Wochenrückblick #6/2016

8. Februar 2016

Das Geschäftsmodell klingt krumm und schief. Shoppen statt Karneval. Ich selbst verkrümele mich an diesen tollen Tagen, mit Jecken und Narren habe ich nicht so riesig viel zu tun. Und so mancher andere, dem das Treiben von Jacken und Narren und die Karnevalsmusik auf die Nerven geht, mag sich fragen, wie er sich denn am Rosenmontag die Zeit vertreiben kann. Die Askese, dem Rosenmontagszug fernzubleiben oder das Fernsehprogramm auf einen Nicht-Karnevals-Sender umzuschalten, erscheint so manchem wohl zu dürftig. Seit vielen Jahren hat sich der Trend etabliert, die Nicht-Karnevalisten durch Sonderangebote aus der Reserve zu locken. Shoppen anstatt Karneval. Während die Geschäfte in den Fußgängerzonen dicht sind, öffnen die Möbelhäuser. IKEA etwa wird am Rosenmontag von riesigen Käuferscharen überschwemmt – das berichtete die Ehefrau eines Arbeitskollegen, die dort arbeitet. Ich kann das nicht nachvollziehen. Klar, ich mag ein wohnliches Ambiente, und so manche Inneneinrichtung mag in Möbelhäusern auch sehr hübsch sein. Wohnzimmerschränke, Schreibtische, Schlafzimmer, Einbauküchen – wieso soll ich gerade an Rosenmontag Gedanken daran verschwenden, mit welcher Möblierung wir unsere Zimmer aufhübschen könnten ? Dann sehe ich mir lieber Narren an als Wohnzimmerschränke, Schreibtische, Schlafzimmer, Einbauküchen. Oder Rosenmontagszüge. Das sind dann schon die niederen Instinkte des Einkaufens, all diesen Einfallsreichtum, wie Menschen ein Rosenmontagszug gestaltet haben, einfach zu ignorieren. Shoppen passt an jedem anderen Tag, aber nicht an Rosenmontag.

9. Februar 2016

„Ohne ring, ohne wing, ohne sonnesching“, die Karnevalslieder wirkten nach, so dass wir sie stumm vor uns hersangen, wenn nicht gerade Karnevalsmusik im Hintergrund lief. Zu Hause, konnten wir stolz auf unsere Ausbeute zurück blicken, die wir am Karnevalszug gesammelt hatten. Zweimal hatten wir unseren Standort gewechselt, und am zweiten Standort griff uns eine ältere Frau mächtig unter die Arme, indem sie Süßigkeiten für unser kleines Mädchen mit aufhob. Überhaupt wurden an dieser Stelle, bezogen auf die Anzahl der Zuschauer, deutlich mehr Süßigkeiten als an den anderen beiden Standorten geworfen. Unsere Stofftaschen konnten die Massen kaum noch fassen und quollen über. Einen ganzen Wäschekorb haben wir in diesem Jahr zusammen bekommen.

10. Februar 2016

Böse Überraschung für die Autofahrer am Aschermittwoch. Totales Verkehrschaos im Berufsverkehr vor der Ampel in Niederkassel-Mondorf. Vollsperrung der Landstraße L269 nach Bonn. Nichts geht mehr. Diejenigen, die ihren Arbeitsplatz in Bonn erreichen wollen, müssen in Troisdorf auf die Autobahn fahren, wo wahrscheinlich ein ähnliches Verkehrschaos herrscht. Der Umweg und das Chaos wird den Betroffenen bestimmt eine Stunde kosten. Ich schätze mich indes glücklich über meine Entscheidung, trotz des vorhergesagten Regens mit dem Fahrrad ins Büro zu fahren. Durch Troisdorf-Bergheim, über die Siegbrücke verläuft meine Fahrstrecke vollkommen normal. So normal, dass ich nichts Ungewöhnliches auf der Landstraße L269 erkennen kann. Kein Blaulicht, keine Polizei, kein Rettungswagen, keine Feuerwehr. Was ist denn da los ? Bauarbeiten ? Ein Bombenfund ? An der Verkehrsampel vor der Autobahnauffahrt der A565, bin ich in einem Pulk von anderen Fahrradfahrern angekommen, die allesamt auf das Grünlicht warten. Wir üben Solidarität in unserem Glück, nicht zu der autofahrenden Nation zu gehören. Und wir rätseln über die Ursache. In Zeitungen und all den Lokalblättern hatten wir nichts gelesen. So akkurat, wie die Landstraße abgesperrt war, dass selbst Fahrradfahrer auf ihrer Spur die Weiterfahrt verwehrt wurde, sah dies nach einer geplanten Aktion aus. Ein Blick auf die Internetseite von Radio Bonn-Rhein-Sieg sorgte dann für Klärung: anscheinend drohen dort Bäume auf die Straße zu fallen. Wenn es hell wird, wollen sich Experten vom Landesbetrieb Straßen NRW die Sache ansehen. Dann wird entscheiden, wie lange die Landstraße L269 noch gesperrt sein soll. Das klingt etwas merkwürdig. Als der große Sturm am Rosenmontag hinweg fegte, war die Landstraße frei. Nun, zwei Tage später, bei mäßigem Wind, werden die Verantwortlichen aktiv.

