bäume Schatten spendeten. An der Rheinpromenade war nicht allzu viel los. Man spürte, dass die Menschen den Aufenthalt im Freien mieden, weil es in den Innenräumen von Gebäuden kühler war. Diejenigen Menschen, die ich beobachtete, lagen regungslos im Schatten, legten Pausen bei ihrem Spaziergang ein und führten große Mineralwasserflaschen mit sich. Später, an den ausgetrockneten Ufern des Rheins, wagten sich einzelne Schwimmer in den daher dümpelnden Fluss, in denen bizarre Formationen von Gestein weit hinein reichten. Auf meinem Rennrad der Marke „Scott USA“ war ich ziemlich alleine auf weiter Flur.

Es gab aber auch Orte, die die Menschen bei dieser Affenhitze magisch anzogen. So war der Biergarten „Zum Schänzchen“ gut besucht. Auf den Biertischgarnituren scharte man sich eng zusammen, Marktschirme hielten die Sonne fern, aus Halbliterkrügen erfrischte man sich bei einem kühlen Bier. Die Atmosphäre hatte etwas Historisches an sich. Der Treppenaufgang führte durch die halbrunde Öffnung durch das dicke Festungsgemäuer der einstigen Preußischen Festung hindurch. Kastanien wuchsen in dem Terrassenbereich in die Höhe. Die nächste Insel in dem Kessel von Hitze war das Römerbad. Ab ins kühle Nass, im Schwimmbad der Hitze trotzen, danach hatte ich mich den ganzen Tag gesehnt, doch mein Arbeitgeber hatte etwas dagegen gehabt und mich anstatt dessen an den Büroarbeitsplatz geordert.

Rheinpromenade (oben links), Römerbad (oben rechts), ausgetrocknetes Rheinufer (unten links), Baden in der Sieg (unten rechts)

Nachdem sich mein Körper vorübergehend akklimatisiert und mit der Hitze arrangiert hatte, traf mich an der Autobahnauffahrt Bonn-Beuel erneut der Schlag. Die Ampel war soeben auf Rot umgesprungen, und die Zeit, die ich warten musste, dehnte sich maßlos in die Länge. Die Sonne brannte über dem heißen Asphalt. Schutzlos, ohne jeglichen Schatten war ich der Hitze ausgeliefert. Der Schweiß sammelte sich unter dem Fahrradhelm, legte sich als schmieriger Film über die Kopfhaut. In Rinnsalen lief er die Stirn hinunter, wo ich ihn vor Erreichen der Augenwinkel abwischen musste. Andere Fahrradfahrer teilten mein Schicksal und hingen während der ungewollten Pause reglos über ihren Lenkrädern. Als die Ampel nach einer gefühlten Ewigkeit auf Grün umsprang, kam mir dies wie ein Akt der Befreiung vor.

38,7 Grad in St. Augustin, der heißeste Tag des Jahres. Als ich die Siegbrücke passierte, konnte ich die Reihen von Badenden beobachten, die in dem zusammen geschrumpften Flussbett der Sieg Abkühlung suchten. Nach einem Gewitterschauer in den Morgenstunden hat sich die Hitzewelle heute etwas entspannt. Es hat so sehr geregnet, dass ich auf dem Weg zur Bushaltestelle klatschnass geworden bin. Ein säuselnder Wind, der die Hitze vertrieben hat, kühlte die Temperaturen auf ein erträgliches Maß herunter. Wir konnten es wieder aushalten.

Die Hundstage sind noch nicht zu Ende, doch die schlimmste Hitze scheint vorbei zu sein.

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