Tagebuch September 2017

1. September 2017

Das Anbietungsverfahren ist heute zu Ende gegangen, das Anbietungstool wurde geschlossen, und wir alle müssen warten, in welchem Bereich wir genau landen werden. Im Jahr 2007 war es das letzte Mal so, dass ich mich aktiv bewerben musste und auf mögliche neue Chefs zugehen musste. Genau so war es bei dieser Reorganisation. Das Gespräch suchen, Termin vereinbaren, von sich erzählen, sich gegenseitig kennen lernen. Ein durchaus angenehmes und belebendes Gefühl. Weitere Reorganisationen zwischen 2007 und heute waren aber angenehmer, weil die Tätigkeit blieb und einfach nur das Türschild geändert wurde.

2. September 2017

Was man als Kitsch betrachtet, dürfte gemeinhin mit persönlichen Vorlieben und Geschmack zu tun haben. Das Wort „Kitsch“ kursierte erstmals im Kunsthandel in München um 1870, als Gemälde in einer größeren Stückzahl nachgeahmt oder kopiert wurden, und zwar in einer outputorientierten und schnellen Maltechnik, dass man sie gemeinhin als hastig daher geschmiert empfand. Dabei ist die Herkunft des Wortes „Kitsch“ unklar, denn die Deutungsversuche zielen ab auf die Mundart („kitschen“ für zusammenkehren, klatschen und klitschen) oder auf das Englische (abgeleitet aus dem Wort „sketch“ für Skizze). Unabhängig von der Wortherkunft, befindet sich Kitsch stets in einem Spannungsfeld von Schönheit und Massenproduktion zu tun. Was Touristen etwa in Andenkenläden als schön empfinden, um es als Mitbringsel zu Hause zu behalten, empfinden Einheimsche als Geschmackslosigkeit. Zum Sinnbild deutschen Kitsches ist der Gartenzwerg geworden. Eine künstlerische Note kann man ihm freilich nicht absprechen. Seine Formen, die vielen Bürgern zu bieder oder gar spießbürgerlich sind, haben sich dennoch hartnäckig gehalten. Mitten in der Stadt, an der Zufahrt zur Tiefgarage, in die Zange genommen vom Autoverkehr, fühlen sich die Gartenzwerge in dieser mit Maß bedachten Grünfläche, ziemlich wohl.

3. September 2017

Ich erinnere mich noch sehr genau, dass es im April 1987 war, als ich zum ersten Mal in der Siegfähre war. Frisch verliebt in meine heutige Ehefrau, aß ich mit ihr ein Cordon Bleu, dass ich mir in ihrer Anwesenheit lecker schmecken ließ. Was die Einrichtung betrifft, musste ich letzten Sonntag feststellen, dass sich seitdem nicht so riesig viel verändert hatte. Der ausgedehnte Biergarten, die holzvertäfelten Wände im Inneren, die schmale Theke, wo die Kellner hin- und her flitzten. Nicht gravierend hatte sich die Speisekarte verändert: jede Menge Schnitzel, auch Cordon Bleu, ich meine, 1987 wären noch keine Medaillons oder Spätzle im Angebot gewesen. Auch die Bilder an den Wänden waren neu: zwei Bilder aus der naiven Malerei, die mir gefielen, und ein Foto mit dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder erstaunte mich, als er 2005 mit der Einmannfähre über die Sieg übergesetzt hatte.

4. September 2017

Der Blick auf die Autobahn A565 aus einer ungewohnten Perspektive, nämlich von ganz unten. Dass die Bezeichnung des Brückenbauwerks „Tausendfüßler“ dem Tierreich entnommen ist, versteht man gut aus diesem Blickwinkel, da ein System aus Stützten, Stelzen und Pfeiler, tausend Füßen gleich, in die Höhe ragt, um die Autobahn in luftiger Höhe zu positionieren. Ob es allerdings tatsächlich eintausend Stützen, Stelzen und Pfeiler sind, die mit ihrem scharfen Profil die vier Spuren der Autobahn über die Stadtteile Auerberg, Tannenbusch und Endenich hinweg tragen, hat wahrscheinlich niemals jemand nach gezählt. Als Nadelöhr, ist dieser Gliederfüßler bei Autofahrern berüchtigt. In die vier Spuren ohne Standstreifen eingezwängt, staut es sich nicht nur bei der kleinsten Unregelmäßigkeit, sondern all die in Beton gegossenen Stützen, Stelzen und Pfeiler sind längst porös geworden, so dass es an Standfestigkeit mangelt. So haben sich zu diesem Nadelöhr diverse Baustellen dazu gesellt, da all die Stützen, Stelzen, Pfeiler mit Spanngliedern, das sind zwei Meter lange Schrauben, und mit U-Trägern befestigt worden waren. Da die Verstärkungen den Zerfall des Betons nur in einem mittelfristigen Zeithorizont stoppen können, überlegt man sogar, den Tausendfüßler komplett abzureißen und neu zu bauen. Sechsspurig, aber noch unbekannt, auf welcher Trasse, wird das Baustellendasein der Autobahn A565 bis auf weiteres kein Ende nehmen.

