Homo Obercasselensis

Afrika, ein ganz anderer Blickwinkel auf die Menschheitsgeschichte. Die Spuren des „Homo Sapiens“ führen nach Afrika zurück, denn, was dort Archäologien aus der Urgeschichte der Menschheit ausgegraben haben, übertrifft bei weitem die Funde in den anderen Kontinenten. Die Schöpfung hat demnach im Schwarzen Kontinent ihren Lauf genommen. Seit den 1960er Jahren galt Äthiopien als die Ursprung des „Homo Sapiens“, weil dort an zwei Fundstellen menschliche Schädel gefunden wurden, die die Anthropologen jeweils auf 195.000 Jahre datierten. Dieser Forschungsstand ist seit Mitte letzten Jahres überholt. In einer Höhle in Marokko fand man einen Schädel, einen Unterkiefer und auch Werkzeuge, deren Alter allesamt auf 300.000 Jahre ermittelt werden konnte. Afrika, die Wiege der Menschheit. Ausgrabungen und Funde sprechen eine einheitliche Sprache, dass die Prototypen unserer allerersten Spezies dort beheimatet sind.

Steinzeitmenschen im Rheinischen Landesmuseum Bonn

Nach der gängigen „Out of Africa“-Theorie wanderte der Homo sapiens vor rund 60.000 Jahren nach Europa, ganz langsam in einer Wanderungsbewegung über mehrere Tausend Jahre. 42.000 Jahre alt war der Neandertaler, den man in dem gleichnamigen Tal bei Düsseldorf fand. Ein anderer Fund im Rheinland, ein Doppelgrab mit zwei Skeletten in Bonn-Oberkassel, weist ein Alter von 14.000 Jahren auf. Wie sind diese Funde in der Menschheitsgeschichte einzuordnen ?

Am 14. Februar 1914 nahm der Arbeitstag von Arbeitern, die im Steinbruch Rabenlay in Bonn-Oberkassel Blöcke von Basalt heraus brachen, einen ganz anderen Verlauf. An dem Westhang des Steinbruchs, der sich dem Rhein zuwendete, stemmten die Arbeiter schichtenweise Brocken von Basalt heraus. Schweres Werkzeug drang in die Gesteinsschichten ein, und der herab gebröselte Schutt sammelte sich auf dem Boden. Als die Arbeiter am Rande des Steinbruchs eine mehrere Meter dicke Schicht von Gehängeschutt, bestehend aus Geröll, Lehm und Verwitterungsmterial, abtragen wollten, dämmerte ihnen der Erdboden in einer karminroten Färbung entgegen. Neugierig tasteten sich ihre Picken und Stemmeisen in die Stelle hinein, bis sie nach mehreren Metern nicht schlecht staunten. Zwischen kleineren und größeren Basaltstücken und eingehüllt von einer spärlichen Lage von Lehm, die durch Rötel intensiv rot gefärbt war, lagerten zwei menschliche Skelette. Die Arbeitern, denen die Abwechslung ihres monotonen Tagesablaufes willkommen war, meldete dies ihrem Vorarbeiter. Und der informierte wiederum die Universität, die bald mit einer ganzen Abteilung von Professoren und Archäologen anrückte. Sie gruben, spürten, sezierten, wühlten herum, zerlegten das Erdreich, staunten.

Die Arbeiter hatten gute Vorarbeit geleistet, denn es fehlte nicht viel, bis die Skelette frei gelegt waren. Nachdem Professoren und Archäologen die geologischen Verhältnisse der umliegenden Gegend untersucht hatten, wurde in alle Richtungen weiter gegraben, um zu untersuchen, ob etwa die Fundschicht noch eine weitere Ausdehnung in der Fläche und in der Tiefe besäße. Doch die Hoffnung, in der Nachbarschaft auf weitere Funde zu stoßen, war vergeblich. Dafür war der Fund der beiden menschlichen Skelette aber eine Sensation.

