Oskar und Rambo

Was man in solch einem kurzen Katzenleben so alles durch machen muss.

Obschon unser Kater Oskar, 2 Jahre, putzmunter unser Haus die Treppen rauf und runter rennt, viele Ecken und Winkel inspiziert und seine Kuschelecken gefunden hat, war der letzte Arztbesuch bei unserer Tierärztin ernüchternd. Seitdem wir Ende Oktober unsere beiden Kater aus dem Tierheim Troisdorf abgeholt haben, kränkelt der eine Kater ,Oskar, an seinem rechten Auge, während der andere Kater, Rambo, gerne seinen beleibten Körper streckt und sich der Länge nach auf den Rücken umdreht, um seine Streicheleinheiten einzuheimsen. Beide haben sich gut eingelebt in unserem Hause, ständig gehen sie auf Entdeckungstour, sie inspizieren die Garage, schauen im Keller nach dem Rechten, prüfen unsere Vorratsräume, und natürlich fühlen sie sich in unserem Bett und in denen von Sohn und Tochter besonders wohl.

Oskar (rechts) und Rambo (links)

Im Tierheim war Oskars rechtes Auge errötet und es hieß, er habe eine Bindehautentzündung. Die erste Diagnose bei unserer Tierärztin lautete aber anders, nämlich dass sich ein Fremdkörper auf der Hornhaut befände. Präziser sollten wir dies von einem Augentierarzt in Bonn-Rüngsdorf untersuchen lassen, der über bessere Instrumente und technische Geräte verfügen würde. Genau mit diesen Instrumenten sah die Augentierärztin dann winzige Punkte auf dem Augapfel, die sie als eine Herpes-Infektion deutete. Gegen die Virusinfektion sollten wir ihm eine Augensalbe in seine Augen tropfen, anfangs hatte unsere Tierärztin im Ort ihm auch Augentropfen verordnet. Einen Floureszin-Test sollten wir bei unserer Tierärztin machen lassen, wenn die Salbe aufgebraucht sei.

Katzen haben einen Instinkt für Worte und für Situationen, das hatte bereits Ralf Schmitz in seinem Buch „Schmitz Katze“ beschrieben. Fortan wurde das Einträufeln der Augensalbe in sein rechtes Auge zu einer groß angelegten Aktion, die generalstabsmäßig in Angriff genommen werden musste. Erwähnten wir das Wort „Augensalbe“ in seiner Gegenwart, ergriff er augenblicklich die Flucht. Ihn zu greifen, um ihm die Augensalbe in sein rechtes Auge zu tropfen, wurde zu einem Versteckspiel in einem der zahlreichen Ecken und Winkel in unserem Haus. Er rannte hin und her, suchte Unterschlupf in einem der Ecken und Winkel, ließ sich dort nicht greifen und entschwand wieder. Nur in einer schlafenden Position sollte es gelingen, ihm die Augensalbe zu verabreichen.

„Können die beiden es miteinander ?“ hatte uns die Tierärztin gefragt, weil die beiden ein höchst ungleiches Paar waren. „Sehr wohl“ hatten wir wahrheitsgemäß geantwortet. Oskar und Rambo unterschied nicht nur das Alter von 2 und 6 Jahren, sondern auch das Gewicht. Obschon Oskar und Rambo getrennt voneinander uns Haus erkundeten, fanden sie zueinander, wenn sie wechselseitig an dem Fell des anderen leckten. Hatten sie genug von dem Körpergeschmack des anderen, dann fetzten sie durch unser Haus. Sie rannten los, verfolgten sich gegenseitig, rannten wie wild durch unser Wohnzimmer und schauten sich verdutzt an. Dann durften wir uns nicht einmischen. Sich selbst überlassen, beruhigten sie sich von selbst.

