Frühlingsgefühle

In diesen Frühlingstagen, wenn ich Krokusse, Stiefmütterchen und andere Büttenteppiche sehe, wird mir ein unendlicher Zwist bewusst. Ich will diese Jahreszeit, weil sie meine inneren Kräfte entfesselt. Aus dem Loch des Winters will ich mich heraus bewegen. Die Kräfte beflügeln mich, die Helligkeit des Tages verdrängt die Dunkelheit der Nacht, alles regt sich. Unter der Erde erwacht das Leben, und unvermittelt schaue ich in unseren Garten, der seine eigene Pflege und seine Streicheleinheiten benötigt.

Wenn der Frühling Einzug hält, so hebt sich meine Stimmung – grundsätzlich. Der Sonnenschein vervielfacht meine Gedanken, Blüten und Farben treiben meine Phantasie an. Beschwingt trällere ich ein Lied, kein Frühlingslied, aber aus der 1968er Flower-Power-Zeit, in der jedermann und jederfrau daran glaubte, dass Blumen eine bessere Welt stiften könnten.

„You've got to get up every morning with a smile on your face And show the world all the love in your heart Then people gonna treat you better You're gonna find, yes, you will That you're beautiful as you feel ...”

Es ist aber nicht nur Carole King, die mich mit ihrem „Beautiful“ in diesen Frühlingstagen umtreibt, sondern ich bin bei all dieser Schönheit der frühlingshaften Farben höchst ambivalent unterwegs. So gerne ich Bewegung in der freien Natur mag, um so mehr kann ich meine Skepsis kann ich nicht verbergen, wenn sich die Natur in diesen, noch halb fröstelnden Frühlingstagen, zurück hält, um dann in einigen Wochen und Monaten in Fülle und Überfülle loszulegen.

In meiner eigenen Widersprüchlichkeit verabscheue ich diese gleichgemachten Gärten, wo der Rasen dominiert, diese englisch gepflegte Rasenkultur, ratzekahl geschnitten und gut gedüngt, jegliche Farbtupfer im Form von Unkraut werden gleich wieder eliminiert. Ich hasse diese Geräusche von Rasenmähern, weil sie gleich wie in einer Seuche ausbrechen. In unserer Nachbarschaft stelle ich fest, dass Rasenmähen anstecken kann wie eine Krankheit. Dann surren über mehrere Stunden hinweg diese ermattenden Geräusche von Rasenmähern, nicht weniger nervend als eine Bohrmaschine oder eine Kreissäge, mit einem konstanten und unaufhörlichen Lärmpegel, der nicht nachlassen will.

Seitdem meine Ehefrau aus Zeitmangel den Garten nicht mehr managed, befinde ich mich in der Übungsphase. Ganz unverblümt stehe ich der Realität gegenüber, dass mir der Zeitbedarf, dem man einem hübschen, gepflegten Garten mit einem gewissen Nutzgartenanteil widmen muss, über den Kopf wachsen wird. Kopfsalat, Kohlrabi, Bohnen, Erbsen, Zwiebeln fast ganz ohne Chemie, dazu Paprika, Tomaten, Zucchini, Broccoli, Blumenkohl, der ökologischen Wert macht den Nutzen und den Inhalt eines eigenen Nutzgartens aus.

Leider ist das die Variante, in die man jede Menge Herzblut und Arbeit investieren muss. Und die fehlt mir an allen Ecken und Enden. Der Nutzgarten fordert den Kampf gegen Schnecken, Unkraut und Schädlinge jeder Art heraus. Hitzewellen haben mir in den letzten Jahren den Rest gegeben, wenn ich mit dem Gießen nicht mehr nachgekommen bin, so dass neben Salat oder Gemüse auch die Blüten frisch gesprossener Blumen verreckt sind.

Zu viel Schatten, ein Hochbeet unter einer Eberesche, das kaum Ertrag abwirft. Es mangelt nicht an der Beziehung zu unserem Garten, so dass meine eigene Überzeugung, keinen solchen gleich gemachten Rasen zu besitzen, konsequent Optimismus verbreitet.

Das dämpft zurzeit meine Frühlingsgefühle. Ich sehe voraus, wie die Natur in den nächsten Monaten explodieren wird. Einstweilen erfreuen mich die Beete von Stiefmütterchen, das knallige Gelb von Narzissen oder wabernde Blütenstängel von Krokussen in den Vorgärten. Ganze Bäume von lilanen Magnolien warten in Lauerstellung, um aufzublühen, weiße Farbtupfer von Schlehen begleiten Landstraßen.

Hoffmann von Fallersleben, der Dichter, der das Lied der Deutschen schrieb, verewigte den Frühling in seinem Gedicht:

„Schöner Frühling, komm doch wieder, Lieber Frühling, komm doch bald, Bring' uns Blumen, Laub und Lieder, Schmücke wieder Feld und Wald!

Ja, du bist uns treu geblieben, Kommst nun bald in Pracht und Glanz, Bringst nun bald all deinen Lieben Sang und Freude, Spiel und Tanz.“

In dieser Phase ist der Frühling noch unbeschwert, ungestresst, die Fülle der Natur bewahrt noch Maß und Proportion. Die nächste Stufe des Frühlings erwacht am nächsten Wochenende: die Sommerzeit. Die hellen Abendstunden werden Pracht undGlanz, Sang und Freude, Spiel und Tanz mit seinen beschwingenden Frühlingsgefühlen steigern, so wie Hoffmann von Fallersleben es gedichtet hat.

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