Tagebuch Mai 2017

1. Mai 2017

Nein, ich will nicht nur meckern wegen all der Baustellen und der Verkehrsstaus, unter denen wir allzu sehr leiden. So am vergangenen Wochenende, als die Durchgangsstraße, die an unserem Ort vorbei führt, vollgesperrt war. Sie wurde neu asphaltiert, so dass sich der Autoverkehr durch unseren Ort quälte. Das Verkehrschaos war so schlimm, dass es eine gefühlte Ewigkeit dauerte, bis ich die Straße von unserer Metzgerei zum Parkplatz am Supermarkt auf der anderen Straßenseite überqueren konnte. Doch die Baustelle hatte auch ihre gute Seite: endlich, nach Jahrzehnten des Wartens, wurde der Fahrradweg rundum erneuert. Der Zustand war katastrophal und unzumutbar für jeden Fahrradfahrer. Baumwurzeln hatten die Fahrbahn angehoben, und die Betonplatten, aus denen der Radweg an manchen Stellen bestand, hatten sich abgesenkt, so dass das Fahrrad über tückische, vorspringende Kanten holpern musste. Nicht umsonst schneidet unsere Stadt beim alljährlichen Fahrrad-Klimatest grottenschlecht ab. Nun wurde die Fahrbahn des Radwegs komplett abgetragen und neu asphaltiert. Aalglatt, wie geleckt und auch in einer großzügigeren Breite, so dass das Fahrradfahren dort wieder Spaß macht.

2. Mai 2017

Von vornherein war es mir unheimlich und suspekt, dass die Sparda Bank unser Online Banking auf eine App umstellen wollte. Als sich das magische Datum der Umstellung, der 31. März, näherte, ließ ich mir auf den letzten Drücker Benutzerkennung und Passwort für das neue, bahnbrechende Verfahren zusenden. Zuerst klappte die Installation auf meinem dienstlichen Laptop nicht: wahrscheinlich war es logisch, dass ich die Fehlermeldung „keine Netzwerkverbindung möglich“ erhielt, da die Netzwerkverbindung für private, höchst sensible Daten mit Servern und IP-Adressen nicht harmonierte. Also versuchte ich die Installation über mein Smartphone. Doch diese scheiterte in einem frühen Stadium: nicht genügend Speicherplatz vorhanden. Ja, ich hatte wirklich viele Fotos gemacht, und so schmiss ich in einer Art von Wegwerfaktion Unmassen von Fotos und auch Videos runter von meinem Smartphone. So ungefähr nichts an Datenvolumen tummelte sich danach auf meinem Smartphone, gerade ein paar wenige Megabytes. Doch ich sollte irren, dass sich danach die App mit Leichtigkeit würde installieren lassen: nicht genügend Speicherplatz vorhanden, das Smartphone hörte nicht auf zu meckern. In meiner Verzweiflung suchte ich die Filiale der Sparda Bank auf, um das Problem vor Ort zu lösen. Der Bankangestellte machte einen versierten Eindruck, was die Niederungen des Smartphones betraf. Wie wild tippte er in App-Stores herum, er aktivierte Netzwerkverbindungen und prüfte den Speicher. Doch am Ende musste auch er kapitulieren. Mein Smartphone konnte in den unendlichen Weiten freien Speicherplatzes riesige Datenmengen aufnehmen, doch halsstarrig verweigerte die App jegliche Installation: nicht genügend Speicherplatz vorhanden. Seitdem habe ich mich in der digitalen Welt des Online-Bankings zurück entwickelt. Ich schreibe Papier-Überweisungen und komme mit dem SB-Banking-Automat zurecht. Von irgendwelchen Apps will ich seitdem nichts mehr wissen.

3. Mai 2017

Nicht schlecht gemacht in der Schaufensterauslage eines Optikers. Die Gestaltung des Schaufensters lässt spüren, dass der VW-Bus in seinen älteren Formen noch eine Schönheit des Designs offenbart. Mit seiner bauchigen Form ist er zum Kultobjekt geworden. Mit Blumen auf seiner Frontseite, verkörpert er Zeitgeist. Flower Power. Die Sehnsüchte einer Generation, die im VW-Bus die Welt von einem höheren Standpunkt aus betrachtete. Die die Welt von höheren Zielen, von Frieden, Liebe und ihrer Einheit überzeugen wollte.

4. Mai 2017

Vegetarier ja, Veganer nein: gerne outen sich Veganer, weil sich mit ihnen im zwischenmenschlichen Zusammenleben kaum noch Kompromisse erzielen lassen. Verschrien in der Gesellschaft, neigen sie zu radikalen Einstellungen, die zunächst keine politische Dimension, sondern das Essverhalten betreffen … Essverhalten und Politik: es ist erstaunlich, dass das Sendungsbewusstsein der Veganer so weit geht, dass sie sich in der Parteienlandschaft wieder finden. „BIO-Vegan statt Gift und Gülle“, so wirbt die Veganer-Partei für den Landtagswahlkampf in NRW. Es ist schon skurril, welche Exoten sich im Landtagswahlkampf so herum treiben.

