Kornel-Kirschbäume auf dem Rheindamm

Wie schade, dass man die Zeit nicht festhalten kann. Zuerst tasten sich sporadisch die ersten Blüten aus der winterkahlen Vegetation, als zarter Farbtupfer zwischen nacktem Astwerk. Und dann, in einigen Wochen, explodiert die Natur in ihrer Überfülle, Blüte für Blüte, Farbe für Farbe, und das Blattgrün schießt überall wie aus dem Nichts hervor. Es gibt keinen Weg zurück, die Momente des Aufblühens und Verblühens vergehen in viel zu kurzer Zeit. Der Frühling ist eingekehrt, und die beginnende Farbenpracht und das zunehmende Tageslicht beflügeln die Gefühlswelten in neue, ungeahnte Dimensionen.

Der Himmel in fröhlichem Blau und mit hellen frischen Wolken verziert, erzeugen Sträucher auf dem Rheindamm, mit gelben Blüten gespickt, schnell Frühlingsgefühle. Sich an den Ästen versteckend, warten die Blätter auf ihren entscheidenden Austrieb. Gelb und prall sind indes die kreuzförmigen Blüten, die in Büscheln zusammenstehen und mit drei, vier baumhohen Sträuchern den Weg auf dem Damm überragen.

Da meine Kenntnisse in Botanik nicht sonderlich ausgeprägt sind, habe ich gegoogled. Vieles spricht dafür, dass es ich bei den prächtigen Sträuchern auf dem Rheindamm um die sogenannte Kornelkirsche handelt. Man könnte die gelben Blüten der Kornelkirsche verwechseln mit der Forsythie oder dem Goldregen, doch diese blühen zum einen später, zum anderen ist die Form der Blüte länglich und nicht kreuzförmig.

Also Kirsche, was man freilich erst zur Reifezeit der Kornelkirsche Ende August bemerken wird. Obschon die Kornelkirsche weder mit der Süß- noch mit der Sauerkirsche verwandt ist , werden die Früchte der Kirsche nicht unähnlich sein, eine Art von Wildkirsche, die entsaftet und eingekocht zu Wein und Likör verarbeitet werden kann. Nachweislich wird die Kornelkirsche in Deutschland seit dem Mittelalter angepflanzt. In dieser Zeit hatte man ihr sogar heilende Kräfte nachgesagt. Ihre Früchte galten als fiebersenkendes Mittel, ein wässriger Auszug aus Rinde, Holz und Blättern sollte Gicht lindern, das schrieb die Mystikerin Hildegard von Bingen im 11. Jahrhundert in ihrem Werk "Physica". Später, in der Neuzeit, wandelte sich die Nutzung zur Gartengestaltung hin. „Dieser Baum wird in denen Gärten und Lust-Höfen unterhalten“, so steht es in Zedlers Universal-Lexicon von 1733.

Ursprünglich beheimatet im Kaukasus, wanderte die Kornelkirsche nach den Eiszeiten in Mitteleuropa ein. In Deutschland wurde der Strauch, der bis zu acht Meter in die Höhe wachsen kann, schon vor Jahrhunderten von vielen Naturstandorten verdrängt. Kleinräumige natürliche Vorkommen gibt es heute noch im südlichen Harz, in der Eifel und am Niederrhein, in der Saar-Mosel-Region sowie an Main, Donau und Saale. Der Grund für den Rückgang der Kornelkirschen-Bestände war der Härtegrad des Holzes, das neben Eibenholz zu den härtesten Holzarten zählt. Das Holz geht selbst im Wasser unter.

So reicht die Verwendung des Holzes bis in die Antike zurück. Griechen und Römer fertigten Lanzen und Speere aus dem Holz des Kornel-Kirschbaums. Als Alexander der Große gegen die Perser kämpfte, setzte er sechs Meter lange Lanzen aus dem Holz der Kornelkirsche ein. Auch die Dichter der Antike erwähnen die Kornelkirsche: in Ovids Metamorphosen ernährt sich die bessere und friedlichere Hälfte der Menschheit von Erd- und Brombeeren sowie von Kornellen. Ein Kornelkirschbaum soll auch bei der Gründung Roms eine bedeutende Rolle gespielt haben. Nach römischer Überlieferung stand noch zur Zeit von Kaiser Caligula (37–41 n. Chr.) auf dem Palatin ein uralter Kornelkirschbaum. Dieser soll seinen Ursprung darin gehabt haben, dass bei der Gründung Roms durch die Zwillinge Romulus und Remus im Jahre 753 v. Chr. Romulus seine Lanze als Grenzzeichen für die Stadt in den Boden stieß. Diese war, wie damals üblich, aus dem Holz der Kornelkirsche gefertigt. Die Lanze soll dann – als Zeichen für die geglückte Gründung – ausgeschlagen sein und sich zu dem Baum entwickelt haben.

Ein großartiger Baum also mit einer langen Geschichte und von einer seltenen Schönheit in diesen Frühlingstagen. Am Rhein bei Köln wächst in unserer näheren Umgebung noch die verwilderte Art der Kornelkirsche. Auf diesem Stück des Rheindamms ist hingegen davon auszugehen, dass dies angepflanzte Exemplare von Kirschbäumen der Kornelkirsche sind – oder sie haben sich über Samen wild verbreitet. Wenn die Kornelkirsche einmal angepflanzt ist, ist sie anspruchslos und bedarf keiner besonderer Pflege. Sie kommt mit einem Minimum an Nährstoffen aus und trotzt Hitze und Trockenheit. Sie braucht aber viel Licht, so wie diese einzelstehenden Gruppen von Sträuchern auf dem Rheindamm.

Bei diesem exzellenten Frühlingswetter bilden die drei bis vier Sträucher mit den prallen, anlockenden Blüten einen besonderen Blickfang. Eine Augenweide, die die Frühlingsgefühle höher schnellen lässt.

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