Wochenrückblick #5/2016

1. Februar 2016

Das sind die verschwundenen Bastionen der verschwundenen Bundeshauptstadt. Trotz oder vielleicht gerade wegen des Bonn-Berlin-Gesetzes, das keinen genauen Zeitraum nennt, bis wann die Hälfte der Ministerien in Bonn zurückbleiben soll, grassiert die Angst, in ein verlassenes Provinznest zurückzufallen. Hase und Igel würden sich in der Rheinaue gute Nacht sagen, die Einzelhändler würden in der Fußgängerzone schließen, Bürotürme würden leer stehen, das befürchtet man. Mitnichten. Den Botschaften sieht man es aber an, dass der Status einer Bundeshauptstadt unwiderruflich ausgelöscht worden ist. In Zeiten der Bundeshauptstadt zählte Bonn 40 Botschaften. 1999 startete der große Exodus der Botschaften, als sie nach Berlin umzogen, 2009 kehrten die letzten Botschaften aus Sierra Leone und Kamerun Bonn den Rücken. Insgesamt 16 leerstehende Botschafts-Immobilien warten auf einen Käufer. So manche schwer zu vermarktende Botschaft beeindruckt durch ihre seltene Architektur, so die frühere iranische Botschaft mit ihren orientalisch anmutenden, blau-weiß gesprenkelten Fassadenelementen. Die Immobilie steht leer, weil die Preisvorstellungen des Iran und potenzieller Kaufinteressenten massiv abweichen. Der Iran wollte 3,5 Millionen Euro für die Immobilie haben, was niemand zu zahlen bereit war. Unkraut wuchert, das Gebäude gammelt fleißig vor sich hin, die Schäden an der Bausubstanz dürften zunehmen, irgendwann wird man das Gebäude nur noch abreißen können. Das wäre jammerschade.

2. Februar 2016

Der Anruf heute Morgen um 11:02 Uhr in meinem dienstlichen Büro hatte es in sich. Ich sei empfohlen worden. Es ginge um Steuern. Am Ende der Leitung war die freundliche Frauenstimme einer Unternehmungsberatungskanzlei, dessen Name ich nicht verstand. Ich war irritiert, da ich mit dem Zusammenhang von Unternehmensberatung und Steuern und der Kölner Vorwahl, unter der die Unternehmensberatung angerufen hatte, nichts anfangen konnte. Vereinzelt liefen auf meinem Diensttelefon Gespräche von Unternehmensberatungen auf, wenn diese in Projekten tätig waren und Mengen und Prozesszeiten haben wollten. Aber Steuern ? Damit hatte ich in meinem Aufgabenspektrum nichts zu tun, wenngleich ich mit Kollegen zu tun hatte, die mit der Gewinn- und Verlustrechnung befasst waren, wo dann an irgendeiner Ecke auch Steuern drin hingen. Ein Headhunter, dachte ich auf Anhieb, die Kollegen des Rechnungswesens kamen nicht klar, die Steuerbilanz war krumm und schief, eine Drohkulisse von Wirtschaftsprüfern verweigerte ein Testat, weil wir Null Ahnung hatten von den Grundsätzen ordnungsgemäßer Buchführung. Doch der Fall war anders. Die freundliche Frauenstimme der Unternehmensberatungskanzlei schwenkte über zu meiner privaten Steuererklärung, welche Steuerklasse ich denn habe, wie viele Kinder in meiner Steuererklärung berücksichtigt worden seien, ob meine Steuerlast unterhalb von 50.000 Euro liegen würde. Erst spät begriff ich, dass das genau diese Art von Telefonakquise war, von der wir zum Beispiel von Energieversorgern überschwemmt werden, ob wir nicht den Stromanbieter wechseln wollen. Die freundliche Frauenstimme der Unternehmensberatungskanzlei befragte mich, ob denn mein Jahresbruttoeinkommen oberhalb von 120.000 Euro liegen würde und wie viele Jahre ich noch arbeiten würde. Dann könne sie mir interessante Angebote machen, Steuern zu sparen. Da ein Jahresbruttoeinkommen von 120.000 Euro utopisch war und da die Jahreszahl bis zum Ruhestand im einstelligen Bereich lag, brach die Frauenstimme ab. Wahrscheinlich wollte sie mir irgendwelche Fonds, Aktien, Immobilien oder andere Wertpapiere verkloppen. Jedesmal ärgere ich mich über solche Telefonate. Jedesmal ärgere ich mich über eine solche Stimme, die fürchterlich nett klingt, nett herum faselt, in netten Worten einen in die Irre führt, wohin das Gespräch gehen soll, und erst spät, sehr spät zum eigentlichen Ziel des Anrufs, einer Verkaufsaktion, kommt. Solche Telefonate sind reine Zeitverschwendung. Wenn zu Hause die Stichworte Stromanbieter oder Versicherungen fallen, lege ich sofort auf. Die Masche ist dreist, es über den dienstlichen Festnetzanschluss zu probieren. Im Anschluss habe ich gegoogled, wohin die Telefonnummer (0221) 25081406 zuzuordnen ist. Ohne Erfolg.