5. September 2017

Die Zeit dreht sich heutzutage rasant, die Zyklen von Produktinnovationen werden immer kürzer und überholen sich selbst, so in der Unterhaltungselektronik. Vieles, was heute produziert wird, ist morgen veraltet und landet übermorgen auf den Müll. Bei Fernsehern ist HD inzwischen Standard. Die Bildschirme, die die Kunden nachfragen, werden immer größer, flacher und in einer feineren Auflösung. Berge von Elektronikschrott sind zu entsorgen, und wahrscheinlich wird auch gewisser Anteil der Wiederverwertung zugeführt. Dennoch bleibt ein schaler Beigeschmack der Produktion: nichts ist mehr langlebig und der Augenblick verflüchtigt sich in hastig daher flackernden Abfolgen von Bildersequenzen.

6. September 2017

Türme, die Teile von Stadtbefestigungen waren oder auf der Höhe zur Verteidigung dienten, reichen bis weit in die Römerzeit oder noch wesentlich früher zurück. Man denke etwa an den Römerturm in der Nähe des Kölner Friesenplatzes. Wieso Kirchen einen Turm haben, ist hingegen nur bedingt erklärbar, obschon man sich eine Kirche ohne Kirchturm kaum vorstellen kann. Erste Kirchtürme mit frei stehenden Glockentürmen baute man in Italien im 6. Jahrhundert. Erklären kann man überhaupt die Kirchtürme als Glockentürme, da die Kirchenglocken hoch oben aufgehängt werden mussten, damit sie weithin hörbar waren. Dies erklärt allerdings nicht den Umfang und die Proportionen von Kirchtürmen. Ebenso läßt sich aus dem Christentum keine Symbolik ableiten, dass Kirchen einen Turm haben müssen. Spätestens im Stil der Gotik, ab dem 10. Jahrhundert, baute man die Kirchen mächtig in die Höhe. Hohe Fenster und hohe Türme, die in den Himmel ragen sollten. So kann man sich bis heute keine Kirche ohne Kirchturm vorstellen. Während hier die Kirche St. Marien und die Godesburg einen Dreiklang der Türme darstellen, gibt es auch Verschmelzungen von Kirche und Stadtbefestigung. So zum Beispiel in Visé in Belgien, wo der Turm der Kirche St. Hadelin zur Stadtbefestigung gehörte.

7. September 2017

Dass ich mich wie ein Verkehrsrowdy benehme, muss ich weit von mir weisen. Dennoch könnte man meinen, wenn man einen Blick in meine Post wirft, dass ich in diese Kategorie derjenigen Verkehrsteilnehmer falle, die die Verkehrsregeln gerne missachtet und denen ein schnelles Vorwärtskommen alles bedeutet. Zweimal die 30er-Zone, einmal in Troisdorf und einmal in Freiburg, und die Post kam dann von der Polizei in St. Augustin und vom Ordnungsamt in Freiburg. Einmal mit 37 km/h und einmal mit 41 km/h durch die 30er-Zone. Langsam graut mir vor der 30er-Zone, weil man beispielsweise von unserem Ortsteil Rheidt zum nächsten Ortsteil Mondorf bis auf wenige Kleckerstellen nur noch 30 fahren darf. Auch bei mir ist angekommen, dass sich die Zeiten im Autoverkehr gewandelt haben. Der Zeitdruck wird größer, die Zeitverzögerungen durch Baustellen oder Geschwindigkeitsbegrenzungen genauso. Die Zeiten werden nervöser, das rücksichtslose und rüpelhafte Verhalten im Straßenverkehr hat besorgniserregend zugenommen. Es fällt zunehmend schwer, Ruhe im Straßenverkehr zu bewahren.

8. September 2017

Ich spüre, dass ich alt werde, so kommentierte mein Arbeitskollege, der mir in unserem Büro gegenüber saß, die Lage. Tatsächlich wurde er nächsten Sonntag 60, und früher wäre er viel wendiger und reaktionsschneller mit den technischen Herausforderungen der Zeit zurecht gekommen. Es war allerdings tatsächlich chaotisch, nicht nur bei ihm, sondern auch bei mir und fast allen anderen Arbeitskollegen. Unsere Telefone wurden auf Jabber umgestellt, das ist ein Telefonieren ohne jegliches Endgerät, sondern nur mit einem Kopfhörer, der über die USB-Buchse in das Laptop oder den Rechner gesteckt wird. Die Umstellung steckte voller Tücken, weil die Technik uns vor sich her trieb und allerlei Stolperfallen bereit hielt. Zuerst mussten wir aus unseren Personaldaten im Intranet das CIAM-Passwort heraus suchen, wobei uns eine Arbeitskollegin half. Um uns anzumelden auf unser neues Jabber-Telefon, mussten wir dieses CIAM-Passwort eingeben und ein Passwort. Um das Passwort wiederum eingeben zu können, kam bei einigen Kollegen eine Sicherheitsabfrage, bei anderen Kollegen, unterblieb die Sicherheitsabfrage, so dass diese über die IT-Störungs-Hotline gestartet werden musste. Als wir dann andere Kollegen über den grünen Button des Telefonhörers im Jabber-Menü anrufen wollten, tat sich zunächst überhaupt nichts. Die Kollegen mussten wir zuerst in einer Telefonliste hinzufügen, außerdem mussten diese selbst in Jabber registriert sein, damit man sie anrufen konnte. Erst dann, wenn die Kollegen mit einem grünen Punkt hinterlegt waren, konnte man mit ihnen telefonieren. Wir lernten, dass die Punkte auch rot sein konnten, wenn sie telefonierten oder in einer Telefonkonferenz waren, oder dass die Punkte grau sein konnten, wenn man gar nicht in Jabber registriert war. Und dann war da noch so eine seltsame runde Buchse in dem USB-Kabel zum Kopfhörer. Die hatte auch ihre Tücken, denn man konnte das Mikrofon ein- und ausschalten und die Lautstärke regulieren. Somit dauerte es, bis wir die ersten Telefongespräche führten, in denen wir uns klar und deutlich verstanden. So viel Technik mit so viel Tücken. Auch ich spürte, dass ich älter geworden war.

