Wochenrückblick #9/2016

29. Februar 2016

Es ist ein gastronomischer Trend, der inzwischen in der ganzen Stadt feststellbar ist. Hamburger-Bratereien sprießen wie Pilze aus dem Boden. Dicke Konkurrenz für Mc Donald’s & Co, denen an anderer Ecke Kunden weglaufen. Mit einem Mal will der Verbraucher Qualität. Produkte aus der Region, Hamburger aus Fleisch, handgemacht, und der Verbraucher will in einer Wohlfühlzone essen, mit Stühlen und Tischen aus Holz, die Hamburger serviert auf ganz normalen Porzellantellern. Nicht inmitten einer Einheitsmöblierung, wie man sie von Ney York bis Sydney, von Tokio bis Paris vorfindet. Bald werden auch hier ein neues „Hamburger 2 go“-Restaurant eröffnen.

1. März 2016

Zugegeben, Familien mit einem oder mehreren kleinen Kindern würden nur müde lächeln. Organisation der Abläufe in unserer Familie in zwei-, drei, vierschichtigen Ebenen. Meine Ehefrau hatte heute Abendschule und war um 17:30 Uhr weg mit unserem Auto. Unser kleines Mädchen musste als Messdienerin um 18:15 Uhr an der Kirche sein, da anlässlich der 70. Geburtstags unseres Pastors eine Messe gefeiert wurde. Um 19:30 Uhr endete die Messe. Zu demselben Zeitpunkt, um 19:30 Uhr, musste ich zur Klassenpflegschaftssitzung in der Grundschule sein. Das Auto war weg, und der Fußweg zur Kirche beziehungsweise zur Schule beträgt rund zwanzig Minuten. Alles gleichzeitig machen zu müssen, parallel und verzwickt miteinander, dazu fühlte ich mich überfordert. Als ich zu Hause um 18 Uhr ankam, sackte ich erst einmal in michzusammen. Das war noch anders vor einigen Jahren, als ich in aller Seelenruhe solche zwei-, drei- oder vierschichtigen Ebenen managete. Mein Schwiegervater sprang ein und holte um 18:15 Uhr unser Mädchen mit seinem Auto ab. Danach säuberte ich mein verschmutztes und zerbeultes Rennrad, um es in den nächsten Tagen zwecks Kostenvoranschlag endlich zu einer Fahrradwerkstatt zu bringen. Dazwischen Tomatensuppe warmmachen und Katze versorgen. Um 19:00 Uhr machte ich mich auf den Weg zur Kirche, um unser Mädchen in der nachtfinsteren Dunkelheit von der Kirche abzuholen, dabei beflügelte der tröpfelnde Regen sogar meine Stimmung. Um 19:30 Uhr mit unserem Mädchen von der Kirche zum Schwiegervater, der sie dann mit seinem Auto zu uns nach Hause brachte. Unser Sohnemann stand dort bereit und hatte für sie gekocht. Vom Schwiegervater aus ging ich zur Schule, wobei mir das totale Parkplatzchaos auffiel, weil die Messe und die Klassenpflegschaftssitzung sich überlappten. In der Klassenpflegschaftssitzung kam ich vielleicht zehn Minuten später an. Diese war um 20:15 Uhr zu Ende, und ich ließ es mir nicht nehmen, auf dem Nachhauseweg im Supermarkt um die Ecke eine leckere Flasche Bordeaux zu kaufen. Zu Hause angekommen, legte ich meine Beine hoch und ließ mir den Bordeaux gut schmecken. Nach so viel Organisation.

