Glasherstellung im römischen Köln

Glaubt man der Legende des Plinius, so war es purer Zufall, dass man die Herstellung von Glas entdeckte. Der römische Gelehrte Plinius, der von 23 bis 79 nach Christus lebte, war ein aufmerksamer Beobachter und schrieb sorgfältig alle technischen Errungenschaften der römischen Zivilisation auf. Noch weit vor der christlichen Zeitenrechnung, um 1500 vor Christus, waren es Händler, die an der östlichen Mittelmeerküste aus Salpeterbrocken eine Feuerstelle einrichteten. Als sie mit dem Kochen fertig waren, sahen sie auf dem Grunde des Herdes das durchsichtige und steinharte Glas. Es hatte sich bei der Hitze des Feuers aus Sand, Salpeter und Kalk gebildet.

Nachbildung eines römischen Glasofens; Ausstellungsstück römisch-germanisches Museum Köln;

Standort Villa Borg bei Trier

Glas wurde somit nicht erst seit der Römerzeit hergestellt, sondern noch viel früher. Die ersten Gegenstände aus Glas entstanden in Ägypten und Mesopotamien, als man um 3.000 vor Christus Perlen und Statuetten mit einer Glasur überzog. Das Verfahren der Glasherstellung war aufwändig. Ägypter und Mesopotamier konnten nur kleine Gegenstände aus Glas herstellen, die Glasbläserei wurde erst im 1. Jahrhundert vor Christus in Phönizien, an der östlichen Küste des Mittelmeers, erfunden. Zum Zentrum der Glasherstellung entwickelte sich im Mittelmeerraum das genannte Phönizien sowie Alexandria. Von dort aus gelangte die Technik der Glasherstellung nach Rom. Damit war auch ein Geschmackswandel verbunden. Während die früheren Methoden Farbe und Muster hervorhoben, lenkte die Glasbläserei die Aufmerksamkeit auf das dünne, durchsichtige Glas. Zudem kam am Ende des 1. Jahrhunderts das farblose Glas in Mode. Das Glasblasen ermöglichte die Herstellung großer Stückzahlen und machte aus dem Luxusartikel ein alltägliches Material, das für Fensterscheiben, Trinkgefäße und Behälter aller Art verwendet wurde.

Von Rom aus breitete sich die Technik der Glasherstellung in die Provinzen aus. Bis zum 3. Jahrhundert waren Gegenstände aus Glas keine Luxusgegenstände mehr für privilegierte Schichten, sondern Glas war zum Massengut geworden. Die Römer entwickelten das Zylinderblasverfahren, so dass Scheiben aus Glas zum neuen Standard als Fensterscheiben wurden. Glas gehörte zu denjenigen Alltagsgütern, die in einer eigenen Warengruppe zum Gegenstand des Preisediktes des Kaisers Diokletian aus dem Jahr 301 wurde.

Die Aktivitäten der Glasherstellung waren in der Römerstadt Köln, der CCAA, vielfältig. So wurden alleine in der Umgebung des Eigelsteins sechzehn bis siebzehn runde und rechteckige Brennöfen ausgegraben, die einen Durchmesser von sechzig Zentimeter maßen und in der rechteckigen Form einen Meter lang waren. Sehr breit gefächert sind auch die Glasfunde im römischen Köln.

Mit dem Wachstum der Hauptstadt der römischen Provinz Niedergermanien wuchs auch der Bedarf an Glas, sowohl als Gebrauchsgut wie als Luxusgut. Kalk stammte aus Steinbrüchen in der Nähe von Bad Münstereifel, Sand aus Sandgruben bei Frechen, Natron wurde aus Ägypten importiert, und an insgesamt sieben Standorten wurde im römischen Köln Glas hergestellt. Da die Öfen der Glasherstellung als feuergefährlich galten, wurden die Glashütten außerhalb der Stadtmauer ausgelagert. Die Glasproduktion wurde in den heutigen Vierteln des Eigelsteins, des Waidmarktes, im Gereonsviertel, im Bereich der Nord-Süd-Fahrt und auf dem versandeten Rheinarm im Gebiet der heutigen Altstadt betrieben.