9. September 2017

Nach zehn Jahren tat ich mich schwer zu erkennen, wer zu wem im damaligen Mäusetreff gehörte und welche Eltern und welche Kinder es vor zehn Jahren waren, mit denen wir uns letzten Samstag in der Gaststätte „Schlimgen“ im Nachbarort getroffen hatten. Monika und Emily, Sonja und Kaya, Simone und Viktoria, Viola und Matteo, Claudia und Jona: eine anwesende Mutter und Tochter bekam ich nicht zugeordnet, und es war ja schließlich verdammt lange her, dass die jetzt großen Kinder ein Jahr lang in den Mäusetreff gegangen waren. Den Mäusetreff gibt es lange nicht mehr, und stolz wurde ein altes Gruppenfoto der damals Dreijährigen durch die Runde gereicht. Dass unsere Tochter gerne mit nackten Füßen durch den Sandkasten gestapft war, hörte ich aus den Gesprächen heraus, oder dass der Sohn einer Mutter so schmal gewesen sei, dass sie gar nicht gewusst hatte, welche Hosen sie ihm kaufen sollte. Die Sitzordnung war allerdings ungünstig. Der Radius der Rundtische, die zusammengestellt waren, war so groß, dass man die gegenübersitzende Gruppe kaum verstand. Das lag auch daran, dass eine weitere größere Gruppe den Zeltanbau bevölkert hatte und den Lärmpegel merklich in die Höhe getrieben hatte. Etwas umstellungsbedürftig war auch das österreichische Essen. Man aß zwar auch Käsespätzle in Österreich, aber die Menge derjenigen Käsespätzle, die ich aß, war vielleicht halb so groß wie diejenigen Käsespätzle, die ich zum Beispiel in Günzburg oder in Freiburg gegessen hatte. Aber auf einem anderen Teller war Kaiserschmarrn überzählig, der mir angeboten wurde. Der war allerdings schrecklich süß, obschon ich Süßspeisen ansonsten nicht abgeneigt bin. Alles in allem: eine schöne Idee, ein solches Wiedersehen zu arrangieren. Wenn das Ambiente optimaler gewesen wäre, hätte es noch schöner sein können.

10. September 2017

Was für ein Wirbel. Wer Aufmerksamkeit auf sich ziehen will, muss Geschäftsmann sein. Die Geschäftsleute außerhalb der Fußgängerzonen von Bonn und Köln fühlen sich benachteiligt, weil die Einwohner an der Peripherie der Großstädte nicht am Ort einkaufen. Die Aktion „Heimat Shoppen“ zieht, nicht nur in unserer Stadt, große Kreise. Die Key-Player, so der Bürgermeister, werfen sich mächtig ins Zeug. „Jeder Euro, den Sie innerhalb der Gemeindegrenzen ausgeben, nutzen Ihrer Heimat, denn Einzelhändler und Gastronomen zahlen Gewerbesteuer. Diese Steuer ist die wichtigste Einnahmequelle der Kommunen. Somit stärken Sie mit jedem Einkauf oder Restaurantbesuch die wirtschaftliche Grundlage Ihres Ortes“, mit diesem markigen Spruch unterstützt der Bürgermeister die Aktion. Industriebetriebe, Vereine, Geschäftsleute und die Industrie- und Handelskammer schließen sich diesem Werben an. Das läßt uns ziemlich kalt. Wir haben unsere eigenen Präferenzen. Wir kaufen auch in unserer Stadt ein. Doch in einer Rangordnung der Einkaufsstädte spielt unsere Stadt vielleicht in der vierten oder fünften Liga. Und nicht in der ersten Liga wie Köln oder Bonn.

11. September 2017

Zwangspause auf dem Marktplatz, nachdem ich bei Thalia für unsere Tochter das Französisch-Buch „A toi“ abgeholt hatte. Es regnete, schüttete, donnerte, blitzte, so dass an eine Weiterfahrt mit dem Fahrrad nicht zu denken war. Ich schob, suchte den Bindfäden von Regen auszuweichen, indem ich unter Markisen, Dachvorsprüngen und der Unterführung unter die Bundesstraße B9 mich zu schützen suchte. Die Hand am Lenkrad meines Rennrades, in Lauerstellung, dass sich das Gewitter verziehen würde, harrte ich unter den Arkaden des Restaurants gegenüber der Oper aus. Dort teilte ich meine Untätigkeit mit zwei Fahrradfahrern, die mit ihren dick bepackten Trekking-Rädern nach Orientierung suchten. Die beiden Endvierziger, vielleicht ein Ehepaar, wollten weiter nach Köln radeln. Mit dem Blick auf den Rhein, der Radweg geradewegs am Rhein verlaufend, war die Erklärung ihrer Weiterfahrt über Hersel und Wesseling denkbar einfach. Ich war neugierig, woher sie kamen. Aus Ingolstadt, die Donau, ein Stück durch die gewellten Höhenzüge von Franken, dann die Tauber, den Main und den Rhein entlang. Von Ingolstadt aus, war dies eine ordentliche und lange Strecke. Ihre Fahrt sollte weitergehen bis Köln, ihr Ziel. Dort wollten sie übernachten und mit dem Zug nach Ingolstadt zurück fahren. Als der Regen aufgehört hatte, war ich froh gewesen, weiter radeln zu können. Auf der Kennedybrücke betrachtete ich dann all die Liebesschlösser mit dem Siebengebirge im Hintergrund.

