Tagebuch August 2016

1. August 2016

Was machen Haustiere, wenn ihre Frauchen und Herrchen tagsüber aus dem Haus sind ? In dem Kinofilm „Pets“ bewohnen sie allesamt denselben Häuserblock in New York. Katzen, Hunde, Vögel, Hamster, Meerschweinchen entwickeln ihr Eigenleben, sie büxen aus ihren Wohnungen aus, sie rotten sich zusammen und gehen auf Abenteuer. Als die beiden Hunde Duke und Max von Hundefängern gefangen werden, schweißt dies die beiden innigen Feinde zusammen. Sie können zwar entkommen, geraten danach aber in die Kanalisation zum bösen Kaninchen Snowball. Dort haben sich die Tiere zusammengerottet, die von Menschen schlecht behandelt und ausgesetzt wurden. Snowball etwa war das Kaninchen eines Zauberers, bis der Trick mit dem Hut aus der Mode geriet. Hängebauchschwein Tattoo wurde als Übungsfläche zum Tätowieren missbraucht. Um dem zu entkommen, wachsen die Haustiere über sich hinaus. Die eigentliche Geschichte ist etwas seicht und oberflächlich, aber der Kinofilm „Pets“ hat uns reichlich Situationskomik und viele schöne, niedliche Haustiere geboten. Das war an einem verregneten Nachmittag eine nette Unterhaltung im Kino.

2. August 2016

Die Dichte ist enorm, wie sich in Facebook und im Netz Sprüche und Redensarten verbreiten. Dazu wird es Sprüche-Datenbanken geben, wo jedermann und jederfrau je nach Stimmungslage, Situation und individuellen Bestimmungszweck den passenden Spruch heraussuchen kann. Dies ist grundverschieden zur analogen Lesart: etwa, indem man Arthur Schopenhauers „Aphorismen zur Lebensweisheit“ zur Hand nimmt, die Grundeinteilung versteht und wie Sprüchen und Weisheiten einzelnen Kapiteln zugeordnet sind. Ich selbst handhabe es nicht so wie in Facebook, dass ich Sprüche aus einer Datenbank fleißig teile und im Äther des Netzes vervielfache. Sprüche und Redensarten suche ich selbst, im Vorübergehen, am liebsten Open-Air in der Stadtlandschaft, auf Plakaten, Werbetafeln oder in Schaufenstern. Aus den Inhalten lese ich Botschaften heraus, die dann zu Sprüchen werden. So auf einem Plakat der Grünen: „Wenn das T-Shirt mehr Wert ist als die Näherin, dann liegt es an uns.“ Sehr treffend. Das mündet in die Debatte, dass wir unsere Konsumgewohnheiten kritisch reflektieren sollten, laufend. Der Konsument unterschätzt oft seine Macht, die er mit seiner Kaufentscheidung ausübt.

3. August 2016

Ein Schleier von Wolken über dem Siebengebirge. Der Dauerregen von gestern hat sich verzogen. Letzte Regentropfen hängen über dem Siebengebirge. Rheinaufwärts wird die graue Wolkenmasse leichter, durchsichtiger. Ein erstes Himmelsblau wagt sich in das zähe Grau hinein. Die Straßen sind abgetrocknet. Die Vision eines Tages mit weniger Nässe und Regen von oben.

4. August 2016

Besuch der Ausstellung in der Bundeskunsthalle „Bauhaus – alles ist Design“. Die Ausstellung beschreibt die dahinter liegenden Denkansätze wie folgt: „Das Bauhaus entstand in einer Zeit der radikalen Umbrüche. Der Erste Weltkrieg hatte die gesellschaftlichen Werte der gesamten westlichen Welt erschüttert und die Industrialisierung alte Produktionsstrukturen obsolet gemacht. Als Reaktion auf diese Veränderungen suchten die Künstler nach grundlegenden neuen Antworten und versuchten, Konstanten wie Form, Raum, Farbe oder Bewegung neu zu definieren … 100 Jahre später sind die Themen genauso aktuell: Mensch versus Maschine, Individuum versus Gemeinschaft, Autorschaft versus Kollektiv, Einzelanfertigung versus Massenproduktion“. Wie so oft bei Ausstellungen, habe ich mit dem Besuch ungefähr bis zum Ende der Ausstellung gewartet. Die Ausstellung kann noch bis zum 14.8. besucht werden.

