Urlaubstagebuch Freiburg - die Triberger Wasserfälle und die Deutsche Uhrenstraße

War dies der wärmste Tag des Jahres ? Die Hitze wuchs in diesen Tagen stetig, und die 34 Grad Hitze in Freiburg sollten an diesem Tag einen vorläufigen Höhepunkt der Hitzewelle markieren. So beschlossen wir, an diesem Tag dem Talkessel von Freiburg zu entfliehen. Hinaus auf die Höhen des Schwarzwaldes, wo die Hitze um einige Grade gedämpfter und erträglicher sein würde. Die Wasserfälle von Triberg sollten ein ideales Umfeld für eine Abkühlung bieten.

Die Autofahrt in den Schwarzwald erschien mir wie ein waghalsiges Unternehmen. Der Übergang von der Tallandschaft des Simonsbachtales in die Hanglagen des Schwarzwaldes kam urplötzlich, die Straße kletterte Steilhänge hinauf, wand sich, drehte sich, klammerte sich über Serpentinen an denselben Berghängen. An manchen Stellen passten kaum zwei Autos nebeneinander, und je höher unser Auto geklettert war, um so mehr ähnelten die Ausblicke ins Tal Abgründen.

Triberger Wasserfälle

1.057 Meter, genau auf dieser Höhe markierte ein Gasthof auf einem Bergkamm die höchste Stelle, die wir hinter Furtwangen auf der Bundesstraße B500 erreicht hatten. Mit all den Kurven und dem ständigen Auf und Ab der Höhenmeter waren wir sehr langsam unterwegs. Für die sechzig Kilometer Entfernung von Freiburg nach Triberg brauchten wir deutlich über eine Stunde. Als wir die Wasserfälle erreichten, mussten wir damit klar kommen, dass man über mehrere Zugänge zu den Triberger Wasserfällen gelangen konnte. Bei dem mittleren Zugang waren die Zeichen der Anfahrt waren mehr als günstig, als ein Kleintransporter wartete. Bereitwillig ließ er uns auf den freien Parkplatz fahren, und danach stellten wir zufrieden fest, dass es sich um den letzten freien Parkplatz gehandelt hatte, weil die nachfolgenden PKWs genervt wieder abrücken mussten, weil auch das letzte Stückchen Parkraum zugeparkt war. Auf dem Fußweg zum Wasserfall tasten wir uns langsam an eine Barrierefreiheit und Rollatortauglichkeit heran, da der Fußweg gut befestigt war und durchaus mit dem Rollator zu bewältigen war. Den Wegesrand säumten mannshohe Findlinge, die eine ähnliche Urgewalt verkörperten wie der nachfolgende Wasserfall.

Die Urgewalten des Wasserfalls stürzten über sieben Fallstufen, wovon wir zwei Stufen des Wasserfalls von Fußgängerbrücken aus bestaunen durften. Die Triberger Wasserfälle, die größten Wasserfälle in Deutschland, ergossen sich dann über einen Höhenunterschied von163 Metern ins Tal hinab nach Triberg, wo deren Wasser dann in die Gutach mündeten. Die brachiale Kraft des Wassers zu bestaunen, war interessant. Das Wasser stürzte nicht nur senkrecht über Wasserfälle in die Tiefe, sondern es floss auch elegant an großen Felsbrocken vorbei, es schlängelte sich um Felsplatten herum, auf denen stellenweise Moos wucherte. Auf den besonders grünen Moospartien wuchsen dann wiederum weiße, langstielige Blumen. Das Wasser drängte sich zwischen die engen Felspartien, schäumte, spritzte und verflüchtigte sich an einigen Stellen in einer Gischt, die gegen die Felswände auseinander trieb.

