Wochenrückblick #7/2016

15. Februar 2016

Die Frühlingsgefühle machen Pause. Schneeflocken heute Morgen, die wild umher tanzten, sich zu verdichten schienen zu einem Schneegestöber, dann aber auseinander flogen und sich schließlich, schwach und unbeständig, im Gestrüpp verflüchtigten. Die Erscheinungsphase der Schneeflocken war kurz, gepaart mit einem wolkenverhangenen Himmel. Der schneidende Nordwind blies und fegte etwaige Frühlingsgefühle hinweg. Die Wetterlage hatte sich umgedreht von lauen Wintertemperaturen auf Phänomene, die man gemeinhin dem Winter zuordnen konnte. Winterjacke und Schal wärmten den Oberkörper, ich musste die Handschuhe wieder aus unserem Kleiderschrank heraus kramen. Der Winter hatte sehr lange gebraucht, bis er, Mitte Februar, wieder zurück kehrte. Derweil halten sich die Vorboten des Frühlings felsenfest, denn der Winter kann ihnen nichts anhaben. Vor dem Rathaus hält sich die Ankündigung des Frühlings. Die rosanen Blüten haben den Wintereinbruch überdauert. Und sie werden sich demnächst bestimmt wieder vermehren.

16. Februar 2016

Nachdem über Jahre hinweg etwaige Karambolagen mit Autofahrern glimpflich abgelaufen waren, hat es mich gestern erwischt, genauer gesagt, um 17:30 Uhr. Auf dem Nachhauseweg von meinem Büro aus war ich mit meinem Rennrad zum Trajektknoten in Richtung Museumsmeile unterwegs. Eigentlich ist der Trajektknoten als großspuriger Kreisverkehr sehr fahrradfreundlich gestaltet, mit separatem Fahrradweg und separaten Ampelschaltungen für Fahrradfahrer. Genau an diesen Ampelschaltungen geschah es aber: den Abbiegespuren für Autofahrer folgen drei oder vier Ampeln für Fahrradfahrer hintereinander, und alle Ampeln standen auf Grün. Ich fuhr durch, und an der letzten grünen Ampel übersah ein Autofahrer sein eigenes Rotlicht, während er sich an seinem Navigationssystem zu orientieren versuchte. Mit mäßiger Geschwindigkeit stoppte ich augenblicklich. In meiner Vorwärtsbewegung konnte ich aber nicht verhindern, dass ich mit meinem Kopf und meinem Seitenkörper gegen den Merzedes stieß. Während meinem Rennrad ungefähr nichts passiert ist, blutete vor allem mein Kopf (Platzwunde), an meiner rechten Körperseite schmerzen Prellungen an Unterschenkel, Knie und Hüfte. Es dauerte eine Zeit lang, bis die Polizei zur Unfallaufnahme erschien. Es gibt auch eine Zeugin, die beobachtet hatte, dass der Autofahrer das Rotlicht missachtet hatte. Der Unfallgegner ist übrigens ein US-Amerikaner, der in Frankreich wohnt, er hatte einen Leihwagen von Europcar gemietet, und er war so freundlich, dass er mich samt Rennrad zuerst zum Sieglarer Krankenhaus fuhr und anschließend nach Hause. Im Sieglarer Krankenhaus wurde die Platzwunde geklebt, und inzwischen hat sich auf der rechten Stirnseite eine dicke Beule aufgebläht. Sonst hätte alles schlimmer kommen können, wenn die Bremsen meines Rennrades nicht so schnell gegriffen hätten.