5. August 2016

Opus caementitium, so nannten die Römer die betonähnliche Substanz aus Steinen, Sand und Kalkstein, die das Mauerwerk ihrer Bauwerke befestigte. Diese Bauwerke hielten über Jahrtausende für eine Ewigkeit. So steht in Trier das Stadttor der Porta Nigra mit seinen 36 Meter breiten Mauern fest und unumstößlich, die Römerbrücke können problemlos Schwerlast-LKWs befahren, christliche Gläubige können in der Konstantins-Basilika ihren Gottesdienst feiern. Heutzutage denkt man nicht mehr in Jahrtausenden, sondern nur noch in kurzfristigen Zeithorizonten von Jahrzehnten. Standorte müssen architektonisch aufgewertet werden. Die Stadtplaner müssen davor kapitulieren, dass sie häßliche Betonklötze in die Stadtlandschaft gesetzt haben. Nun wird ein Bürokomplex aus den 1970er-Jahren am Bertha-von-Suttner-Platz abgerissen, der durch einen neu zu bauendes Bürogebäude- ersetzt werden wird. Optisch wird dieser Bürokomplex bestimmt etwas gefälliger aussehen. Den nicht gerade hübschen Bertha-von-Suttner-Platz wird er aber kaum verschönern.

6. August 2016

Das regnerische Wetter hat auch seine schönen Seiten. Es kommt genügend Wasser von oben, so dass die Natur nicht verdorrt, sondern in hellen und bunten Farben glänzt und blüht. Die gelben, tellerförmigen Knospen des Rainfarns sprießen auf der Streuobstwiese lebhaft hervor. Die Natur ist wie auf Hochglanz poliert, klar und deutlich.

7. August 2016

Jaja, die Temperaturen stecken noch mitten im Sommer, doch die Andeutungen des Herbstes nehmen zu. Braune Farbtöne verwelkten Laubes mischen sich in die Bäume hinein. Es ist so wie bei Obstbäumen, dass Früchte herunterfallen. Buchecker sind nicht so groß wie Kastanien und haben auch eine andere, dreieckige Form, doch bei der Fahrradfahrt über den Rheindamm spüre ich sie deutlich. Die einzelstehende Buche läßt jede Menge dieses knirschenden Beiwerks auf den Asphalt herunter rieseln.

8. August 2016

"Wir müssen uns fragen, wie wir mit unseren Plätzen umgehen. Städte werden immer gesichtsloser und verlieren ihre Identität", das sagte der Kölner Künstler Lutz Frisch. Aus diesem Motiv schuf er seine beiden Skulpturen „Standortmitte“, die gleichzeitig an den Verteilerkreisen der Autobahn A555 in Köln und Bonn aufgestellt wurden. Die 50 Meter hohe Stele ist rot lackiert, was typisch ist für den Stil des Lutz Frisch. Er definiert Bezugssysteme der Skulpturen durch deren Farbigkeit neu in dem Sinne, dass etwa Köln und Bonn ihre gemeinsame Geschichte als Römerstädte verbindet. Nach Aufstellung der Stele häufte sich die Kritik. Sie sei mit 750.000 € (nach Abzug von Sponsoring und Spenden) viel zu teuer, und ob die rotlackierte Stele diese bisher leeren Räume in der Stadt tatsächlich besser ausfüllt. Marginal, das ist mein eigenes Urteil. Romantische und schöne Formen der Kunst wären an solch einem vom Autoverkehr umrauschten Ort jedenfalls fehl am Platze.