3. Februar 2016

Die Fragestellung erwischte mich, als käme sie von einem fremden Planeten: wer ist Palpatine ? Ich rätselte, hatte keinen blassen Schimmer, dachte an Haushaltsreiniger, Werbung oder irgendeinen Staatsoberhaupt in der anderen Ecke unseres Planeten. Unser kleines Mädchen spannte mich auf die Folter, bis sie mit der Antwort heraus rückte. Er war Imperator der dunklen Seite der Macht. Nachdem wir den Kinofilm „Erwachen der Macht“ gesehen haben, ist Star Wars das Top-Thema in unserem Hause. Spät, sehr spät habe ich meine Leidenschaft für Star Wars entdeckt. Der Kinofilm „Erwachen der Macht“ war klasse, auch wegen der mitreißenden Ästhetik von Wüstenlandschaften und Tempelbauten als Hintergrund für intergalaktische Raumschiffszenen. Meine Defizite sind beträchtlich, um mit unserem kleinen Mädchen mitreden zu können. Sie weiß alles, hat bis zur fünften Episode die DVDs gesehen, und mehr oder weniger ohnmächtig bin ich meinem Nichtwissen ausgeliefert. Dass Han Solo im letzten Kinofilm getötet worden ist, hatte ich regelrecht verschlafen. Überhaupt musste ich mich wundern, dass die wichtigsten Darsteller tot sind, so Darth Vader oder Joda. Darth Vader hatte ich im letzten Kinofilm verwechselt mit Kylo Ren, die sich allerdings beide mit ihrer schwarzen Maske ähneln. Unsere Kleine malte mir einen Stammbaum auf, dass Leia Organa eine Tochter ist von Anakin Skywalker und Padmé Amidala. Anakin Skywalker hatte sich in Darth Vader verwandelt, der in irgendeiner Episode getötet worden war, Luke Skywalker war der Bruder von Leia Organa. Unser kleines Mädchen konnte alle handelnden Personen wie im Schlaf herauf- und herunterbeten, während ich Puzzlestücke der Personen aus dem letzten Star Wars-Film zusammenfügen musste. Die Magie des Films hielt meine Faszination aufrecht. Ich freue mich schon auf die nächste Episode.

4. Februar 2016

Ich war gefangen zwischen Weiberfastnacht und dem Wetterbericht. Nach 11.11 Uhr, wenn die wilden Weiber Bonn-Beuel fest im Griff hatten, ging nichts mehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Also setzte ich mich auf mein Fahrrad und los ging es ins Büro. Der Wetterbericht sah aber unheilvoll aus. Nachdem ich es trocken ins Büro geschafft hatte, verregnete ein dickes Regengebiet den Tag, und so harrte ich im Büro der Dinge aus, ohne Regenbekleidung. Draußen wechselte der Regen seine Intensität, er plätscherte, trommelte, fisselte, tröpfelte, schüttete. Als gegen 16:30 Uhr kein Ende abzusehen war, entschloss ich mich, auf dem Fahrrad den Kampf gegen die Nässe aufzunehmen. Doch dann, urplötzlich, auf der anderen Rheinseite, erbarmte sich der Regen, als er ohne jeglichen Streifen von Helligkeit verschwand. Ich fuhr weiter. Die gefallenen Wassermengen konnte man dem Rhein ansehen: er war spürbar gestiegen, er hatte den Anlegesteg der Rheinnixen-Fähre angehoben, das chinesische Restaurant-Schiff schwebte genauso hoch über dem Rheinpegel. Das war nicht dramatisch: das Hochwasser steckte in den Anfängen, und bis zu einem kritischen Pegelstand musste noch sehr, sehr viel Wasser den Rhein hinunter fließen. Ich fuhr weiter in die Siegaue. Ein rauer Wind fegte in mein Gesicht. Das Hochwasser steigerte sich zu einem Naturschauspiel, indem es die Auenlandschaft unter Wasser setzte. Das sah harmonisch aus. Nur die Siegfähre musste auf der anderen Seite der Sieg aufpassen. Bald könnte sie unter Wasser stehen, doch dazu mussten noch einige Regenmengen den Rhein hinunterfließen.