5. Mai 2017

Wie Recht er doch hatte. Man braucht nur die Nachrichten einzuschalten, und prompt läuft es einem eiskalt den Rücken herunter, wie viele durch geknallte auf der Welt herum rennen und Unheil anrichten. Niemand will Reichsbürger oder Horrorclowns – ein Horrorclown vom Format eines Donald Trump reicht. So lautete die Kernbotschaft des Guido Cantz, den wir bei seinem 25-jährigen Bühnenjubiläum in Köln-Porz-Wahn Live erlebten: es erleichtert ungemein, die Dinge mit Humor zu nehmen. Mit seinem Programm „Blondiläum“ hatte er im Eltzhof ein Heimspiel, und so kam er mit seinem rheinischen Humor rasch auf Touren. Guido Cantz glänzte damit, dass er unpolitisch war, und dabei viel aus seinem Leben erzählte. Oft waren es die wahren Begebenheiten, bei denen man im Alltag nur genau genug hinhören musste, um sich vor Lachen zu krümmen. Er machte sich lustig über Jugendliche, deren Vokabular und Aussprache sich an Pokemons anlehnte, beim Einkaufen schnappte er die Bemerkung eines Rentners auf, dass er unter Hautausschlag leide, als er an der Kasse auf Punkte (Payback) angesprochen wurde. Seinen heimlicher Tipp betonte er, die Brille aufzusetzen, wenn man eine SMS liest. Zwei Pünktchen auf einem „o“ können einen Sinnzusammenhang verrücken und ein Ehedrama bei einer nächtlichen Autofahrt mit alkoholisierten Freunden auf der Autobahn A4 herauf beschwören. Seine Kunst des Witzes, Humor zwischen den Zeilen, Wortschöpfungen und Anspielungen: selten habe ich so viel gelacht. Ein wunderschöner Abend mit Guido Cantz.

6. Mai 2017

Obschon die Gitarrentöne hart, metallisch hart, knallhart klangen, war es meine Welt. Der Geräuschpegel war nahezu ohrenbetäubend, das Röhren einer männlichen Stimme traf den innigsten Nerv, der Schlagzeuger wirbelte mit seinen Stöcken herum, als renne er um sein Leben. Es war ein Stück Hardrock von einer unbekannten Band, dessen Namen ich schnell wieder vergessen werden, dessen Musik mich allerdings an gute, alte Zeiten von Motörhead, Saxon oder den Scorpions erinnerte. Eine Zeit lang lauschte ich gebannt, am frühen Nachmittag umringten nur wenige Zuhörer die Bühne, während der Autoverkehr auf der nahen Autobahnbrücke der A562 zögernd vor sich herplätscherte. Eine plötzliche Energie entlud sich in dem Sound, so etwas wie eine Revolution oder ein neuer Aufbruch lag in der Luft. Nach vielleicht einer Viertelstunde verließ ich die zum Bersten angespannte Musik des Hardrock, die sich eigens für das Volksfest „Rhein in Flammen“ in Szene gesetzt hatte. Zwei Tage später erfuhr ich, dass ich vieles verpasst hatte. Ein Arbeitskollege hatte erlebt, wie zwei Coverbands auf einer Bühne mittendrin in der Rheinaue ihren Hardrock zum besten gegeben hatten. Die eine Gruppe – Judas Rising – hatte die harten Klänge von Judas Priest nachgespielt, die andere – She’s got balls – war eine Frauenband, die sich mit großer Authentizität an AC/DC heran gewagt hatte.

7. Mai 2017

Wer hätte gedacht, wie nahe die Düsseldorfer den Kölnern auf die Pelle rücken können. Die Düsseldorfer verbinden das auslösende Ereignis, welches Düsseldorf zur Großmacht am Rhein beförderte, mit dem Jahr 1288, als die Grafen von Berg den Kölner Erzbischof in der Schlacht von Worringen besiegten. Seitdem steuerten die Grafen von Berg ihr Herrschaftsimperium Zug um Zug von Düsseldorf aus, und sie reichten ihren Arm der Macht, mal mehr, mal weniger in das Kölner Stadtgebiet hinein. Mülheim bauten sie 1614 zur Residenzstadt aus, und ein Jahrhundert später, 1714, stellte der regierende Kurfürst Jan Wellem Gelder bereit, um der Textilindustrie mit ihrer Ansiedlung einen wirtschaftlichen Schub zu verleihen. Ganz ähnlich waren die Machtverhältnisse in Porz und Zündorf geartet: als Großmacht, die Köln im Klammergriff hielt, wollten die Düsseldorfer ihren Anteil am Rheinzoll. Sie unterliefen das Stapelrecht, das Köln im Mittelalter zu einer reichen Hansestadt gekürt hatte. In Zündorf entluden sie die auf dem Rhein transportierten Waren, auf dem Landweg schafften sie diese nach Mülheim, das zu ihrem Herrschaftsgebiet gehörte, und von dort aus verschifften sie die Waren wieder auf dem Rhein nach Düsseldorf. In dem Zündorfer Wehrturm erhoben die Grafen von Berg seit dem 15. Jahrhundert den Rheinzoll. Münzen und Einnahmen wurden seitdem in dem Turm – gut bewacht – gelagert. Die Herrschaftszeit der Düsseldorfer im rechtsrheinischen Köln fand erst mit der französischen Besatzung durch napoleonische Truppen gegen Ende des 18. Jahrhunderts ein Ende.