Die Triberger Wasserfälle waren ein Ort für das Familienalbum. Ein Erlebnis, in ein, zwei oder mehreren Fotos zusammen gefasst, sollte dann in die Familiengeschichte eingehen. Auf der Holzbrücke brachte man sich dann nebeneinander in die richtige Position, alle mussten gleichzeitig im richtigen Moment lächeln, und ein Augenblick wurde auf einem Foto für alle Ewigkeit festgehalten. Mit Selfies waren die Smartphones im Dauereinsatz, auch der Taschen-Selfie-Stick kam zum Einsatz. Einige Besuchers hatten die Holzbrüstung der Fußgängerbrücke über den Wasserfall genutzt, um sich für alle Ewigkeit in die Maserung des Holzes hinein zu ritzen. Einige Tage vorher, am 15.7.17 waren hier ein José, eine Raquel, eine Karla und eine Martina. In dem Auflauf von Touristen ging es natürlich international zu. „Home Team USA“ hatte sich gleich eine ganze Gruppe eingraviert. Die Besucher kam auch aus Osteuropa. „Paschenka“ und „Kristina“ waren in kyrillischen Buchstaben nachzulesen.

Blick auf Triberg vom Fußweg zu den Wasserfällen

Auf einer Hinweistafel konnten wir nachlesen, dass noch weitere, berühmte Persönlichkeiten hier zugegen waren. 1877 war es der deutsche Kaiser Wilhelm I. mit seiner Gattin Augusta, 1919 verweilte der Publizist Kurt Tucholsky, 1922 ließ sich Ernest Hemingway von den Wasserfällen inspirieren.

Um den Wasserfall zu verlassen, teilten wir uns. Ich schritt zu unserem Auto zurück, während der Rest der Familie sich bergabwärts nach Triberg bewegte. An der Asklepios-Klinik, dessen Zugang zu den Wasserfällen barrierefrei war, so das Internet, sammelte ich alle wieder ein. Eine kurze Fahrt durch Triberg, ein Parkplatz lag zu weit außerhalb des Ortskerns, außerdem war uns viel zu viel Touristenvolk unterwegs, so dass wir die Bundesstraße B500 wieder ortsauswärts zurück steuerten.

Als wir Triberg verlassen hatten, beschlossen wir, irgendwo einzukehren, um eine Kleinigkeit zu essen. Zurück auf der Bundesstraße B500, schlugen die ersten Versuche fehl, eine Einkehrmöglichkeit zu finden. Erster Versuch: der graue, aber einladende Bau eines Restaurants, dessen Preise häufig jenseits der 20 Euro-Marke lagen, hatte geschlossen. Einige Minuten nach 14 Uhr hatten wir die Mittagsöffnungszeit verpasst. Zweiter Versuch: ein Gutshof, der Parkplatz vollgestellt mit PKWs, Stühle und Tische vor dem Eingang waren bereit zum Sitzen, entpuppte sich nicht als Einkehrgelegenheit, sondern als Verkaufsladen, in dem man ein breit gefächertes Sortiment von Artikeln aus dem Schwarzwald erwerben konnte. Dritter Versuch: unsere Geduld wurde nicht weiter auf die Probe gestellt, denn die draußen stehenden Tische und Stühle gehörten gleich zu zwei Einkehrgelegenheiten, die eine war eine Pizzeria und die andere ein Eiscafé. Wir entschieden uns für das Eiscafé, denn die Sonne brannte vom Himmel, wenngleich die Hitze auf eintausend Metern Höhe erträglich war gegenüber den gemessenen 34 Grad in Freiburg. Ein leckeres Eis versprach die richtige Abkühlung von innen.

Auf der Bundesstraße B500, das Ortseingangsschild von Schönwald hatten wir gerade passiert, waren wir gewissermaßen im Niemandsland des Schwarzwaldes angekommen. Die wilde Romantik der Triberger Wasserfälle war abgeflaut, auf eintausend Metern Höhe wellte sich die Hochfläche über Wiesen und Felder. Neubausiedlungen hangelten sich die Höhe hinauf, Baumreihen folgten Bachläufen, Fichten- und Tannenwälder bedeckten den Bergkamm. Keine Landschaft für eine wilde Dramatik.

Haus der 1.000 Uhren in Triberg (Quelle: www.hausder1000uhren.de)

Wir waren nicht alleine. Andere Ausflügler und Urlauber warteten genauso bei herrlichem Sonnenwetter und bei Temperaturen in eintausend Metern Höhe, bei denen man es aushalten konnte. Der Kellner, alleine und sichtlich überfordert, tat, was er konnte. Eine Gruppe von Motorradfahrern hatte sich in den Innenräumen der Pizzeria ausgebreitet, und kaum ein Tisch war im Außenbereich frei. In Dauerbewegung und Dauerstress, arbeitete der Kellner mit den nach hinten gekämmten Haaren und den Geheimratsecken die Bestellungen so gut ab, wie er konnte.

