Wochenrückblick #3/2016

Nachdem ich im letzten Jahr meine Wochenrückblicke wieder aufleben ließ, hatte ich mich zwischenzeitlich mit der Form auseinandergesetzt, wie ich diese möglichst kurz und prägnant, ohne größeren Zeitaufwand und ohne textliche Überladung, formulieren könnte. In Facebook habe ich dazu eine Lösung gefunden: jeden Tag poste ich ein Ereignis, meine Gedanken, eine Begebenheit oder eine Situation, die ich für typisch halte, und füge diesen Posts ein Foto bei. In Tagebuchform übertrage ich dann meine Posts in meinen Wochenrückblick. Da nicht all meine Leser in Facebook vertreten sind, wird es sicherlich eine gewisse Schnittmenge von Lesern geben, die in Facebook meine Posts noch nicht gelesen haben.

17. Januar 2016

Heute war ich auf einem Sportevent der anderen und besonderen Art. Sonst durch den Fußball geprägt, ging es zum Eishockey. Eine gute Freundin hatte bei Center TV Karten gewonnen und hatte eine Karte überzählig. Tolle Stimmung in der Lanxess Arena, packendes Spiel, voller Spannung, auf dem Eis ging es ordentlich zur Sache, so dass der eine oder andere Spieler auf der Strafbank dumm aus der Wäsche schaute. Kölner Haie gegen die Krefelder Pinguine. Das Ende war nicht ganz so schön: eine 3:4-Niederlage der Kölner Haie. Ein höchst unterhaltsamer und kurzweiliger Nachmittag.

18. Januar 2016

Hektische Aktivitäten am frühen Morgen. Ab 8 Uhr konnten telefonisch Termine mit der Gesamtschule vereinbart werden, um Schulkinder aus dem 4. Schuljahr für die Gesamtschule anzumelden. Die eigentlichen Anmeldetermine liegen ab dem 29. Januar. Nachdem die Gesamtschule in unserer Stadt neu eingeführt wurde, kam es in den letzten Jahren zu einem Überhang, so dass nicht alle Schüler/-innen aufgenommen werden konnten. Da nur der telefonische Eingangskanal, das Zeitfenster ab 8 Uhr heute sowie die einzige Rufnummer (02208) 92234-0 festgelegt wurde, ist das Telefonnetz in der Gesamtschule zusammengebrochen. Von 8 Uhr bis 8:30 Uhr startete ich insgesamt 22 beharrliche Anrufversuche, die aber von einem zähen Besetztzeichen ignoriert wurden. Als wir die Hoffnung ungefähr aufgegeben hatten jemanden zu erreichen, gelang dies schließlich meiner Ehefrau kurz nach 9 Uhr. Am 1. Februar können wir unser kleines Mädchen anmelden.

19. Januar 2016

Als Rheinländer klage ich gerne, was den Winter und den Schnee betrifft. Wir sind ja auch hoffnungslos benachteiligt in der Köln-Bonner Bucht. Wenn der Rest der Republik in einer schmucken weißen Schneedecke eingepackt ist, dann sind wir im Rheinland so ungefähr der einzige grüne Fleck in unserer Republik, wo der Schnee weggetaut ist oder erst gar nicht gefallen ist. Immerhin schlägt die frostige Luft auf mein Wohlbefinden durch. Ich schlafe besser, kann mich besser konzentrieren, denke klarer, gehe motivierter an die Dinge heran. Winter und Frost schärfen meinen Blick fürs Detail. Ich muss näher heran gehen. Die kargen Reste des Schnees muss ich suchen. Im Stadtpark bin ich den pappigen Resten begegnet: sie umgeben Narzissen, deren Wachstum in einem Wechselspiel aus Vorfrühling und Winter die Orientierung verloren hat. Lange hat es gedauert, bis sich der Winter gemeldet hat.

