Eimerkettenbagger

Ein altes Zinsregister, eine erhaltene Pfarrakte, ein kurfürstliches Reskript, eine Grundstücks- und Prozesssache aus einer Akte der Hofkammer, eine Rechnung für eine Torflieferung, später ein förmlicher Grubenpachtvertrag: solche Aufzeichnungen belegen die Ursprünge des Braunkohletagebaus. Bereits die Römer gruben ihre Wasserleitung in die Hochfläche der Ville ein, ohne dass sie die Braunkohle zutage förderten. Gleichwohl kann die Braunkohle ein Feuer verursacht haben, als aus der Erde ein Feuer ausbrach, welches Dörfer und Lagerhäuser vor den Toren der Römerstadt Köln ergriff. Darüber berichtet Tacitus in seinen Annalen.

Element eines Eimerkettenbaggers an der Kölner Straße in Brühl

Nach 1700 verdichten sich die Schriftzeugnisse, dass zwischen Erftstadt-Kierdorf und Brühl Torf aus mehreren Torfgruben gefördert wurde. Unter der Erdoberfläche war man auf eine braunes Konglomerat von Torf und Kohleflözen gestoßen. Erst nach 1815, als den Preußen diese linksrheinischen Territorien zugefallen waren, sollte sich die Wortbezeichnung „Braunkohle“ durchsetzen.

Vom Standort des Eimerkettenbaggers in Brühl überrascht es, dass die Anfänge des Braunkohletagebaus nicht einmal zwei Kilometer entfernt liegen. Es war die Roddergrube, auf der zuvor der Rodderhof gestanden hatte, der dem nahegelegenen Kloster Benden gehörte. Das Kloster verpachtete 1766 das Gelände samt Hof an einen Adam Braun, der das Gelände zwölf Jahre lang als Torfgrube nutzen durfte. Das Kloster dachte sogar nachhaltig, als es den Pächter zur Wiederbepflanzung des Grubengeländes verpflichtete.

Es sollte nicht bei der zwölfjährigen Nutzung bleiben. Braun blieb Pächter auf den Zwölfjahreszeitraum hinaus, bis sich die Nutzung als Torfgrube nach der Besatzungszeit durch Frankreich und nach der Zugehörigkeit zu Preußen ab 1815 neu orientieren musste. Ab 1821 betrieben die Nachbesitzer die Förderung von Torf, dem nun die Begrifflichkeit der Braunkohle verliehen wurde, eine Braunkohletagebau nach heutigem Verständnis. 1874 wurde an diesem Standort eine Brikettfabrik gebaut. Bis in die 1930er Jahre liefen die Braunkohleförderung und die Brikettfabrik auf Hochtouren, danach waren die Braunkohlevorkommen erschöpft.

Eimerkettenbagger um1910 (oben links); Element in Brühl (übrige Fotos)

Bis in das 19. Jahrhundert hinein muss der Braunkohletagebau eine schreckliche Knochenarbeit gewesen sein. Die Arbeiter gruben sich mit Spaten und Spitzhacken in riesige Gruben hinein, sie karrten mit Schubkarren oder Loren die Kohle an den Grubenrand, der Transport in Kiepen über Leitern an die Erdoberfläche muss eine Qual gewesen sein. Wasser wurde herausgepresst, eimergroße Klumpen wurden an der Luft getrocknet. Das waren Klütten, Vorläufer der Briketts.

Der technische Fortschritt sollte die körperlich harte Arbeit erleichtern, nachdem die Eisenbahn das Rheinland erschlossen hatte. Werksbahnen führten Die großen Eisenbahnlinien mündeten in Werksbahnen und wanderten in die Braunkohlegruben hinein. Nach der Dampfmaschine wurden dampfgetriebene Bagger erfunden, die ab 1885 immerhin 90 Kubikmeter in der Stunde fördern konnten. Anstelle der sonst gebräuchlichen Löffelbagger wurde auf dem Grubenrand ein Förderband aufgesetzt, über das eine Eimerkette lief, die das Gemenge aus Torf und Kohleflözen heraus kratzten und in den Eimern sammelten. Dies war die Geburtsstunde des Eimerkettenbaggers. Antriebsleistung und Eimergrößen erhöhten sich schlagartig, so dass die Fördermenge von Braunkohle dementsprechend anstieg.

Solch ein Einzelstück einer Eimerkette ist in Brühl an einer Straßenecke, wo die Hauptstraße nach Köln führt, aufgebaut. Die Dimension eines solchen Eimers, die dem Betrachter sehr groß erscheinen mag, wirkt umgekehrt winzig klein gegenüber einer Tagesleistung von 240.000 täglichen Kubikmetern von Braunkohlebaggern, wie sie etwa im Tagebau Garzweiler im Einsatz sind.

Ab 1907 sollte die Technologie des Eimerkettenbaggers durch andere, effizientere Verfahren abgelöst werden. Kratzbagger oder Schrämbagger waren erfunden worden. Sie standen vor dem Kohlenstoß und schrämten die Kohleflöze mit einer umlaufenden Schrämvorrichtung ab. Beim Eimerkettenbagger musste die Braunkohle in einem zusätzlichen Arbeitsgang noch behauen werden. Dies entfiel bei den Kratz- oder Schräm-Baggern.

Heider Bergsee

Aus der Gegenwart betrachtet, sind die Zeiträume der Braunkohleförderung in Brühl unvorstellbar kurz. Mit der industriellen Förderung in der Röddergrube wurde 1874 begonnen, in den 1930er Jahren waren die Vorkommen erschöpft. Also ein Zeitraum von gerade einmal sechzig Jahren. Viel Arbeit ist in eine sorgfältige Aufforstung hinein gesteckt worden. Die Röddergrube ist Vergangenheit. Der Heider Bergsee ist ein lebendiges Zeugnis für die Aufforstung.

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