12. September 2017

Die tiefgefrorene Moussaka bei LIDL hatte nicht nur die Stimmung in unserem Haus in Wallung gebracht, sondern sogar auf einer politischen Ebene, wie ich später recherchiert hatte. Es war nur eine kleine Veränderung auf der Verpackung, die einen großen Wirbel verursacht hatte. Die Verpackung zeigte nämlich die blaubedachte Kirche auf der griechischen Insel Santorini. Wer aber genau hinsah, bemerkte, dass die Kreuze auf den Kuppeln fehlten. Tatsächlich hatte LIDL die Kreuze auf der Kirche weg retouschiert. Der Hintergrund für diese Maßnahme war, dass LIDL die Verwendung religiöser Symbole vermeiden wollte, um keine religiösen Käuferschichten von Kauf der Moussaka auszuschließen. Speziell griechische Kunden fühlten sich beleidigt, die weltberühmte Kirche ohne Kreuze zu sehen. LIDL entschuldigte sich zwar später, doch der Skandal blieb haften.

13. September 2017

In der Stadt wird nicht nur abgerissen, sondern es wird auch neu gebaut. Allenthalben begegnet man nicht nur den Schlachtfeldern von Bauschutt, die Abrisse hinterlassen haben, sondern es entsteht auch Neues in Baugruben, auf Fundamenten und um Mauern herum, an denen Gebäude hoch wachsen. Die Umrisse des Neubaus am Bertha-von-Suttner-Platz stecken noch in der Entstehungsphase. Aber an den Bauzäunen zeichnet sich eine Vision ab, welche Eckbebauung an der Straßenseite zur Welschnonnenstraße entstehen soll: ein Hotel der Hotelkette „Motel One“. Ein Hotel ? Ich frage mich, welchen Touristen, Geschäftsreisenden oder anderen, der eine Übernachtungsgelegenheit in Bonn sucht, es an diesen verkehrsumrauschten Platz verschlagen wird, wo bis tief in die Nacht der Lärm von Autos und Straßenbahnen hinweg fegt. Trotz schallisolierter Fenster dürfte eine Übernachtung ungefähr so verlaufen wie diejenige, die ich selbst Anfang der 2000er Jahre in einem Hotel in der Einflugschneise des Frankfurter Flughafens erlebt hatte. Nach der Julihitze, die tagsüber erdrückend war, hätte ich nachts gerne eine frische Brise durch das geöffnete Fenster in mein Hotelzimmer hinein gelassen. Dies unterließ ich aber, und während es dem geschlossenen Fenster gut gelang, mich von dem phasenweise donnernden Fluglärm abzuschirmen, surrte die Klimaanlage. Mit diesem Hintergrundgeräuschm, das die ganze Nacht nicht verstummte, bekam ich kaum ein Auge zugedrückt.

14. September 2017

In diesen Tagen türmt sich ein Berg von unlösbaren Problemen auf. Ich mühe mich ab, versuche den Berg weg zu schaufeln. Doch anstatt der Berg schrumpft, häufen sich die Probleme von Neuem an. Indes kämpfe ich gegen die Windmühlen des Kindergeldes, für unsere große Tochter eine Kindergeldzahlung über das 25. Lebensjahr hinaus zu erreichen. Ein irrer Aufwand und eine irre Bürokratie, dem meine Kindergeldstelle so begegnet, dass sie den Fall anscheinend aussitzen möchte. Die kalte Schulter zeigt uns auch die Wohngebäudeversicherung, weil sie den Sturmschaden nicht erstatten möchte. Sie führt uns hinab in den Dschungel von Versicherungsbedingungen, die in der gültigen Fassung beim Vertragsabschluss keine Schäden am Grundstück abdecken wollen. Einen kleinen Erfolg habe ich erzielen können, weil ich einen Tag Sonderurlaub genehmigt bekommen habe, um mich um die pflegebedürftigen Eltern zu kümmern. Die Ankunft mit dem Zug in Wegberg versprach somit etwas Hoffnung, obschon es immer wieder regnete und ich die Strecke mit Zug und Fahrrad zurück legen musste. Dass die Probleme nicht abgearbeitet werden, blockiert. Schnell fühlt man sich wie in einem Hamsterrad, dass man sich nur dreht und gegen einen unsichtbare Wand anrennt, ohne dass etwas dabei heraus kommt.

15. September 2017

Das Schaufenster beim Kaufhof weckte Erinnerungen an das Legoland. Viel Detailarbeit, ganz viele Legosteine waren für das Star Wars-Schaufenster zusammengebaut worden. Darth Vader hebt sein Laserschwert. Fast so schön wie in Legoland.