8. Mai 2017

Noch vor einem halben Jahr hätte ich diesen Bereich nur mit einem gehörigen Maß von Abscheu betreten können. Eingequetscht zwischen dem Busbahnhof, dem trennenden Band der Straße und dem unterirdischen Treppenzugang zum Hauptbahnhof hatten sich Drogenabhängige, wohl auch die kriminelle Energie von Drogendealern, auf den Füßen gestanden. Es hatte kaum ein Durchkommen gegeben durch dieses Gewimmel von entstellten und von Exzessen gezeichneten Gesichtern. Aussätzige, die den Zerfall unserer Gesellschaft im Schatten der 1960er Jahre-Architektur dokumentierten. Nun soll alles besser werden, schöner, glänzender, anspruchsvoller mit der neuen Bahnhofsvorplatzbebauung. Die Bausünden der 1960er-Jahre werden abgerissen, Berge von Schutt entschwinden in der Versenkung der Vergangenheit, ein Neubeginn auf neuen Fundamenten soll kommen. Mehrere Bagger verrichten ihr Werk, die seelenlosen, hastig dahin geklotzten Ladenlokale aufzulösen. Wände und Gebäudeteile, die dem Abriss vorläufig getrotzt haben, ähneln ein wenig den Zerstörungen, wie man sie aus Kriegsgebieten kennt.

9. Mai 2017

Wünsche, Träumereien, Phantasien und eine Versponnenheit mit viel Feingefühl. Wir befinden uns in einer Welt, wie sie etwa Carl Spitzweg gemalt hat: mit Zwiebeltürmen gekrönte Erker, der freundliche Blick von Menschen in Straßenszenen, verspielte Blumengirlanden an Gartentoren, alles eingebettet in zarte, weiche Farbtöne. Die Glyzinie, die sich verspielt um diesen Anbau schlängelt, läßt dieselbe Stimmung aufkommen. Der Schwarm von Blüten, der, Haarlocken gleich, herunterfällt, verzaubert den Betrachter. Vom höheren Standpunkt, der Vorplatz und die Straße im Blickfeld, können die Bewohner aus dem Fenster an den sich rankenden Glyzinien vorbei das Geschehen draußen eingehend beobachten.

10. Mai 2017

Die Pest ist so alt wie die Menschheit. Schon der Historiker Thukidydes beschreibt im 4. Jahrhundert vor Christus, wie die Pest in Athen gewütet hatte. In der Bibel gehört die Pest zu den drei Geißeln Gottes – sie erscheinen bei den Propheten Jeremias und Ezechiel mit den Worten „gladius, fames und pestis“. Was bedeutet: Schwert, Hunger und Pest. Die großen Pestepidemien überfielen Europa im 14. Jahrhundert, als die Pest über Handelsrouten aus der Mongolei und dem Schwarzen Meer eingeschleppt wurde. Über das Mittelmeer, den Atlantik, die Nordsee und die Ostsee gelangte die Pest schließlich nach ganz Europa. Das Ausmaß der Epidemie war so verheerend, dass im 14. Jahrhundert 25 Millionen Menschen starben, das entsprach einem Drittel der europäischen Bevölkerung. Die letzte große Pestepidemie, die den ganzen europäischen Kontinent erfaßte, wütete von 1663 bis 1668. Sie begann in England, griff auf die deutsche Nordseeküste über, suchte Westfalen heim und breitete sich bis ins Rheinland aus. Glaubt man einer Chronik aus Graurheindorf, das zu Bonn gehört, war diese Pestepidemie genauso schlimm wie diejenigen des 14. Jahrhunderts, denn auch im Jahr 1666 starb ein Drittel der Bevölkerung. Daran erinnern im Stadtteil Küdinghoven vor der Kirche mit dem Kirchturm aus der romanischen Epoche sieben Pestkreuze. Sie datieren aus den Jahren 1663 bis 1668, davon läßt sich an einem Pestkreuz die Jahreszahl 1666 ablesen.

11. Mai 2017

Es gibt sie, solche Tage, an denen stürzen sich alle wichtigen Ereignisse auf ein und dasselbe Datum. Als hätten sich diese wichtigen Termine verabredet, magisch angezogen von diesem einen Datum, so dass kein anderer Zeitschlitz möglich gewesen wäre. Schulpflegschaftsversammlung, bunter Abend der katholischen Frauengemeinschaft, für den meine Frau Karten besorgt hatte, Jahreshauptversammlung des Fördervereins der Behinderten. Meine Frau entschied sich für den bunten Abend, den sie mit vier Freundinnen besuchte. Zur Schulpflegschaftsversammlung schickte sie ihre Vertreterin als Klassenpflegschaftsvorsitzende, die Jahreshauptversammlung ließ sie sausen, da sie sich nicht dreiteilen konnte.

12. Mai 2017

Ein feierlicher Moment. Erster Kopfsalat aus dem eigenen Garten. Zärtlich gleiten die selbst gelesenen Blätter zwischen den Fingern, beim Waschen prüft der Blick die bei jedem Waschvorgang sich verringernden Schmutzpartikel. Gewaschen und sauber, liegen die knackigen Salatblätter im Küchensieb übereinander und warten auf ihre Zubereitung. Und eine Schnecke, die die Waschprozedur nicht vertrieben hat, schaut auf dem Rand des Küchensiebs aufmerksam zu.

13. Mai 2017

Eine bestechend gelbe Farbkulisse. Büsche von Besenginster wogten in gelben Farben. In kleinen, kugelrunden Blüten, untermalte das Meer von Farben die Heidelandschaft, die mit ihrem Heidekraut erst im jahreszeitlichen Rhythmus, zum Ende des Sommers in eine ganz andere, violette Farbgebung wechseln würde. Spaziergang in der Wahner Heide. Eine Entdeckungsreise in der Natur. Wir haben den sogenannten Fliegenberg umkurvt, auf dem wir keiner einzige Fliege begegnet sind. Anstatt dessen aber kleine Kiefern zwischen Heidebüschen, nicht einmal so groß wie ein Weihnachtsbaum, und große Kiefern, die in den Himmel wuchsen. Das Schuhwerk versank in knisterndem Sand, und der Baumstamm einer Eiche war so dick, dass wir uns fragten, wie viele Jahrhunderte eine Eiche alt werden kann. Wie verrückt hatten wir Fotos gemacht, dekoriert mit den wiederkehrenden, gelben Farbtupfern des Besenginsters.