9. August 2016

Ich musste meinen inneren Schweinehund überwinden, und das ist selten bei meinen Rennradtouren. Es war erst die sechste Tour in diesem Jahr mit meinem flammneuen CANYON-Rennrad. Das geile Fahrgefühl ließ mein Herz höher schlagen, als ich den Kottenforst erreichte. Nur auf Rad- und Wirtschaftswegen unterwegs, war ich bis Rheinbach ungefähr für mich alleine. Der Aufstieg in die Eifel über Merzbach und Neukirchen bereitete meiner Kondition keinerlei Probleme. In Bad Münstereifel dann Foto-Shooting mit meinem Rennrad vor dem mittelalterlichen Rathaus und Pause am Bitburger-Haus. Eine super-schöne Tour. Auf der Rückfahrt über Kirchheim, Flamersheim, Swisttal, Bornheim leistete der Rückenwind eine hervorragende Unterstützung. Für die 100 Kilometer lange Strecke benötigte ich insgesamt viereinhalb Stunden.

10. August 2016

Ein vollkommen ungewohntes Gefühl ohne unser kleines Mädchen. Vierzehn Tage lang verbrachte sie in den letzten beiden Ferienwochen mit den Messdiener ihre Ferienfreizeit. Nachts fuhr der Reisebus los, 800 Kilometer entfernt nach Österreich hinter Salzburg mitten in den Alpen. Wir hörten nichts, überhaupt nichts von unserem kleinen Mädchen, denn ihre Handys mussten alle bei ihren Betreuern abgeben. Anrufe nach Hause hätte es höchstens in dringenden Fällen gegeben, und solch ein Fall war bei unserem kleinen Mädchen nicht eingetreten. Zu Hause genossen wir die ungewohnte Ruhe und hatten mehr Zeit für uns selbst. Es wurde gewandert, gebastelt, gespielt, Ausflüge wurden unternommen in ein Spaßbad, nach Salzburg, in ein Bergwerk. Unser kleines Mädchen war begeistert und möchte nächstes wieder in die Ferienfreizeit der Messdiener mitfahren.

11. August 2016

Strafrecht im Mittelalter. Das Mittelalter hatte seine eigenen Methoden entwickelt, um Gauner und Verbrecher zu bestrafen. Während schwere Verbrechen wie Raub, Mord, Vergewaltigung, Brandstiftung durch Rädern, Vierteilung, Enthaupten oder Verbrennen bestraft wurden, waren die Strafen für kleinere Vergehen milder. Da es keine unabhängigen Richter gab, waren oftmals die Grafen und Herrscher selbst diejenigen, die das Urteil fällten. Verstöße gegen das sittliche Empfinden, Fluchen, kleine Vermögensdelikte, Ehrverletzung, Meineid, Betrug oder Gefährdung der Ordnung wurden mit dem Pranger bestraft. Für den Verurteilten war solch eine Strafe höchst peinlich. Mit einem Halsring an den Pranger gekettet, wurde er öffentlich zur Schau gestellt, mit faulen Gegenständen oder Fäkalien durfte man ihn bewerfen, er durfte bespuckt werden. Auf diese Art und Weise seiner Ehre beraubt, war es für den Bestraften danach schwierig, wieder ein normales Leben in der Öffentlichkeit zu führen. Die Nachbildung eines solchen Prangers findet man vor dem Rathaus in Bad Münstereifel.

12. August 2016

Eine anstrengende Katzenwoche liegt hinter uns. Bis gestern haben wir zweimal täglich die beiden Katzen eines befreundeten Paares in Bonn-Tannenbusch während ihres zweiwöchigen Urlaubs versorgt. Dann war am letzten Mittwoch unserem Nachbarn eine Katze zugelaufen. Wir erklärten uns bereit, sie vorübergehend zu uns zu nehmen, da deren Hund sich überhaupt nicht mit Katzen vertrug. Sie war klein und hübsch, hinreißend hübsch mit ihrem grauen getigerten Fell. Anfangs schlief sie nur, weil sie anscheinend noch völlig ermattet war von dem Herumirren, bis man sie fand. Doch dann rannte sie wie ein Wirbelwind durch unser Haus, unter die Tische, über die Schränke, auf unsere Spüle. Unsere Alia fauchte die kleine Katze an, als wolle sie sie ausradieren. Schließlich suchte sie entweder das Weite nach draußen oder sie igelte sich in unserem Bett ein. Nach zwei Tagen konnten wir die Besitzer der zugelaufenen Katze heraus finden. Die Besitzer waren in Urlaub gefahren, und den Nachbarn, die darauf aufpassen sollten, war die Katze aus deren Haus entwischt.

