1796 - die Schlacht von Kircheib

Oft schaut man allzu gerne auf die Jahreszahlen, die sich einprägen. Große Schlachten im Rheinland ? Die Schlacht von Zülpich 496, nach der sich der erste Frankenkönig Chlodwig zum Christentum bekannte und das Frankenreich begründete. Oder die Schlacht von Worringen 1288, als die Düsseldorfer den Kölnern ordentlich eins auf die Mütze gaben und sich die Machtverhältnisse maßgeblich von der Römerstadt Köln nach Düsseldorf verschoben. Und da war noch die furchterregende Schlacht von Hürtgenwald 1945, als die Alliierten sich verschätzten, riesige Verluste in den Wäldern der Nordeifel erlitten und den Nazi-Traum vom tausendjährigen Reich wieder auferstehen ließen.

Die Jahreszahl 1796 wird indes niemand kennen. Die Schlacht von Kircheib, die, genau genommen am 17. Juni 1796 geschlagen wurde, fällt vielmehr in eine Periode hinein, dass kriegerische Auseinandersetzungen nicht durch den Urknall einer einzigen Schlacht entschieden werden konnten. Kriege als zähes Ringen um jeden Quadratkilometer Gelände, als periodisches Vordringen und Zurückweichen vor dem Feind.

Denkmal zwischen Uckerath, Kircheib und Buchholz

Die Jahreszahl 1796 fällt in eine Umbruchphase der europäischen Geschichte hinein, die in der französischen Revolution 1789 ihren Lauf genommen hatte und mit dem Eroberungsfeldzügen des Feldherren Napoleon Bonaparte, das war ab 1799 , die europäische Landkarte grundlegend umgestaltete.

Wie uns die Geschichte gelehrt hat, benötigten die Ideen von Demokratie und Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit eine sehr lange Anlaufphase, die sich in Europa über mehr als einhundert Jahre erstreckte. In den allerersten Anfängen passten den anderen europäischen Großmächten dieses erste Aufbegehren in Frankreich, Macht an das Volk zu übertragen, gar nicht ins Konzept. Auf dem europäischen Kontinent bildeten sich Koalitionen gegen dieses neuartige Frankreich, daher füllen diese Epoche zwischen der französischen Revolution und der Ära Napoleons die sogenannten Koalitionskriege aus, eine Abfolge von Schlachten ohne richtiges Endergebnis, die strategisch alle irgendwie miteinander zusammen hingen.

Allen voran, versuchten Preußen und Österreich diese neuartigen Machtverhältnisse wieder in den alten Zustand zurück zu versetzen. Sie wiesen Frankreich an, den Sonnenkönig Ludwig XIV. wieder auf seinen Thron einzusetzen. Als Frankreich dieses ablehnte, scharten Preußen und Franzosen ein Heer zusammen und marschierten auf Paris zu. Doch Frankreich war als Nation viel zu stark, es besiegte in der Schlacht von Valmy 1792 Preußen und Österreicher. In den Folgejahren weitete Frankreich sich aus, eroberte mal hier ein Stückchen, mal dort einen Flecken auf der Landkarte, drängte Preußen und Österreicher immer weiter zurück. 1795 belagerten sie Neuwied, außerdem überquerten sie den Rhein bei Krefeld.

1796 eroberten sie dann von Düsseldorf aus und von Neuwied aus rechtsrheinisches Gelände. Während die Franzosen die linke Rheinseite dauerhaft in ihren Besitz einverleibten, hoben sich auf der rechten Rheinseite Geländegewinne und anschließende Geländeverluste auf. Niemand konnte sich entscheidend durch setzen. Am 30. Mai 1796 überschritten die französischen Generäle Kleber und Lefebvre die Sieg bei Siegburg, gleichzeitig drangen von Neuwied aus französische Truppen in den Westerwald bis zur Lahn vor.