14. Mai 2017

Am Anfang stand ein Friedensfest für die Mütter, die ihre Söhne vor dem Krieg bewahren wollten. Die Frauenbewegung hatte nicht nur in Europa, sondern auch in den USA Wurzeln geschlagen, indem sie gleiche bürgerliche Rechte einforderte, darunter das Wahlrecht, das Recht auf Erwerbstätigkeit oder das Recht auf Bildung. Eine Anführerin der Frauenbewegung in den USA war Julia Ward Howe, die 1870 eine „Mother’s day proclamation“ initiierte. Diese Proklamation des Muttertages war zunächst ein Protest gegen den damaligen Bürgerkrieg der Nord- gegen die Südstaaten. Später, von 1872 bis 1882, organisierte Howe einmal jährlich einen Frauenkongress in Boston, der auch „Muttertagstreffen“ genannt wurde. Auch nach dem Tod von Howe wurde die Tradition des Muttertages in den USA fortgeführt, wenngleich auf eine andere Art und Weise. Es war Anna Marie Jarvis, die am 12. Mai 1907, dem Sonntag nach dem zweiten Todestag ihrer Mutter, ein „Memorial Mothers Day Meeting“ veranstaltete. Im folgenden Jahr setzte sie durch, dass wieder am zweiten Maisonntag allen Müttern ihrer Heimatstadt Grafton in der örtlichen Kirche eine Andacht gewidmet werden sollte. Dabei teilte sie 500 weiße Nelken zum Ausdruck ihrer Liebe zu ihrer verstorbenen Mutter an andere Mütter aus. Diese Aktion schlug so hohe Wellen, dass der US-Kongress als Zeichen der Liebe zur eigenen Mutter den zweiten Sonntag im Mai offiziell zum Muttertag erklärte. Diesen Tag wurde sogar zum nationalen Feiertag, da der damalige US-Präsident Woodrow Wilson anordnete, alle öffentlichen Gebäude zu beflaggen. Dieser neu geschaffene Feiertag eroberte rasch Europa. Anfang der 1920er Jahre machten sich die Blumenhändler in Deutschland stark für diese neue Tradition. So wie wir es heute kennen, wurden Blumen in Hülle und Fülle in den Blumengeschäften angeboten.

15. Mai 2017

Es war bescheuert und unglücklich, wie ich den zweiten KFZ-Haftpflichtschaden innerhalb von 6 Monaten produzierte. Im Gartenmarkt hatte ich mich nach Rindenmulch umgeschaut, erfolglos, um danach unerledigter Dinge von dem großen Parkplatz, der den Netto- und Gartenmarkt umgibt, nach Hause zu fahren. Viele Abläufe sind beim Autofahren Routine, die quasi vollautomatisch geschehen, so das Ausparken aus dem Parkplatz. Rückwärts aus der Parklücke heraus, der Blick zurück, das Lenkrad nach rechts zurückdrehen, kurz stehen bleiben, um vorwärts anzufahren – und in demselbem Moment machte es RUMMS ! Gegenüber stehend und um zwei Parklücken versetzt, war ich mit einem anderen Fahrzeug kollidiert. Im toten Winkel stießen die hintere Stoßstange unseres VW Golfs mit der linken Fahrertüre eines Opel Corsas zusammen. Die Unfallgegnerin und ich, wir rauften uns beide die Haare, obschon die beiden Kratzer an Stoßstange und Fahrertüre nicht direkt dramatisch aussahen. Nun geht das ganze den Weg der Bürokratie. Schadensmeldung bei unseren KFZ-Haftpflichtversicherungen, Unfallhergang beschreiben, Fotos beifügen, einen Kostenvoranschlag muss ich noch einholen.

16. Mai 2017

Aus und vorbei. Nach der Landtagswahl herrscht bei der SPD Tristesse, während die Jubelstürme bei CDU und die FDP nicht enden wollen. Bald werden die Wahlplakate verschwinden und eine – wie auch geartete - Landesregierung wird zur Tagesordnung übergehen. Was bleibt, sind die Sprüche auf den Wahlplakaten. „Das Digitalste in der Schule dürfen nicht die Pausen sein“, das meint Christian Lindner von der FDP. Dabei dürfte er sich wohl auf die IT-technische Grundausstattung in den Schulen beziehen, der Kern dieser Wahrheit dürfte allerdings anders aussehen. Gerade bei Schülern ist die Digitalisierung eine Herausforderung. Ohne Smartphone geht heute nichts mehr, und bei manchen Schülern habe ich den Eindruck, dass der verlängerte Arm mit einem Smartphone fest verwachsen ist. Der Alltag wird nicht mehr über die verbale Kommunikation gesteuert, sondern über das digitalisierte Innenleben eines Smartphones. Soziale Netzwerke werden zum Ort der Hetze, in whatsapp-Gruppen werden Schüler ein- und ausgegrenzt. Videos, die gezielt diskriminieren, werden Online gestellt. Wer wie oft geliked wird, gehört zum Statussymbol. In der Tat, die Herausforderungen an einen richtigen Umgang mit der Digitalisierung sind enorm, was wohl bei kaum einer Schule auf dem Unterrichtsplan steht. Ich wage allerdings zu bezweifeln, ob die FDP ihren Wahlspruch genau so verstanden hat.