13. August 2016

Fährt man auf der Autobahn A61 nach Westen, so ist die Energiewende im Landschaftsbild ablesbar. Sind es bei Bergheim noch die Braunkohlekraftwerke, die dicke Rauchfahnen aus hohen Schornsteinen in den Himmel pusten, so sind es hinter dem Autobahnkreuz Jackerath Windräder. Ganze Parks von Windrädern scharen sich zusammen, deren Rotoren die Felder überragen. Bis zur niederländischen Grenze sind die Felder so ungefähr zugepflastert mit Windrädern. Die Optik des Landschaftsbildes verschönert das nicht unbedingt. Braunkohlekraftwerke oder Windräder ? Das ist keine Entweder-Oder-Entscheidung, denn die Verkleinerung des geplanten Braunkohletagebaus fällt mickrig aus im Vergleich zu der Größe der Windparks. Die ganze Region zwischen Köln und der niederländischen Grenze hat die Stromproduktion fest im Griff. Irgendwo muss der Strom ja herkommen, den all unsere Haushalte verbrauchen.

14. August 2016

Dass bei Landschaftsbauarbeiten Maschinen, Geräte und LKWs verwendet werden, ist heute selbstverständlich. Werden etwa komplette Baumalleen neu bepflanzt, helfen LKWs, diese zu den dazugehörigen Stellen, wo diese gepflanzt werden sollen, heran zu schaffen. Vor etwas mehr als 200 Jahren war dies freilich anders. Keine Maschinenkraft transportierte die Bäume, sondern Pferde karrten diese auf einem Anhänger heran, auf dessen Achse die zusammen gebundenen Baumwurzeln gelegt wurden. „Baum-Maschine“ nannte Fürst Pückler dieses Gerät, das zu seiner Gartenausstellung auf dem Museumshof der Bundeskunsthalle zu sehen ist. Fürst Pückler pflanzte gerne Großbäume, um die Raumwirkung seiner Gehölzpflanzungen zu betonen.

15. August 2016

Straßennamen reißen bisweilen Widersprüche auf. Straßen werden nach großen Dichtern und Denkern benannt, die sich dort nie aufgehalten haben. Straßen mit Bungalows im Bauhausstil werden nach Malern aus der Epoche der Renaissance benannt. Straßen werden nach Blumen benannt, die dort nie blühen. Das stimmt und stimmt wieder nicht. Um diesen Bürokomplex herum, den 1968 erstmals die Bundespressekonferenz bezog, habe ich im Frühjahr niemals Tulpen blühen sehen. Hochhäuser und Tulpen passen einfach nicht zusammen. Nach dem Umzug der Bundesregierung nach Berlin nutzt die Büroräume nun die Bundesnetzagentur. Es gibt sogar eine Erklärung für die nicht existierenden Tulpen. Nachdem Bonn Bundeshauptstadt geworden war, war dieses Gebiet noch eine Freifläche, die landwirtschaftlich genutzt wurde. Bis Anfang der 1960er Jahre kann man auf Archivbildern Schäfer mit ihren Schafherden erkennen. An dieser Stelle stand eine Gärtnerei, daher die Tulpen.

16. August 2016

Zahnarzt, eine schwierige Angelegenheit. Die Praxis meiner Zahnärztin, die mich bisher behandelte, war zuletzt nur noch Baustelle. Man hatte gemunkelt, dass sie in Ruhestand gehen wollte. So war es dann auch. Sie kam aus dem Osten Deutschlands, und dorthin kehrte sie nun mit ihrem Mann, ebenfalls Zahnarzt, zurück. Viel High-Tech bei meinem neuen Zahnarzt. Röntgen und wir konnten sogleich mein miserables Zahnbild auf einem Flachbildschirm begutachten. Das Zahnfleisch entwickelt sich zurück, zwei Zähne wackeln, aber die positive Nachricht ist, dass die moderne Zahnmedizin so etwas stoppen kann. Ein deprimierender und gleichzeitiger aufregender Tag. Mehrere Behandlungen stehen bevor. Danach wissen wir, in welche Richtung es weiter gehen wird.