16. September 2017

Geburtstag einmal anders. Es sieht so aus, dass die Zeiten vorbei sind, dass Freundinnen unseres großen Mädchens ihren Geburtstag mit einem Kinobesuch, im Museum, im Streichelzoo, im Schwimmbad oder ganz einfach zu Hause gefeiert haben. Shopping als Geburtstagsevent. Die beste Freundin unserer Tochter hatte gestern ihren 12. Geburtstag gefeiert, und ihre Mutter hat gestern beide nach Troisdorf gefahren, wo sie in der Fußgängerzone bei dm und bei New Yorker fleißig geshopped haben. Colorista Spray, Kosmetika, ein T-Shirt und ein Oberteil als Shopping-Ausbeute: zwei Stunden dauerte die Shopping-Tour, danach sind die beiden mit dem Bus zurück gekommen. Abends Pizza-Service, nachts bei der Freundin übernachten. Heute wollen die beiden in der Schule und ihren Mitschülern stolz dasselbe T-Shirt präsentieren, das sich die beiden beim Geburtstags-Shopping gekauft haben.

17. September 2017

Dass Frauen im Mittelalter keinerlei Rechte zugestanden wurden und dass sie unterdrückt wurden, gilt allgemein als unstrittig. Es gibt aber auch Gegenbeispiele von großen und schillernden Frauengestalten im Mittelalter. Adelheidis von Vilich, Gründerin des gleichnamigen Stiftes, machte richtig Karriere. Über ihre Eltern hatte Adelheidis Kontakte bis in höchste Ebenen geknüpft, so zum römisch-deutschen Kaiser Otto III. Dieser erhob die Klosterneugründung, dessen Äbtissin Adelheidis seit 987 war, in den Rang eines „Reichsstiftes“, was etwas ganz bedeutendes war. Dabei war sie als „Herrin der Philosophie“ im Kölner Stift St. Ursula so begehrt, dass man sie loskaufen musste. In Vilich hatte Adelheidis in ihrer Führungsposition als Äbtissin das nötige Fingerspitzengefühl, indem sie sich gegenüber ihren Mitschwestern hingebungsvoll und demütig verhielt. Im Unterricht offenbarte sie ihr rhetorisches Talent, und ihre Legende schrieb Geschichte, dass sie während einer Dürre eine Quelle im Pützchen zum Sprudeln gebracht haben soll. Auf dem Höhepunkt ihrer Karriereleiter übernahm sie 1003 zusätzlich zu ihrer Funktion in Vilich auch die Leitung des Stifts Sankt Maria im Kapitol in Köln, wo sie 1015 starb. Seit 2015 kann man vor der Vilicher Stifts- und Pfarrkirche eine 1,40 Meter große Skulptur bestaunen, die die Äbtissin Adelheidis im mittelalterlichen Gewand mit dem Äbtissinnen-Stab als Zeichen der Amtswürde zeigt.

18. September 2017

In unserem Stadtgebiet gewinnt man den Eindruck, dass, von München aus kommend, die Oktoberfeststimmung und die Feierlaune herüber schwappen. Im September und Oktober wandern die Kirmessen von Ort zu Ort. Vorletztes Wochenende Mondorf, letztes Wochenende Bergheim, dann Niederkassel, dann Ranzel, dann in unserem Ort. Die Kirmessen sind mal besser, mal schlechter frequentiert. Den Besucherandrang bestimmen oft die Fahrgeschäfte. Im Ortskern von Bergheim gab es kaum Fahrgeschäfte, aber dafür ein großes Bierzelt. Tagsüber, leer, mit dem Rennrad von der Arbeit kommend, musste ich mir die Oktoberfeststimmung vorstellen. Mein Vorstellungsvermögen fand ich allerdings gar nicht so schlecht, wenn die Besucher in abendlichem Gedrängel an der Theke ständen und auf ihren Plätzen säßen. Die bierselige Stimmung würde dann die Atmosphäre lockern jenseits des Alltagsstresses und die Seele entspannen, im Herzen der Dorfgemeinschaft.

19. September 2017

Ist die Tristesse und die Depression, die das Wahlplakat von Christian Lindner umgibt, ein Indiz für Wahlergebnis der FDP am kommenden Sonntag ? Vermutlich nicht, wir müssen aber abwarten. Ich für meine Person weiß, welche Partei ich am nächsten Sonntag wählen werde. Doch die Umgebung des FDP-Wahlplakates läßt sich genauso auf die anderen Parteien übertragen. Noch nie habe ich mich so wenig mit dem Wahlkampf beschäftigt, und der Trend hält an, dass die Parteien in der Wahrnehmung des Wählers so unterschiedslos sind, was sie wollen und im Politikbetrieb umsetzen. Unser Wohlstandsmodell ist dabei, in sich zusammen zu fallen, weil der Niedriglohnsektor in schlecht bezahlten und nahe an Hartz IV liegenden Jobs neue Formen der Ausbeutung praktiziert. Die Politik krallt sich an Besitzständen, vertagt wichtige Entscheidungen in die Zukunft und denkt ausschließlich im Vierjahresrhythmus von Wahlperioden. Tristesse und Depression: Tatsache ist, dass es kein besseres politisches System als die Demokratie gibt, doch im Umfeld islamischer Extremisten, des Klimawandels, der Automatisierung des Menschen durch die Technik, der Ausbeutung unseres Planeten durch unser Wohlstandsmodell oder atomaren Müllbergen kommt man an Tristesse und Depression nicht vorbei, wenn man reflektiert, wie die gewählten politischen Verantwortlichen damit umgehen.