17. Mai 2017

Nichts Neues bei meinem Arbeitgeber. Wir werden reorganisiert, wieder einmal. Was uns in den letzten rund 20 Jahren an Reorganisationen ereilt hat, geht auf keine Kuhhaut. Reorganisationen verbreiten Drohgebärden und Angst, wenn es um Standorte geht, die dem Untergang geweiht sind. Aus meiner eigenen, persönlichen Sicht, liefen all diese Jahrzehnte der Reorganisation glimpflich ab. Es hätte auch anders kommen können. Die Standortkonzepte trafen mit all ihrer Wucht die ländlichen Bereiche, die Verantwortlichen rüttelten nicht am Gehaltsgefüge und am Lohnniveau, Outsourcing-Strategien führten zu keinem Personalabbau, so dass ich im wesentlichen bei einer Reorganisation nur das Türschild wechselte. Bis heute sind die Aufgaben stets interessant bis hoch spannend, so dass ich der nun anstehenden Reorganisation gelassen entgegen sehe. In den Köpfen spürt man sogar eine Art von Aufbruchstimmung: gegenseitig voneinander zu lernen, die Blickwinkel verändern, neue Kollegen kennen lernen. Oftmals machen sich die Betroffenen selbst das Leben schwer, wenn sie jammern und über den Flurfunk Weltuntergangsstimmungen verbreiten, die aus der Luft gegriffen sind.

18. Mai 2017

Dass der Reliquienhandel nicht alleine eine Angelegenheit des Mittelalters war, das belegt die romanische Kirche St. Gallus in Bonn-Küdinghoven. Die auslaufende Antike war eine dunkle Zeit, als das römische Reich untergangen war. Die Schriften der großen griechischen und römischen Gelehrten waren abhanden gekommen, und alleine die ersten christlichen Klöster, darunter in Irland, pflegten die Schriftform, indem sie Abschriften aus großen römischen Bibliotheken retteten. Der keltische Mönch Gallus verkroch sich in sein Skriptorium, er fertigte solche Abschriften auf Pergament und wanderte von Irland in den Bodenseeraum. Dort gründete er um 650 das Kloster St. Gallen in der Schweiz. Irgendwo im Bodenseeraum verstarb er, und mit dem Reliquienhandel des Mittelalters fanden Knochen und Gebeine des Heiligen Gallus ihren Weg in das Kloster St. Gallen. Im 19. Jahrhundert hatte der Pfarrer der Kirche in Bonn-Küdinghoven einen guten Draht in die Schweiz. Er war redegewandt, stand sich gut mit dem Bischof von St. Gallen und quatschte ihm ein Stück aus der Reliquie des Heiligen Gallus ab. Daraufhin löste man in der Klosterkirche von St. Gallen das Fragment eines Armknochens aus der Reliquie und transportierte diesen mit einer Echtheitsurkunde, für die der Bischof von St. Gallen gerade stand, nach Bonn-Küdinghoven. Dies geschah im Jahr 1855, in dem gleichzeitig das Patrozinium wechselte. Bis dahin war Gregorius Maurus, ein Heiliger aus der Thebäischen Legion, dem auch die Pfarrpatrone der Bonner Münsterkirche, Cassius und Florentius, entstammten, der Namensgeber der Pfarrkirche von Küdinghoven. An diese Zeit vor dem Heiligen Gallus erinnert die Gregorius Maurus-Kapelle im Innenbereich des Kirchturms.

19. Mai 2017

Nichts besonderes, nichts aufsehenerregendes, nur eine Verkaufsveranstaltung wie so viele andere, könnte man meinen. Originell klingt aber der Name: Maikäferfest, dem jetzigen Monat entsprechend. Maikäfer haben die Menschen in der Vergangenheit nicht nur als Plagegeister empfunden, wenn sie ganze Hecken kahl gefressen haben. Um 1840 wurde der Maikäfer in Bonn und auch in Oberkassel zum Symbol, den man mit dem Theologen Gottfried Kinkel verbindet. Kinkel, in Oberkassel geboren, verhaftet während der 1848er-Revolution und nach England geflohen, hatte 1840 den sogenannten Maikäferbund gegründet. Eine ganze Reihe von Intellektuellen hatte sich zum Maikäferbund zusammengeschlossen, um zur Natur zurückzufinden und gemeinsam zu wandern. Sie dichteten und schrieben Erzählungen nieder, sie gaben eine eigene Zeitschrift heraus und forderten Bürgerrechte und Pressefreiheit, was den Preußischen Herrschern, die seit 1815 das Rheinland regierten, gar nicht passte. Den Namen wählten sie, weil der Maikäfer als Schädling angesehen wurde und bekämpft wurde. Und die Schar ihrer Gegner im Lager der Regierenden war groß. Seit 15 Jahren haben nunmehr die Geschäftsleute in Bonn-Oberkassel den Maikäfer für sich entdeckt. Am dritten Maiwochenende, also genau Morgen, am 20. Mai 2017, findet das sogenannte Maikäferfest statt. Dort wird wenig gedichtet, auch ausgedehnte Wanderungen wird man nicht aufwenden müssen, da sich die Veranstaltung auf ein paar Kilometer der Königswinterer Straße begrenzt. Ausbleiben wird auch eine Rebellion von Maikäfern gegen Herrschafts- und Machtstrukturen. Die Macht werden auf dem Fest vielmehr Gewerbetreibende und Einzelhändler übernehmen, aber auch Tanzgruppen, Musikbands und Vereine aus Oberkassel. Ein buntes Treiben also.