Oskar (oben rechts), Rambo (oben links, Mitte rechts und unten links),

Thunfischbrot (Mitte links), Augensalbe (unten rechts)

Mit seinen 6,6 Kilogramm, die die Tierärztin gemessen hatte, war Rambo ein wahres Schwergewicht, welches entsprechende Portionen von Katzenfutter verschlang. Oskar hingegen war schmal und schlank, er brachte gerade 4,0 Kilogramm auf die Waage, und seine wendige Gestalt huschte gerne ungesehen an uns vorbei. So mussten wir aufpassen und genau trennen, am besten in zwei separaten Räumlichkeiten, wenn unsere beiden Kater fraßen, damit das Schwergewicht dem Leichtgewicht das Essen nicht wegfraß.

Dabei beschränkte sich Rambo nicht nur auf seine Portionen von Trocken- und Nassfutter, sondern er mochte auch ausgefallene Leckereien. Einmal, nachdem wir unsere soeben eingekaufte weihnachtliche Fensterbeleuchtung auf unserem Esstisch ausgepackt hatten, hockte Rambo an der Tischkante und entfernte sich zögernd. Als wir den Wirrwarr von Kabeln näher betrachteten, entdeckten wir eindeutige Fraßspuren. Die Kunststoffummantelung war angefressen, das Kupferkabel lag blank und musste wieder zugeklebt werden. Ein paar Wochen später, erlebte ich eine andere böse Überraschung am Frühstückstisch. Das Thunfischbrot hatte ich fertig belegt, in der Küche holte ich unseren Kaffee, und anschließend wanden sich die Täter Oskar und Rambo um unseren Frühstückstisch. Als ich das Thunfischbrot in die Hand nehmen wollte, um es zu essen, bemerkte ich, dass der Thunfisch komplett fehlte und weggefressen war. Selbst die offenstehende Thunfischdose hatten sie bis auf kleine Reststücke sauber geputzt und leer geleckt. Es gehört zu Rambos Selbstverständnis, dass er gerne viel und alles isst. So machte er sich an unserem Esstisch sogar über Salatblätter her, als meine Frau gerade Kopfsalat am Lesen war.

Beim letzten Arztbesuch wurde uns klar, dass den Tierärzten eine Diagnose bei Oskar nicht so wirklich klar ist. Unabhängig von einander, trafen sie unterschiedliche Diagnosen, die sich zwar ergänzten, uns aber nicht wirklich weiter halfen, obschon Oskar putzmunter ist und quietschfidel herum springt. Was mit dem Fremdkörper auf der Hornhaut los sei ? Unsere Tierärztin meinte, der Fremdkörper wäre noch vorhanden. Darauf sei die Augentierärztin nicht eingegangen, erwiderten wir. Anstatt dessen hätte sie diese winzigen Pünktchen entdeckt, die sie als Herpesinfektion interpretiert hätte.

Wir zuckten mit den Schultern. Nachdem die Tierärztin sich unentschieden zeigte, die Augensalbe weiter zu verabreichen, bewertete die Tierarzthelferin die Situation mit einem „Ja“. Die winzigen kleinen Pünktchen seien nicht ganz verschwunden.

Oskar (links) und Rambo (rechts)

Nachdem das rechte Auge begutachtet war, teilten wir unsere Sorge mit, dass Oskar besser fressen könnte. Diesmal hatte die Tierärztin eine plausible Erklärung, als sie Oskars Mund in Augenschein nahm. Ein Backenzahn hatte sich nämlich braun gefärbt. Mit der Gesundheit der Zähne sei es bei Katzen nicht anders als bei Menschen. Zuerst müsse sie den Zahnstein entfernen, und dann müsse sie den Zustand des Zahnes weiter betrachten. Möglicherweise leidet unser Kater Oskar unter Zahnschmerzen, und so wie der Backenzahn aussähe, sei nicht auszuschließen, dass der Zahn gezogen werden müsse. Diese Aktion, auch die Entfernung des Zahnsteins, geschähe dann unter Vollnarkose. Dazu müssten wir uns Anfang nächsten Jahres einen Termin geben lassen.

Armer Oskar. Was man in solch einem kurzen Katzenleben so alles durch machen muss.

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