17. August 2016

Es gibt sie noch, die Ecken in der Stadt, an denen ich Neues entdecke, obschon ich dort unzählige Male vorbei gekommen bin. Der Radweg am linken Rheinufer. Gegenüber des Alten Zolls habe ich stets nur die Rückseite einer Büste gesehen. Nun bin ich einmal rund herum gegangen und habe mir die Büste von vorne angeschaut. Interessant. Das ist der Gartenarchitekt Peter Josef Lenné, dessen Gartenanlagen man im Rheinland an mancherlei Orten bestaunen kann. Die Kuranlagen in Aachen und Bad Neuenahr, den Schlosspark in Sinzig, die Flora in Köln hat er geplant und gestaltet. 1789 geboren in Bonn, ging er 1818 an den Königshof in die „Königliche Gartendirektion“ des Schlosses Sanssouci nach Potsdam. Der Schwerpunkt seiner Landschafts- und Gartenplanungsaktivitäten lag demnach im Osten Deutschlands.

18. August 2016

Ganz schön in die Jahre gekommen sind sie. Stramm gehen sie auf die siebzig zu, Francis Rossi, 67 Jahre alt und Rick Parfitt, 68 Jahre. Das ist bewundernswert, wie sich diese beiden Urgesteine der Rockmusik gehalten haben, fleißig drauf los rocken, was das Zeug hält und mit ihren Musikern auf Tournee gehen. Die beiden Gründungsmitglieder von Status Quo haben durch gehalten, mit schütterem Haar. Sie fetzen nicht mehr wie junge Spunde über die Bühne, doch ihr Alter überspielen sie ganz einfach mit ihrer Musik. An ein Rentnerdasein denken sie nicht, denn im November 2016 kann man sie in der Lanxess-Arena in Köln Live erleben. Stücke wie „Down, down“, „Roll over lay down“ oder „Whatever you want“ sprühen immer noch voller Energie.

19. August 2016

Rennradtour mit meinem Fahrradkumpel aus Bendorf bei Koblenz. Am Bahnhof in Sinzig haben wir uns getroffen. Bis Walporzheim und von Mayschoß bis Kreuzberg sind wir nur auf Radwegen die Ahr entlang geradelt, Pause in Altenahr. Hinter Binzenbach sind wir mächtig ins Treten gekommen, als wir über Serpentinen das Sahrbachtal verlassen haben. Ab dort waren wir im Rhythmus der Eifel angekommen. Steigungen rauf, Abfahrten runter, querfeldein über Nebenstraßen, tief eingesägte Flußtäler, deren Anstiege mächtig Kraft kosteten, die Weitsicht des Mittelgebirgspanoramas der Eifel vor Augen. Wir passierten Spuren der Kelten und Römer, und in Blankenheim endete unsere Tour nach siebzig Kilometern. Nachdem wir in Blankenheim die Tour mit einer Pizza und einem kühlen Weizenbier beendet hatten, ging es mit der Bahn nach Hause.

20. August 2016

Tag des Kusses, Tag der Katze, Tag der gerösteten Marshmallows – die Einfälle treiben mittlerweile Blüten, welchen Dingen man so alles einen Tag so widmen kann. Am 20. August war nun der Tag des Büdchens. Der Anstoß für diesen besonderen Tag muss aus dem Ruhrgebiet kommen, da dort Trinkhallen eine besondere Alltagskultur darstellen. Sie sind Treffpunkt in der Nachbarschaft, man redet, kommuniziert, lacht und weint miteinander. In Troisdorf-Sieglar kenne ich ein solches Büdchen, da stehen Biertischgarnituren im Freien, und jedesmal sehe ich alle Anwesenden mit einer Flasche Bier in der Hand. Ich selber besuche weder Büdchen noch Kioske, da in Supermärkten werktags bis 22 Uhr alles für den täglichen Bedarf erhältlich ist. Trinkhallen, Büdchen oder Kioske dürften daher eher vom Aussterben bedroht sein, zumal sie sich der Konkurrenz von Tankstellen erwehren müssen. In unserer Ecke des Rheinlandes können wir mit der Alltagskultur der Trinkhallen im Ruhrgebiet leider nicht mithalten.