20. September 2017

Ist das die Wiesen-Witwenblume ? Genau habe ich es im Internet nicht heraus finden können, dazu sind die Blüten in einem zu hellen lilanen Farbton und auch die Knospen der Blüten sind bei der Wiesen-Witwenblume üppiger. Schaumkraut, Weinbergs-Lauch, Wiesen-Salbei: vieles habe ich im Internet recherchiert, aber verwerfen müssen, weil Form und Aussehen nicht genau genug zueinander passten. Es ist verblüffend, was für Kräuter dem Rheindamm was für einen farbfrohen Blütenteppich verpassen können. Ich erfreue mich jedenfalls gerne an den kleinen Schönheiten des Alltags, diese unglaubliche Vielfalt von Kräutern, die einfach so wild daher wachsen. Im Hintergrund fließt der Rhein träge vor sich hin. Im Übergang vom Spätsommer in den Frühherbst behauptet sich das kräftige Grün der Wiesen vor den Ufern des Rheins.

21. September 2017

Ein frustrierendes Ende einer Odyssee durch den Irrgarten von Behörden. Der Schwager hatte in einem Linienbus der RSVG seinen Behindertenausweis und gleichzeitig seinen Personalausweis verloren. Wenn nicht gerade ein Busfahrer ein Einsehen mit ihm hatte, musste er wegen des fehlenden Schwerbehindertenausweises fortan seine Busfahrten zur Behindertenwerkstatt selbst bezahlen. Zuständig für die Neuausstellung des Schwerbehindertenausweises war das Versorgungsamt Siegburg. Dort jemanden telefonisch zu erreichen, der sachkundig Auskunft geben konnte, war ein Kraftakt sondergleichen. Erreichbar war nur eine Sammelrufnummer, die nur zu bestimmten Uhrzeiten erreichbar war, die dann wiederum an den zuständigen Ansprechpartner weiterleitete, der aber nicht jederzeit am Arbeitsplatz war und in solchen Fällen auch nicht zurück rief. Nach rund einer Woche zähen Versuchens gelang es meiner Frau, die zuständige Sachbearbeiterin zu erreichen, wo sie dann ihr Anliegen per E-Mail loswerden konnte. Eine ähnliche, nicht so schlimme Prozedur mussten wir dann bei der Neuausstellung des Personalausweises durchlaufen, mit Geburtsurkunde, Betreuungsurkunde in den persönlichen Sprechzeiten des Bürgerbüros in der Stadtverwaltung. Als der Schwager dann den neuen Schwerbehindertenausweis auf dem Postweg zugesandt bekam, fehlte die Wertmarke, um öffentliche Verkehrsmittel kostenfrei zu benutzen. Dies erforderte dann nochmals viele Versuche der telefonischen Erreichbarkeit, wer zuständig ist und wer sich um das Anliegen zu kümmern hat. Das war dann nochmals ein Zeitversatz von vierzehn Tagen, bis wir die Wertmarke erhalten hatten. Das frustrierende Ende der Odyssee durch die Behörden war, dass taggleich mit der Zusendung der Wertmarke für den Schwerbehindertenausweis eine Fundmeldung der Rhein-Sieg-Verkehrsgesellschaft einging. Wie durch ein Wunder, waren Schwerbehindertenausweis und Wertmarke wieder aufgetaucht. Die Fundsache konnte im Kundenzentrum in Troisdorf-Sieglar abgeholt werden.

22. September 2017

Die Zeitfenster sind eng. Die Arbeit im Büro, Hausarbeit, Gartenarbeit, der Betreuungsaufwand bei Eltern, Schwiegervater, Schwager und so manches mehr. Heute hat endlich wieder eine Rennradtour geklappt. Ich wäre gerne bis Eitorf gefahren, doch die etwas kürzere Strecke über Königswinter, die Margarethenhöhe, Oberpleis und Hennef über das Siegtal nach Hause, weil der Arbeitsanfall im Büro das Zeitfenster schrumpfen ließ, war dennoch schön. Lockere sechzig Kilometer über den 8%-igen Anstieg über die Margarethenhöhe offenbarten so einige Schönheiten der Landschaft. Nachdem ich mich im Hennefer Wirtshaus mit einem Oktoberfestbier gestärkt hatte, ging es über den Siegtalradweg zurück nach Hause.

23. September 2017

Pflanzen und Intelligenz ? Während man Katzen gemeinhin als intelligent empfindet, etwa, wenn sie schnell die Handhabung einer Katzentoilette erlernen, oder wenn man als Indikator der Intelligenz das Sprechvermögen von Papageien heran zieht, gestaltet sich eine solche Analogie in der Pflanzenwelt schwierig. Und doch haben wir festgestellt, dass wir Arten intelligenten Pflanzenlebens in unserem Garten beheimaten, als wir zuletzt Schleimpilze auf einem Hochbeet in unserem Garten entdeckt haben. Schleimpilze bilden ein Netzwerk mit denjenigen Schleimpilzen, die dieselben genetischen Informationen haben. Jede Zelle hat Informationen, wo sie Nahrung findet, so dass das Netzwerk der Schleimpilze miteinander interagiert. Jeder Teil des Schleimpilzes reagiert auf sein eigenes lokales Umfeld und auf das Verhalten der benachbarten Teile. So bewegt sich die Symbiose von Schleimpilzen genau in die Richtung, wo sie Nahrung finden können. Dabei strecken die Schleimpilze Ausläufer aus, wie Arme. So optimiert dieses hoch intelligente Netzwerk die Nahrungssuche.