17. Februar 2016

Großer Wirbel und Irritation um die Anmeldung unseres kleinen Mädchens an der weiterführenden Schule. Gemeinsam mit rund zehn Schülern aus ihrer Grundschulklasse hatte sie sich an der Gesamtschule in unserer Stadt angemeldet. Das geschah an genau festgelegten Tagen, an denen wir uns bemüht hatten, unser Mädchen möglichst frühzeitig anzumelden. Vor einer Woche hatten wir dann die Ablehnung erhalten, wobei alle anderen Mitschüler angenommen worden waren. Als Grund hatte die Gesamtschule angegeben, dass 134 Anmeldungen die maximal mögliche Schülerzahl von 108 überstiegen hatten. Als Kriterien für das Auswahlverfahren nannte die Gesamtschule ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Jungen und Mädchen, die Leistungsheterogenität sowie das Losverfahren. Hinsichtlich des Losverfahrens hatte ich mich anschließend im Netz schlau gemacht. Ein etwaiger Widerspruch hätte keinen Sinn gemacht, weil diverse Gerichte bestätigt hatten, dass vom Prinzip her nichts geregelt ist. Eine mündliche Aussage der Schule reicht aus, dass sie die Anmeldungen aufeinander gestapelt haben, dass sie diese gemischt haben und daraus die Ablehnungen gezogen haben, ohne Namen erkennen zu können. Aus dem Kölner Stadt-Anzeiger hatten wir zwischenzeitlich erfahren, dass im Kölner Stadtgebiet die Nachfrageüberhänge weitaus katastrophaler sind, denn dort erhalten 30% der Anmeldungen an Gesamtschulen eine Absage. Da stellt sich allerdings die Frage, wieso die Schulformen nicht nach der Nachfrage gebildet werden. Was spricht eigentlich dagegen, weitere Klassen an Gesamtschulen zu bilden ? Das Kostenargument kann es jedenfalls nicht sein, denn die Schüler werden nur von einer Schule an eine andere Schule geschoben. Nun haben wir unser Mädchen an der Realschule in unserem Nachbarort angemeldet. Dort haben sich zwei weitere Mitschülerinnen aus ihrer Grundschulklasse angemeldet.

18. Februar 2016

“Trahit sua quemque voluptas. Jeglichem seine Neigung, jeglichem auch sein Ziel, meinetwegen sein Ehrgeiz, sein verborgendster und sein hellstes Ideal“, so formuliert Marguerite Yourcenar, eine brilliante Erzählerin aus Brüssel, in den Erinnerungen des römischen Kaisers Hadrian. Beim Hausarzt habe ich heute erfahren, dass unnütze Zeit im Wartezimmer wunderschön mit einem guten Buch überbrückt werden kann. Ich habe meine Krankschreibung verlängert und dabei fast anderthalb Stunden in der Arztpraxis verbracht. Hadrian, der von 117 bis 138 nach Christus römischer Kaiser war, hat auch seine Spuren im Rheinland hinterlassen. Neue Eroberungen waren weniger sein Ziel, sondern die Festigung der inneren Strukturen. Die Außengrenzen zu den Germanen sicherte er durch den Limes, der auch durch Westerwald und Taunus führt. Die Kunst seiner Lebensführung entnahm er aus der griechischen Antike. Lakedämon hatte dies in drei Worten zusammengefasst: Kraft, Gerechtigkeit und Musen. Er interpretierte die Kraft als den stützenden Balken, denn ohne feste Regel keine Schönheit und ohne Strenge kein Recht. Die Gerechtigkeit war das Gleichgewicht, die Summe ausgeglichener Verhältnisse, das Zusammenspiel der Kräfte, das kein Mutwille gefährden durfte. Kraft und Gerechtigkeit waren wohlgestimmte Instrumente in den Händen der Musen. Elend und Roheit waren als Sünden wider den Adel menschlicher Schönheit zu bannen. Das Ergebnis seiner Lebensführung konnte sich sehen lassen, denn die 21 Jahre seiner Herrschaft waren zu einem großen Teil Jahre des Friedens.