20. Mai 2017

Es gibt ein paar Themen, die blende ich konsequent aus meinen Posts aus. Darunter Politik, weil ich keine Ahnung davon habe, darunter Klatsch und Tratsch, weil ich nicht sensationslüstern bin, darunter allzu persönliches, weil es gegen den Anstand ist – oder auch Fußball. Weil ich ungerne in eine Massenhysterie verfalle, die Fußballstadien auf sich ziehen, und weil Fußball eine Art von Showzirkus ist, der unterhalten will und wenig substanzielles zu bieten hat. Dennoch: beim Fußball spüre ich dieses „Kölsche Gefühl“ für meinen Lieblingsverein, der seine Wurzeln in Köln hat und nirgendwo anders. Aufstieg, Abstieg, Fahrstuhlverein, Depression, und das gleich mehrfach: was der 1. FC Köln seinen Fans in der Vergangenheit zugemutet hat, hat deren Leidensfähigkeit arg strapaziert. Nun haben große Ereignisse ihren Lauf genommen. Peter Stöger hat seine Mannschaft so umgekrempelt, das der neue gewonnene Teamgeist mit exzellenten Spielern es in die Europa-League geschafft hat. Nach dem Abpfiff war um 17.20 Uhr der Bär los im Rhein-Energie-Stadion. Spieler und Fans lagen sich in den Armen und konnten das Unbegreifliche kaum fassen. Auch mich hat diese neue Fußball-Euphorie erfasst. Das Wunder Europa ist Wirklichkeit geworden.

21. Mai 2017

Ein reichlich hektisches Wochenende, da meine Frau mit der Kegelgruppe ihres Bruders über das Wochenende an der Mosel verweilt. Derweil darf ich den Rest der Familie samt Schwiegervater bekochen, Einkäufe darf ich erledigen, und über alledem bleibt viel zu wenig Zeit, mich im Garten zu betätigen. An diesem vollgestopften Wochenende habe ich mir die Zeit genommen, um bei meinen Eltern vorbei zu schauen. Mein Vater befindet sich in der geriatrischen Abteilung des Erkelenzer Krankenhauses, damit seine fünf bis sieben Medikamente, die er täglich nehmen muss, optimiert werden. Dazu gehört auch das Spritzen von Insulin, das von zweimal täglich auf einmal täglich reduziert werden soll.

22. Mai 2017

Wenn man sich ansieht, wie hastig manche Kriegsgedenkstätten zwischen Grünanlagen gepflanzt sind, dann könnte man meinen, dass es um das deutsche Geschichtsbewusstsein nicht allzu gut bestellt ist. Anonym verdichten sich Buchstabenabfolgen auf monotonen Steinblöcken zu Namen, so anonym, wie Bomben, Granaten oder Maschinengewehre getötet haben. Es fehlt die Würde der großen Kriegsgedenkstätten, wie man sie etwa in Flandern oder an der Somme vorfindet. Die die Individualität der Gefallenen betonen und das Grauen eines Weltkriegs wieder in die Erinnerung zurück holen. Mit dem hohen Kreuz, das steil in den Himmel ragt, hat die Kriegsgedenkstätte in Bonn-Oberkassel ein wenig von dieser Würde. Beim Lesen der Namen auf der grau-getönten Steinplatte erschaudere ich vor den Toten des Ersten Weltkrieges. Ganz schlimm hat es die Familie Uhrmacher erwischt. Insgesamt vier Familienmitglieder, Christian, Georg, Friedrich und Karl, mussten auf den Schlachtfeldern in Nordfrankreich, Flandern, Russland oder sonst wo ihr Leben lassen.

23. Mai 2017

Wird diese noble Immobilie bald zur Insolvenzmasse gehören ? In der Tat, der Reiz der alten Industriearchitektur beeindruckt, eine super-schöne Immobilie. In dieser ruhigen und grünen Umgebung, am Rand der Rheinaue, nur einige Gehminuten zum Rhein, muss die Arbeit in der Firmenzentrale der Solar World AG Spass machen. Wie bei allen wichtigen Entscheidungen, war es die Initiative des Firmenlenkers Frank Asbeck, dass er im Jahr 2007 das alte Plittersdorfer Wasserwerk kaufte, deren Giebelfenster heute das kreisrunde Logo des Solarzellenherstellers ziert. Bereits 1989 war die Gewinnung von Trinkwasser aus Rheinwasserfiltrat eingestellt worden, so dass das Wasserwerk nicht mehr genutzt wurde. Die Solar World AG baute dann die Maschinenhalle zu Büroräumen um. Der Fuhrpark von Nobelkarossen auf den Parkplätzen vor der weißgestrichenen Ziegelsteinfassade verrät, dass das Top-Management dort strategische Entscheidungen fällt, die von weltweiter Bedeutung sind. Aber wie lange noch ? Nachdem viele Jahre die Geschäftszahlen schlecht aussahen, meldete die Solar World AG im März 2017 Insolvenz an. Das Bangen und Hoffen hat spätestens seitdem begonnen.