2. März 2016

Gewiß, vieles ist inhaltsleer, ohne Eigenschaften, Informationsmüll. Es ist Taktik und Strategie, dennoch in der Flut von Informationen aufzufallen, die Aufmerksamkeit zu untergraben und mit psychologischen Tricks in Kaufentscheidungsprozesse einzudringen. Man könnte Werbung als hinterhältig bezeichnen. Gerne zappe ich weg, wenn Werbespots im Fernsehen laufen, im Radio höre ich genauso weg. Anders ist das bei der Plakatwerbung. Manchen Plakaten gelingt es, eine Botschaft zu plazieren. Diese Botschaften sind nicht immer inhaltsleer, ohne Eigenschaften, Informationsmüll. Daher schaue ich manchmal bewußt auf Werbeplakate, um Botschaften heraus zu filtern. So nutzen auch Non-Profit-Organisationen wie Miserior, um ihre Botschaften zu plazieren. „Mein Start-Up bietet keine satten Gewinne, sondern satte Menschen“, diese Botschaft hat Miserior treffend formuliert. Die Analogie zu „normalen“ Unternehmen ist nicht ungeschickt in Szene gesetzt.

3. März 2016

Notwendigerweise denkt unser Verstand in Bruchstücken, weil er die Wirklichkeit nicht vollständig abbilden kann. Es fehlt etwas, mal mehr, mal weniger, so dass wir das übergeordnete Ganze nicht konstruieren können. Den Rest müssen wir uns zusammen denken. Unsere Vorstellungskraft und unsere Phantasie müssen aus dem Vorhandenen schöpfen, das Bild eines Ganzen entwerfen und Lücken ausfüllen. Das ist naturgemäß nicht einfach, denn wir müssen in Proportionen denken, wir müssen vergleichen, wir müssen differenzieren und abstufen, wir müssen Bekanntes auf Unbekanntes übertragen. Wir müssen abwägen, welche Schlüsse richtig sind und welche falsch sind. Wir werden das Ganze auch ein paar Mal drehen müssen und von allen Seiten betrachten müssen, damit nichts krumm und schief ist, sondern in einer gleichmäßigen und wohl gestalteten Form. Es steckt somit jede Menge Arbeit dahinter, ein Modell zu erstellen, welches die Wirklichkeit in aller Vollendung darstellt. Nur so können wir große Irrtümer verhindern: Fehleinschätzungen, Fehlurteile, Vorurteile oder Lügen. Noch schlimmer als der Irrtum ist die Dummheit: wenn wir unseren eigenen Verstand beiseite legen, wenn wir das Denken anderer unreflektiert übernehmen und wenn wir anderen blind folgen, egal, wie das übergeordnete Modell aussieht. Auf der Godesburg. Nachdem sie 1583 bis auf die Grundmauern zerstört wurde, war die Wirklichkeit ungewiss, wie sie davor ausgesehen hatte. Zeitzeugen erinnerten sich, wie die Burg vor der Zerstörung ausgesehen hatte, und sie fertigten in den Jahrzehnten danach Zeichnungen und Kupferstiche. In den 1960er Jahren wurde die Burg in Teilen wieder aufgebaut, dabei wurde auch ein Modell aus Bronze von der gesamten Burganlage zusammen gebaut. Dieses Modell dürfte auf den Zeichnungen und Kupferstichen des 16./17. Jahrhunderts aufgesetzt haben. So originalgetreu, wie das Modell aussieht, steckt jede Menge Arbeit und Fleiß dahinter. Hoch und senkrecht strebt der runde Bergfried nach oben. Es macht Spaß, das schön geformte und wohl proportionierte Modell zu betrachten.

4. März 2016

Unsere Blumen haben im Wintergarten Zuwachs bekommen. Die Blumen, womit man nach meinem Fahrradunfall an mich gedacht hat, stehen noch im Wintergarten. Nun sind die Blumen dazu gekommen, die meine Ehefrau zu ihrem Geburtstag geschenkt bekommen hat. Herzlichen Glückwunsch !