24. September 2017

Ein paar Schleifen mussten wir drehen, weil unsere Wohngebäudeversicherung sich sperrte, weigerte, stur war. Keine Schadensregulierung des Sturmschadens vom 19. Juli, als das Unwetter unsere Eberesche aus dem Erdboden gerissen hatte. Die Versicherungsbedingungen aus dem Jahr 1988, die für unsere Wohngebäudeversicherung galten, deckten keinerlei Schäden auf unserem Grundstück ab, sondern nur diejenigen am Gebäude. Ich setzte einen E-Mail-Pingpong mit unserer Versicherung, der HUK, in Gang, weil ich mich nicht geschlagen geben wollte, doch schließlich musste ich aufgeben. So dauerte es, bis wir die Gartenbaufirma beauftragten, die Wurzel zu beseitigen und den Zaun instand zu setzen. Nun sieht alles wieder schön aus. Auf der Stelle, wo die Eberesche stand, ist nun eine neue, nutzbare Fläche zum Bepflanzen entstanden. Die Fläche können wir nun aufschütten, so dass wir dort im nächsten Jahr Salat und Gemüse anbauen können.

25. September 2017

Über das Grüne C ist in der Öffentlichkeit viel diskutiert worden. Während die Städte den Bürgern das 18 Millionen Euro teure Landschaftsprojekt als Erfolgsschlager verkauft haben, kommt in der Bevölkerung von dieser Begeisterung wenig an. Die Sitzgelegenheiten sind unbequem, die Beschilderung ist kryptisch, überhaupt weiß niemand etwas mit den Formen aus Beton anzufangen, die rasch zum Objekt für irgendwelche Graffitis geworden sind. Natürlich sind die 18 Millionen Euro den Bürgern auch viel zu viel Geld, wofür nichts Handfestes ausgegeben worden ist. Nach der Ursprungsidee der Landschaftsarchitekten sollten Landschaftspartien wie die Siegaue aufgewertet werden, indem man diese von einem höheren Standort aus betrachten kann. Auf den Hochständen wurden Baumreihen angepflanzt, eine Treppe führt hinauf, eine Sitzbank lädt zum Verweilen ein. Eine Hinweistafel erzählt über den Weinbau in Troisdorf-Bergheim. Immerhin: beim Sonnenaufgang gibt der Hochstand des Grünen C in der Siegaue ein schönes Fotomotiv ab.

26. September 2017

Der schwächelnde Kreidestrich mit den schematischen Umrissen verbirgt, welche Urgewalten eines Verkehrsunfalls am Vortag die Passanten in Atem gehalten haben. Schon weit aus der Ferne, vom Rheindamm aus, waren Blaulichter über die Verkehrskreuzung an der Autobahnauffahrt, die die Straße von Beuel nach Niederkassel kreuzt, geflimmert Als ich mich näherte, verdichteten sich die Blaulichter auf eine gespenstische Art. Ein Rettungswagen stand mitten auf der Kreuzung, während die Polizei und jede Menge Blaulichter den Autoverkehr um die Kreuzung herum lenkten. Zäh tröpfelte der Verkehr Auto für Auto in einem schmalen Streifen an der Leitplanke vorbei, wobei der Verkehr sich, von der Autobahn kommend, schier endlos staute. Der Unfall war der blanke Horror. Ein Motorrad lag quer auf der Fahrbahn. Ein PKW, dessen Beifahrertüre von einer Brachialgewalt eingedrückt worden war, stand auf der Abbiegeposition in Richtung St. Augustin. Ich bangte und hoffte, dass dem Verletzten im Rettungswagen ein Horrorschicksal erspart blieb. Online klärte der General-Anzeiger am nächsten Tag auf. Ein 41-jähriger Autofahrer, der keine gültige Fahrerlaubnis hatte, hatte das Rotlicht übersehen und war nach links in Richtung St. Augustin abgebogen. Der Motorradfahrer war mit voller Wucht in die Beifahrerseite des PKW hinein gefahren, er war gestürzt, hatte sich dabei schwer verletzt und war außer Lebensgefahr. Den Fahrer des PKW erwarten nun gleich zwei Strafverfahren, eines wegen fahrlässiger Körperverletzung im Straßenverkehr und ein anderes wegen der fehlenden Fahrerlaubnis. Der Tag danach lässt kaum noch etwas von den Gefahren im Straßenverkehr erahnen, die an jeder Ecke lauern können.