24. Mai 2017

Wer hätte gedacht, dass das Wort „Paradies“ alt-persischen Ursprungs ist ? „Pairidaeza“ bedeutete eigentlich „Umfriedung“. Daraus wurde in der mittelpersischen Sprachform „pardes“ und im Griechischen „paraideisos“. Umfriedet wurden Gärten, von denen die ältesten persischen Gärten in der Antike im 6. vorchristlichen Jahrhundert angelegt wurden. In Persien, dem Land von Extremen zwischen Wasser und fruchtbaren Tälern, das heute zu großen Teilen dem Iran zuzuordnen ist, lebt die antike Form der Gartenanlagen bis in die Gegenwart fort. So befindet sich zeitgleich mit der Ausstellung „Iran – frühe Kulturen zwischen Wasser und Wüste“ ein persischer Garten auf dem Hof der Bundeskunsthalle, der den Untertitel trägt „die Erfindung des Paradieses“. Hohe Erwartungen hat somit der Garten an mich als Besucher geweckt, die er – fast vollständig – erfüllt hat. Da das Wasser inmitten der Wüsten- und Gebirgslandschaft des mittleren Orients knapp ist, gruppiert sich die Gartenanlage um künstlich angelegte und geradlinige Wasserläufe. Mandeln, Pistazien, Jasmin, Quitten: gepflanzt wurde in dem Garten all das, was auch im Stammland Persien wächst und gedeiht. Zwischen plätschernden Brunnen erstreckt sich dieser Garten wie eine Oase der Ruhe, umringt von Orangen- und Zitronenbäumen in Pflanztöpfen. Unter einer Art von Arkade kann man auf Sofas ruhen und sich über einige Treppenstufen hinweg an der Gartenlandschaft erfreuen: das exotische Farbenspiel aus weißen, gelben und violetten Blüten entfaltet seine Wirkung, das Wasser plätschert dahin, eingebettet in das quadratisch angelegte Muster der Gartenform, die der improvisierten Blütenpracht auf ihren Beeten viel Freiheit gewährt.

25. Mai 2017

Der Monat Mai – die Zeit der Bittprozessionen. So begegnete ich in den frühen Morgenstunden einer Prozession von vielleicht zehn Menschen, die mitten in den Feldern anhielten, ihre Gebetbücher aufschlugen und gemeinsam ein Kirchenlied sangen. Solche Traditionen haben sich auch in unserem Ort, trotz rückläufiger Gottesdienstbesuche, hartnäckig gehalten. Gerade in der Zeit vor Christi Himmelfahrt, gibt es bundesweit noch eine beschauliche Anzahl von Flurprozessionen. Die Felder werden gesegnet für eine reiche Ernte, dass Schädlinge verschwinden mögen, für ausreichend Regen und dass Unwetter und Hagel die Felder verschonen sollen.

26. Mai 2017

Es ist beschaulich, welche Farben von Blüten allerhand Kräuter, Gräser und auch Wildwuchs erzeugen. Diese bunte Farbkulisse, die sich auf dem Deichkörper des Rheindamms ausbreitet, macht die Fahrradfahrt zum Vergnügen. Bis zur Autobahnbrücke der A565 kann der Blick über saftig grüne Wiesen hinweg schweifen.

27. Mai 2017

Hitzestau auf dem Parkplatz. Schon am frühen Morgen sammelt sich die Hitze, sie steht über Motorhauben und lähmt die Schritte über die Parkfläche, die, baumlos und ohne Schatten, unbarmherzig der flammenden Scheibe der Sonne ausgeliefert ist. Der Gang zu den Wocheneinkäufen wird zur Qual, wenn erst im REWE-Markt die Klimaanlagen für eine vorübergehende Entspannung sorgen. Schon in diesen Tagen, Ende Mai, müssen wir unsere Tagesabläufe an die Hitzetemperaturen von mehr als dreißig Grad anpassen. Leben mit der Hitze: zu Hause müssen wir richtig lüften, nämlich morgens reichlich und ab den Mittagsstunden überhaupt nicht mehr; bewegungsintensive Arbeit auch nur noch in den Morgenstunden und den späten Abendstunden; den richtigen Zeitpunkt für die Getränkeeinkäufe erwischen, nicht in den Stoßzeiten am späten Vormittag oder frühen Nachmittag; den Ventilator im Wohnzimmer einschalten, damit ein Luftzug die stehende Hitze vertreibt. Hitzewellen stellen bei manchen Dingen den Alltag auf den Kopf. Wir müssen uns den Südeuropäern anpassen. Die frühen Nachmittagsstunden sind tabu für aufreibende Aktivitäten. Dann erdrückt einen nämlich der Schweiß und der Flüssigkeitshaushalt gerät außer Kontrolle. In den vergangenen Jahren war es selten, dass wir bereits Ende Mai mit solchen Hitzewellen zu kämpfen hatten.

28. Mai 2017

In der Antike hatten es Ärzte nicht einfach. Ohne die Lehren moderner Naturwissenschaften und der Medizin, verfolgten sie eine Art der Ganzkörperlehre, dass Körper und Geist sich im Gleichgewicht befinden sollten. Heilmittel und Arzneien, unseren heutigen Medikamenten entsprechend, entnahmen sie der Natur und brachten sie mit Mythen in Verbindung. Wenig bekannt ist hierzulande der griechische Götterarzt Paian, der aber in der Odyssee von Homer eine zentrale Rolle einnimmt. Hades, der Herrscher über die Unterwelt, und Ares, der Kriegsgott, wurden in den Gefechten des Trojanischen Krieges durch Pfeile schwer verwundet. Paian war Experte in der Heilkunst, indem er allerlei Mixturen aus Kräutern, Salben und Tinkturen herstellte. Ohne Forschungen der Arzneimittelindustrie, bediente er sich naturgemäß alledem, was in der Natur so grünte und blühte. Schon in der Antike soll es die Pfingstrose gewesen sein, womit Paian die Verletzungen des Ares und des Hades im Trojanischen Krieg heilte. 1756 war es der schwedische Naturforscher Carl von Linné, der in seiner Pflanzenkategorisierung „systema naturae“ die Pfingstrose nach dem griechischen Götterarzt Paian benannte, nämlich „Paeionia“. Die Pflanzengruppe der Pfingstrosen, im Fachjargon der Botaniker „Päoinien“ genannt, beeindruckt heutzutage mit mehr als dreißig Arten, die Gärten in der Pfingstzzeit in eine tolle Blütenpracht verwandeln. So auch in unserem Garten. Die vollen, rosanen Blütenknopsen entzücken vollends.