Ausstellungsstücke im römisch-germanischen Museum Köln:

Vierkantgefäße (oben links), Parfümflaschen (oben rechts), gläserne Schuhe (unten links), verschiedene (unten rechts)

Die Glasarbeitsöfen wurden in einem Mauerwerk aus Ziegeln gebaut, die mit Lehm verstärkt wurden. Der Grundriss der Öfen war rechteckig, die Form der Öfen war rund oder trapezförmig. Das Glas wurde in einem zweistufigen Produktionsverfahren hergestellt. Zunächst wurde die Rohmasse in einem Brennofen, der mit Holz befeuert wurde, auf eine Temperatur von 1.000 bis 1.200 Grad erhitzt. Dabei kam es darauf an, dass die Glasmasse die richtige Konsistenz und den richtigen Flüssigkeitszustand erhielt. Zunächst entwickelte sich ein Schaum mit großen Blasen, die an der Oberfläche eine Art von Teppich bildeten. Danach wurde die Glasmasse „geläutert“, damit die Bläschen verschwanden. Dieser Läuterungsvorgang konnte bis zu einer Woche dauern.

In der nächsten Produktionsstufe konnte diese Rohmasse nun zu Glas weiter verarbeitet werden. Dazu musste dies abgekühlt werden auf eine Temperatur von 500 bis 900 Grad abkühlen, das war diejenige Temperatur, um aus dieser Rohmasse Glas zu blasen. Die heiße Glasmasse wurde dann in einen Abkühlofen abgeleitet, der die Glasmasse auf ein gleichmäßiges Temperaturniveau von 500 bis 900 Grad herunter fuhr. In dieser Produktionsstufe konnte auch die Farbgebung des späteren Gläser bestimmt werden: je nach gewünschter Farbe, konnte Kobaltblau, Karminrot, Purpurlila oder Zinkgelb hinzu gefügt werden, um eine bestimmte Farbgebung des Glases zu erzielen.

Um Glas in Serienproduktion herstellen zu können, dazu verwendeten die Glasbläser sogenannte Model. Das waren Formen, die aus Gußplatten gestaltet waren, und den Flaschenboden sowie die Seitenumrisse der benötigten Glasgefäße ausformten. Wie bei anderen technischen Errungenschaften, erweiterten die Römer die Technik der Glasbläserei. Die Glasgefäße wurden dünnwandiger, so dass Trinkgläser geblasen wurden, die sich von heutigen Glasformen kaum unterscheiden. Die Verzierungen waren frei gestaltbar und richteten sich nach dem Geschmack der Auftraggeber: neben traditionellen Parfümfläschchen wurden Sets als Grabbeigaben hergestellt, Sprenkler in Form von Gladiatorenhelmen, Pokale aus smaragdgrünem Glas, Parfümfläschchen in Pantoffelform oder in Schlangenfarbendekor, kalliagrafische Fadendekors, die nach der Unterschrift des Glaskünstlers aussahen.

Der Produktionsausstoß von Glas muss im römischen Köln gigantisch gewesen sein. So wurden Glasprodukte aus Köln in große Teile des römischen Reiches exportiert. Glas aus Köln wurde auf der iberischen Halbinsel und in Großbritannien, im Donauraum und am Schwarzen Meer, in Italien und im nicht-römischen Germanien gefunden.

Standorte der Glashütten im römischen Köln

Es war nicht nur die Vielfalt und die Verbreitung, sondern auch die Schönheit der Glasformen, die im römischen Köln jeglichen Rahmen sprengte. Glas war somit nicht nur ein Massengut, sondern auch unendlich kostbar. „Ferunt Tiberio principe excogitato vitri temperamento, ut flexile esset, totam officinam artificis eius abolitam, ne aeris, argenti, auri metallis pretia detraherentur“, so beschrieb Plinius der Ältere den Wert von Glas in seiner Schrift „naturalis historiae“.Hartes und flexibles Glas kann so kostbar sein, dass es Kupfer, Silber und Gold entwerten kann.

Plinius hatte um 100 nach Christus mehrere Glashütten in Rom und Umgebung besucht. Einhundert Jahre später sollte das römische Köln, die Claudia Colonia Ara Agrippinensium, mit der Großmacht Rom gleichziehen, was die Qualität und die Schönheit der Glasherstellung betrifft.

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