27. September 2017

Nächste Woche ist es soweit. Dann wird das Bürozeitalter mit Einzelbüros zu Ende gehen, und wir werden uns in Bürowelten von Großraumbüros hinein gewöhnen müssen. In dieser Woche kreisen letzten Blicke in das vertraute Innenleben unseres Büros, Laptop, Bildschirm, Tastatur. Vierter Stock, der Blick auf andere Bürotürme im Stadtteil Hochkreuz, jede Menge Papier, zugegebenermaßen sieht die wilde Anhäufung von Papier auf meinem Schreibtisch chaotisch aus. Mit dem Chaos und dem Papier wird künftig Schluss sein, denn in den Großraumbüros wird eine neue Generation von Bürowelten Einzug halten, eine Generation, in der es keine festen Büroarbeitsplätze mehr geben wird. Dann heißt es: Abschied nehmen von der Ära koventioneller Büroräume, als wir mit wenigen vetrauten Kollegen in demselben Büro gesessen und gearbeitet haben. In den neuen Büroräumen hat der Arbeitgeber einkalkuliert, dass eine bestimmte Anzahl von Mitarbeiter krank ist, in Urlaub ist oder von zu Hause aus arbeitet, so dass nur den tatsächlich anwesenden Mitarbeitern Büroarbeitsplätze zur Verfügung stehen. Wer an welchem Arbeitsplatz sitzt, soll wechseln, die Zuordnungen von Mitarbeiter zum Arbeitsplatz werden aufgelöst. Wir alle sind gespannt, wie das funktionieren wird. Wir werden keine Büroschränke oder Aktenschränke mehr haben, nur noch einen Koffer, in dem wir das nötige für die tägliche Arbeit aufbewahren können, Laptop, Tastatur, Maus, Handy, Kopfhörer für das Jabber-Telefon, Stifte, Kugelschreiber, Notizen. Die persönliche Note unseres Büroarbeitsplatzes wird verloren gehen. Unternehmensstrukturen virtualisieren sich, das Denken verlagert sich in Netzwerke und Symbiosen. Das hat auch Auswirkungen auf die Bürowelten.

28. September 2017

In den alten Bürowelten prägen sich so manche Stellen ein, weil sie auf den Laufwegen häufig frequentiert werden. Auf dem Weg zum Kopierer schaut man oft hin, und die Pinnwand zieht einfach die Blicke auf sich. Die Behauptung, das Top-Management bestünde aus gefühlskalten Managern, die nur in Quartalsergebnissen, Euros oder Key Performance Indicators denken, wird durch die Pinnwand widerlegt. Auf der KS-Konferenz hatte das Management seinen Spaß gehabt. Quartalsergebnisse, Euros oder Key Performance Indicators haben ihre Hüllen fallen gelassen, indem sie in die Verkleidung von Piraten hinein geschlüpft sind. „Bester Service“, „Leinen los“, „Awards in Sicht“, „Landgang“, so erzählt das Top-Management ihre Botschaften um. Keep cool, alle sprühen vor guter Laune. Dieses Plakat werde ich sicher am neuen Arbeitsplatz vermissen. Aber weil die Botschaften Beharrungsvermögen zeigen, wird es bestimmt eine Renaissance dieser Botschaften am neuen Arbeitsplatz geben.

29. September 2017

Innovationszyklen von Handys, der Wahnsinn unserer Konsumgesellschaft. Bei unserem dienstlichen Umzug kamen Generationen von Handys zum Vorschein, die aus längst entlegenen Zeiten stammten, als es vielleicht gerade einen Prototypen von Wunderwerkzeugen wie Smartphones gab. Etwa alle zwei Jahre ein neues Smartphone – in diesem Zyklus schlummern alte Handys in der Schublade vor sich her. Die Rohstoffkreisläufe, die in der Dritten Welt beginnen und enden, sind unserer Konsumgesellschaft wenig bewusst. Ausbeutung und Müllberge: seltene Erden wie Tantal, Praesodym oder Neodym kommen nur in winzigen Konzentrationen vor. Um wenige Gramm davon zu gewinnen, müssen viele Tonnen Gestein bewegt, zermahlen und mit Chemikalien behandelt werden. Zurückbleiben giftige Seen, außerdem belasten Stäube, die radioaktive Elemente oder Schwermetalle enthalten, die Luft nahe den Abbauregionen. Seltene Erden werden daher ausnahmslos in der Dritten Welt gefördert. Die Dritte Welt ist dann wiederum Endstation des Recyclings, weil die seltenen Erden an unterschiedlichen Teilen und Stellen im Handys verarbeitet worden sind. So landen sie auf den Müllbergen der Schwellenländer, wo sie wenig umweltschonend recycelt werden - Wertstoffe werden herausgebrochen, -gebrannt oder -geätzt, der Rest verrottet - oder eben nicht.

30. September 2017

Sauwetter, Dauerregen, Einheitsgrau, Ungemütlichkeit. Die Redensart passte haargenau, dass es am letzten Samstag Katzen und Hunde geregnet hat, so wie es der Engländer formuliert. Nach der Schönwetterperiode in der letzten Woche stimme der Regen auf den Herbst ein, den die Meteorologen am ersten und der Kalender am einundzwanzigsten September eingeläutet hatte. Wie dem auch sei, in unserem Garten leuchten mit dem Regen die Herbstfarben in prallem Rot bis Orange. Die Tagetes wuchern überreich, fassen die Beete ein, die noch voller Sellerie stehen, während die Buschbohnen in dem anderen Beet noch einige Sonnenstrahlen benötigen, und die Tagetes grenzen diejenige Fläche ab, wo im Sommer unser Schwimmbecken gestanden hat.

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