Hückelhoven und die Millicher Halde

Früher, als ich noch bei meinen Eltern wohnte, machte ich um Hückelhoven stets einen großen Bogen. In der Stadt, die der Bergbau im Aachener Kohlerevier geprägt hatte, hatte die Verkehrsführung meine Geduld beansprucht. So zerstreut wie die Bergbausiedlungen rund um das Zechengelände, verfehlte die Durchgangsstraße den nicht wirklich existierenden Stadtkern. Sie drehte und wand und schlängelte sich um dieses Gebilde von Stadt, welches sich erst relativ spät im Rahmen der kommunalen Neuordnung heraus kristallisiert hatte. Dieser Einigungsprozess als selbständige Stadt, die sich bis dahin nie gegen die benachbarten Bürgermeistereien Doveren und Ratheim durchsetzen konnte, gelang schließlich im Dezember 1971, als das Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden und Kreise des Neugliederungsraumes Aachen insgesamt elf Gemeinden zur neuen Stadt Hückelhoven zusammenfasste.

Förderturm der Zeche Sophia Jacoba

Wir besuchten Freunde, die vor drei Jahren nach Baal, einem Stadtteil von Hückelhoven, umgezogen waren. Wir nutzten die Gelegenheit, um uns in der näheren Umgebung, also in Hückelhoven, umzuschauen. Seit 1997 ist auf dem früheren Zechengelände Tristesse eingekehrt, nachdem die Kohleförderung eingestellt wurde. Hückelhoven, dessen Bergbaugeschichte 1909 begann, hatte noch bis Ende der 1980er Jahre mehr als 5.000 Bergarbeiter beschäftigt. Die Proteste gegen die Schließung der Zeche waren heftig gewesen, und längst hat sich auf dem verlassenen Gelände eine gähnende Leere breit gemacht. Alles ist platt gemacht worden, zwei von drei Fördertürmen, eine Brikettfabrik, Schornsteine, Verwaltungsgebäude, Waschkauen und vieles mehr. Nur das Kraftwerk, das heute als Wärmekraftwerk mit Biomasse betrieben wird, überlebte und der Förderturm des Schachtes 3, der mit seinem Fördergerüst stolz an bessere Zeiten erinnert.

Eine Besichtigungstour in die Vergangenheit des Bergbaus war nicht möglich, Führungen durch den Schacht 3 gab es nur nach Voranmeldung, zudem hätten wir eine Gruppe von mehr als zehn Personen sein müssen. Außer dem Förderturm erinnern aber auch mehrere Kohlehalden an die Vergangenheit des Bergbaus. Davon machte die Europäische Gemeinschaft und das Land NRW für die Millicher Halde Gelder locker, um diese zu begrünen und als Erholungsgebiet nutzbar zu machen. Ein gelungenes Projekt, das länderübergreifend umgesetzt wurde. Auch in den Niederlanden und in Belgien wurden Gehölze und Baumarten auf Kohlehalden angepflanzt, Wanderwege wurden angelegt.

Eine kurze Autofahrt über einige Kreisverkehre, und rasch standen wir an dem Parkplatz vor dem Kernelement der Millicher Halde: eine Metalltreppe, die sich steil und geradlinig hinauf schwang. Am Ende der Treppe ein Schwenk nach rechts auf einen ausgetretenen Waldweg, und schon standen wir vor dem zweiten Abschnitt der Treppenanlage. Nicht umsonst wird sie als „Himmelsleiter“ bezeichnet, denn, steil nach oben schauend, schien sie effektiv kein Ende zu nehmen. Der Aufstieg strengte an auf dem Berghang der Halde, der Schweiß stand auf der Stirn. Wir waren außer Stande, die 406 Treppenstufen zu zählen, die 70 Meter Höhenunterschied hatten wir ganz oben geschafft. Und wir sollten noch weiter in die Höhe steigen, denn eine Aussichtsplattform bot einen einzigartigen Rundumblick.