5. März 2016

„ … die vielfältigen Formen der Treppenaufgänge, Balkone, Türen, Fenster und Gesimse sowie die unterschiedliche Mischung der baulichen Elemente aus der Kaiserzeit vom Historismus bis zum Jugendstil machten ihm Spaß; hier mehr Säulen, Bögen, Erker und Vorsprünge, dort mehr Köpfe, stilisierte Pflanzen, Tiere, Schnecken- und Muschelornamente …“, so beschreibt Alexa Thiesmeyer die Bonner Südstadt, die in ihrem Kriminalroman „Adenauerallee“ zum Tatort wird. Auch ich bestaune in der Bonner Südstadt jedesmal die Architektur aus der Kaiserzeit mit ihrer Ornamentik, wobei mich allerdings all die Stilrichtungen verwirren, weil sie nicht immer trennscharf zu unterscheiden sind. Ortswechsel. Unser Ort ist ganz weit weg von der baulichen Geschlossenheit der Bonner Südstadt. Aber einzelne Häuser, deren Verzierungen ähnlich üppig sind, stehen ebenso in unserem Ort. Nicht nur Historismus oder Jugendstil haben Bauten aus der Kaiserzeit geprägt, sondern auch der Klassizismus. Das sogenannten „Doktorhaus“ erhielt 1880 nach Aufstockung auf zwei Stockwerke das heutige Aussehen. In den Baustilen besann sich die Kaiserzeit auch auf die Antike zurück. Ähnlich wie in der Renaissance, wurden Säulen über dem Mittelfenster der ersten Etage in die Fassade integriert, die an römische oder griechische Tempelbauten erinnern sollten. 45 Jahre lang hatte ein Arzt, der 1930 starb, dort seine Praxis, so dass das „Doktorhaus“ von diesem Arzt seinen Namen erhielt.

6. März 2016

Heute hatten wir das Gefühl, zu Hackern ausgebildet zu werden. Einzelne Hausaufgaben in der Grundschule müssen Online über das Internet bearbeitet werden. So auch in Deutsch. Es gibt Internetseiten für Deutsch – genannt Antolin – und für Mathematik. Während in Mathematik der Zugang über das Internet klappte, hakte dieser beim Deutsch-Programm „Antolin“. Zu Hause hatten wir nur ein Passwort, aber keine Benutzerkennung notiert. Als unser Mädchen in der Schule mit „Antolin“ gearbeitet hatte, hatte sie als Benutzerkennung ihren Vornamen und ihren Nachnamen eingegeben. Sie meinte, alles in kleinen Buchstaben und Vor- und Nachname zusammen. Sie wusste es aber nicht genau, vielleicht war ein Punkt zwischen Vor- und Nachname, vielleicht war der Nachname auch abgekürzt. Zusätzlich mussten wir peinlich auf Groß- und Kleinschreibung und Leerzeichen achten, außerdem war die Schrift in unserer Notiz so undeutlich, dass wir nicht genau erkennen konnten, ob sich ein Leerzeichen in das Passwort hinein gemogelt hatte. Wir ließen sie ihre Benutzerkennung so in unser Laptop hinein tippen, wie sie es in der Schule macht. Zuerst alles klein und alles zusammen: Fehlermeldung. Dann groß. Dann mit Leerzeichen. Dann mit Punkt zwischen Vor- und Nachname. Dann dasselbe Spielchen für das Passwort: mal mit, mal ohne Leerzeichen. Nun ging es an den Nachnamen, indem wir Buchstabe für Buchstabe abzwackten. Unsere Verzweiflung stieg. Die Fehlermeldung, die uns den Zugang zu „Antolin“ verwehrte, wollte einfach nicht verschwinden. Schließlich wendeten wir uns per E-Mail an die Klassenlehrerin und beschrieben unsere Verzweiflung. Ein paar Stunden später löste sie das Rätsel und antwortete: die Benutzerkennung setzte sich zusammen aus dem Vornamen plus W4V. Wer hätte das vermutet ? Sind wir Hellseher ? So fleißig, wie wir gehacked hatten, hätten wir es wohl irgendwann geschafft, Benutzerkennung und Passwort zu knacken.

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