29. Mai 2017

Das Aus kam sang- und klanglos, nachdem unsere Tochter immer wieder verhindert war, zum Fussballtraining zu gehen. Zerrung im Knie, Lernen für Klassenarbeiten, zu umfangreiche Hausaufgaben, ihr letztes Fussballtraining lag ungefähr einen Monat zurück. Dann, zum Montagstraining, ihre knappe Erklärung, sie wolle nicht mehr. Alle Überredungs- und Überzeugungsversuche scheiterten. Das ist schade, dass sie sich von dieser Sportart abwendete, der ich selbst viel Positives abgewinnen konnte. Anfangs war ihre Euphorie groß, die Übungen hatten ihr Spaß gemacht. Sie war stolz, wenn sie in Meisterschaftsspielen mitspielen durfte. Ungefähr seit dem Jahreswechsel hat diese Euphorie spürbar nachgelassen. In dieser Saison hat sie noch in keinem Meisterschaftsspiel mitgespielt. Schade, dass sie mit dem Fussballspielen aufhört.

30. Mai 2017

Schöner Ausklang eines schönen Abends. Ich wollte an der Krimilesung von Alexa Thiesmeyers neuem Krimi „Venusberg“ teilnehmen, der druckfrisch in der Buchhandlung Jost in Bonn-Kessenich auslag. Meine Frau war kurzfristig verhindert, so dass ich einen Freund mitnahm, mit dem ich gemeinsame Rennradtouren durch die Eifel gefahren war. Er schwärmte von den Eifel-Krimis von Jacques Berndorf, so dass Bonn-Krimis von Alexa Thiesmeyer durchaus auf seiner Wellenlänge lagen. Die Krimilesung hielt das, was ich mir davon versprochen hatte: der Titel „Venusberg“ offenbarte seine Facetten mit seinem Waldgebiet am Rande des Kottenforstes, Wohnsiedlungen und, mit hohem Forschungsstandard auf dem Bereich der Medizin, die Universitätsklinik. Alexa Thiesmeyer hatte sauber recherchiert, indem sie den Terroranschlag der RAF an Braunmühl im Oktober 1986 mit der Handlung des Verbrechens verknüpfte. Die Orte der Handlung, Bonn und Island, liegen dabei extrem weit auseinander, wobei die Autorin ihre Affinität für Island aufgrund von Urlauben nicht verneinen konnte. Alexa Thiesmeyer las lange Textpassagen, die Neugierde weckten auf Personenbeschreibungen, Charakterdarstellungen, auf das Ermittlerpaar Freddy und Pilar Sanchez-Alvarez, auf Landschaftsszenen und natürlich auch die Handlung des Verbrechens und dessen Aufklärung. Das letztere dürfte zum Kalkül der Autorin gehören, dass sie mit den Beschreibungen von skurrilen und dubiosen Charakteren für Spannung sorgte, aber keinerlei Hinweise zu Mord und Täter lieferte. Es war ein Abend, der meine Erwartungshaltungen voll erfüllt hatte. Den Kriminalroman „Venusberg“ werde ich voller Spannung mit der persönlichen Widmung der Autorin lesen. Da wir beide kaum zu Abend gegessen hatten, beseitigten wir danach unseren Hunger in einem Restaurant in Bonn-Kessenich. Als die Uhr sich auf 22 Uhr zu bewegte, tauchten wir ein in die Gastronomie von Bonn-Kessenich, die rund um die Kartäuserstraße ihr pralles Leben zeigte. Gleich drei Restaurants lagen nebeneinander, und vor der Straße, in Gärten und in Innenhöfen herrschte eine geradezu mediterrane Atmosphäre. Wir entschieden uns für das spanische Restaurant „Rincon de Espana“. Ausgezeichnet. Natürlich aß ich Tapas. Patatas Bravas mit Chorizos und Champinones especial. Ein schöner Ausklang eines gelungenen Abends.

31. Mai 2017

Schon seit Tagen laufen meine Gedanken gegen solch eine graue Wand. Die Kreativität und das Einfühlungsvermögen in die Dinge des Alltags sind verloren gegangen. Zeitdruck und Termindruck sind aufgebaut worden, nur noch eine Sache kreist im Kopf herum. In kurzer Zeit ist eine ganze Architektur von Rechenwerken auf die Beine zu stellen, Tabellen in Excel stapeln sich, die Zahlenakrobatik spornt meinen Sportsgeist sogar an. Das sind Tage und Wochen, in denen ich spüre, dass ich funktionieren muss. Ich bin gefangen in meiner eigenen Zahlenwelt, die alles Sinnliche und Geistige unterdrückt. Blockade im Herzen. So wie die funktionale Architektur in U-Bahn-Stationen.

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