21. August 2016

Man schrieb das Jahr 1816, als Blankenheim wie ein Ort der Verbannung und Strafversetzung erschien. Niemand wollte dorthin. „Nur nicht nach Blankenheim“, so reagierten die Betroffenen, die nach Blankenheim gehen sollten. In der Zeit davor hatte die Eifel eine Art von Pufferzone zwischen den Preußischen Verbündeten und Frankreich gebildet. Die Eroberungszüge Frankreichs zielten auf den Rhein, wo sie zurück geschlagen wurden. Beim Rückzug nach Frankreich hinterließen sie ein Land der verbrannten Erde. Das Land war verwüstet, Häuser zerstört, Burgen in die Luft gesprengt. Als die Rheinprovinz Preußen zufiel, wollten diese die Eifel wieder aufbauen. 1816 hegten die Preußen Pläne, Blankenheim zum Kreishauptort zu machen. Alle wehrten sich, nach Blankenheim zu gehen, und begründeten dies wie folgt: „Die Wege nach Blankenheim führen durch stundenlange Heiden, keine Spur einer menschlichen Wohnung ist anzutreffen, sie führen über Berge und unwegsame Wälder, sie sind beschwerlich und gefährlich.“ Dies ist freilich heute anders. Blankenheim ist ein hübsches Eifelstädtchen mit einer sorgfältig restaurierten Innenstadt. Hier läßt es sich gut aushalten.

22. August 2016

Wenn der Zeitpuffer es hergibt, dann nehme ich mir die Zeit. Morgens auf dem Weg ins Büro einen Abstecher auf den Münsterplatz, eine Viertelstunde Auszeit für einen Kaffee. Ein gutes Buch krame ich aus meinem Rucksack, diesmal ist es „Die Zeit der Kathedralen“ des französischen Historikers Georges Duby. Die Umgebung gibt es wahres Stillleben ab. Auf dem Münsterplatz schaue ich auf die Münsterkirche, das Buch von Georges Duby in der Hand. Der Kaffee weckt meine Lebensgeister, mein PEUGEOT-Rennrad habe ich an den Korbstuhl gelehnt, der Fahrradhelm liegt auf dem runden Bistrottisch.

23. August 2016

Man könnte Heilige so kategorisieren, wie Unternehmen auf Märkten agieren, nämlich global, regional und lokal. Globale Heilige wären demnach im gesamten Christentum verbreitet - wie die Heiligen Petrus, Paulus oder Jakobus. Regionale Heilige wären auf ein größeres Gebiet begrenzt – wie die Heilige Barbara bei den Bergleuten, der Heilige Viktor, der sich von Xanten aus nach seinem Märtyrertod im Rheinland verbreitet hat, oder der Heilige Lambert, der als Bischof von Lüttich ermordet worden ist. Zu den lokalen Heiligen, die nur an wenigen Orten verbreitet sind, könnte man den Heiligen Gereon in Köln oder die Heiligen Cassius und Florentius in Bonn zählen. Den Heiligen Servatius, der erste Bischof von Maastricht in den Niederlanden, könnte man den regionalen Heiligen zuordnen. Mit der mittelalterlichen Dichtung des Heinrich van Veldeke fand er den Weg ins Rheinland. In seinen Texten aus dem 12. Jahrhundert erzählt er die Servatiuslegende, so dass im Rheinland mehrere Kirchen dem Heiligen Servatius geweiht wurden. Über dem Portal der Servatiuskirche in Bonn-Friesdorf ist der Heilige in Stein gemeißelt.

24. August 2016

Schulbeginn in NRW. Man spürt dies, denn die Bushaltestellen füllen sich. Die Busse sind vollgestopft, und in aller Gemütlichkeit radelt eine Dreiergruppe von Mädchen vor mir her, sich rege unterhaltend, lachend, kichernd, und nimmt in keinster Weise Notiz davon, dass ich sie mit meinem Fahrrad überholen will. Währenddessen kommen an den Nadelöhren des Verkehrs die Autofahrer nicht mehr durch. Es staut sich. Doch das stört mich wiederum nicht. Dann radele ich lieber den kichernden Schülerinnen hinterher, bis ich irgendwann einfach Gas gebe und sie in einer wilden Klingelei überhole.