5. Februar 2016

Unterhaltsamer Nachmittag bei der Tierärztin. Da die Praxis karnevalsbedingt morgens geschlossen war, knubbelte es sich am Nachmittag. Das Wartezimmer war bis auf den letzten Platz besetzt. Heute war Katzentag, denn die Katzen überwogen bei weitem die anderen Tierrassen. Brav harrten die Katzen in ihren Trageboxen, durch deren lichte Öffnungen ab und an leise Miau-Töne drangen. Zeitweise presste unsere Katze Alia ihr Gesicht gegen die Wand der Tragebox, als sie ein Hund, eine Kreuzung aus einem Cocker Spaniel und einer anderen Hunderasse, beschnuppern wollte. Das mochte sie, voller Neugier trafen sich das derbe Maul des Hundes und der feinfühlige Katzenmund. Der Hund schüttelte sein Fell ab, dann wandte er sich ab von unserer liebäugelnden Katze. Die Attraktion des Wartezimmers war ein Chinchilla. In einem hüfthohen Käfig hatten zwei Mädchen es angeschleppt. Mit der Mischung aus Eichhörnchen und Ratte ähnelte das Chinchilla ein wenig der Eichel-sammelnden Figur „Scrat“ aus dem Film „Ice Age“. Die Haltung als Haustier hörte sich nicht gerade bequem an. Als die beiden Mädchen es aus dem Käfig gelassen hatten, verkroch es sich in allen denkbaren Ecken des Hauses. Es kostete eine extreme Mühe, es wieder einzufangen, weil es ständig weg rannte und sich wieder versteckte. In Gefahrensituationen, wenn es erschreckt wurde, machte es sich gegenüber seinen natürlichen Feinden unsichtbar, indem es sein Fell abstreifte. Dann war es vollkommen nackt, und es dauerte 4-6 Wochen, bis das Fell wieder nachgewachsen war. Daher mussten sich Besucher möglichst weit von dem Chinchilla fernhalten. Anfangs waren auch Tierarztbesuche kritisch, doch die Tierärztin hatte mittlerweile das nötige Fingerspitzengefühl gelernt. Fast anderthalb Stunden verbrachten wir in der Tierarztpraxis, ohne eine Sekunde Langeweile gehabt zu haben. Die gute Botschaft war: unsere Katze Alia war eindeutig auf dem Weg zur Besserung. Die Entzündung der Wunde war abgeklungen, der Heilungsprozess hatte eingesetzt. Da die Wunde rund drei Zentimeter lang war, würde die Heilung noch einige Wochen dauern. Nächsten Dienstag dürfen wir mit Alia wieder zur Kontrolle.

6. Februar 2016

Durch unser kleines Mädchen, die Messdiener ist, schaffe ich es gelegentlich in die Kirche. Das finde ich nicht einmal uninteressant, zumal all die Heiligen, die Kirchengeschichte und all die Gleichnisse aus dem Alten Testament und dem Evangelium die Wurzeln unseres Christentums darlegen. Sie haben eine Bildersprache, die unserem technisch-naturwissenschaftlichen Denken vollkommen abhanden gekommen ist. Dem muss allerdings entgegengehalten werden, dass zwar alle großen Religionsgründer intelligente Menschen waren, die Liebe und Verständnis für ein friedliches Miteinander predigten. In der Folgezeit wurde dann aber alles verfälscht, für andere Zwecke umgebogen oder als Grund zum Missbrauch wie Töten, Unterdrücken bzw. als Einnahmequelle missbraucht. In der Lesung las der Pastor aus der Apostelgeschichte vor, dass Paulus berufen wurde, Jesu Namen vor Heiden und Königen zu verkünden. Im Lukasevangelium zitierte er die Botschaft an Petrus nach dem überreichen Fischfang auf dem See Genezareth: „Fürchte dich nicht; von nun an wirst du Menschen fangen.“ In der Predigt führte er aus, dass Paulus den Auftrag Jesus umsetzte, andere Völker zum Christentum zu bekehren. Das tat er dann auch ab dem Jahr 50, indem er mehr als eintausend Kilometer rund um den Mittelmeerraum zurücklegte und predigte. Angeblich ist er in der Zeit des Kaisers Nero im Jahr 64 durch das Schwert hingerichtet worden, da die Römer und Christen sich urplötzlich spinnefeind gegenüberstanden. Die Bekehrung des Apostels Paulus ist Motiv in der mittelalterlichen Malerei geworden, so bei Pieter Brueghel dem Älteren (1567).

7. Februar 2016

„Dem Carneval eine edlere, den gegenwärtigen Zeitverhältnissen entsprechendere Form zu geben, ihn geistig aus seiner Versunkenheit wieder emporzuheben, ihn gleichsam poetisch zu gestalten”, das war die Absicht einiger Männer, die sich Ende des Jahres 1822 in einem “Häuschen” bei der Kirche Sankt Ursula in Köln trafen. In ihren Köpfen reifte der Entschluss, am Fastnachtsmontag 1823 einen straff durchorganisierten Karnevalszug durch die Straßen Kölns ziehen zu lassen. Reichlich poetische Gestaltung, das haben wir bei unserem gestrigen sonntägigen Karnevalszug in unserem Ort erlebt. Jede Menge mit viel Liebe gestaltete Karnevalswagen und herausgeputzte Fußgruppen waren dabei. D’r ZOCH KÜTT. Die sich anschließenden Karnevalswagen bestanden aus einer Riesentorte, sie waren monster-mäßig-jeck, sie wandelten den Starlight-Express ab. sie waren eine Pferdekutsche ohne Pferd und sie waren ganz viel Feuerwehr, denn das Dreigestirn kam aus der Feuerwehr; verkleidet als Kakteen, Drachen oder gestiefelter Kater, waren die Fußgruppen reich dekoriert mit Poesie und Gestaltung; dazu mischten die Live-Klänge eines deutsch-niederländischen Tambourcorps die Kölschen Lieder aus Lautsprechern auf. Doch das war noch längst nicht alles. Alle Karnevalswagen und Fußgruppen aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen.

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