Wikinger im Rheinland

Niemand nahm sie ernst, jedenfalls nicht so richtig. Die Gefahr drohte aus dem hohen Norden. Wikinger, Dänen, Normannen machten sich zunächst im Ostseeraum breit, dann dehnte sich ihre Wanderungsbewegung auf die Küsten West- und Mitteleuropas aus. In der Zeit des frühen Mittelalters, um 800, waren ihre Schiffsflotten auf Augenhöhe mit einem Entwicklungsstand , den die englische Seefahrernation im sich verabschiedenden Mittelalter erreichte. Ein hoher und schnörkelloser Schiffsbug, eine schlanke und wendige Form, hohe und aufgeblähte Segel, Schutz bietende Bordwände. Es waren wahre Schnellboote des Mittelalters, die stromlinienförmig so ausgesehen haben müssen wie die aus Wracks nachgebauten Wikinger-Schiffe in den Museen von Oslo oder Roskilde in Dänemark.

Es war nicht so wie heute, dass sich Nachrichten über Live-Ticker, im Fernsehen und auf Smartphones in Windeseile verbreiteten, so dass die Invasion der Wikinger dauerte. Das fränkische Reichsgebilde war stabil, dennoch kratzten von allen Seiten fremde Völker an den Grenzen. Erste Alarmzeichen klingelten im Jahr 810, das berichten die Reichsannalen Karls des Großen. Zweihundert Schiffe aus „Normannia“ hatten Friesland überfallen und die vorgelagerten Inseln verwüstet. Dabei hatte der dänische König Gotfrid die Friesen geschlagen und einen Tribut von einhundert Silbermark erpresst. Karl reagierte, indem er den König Gotfrid in einer Schlacht besiegen wollte, doch eigene Leute kamen ihm zuvor, indem sie ihn ermordeten. Nach dem Tod Karls des Großen braute sich das Unheil vor den Mündungen der großen Flüsse zusammen. Die Nordmänner fielen über England her, gleichzeitig fuhren ihre Schiffe die großen Flüsse Rhein, Schelde, Seine und Loire flussaufwärts. Nachgewiesen ist, dass Karl der Große 808 den Befehl zum Bau einer Schiffsflotte erteilt hat. Doch die Nachfolgedynastien waren mit Ludwig dem Frommen, Karl dem Kahlen oder Ludwig dem Deutschen so sehr in sich zerstritten, dass der Flottenbau im Sande verlief.

Das stärkte den Feind von außen. Die Wikinger schlugen Wurzeln und siedelten abseits der großen Flüsse in Lagern, so in Flandern, in Overijssel in den Niederlanden, an der Seine oder auch im Rheinland. Dort dürften sie nicht viel anders ausgesehen haben, wie man sie aus der Kinderserie „Wickie und die starken Männer“ kennt: sie trugen Helme und Wollkleidung, Pelze schützten vor winterlicher Kälte, sie kämpften mit Äxten und Streitäxten, sie schossen mit Pfeil und Bogen, ein Rundschild schützte sie, flink und wendig waren sie in ihren Lederrüstungen.

Es war nicht so wie heute, dass sich Nachrichten über Live-Ticker, im Fernsehen und auf Smartphones in Windeseile verbreiteten. Daher sollte es rund siebzig Jahre dauern, bis Wikinger, Dänen, Normannen über den Rhein und die Maas in das Rheinland vordrangen. Ihre Strategie war neu, flexibel und für die Heere der Franken schwierig auszumachen. In ihren Drachenbooten eilten sie heran, gingen an Land, schwärmten aus. Eine feste Schlachtordnung kannten die Wikinger nicht. Scheinbar planlos rannten sie von allen Seiten los, Pfeil und Bogen zielten in die Ferne, ihren Feind umzingelten sie. Dazwischen wechselten sich auf ihre Schiffe, um den Feind von neuen Positionen zu überraschen. Die Franken waren machtlos. Gegen diese Taktik waren sie ungefähr so hilflos ausgeliefert wie das Rheinland im Alliierten Bombenkrieg im Zweiten Weltkrieg.

Sie plünderten und wüteten, mordeten und brandschatzten zwischen Maas und Rhein. Auf breiter Front fielen sie im Jahr 881 in das Rheinland ein. Über die Maas gelangten sie nach Maastricht und Lüttich, dann preschten sie voran nach Aachen und in die Zülpicher Börde. Rheinaufwärts ruderten sie ihre Schiffe nach Nijmegen, Xanten, Neuss und Köln.

Glaubt man den Reichsannalen, so gingen die Wikinger, Dänen, Normannen ähnlich brutal zur Sache, wie der Islamische Staat heutzutage mit Andersgläubigen und Jesiden umspringt. Kurz vor dem Weihnachtsfest im Jahr 881 brach der Wikingersturm auf Köln los. Wild schallte ihr Gebrüll gegen die Kirchenglocken an. Sie schwangen ihre Äxte und Schwerter, sie drangen in die Häuser ein. Sie rissen alles heraus, was wertvoll und nützlich aussah, und packten es auf ihre Schiffe. Sie stachen auf alles ein, Männer, Frauen, Kinder, Junge, Alte, Schwangere. Wer Widerstand leistete, gegen den stachen ihre Schwerter zu. Wie beim Islamischen Staat, kannte ihre Barbarei keine Grenzen. Das eine ums andere Mal schnitten ihre Schwerter Köpfe ab, dabei gröhlten die Wikinger und triumphierten. Aus dem Nichts, so wie sie gekommen waren, verschwanden sie wieder. Gleich den Qualen eines Fegefeuers, lag Köln am nächsten Tag in Schutt und Asche. Nur was heilig war, hatten die Wikinger verschont. Kirchen hatten sie nicht angezündet, Altäre und Heiligenstatuen tasteten sie in den Innenräumen nicht an. Weiter rheinaufwärts, nach Koblenz und Mainz, setzten sie ihr Gemetzele fort.

Es ist allerdings nicht bewiesen, ob man den Reichsannalen glauben kann. Wikinger, Dänen, Normannen kannten die Schriftlichkeit nicht, wie sie bei den Karolingern üblich war. Sie hinterließen keinerlei Dokumente, so dass die Ausführungen in den Reichsannalen nicht widerlegt werden können. Herrscher können übertreiben, sie können nur die Sonnenseite ihres Regierens zeigen, sie können Tatsachen verdrehen oder bestimmte Errungenschaften von Wikinger, Dänen, Normannen einfach weglassen. Über Wikinger, Dänen, Normannen im Rheinland weiß man vom Prinzip her sehr wenig. Quellen sind im 9. Jahrhundert äußerst rar gesät.

Spätestens mit dem Jahr 1066, nach der Schlacht von Hastings, erschöpften sich die Überfälle von Wikingern, Dänen, Normannen. Dabei war das Rheinland nur ein kleinerer Flecken, der zu leiden hatte. England und Irland waren in sich zerrissen inmitten der Überfälle von Wikingern, Dänen, Normannen. Nach 1066 übernahmen die Normannen die Vorherrschaft in England. Mit Wilhelm dem Eroberer stellten sie den König von England.

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