19. Februar 2016

In der Kabel1-Serie „Rosins Restaurant“ habe ich zuletzt gelernt, dass sich wahre Dramen bei Restaurant-Besitzern abspielen können. Einmal 80.000 Euro Schulden, bei einem anderen Restaurantbesitzer 130.000 Euro Schulden. Und die Restaurants liefen effektiv nicht. Das Essen schmeckte nicht, die Speisekarte war schlecht konzipiert, schlechte Lage, zu viel Konkurrenz und so weiter, die Gäste blieben aus. Wenn es nicht gelingen würde, die Gästezahl deutlich zu erhöhen, drohte die Privatinsolvenz. Nicht viel anders sieht es bei uns um die Ecke aus. Kein Restaurant, sondern ein Second-Hand-Laden. Die Nachfrage des Verbrauchers nach gebrauchter Kleidung scheint sich in stark überschaubaren Grenzen zu halten. Der Second-Hand-Laden ist zudem ein Indiz, dass Nachhaltigkeit und Konsum nicht zu einander passen. Die PAECH-Tex GmbH recyceld Stoffe aus alten Kleidungsstücken, indem sie andere, neue Bekleidung fertigt, oder auch Handtaschen, Hüte, Schals. Auf dem Weg zum Einkaufen komme ich regelmäßig an dem Second-Hand-Laden vorbei, ohne dass ich jemals dort einen Kunden gesehen hätte. Vermutlich spielen sich dort ähnliche Dramen ab wie in Rosins Restaurants.

20. Februar 2016

„Die Sache Europa war von Anfang an rätselhaft. Schon begrifflich war unklar, ob „Europa“ aus dem Griechischen stammt und so etwas wie „weit blickend“ bedeutet. Auch der Mythos der antiken Sagengestalt – Europa, die Tochter eines phönizischen Königs, ließ sich am Strand des Mittelmeers von Zeus entführen, der sich in einen Stier verwandelt hatte, und bekam schließlich drei Kinder von ihm – war etwas rätselhafter Natur. Ebenso wenig eindeutig ist der als Europa bezeichnete Raum … Die Trennlinien scheinen bis heute immer wieder durch – die christlich-islamische in den Debatten über den EU-Beitritt der Türkei, die lateinisch-orthodoxe in den Konflikten mit Russland, und die katholisch-protestantische in den Auseinandersetzungen zwischen den Nord- und Südländern in der Europäischen Union“, so beschreibt Andreas Rödder in seinem Buch „21.0. – Eine kurze Geschichte der Gegenwart“ seine Einsichten in die Europäische Union. Jüngere Entwicklungen hatte er noch nicht aufgenommen – so der gewollte EU-Austritt Großbritanniens und die Brisanz der Flüchtlingsthematik, die Europa in ihren Grenzen wieder auseinander zu dividieren droht. Die einen verdammen den Alleingang Deutschlands, die anderen sehen ihr Heil in noch höheren Zäunen und noch mehr Abschottung. Und dass Reformen in Griechenland nicht umgesetzt werden, um das Haushaltsdefizit in den Griff zu bekommen, ist eine weitere tickende Zeitbombe. Ich selbst lebe von meiner eigenen inneren Überzeugung, dass sich Europa berappeln wird, dass Einsicht und Vernunft in die politische Großwetterlage die Überhand gewinnen werden. Die Zeiten sind schwierig und angespannt. Die Akte der Selbstzerstörung Europas sollten definitiv vorbei sein. Heute genau vor einhundert Jahren begann die Schlacht um Verdun. Wir brauchen solche Zeitzeichen, um aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen.

22. Februar 2016

Wie schön, dass Mitmenschen nach meinem Fahrradunfall an mich denken. Zuerst war es unsere Nachbarin, die Blumen vorbei brachte. Dann brachte gestern Fleurop Blumen ins Haus. Gute Besserung und beste Genesungswünsche von meinen Arbeitskollegen. Darüber habe ich mich sehr gefreut. Derzeit sieht es so aus, dass ich ab Montag wieder arbeitsfähig bin. Die Schwellung des rechten Augenlides hat nachgelassen, die rechte Körperseite schmerzt nicht mehr so sehr, ich habe keinerlei Anzeichen einer Gehirnerschütterung wie Übelkeit, Unwohlsein, Schwindelgefühle usw. Lediglich meine Optik läßt zu wünschen übrig, denn mein rechtes Auge ist blau wie ein Veilchen.

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