So starrten wir auf die Einöde der Bundesstraße B500, bevor wir unsere Portionen Eis und den Kaffee serviert bekamen. Ungewohnt ruhig plätscherte der Autoverkehr dahin, wenn man die Verkehrsdichte auf Bundesstraßen mit denjenigen im Rheinland vergleicht. Nichts aufsehenerregendes geschah, obschon die Bundesstraße B500 zu einer der Aushängeschilder des Schwarzwaldes führen sollte: der Kuckucksuhr. Dass Kuckucksuhren zum zentralen Vermarktungskonzept des Schwarzwaldes gehören, war uns bereits in Triberg aufgefallen. Dabei war dieses Vermarktungskonzept nicht nur platt, sondern auch einfallsreich. Mitten im Gewühl von Touristen, auf der Hauptstraße von Triberg, zierte die Bärenfamilie der Tri-Bären die Fassade des Hauses der 1000 Uhren, das die größte Ausstellungsfläche für Kuckucksuhren im Schwarzwald beherbergte. Der Tri-Bär Papa kletterte als Uhrenträger die Fassade rauf und runter, die Tri-Bär Mama winkte dem Papa zu, der Tri-Bär Opa schraubte und tüftelte an seinen Kuckucksuhren herum, die Tri-Bär Tochter beobachtete das Geschehen aufmerksam.

Von Triberg nach Schönwald war die Bundesstraße B500 gleichzeitig die Deutsche Uhrenstraße, die jenseits von Triberg im Eble-Uhrenpark die weltweit größte Kuckucksuhr bereit hielt. Dorthin waren wir nicht gefahren, denn dies war die entgegengesetzte Richtung von Triberg aus. Nun saßen wir in Schönwald, an genau dieser Deutschen Uhrenstraße, fernab jeglicher Touristenströme. Von der klischeehaften Schwarzwaldromantik mit Kuckucksuhren, mit Bauernhöfen, deren Dächer tief herabgezogen waren, um gegen die rauen Wetterverhältnisse zu schützen, geschweige denn, Bollenhüte, war weit und breit nichts zu sehen.

Und plötzlich bewegte sich dann doch etwas in unserem Eiscafé. Der Kellner rückte an und reichte uns Spaghetti-Eis, Erdbeerbecher, Kaffee und Mineralwasser. Gleichzeitig hatten sich die Motorradfahrer aus ihrer Stellung in der Pizzeria heraus bewegt, in ihrer schweren, schwarzen Lederbekleidung drehten sie ihre Maschinen auf und bretterten durch die Nachmittagsstille des Schwarzwaldes.

in Schönwald an der Deutschen Uhrenstraße

Café Princess (oben links), Bundesstraße B500 (oben rechts),

Erdbeerbecher (unten links), Tasse Kaffee (unten rechts)

In all der Unaufgeregtheit zwischen weißen, gelben und beige gestrichenen Hausfassaden schien nichts wirklich darauf hinzudeuten, dass die Bundesstraße B500 über einer der Lebensinhalte des Schwarzwaldes führte, nämlich der Uhrenherstellung. Derweil widmete sich eine etwas ältere Dame, bestimmt um die 70, auf der gegenüberliegenden Straßenseite intensiv ihren Blumen. Die Blumenkübel, sich zahlreich in Blumenkübeln auf dem Rasen ihres Vorgartens verteilend, bedurften einer Grundpflege. Sorgsam zupfte sie welke Blätter heraus, topfte wenige Blumen um, goß diese im Schatten der Mittagssonne, brachte die viereckigen, rechteckigen, runden, allesamt weißen Blumenkübel in die richtige Position und bewunderte das Gesamtkunstwerk der Anordnung. In der frühen Nachmittagszeit kamen und gingen die Gäste der Pizzeria und des Eiscafés. Emotionen rissen mich mit, als ich zwei Rennradfahrer ankeuchen sah. Ausgebrannt und erschöpft, wie sie aussahen, bewunderte ich sie, denn die Höhenunterschiede – zum Beispiel von Triberg aus dem Tal der Gutach heraus – waren gewaltig. Auf einem weißen Notizblock notierte sich der Kellner ihre Bestellung und verschwand alsbald im Inneren.