Skelette aus dem Doppelgrab (oben),

Nachbildung der Köpfe der Frau und des Mannes im Doppelgrab (unten)

Dauerausstellung im Rheinischen Landesmuseum Bonn

Bei den beiden Skeletten handelte es sich um ein älteren Mann, um die 50 Jahre alt, und ene jüngere Frau, um die 25 Jahre alt. Weitgehend ähnelten sich die Skelette, in manchen Details waren sie aber grundverschieden. Der Erhaltungszustand der Skelette war vollkommen bis perfekt und so gut, dass sich Unteroberkiefer, Gebiss, Nasenöffnung, Brustkorb oder Becken anatomisch genau untersuchen ließen. Das Alter des Fundes war eine Sensation. Bereits die Professoren und Archäologen der Bonner Universität schätzten das Alter auf 14.000 Jahre (vor Christi Geburt), welches durch moderne und fortgeschrittene radiologische Verfahren etwas weniger als ein Jahrhundert später bestätigt wurde.

Wie war die Rotfärbung an der Fundstelle zu erklären ? Die rote Farbe konnte als Mineralfarbe Hämatit identifiziert werden, und wahrscheinlich war es ein Begräbnisritual der Jungsteinzeit, dass die Toten damit bestreut wurden, das Grab wurde dann mit großen Steinen überdeckt und mit Erdreich zugeschüttet. Wie war der Fund in der Frühgeschichte einzuordnen ? Dazu wurde dieser Fund mit anderen Funden verglichen. Die Übereinstimmungen mit der sogenannten Cromagnon-Rasse waren verblüffend. Beim Skelett des Mannes war es die Schädelform, insbesondere die Überaugenhöhlen- und Stirnwulst, beim Skelett der Frau stimmte der Scheitelkiel haargenau überein.

Die Menschen der Cromagnon-Rasse, deren Überreste Ende des 19. Jahrhunderts in Höhlen in der Dordgone in Südfrankreich gefunden wurden, lebten etwa 11.500 bis 14.000 Jahre vor Christi Geburt. In der Cromagnon-Rasse vereinigen sich die Abstammungslinien des europäischen Urmenschen, dem Homo Neandertalensis, dessen Funde bei Düsseldorf rund 42.000 Jahre alt sind, und dem Jäger und Sammler-Typen des Homo sapiens aus Afrika, der vor rund 60.000 Jahren verschwindend langsam eingewandert war. Die beiden Abstammungslinien unterscheiden sich aufgrund der anatomischen Formen, die grundverschieden sind. Der Hinterkopf wölbt sich beim Neandertaler, der außerhalb des Neandertals in ganz Europa gefunden wurde, bei gleichzeitiger ovaler Vertiefung nach hinten, während die Schädelgröße des Homo sapiens derjenigen des heutigen Menschen nahe kommt.

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass Menschen der Cromagnin-Rasse direkte Vorgänger des heutigen Europäers gewesen sind, da sie nicht hur Jäger und Sammler waren, sondern sich an festen Wohnplätzen nieder gelassen hatten. Genanalysen hatten darüber hinaus festgestellt, dass bestimmte Gene des in Afrika beheimateten Frühmenschen des Homo sapiens auch in der Cromagnon-Rasse vorkommen. In der urgeschichtlichen Zeitrechnung endet hiermit die Abstammungslinie des Neandertalers, da sich die Menschenrassen zunehmend vermischt haben und dem heutigen Menschen ähneln.

Brunnen mit dem "Homo Obercasselensis" in Bonn-Oberkassel

2014, im einhundertsten Jubiläumsjahr des Fundes, suchten die Forscher mit der Anwendung neuer Röntgenverfahren neue Forschungsergebnisse zu erzielen. im Leipziger Max-Planck-Institut zerlegten Röntgenstrahlen die Skelette in bis zu 150.000 Scheiben, wo größer gewachsene Körperzellen, so Tumorzellen, nachgewiesen werden konnten. Kleinste Partikel von Muskelansätzen konnten eingescanned werden. Damit konnten der Körperbau und die Gesichter rekonstruiert werden.

Es waren die Bonner, die ihren Fund aus Oberkassel stolz als einen der letzten Urmenschen-Typen festlegten, bevor aus sämtlichen Menschenrassen der eine, einzige „Homo sapiens“ hervor gegangen ist. Sie tauften ihn „Homo Oberkasselensis“ und betrachteten ihn als den Vorfahren des Rheinländers. Im Stadtteil Oberkassel erinnert, unterhalb der Fundstelle ein Brunnen an den wegweisenden Fund in der Erdgeschichte.

Im Ursprung, bei der Entstehung der Menschheit, werden wir alle werden wir alle ein ganz kleines Stückchen des Genes des Homo sapiens aus Afrika nicht leugnen können.

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