20. Januar 2016

Seine Tage sind gezählt, für dieses Weihnachtsfest hat er ausgedient, pietätslos und ohne Regungen habe ich ihn zum Biomüll gestellt. Niemand beachtet ihn, seine schmückende Funktion ist einem nadelnden Ärgernis gewichen. Morgen wird er von den Abgründen eines Müllwagens verschluckt werden. Wie so oft im Leben, erstaunt es, wie schnell die Zeit vorbei geht. Ein paar Lichterketten zieren noch die Hauswände, Weihnachtsmänner sind wieder im Keller verstaut worden, Schlitten und Rentiere sind auf den Nordpol zurück gekehrt. Die Weihnachtszeit ist vorbei, definitiv. In ungefähr elf Monaten werden wir einen neuen Weihnachtsbaum kaufen.

21. Januar 2016

Heute heißt es, Daumen zu drücken und zuversichtlich ungewissen Ereignissen ins Auge zu sehen. Getreu dem rheinischen Motto „et is noch alles joot jejange“ hoffe ich, dass böse Überraschungen ausbleiben. Mein Vater ist heute unters Messer gekommen. Operation am Harnleiter. In seiner Ü80-Generation steigen die unkalkulierbaren Risiken. Gestern haben wir die bürokratische Anmeldeprozedur im Elisabeth-Krankenhaus in Mönchengladbach-Rheydt gestemmt. Das war ein Geduldsspiel, durch fünf Stationen geschickt zu werden, dazwischen Nummerziehen, Warten, Nummerziehen, Warten und immer weiter so. Wir schleusten uns durch die Patienten-Aufnahme, die Urologie-Abteilung, die Urologie-Station, die kardiologische Abteilung, das Arztgespräch in der Urologie-Abteilung, die Anästhesieberatung, schließlich zurück zur Urologie-Abteilung, wo mein Vater sein Bett bekam. In der kardiologischen Abteilung, wo das EKG gemacht wurde, herrschte der Ausnahmezustand. Vor uns saßen zehn Wartende, alles knubbelte sich, kein Stuhl war mehr frei. Die Wartezeit betrug etwas mehr als anderthalb Stunden, zumal auch Langzeit-EKG’s zu machen waren, die locker eine Viertelstunde dauerten. Heute um 13 Uhr kam die Schicksalsstunde: der OP-Termin, und ich bin sicher, dass Chirurgen und Urologen ihr bestes gegeben haben.

22. Januar 2016

Es gehört zum Wesen von Facebook, Sprüche, Redensarten, Aphorismen und Weisheiten zu posten. Ich stelle fest, dass Sprüche in Facebook in einer Überfülle kursieren. „Zeit vergeht. Gefühle und Bilder bleiben im Kopf“, „Meine erste Tat für heute ist ein Lächeln für Dich“ oder „Das Leben ist schöner am Strand - selbst im Winter“, wenn ich diese Sprüche lese, denke ich mir meinen eigenen Teil dazu. In diesem überreichlichen Angebot von Weisheiten fällt es mir schwer, Goethe, Nietzsche und Schopenhauer hinzuzufügen. Auf dem Kaiserplatz in Bonn steht ein Karren, der alte Bücher gesammelt hat und zum Verkauf anbietet. Darin haben sich die Zitate von Goethe, Nietzsche, Schopenhauer hinzugefügt. „Es gibt Bücher, durch welche man alles erfährt, und zuletzt von der Sache doch nichts begreift“, so zitiert Goethe.„Ein Buch, das man liebt, darf mein nicht leihen, aber man muss es besitzen“, das meint Nietzsche. „Lesen heißt, mit einem fremden Kopf statt dem eigenen zu denken“, so begreift Schopenhauer. Bücher stimulieren mich. Die Weisheiten, die so manche Facebook-Freunde posten, regen meine Phantasie an. Dennoch liegen mir die Zitate von Goethe, Nietzsche, Schopenhauer näher als die Weisheiten in Facebook. Es ist ein Irrtum, dass Facebook Bücher ersetzen kann. Der Leser muss sich anstrengen, er muss sich durch Bücher hindurch lesen, Zeile für Zeile. Leider: der Niveau-Sprung ist groß, dass in Facebook einfach mal geliked wird oder durch die Gegend gepostet wird. Goethe, Nietzsche, Schopenhauer sind ein anderes Niveau.