Umgekehrt, wurde es für uns Zeit, die Pause zu beenden, um zurück nach Freiburg zu fahren. Auf der Rückfahrt über die Deutsche Uhrenstraße musste ich mich korrigieren, dass Schönwald rein nichts und gar nichts mit der Kuckucksuhr zu tun hat. Unterhalb der Ortschaft, in einem alten Speicher, war die Werkstatt des Uhrmachers Franz Anton Ketterer untergebracht. 1737 hatte er die zündende Idee, beim Glockenschlag einen Kuckuck aus der Uhr heraus springen zu lassen. Wer der ersten Prototypen von in Werkstätten gebauten Kuckucksuhren gebaut hat, darüber wird allerdings gestritten. Vermutlich zeigte sich der Vogel damals noch nicht so flott und beweglich, auch das Türchen sprang wohl nicht so schnell auf: in der „Geschichte der Schwarzwälder Uhrmacherkunst“, die 1796 erschien, liegen die Jahreszahlen, dass Kuckucksuhren gebaut werden, einiges später als 1737. Und so hat das Denkmal in Schönwald seine Berechtigung, das den alten Speicher in dem Gehöft „Höfle“ benennt, der übrigens heute noch existiert, wo Franz Anton Ketterer die Kuckucksuhr erfunden hat.

Dass sich die wahre Bedeutung der Deutschen Uhrenstraße nicht wirklich erschloss, darüber lag an diesem Tag ein gewisser Fluch. Die Rückfahrt nach Freiburg führte über Furtwangen, wo wir geplant hatten, das Deutsche Uhrenmuseum zu besuchen. Doch daraus wurde nichts, weil unsere Tochter darauf keine Lust hatte. Die Hinfahrt hatte uns gelehrt, dass die Fahrt vom Hochplateau des Schwarzwaldes in die Tiefebene des Oberrheins dauerte, so dass wir unsere Tochter nicht zwingen wollten. und so kurvten wir dann über all die Schleifen, Kurven, Kehren und Abfahrten der Ortschaften, die zu Furtwangen gehörten, in das Simonswalder Tal.

Denkmal für Franz Anton Ketterer in Schönwald (Quelle www.schoenwald.net)

Im Tal brannte dann die Sonne und belegte, dass in Freiburg an diesem Tag 34 Grad gemessen wurden. Wir erledigten ein paar Einkäufe im REWE in Waldkirch, bevor wir die vierspurig ausgebaute Bundesstraße B294 erreichten. Im Stadtgebiet von Freiburg waren wir soeben von der Bundesstraße B3 auf die Mooswaldallee abgebogen, da erreichte uns auf dem Handy eine Hiobsbotschaft. Unser Sohn meldete sich, dass das Wetter zu Hause von der Hitze schlagartig umgeschlagen war. Ein Unwetter mit Sturm, Hagel und jede Menge Regen hatte gewütet. Unsere zwanzig Meter hohe Eberesche, die der Sturm ausgerissen hatte, lag auf zwei Nachbargrundstücken. Glücklicherweise waren keine Schäden an Gebäuden entstanden.

So mussten wir in unserer Ferienwohnung erst einmal die Fakten sammeln. Telefonieren mit zu Hause, telefonieren mit den Nachbarn neben unserem Nachbar. Bei diesem Nachbarn war eine Gartenliege beschädigt worden. Die Äste auf ihrem Grundstück wegzusägen, darum kümmerten sich die Nachbarn. Die anderen Nachbarn hatten unserem Sohn mitgeteilt, dass alles zunächst liegen bleiben könne, weil sie in Kürze selbst in Urlaub fahren würden. Eine schlimmere Katastrophe war also ausgeblieben, so dass wir beruhigt unseren Urlaub fortsetzen konnten.

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