Millicher Halde

Himmelsleiter (von unten oben links, von oben oben rechts), Aussichtsplattform (Mitte links),

Ausblick auf Windräder (Mitte rechts), Ausblick auf Rurtal (unten links), Weinberg (unten rechts)

Wir schauten bis in die Eifel, über den Flussverlauf der Rur, bis zu den Braunkohlekraftwerken bei Bergheim und Grevenbroich, über ganz viel Windräder in der Jülicher Börde, und wir stellten fest, dass sich Hückelhoven zu Recht als „Stadt im Grünen“ bezeichnete. Wir hielten inne, atmeten die Weite ein. Der Wind säuselte um die Ohren, die Sonne schien in die Ebene hinein, und auf dem Rückweg von der Aussichtsplattform machten wir einen Abstecher zu einer absoluten Kuriosität auf einer Kohlehalde. Ein Weinberg war angelegt worden, möglicherweise das nördlichste Weinanbaugebiet in NRW. Müller Thurgau und Riesling hatte die Weinlese in den letzten Jahren hervor gebracht.

Zurück nach Hückelhoven, gerieten wir von einem Kreisverkehr in den nächsten. Mir wurde schwindlig, wie uns die Kreisverkehre an dem Überangebot von Verbrauchermärkten vorbei schleusten. Kaufland und Media Markt, Hagebaumarkt und OBI, KiK und Adler Modemärkte, natürlich LIDL, ALDI, REWE, Edeka und so weiter: glaubt man der Invasion von Supermärkten und Verbrauchermärkten, kann solch eine Überfülle niemals rentabel sein.

Die Fußgängerzone führte sogleich in die Retortenstadt Hückelhoven hinein, in der natürlich Geschäfte wie C&A, Deichmann oder Ernstings sonntags geschlossen waren. Als auf dem Street Beach Festival nichts mehr los war, ergriff uns der Hunger. Im Umfeld des Rathauses mit seinem rostbraunen Ziegelsteinmauerwerk und dem Einkaufszentrum entdeckten wir kein wirklich hübsches Restaurant.

An der Stadtgrenze zum Stadtteil Hilfarth gelegen, lotsten uns unsere Freunde dann in das Restaurant „Su Food“. So stromlinienförmig und zurecht gestutzt wie die Fassade, war es im Inneren nicht wirklich gemütlich. Die Kombination von Stühlen in knalligem Rot, von Wänden in blassem Weiß und der Tischplatte in einem gemaserten Grau war fürchterlich, fast provozierend. Dafür war die Gestaltung der Speisen nicht uninteressant. Es wurden nämlich alle Speisen als Büffet angeboten, und dies durchgängig für einen Preis von 18,90 Euro. Schwerpunkt der Speisen war die chinesische Küche, wie etwa Huhn mit Curry, Rindfleisch mit Zwiebeln, Schweinefleisch süß-sauer oder Schweinefilet mit Austernsoße. Es wurde aber auch deutsche Küche angeboten wie Rindergulasch, dazu als Beilage außer Reis Fritten, Kroketten oder Kartoffeln – also nichts unbedingt Chinesisches.

Restaurant "Su Food"

Die Ente, das Bami Goreng und das Rindfleisch mit Zwiebeln schmeckten hervorragend. Einen Dämpfer erhielten wir dann an der Kasse. Ich hatte erwartet, dass unsere 12-jährige Tochter den Preis für Kinder von 10,90 Euro hätte zahlen müssen. Dem war aber nicht so, weil die Grenze zwischen Kind und Erwachsenem nach der Körpergröße gezogen wurde. Diese Körpergröße von 1,40 Meter überschritt unsere Tochter locker.

Mit dem Essen im Restaurant „Su Food“ ging ein erlebnisreicher Tag zu Ende. Vielleicht schaffen wir es noch einmal nach Hückelhoven. Eine Führung durch das Bergwerk des Schachtes 3 würde mich sicherlich reizen.

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