23. Januar 2016

Träume sind meine Vision, Träume beflügeln meine Phantasie, sorgfältig züchte ich meine Träume und päppele sie auf. Manche mögen mich für einen Tagträumer halten, abgedriftet und jenseits der Wirklichkeit, aber ich brauche dieses Maß, um umgekehrt einen gewissen Anteil dieser schönen Dinge auch machen zu können. Teufel, Monster, Heilige, so lautet die Überschrift in der heutigen Ausgabe des Bonner General-Anzeigers, die eine Ausstellung von Hiernonymus Bosch in s’Hertogenbosch in den Niederlanden ankündigt. Der Hammer. Ein Traum. Die Ausstellung läuft vom 13. Februar bis zum 8. Mai 2016. Da will ich hin. Aus zwei Gründen: neben Maastricht ist s’Hertogenbosch eine der schönsten Städte in den Niederlanden - in den 1990er Jahren war ich ein paar Mal dort. Zweitens: je weiter die Malerei zurück reicht, um so mehr fasziniert sie mich. Die ersten Spuren der Malerei eines Jan van Eyck in Brügge oder eines Stefan Lochner in Köln reichen in das 15. Jahrhundert zurück. Hieronymus Bosch, um 1500, ist nur unwesentlich älter. Die Welt seiner Fabelwesen oder die mystische Gestalt einer „Dulle Griet“ fasziniert mich. Früher bin ich zum Beispiel extra zu einer Ausstellung nach Brüssel gefahren, um Goya zu sehen. Warum nicht Hieronymus Bosch ? Gewiss, die Wahrscheinlichkeit ist nicht riesig hoch, dass ich es nach s’Hertogenbosch schaffe, schließlich sind es 210 Kilometer in die Hauptstadt der niederländischen Provinz Noord-Brabant. Aber bei Träumen verhalte ich mich nicht viel anders als Politiker: sie zeigen Beharrungsvermögen, sie rudern ungerne zurück, sie suchen nach Trippelpfaden, um den Träumen möglichst nah zu kommen.

24. Januar 2016

Unbemerkt, indem wir vertieft, konzentriert und angespannt vor dem Laptop hockten, verging die Zeit im Fluge. Wir klickten hier, klickten da, fügten Bilder ein, kopierten Texte, vergrößerten, verkleinerten, erweiterten die Menüzeile, schoben Untermenüs ein, untermalten alles mit Bildergalerien, die uns mit ihren Bildunterschriften aber zur Verzweiflung trieben, weil ihre Form sperrig war und sich schwer verändern ließ. Wir müssten einen Cut machen, meinte irgendwann meine Frau. Ein ganze Zeit lang werkelten wir mit unserer Thailändischen Freundin Thita weiter, und als wir unser Schaffenswerk unterbrachen, um den Cut zu machen, war ich verblüfft. Es war kurz nach 19.30 Uhr. Kochen, Essen, Spülen, die Abläufe unseres Abends mussten wir zurechtstutzen. Wir hatten sie sogar über den Haufen geschmissen, weil unser kleines Mädchen bald ins Bett gehen musste. Sechs Stunden waren wie im Fluge verflogen. Wir hatten unser geballtes Wissen zusammengetan, um Thita zu helfen, eine eigene Internetseite aufzubauen. Die künftige Seite wird voller Spannung stecken, denn Thita unterstützt Waisenkinder in Thailand. Spenden, Sachspenden, Sponsoren, die Anzahl der Helfer ist groß, außerdem hat sie persönlich die Patenschaft über zwei Waisenkinder übernommen. Mit unserem Zwischenergebnis, wie die Internetseite aussieht, waren wir sehr zufrieden, einige Menüs sehen bereits richtig hübsch aus. Bis die Internetseite Online gehen kann, werden wir wohl noch ein paar Sonntagnachmittage an Arbeit investieren müssen.

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