11. Februar 2016

Hat Gaius Julius Caesar eine erste feste Brücke über den Rhein gebaut ? An dieser Stelle ? Die Fakten stimmen nicht so ganz. Gaius Julius Caesar hat im Rheinland Schlachten geschlagen, unstrittig, das berichtet seine Geschichtsschreibung in „De bello gallico“. Mehr als ein Jahr brauchte Caesar, um im Jahr 54 v.Chr. den Volksstamm der Eburonen niederzuringen, der ganz in der Nähe des heutigen Köln siedelte. Caesars „De bello gallico“ berichtet ebenso über zwei Brücken über den Rhein. Die erste Brücke wurde laut Caesar errichtet, um eine Strafexpedition gegen Germanen auf rechtsrheinischem Gebiet durchführen zu können. Ein zweiter Brückenschlag über den Rhein erfolgte zwei Jahre später im Rahmen eines weiteren bewaffneten Rheinübergangs. Gefunden wurden 1885 im Rhein bei Neuwied Eichenpfähle, deren Alter auf Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr. datiert werden konnte, sodass die Brücke der Zeit Caesars zugeordnet werden konnte. Eine Zeit lang wurde vermutet, dass die zweite Brücke in der Römerstadt Bonn gebaut wurde, doch dazu gab es keinerlei historischen Funde. Die Inschrift auf dem Caesardenkmal „C. IVL CAESAR FLVMINI PONTEM PRIMUS IMPOSIT A.A.N.CHR.LV“, was aus dem Lateinischen übersetzt bedeutet „Gaius Julius Caesar schlug als erster eine Brücke über den Fluss im Jahre vor Christus 55“, ist somit definitiv falsch. Dass das Caesardenkmal genau an dieser Stelle aufgestellt wurde, leitet sich ab aus dem 2000 jährigen Bonner Stadtjubiläum im Jahr 1989. Es war der römische Chronist Florus, der darüber berichtete, dass der römische Feldherr Drusus im Jahr 11 vor Christus eine Brücke von BONNA nach GESONIA über den Rhein geschlagen haben soll. Keine Brücke, sondern eine Furt. Das scheint genauer belegt zu sein, da Steine einer Straße aus vorgeschichtlicher Zeit gefunden wurden, die ins Siegerland geführt haben soll, dazu Steine, die zu einer Furt über den Rhein gehören. Nassen Fußes mussten also die Römer an dieser Stelle den Rhein überqueren.

12. Februar 2016

Wenn man den guten alten Rolling Stones mit ihrem Brüller „Satisfaction“ lauscht, dann könnte man sie als frühe Kritiker unserer Informationsgesellschaft bezeichnen: „When I'm driving in my car and the man comes on the radio he's telling me more and more about some useless information supposed to fire my imagination I can't get no oh no no no hey hey hey that's what I say”. In der Tat, es fällt schwer, den Information Overload in unserem Informationszeitalter auszublenden. Nützliche sind von unnützen Informationen nicht mehr zu trennen, das hatten bereits die Rolling Stones erkannt, und tagtäglich hat sich die Informationsschwemme so sehr verdichtet, dass wir mit Werbung, Leuchtreklamen, Nachrichten, Live-Tickern, Wurfsendungen, Logos und grellen Farben so sehr überschwemmt werden, dass unser Wahrnehmungsvermögen lahm gelegt ist. Zentrale Botschaften werden nicht mehr aufgenommen, sondern Effekthaschereien erzeugen Reizzustände. So verschwindet die zentrale Botschaft der Grünen unter dem Verkehrslärm an einer belebten Straßenkreuzung. „Es gibt keinen Planet B“, diese Botschaft hätte Stille und einen anderen Ort verdient. So werden ungefähr alle daran vorbei schreiten, ohne dass sie diese bemerkt haben.

13. Februar 2016

Wochenendseminar in Bornheim-Walberberg. Ich habe meine Ehefrau an der Jugendakademie abgesetzt, anschließend bin ich etwas durch den Ortskern gebummelt. Ein nicht uninteressanter Ort, der abseits meiner Rennradtouren liegt und den ich somit kaum kenne. Vor ganz langer Zeit hatte ich dort einen Schleichweg benutzt, um mit dem Fahrrad zum Phantasialand zu radeln. Es gibt dort die Pfarrkiche St. Walburga zu sehen, die etwas seltsam verbaut ist, mit kargen Überresten romanischer Wandmalereien, einem sehr alten Taufstein und einer Heiligtumskammer mit Reliquien der Heiligen Walburga, die ich mir nicht angesehen habe. Man findet überraschendes in Bornheim-Walberberg, das ist zum einen ein Stück des Römerkanals. Zum anderen ist es ein Hexenturm, wobei ich noch nie von Hexenverfolgungen in Bornheim gehört hatte. Die Gerichtslinde ist auch etwas außergewöhnliches: hier befand sich einst die Henker- und Richtstätte. Ein gruseliger Ort also, den die seichte Morgenstimmung mit der berauhreiften Natur gar nicht vermuten lässt. Eine Reihe von Fotos habe ich gemacht, weil dieser unscheinbare Ort in seinem Ortskern wirklich interessant ist.

14. Februar 2016

Nutze die Zeit. Als ein Zeitfenster verfügbar war, ging es ab ins Kino. Alvin und die Chipmunks, diesen Film hatte sich unsere Kleine ausgesucht. Ich muss zugeben, dass die Stimmen der drei Streifenhörnchen Alvin, Theodor und Simon gewöhnungsbedürftig waren, so grell, so hoch und so aufgedreht, wie sie klangen. Quietschfidel bis zur Hyperaktivität, trieben sich die drei Zeichentrickfiguren überall dort herum, wo sie mit ihrem singenden Gequietsche Partylaune verbreiten konnten. Im Endeffekt ging es um eine Verlobung mit einem Verlobungsring, es ging um einen Polizisten, der in besoffenem Zustand Dinge machte, die er nicht wahrhaben wollte, und es ging um wahre Liebe, die Bestand haben sollte. Nachdem ich mich an das Auftreten der drei Chipmunks gewöhnt hatte, gefielen mir all die komischen Szenen, die wirklich gut gemacht waren.

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