Schlachtfeld (oben), Wappen von Kircheib (unten)

Nach der Schlacht von Siegburg am 30. Mai 1796 schlugen sie auf der Höhe des Bergsporns Jungeroth ein Feldlager auf – das lag ziemlich genau zwischen den Ortschaften Buchholz, Uckerath und Kircheib. Die Stelle hatten die Franzosen sorgfältig ausgewählt. Das Langer befand sich auf einem Hochplateau, an drei Seiten steile Hänge, die als natürliche Hindernisse dienten, ebenso wie der Hanf- und der Scheußbach in den Tälern davor. Quellen entsprangen dort, so dass reichlich Trinkwasser zur Verfügung stand. In direkter Nähe lag die Hohe Straße, eine alte Handelsstraße durch den Westerwald, die von Köln nach Frankfurt führte. Zudem existierten mit dem Steiner Berg, dem Priesterberg und dem Heppenberg ideale Posten für die Späher.

Die Franzosen sicherten ihr Lager mit Schutzwällen, Gräben, Schanzen und Wachen. Am 4. Juni 1796 verließen sie diesen Standort, um mehrere Gefechte zu führen. In Altenkirchen gelang ihnen noch am selben Tag ein Sieg, weshalb sich die Stadt Altenkirchen auf dem Denkmal des Generals Jean Baptiste Kléber in Straßburg verewigt hat. Die Österreicher, die von Erzherzog Karl angeführt wurden, zogen sich daraufhin zunächst hinter die Lahn zurück, drehten aber bei einem Kampf am 15. Juni bei Wetzlar den Spieß um. Die Revolutionstruppen kehrten um und trafen am 18. Juni wieder in Jungeroth ein. Dort ruhte das ermüdete Heer aus.

Aber der Feind, die Österreicher, setzte nach. Schon in der darauf folgenden Nacht wurden die Franzosen von ihren Verfolgern angegriffen. Es war Feldmarschall-Leutnant Paul Freiherr von Kray, der mit Kavallerie und Infanterie französische Vorposten bedrohte. Da entschloss sich Kléber zum Gegenangriff. Die Franzosen rückten mit vier Kavallerieregimentern auf der Handelsstraße an, denen die Artillerie folgte. Sie deckten ihre Flanken und griffen Österreicher an, die in wilder Unordnung flohen. Auf der Chausseé, in Kircheib stießen die Franzosen auf Gegenwehr. Es gab eine heftige Kanonade. Die Linieninfanterie der Österreicher hatte sich mit ihren Geschützen auf den Anhöhen hinter dem Dorf postiert. Unter Beschuss erstürmten die Franzosen die Höhe und wurden durch das Feuer der Infanterie zurück getrieben.

Denkmal an die Schlacht von Kircheib

Das Gefecht war heftig und dauerte lang, bis die Franzosen mit dem Verlust einer Fahne von den Anhöhen heruntergeworfen und durch einige Abteilungen österreichischer Kavallerie verfolgt wurden. Entscheidend für den Ausgang der Schlacht war möglicherweise, dass ein Späher dem französischen General Kleber eine zu niedrige Anzahl österreichischer Soldaten gemeldet hatte, so dass er einige Kompanien in dem Feldlager beließ und nicht in die Schlacht führte. Nach dieser Niederlage zogen sich die Franzosen zurück. Das Feldlager gaben sie auf, und weil sie befürchteten, dass sie weiter verfolgt würden, traten sie auf breiter Front den Rückzug an, nämlich bis Opladen.

Während sich französische Truppen danach auf rechtsrheinischem Gebiet weitgehend zurückzogen, besetzten sie weiterhin linksrheinisches Territorium. Entscheidend sollten sich die Kriegsverläufe wenden, als Napoleon Bonaparte die weltpolitische Bühne betrat. Das war 1799, als Frankreich ihn zum Ersten Konsul ernannte. Ab 1799 sollte dann eine neue Abfolge von Koalitionskriegen die Landkarte von ganz Europa verändern. Im Jahr 1806 wurden auf dem linksrheinischen Gebiet, dem Rheinbund, Verwaltungs- und Rechtsstrukturen nach dem Vorbild Frankreichs implementiert.

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