25. August 2016

Spontanaktion am ersten Schultag unseres kleinen Mädchens in der Realschule. Nach der Grundschule besucht unser kleines Mädchen nun die Realschule. Schülerinnen und Schüler wurden in einem ökumenischen Gottesdienst begrüßt. In der Aula der Realschule hielt die Schulleiterin eine Begrüßungsrede, die allen Freude am Lernen vermitteln sollte und Angst vor der neuen, ungewohnten Umgebung nehmen sollte. Man solle so viel lernen, wie es Spaß macht, und dort das bestmögliche aus sich herausholen, so fasste die Schulleiterin die Zielrichtungen des Lernens zusammen. Ein musikalisches Begleitprogramm hatten Schülerinnen und Schüler der Realschule zusammengestellt: der Schulchor sang, eine begnadete Pianistin spielte ein Solo nach dem anderen am Klavier herunter. Ein Referendar, der ausgezeichnet akustische Gitarre spielte, gab die Akkorde des Stückes „wir sind groß“ von Mark Forster vor, das Schüler der achten Klasse genauso ausgezeichnet mitsangen. Entsprechend der neuen, ungewohnten Umgebung wird die erste Woche dem Kennenlernen dienen. Eine Mitschülerin, die mit unserem kleinen Mädchen in derselben Schulklasse gelandet ist, hatte sich gewünscht, an ihrem ersten Schultag in der Realschule in einer Gaststätte im Nachbarort zu kegeln und anschließend zu dort zu essen. Genau zu dieser Spontanaktion haben wir uns entschlossen, mit Anja Weller und ihrer Familie gemeinsam zu kegeln. Was die Zielsicherheit beim Kegeln betrifft, haben mich die beiden Klassenkameradinnen der Realschule deutlich übertroffen. Ich selbst bin ein miserabler Kegler und jedesmal froh, wenn die Kugel nicht in der Rinne am Rand der Kegelbahn endet – auch „Pudel“ genannt. Die Kegel haben wir fallen lassen, und anschließend haben wir lecker gegessen. Das war der schöne Abschluss eines feierlichen Tages.

26. August 2016

Um der Hitze bei 35 Grad im Schatten zu entkommen, dazu wird wohl jeder seine eigene Methode entwickelt haben. Glücklich schätze ich mich jedenfalls, dass ich keinen schweißtreibenden Beruf habe, wie etwa als Bauarbeiter, als Straßenbauer oder als Betreiber eines Imbisses. Manche lassen in der Mittagspause in der Rheinaue die Füße im Wasser baumeln, andere lassen sich mit eisgekühlten Getränken volllaufen, wieder andere halten ihren Kopf unter den Wasserhahn. Bei mir ist es Spaghetti-Eis. So kühle ich mein Inneres, bis mich die Hitze später wieder einholt.

27. August 2016

Der „information overkill“, eine Bedrohung ? Es gibt so manche Werbemaßnahmen, da prügeln Symbole, Zeichen, Farben auf einen ein. Möglichst grell und aufschreiend, dass unser Auge nicht wegschauen kann. Unsere Aufmerksamkeit wird hierdurch in atypische Bahnen gelenkt. Kurz flackert ein Slogan auf, sofort ist er wieder weg, doch in bestimmten Zyklen wiederholt sich dieser Slogan. Unsere Aufmerksamkeit nimmt dann die Reize in den Taktungen eines Werbespots auf, in Sekunden-Taktungen, während konstante und längerfristige Reize – wie etwa aus der Natur – ausgeblendet werden. So ungefähr funktioniert die Penetrationsstrategie in der Werbung – in diesem Fall ist es das John Reed-Fitness-Studio, in das Kunden wie verrückt hinein rennen sollen. Da die Werbesymbole massenhaft auftauchen, werden wir all diese unnützen Informationen, die wir gar nicht brauchen, nicht mehr los.

28. August 2016

Wind, jede Menge Wind, der Wind pustete uns durch. Wir waren sensibilisiert, denn eine Kaltfront sollte quer durch NRW die Temperaturen stürzen lassen. Eine Handvoll von dunklen Wolken rafften sich um die Mittagszeit zusammen, die Sonne schien hindurch, ein paar Donnerschläge verhallten am Horizont. Von Unwetter keine Spur. Gleichwohl sind wir glücklich, dass sich die nächsten Taqe nach der Hitzewelle wieder erträglich gestalten werden. Zu viel Schweiß ist geflossen, jede Bewegung drohte im Stillstand zu ersticken. Unheilvolle Gewitterwolken sind ausgeblieben, aber das Wolkenbild ist reich gegliedert, zerfasert. Kleine Wölkchen fügen sich zu einem lockeren Wolkengebilde mit viel Himmelsblau zusammen. Die Wolken weisen voller Optimismus, fest verankert mit dem Strommast und weniger heiß in die nächsten Tage.

29. August 2016

Gerne schaue ich darüber hinweg, was am Wegesrand so alles grünt und blüht. Dabei ist das Farbenspektrum durchaus enorm, von himmelblau über flammend rot nach knallgelb. In der Siegaue wuchern solchen Goldruten großflächig inmitten von Gestrüpp und überdecken rankende Dornenteppiche von Brombeeren. Alleinstehend, am Wegesrand, sind sie ein echter Hingucker. Sie tauchen in unterschiedlichen Variationen auf, mal aufrecht, mal den Boden bedeckend, mal spitze, mal längliche Blüten. Vor dem Zaun an der Wegekreuzung zweier Wirtschaftswege wirken die gelben Blüten besonders dekorativ.

30. August 2016

Der Rhein und seine Werften. Von dem Niedergang der Schiffswerften ab den 1970er Jahren waren im wesentlichen Werften betroffen, die Hochseeschiffe bauten. Das Lohnniveau war in Deutschland zu hoch, so dass in Niedriglohnländern neue Kapazitäten für Werften gebaut wurden, die kostengünstiger betrieben werden konnten. Es kam zu spektakulären Konkursen und Werksschließungen – wie etwa die Roland-Werft oder die Bremer Vulkan-Werft. Von der Abwanderung in Niedriglohnländern sind auch die Schiffswerften auf dem Rhein betroffen, wenngleich in einem etwas gemäßigten Umfang. Große Schiffe wie Containerschiffe, Frachtschiffe oder Gastanker werden oftmals im Ausland neu gebaut, weil dort die Lohnkosten niedriger sind. Bei Sonderschiffstypen wie Fahrgastschiffen oder Fähren lohnen sich solche Fahrwege oftmals nicht, so dass sich hiesige Werften auf dem Rhein gehalten haben. 1927 wurde diese Schiffsbauhalle in Niederkassel-Mondorf in einer Stahlkonstruktion gebaut, zu der auch ein Brückenkran gehört. 1983 schloß die Schiffswerft, wobei aber seit 1945 in einem Kilometer Entfernung eine neue Werft betrieben wurde, die 2012 erweitert wurde.

31. August 2016

Der Pensionär, der in Kürze in den Vorruhestand gehen würde, zählte so manches auf, wozu er all seine freie Zeit nutzen würde: liegen gebliebenes erledigen, fremde Landstriche kennen lernen, Sport treiben. Als oberste Priorität nannte er: menschliche Begegnungen. Keine anderen Erlebnisse könnten menschliche Begegnungen ersetzen. Der Mensch im Mittelpunkt eines Beziehungsnetzwerkes. Früher waren es ganz banale Dinge, die der Alltag noch nicht erleichtert hatte, die menschliche Begegnungen und Sozialkontakte förderten. Trinkwasser kam noch nicht aus der Wasserleitung, sondern man musste das Wasser mit einer Handpumpe aus einem Brunnen fördern. Solch ein Dorfbrunnen mit einer Pumpe ist in unserem Nachbarort nachgebildet worden. Bis heute nennt sich die angrenzende Nachbarschaft „Pumpennachbarschaft“.

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